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Orchester-Akademie

40 Jahre Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker

Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker

Klaus Wallendorf Erzähler

Johann Sebastian Bach

Italienisches Konzert F-Dur BWV 971 (1. Satz) (Bearbeitung für zwei Marimbafone)

Louis Spohr

Doppelquartett Nr. 1 d-Moll op. 65 (3. und 4. Satz)

Wolfgang Amadeus Mozart

Serenade für acht Bläser c-Moll KV 388 (1. Satz)

Georg Friedrich Händel

Konzert für Harfe und Orchester B-Dur op. 4 Nr. 6 (1. Satz)

Franz Doppler/Karl Doppler

Fantaisie et variations sur des motifs de l’opéra Rigoletto de Verdi op. 38 (Bearbeitung für zwei Flöten und Kammerorchester von Claudio Scimone)

Akademie I - »Preziosen zum 1. Advent«

Termine

So, 02. Dez. 2012 12 Uhr

12:00 | Kammermusiksaal

Programm

Der Auftakt des Festtages zum 40-jährigen Bestehen der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker wird zur Mittagsstunde adventlich gestaltet. Aktuelle Stipendiaten der Orchester-Akademie spielen Preziosen der Kammermusik-Literatur; Klaus Wallendorf, Mitglied der Berliner Philharmoniker und Dozent der Orchester-Akademie, stimmt die Zuhörer als Erzähler auf den 1. Advent ein. Diese durchaus familiengeeignete Matinee wird für Kinder ab 8 Jahren empfohlen! Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel oder andere Verwandte und Freunde sind natürlich auch willkommen. Für kleinere Kinder wird ein von der Education-Abteilung betreutes Sonderprogramm angeboten. Anmeldung dazu unter: www.berliner-philharmoniker.de/education.

Über die Musik

Den »Liebhabern zur Gemüths-Ergötzung verfertiget«

Zu den Werken von Bach, Spohr, Mozart, Händel und Doppler

Galante Momente: Bachs Italienisches Konzert

Johann Sebastian Bach war es 1726 als erstem deutschsprachigen Komponisten gelungen, mit seiner Clavierübung ein Tastenmusik-Kompendium vorzulegen, in dem alle Stücke sowohl italienische als auch französische Stilmerkmale aufweisen. Diese zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Mode gekommene Verbindung des »goût français« mit dem »goût italien« hatte Jean-Philippe Rameau mit seiner zweiten Sammlung der Pièces de Clavecin bereits 1724 demonstriert, ebenso wie François Couperin, dessen epochales Sammelwerk Les goûts réunis (Die vereinigten [National-]Stile) im selben Jahr im Druck erschienen war. Dass Bach der Sammlung bald einen zweiten Band folgen ließ, mag daran gelegen haben, dass er sich der Öffentlichkeit nicht nur als Komponist des sogenannten »vermischten Geschmacks« präsentieren wollte. Hierauf deutet zumindest der Titel der Folgepublikation: »Zweyter Teil der Clavier-Übung bestehend aus einem Concerto nach Italiænischen Gusto und einer Ouvertüre nach Französischer Art vor ein Clavicymbel mit zweyen Manualen. Denen Liebhabern zur Gemüths-Ergötzung verfertiget.« Ob das in der Sammlung enthaltene Italienische Konzert BWV 971 erst in Hinblick auf die 1735 erfolgte Drucklegung entstanden ist, lässt sich nicht mehr klären. In jedem Fall ist das Werk eine der letzten Neukompositionen in der dreisätzigen Concerto-Form Vivaldis, der sich Bach bereits in seiner Köthener Schaffensperiode zugewandt hatte. Dieses Vorgehen entsprach der musikalischen Entwicklung jener Zeit. Denn hatten in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts in Mitteldeutschland, wie Johann Joachim Quantz in seinem Versuch einer Anweisung die Flöte traversière zu spielen schrieb, vornehmlich Torelli und Albinoni als Vorbilder für Konzerte im »modernen« italienischen Geschmack gedient, orientierte sich der galante Stil im Umfeld des Dresdner Hofs an vivaldischen Modellen. Galante Momente lassen sich in Bachs Italienischem Konzert viele finden: Neben transparenter Satztechnik und kontrapunktischer Einfachheit wäre hier die melodische Eingängigkeit anzuführen, ebenso wie die synkopierten Rhythmen des Kopfsatzes. Letzterer ist im heutigen Konzert in der ungewöhnlichen Besetzung mit zwei Marimbas zu hören.

Selten zu hören: Spohrs Doppelquartette

Ungewöhnlich besetzt (allerdings im Original) ist auch das Doppelquartett Nr. 1 d-Moll op. 65 von Louis Spohr, den Andreas Romberg 1821 auf die Idee gebracht hatte, »zwei Quartetten nebeneinander sitzend ein Musikstück ausführen zu lassen, dabei aber die beiden Quartetten nach Art von Doppelchören häufig abwechseln und konzertieren zu lassen und das achtstimmige nur für die Hauptstellen der Komposition aufzusparen«. Das erste jener Werke entstand im März/April 1823: »Ich hatte«, so der Komponist, »die Freude zu bemerken, daß seine Wirkung weit über die der einfachen Quartetten und Quintetten hinausreichte.« Tatsächlich stieß das Doppelquartett op. 65, dessen Larghetto wie eine kurze Introduktion zum lebhaften Finale anmutet, bei den Zeitgenossen auf großes Interesse. Gottfried Wilhelm Fink bemerkte in der Allgemeinen musikalischen Zeitung, »nach abgestattetem Danke für den hohen Genuss, den uns Spohr’s Genius durch dieses Geschenk verschaffte«, zunächst allgemein zu dem Genre: »Das Doppelquartett sollte nach unserm Dafürhalten nicht bloss in Nachahmungen und Veränderungen ein und desselben Hauptgedankens bestehen, dessen auch noch so reizende Durchführung zwar das freundliche Bild einer geselligen, feinen Unterhaltung bietet […], wodurch wohl ein recht angenehmes oder auch grossartig herrliches Octett, aber doch kein eigentliches Doppelquartett entstehen dürfte. Vielmehr sollte es dem griechischen Doppelchore gleichen […]. Die höhere Anforderung würde demnach in der allerdings schwierigen Aufgabe bestehen, zwey voneinander verschiedene, obschon sich gegenseitig bedingende Quartetten, von denen jedes, ja jede Stimme in beyden, seine eigene, frey hervortretende, von dem Gegenquartette klar unterschiedene Melodie fortzuführen und siegreich über das andere durchzusetzen sich bestreben müsste.« Tatsächlich sah Fink die angeführten Kriterien in Spohrs Opus 65 verwirklicht; zudem sprach er dem Komponisten auch »die Ehre« zu, »das Erste Doppelquartett für Instrumente der musikalischen Welt geliefert zu haben«, was allerdings insofern nicht ganz richtig ist, als dass bereits 1804 Trois Sonates à deux chœurs von Johann Georg Albrechtsberger erschienen sind.

Freiluftmusik: Mozarts c-Moll-Serenade

Anders als die Dopplung zweier Streichquartette war die Bläserserenade im 18. Jahrhundert ein weit verbreitetes Genre – nicht umsonst gründete Kaiser Joseph II. im April 1782 ein aus »8 Individuen« bestehendes Bläserensemble, das sowohl zur Unterhaltung am Hof als auch bei öffentlichen Anlässen aufzuspielen hatte und die besten Solisten der Zeit vereinte. Dabei fand das Genre auch bald Eingang in die bürgerliche Musizierpraxis, vornehmlich, weil die Aufführung von Bläserstücken mit geringem Aufwand verbunden war. Für alle möglichen gesellschaftlichen Anlässe konnte man »Harmoniemusiken« bestellen, und viele Musiker ohne feste Anstellung hofften auf die Gunst vorübergehender Passanten, wenn sie sich zu Bläsergruppen zusammenschlossen und als Straßenmusiker auftraten. Auch Wolfgang Amadeus Mozart schrieb zahlreiche Werke für diverse Bläserbesetzungen. Seine wahrscheinlich gegen Ende Juli 1782 in Wien entstandene Serenade c-Moll KV 388 mit der Bezeichnung Nacht-Musique nimmt unter jenen Stücken allerdings hinsichtlich ihres Tonfalls eine Sonderstellung ein, weshalb schon Hermann Abert in der 1919/1921 erschienenen erweiterten Ausgabe von Otto Jahns Mozart-Biografie schrieb: »Eine Serenade in Moll ist eigentlich ein Widerspruch in sich, wenigstens für damalige Begriffe, für die ein Ständchen ein Fest der Lebensfreude war, und auch Mozart hat kein zweites Mollstück dieser Art geschrieben.« Auch Alfred Einstein bemerkte in seinem Mozart-Buch von 1947: »Die finstere Tonart c-moll ist ein Unikum unter Mozarts Gesellschaftsmusik. Wenn g-moll bei Mozart die fatalistische Tonart ist, so ist c-moll die dramatische, die Tonart der Gegensätze von aggressiven Unisonos und lyrischen Wendungen. Das Lyrische wird gleichsam immer wieder überfallen von finsteren Ausbrüchen.« Berücksichtigt man allerdings die zu Mozarts Lebzeiten gültige Tonartenästhetik, zeigt sich, dass Abert und Einstein mit ihrer Interpretation wohl irrten: »C-moll […] ist ein überaus lieblicher […] Thon« liest man nämlich in Johann Matthesons 1713 erschienener Abhandlung Das Neu-Eröffnete Orchester. Und 1783 heißt es in einem von Justus Johann Ribock verfassten Aufsatz Ueber Musik, der in Carl Friedrich Cramers Magazin der Musik erschienen ist: »C-moll halte ich fuer den allerzaertlichsten, weiblich edelsten, schmachtendsten [Ton] und vergleiche ihn mit der Farbe der blaesserern Rose, und auch mit dem Geruch derselben.«

Zwischenaktmusik: Händels »Harfenkonzert«

Im selben Beitrag schrieb Ribock B-Dur »Majestaet« und glänzende »Groesse« zu – jener Tonart, in der Georg Friedrich Händel sein Konzert HWV 294 verfasst hat. Das Werk entstand ursprünglich für den berühmtesten Harfenisten seiner Zeit, William Powell, und wurde am 19. Februar 1736 bei der Uraufführung der Ode Alexander’s Feast or The Power of Musick eingeschoben, um das Harfenspiel des griechischen Sängers Timotheus zu symbolisieren. Im zweiteiligen Kopfsatz, in dem gedämpfte Violinen den Pizzicatoklängen der tieferen Streicher gegenübergestellt werden, bleibt die motivische Entwicklung durchweg dem virtuosen Part der Harfe vorbehalten, wobei neben Echowirkungen auch viele reizvolle Klangkontraste entstehen. Zwei Jahre später hat Händel das Werk für Tasteninstrument umgearbeitet und im Rahmen seiner Six Concertos For the Hapsicord or Organ op. 4 veröffentlicht. Jene Stücke dienten bei Oratorienaufführungen gewissermaßen als Zwischenaktmusiken, da es sich der Komponist laut dem britischen Musikgelehrten Charles Burney zur Gewohnheit machte, »das Publikum durch die Aufführung von Orgelkonzerten« zu erfreuen. Die Konzerte verfehlten ihre Wirkung nicht – wohl auch deshalb nicht, weil Händel auf einer eigens für ihn konstruierten pedallosen Kleinorgel mit einem Manual und sieben oder acht Registern spielte, von der aus er auch das Orchester dirigieren konnte.

Der doppelte Doppler: die Rigoletto-Fantaisie op. 38

Viele Jahrzehnte nach Händel wurde Franz Doppler 1821 im Österreich-Ungarischen Lemberg (heute Lviv, Westukraine) geboren, der im Alter von 13 Jahren als Flötenvirtuose in Wien debütierte, bevor er mit seinem Bruder Karl im Duo auftrat. 1838 wurde er Erster Flötist am Deutschen Theater in Pest, bevor er drei Jahre später dasselbe Amt am Ungarischen Nationaltheater übernahm. Ab 1858 war er dann als Soloflötist an der Wiener Hofoper tätig, an der er auch als Dirigent von Ballettaufführungen in Erscheinung trat. Neben den Bühnenwerken erfreuten sich vor allem Franz Dopplers Flötenkompositionen allergrößter Beliebtheit – Instrumentalfantasien und Opernparaphrasen nach dem Vorbild italienischer Bravourarien, die sich durch Virtuosität und einen uneingeschränkten Gefühlsausdruck auszeichnen. Zu jenen Werken, in denen die technischen und melodischen Möglichkeiten der Flöte in höchstem Maß genutzt werden, gehört auch die Rigoletto-Fantaisie op. 38, eine Gemeinschaftskomposition von Karl und Franz Doppler, die in den Konzerten der Brüder zwischen Solokompositionen, Variationszyklen und Duetten einen wichtigen Platz einnahm.

Harald Hodeige

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