Berliner Philharmoniker

In meinen Kalender übernehmen merken gemerkt drucken

Education

3. Familienkonzert – Strawinskys Geschichte vom Soldaten

Alexander Bader Klarinette

Markus Weidmann Fagott

Guillaume Jehl Trompete

Stefan Schulz Posaune

Christoph Streuli Violine

Peter Riegelbauer Kontrabass

Jan Schlichte Schlagzeug

Stanley Dodds Musikalische Leitung

Andrea Noce Noseda Erzähler

Andreas Manz Soldat

Dimitri Teufel

Masha Dimitri Prinzessin

Igor Strawinsky

Geschichte vom Soldaten

Empfohlen ab 10 Jahren. Bei unseren Familienkonzerten ist die ganze Familie willkommen! Für die ganz kleinen Besucher bieten wir während des Konzerts eine qualifizierte musikpädagogische Betreuung an, die Sie auch noch im Verlauf des Konzerts wahrnehmen können.

Termine

Sa, 12. Jan. 2013 13 Uhr

Kammermusiksaal

Sa, 12. Jan. 2013 16 Uhr

Kammermusiksaal

Programm

Als szenische Aufführung bringen Musiker der Berliner Philharmoniker gemeinsam mit Dimitri und seiner Truppe Igor Strawinskys Geschichte vom Soldaten für einen Erzähler, zwei Schauspieler, eine Tänzerin und sieben Musiker auf die Bühne. Der Kammermusiksaal wird im Rahmen dieses Familienkonzerts zum Schauplatz für ein Tauschgeschäft zwischen dem Soldaten und dem Teufel. Dieser bietet dem Soldaten ein Zauberbuch, das den Soldaten reich zu machen verspricht. Dafür möchte der Teufel die Geige des Soldaten. Trotz des Reichtums, aber ohne seine Geige, verbringt der Soldat von nun an seine Tage glücklos. Er sehnt sich nach der Geige und möchte den Tausch rückgängig machen, was allerdings nicht so leicht ist, wenn man es mit dem Teufel zu tun hat. Eine abenteuerliche Reise beginnt, bei der am Ende nichts mehr ist, wie es vorher einmal war.

Über die Musik

Mit ihrem Education-Programm möchten die Berliner Philharmoniker ihre Arbeit und ihre Musik einem möglichst breiten Publikum zugänglich machen. Ermöglicht wird diese Initiative von der Deutschen Bank.

Der Teufel spielt Geige

3. Familienkonzert – Igor Strawinskys Geschichte vom Soldaten

Wie alles begann

»Die Monate gegen Ende des Jahres 1917 gehörten zu den schwersten, die ich durchgemacht habe.« Knapp, aber deutlich genug beschreibt der russische Komponist Igor Strawinsky (1882 – 1971) in seinen autobiografischen Erinnerungen, in welchem Zustand sich seine Seele sich zu jener Zeit befand. Die Gründe hierfür waren vielfältig und sowohl politischer als auch privater Natur. Das Politische lag auf der Hand: Die Welt schien aus den Fugen geraten zu sein. Der Erste Weltkrieg war in vollem Gange, und inmitten dieses gewaltigen Totengeläuts beendete in Russland die Oktoberrevolution endgültig die zaristische Herrschaft. Das waren aber nur die äußeren Umstände. Auch persönlich wurde Strawinsky vom Schicksal auf die Probe gestellt. Fast zeitgleich hatte er den Verlust zweier geliebter Menschen zu beklagen: Sowohl sein Bruder Gurij als auch seine ehemalige Kinderfrau waren gestorben. Und als wäre das noch nicht genug des Leids, kamen finanzielle Sorgen hinzu; Strawinsky war beinahe mittellos. »Die kommunistische Revolution hatte in Russland den Sieg erfochten, und dadurch wurde ich der letzten Einnahmen beraubt, die von Zeit zu Zeit noch aus meinem Vaterlande an mich gelangten. Ich stand also, mitten im Krieg und in einem fremden Lande (der Schweiz), dem Nichts gegenüber.«

Freunde

Was tun, wenn man nur noch dunkle Wolken vor sich sieht? Zum Glück für Strawinsky gab es Freunde: In der Schweiz, wo der Komponist seit kurz vor Ausbruch des Kriegs lebte, hatte er den Dichter Charles Ferdinand Ramuz (1878 – 1947) und den Dirigenten Ernest Ansermet (1883 – 1969) kennengelernt. Die drei Künstlerfreunde unterstützten sich in dieser schweren Zeit gegenseitig und beflügelten sich mit Ideen, um nicht in der Hoffnungslosigkeit zu versinken. Als meisterhaftes Ergebnis dieser Wechselwirkung aus massiven Einschränkungen auf der einen und den großen künstlerischen Fähigkeiten auf der anderen Seite gilt Strawinskys Bühnenstück Geschichte vom Soldaten, gelesen,gespielt und getanzt. Charles Ramuz, der den Text zu dem Werk beigesteuert hatte, fasste die Entstehungsgeschichte kurz zusammen: »So ist die Geschichte vom Soldaten ein Stück der besonderen Umstände gewesen und in maßgeblicher Weise aus ihnen geboren.«

Ein zentrales Anliegen der Schöpfer war es, ein einfaches und doch raffiniertes Werk zu schaffen, das mit einer Wanderbühne über Dörfer und Städte geschickt werden konnte. So machten sich die Künstler nicht nur unabhängig von den großen Theatern, sondern konnten auch Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft ansprechen. Den geeigneten Stoff dafür fanden Strawinsky und Ramuz in dem Märchen Der fahnenflüchtige Soldat und der Teufel aus der russischen Märchensammlung von Alexander Afanasjew. An dessen Ende luchst der Teufel dem Soldaten seine Seele ab. Ramuz behielt in seiner Fassung der Geschichte vom Soldaten zwar die Schlichtheit des ursprünglichen Märchens bei, gestaltete seinen Text aber gleichzeitig allgemeingültiger, um ihn so zeitgemäß wie möglich erscheinen zu lassen. Die Wirkung blieb nicht aus, denn gerade die äußerst widrigen Lebensumstände der Soldaten während des Erstens Weltkriegs waren allen Menschen viel gegenwärtiger, als es ihnen lieb sein konnte. Der ausgewählte Stoff war demnach nicht nur besonders ansprechend und aktuell, er traf auch direkt ins Herz.

Die Musik

Da die Aufführung wie erwähnt auf einer Wanderbühne stattfinden sollte, konnte das Orchester nur aus wenigen Musikern bestehen. Also wählte Strawinsky aus jeder Instrumentengruppe jeweils einen hohen und einen tiefen Vertreter aus: für die Streicher eine Violine und einen Kontrabass, für die Holzbläser eine Klarinette und ein Fagott, die Blechbläser sind durch ein Cornet à Pistons (das ist eine besondere Art der Trompete) und eine Posaune vertreten, dazu Schlagzeug, bestehend aus großer und kleiner Trommel, Rührtrommel, Becken, Tamburin und Triangel. Weiterhin gibt es einen Vorleser (er führt uns durch die Geschichte) und drei Schauspieler: den Soldaten, den Teufel sowie, als stumme Rolle, die Prinzessin. Strawinsky legte auch besonderen Wert auf die Anordnung der Beteiligten auf der Bühne. Er dachte, dass es für das Publikum sehr interessant sei, das Zusammenwirken von Text, Schauspiel und Musik hautnah zu erleben. Er selbst schrieb dazu: »Aus diesen Überlegungen heraus kam mir die Idee, mein kleines Orchester für die Geschichte vom Soldaten in voller Sicht neben der Bühne aufzubauen und auf der anderen Seite eine kleine Estrade für den Vorleser vorzusehen. Diese Anordnung kennzeichnet genau das Nebeneinander der drei wesentlichen Elemente des Stücks, die eng miteinander verbunden ein Ganzes bilden sollen: in der Mitte die Bühne mit den Schauspielern, flankiert auf der einen Seite von der Musik, auf der anderen der Rezitator. Nach unserem Plan sollten diese drei Elemente bald einander das Wort abwechselnd überlassen, bald sich wieder zu einem Ensemble vereinigen.«

Obwohl der Handlung in der Geschichte vom Soldaten ein russisches Märchen zugrunde liegt, verwendete Strawinsky für seine Komposition keine Motive aus der russischen Volksmusik. Stattdessen verarbeitete er ganz verschiedene musikalische Formen wie den Choral oder den Marsch, aber auch Tänze wie den Walzer, den spanischen Paso Doble sowie den damals außerordentlich beliebten argentinischen Tango, und er griff Elemente der Jazzmusik auf. Eine direkte Anregung für den Ragtime in der Geschichte vom Soldaten erhielt der Komponist durch Schallplatten, die sein Freund Ansermet von einer Amerika-Reise mitgebracht hatte. Für Strawinsky spielte bei der Auswahl seiner Vorbilder weniger die Nachahmung der jeweiligen Musikform eine Rolle, als vielmehr das wesentlich Charakteristische an ihr. Daraus entwickelte er dann musikalische Porträts seiner Figuren, die voller Witz und Ironie steckten. Zum Beispiel versah er den Walzer mit »falschen« Harmonien und verzerrte den Marsch mit derart vielen Taktwechseln, dass kein Mensch zu dieser Musik ordnungsgemäß marschieren könnte.

Das wichtigste Instrument in diesem Stück ist die Geige. Sie hat gleich mehrere Rollen: Zum einen spricht sie dem Soldaten sozusagen aus der Seele, an ihren Klängen kann man gut erkennen, was in seinem Inneren vor sich geht. Außerdem erzählt sie gemeinsam mit den anderen Instrumenten musikalisch die Handlung nach. Zum anderen ist sie in der Geschichte auch ein Werkzeug der Macht. Sie ist sogar imstande, die kranke Prinzessin zu heilen, deshalb will der Teufel sie auch unbedingt besitzen und auf ihr spielen können.

Eine andere Besonderheit an Strawinskys Geschichte vom Soldaten ist die Verwendung des Schlagzeugs. Es wird genauso wie ein Melodieinstrument eingesetzt – das war zur damaligen Zeit völlig neu – und verleiht der Musik eine etwas unheimliche, manchmal fast »teuflische« Stimmung. Und so gehören die letzten Takte des Stücks auch dem Schlagzeug. Der Teufel hat gesiegt.

Die Geschichte

»Man soll zu dem, was man besitzt, begehren nicht, was früher war.
Man kann zugleich nicht der sein, der man ist und der man war.
Man kann nicht alles haben. Was war kehrt nicht zurück.
Das Glück ist alles Glück; zwei ist wie keins.«
Charles Ferdinand Ramuz

Erster Teil

Ein armer, erschöpfter Soldat ruht sich an einem Bach von seiner Wanderschaft aus. Er hat zwei Wochen Urlaub und ist auf dem Weg in die Heimat. Sein einziger Besitz in seinem Tornister sind das Bild seiner Liebsten und seine Geige. Sie ist sein Trost. Er beginnt zu spielen. Da erscheint – in Gestalt eines alten Mannes mit einem Schmetterlingsnetz – der Teufel und fordert den Soldaten auf, ihm die Geige zu geben, doch der weigert sich. Also lockt der Teufel ihn mit einem Zauberbuch. Als der Soldat ihm eröffnet, dass er gar nicht lesen kann, erwidert der Teufel: »Das ist ein Buch, ich sag es Euch, das sich von selber liest, sich liest für Euch.« Daraufhin beginnt der Soldat in dem Buch zu blättern und erfährt die Börsen- und Devisenkurse der kommenden Tage. Er erkennt den Wert des Buchs und tauscht die Geige schließlich doch ein. Der Teufel hat währenddessen weniger Glück mit der Geige, denn er bringt keinen Ton aus ihr heraus. Darum bittet er den Soldaten, ihn für drei Tage zu begleiten, und ihm das Geigenspiel beizubringen. Erst zögert der Soldat, dann aber lässt er sich von dem versprochenen guten Essen und Wein verführen und geht mit.

Nachdem der Teufel den Soldaten auf seinem Höllengespann zurück in sein Dorf gebracht hat, muss er feststellen, dass niemand ihn erkennt. Seine Braut ist verheiratet und hat zwei Kinder, seine Mutter flieht vor ihm. Er begreift, dass er beim Teufel war – und zwar nicht nur drei Tage, sondern drei Jahre lang! Völlig verzweifelt will er zurück zu seinem Regiment, doch das ist nun unmöglich geworden. Da erscheint der Teufel erneut – diesmal als Viehhändler verkleidet – und besänftigt den Soldaten, indem er ihn an sein Buch erinnert und ihm erklärt, dass er nun Kaufmann werden muss. Nach kurzer Zeit hat der Soldat mit Hilfe des Buchs großen Reichtum erlangt. Aber er spürt immer stärker, dass ihm etwas fehlt, das mit keinem Geld der Welt zu erkaufen ist: die Liebe. Er ist einsam und unglücklich. Und wieder erscheint der Teufel. In Verkleidung einer alten Frau bietet er ihm seine alte Geige zum Kauf an. Der Soldat entreißt dem teuflischen Weib die Geige und will auf ihr spielen – doch kein einziger Ton ist zu hören. Verzweifelt wirft der Soldat die Geige zu Boden und zerreißt das Buch, um sich so aus der Macht des Teufels zu befreien.

Zweiter Teil

Nun wieder arm geworden, begibt sich der Soldat erneut auf Wanderschaft. In einem Gasthaus erfährt er von der kranken Prinzessin eines fremden Königreichs, und es heißt, wem es gelänge, sie zu heilen, der würde sie zur Frau bekommen. Bestärkt von einem Kameraden, fasst der Soldat Mut und macht sich auf den Weg zum Schloss. Er will sich dort als Arzt ausgeben und sein Glück versuchen. Leider ist ihm der Teufel schon zuvor gekommen und tritt als Geigenvirtuose auf, um die Prinzessin zu heilen. Ein Zufall ist dies nicht: Auch die Krankheit der Prinzessin ist des Teufels Werk. Dennoch: Der Soldat verliert den Mut immer noch nicht: Er fordert den Teufel zum Kartenspiel heraus. Dabei verspielt er zwar sein letztes Geld, aber es gelingt ihm, den Teufel so betrunken zu machen, dass er ihm die Geige entwenden kann. Als der Soldat nun für die Prinzessin spielt, wird sie gesund und beginnt zu tanzen. Anschließend fallen sie sich in die Arme. Da erscheint der Teufel erneut, kann dem Soldaten aber nichts mehr anhaben. Seiner Macht beraubt, kann er dem Soldaten nur noch drohen. Und genau das tut er: Er verkündet, dass er den Soldaten wieder in seiner Gewalt haben werde, wenn dieser die Grenze des Königreichs überschreitet. Der Soldat ist überglücklich, die beiden Liebenden heiraten. Doch eines Tages fragt ihn die Prinzessin nach seiner Herkunft, und er beginnt zu erzählen. Den Soldaten überkommt eine große Sehnsucht nach seiner Heimat, die Prinzessin drängt ihn, gemeinsam mit ihr dorthin zu reisen. Daraufhin nimmt das Unheil seinen Lauf. Und nicht einen einzigen Zweifel lassen die letzten Worte des Erzählers, wie es ausgeht für den Soldaten und seine geliebte Frau:

»Sie sind schon unterwegs. Schon nah dem Ziel.Der Kirchturm grüßt. Vertrautes Glockenspiel.Zum Grenzpfahl noch ein kleines Stück.Doch sie! Doch sie – sie blieb zurück ...«

Der Clown Dimitri spielt den Teufel

»Schaut ihn an, sage ich, das ist ein wirklicher Clown. Das weiß ich nicht, aber schaut ihn an: Er kann schon allerhand und immer noch etwas mehr, und dann ist er selig, wenn noch mehr gelingt, sogar das Unglaubliche. Man freut sich wie ein Kind, das die Tücke aller Dinge entdeckt und wie durch ein Wunder nie strauchelt. Ich bin in jedem Augenblick gespannt, aber dann hat immer jemand gelacht, einfach laut gelacht, als wäre er allein, nicht wie man über einen Witz lacht, sondern gelacht vor Freude, wie ein Kind; das war ich und der Clown heißt Dimitri.«

Diese Worte schrieb der berühmte Schriftsteller Max Frisch schon vor vielen Jahren über den Clown Dimitri, der heute in der Geschichte vom Soldaten den Teufel spielt. Wir hatten die Möglichkeit, ihm schon vorher ein paar Fragen zu stellen, und hier sind seine Antworten:

Woher kommt das Bedürfnis, andere Menschen zum Lachen zu bringen?

Es ist etwas Wundervolles, andere Menschen zum Lachen zu bringen. Lachen ist immer noch eine der schönsten menschlichen Regungen. Darum ist es ein großes Geschenk, wenn man so eine Begabung bekommen hat, dass man die Leute zum Lachen bringen kann. Das macht Freude – dem Publikum und mir.

Wann haben Sie zum ersten Mal gespürt, dass Sie die Begabung besitzen, andere Menschen zum Lachen zu bringen?

An ein genaues Datum kann ich mich nicht erinnern, aber daran, dass ich schon früh die Kameraden und sogar meine Eltern zum Lachen gebracht habe. Dann war ich sehr glücklich. Und das ist jetzt immer noch so.

Vor 26 Jahren haben Sie zum ersten Mal den Teufel in Strawinskys Geschichte vom Soldaten dargestellt. Wie kommt es, dass Sie sozusagen den Widerpart zum Glückspielen wollten?

Ich habe das Theater sehr gerne. Außerdem spreche ich in meinen Clown-Vorstellungen nicht oder nur sehr wenig. Eines Tages kam eine Anfrage von einem Theater in Basel, ob ich die Rolle des Teufels übernehmen würde. Und dann habe ich überlegt und gemerkt, dass in der Rolle des Teufels auch viele komische Möglichkeiten liegen. Dieser Teufel ist zwar die Verkörperung des Bösen, aber er ist eben nicht nur böse, sondern kann auch sehr komisch sein. Zum Beispiel, wenn er stockbetrunken ist. Dann wird er sogar lustig. Fast wie ein Clown.

Haben Sie manchmal Mitleid mit dem Teufel?

Nein, mit dem Teufel kann man kein Mitleid haben, das ist eigentlich unmöglich. Mit dem Soldaten hingegen muss man einfach sehr viel Mitleid haben. Er gerät immer mehr in die Fänge des Teufels und eigentlich ist er am Schluss verloren. Das ist sehr traurig.

Warum, glauben Sie, verschreibt sich der Soldat dem Teufel?

Der Soldat ist zu Beginn in einer schlechten Situation: Er hat kein Einkommen, keine Zukunft und war jahrelang in der Armee. Und dann trifft er auf den Teufel, der ihn sehr sehr verlockt, ihm wunderbare Sachen verspricht – und ihm dafür die Seele nimmt.

Macht der Soldat sich schuldig?

Nein, schuldig macht er sich nicht. Aber das Stück ist für mich sehr aktuell, weil der traurige Titelheld sich so sehr an das Geld klammert, weil er reich und immer noch reicher werden will. Die Geschichte vom Soldaten ist eine zeitlose Geschichte, weil sie sagt, dass jeder, der sich dem Geld verschreibt, sich auch ein klein wenig dem Teufel verschreibt.

Welche Bedeutung hat für Sie die Szene zwischen der Prinzessin und dem Soldaten, als sie wissen möchte, woher er kommt?

Hier wird er nicht vom Teufel, sondern von seiner geliebten Frau in Versuchung geführt. Der Soldat weiß eigentlich ganz genau, dass er, sobald er die Grenze zu seiner Heimat überschreitet, wieder der Macht des Teufels verfällt. Aber die Frau – so ist es manchmal im Leben – ist so neugierig und möchte gern wissen, wie es dort, wo er herkommt ist, dass sie ihn unbedingt überreden will, mit ihr an diesen für ihn so ungemein gefährlichen Ort zu gehen. Weil er selbst auch schreckliches Heimweh hat, kann er in diesem Augenblick nicht widerstehen und geht das Risiko ein, für immer verloren zu sein.

Geht der Soldat aus Liebe zur Prinzessin über die Grenze in seine Heimat? Oder ist es eine Schwäche von ihm?

Er tut es aus Liebe. Er will ihr eine Freude machen. Vielleicht ist ihm die Gefahr auch zu wenig bewusst.

Ist die traurige Erkenntnis die, dass die Liebe eben doch nicht stärker ist als der Teufel?

Naja, der Soldat bleibt schon ein bisschen naiv. Natürlich ist seine Liebe sehr stark, aber er selbst – auch wenn das nicht eben schmeichelhaft klingt – ist einfach nicht schlau genug. Er ist zu wenig vorsichtig, zu wenig wie ein Fuchs.

Was ist Ihnen bei Ihrer Darstellung des Teufels besonders wichtig?

Es gibt so viele Möglichkeiten in dieser Rolle, richtiggehend komödiantisch zu sein. Man kann alle Register ziehen. Das ist das, was mir immer gefällt.

Wird die Tragödie dieser Geschichte eigentlich durch die Komik noch größer?

Das ist eine richtige Beobachtung. Schon Shakespeare und all die anderen großen Dichter wussten, dass eine Tragödie, wenn sie den ganzen Abend lang traurig ist, nicht mehr so stark wirkt, und dass ihre Wirkung sich steigert, wenn hier und da mal ein Clown auftritt oder irgendein komischer Totengräber. Das verschafft der Seele des Zuschauers kleine Verschnaufpausen, danach er kann wieder besser eintauchen in die tragische Geschichte.

Christine Mellich

Biographie

Alexander Bader studierte zunächst Klavier, später auch Klarinette an der Hochschule der Künste Berlin. Prägende Lehrer waren Manfred Preis und Peter Rieckhoff. Nach dem Abschluss des Orchesterdiploms wechselte er in die Solistenklasse von Wolfgang Meyer an der Staatlichen Hochschule für Musik Karlsruhe und wurde 1990 noch während seines Examens Mitglied der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. 2002 ging er als Erster Solo-Klarinettist an die Komische Oper Berlin; daneben spielte er regelmäßig u. a. an der Bayerischen Staatsoper München und bei den Münchner Philharmonikern. 2006 wurde Alexander Bader Mitglied der Berliner Philharmoniker. Seit 1994 widmet sich der Klarinettist auch der historischen Aufführungspraxis auf Originalinstrumenten und konzertiert regelmäßig mit Ensembles wie Concentus Musicus Wien, dem Balthasar-Neumann-Ensemble und der Akademie für Alte Musik Berlin. Seit der Saison 2006/2007 gehört Alexander Bader dem Scharoun Ensemble Berlin an.

Dimitri (eigentlich Dimitri Jakob Müller) wurde 1935 als Sohn eines Bildhauers und Malers und einer Stoffplastikerin in Ascona geboren. Nach dem Gymnasium in Locarno absolvierte er eine Töpferlehre in Bern, nahm Schauspiel-, Musik-, Ballett- und Akrobatikunterricht und ließ sich ab 1956 an der Pariser Schule von Étienne Decroux zum Pantomimen ausbilden. 1957 wurde der Komiker Schüler von Marcel Marceau, der ihn bald für zwei Mimodramen in seine Truppe aufnahm; 1958 begann seine Zusammenarbeit mit dem berühmten Clown Maïsse, mit dem er u.a. im Zirkus Medrano in Paris auftrat. Sein erstes Soloprogramm brachte Dimitri 1959 in Ascona auf die Bühne, bis 1987 folgten vier weitere. Er war weltweit auf den bedeutendsten Mimen- und Clownfestivals zu erleben und während dreier Spielzeiten mit dem Schweizer Zirkus Knie auf Tournee. Bereits 1971 gründete Dimitri gemeinsam mit seiner Frau Gunda Salgo in Verscio das Teatro Dimitri. Vier Jahre später folgte die Gründung der Scuola Teatro Dimitri (heute Hochschule für Bewegungstheater und Theaterkreation) und 1978 die der Compagnia Teatro Dimitri, für die er regelmäßig neue Stücke kreiert und auch als Regisseur und Bühnenbildner tätig ist. Im Jahr 2000 gründete Dimitri zudem gemeinsam mit Harald Szeemann das Museo Comico in Verscio. Aktuell gibt der Künstler, der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, mit seinen Soloprogrammen und der Familienshow La Famiglia Dimitri mehr als 100 Vorstellungen pro Jahr. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker ist er nun erstmals zu Gast.

Masha Dimitri, geboren 1964, begann im Alter von 15 Jahren ihre artistische Ausbildung an der Zirkusschule in Budapest mit dem Schwerpunkt Seiltanz. Nach zwei Jahren wechselte sie an die Theaterschule ihres Vaters, des Clowns Dimitri, wo sie während der Ausbildung auch das Balanciertraining auf dem Seil fortsetzte. Es folgen Engagements am kanadischen Cirque du Soleil, am Big Apple Circus New York sowie am Schweizer National-Zirkus Knie. Von 1988 bis 1990 war Masha Dimitri dann Mitglied der Compagnia Teatro Dimitri, ab 1993 arbeitete sie als Regieassistentin und Choreografin auch an diversen Theatern. Ihr erstes Solostück, Sala di prova, hatte 1997 Premiere. 2001 folgten Upside Down im Duo mit Kai Leclerc sowie ein Jahr darauf Le Fil Rouge, jeweils unter der Regie von Dimitri. Nach einer Tournee mit dem Zirkus Knie führte die Komikerin und Artistin gemeinsam mit ihrem Vater Regie beim Zirkus Monti. Im Herbst 2012 übernahm Masha Dimitri die Direktion des Teatro Dimitri im Schweizer Verscio. In Konzerten der Berliner Philharmoniker ist sie nun zum ersten Mal zu erleben.

Stanley Dodds wurde 1970 als Sohn australisch-chinesischer Eltern in Kanada geboren und wuchs in Australien auf, wo er auch mit dem Violinspiel begann. Von 1988 an studierte er bei Gunars Larsens am Luzerner Konservatorium, wo er das Lehr- und Konzertreifediplom ablegte. Seine Ausbildung vollendete der Musiker bei Rainer Sonne an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker, bevor er 1994 in das Orchester eintrat. Bereits während des Studiums musizierte Stanley Dodds mit den Festival Strings Lucerne, deren alternierender Konzertmeister er von 1996 bis 1999 war. Der mehrfach ausgezeichnete Geiger verfügt über umfangreiche solistische und kammermusikalische Erfahrung: Stanley Dodds ist Mitglied im Breuninger-Quartett und bei den Philharmonischen Stradivari-Solisten. Zur Saison 2009/2010 wurde er in den Fünferrat der Berliner Philharmoniker gewählt, 2010 zu einem ihrer zwei Medienvorstände. Im Fach Dirigieren hat Stanley Dodds Kurse bei Jorma Panula absolviert; seit 2002 ist er Dirigent des Berliner Sibelius Orchesters und seit 2006 leitet er in gleicher Funktion das Sinfonie-Orchester Schöneberg.

Guillaume Jehl, im elsässischen Saint-Louis geboren, begann im Alter von acht Jahren mit dem Trompetenspiel. Sein Studium, das er am Konservatorium in Mulhouse und am Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse in Paris absolvierte, schloss er mit Auszeichnung ab. Zudem vervollkommnete er sein Trompetenspiel in den Jahren 2008 bis 2010 an der Universität »Mozarteum« in Salzburg bei Johann Gansch und studierte von außerdem 2007 bis 2009 Barocktrompete an der Schola Cantorum Basiliensis, an deren Musik-Akademie er bis heute als Pädagoge tätig ist. 1998 erhielt er als 20-Jähriger sein erstes Engagement als 2. Trompeter im Orchestre National de Bordeaux Aquitaine, zwei Jahre später spielte er auf gleicher Position im Orchestre National de France. 2001 wurde Guillaume Jehl Solo-Trompeter im Sinfonieorchester Basel. 2006 kehrte er, ebenfalls als Solo-Trompeter, ins Orchestre National de France zurück, bevor er 2009 bei den Berliner Philharmonikern aufgenommen wurde. Guillaume Jehl tritt neben seiner Arbeit im Orchester als Solist und Kammermusiker auf und engagiert sich im Blechbläserensemble der Berliner Philharmoniker.

Andreas Manz wurde 1962 in Stuttgart geboren und wuchs in Walldürn im Odenwald auf. Nach seiner Lehre zum KFZ-Mechaniker besuchte er von 1987 bis 1990 die Scuola Teatro Dimitri. Nach seinem Abschluss wurde der Pantomime Mitglied der Compagnia Dimitri, mit der er weltweit bei Tourneen und Gastspielen zu erleben war. Später spielte er im Trio »Companics« sowie im Improvisationstheater »Cologne City Limits« in Köln. 1998/1999 folgte ein gemeinsames Engagement mit Bernard Stöckli beim Schweizer Circus Monti, bevor der Komiker zur Compagnia Teatro Dimitri zurückkehrte. Mit Bernard Stöckli und Kai Leclerc gründete Andreas Manz die Compagnia Due+Uno. Er leitet Workshops für Theaterimprovisation, Clownerie und Slapstick im In- und Ausland, gibt Seminare über Körpersprache und Teambildung und arbeitet als Regisseur. In einem Konzert der Stiftung Berliner Philharmoniker ist der Künstler nun erstmals zu Gast.

Andrea Noce Noseda wurde 1978 im Tessin geboren. Bereits als Jugendlicher war er im Bereich des Erzählungs- und Improvisationstheater als Mitglied verschiedenerFormationen tätig. In der Zeit von 1995 bis 1998 absolvierte er eine Ausbildung an der Schweizer Scuola Teatro Dimitri (heute Hochschule für Bewegungstheater und Theaterkreation). Anschließend arbeitete er in diversen Produktionen im Stil der Commedia dell’Arte und des Stummfilms, die in Venedig, St. Petersburg, Tokio, Caceres, Santiago de Chile und Berlin zu sehen waren. 2003 rief Andrea Noce Noseda gemeinsam mit dem argentinischen Regisseur und Dramaturgen Pablo Ariel Bursztyn das Teatro della memoria attiva ins Leben; zudem ist er Mitbegründer des International Network for Art and Culture, Switzerland (INCA). Der Schauspieler, der seit 2005 auch als Regisseur und Bearbeiter von Theaterstücken erfolgreich tätig ist, trat u.a. mit der Compagnia Teatro Paravento, Locarno, auf sowie am Trickster Teatro Lugano und am Theater Casino Zug. 2009 stand Andrea Noce Noseda zudem gemeinsam mit dem Clown Dimitri auf derBühne des Grand Théâtre de Genève; er gibt Theater- und Improvisationskurse für Jugendliche und Erwachsene und unterrichtet an der Kantonsschule Romanshorn.

Peter Riegelbauer stammt aus Georgensgmünd in Mittelfranken. Sein Studium absolvierte er bei Georg Hörtnagel in Nürnberg und bei Rainer Zepperitz in Berlin. Anschließend spielte er drei Jahre in der Jungen Deutschen Philharmonie und war in dieser Zeit Mitbegründer der Deutschen Kammerphilharmonie sowie des Ensembles Modern, bevor er als Stipendiat an die Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker kam. Als erster Absolvent der damals noch jungen Einrichtung wurde er 1981 Mitglied des Orchesters. Seit vielen Jahren trägt Peter Riegelbauer die Selbstbestimmung der Berliner Philharmoniker in deren Gremien an verantwortlicher Stelle mit, gegenwärtig als Stiftungs- und als Orchestervorstand. Bereits 1983 rief er mit philharmonischen Kollegen das Scharoun Ensemble Berlin ins Leben, das seither nicht zuletzt mit Werken des 20. Jahrhunderts und des aktuellen Musikschaffens auf den Konzertpodien der internationalen Musikmetropolen große Erfolge feiert.

Jan Schlichte, 1972 in Frankfurt am Main geboren, fand über das Klavierspiel den Weg zum Schlagzeug. Von 1991 an studierte er in seiner Heimatstadt und später an der Musikhochschule in Trossingen. Dort wurde er von Franz Lang und Rainer Seegers, dem Pauker der Berliner Philharmoniker, unterrichtet. Seegers war neben Franz Schindlbeck auch sein Lehrer an der philharmonischen Orchester-Akademie. Umfassende Orchestererfahrung sammelte Jan Schlichte u. a. in der Jungen Deutschen Philharmonie und im Rundfunkorchester des Südwestfunks. Seit September 1998 gehört er den Berliner Philharmonikern an. Sein besonderes Engagement für die zeitgenössische Kammermusik für Klavier und Schlagzeug führte nach Konzerten auf verschiedenen Festivals zur Gründung des philharmonischen Ensembles KlangArt Berlin, das sich zum Ziel gesetzt hat, Neue und Neueste Musik zur Aufführung zu bringen. Außerdem musiziert Jan Schlichte im Kammerensemble für Neue Musik Berlin und mit dem Scharoun Ensemble. Als Dozent war er an einem musikpädagogischen Projekt in Venezuela beteiligt

Stefan Schulz, ein gebürtiger Berliner, erlernte zunächst das Hornspiel, bevor er mit 15 Jahren zur Posaune wechselte. Er studierte bei Harald Winkler und Joachim Mittelacher in Berlin sowie bei Charles Vernon in Chicago. Bevor Stefan Schulz Mitglied der Berliner Philharmoniker wurde, war er von 1993 bis 2002 Bassposaunist in der Staatskapelle Berlin und unterrichtete an deren Orchesterakademie. Diese pädagogische Tätigkeit legte den Grundstein für weitere Lehraufträge und Professuren: an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover, an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin (2000 bis 2004) und an der Berliner Universität der Künste (seit 2004). Stefan Schulz, der von 1996 bis 2002 auch regelmäßig im Bayreuther Festspielorchester mitwirkte, musiziert in verschiedenen Kammermusikensembles, etwa im Blechbläserensemble der Berliner Philharmoniker.

Christoph Streuli, ein gebürtiger Luzerner, begann mit acht Jahren Geige zu spielen. Nach einem ersten Studium an der Musikhochschule Winterthur bei Rudolf Bamert, dem damaligen Konzertmeister des Tonhalle Orchesters Zürich, und Aida Stucki wurde er 1990 Konzertmeister im Württembergischen Kammerorchester Heilbronn. Von 1991 bis 1994 setzte er die Ausbildung bei Herman Krebbers am Sweelinck-Konservatorium Amsterdam fort. In Meisterkursen von Franco Gulli, Walter Levin und dem Melos Quartett vervollkommnete er sein Können. Anschließend war Christoph Streuli Erster Geiger im Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam, bis er Anfang 1997 bei den Berliner Philharmonikern in die Gruppe der Zweiten Violinen aufgenommen wurde. Als engagierter Kammermusiker gehört er den Berliner Barock Solisten und dem Ensemble Schweizer der Berliner Philharmoniker an; zudem war er langjähriges Mitglied des Scharoun Ensembles. Mit seinem Kollegen David Riniker (Violoncello) musiziert er im Duo.

Markus Weidmann, in Mainz geboren, erhielt im Alter von elf Jahren den ersten Fagottunterricht. Später studierte er an der Musikhochschule Hannover bei Klaus Thunemann; von 1993 bis 1995 war er Stipendiat der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker. Während seiner Ausbildung spielte Markus Weidmann im European Youth Orchestra, in der Jungen Deutschen Philharmonie und der Radio-Philharmonie des NDR Hannover; anschließend übernahm er Engagements als Stellvertretender Solo-Fagottist in Kiel und bei der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz. Im Herbst 1997 wurde er bei den Berliner Philharmonikern aufgenommen. Als Kammermusiker engagierte er sich fast 15 Jahre lang in dem von ihm mitgegründeten Gutenberg-Ensemble sowie im Miroir Bläserquintett; inzwischen gehört Markus Weidmann dem Philharmonischen Oktett Berlin und dem Scharoun Ensemble Berlin an. Seit 2005 ist er im Personalrat der Berliner Philharmoniker aktiv.

2013-01-12_TheSoldier'sTale_EmileHolba-6.jpg

Newsletter-Service Regelmäßig informiert über das aktuelle Programm und Highlights aus der Welt der Philharmoniker.

Alle Veranstaltungen in der Philharmonie finden Sie auch auf:

Berliner Bühnenzu berlin-buehnen.de