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Education

Familienkonzert – Spurensuche in Cremona

Philharmonische Stradivari-Solisten Berlin:

Zoltán Almási Violine

Stanley Dodds Violine

Bernhard Hartog Violine

Sebastian Heesch Violine

Aleksandar Ivić Violine

Rüdiger Liebermann Violine

Thomas Timm Violine

Matthew Hunter Viola und Moderation

Walter Küssner Viola

Stephan Koncz Violoncello

Knut Weber Violoncello

Janne Saksala Kontrabass

Shalev Ad-El Cembalo

Werke von Thomas Tallis, Samuel Barber, Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart

Empfohlen ab 8 Jahren. Bei unseren Familienkonzerten ist die ganze Familie willkommen! Für die ganz kleinen Besucher bieten wir während des Konzerts eine qualifizierte musikpädagogische Betreuung an, die Sie auch noch im Verlauf des Konzerts wahrnehmen können.

Termine

Sa, 25. Mai 2013 16 Uhr

16:00 | Philharmonie

Live-Übertragung

Programm

Antonio Stradivari war und ist bis heute der berühmteste aller Geigenbauer. Seine Werkstatt betrieb er im norditalienischen Cremona. Durch den Klang seiner Geigen wurde er zu einem Mythos. Stradivari experimentierte so lange mit verschiedenen Holzstärken und diversen Lacken, bis er seinen Instrumenten einen Klang verleihen konnte, der Musiker und Sammler auf der ganzen Welt bis in die Gegenwart fasziniert und begeistert.

Die Philharmonischen Stradivari Solisten Berlin präsentieren in diesem von Matthew Hunter moderierten Familienkonzert die weltweit größte Sammlung von Stradivariinstrumentenmit Werken von Thomas Tallis, Samuel Barber, Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart. Wie diese Werke auf den Instrumenten der Berliner Oberschüler klingen, die sie in Workshops mit der Geigenbauerin Janine Wildhage gefertigt haben, ist ein weiterer spannender Aspekt dieses Familienkonzerts.

Über die Musik

Mit ihrem Education-Programm möchten die Berliner Philharmoniker ihre Arbeit und ihre Musik einem möglichst breiten Publikum zugänglich machen. Ermöglicht wird diese Initiative von der Deutschen Bank.

Geigenbaukunst in ihrer höchsten Vollendung

Auf den Spuren Antonio Stradivaris und seiner berühmten Geigen

Was für eine außergewöhnliche Idee! Vielleicht kann es mit vereinten Kräften ja doch gelingen, eine Geige zu bauen, die aussieht und klingt wie eine echte Stradivari? Nur, wie sollte man das anstellen? Matthew Hunter, Bratscher bei den Berliner Philharmonikern, hat den zündenden Einfall: Wir halten einen Geigenbau-Workshop ab, in dem wir eine Geige bauen nach einem Modell von Antonio Stradivari, des wohl berühmtesten Geigenbauers aller Zeiten, um anschließend im Konzert ihren Klang an den echten Stradivaris der Philharmonischen Stradivari-Solisten zu messen. Und die Berliner Geigenbauerin Janine Wildhage wird uns dabei unterstützen. Die Kolleginnen des Education-Programms der Berliner Philharmoniker lassen sich mit der Organisation nicht lange bitten, und im Februar startet das Experiment in Janine Wildhages Werkstatt in der Charlottenstraße. 19 ausgewählte Teilnehmer im Alter zwischen 16 und 49 Jahren, alle aus unterschiedlichsten beruflichen Richtungen kommend, beteiligen sich an der Herstellung des Instruments. Das Modell, das für diesen Versuch Pate stand, ist jene Stradivari mit dem ausgefallenen Namen »Lady Inchiquin« (nach einer ehemaligen Besitzerin aus Irland), die der Meister selbst 1711 gebaut hat. Im heutigen Familienkonzert ist nun das bemerkenswerte Ergebnis zu bestaunen.

Da fliegen die Späne – In der Werkstatt von Janine Wildhage

Von der Philharmonie aus kann man zu Fuß in einer guten Viertelstunde das Loftgebäude aus den 1920er-Jahren in der Charlottenstraße erreichen, wo im ersten Stock das helle, freundliche Geigenbau-Atelier von Janine Wildhage zu finden ist. Die Musikhochschule »Hanns Eisler« und das Konzerthaus am Gendarmenmarkt sind auch gleich um die Ecke. In den großzügigen Räumen ist es sehr aufgeräumt, überall kann man wunderschöne Instrumente bewundern, im Papierkorb locken sich Hobelspäne neben weißem Pferdeschweifhaar. Da packt einen doch die Mitmachlust! Für unsere Workschop-Teilnehmer gibt es fünf Arbeitsplätze, also teilt man sich in vier Arbeitsgruppen auf. Nacheinander wird jede Gruppe jeweils an drei aufeinanderfolgenden Abenden drei arbeitsreiche Stunden verbringen. Dabei fertigt jeder einen bestimmten Teil der Geige an, anschließend wird das Ergebnis an die nächste Gruppe weiterreicht. In knapp vier Monaten – rechtzeitig zum Konzert im Mai – soll die Geige fertig und spielbar sein. Das ist ein ziemlich ehrgeiziges Unternehmen. Doch zuerst wollen wir etwas mehr über den Beruf des Geigenbauers erfahren:

Frau Wildhage, wie wird man Geigenbauerin?

»Mein Weg dorthin führte über die Musik: Als Jugendliche habe ich zehn Jahre lang Geige gespielt. Nach dem Abitur absolvierte ich ein Praktikum bei einem Geigenbauer und dann ging alles ganz schnell: Ich begann eine Ausbildung zur Geigenbauerin an der Geigenbauschule »Antonio Stradivari« in Cremona (Italien); 1998 schloss ich sie in der Werkstatt von Kevin Gentges und Felix Scheit in Berlin mit der Gesellenprüfung ab.«

Wie beginnt man die Arbeit an einer Geige?

»Zuerstwählt man ein bestimmtes Modell aus. So wie wir uns eine besondere Geige von Stradivari ausgesucht haben. Das geschieht nicht ohne Grund, denn Form und Größe geben auch einen bestimmten Klang vor. Dasjenige Modell, das man dann baut, gefällt einem besonders gut; man hat eine Vorstellung davon. Meistens arbeiten wir auf Grundlage alter Vorbilder. Überdies besteht natürlich auch die Möglichkeit, Modelle zu kopieren, zum Beispiel die Wölbungen oder Stärken. Oder man wählt eines aus und arbeitet daran aber freier weiter.«

Welchen Arbeitsschritt lieben Sie am meisten beim Bau einer Geige?

»Das ist schwierig zu sagen, weil ich natürlich ganz grundsätzlich sehr gerne Geigen baue. Was ich auf jeden Fall besonders mag, ist das Herstellen von Wölbungen und f- Löchern sowie das Herausarbeiten der Schnecke.«

Wie lange braucht man für die Herstellung einer Geige?

»Bei mir sind es pro Geige etwa 160 Stunden, aber es gibt auch Geigenbauer, die mehr Zeit oder weniger Zeit benötigen. Einen großen Unterschied machen hierbei um Beispiel die unterschiedlichen Methoden der Lackierung.«

Kann man Geigen aufgrund ihres Klangs den unterschiedlichen Geigenbauern zuordnen?

»Nein, das glaube ich nicht. Vielmehr schaut man sich die Konstruktion an, die handwerkliche Machart. Womöglich gibt es ein paar Instrumente, bei denen man eine ungefähre Zuordnung treffen könnte. Aber auch in einer Expertise (so nennt man das Gutachten eines Experten) wird die Unterscheidung der Geigen nicht nach dem Klang getroffen, sondern nach der Art und Weise, wie das Instrument konstruiert ist, und der Beschaffenheit des Lacks.«

Was ist das größte Geheimnis einer Geige? Gibt es etwas, was auch Sie als Geigenbauerin nicht verraten würden?

»Mit dem Geheimnis ist das so eine Sache, denn es bleibt immer ein Rätsel, warum eine Geige so oder so klingt. Selbst durch physikalische Messungen kommt man dem Klang nicht auf die Spur. Aber das ist eigentlich bei allem der Fall, was mit Schönheit zu tun hat – einfach deswegen, weil die Wahrnehmung sehr persönlich ist. Kurzum: Der Klang bleibt immer in einem geheimnisvollen Bereich, weil man ihn nicht erklären kann. Ich finde daher Geheimniskrämerei fragwürdig und auch nicht zeitgemäß. Was viele Geigenbauer gleichwohl doch gerne für sich behalten, ist die Vorbereitung des Instruments auf den Lack, sprich: wie die Grundierung oder die Holzbehandlung durchgeführt wird. Denn das ist schließlich sehr entscheidend für die Wirkung des Lacks.

Woher beziehen Sie Ihr Holz?

»Die Fichte für die Decke stammt eigentlich immer aus dem Alpenraum, denn man braucht langsam wachsendes Holz, am besten von Nordhängen und von dort, wo es kalt ist. Für den Boden wird zu 95 Prozent Ahorn verwendet; besonders beliebt ist hierbei Ahornholz aus Bosnien.«

Wie alt sollte das Holz sein, das Sie verarbeiten?

»So alt wie möglich. Ich habe Kollegen, die überhaupt kein Holz verwenden, das in den letzten 40 bis 50 Jahren gefällt wurde. Sie versuchen ganz gezielt, Hölzer aus Gebäuden oder Schiffen zu bekommen, die über 100 Jahre alt sind. Man sollte natürlich kein frisches Holz verwenden, weil es voller Feuchtigkeit ist und sich daher sehr stark verändert. Außerdem reagiert es empfindlich auf Klimaschwankungen. Ich habe zum Beispiel Hölzer hier, die zwischen 10 und 40 Jahren alt sind, mit ein paar Ausnahmen, die um die 100 Jahre alt sind. Die sind aber auch dementsprechend teuer.«

Geigenbau im Schnelldurchlauf

Beim Bau eines Streichinstruments muss der Geigenbauer viele akustische und statische Gesetze beachten, damit es nicht nur gut klingt sondern natürlich auch stabil und haltbar ist. Deshalb müssen die Auswahl des Materials sowie die Art der Konstruktion gekonnt aufeinander abgestimmt sein. Dafür braucht man eine gute Ausbildung und sehr viel Erfahrung.

Zunächst bezieht man das Holz für die Geige von einem Tonholzlieferanten, wobei man in der Regel Fichtenholz für die Decke verwendet, während für den Geigenboden, den Hals und die Zargen vor allem Ahornholz gewählt wird, das eine möglichst schöne Maserung haben sollte. Dann beginnt man meistens mit dem Zargenkranz, denn die Umrisslinie der Zargen bestimmt die Form des ganzen Instruments. Der Zargenkranz besteht aus sechs etwa 1 mm dünnen und 30 mm breiten Holzleisten, die dann mittels eines erhitzten Zargenbiegeeisens kunstvoll gebogen werden. Diese Leisten werden miteinander verleimt und verbinden Boden und Decke zu einem Resonanzkörper. Boden und Decke sind die beiden Resonanzplatten der Geige, auf deren Holz die Umrisse der Zargen aufgetragen werden. Anschließend werden diese bis zu 3 mm größer ausgesägt. Nachdem der Umriss festgelegt wurde, folgt die Form der Wölbung, die den Geigenbauer aufs Äußerste fordert, wenn er eine harmonische Form erreichen möchte. Werkzeuge hierfür sind kleine Wölbungshobel, Ziehklingen und Hohlmesser. Danach folgt das Einarbeiten der stabilisierenden Einlagen in Boden und Decke, die entlang des Grundrisses verlaufen und der Geige ein »Gesicht« geben. Anschließend werden die f-Löcher ausgesägt und die Bassbalken eingepasst. Nun sind alle Bestandteile des Geigenkörpers fertig und können zusammengeleimt werden. Was noch fehlt, ist der Hals mit seinem Wirbelkasten und der Schnecke. Wenn dieser eingepasst und verleimt ist, wird der Geigenkorpus für die Lackierung vorbereitet, um die sich so viele Legenden ranken. Dabei soll eine Lackierung das Instrument vor Witterung und Schmutz schützen, die Klangfähigkeit erhöhen und die Schönheit des Holzes hervorheben. Meistens besteht die Lackierung aus drei Arbeitsschritten: der Grundierung des Holzes, dem Auftragen des Grundlacks und schließlich dem Aufstreichen des Farblacks. Der getrocknete Lack wird dann geschliffen und poliert. Im letzten Arbeitsschritt werden der Stimmstock, das Griffbrett, die Wirbel und das Knöpfchen eingepasst sowie der Steg angepasst. Dann erst werden die Saiten aufgespannt – der erste Ton kann erklingen.

Antonio Stradivari, Geigenbauer aus Cremona in Norditalien

Wollte man von der Philharmonie in Berlin auf dem schnellsten Weg in eine der berühmtesten Geigenbaustädte der Welt gelangen, müsste man 1.092 Kilometer Richtung Süden zurücklegen –bis nach Norditalien. Cremona, die kleine idyllische Stadt in der Lombardei, die vom Fluss mit dem schönen Namen Po umschlängelt wird, hat ihre Bekanntheit vor allem der Geigenbaukunst zu verdanken; diese wiederum ist eng mit den Namen Andrea und Nicolò Amati, Giuseppe Guarneri del Gesù und Antonio Stradivari verbunden, die vor ungefähr 300 Jahren in Cremona lebten und arbeiteten. Diese vier alten Meister stehen bis heute für die wohl besten Streichinstrumente der Welt. Vor allem Stradivari, der ein außergewöhnlich begnadeter Geigenbauer war, ragt unter ihnen heraus. Seine bis heute erhaltenen Instrumente wurden aufs Sorgfältigste untersucht und analysiert. Über ihn selbst ist hingegen leider nur sehr wenig bekannt, es gibt nicht einmal ein gemaltes Porträt von ihm. Ein Geiger seiner Zeit beschrieb ihn als hochgewachsenen Mann, der stets Arbeitskleidung trug und ununterbrochen tätig war. Geboren wurde Stradivari vermutlich zwischen 1644 und 1648 in Cremona. Seine Ausbildung hat er aller Wahrscheinlichkeit nach bei Nicolò Amati absolviert, zuvor womöglich auch bei der Holzschnitzer-Familie Pescaroli (was die überaus kunstvoll angefertigten Einlegearbeiten bei einigen seiner Instrumente erklären würde). Das erste offizielle Dokument von Stradivari stammt vom 4. Juli 1667 und bestätigt seine Hochzeit mit der Witwe Francesca Ferraboschi. Das Paar zieht in ein Haus mit eigener Werkstatt, und im Laufe der Jahre toben sechs Kinder durch die Räume. Weil er zu Beginn seines Berufslebens nicht sehr viele eigene Instrumente gebaut hat, nimmt man an, dass er, um seine große Familie zu ernähren, sehr viel für andere Meister arbeitete, vermutlich überwiegend für seinen Lehrer Nicolò Amati. Die ersten Geigen Stradivaris ähneln auffällig denen seines Lehrers, später bekommen sie mehr und mehr ihren eigenen typischen Charakter. Von 1680 an nimmt die Zahl seiner signierten Instrumente zu; neben Geigen, Bratschen und Violoncelli gibt es eine Gitarre, eine Mandoline, vermutlich mehrere Gamben und sogar eine Harfe. Und endlich ist er so wohlhabend, dass er sich ein Haus in bester Lage von Cremona, an der Piazza di San Domenico, leisten kann. Nach dem Tod seiner Frau 1698 heiratet Stradivari Antonia Zambelli Costa und bekommt mit ihr weitere fünf Kinder. In den folgenden zwei Jahrzehnten erreicht die Werkstatt Stradivaris den Höhepunkt ihres Ruhms. Und obwohl in diesem Zeitraum sehr viele Instrumente entstehen, behält der Geigenbaumeister immer höchste Genauigkeit und Präzision bei. Auch die von ihm verwendeten Materialien sind stets von größter Qualität. Unterstützt von seinen beiden Söhnen Omobono und Francesco arbeitet Stradivari unermüdlich bis ins hohe Alter: Mit etwa 90 Jahren stirbt er am 18. Dezember 1737.

Für sein Lebenswerk gedenkt die Stadt Cremona ihres berühmten Sohns mit einem Museum und einer Gedächtnistafel, auf der zu lesen steht: »Hier stand das Haus, in dem Antonio Stradivari die Violine ihrer höchsten Vollendung entgegen führte und als Meister seiner Kunst Cremona unvergänglichen Ruhm verschaffte.«

Welche Bedeutung haben die Instrumente Antonio Stradivaris eigentlich für die Musiker?

Matthew Hunter, Bratscher der Berliner Philharmoniker, erzählt von seinen Begegnungen mit diesen Ausnahmeinstrumenten.

Was ist das Unverwechselbare an einer Stradivari?

»Die Zeit, in der Stradivari lebte, war die goldene Zeit des Instrumentenbaus, und neben Amati und Guarneri hatte Stradivari das seltene Talent, den Gipfel der Geigenbaukunst zu erreichen. Er ist in allen Feinheiten, sprich, was die Schönheit und den Klang im Instrumentenbau angeht, unübertroffen. Der Klang einer Stradivari ist so schön, so aristokratisch, so edel, dass sich andere Geigenbauer diesem zwar annähern, ihn aber nicht übertreffen können. Daher sind die wenigen bis heute erhaltenen Instrumente ja nicht nur bei den Musikern so begehrt, sondern auch bei Sammlern. Für eine Stradivari muss man inzwischen mehrere Millionen Euro bezahlen. Das ist kaum vorstellbar.«

Wie fühlt es sich an, zum ersten Mal eine Stradivari in der Hand zu halten?

»Mein Geigenlehrer Julian Olevsky hatte eine Stradivari und außerdem eine Guarneri del Gesù. So konnte er sich jeden Tag neu entscheiden: heute bin ich ein Stradivari-Mann und morgen bin ich wieder Guarneri-Mann. Das ist etwa so, als müsste ich wählen, ob ich heute in meinem Lamborghini oder in meinem Porsche durch die Stadt fahre. Und ich hatte durch ihn das große Glück, schon als Student einmal eine Stradivari auszuprobieren. Etwas so Edles in der Hand zu halten, ist unbeschreiblich bewegend und aufregend. Es ist so besonders, als würde man eine kostbare antike Vase festhalten oder in einer wunderschönen Kathedrale stehen, die einen schier überwältigt. Und natürlich hat man Angst, dass einem die Geige herunterfallen könnte. Aber eines darf man dabei nicht vergessen. Eine Stradivari ist einerseits ein Mythos und ein unermesslich wertvolles Objekt aus der Geschichte. Andererseits muss ich als Musiker meine Ehrfurcht vor diesem Mythos überwinden, damit ich die Geige als Werkzeug für die Musik nutzen kann und mich mit ihr auf der Bühne sicher fühle.

Mit wem oder was lässt sich eine Stradivari vergleichen?

»Mit einem Bild, das so schön ist, dass man ewig betrachten möchte. In ihm sind die herrlichsten Farben und wunderbarsten Fantasien dargestellt und erfüllt. So ein Bild wäre dann wie eine Stradivari.«

Christine Mellich

Biographie

Du spielst ein Streichinstrument und hättest gerne ein neues? Am liebsten eines von Antionio Stradivari, das wunderschön klingt? Dann brauchst Du unglaublich viel Geld … Denn die Instrumente, die der italienische Geigenbauer vor ungefähr 300 Jahren im italienischen Cremona anfertigte, sind so begehrt, dass Sammler heute z. B. für eine Stradivari-Violine bis zu drei Millionen Euro bezahlen! Drei Millionen: das ist eine Zahl mit sechs Nullen, also: 3.000.000. Allerdings gibt es weltweit nur ungefähr 650 Stradivari-Geigen sowie nur 12 Bratschen und rund 50 Violoncelli. Und wer erst einmal ein solches Instrument hat, der wird es bestimmt nicht so schnell wieder hergeben! Wer früher richtig viel Gold hatte, wie etwa der spanische König, kaufte Antonio Stradivari gleich ein paar Streichinstrumente ab, um ganze Stradivari-Ensembles aufspielen zu lassen. Bei den Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlin ist das ähnlich, denn sie treten mit der womöglich weltweit größten Stradivari-Sammlung auf, die gemeinsam in einem Konzert erklingt. Natürlich sind die Musiker – alles Mitglieder der Berliner Philharmoniker – nicht so reich wie Könige, weshalb sie die Instrumente auch nicht gekauft, sondern nur geliehen haben. Ihren atemberaubend brillanten Klang haben die Stradivari-Violinen, -Bratschen und -Violoncelli glücklicherweise aber trotzdem!

Eigentlich wollte Janine Wildhage Cello spielen, das war ihren Eltern aber zu groß zum Transportieren. Dann hat sie sich mit der kleineren Variante abgefunden und bekam Geigenunterricht. Irgendwann wollte sie dann wissen, wie man das Instrument nun eigentlich baut. Alles mit den Händen, ohne viele Maschinen, so etwas gibt es ja heute kaum noch. So ging es dann los mit dem Geigenbau. Anfangs baute sie fast nur neue Instrumente. Dabei gefällt ihr besonders, dass viele Späne fliegen, und dass die Arbeit auch mal anstrengend und sportlich ist. Heute restauriert sie mehr, das heißt, sie macht alte Geigen wieder schön. Dabei muss sie immer wieder neu überlegen, wie man bestimmte Schäden am besten repariert. Das ist manchmal ganz schön kompliziert und langwierig. Als Geigenbauer muss man sehr geduldig sein.

Matthew Hunter ist Bratscher bei den Berliner Philharmonikern und kommt ursprünglich aus Massachusetts in Amerika. Inzwischen lebt er schon fast 20 Jahre in Berlin, daher kann man behaupten, er wäre ein echter Berliner. Früher hat er Geige gespielt, aber mit 27 Jahren beschloss er zur Bratsche zu wechseln, weil ihm der Klang einfach etwas besser gefiel. Matthew Hunter kann noch viel mehr: nämlich Gitarre spielen, komponieren, philosophieren, und natürlich ganz toll die Familienkonzerte der Berliner Philharmoniker moderieren. Überhaupt macht es ihm sehr viel Spaß, sich verrückte Projekte für das Education-Programm auszudenken und sie dann auf die Bühne zu bringen.

Video Preview

Matthew Hunter über den Mythos Stradivari

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