Berliner Philharmoniker

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Bitte beachten Sie die Verlegung vom 12. Mai

Kammermusik

Happy Birthday, Philharmonia Quartett

Das Philharmonia Quartett hat in den vergangenen Jahren mit seinem kompletten Schostakowitsch-Quartettzyklus großes Aufsehen erregt. Zum 30. Geburtstag macht sich das Ensemble selbst ein Geschenk und setzt die Streichquartette Nr. 11 und 12 des russischen Komponisten erneut auf das Programm, zusammen mit dem 12. Streichquartett von Ludwig van Beethoven, das kongenial lyrische Schönheit und polyfone Satzkunst vereint.

Philharmonia Quartett:

Daniel Stabrawa Violine

Christian Stadelmann Violine

Neithard Resa Viola

Dietmar Schwalke Violoncello

Jubiläumskonzert – 30 Jahre Philharmonia Quartett

Dmitri Schostakowitsch

Streichquartett Nr. 11 f-Moll op. 122

Dmitri Schostakowitsch

Streichquartett Nr. 12 Des-Dur op. 133

Ludwig van Beethoven

Streichquartett Nr. 12 Es-Dur op. 127

Termine und Tickets

Sa, 16. Mai 2015 20 Uhr

Kammermusiksaal

Einführung: 19:00 Uhr

Programm

In Dmitri Schostakowitschs Elftem Streichquartett op. 122 aus dem Jahr 1966 kommt die ziellos in sich kreisende, ergreifende Musik nur zögerlich in Gang; immer wieder zerfällt sie wie brüchig gewordenes Pergament, dessen vergilbte Seiten zentrale Motive und Zitate aus früheren Werken enthalten. Entstanden ist das aphoristische Stück im Gedenken an Wassili Schirinski, den 1965 verstorbenen zweiten Geiger des Beethoven-Quartetts, wobei die Motive ganz allgemein um Themen wie »Tod« und »Vergänglichkeit « zu kreisen scheinen. Dem Primarius des Beethoven- Quartetts, Dmitri Zyganow, ist demgegenüber das zwei Jahre später entstandene, symphonisch ausladende Streichquartett op. 133 gewidmet.

Dass Schostakowitsch gerade in diesem zwölften Quartett die Zwölftontechnik erprobte, mag an seinem Faible für Zahlensymbolik gelegen haben; allerdings vermied er dabei Assoziationen zum tonalen System durchaus nicht, schließlich hat das Werk die Grundtonart Des-Dur. Beiden Werken widmet sich das Philharmonia Quartett, das schon in den Spielzeiten 2005/2006 und 2006/2007 mit seinem kompletten Schostakowitsch-Quartettzyklus im Kammermusiksaal für internationales Aufsehen gesorgt hat – ebenso wie mit der 2003/2004 erfolgten Aufführung sämtlicher Streichquartette Ludwig van Beethovens. Abgerundet wird das Programm mit Beethovens lyrischem Es-Dur-Quartett op. 127, dessen polyfone Kunst in den Worten des Rezensenten der Berliner Allgemeinen Musikalischen Zeitung von 1827 in den »Zauberkreis des Meisters« führe, »in welchem man immer mehr Linien und Figuren wahrnimmt, die sich der Seele bemächtigen«.

Über die Musik

Ein neuer Typus von Klanglichkeit

Späte Streichquartette von Dmitri Schostakowitsch und Ludwig van Beethoven

60 Jahre alt ist Dmitri Schostakowitsch, als er 1966 sein Streichquartett Nr. 11 f-Moll op. 122 komponiert. Zwei Jahre später, im März 1968, vollendet er die Nummer Zwölf in Des-Dur op. 133. Der 55-jährige Ludwig van Beethoven schließt 1825 die Arbeit an seinem drei Jahre zuvor in Angriff genommenen Es-Dur-Quartett op. 127 ab. Gut 140 Jahre trennen Beethovens Opus 127 und Schostakowitschs Opera 122 und 133. Die drei Werke markieren den Beginn des Spätwerks ihres jeweiligen Schöpfers. Spätwerk, ein Terminus, der sich auch hier nicht nur auf das Lebensalter bezieht, sondern vor allem auf das künstlerisch-ästhetische Konzept, das jetzt mit größtmöglichen handwerklichen Fähigkeiten und Fertigkeiten kompromisslos seine Umsetzung erfährt. Exemplarisch werden bereits in früheren Schaffensphasen angelegte und als Einzelphänomene deutlich artikulierte Stilmittel angewendet und mitunter radikal zugespitzt. Es entsteht ein neuer Typus von Klanglichkeit, gegensätzliche Ausdruckswelten wie Trauer und überhöhtes Glück oder radikale Schroffheit und lyrisch-zarte Empfindsamkeit werden miteinander verbunden. Beide Meister »sprechen« mitunter beklemmend eindringlich zu uns, fast meint man Worte hören zu können.

Schostakowitsch selbst erinnert sich, dass er bis zu seinem neunten Lebensjahr »ein gewisses Interesse für Musik […] wohl schon verspürt« habe. »Wenn in der Nachbarschaft ein Streichquartett probte, legte ich das Ohr an die Wand und lauschte.« Ein Streichquartett weckte offenbar sein Interesse für Musik! Dennoch komponiert Schostakowitsch seinen ersten Beitrag für diese Gattung (op. 49) erst 1938. Der Schwerpunkt seines Schaffens liegt bis dahin auf groß besetzten Werken: Bereits als 20-Jähriger erweckt er mit seiner Ersten Symphonie op. 10 nicht nur nationale, sondern auch internationale Aufmerksamkeit. Die Leningrader Philharmoniker unter Nikolai Malko führen sie am 12. Mai 1926 in Leningrad, wie Petrograd seit 1924 (Lenins Todesjahr) hieß, zum ersten Mal auf. »Ich habe das Gefühl, dass ich eine neue Seite in der Geschichte der Symphonik aufgeschlagen und einen neuen großen Komponisten entdeckt habe«, notierte Malko danach – und so war es denn auch. Bis zum 28. Januar 1936: Damals bricht die Prawda mit dem Artikel Chaos statt Musik den Stab über Schostakowitschs am 22. Januar 1934 in Leningrad uraufgeführte und umjubelte Oper Lady Macbeth von Mzensk. Man lastet ihr »fehlende Melodik« und einen »dekadenten Modernismus« an. Ein Vorgang, der sich 1948 noch einmal wiederholen sollte. Jetzt mit existenziell bedrohlichen Beschlüssen: Schostakowitsch wird alle seine Lehrämter los. Der Vorwurf, »formalistische Verzerrungen und antidemokratische Tendenzen« aufzugreifen und der »übermodernen bürgerlichen Musik Europas und Amerikas« zu huldigen, wiegt in Stalins Sowjetunion schwer. Als eine Konsequenz aus dem »Scherbengericht« von 1936 verschiebt Schostakowitsch die Schwerpunkte seines Schaffens zugunsten kleiner besetzter Werke. Eine Tendenz, die er nach 1948 noch entschiedener fortsetzt. Während der Freund Mstislaw Rostropowitsch 1974 die Sowjetunion endgültig verlässt, sieht Schostakowitsch in kammermusikalisch besetzen Kompositionen sein Rückzugsgebiet. Von 1948 bis 1966 stehen fünf Symphonien sieben Streichquartette, von 1968 bis 1975 dann noch einmal zwei Symphonien fünf Streichquartette gegenüber.

»Für Wassili Petrowitsch Schirinski«: Schostakowitschs Streichquartett Nr. 11 f-Moll op. 122

Im März 1966 schreibt Schostakowitsch an den Freund und Kunsthistoriker Isaak Glikman: »Ich bin bereits Invalide 7. Grades. Sicher bin ich bald Invalide 1. Grades de luxe. Nichtsdestoweniger verliere ich nicht den Mut. Ich habe ein ›Vorwort zur Gesamtausgabe meiner Kompositionen und kurze Reflexion aus Anlass dieses Vorworts‹ komponiert. Text und Musik sind von mir: ›Ich beschmiere in einem Schwung ein Blatt. / Ich lausche geübten Ohres, wie’s pfeift. / Dann quäl’ ich der ganzen Welt Ohren. / Dann wird es gedruckt und in den Lethefluss ich plums!’ […]‹ Mit Bekanntgabe des Textes meines neuen Werks beschließe ich meinen Brief. Ich habe noch ein Elftes Quartett komponiert, worüber ich Dich gleichfalls in Kenntnis setze.«

Bittere Selbstironie, aber auch ein befreiendes Lachen über sich selbst. Ist es ein Resümee des eigenen Lebens? 1966 beschäftigt sich Schostakowitsch zunehmend mit dem Tod: Er erleidet den ersten Herzinfarkt. Seitdem ist er beständig krank. Mit einem gebrochenen Bein liegt er mehrere Monate im Krankenhaus. Danach quält ihn eine langwierige Gelenkentzündung. Nur am Rande erwähnt er in dem Brief an Glikman das am 30. Januar 1966 vollendete Elfte Streichquartett, das dann am 28. Mai 1966 in Leningrad uraufgeführt wird. Gewidmet ist es dem Gedenken an Wassili Schirinski, dem im Sommer 1965 gestorbenen Zweiten Geiger des berühmten Beethoven-Quartetts. Die Formation hat fast alle Streichquartette von Schostakowitsch (außer dem ersten und dem letzten) zur Uraufführung gebracht. Opus 122 ist ein veritables Requiem – mit Momenten des Aufbegehrens, des Zorns und der Verzweiflung. Sieben attacca ineinander übergehende Sätze sind motivisch miteinander verflochten. Wie von weit her, fahl und leise beginnt in der Introduktion die Erste Violine mit einer tieftraurigen Melodie. Die anderen drei Instrumente stimmen ein, auch sie apathisch ob des unentrinnbaren Schicksals. Ein polyfones Gewebe breitet sich aus, Tonwiederholungen, groteske Glissandi im Scherzo folgen. Dann machen im Rezitativ die drei Unterstimmen deutlich, dass ein vernünftiges »Gespräch« nicht mehr möglich ist; schroff, unversöhnlich und aggressiv antwortet die Erste Geige. Wie gründlich das Gleichgewicht gestört ist, zeigt die fulminante Etüde:Dem Primarius entgegnen die drei Mitspieler mit einer Variante des Cello-Themas aus der Introduktion, nun mit einem »russischen« Zungenschlag. Auch in der folgenden Humoreske taucht das Thema wieder auf. Dann formieren sich in der Elegie nacheinander Cello, Bratsche und die beiden Geigen zu einem punktierten Trauermarsch, schleppend, müde. Im Finale, das Motive aus der Introduktion und dem Scherzo aufgreift, wird der Klang immer dünner, bis er kurz vorm Verstummen ist. Ein einsames, von der Ersten Violine in höchster Höhe gespieltes »c« bleibt hängen, während sich die Töne der drei Begleiter in der Ferne verlieren.

»Für Dmitri Michailowitsch Zyganow«: Schostakowitschs Streichquartett Nr. 12 Des-Dur op. 133

»Lieber Mitja! Morgen ist Dein Geburtstag. Eben habe ich das Quartett beendet und bitte Dich, die Widmung anzunehmen.« Diese Zeilen schreibt Schostakowitsch im März 1968 an Dmitri Zyganow, den Primarius des Beethoven-Quartetts. Natürlich nahm dieser das »Geschenk« an. Noch konsequenter als bisher geht Schostakowitsch in seinem nunmehr Zwölften Streichquartett neue Wege. Das Werk, so der Komponist und Schostakowitsch-Biograf Krzysztof Meyer, sei »von wahrhaft symphonischem Charakter, mit dem ganzen Reichtum der Faktur, Harmonie und einer komplizierten Rhythmik«. Doch »symphonisch« nicht im beethovenschen Sinne des »durch Nacht zum Licht«, sondern genau umgekehrt »vom Licht zur Nacht«. »Der erste Satz porträtiert die Welt hoher Ideale. Der zweite Satz steht in scharfem Kontrast dazu«, hatte Schostakowitsch mitgeteilt. Und um diesen künstlerisch-ästhetischen Gedanken umzusetzen, betritt er erneut bislang fremden »Boden«. 40 Jahre nach Arnold Schönbergs Erfindung der »Kompositionsmethode mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen« greift er die in der Sowjetunion stets als »destruktives Prinzip« verdammte Methode auf. »Was die Zwölftonmusik anbetrifft, so meine ich, dass sie als Mittel zum Ausdruck eines künstlerischen Zwecks natürlich beim Komponieren Anwendung finden kann, aber als Selbstzweck taugt sie nicht, wie übrigens auch jeder andere Selbstzweck«, hatte er bereits am 9. März 1966 den Leningrader Musikwissenschaftler Alexander Abramow wissen lassen.

Folgerichtig wird im Streichquartett op. 133 die Methode daher eher punktuell und nicht grundsätzlich angewendet. Das Hauptthema, vorgetragen vom Cello, durcheilt zu Beginn des Moderatos alle zwölf Töne der Oktave, während im Gegenzug die danach einsetzende Violine die Zentraltonart Des-Dur umkreist – ein Wechselspiel, das den eher ruhigen Kopfsatz bestimmt. Ganz anders dann die Gegenwelt im ausgedehnten Allegretto. Wilde Triller, abstürzende Skalen, aberwitzige Rhythmen, dann im Mittelteil ruhige, tieftraurige Akkorde, eine gedämpfte Atmosphäre, ehe zum Schluss noch einmal alle Motive erklingen. Am 14. Juli 1968 stellt das Beethoven-Quartett das Werk bei einer Tagung des Komponistenverbandes der RSFSR (Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik) vor, wo es gründlich diskutiert wird. Die öffentliche Premiere findet am 14. September in Moskau statt.

»Für Nikolaus Borisowitsch Fürst Galitzin«: Beethovens Streichquartett Es Dur op. 127

»Nur jene unbedingten Enthusiasten, die alles preisen, was seinen Namen trägt, haben auch diese Komposition [gemeint ist Beethovens Opus 127], und zwar in gesteigertem Grade, des berühmten Autors würdig gefunden. Der Streit darüber mit der bei weitem größeren Zahl von Freunden und Veteranen der Kunst, welche sie für eine Verirrung des Geistes hielten, veranlasste im Frühjahr 1825 jene merkwürdige Aufführung derselben, bei welcher entschieden werden sollte, welche Partei richtig geurteilt habe«, berichtet der Musikschriftsteller Ignaz Franz von Mosel (1772 – 1844). Und er teilt uns auch das Ergebnis jener »merkwürdigen Aufführung« mit: »Während die Enthusiasten ihres Entzückens kein Ende finden konnten, blieben alle übrigen Mitglieder des erlesenen Auditoriums dabei, dass ihnen diese vagen, unzusammenhängenden, gedehnten Phantasien unverständlich seien und ein Chaos schienen, aus welchem von Zeit zu Zeit Genieflammen hervorbrechen, wie Blitze aus einer dunklen Gewitterwolke.«

Es dauerte noch lange, bis das Konzertpublikum Beethovens späte Quartette und damit auch dessen Opus 127 widerspruchslos hinnahm. Am 9. November 1822 hatte Fürst Nikolaus Borisowitsch Galitzin »Monsieur Louis van Beethoven a Viennes« brieflich um »un, deux ou trois nouveaux quatuors« gebeten – um ein, zwei oder drei neue Streichquartette. Der in St. Petersburg ansässige Fürst hatte als Kind in Wien gelebt. In seiner Heimat Russland, setzt sich der leidenschaftliche Musikliebhaber und versierte Cellist unermüdlich für Beethoven ein. So ist ihm zu verdanken, dass die Uraufführung der Missa solemnis am 7. April 1824 in St. Petersburg stattfindet. Als Galitzins Brief 1822 bei Beethoven eintrifft, ist dieser bereits mit einer Quartettkomposition beschäftigt. Doch intensiv kann er sich ihr nicht zuwenden, denn die Endfassung der Neunten Symphonie bindet alle seine Kräfte. Daher beendet er das Fürst Galitzin gewidmete Es-Dur-Streichquartett op. 127 erst Anfang 1825. Uraufgeführt am 6. März 1825 in Wien durch das Schuppanzigh-Quartett, wird es ein Misserfolg. Technische Schwierigkeiten, vor allem aber der »neue Ton« hatten sogar diese versierten Quartettspieler irritiert.

Denn entstanden war etwas gänzlich Neuartiges! Ursprünglich hatte Beethoven sechs Sätze geplant, sich dann aber doch auf die tradierte viersätzige Form beschränkt. Diese allerdings gestaltet er absolut unkonventionell. Mit sechs Maestoso-Takten, einer Akkordkette voller Doppelgriffe, forte und im Zweivierteltakt zu spielen, wird der erste Satz eröffnet. Dagegen setzt das anschließende, »sempre p e dolce« zu musizierende Allegro im Dreivierteltakt einen reizvollen, doch seltsam spannungslosen Kontrast. Mit diesen beiden »Gedanken« formuliert Beethoven gleichsam das Motto für das gesamte Quartett: Statt eines Kampfs der Gegensätze geht es ihm um die »Wandlung der Gestalten, den Wechsel der Bilder, die Metamorphosen in den Gefilden der ›klassischen Heiterkeit‹« (Johannes Forner). Ungewöhnlich ist auch der ausgedehnte Variationensatz, dem ein auf nur vier Pizzicato-Akkorden aufgebautes Scherzando anschließt. Erwachsen aus kunstvoll miteinander verästeltem Kleinst-Material, präsentiert auch dieser Satz etwas völlig Neues. Es folgt ein ungetrübt heiteres, eher rustikales Finale, dessen Coda die pastorale Stimmung noch einmal überhöht: »Die Musik scheint in den Himmel zu blicken und eröffnet für einen kurzen Moment die Vision höheren Glücks« (Volker Scherlies).

Ingeborg Allihn

Biografie

Das Philharmonia Quartett hat sich schon bald nach seiner Gründung im Jahr 1985 als ein Maßstäbe setzendes, in aller Welt hochangesehenes Kammermusik-Ensemble etabliert. Weit über 100 Werke umfasst inzwischen das vielseitige und von Entdeckerfreude geprägte Repertoire der Formation, der ausnahmslos Musiker aus den Reihen der Berliner Philharmoniker angehören: die Geiger Daniel Stabrawa und Christian Stadelmann, der Bratscher Neithard Resa sowie der Cellist Dietmar Schwalke, der nach dem Tod des Gründungsmitglieds Jan Diesselhorst Anfang Februar 2009 in das Ensemble aufgenommen wurde. Das Philharmonia Quartett lebt zum einen von der unerschöpflichen künstlerischen Auseinandersetzung mit den Klassikern – auch jenen des 20. Jahrhunderts – und zum anderen vom Engagement für seltener zu hörende Streichquartette, etwa von Paul Hindemith, Max Reger, Erwin Schulhoff oder Karol Szymanowski. Das Ensemble, dem u. a. der Preis der argentinischen Musikkritik verliehen wurde, ist regelmäßig in renommierten Konzertsälen rund um den Globus zu Gast, beispielsweise in der New Yorker Carnegie Hall oder in der Londoner Wigmore Hall sowie bei internationalen Festivals wie den Salzburger Festspielen. Die CD-Einspielungen des Ensembles finden immer wieder sehr positive Resonanz. So erhielten drei CDs mit Werken von Reger, Schostakowitsch und Britten den »Deutschen Schallplattenpreis«, für die Einspielung von Beethovens Streichquartett op. 130 sowie der großen Fuge op. 133 wurde den Musikern der »ECHO Klassik«-Preis verliehen. Im Rahmen der philharmonischen Kammerkonzerte führte das Philharmonia Quartett in der Saison 2003/2004 sämtliche Streichquartette Ludwig van Beethovens auf; die Spielzeiten 2005/2006 und 2006/2007 widmete es einem Schostakowitsch-Zyklus. In Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker war das Philharmonia Quartett zuletzt Mitte März 2014 zu erleben; auf dem Programm standen Werke von Joseph Haydn, Giuseppe Verdi und Maurice Ravel.

Daniel Stabrawa wurde in Krakau geboren. Er studierte an der Musikhochschule seiner Heimatstadt bei Zbigniew Szlezer, war Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe und erhielt 1979 die Konzertmeisterstelle beim Rundfunk-Orchester Krakau. Seit 1983 ist er Mitglied der Berliner Philharmoniker, drei Jahre später wurde er einer ihrer drei Ersten Konzertmeister. Von 1986 bis 2000 unterrichtete er an der philharmonischen Orchester-Akademie. Mit drei Kollegen aus dem Orchester gründete Daniel Stabrawa 1985 das Philharmonia Quartett, dessen Primarius er seitdem ist. Das Ensemble, das sich als eines der weltweit besten Streichquartette etabliert hat, konzertiert überaus erfolgreich in Europa, den Vereinigten Staaten, Japan und Südamerika und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Darüber hinaus widmet sich Daniel Stabrawa auch dem Dirigieren: Von 1995 bis 2001 war er Künstlerischer Leiter der Capella Bydgostiensis in Bydgoszcz (Bromberg). Mehrfach war er zudem Konzertsolist der Berliner Philharmoniker, zuletzt im Dezember 2012 mit der Musik für Violine und Orchester von Rudi Stephan unter der Leitung von Kirill Petrenko.

Christian Stadelmann, ein gebürtiger Berliner, spielt seit seinem siebten Lebensjahr Violine. Von 1970 an war Charlotte Hampe am Berliner Julius-Stern-Institut seine Lehrerin. In den Jahren 1980 bis 1985 studierte er bei Thomas Brandis an der damaligen Hochschule der Künste Berlin. Während dieser Zeit sammelte er bereits Orchestererfahrung als Mitglied der Jungen Deutschen Philharmonie. Daneben war er Mitbegründer der Kammerphilharmonie Bremen. Zwei Jahre lang gehörte er bei den Berliner Philharmonikern der Gruppe der Zweiten Violinen an, bevor er 1987 ihr Stimmführer wurde. Christian Stadelmann war langjähriges Mitglied des Fünferrats (von 1991 bis 2004, von 2005 bis 2006 und von 2009 bis 2015). Seit 1985 spielt er im Philharmonia Quartett. Daneben ist er neben Dietmar Schwalke (Violoncello) und Alexander Malter (Klavier) Mitglied des Vincent-Trios und auch solistisch tätig. Seit 2001 lehrt er an der philharmonischen Orchester-Akademie.

Neithard Resabegann 1969 in seiner Heimatstadt Berlin zunächst ein Violinstudium bei Michel Schwalbé, zwei Jahre später setzte er die Ausbildung bei Marie-Luise von Kleist-König fort. 1972 wurde Max Rostal sein Lehrer an der Musikhochschule Köln, wo er auf dessen Anregung ins Bratschenfach wechselte. 1977 vervollkommnete Neithard Resa seine Studien bei Michael Tree (Guarneri Quartett) am Curtis Institute of Music in Philadelphia. Im Folgejahr war er Preisträger beim Wettbewerb des Deutschen Musikrats, unmittelbar darauf nahmen ihn die Berliner Philharmoniker als Erster Solo-Bratscher auf. Neben der Tätigkeit im Orchesterspiel gilt Resas Engagement vor allem der Kammermusik. Von 1980 bis 1987 spielte er im Philharmonischen Oktett; seit 1985 ist er Bratscher im Philharmonia Quartett, das weltweit mit großem Erfolg konzertiert. Er tritt als Solist mit den Berliner Philharmonikern und als Kammermusiker mit verschiedenen Ensembles auf. Von 1985 bis 1997 unterrichtete Neithard Resa auch an der philharmonischen Orchester-Akademie.

Dietmar Schwalke studierte in Hamburg bei Arthur Troester und bei Wolfgang Boettcher in Berlin. Kurse bei Pierre Fournier rundeten seine Ausbildung ab. Nachdem er mehrere Preise und Auszeichnungen erhalten hatte, debütierte er als Solist des Radio-Symphonieorchesters (heute: Deutsches Symphonie-Orchester Berlin) mit Schumanns Cellokonzert in der Berliner Philharmonie. Als Mitglied des Kreuzberger Streichquartetts Berlin trat er von 1983 bis 1989 in sämtlichen europäischen Musikmetropolen auf. Bevor Dietmar Schwalke 1994 zu den Berliner Philharmonikern kam, spielte er vier Jahre lang im Radio-Sinfonieorchester Stuttgart und lehrte u. a. an der Hochschule der Künste Berlin. Sein besonderes Interesse für kleiner besetzte Werkgattungen pflegt der Cellist u. a. bei den Philharmonischen Streichersolisten, in der Philharmonischen Camerata, im 1998 gegründeten Vincent-Trio und bei den 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker. Im April 2009 hat Dietmar Schwalke die Nachfolge seines früh verstorbenen Kollegen Jan Diesselhorst beim Philharmonia Quartett angetreten.

Jan Diesselhorst (18.03.1954 – 09.02.2009) entstammte einem musikalischen Elternhaus in Marburg. Bereits während der Schulzeit begann er – zunächst als Gaststudent bei Alexander Molzahn – ein Cellostudium in Frankfurt am Main, das er später bei Wolfgang Boettcher in Berlin fortsetzte. Mehrfach mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet, kam Jan Diesselhorst 1977 in die Cellogruppe der Berliner Philharmoniker. Neben der Orchestertätigkeit wirkte er auch als Solist und fand seine kammermusikalische Heimat 1985 im Philharmonia Quartett. Außerdem lehrte er seit 1990 an der philharmonischen Orchester-Akademie. Im Sommer 2005 wurde er in den Orchestervorstand der Berliner Philharmoniker gewählt, eine Aufgabe die er mit großem Engagement bis zu seinem plötzlichen Tod im Februar 2009 ausfüllte.

Happy Birthday, Philharmonia Quartett
Von Klassisch bis Zeitgenössisch

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