Zum Spielplan 2012/2013

In meinen Kalender übernehmen merken gemerkt drucken

Orgel

Ein Fest für die Königin

Termine

So, 24. Feb. 2013 10 Uhr

10:00 | Philharmonie und Musikinstrumenten-Museum SIMPK

Programm

Seit Jahrhunderten gilt die Orgel zu Recht als »Königin« unter den Klangerzeugern: Sie ist das größte und optisch zumeist auch prächtigste Instrument von allen und verfügt nicht selten über das Volumen eines ganzen Symphonieorchesters. Andreas Sieling, der seit 1999 u.a. Künstlerisches Orgelspiel sowie Aufführungspraxis und Orgelkunde an der Universität der Künste Berlin unterrichtet und zudem als Organist an der großen Sauer-Orgel im Berliner Dom tätig ist, lädt beim »Fest für die Königin« ins Musikinstrumenten-Museum ein, wo er auf historischem Instrumentarium Werke von Purcell bis Mendelssohn präsentieren wird.

Anschließend nimmt Guy Bovet im Großen Saal der Philharmonie an der Karl-Schuke-Orgel Platz. Neben Musik von Johann Sebastian Bach wird der international renommierte Schweizer Organist, der bis 2008 als Professor an der Musikhochschule in Basel tätig war, auch eine eigene Fassung von Maurice Ravels Ma Mere l'Oye vorstellen. Weiterhin stehen Trois Danses von Jehan Alain auf dem Programm, die sich durch allerhand Orientalismen und eine schwebende Harmonik auszeichnen. Obwohl Alain im Zweiten Weltkrieg im Alter von nur 29 Jahren gefallen ist, gehören seine Orgelwerke (von denen Bovet eine Gesamteinspielung auf der wiederaufgebauten Alain-Familienorgel vorgelegt hat) zu den meistgespielten der französischen Moderne.

Nach dem Konzert findet im Musikinstrumenten-Museum eine Lecture Demonstration statt – an Digital- und Hammondorgel sowie an der großen Theaterorgel The Mighty Wurlitzer, die einst als »Ein-Mann-Orchester« zur musikalischen Untermalung von Stummfilmen entwickelt wurde.

Über die Musik

Eine Orgelreise durch fünf Jahrhunderte

Andreas Sielings musikalische Führung an den historischen Orgeln im Musikinstrumenten-Museum

Längst ist die historische Aufführungspraxis Allgemeingut – den die Alte Musik durchforschenden und deren Dokumente wiederentdeckenden Pionieren sei’s gedankt, aber auch, wenn nicht sogar mehr noch den Enthusiasten, die sich von ihnen haben anstecken lassen. Sie waren und sind es schließlich, die die frühen Notationen entziffern und in lebendigen Klang verwandeln, ausgestattet mit der Kenntnis der profunden Schriften von Praetorius und Mattheson, Carl Philipp Emanuel Bach und Quantz. Dass beim Wiederentdecken bloße Notentreue keineswegs genügt, um von Werktreue zu sprechen, ist gleichfalls anerkannte Maxime, denn es geht ums Erspüren der sich wandelnden klangästhetischen Vorstellungen, um das »Wesen« der Musik – wie zu allen Zeiten. Was unabdingbar dazugehört, ist das Kennen- und Beherrschenlernen des historischen Instrumentariums, wobei dem Original Vorrang zu geben ist vor jedweder nachempfundenen modernen Kopie.

»dieses vielstimmige liebliche Werck«

Der heutige Vormittag gibt Gelegenheit, sich allein einem Instrument zu nähern und seinen durch die Jahrhunderte erfahrenen Wandel zu verfolgen: der Orgel. Als Einführungs- und Geleittext bietet sich an, was Michael Praetorius 1619 in seinem Syntagma Musicum über »dieses vielstimmige liebliche Werck« geschrieben hat: »Jn summa die Orgel hat und begreifft alle anderen Instrumenta musica, groß und klein / wie die Nahmen haben mögen / alleine in sich. Wiltu eine Trummel / Trummet / Posaun / Zincken / Blockflöt / Querpfeiffen / Pommern / Schalmeyen / Doltzian / Racketten / Sordounen / Krumphörner / Geigen / Leyern / ec. hören / so kanstu dieses alles / und noch viel andere wunderliche liebligkeiten mehr in diesem künstlichen Werck haben: Also daß / wenn du dieses Instrument hast und hörest / du nicht anders denckest / du habest und hörest die andern Instrumenta alle miteinander.« Bei keinem anderen Instrument, dessen Bau und Spielpraxis er ausführlich kommentiert, ließ sich Praetorius zu einer solchen Eloge hinreißen: »Vnd die Warheit zubekennen / so ist keine Kunst so hoch gestiegen / als eben die Orgelkunst: Denn der Menschen subtile Spitzfindigkeit und fleissiges nachdencken hat es dahin gebracht / daß sie nun gäntzlichen ohne einigen fernern zusatz / wol bestehen bleiben kan.« Mit den Menschen, deren »subtile Spitzfindigkeit und fleissiges nachdencken« hier gelobt wird, sind auf jeden Fall zwei an der Orgelkunst beteiligte Spezies gemeint: die Orgelbauer und die Orgelkomponisten. Beiden kann nun in ihren Schöpfungen begegnet werden, und das durch fünf Jahrhunderte.

Die Orgelreise beginnt in der Renaissance mit zumindest zwei heute eher unbekannten Komponisten. Der um 1485 in Straßburg geborene Hans Kotter, Schüler von Paul Hofhaimer, war zunächst Hof-Organist im sächsischen Torgau, dann im Breisgau und in der Schweiz, in späteren Jahren Schulmeister in Bern. Überliefert ist ein Orgelbuch, das er zwischen 1513 und 1522 zusammenstellte und das die ersten deutschen Tänze, die für die Orgel geschrieben wurden, neben Werken von Hofhaimer, Josquin, Isaac und anderen enthält. Kotters etwas jüngerer Kollege Pierre Attaingnant ist Franzose und hat sich nicht nur als Komponist, sondern auch als Notendrucker und Musikverleger nachhaltig bemerkbar gemacht: Ihm ist die Veröffentlichung zahlreicher Werke französischer Komponisten zu danken, vor allem Chansons – allein 50 Ausgaben. Sein »L’espoir que jay d’acquerir vostre grace«, das die Hoffnung besingt, ist einer seiner eigenen Beiträge zu dieser Gattung, hier im Klang der Orgel zu erleben (sie kann eben auch den Gesang imitieren). – Die 1551 in Venedig gedruckte Intabolatura nova ist eine Sammlung von 25 Tänzen verschiedener Art, »zu spielen auf dem Cembalo, Spinett oder Clavichord«, verfasst von zahlreichen Komponisten. Die beiden anonym überlieferten Passamezzi – italienisch: Pass’e mezzo – sind Variationen über eine diesem Tanz musterhaft zugrunde liegende Harmoniefolge, wobei »antico« die Moll-Variante bezeichnet (die Dur-Variante hieß »moderno«).

Der durch sein bahnbrechendes Wirken an San Marco in Venedig berühmt gewordene Giovanni Gabrieli hat nicht nur große mehrchörig besetzte Werke hinterlassen, sondern auch bescheidenere Formen gepflegt, wofür hier ein Ricercar, eine dreistimmige Kontrapunkt-Improvisation steht. Gemeinsam mit seinem Onkel (und Vorgänger im Amt) Andrea Gabrieli versammelte er eine ganze Reihe ähnlicher Stücke in den 1595 in Venedig erschienenen Ricercari per l’organo. Wenn dem eine Choralvariation von Johann Sebastian Bach folgt, gleichfalls auf einem Renaissance-Positiv gespielt, ist das wohl als Versuch zu werten, Bachs Klangwelt in »bescheidenerem« Rahmen auf die Probe zu stellen. Was dem Werk sicher keinen Abbruch tut, denn die Faktur bleibt unangetastet, es sei denn, man vermisst die Pedalregister. Ihren Ursprung haben Bachs äußerst zahlreiche und lebenslang entstandene Choralvariationen in seinem eigenen liturgischen Orgelspiel: zunächst improvisiert, dann notiert, sogar in mehreren Varianten. Mit mehr als 20 weiteren ihrer Art ist BWV 691 in der Abschriften-Sammlung Johann Philipp Kirnbergers aus den Jahren 1784 – 1788 enthalten, die der zeitweilige Rheinsberger Hofmusiker der von ihm gegründeten Amalien-Bibliothek (Ursprung der späteren Preußischen Staatsbibliothek) übergab.

Untrennbar mit dem Namen der Initiatorin und ersten Besitzerin Susanne van Soldt verbunden ist die 1599 abgeschlossene Manuskript-Sammlung mit anonymen Beispielen der franco-flämischen Musik des 16. Jahrhunderts – zahlreiche Tänze, aber auch 13 Psalmvertonungen, eingerichtet für Tasteninstrumente. Susanne, musikalisch gebildete Antwerpener Kaufmannstochter, entfloh 1576 mit der Familie der spanischen Protestanten-Verfolgung nach London und kehrte erst 1588 zurück in die Niederlande. Ihre Sammlung aber verblieb in England und hat nach wechselnden Eigentümern 1873(!) einen Ehrenplatz in der British Library gefunden. Der Brabanter Tanz, die Nr. 17 dieser bedeutenden Anthologie, erhält mit den Zungenstimmen des Regals eine besonders funkelnde Klangatmosphäre. Desgleichen die folgende Intavolation, also die Übertragung eines Vokalstücks von Giovanni Gastoldi auf die Orgel: »Jesu, du wolltest uns weisen«. Ihr Autor Heinrich Scheidemann, gebürtiger Holsteiner, ging 1611 nach Amsterdam zu dem damals bedeutendsten Lehrer Jan Pieterszoon Sweelinck. Ab 1629 folgte er seinem Vater David im Organistendienst an der Hamburger Katharinenkirche und erwarb sich einen herausragenden Ruf als Meister seines Instruments wie als Komponist und Lehrer – sein namhaftester Schüler (und Nachfolger im Amt) wurde Adam Reincken. Die von Scheidemann vollzogene Verbindung von Sweelinck zur Hamburger Barocktradition ließ ihn zu einem der Begründer der Norddeutschen Orgelschule werden.

Aus der Kirche verbannt

Unter dem Einfluss der Calvinisten, die der Orgel keinen Platz in der Kirche mehr gönnten, verlagerte sich das Musikleben auf den Privatbereich. Hierfür entstanden ab Ende des 16. Jahrhunderts, zuerst in den Niederlanden, dann von dort sich nach Frankreich und England verbreitend, die Hausorgeln: kleinere, in verschiedensten Möbeln »versteckte« Instrumente. Auf einer solchen Orgel zwei englische Werke aus älterer und neuerer Zeit zu hören, dürfte seinen spezifischen Reiz haben. Mit Voluntary bezeichnet die englische Musiktradition ein formal freies Stück nach Art des Präludiums. Das Beispiel von Samuel Wesley steht für viele ähnliche, aus dem Stegreif erwachsende Stücke, hier als leichtes Intermezzo. Weit gewichtiger präsentiert sich danach The Prince of Denmark’s March des Barock-Meisters Jeremiah Clarke, und es ist das Werk, das bis heute seinen Ruhm bewahrt: 1981 erklang es zur Hochzeit von Prinz Charles und Diana und machte den Schöpfer (abermals) aller Welt bekannt.

Zwei Voluntaries aus der Feder des mit Wesley etwa gleichaltrigen William Russell sind auf einer Orgel des 19. Jahrhunderts zu hören, die nun von wesentlich imposanterer Erscheinung ist, weshalb die zweite der sechs Orgelsonaten von Felix Mendelssohn Bartholdy auch hier angemessen platziert ist. Mendelssohns Sonaten aus den Jahren 1844/1845 gelten als gelungene Versuche, die Bach-Tradition in der Romantik wachzuhalten, sind also – gegen die vom Titel geweckte Erwartung – historisch orientiert. Immerhin schätzte der (ähnlich sich ausrichtende) Max Reger diese Werke sehr.

Unerwartete Umdeutung

Am Ende des Programms wird das 20. Jahrhundert erreicht und zugleich die Brücke zur Barock-Zeit geschlagen. Als Vertreter der Hochromantik kommt jetzt allein Sigfrid Karg-Elert zum Zuge, mit beiden Werken auf Bach zurückweisend: mit einer Adaption des 2. Satzes aus dessen D-Dur-Orchestersuite BWV 1068 und mit einer Erinnerung an die Choralvariation, die bei Karg-Elert »Improvisation« heißt. Dem berühmten Air widerfährt hier eine unerwartete Umdeutung ins Mystische: nach C-Dur transponiert, Hauptstimme in die Tenorlage verlegt, obendrein halbes Tempo. Die abschließend zu hörende Orgel-Improvisation, im Untertitel Marche triomphale genannt, darf dann aber ihre fesselnde Wirkung voll entfalten.

Helge Jung

Drei Meister, neu gehört: Bach, Ravel und Alain

Guy Bovet an der Karl-Schuke-Orgel der Philharmonie

Die rund zehn Jahre als Hoforganist und Kammermusiker in Weimar – im Juni 1708 war er als 23-Jähriger aus Mühlhausen gekommen, als 32-Jähriger ging er im Dezember 1717 nach Köthen – waren für Johann Sebastian Bach eine ertragreiche Schaffenszeit, insbesondere in Bezug auf Orgel- und Kammermusikwerke sowie auf Kantaten. Unter den etwa 30 Kompositionen für die Orgel finden sich so berühmte wie die d-Moll-Toccata BWV 565 und die c-Moll-Passacaglia BWV 582. Auch das für seinen ältesten Sohn Wilhelm Friedemann zusammengestellte Orgel-Büchlein wurde in Weimar begonnen, und schließlich gehört eine Reihe von sechs Orgelkonzerten nach verschiedenen Meistern hierher – Einrichtungen und Bearbeitungen nach Vorlagen von Vivaldi, aber auch von Herzog Johann Ernst, einem Familienmitglied seiner wohlwollenden Weimaraner Arbeitgeber.

» hier mit beiden Händen, dort mit schnellen Füßen«

In Weimar begann auch Bachs Tätigkeit als Lehrer. Sein Mühlhäuser Schüler Johann Martin Schubert begleitete ihn in die Residenzstadt an der Ilm und wurde dort auch sein Nachfolger; ein anderer Eleve war Johann Tobias Krebs, dessen Sohn Johann Ludwig später Alumne der Leipziger Thomasschule wurde und danach in Altenburg als Organist und Komponist wirkte. Bachs pädagogische Fähigkeiten wurden stets gerühmt, in Sachen Handwerk an der Orgel und auf dem Klavier wie als Vorbild in kompositorischer Hinsicht. Zum Umfeld gehören auch die Kontakte mit etablierten Zeitgenossen. Bachs Cousin Johann Gottfried Walther wirkte dort als Stadtorganist; der Hofprediger Salomo Franck wurde zum willkommenen Verfasser von Kantatentexten (auch noch in Bachs Leipziger Jahren). Geistiges Haupt Weimars war indes zweifellos Johann Mathias Gesner, ab 1715 Konrektor des Stadtgymnasiums und Altphilologe von Rang. Ihm verdankt die Nachwelt eine exquisite Würdigung der Leistungen Bachs als Dirigent, Klavier- und Orgelspieler, eingekleidet in eine lateinisch verfasste »Rede« des Römers Quintilianus, die an einen gewissen Fabius gerichtet ist. Nach ausführlicher Schilderung, wie Bach »mit beiden Händen und allen Fingern etwa unser Klavier spielt [...] oder jenes Grundinstrument (die Orgel), [...] hier mit beiden Händen, dort mit schnellen Füßen [...] allein gleichsam Heer von ganz verschiedenen aber doch zueinander passenden Tönen hervorbringt«, und einem Bericht über seinen Umgang mit »30 oder gar 40 Musizierenden« – per Kopfnicken, Aufstampfen mit dem Fuß, mit drohendem Finger und Tonangeben – mündet Gesners Lobpreis in den Satz: »... glaub’ ich doch, daß Freund Bach allein [...] den Orpheus mehrmals und den Arion zwanzigmal übertrifft.« Gesner wurde übrigens 1730 Rektor der Leipziger Thomasschule, wo er von Bach nach den heftigen Auseinandersetzungen mit dem Amtsvorgänger Ernesti freudig begrüßt wurde: »Jetzt wird alles gut!«

Toccata, Adagio und Fuge C-DurBWV 564 dokumentiert auf exemplarische Weise, wie Bachs Kunst bereits 1709 zu kraftvoller architektonischer Vollendung gereift ist. Die Toccata überrascht mit einem alles andere als gewöhnlichen Themenkopf: kurze Motive, mit Pausen abwechselnd, verleiten dazu, von jugendlichem Leichtsinn zu sprechen, ebenso die harmonischen Finessen, mit denen er im folgenden Adagio aufwartet. Der Pausen-Gestus des Anfangs zeigt sich dann auch in der Fuge, dessen lapidar erscheinendes Thema erst nach und nach zu fließendem Fortgang findet – der bekannten, entstehungszeitlich benachbarten d-Moll-Toccata ähnlich.

In zartesten Registern

Wie Bach sich und seinem Instrument Vivaldi anverwandelte, so hat Guy Bovet ein berühmtes Werk von Maurice Ravel auf die Orgel übertragen: Ma Mère l’oyeMeine Mutter, die Gans. Diese »Cinq pièces enfantines«, für Klavier vierhändig gesetzt, sind ursprünglich für die Kinder des polnisch-französischen Bildhauers Cyprian Godebski entstanden, in dessen Pariser Haus Ravel gern zu Gast war. Dem entspricht auch die Titelwahl. Mit der »Mutter Gans« stehen die Themen der einzelnen Stücke nur in indirekter Beziehung, die Gans übernimmt die Rolle der Erzählerin (ganz ähnlich dem englischen Pendant »Mother Goose«). Sie – und mit ihr der Komponist – hat bei französischen Erzählern und in europäischen und orientalischen Märchen die folgenden Geschichten gefunden.

Als erste das Märchen vom Dornröschen, musikalisch geformt als Pavane, also einem altern höfischen Schreittanz aus dem 16. Jahrhundert. Ganz gemäß ihrer früheren Funktion als Eröffnungssatz einer Suite steht sie auch bei Ravel am Beginn, in äolisch auf a, verhalten-wehmütig erzählend. Zehn Jahre zuvor hatte der Komponist mit einem ähnlichen und im Sujet sogar verwandten Werk aufgewartet: mit der Pavane pour une infante défunte. – Im zweiten Satz tritt der Däumling auf, Tempo très modéré, 2/4-Takt, c-Moll als Grundtonart. Zugrunde liegt ein Stoff aus einer Sammlung des 17. Jahrhunderts, den Contes de Fées von Charles Perrault. Der kleine Mann tippelt durch den Wald und lässt unterwegs Brotkrumen fallen, um den Weg zurück wiederzufinden, muss aber dann feststellen, dass die Vögel alles aufgepickt hatten. In der Musik sind entsprechend das Tippeln und die Vogelstimmen zu vernehmen und zuletzt rastloses Umherirren. – Danach folgt ein chinesischer Marsch, der Kaiserin der Pagoden gewidmet und der Herkunftsregion entsprechend pentatonisch nur auf den schwarzen Tasten zu spielen als würdige Tempelweise. Die hellen Spielfiguren im Diskant deuten das Wort »Pagode« als »Pagodenmännchen«, die auf winzigen Nuss- und Mandelschalen spielen. – Der vierte Satz zeichnet das Märchen »Die Schöne und das Biest« nach, wie es von der Schriftstellerin Jeanne Marie Leprince de Beaumont(1711 – 1780) aufgezeichnet wurde. Drei Auszügen daraus folgt die Musik: Das Mädchen erkennt das gute Herz des Ungeheuers (Valse trè modéré, F-Dur); das Biest fragt das Mädchen (mit »grunzendem« Bass), ob es seine Frau werden wolle, erhält aber eine Absage, worauf große Verzweiflung Platz greift, die aber schließlich der sanfteren Ausgangsstimmung weicht; »Ich sterbe glücklich ... Nein, mein liebes Tier, du wirst nicht sterben, sondern mein Gemahl« – so erbarmt sich das Mädchen schließlich des Ungeheuers, und es vollzieht sich ein erstaunlicher Wandel: Aus dem Tier wird ein Prinz, »schön wie die Liebe«, der dem Mädchen dafür dankt, dass es ihn aus seiner Verzauberung errettet hat. Zärtlich verschränken sich die Motive der beiden in einem irisierenden Klang aus F- und Fis-Dur. – Der fünfte Teil greift die Stimmung dieser märchenhaften Verwandlung auf und entführt den Hörer in einen Zaubergarten; das anfangs in langsamem und gravitätischem 3/4-Takt ausgebreitete C-Dur mündet in eine triumphale Coda mit Glockengeläut und Festfanfaren ...

Ravel schrieb in seinem Kommentar zu Ma Mère l’oye Folgendes: »Der Plan, in diesen Stücken die Poesie der Kindheit heraufzubeschwören, hat mich von selbst dazu geführt, meinen Stil zu vereinfachen und meine Schreibweise zu verdünnen.« Die Orgel kann also hier einmal die zarteren Register einsetzen und muss nur selten das Pleno bemühen.

Freuden – Trauer – Kämpfe

Zwischen Guy Bovet und Jehan Alain besteht eine nahezu direkte Beziehung, denn Bovet war Orgelschüler von Marie-Claire Alain, der Schwester Jehans, die sich mit Aufführungen und Publikationen zeitlebens für das Werk ihres Bruders eingesetzt hat, ganz vehement nach dessen frühem Tod – er fiel 1940 als Soldat im Zweiten Weltkrieg, nur 29 Jahre alt. Jehan Alains Musik besticht nicht nur durch ihren Formenreichtum, sondern sie zeigt eine der frühesten Aneignungen der von Olivier Messiaen entwickelten Tonsprache mit ihren aus modalen Skalen gebildeten Harmonik und ihren jedes starre Metrum auflösenden rhythmischen Finessen. Wie Messiaen interessierte sich Alain für indische Tonsysteme und orientalische Bewegungsformen, auch die Bevorzugung des Tritonus-Intervalls verbindet beide. Was in seinen Trois Danses, einer seiner bekanntesten Kompositionen, zu erleben ist.

Geschrieben in den Jahren 1937 bis 1940, großenteils sogar während der Zeit seines Kriegsdienstes, umkreisen die drei Sätze drei sehr unterschiedliche Themenbereiche: 1. Freuden – 2. Trauer – 3. Kämpfe. Große Bereiche des Eröffnungssatzes breiten ein nervöses, hartnäckig um wenige harmonische Konstellationen ringendes 7/8-Zeitmaß aus, das mehrere Transformationen erlebt und am Schluss in eine Fläche mündet, in der ungerade rhythmische Muster in Mittellage mit schnellen Bewegungen im Diskant kontrapunktiert werden, und das dynamisch eingebettet in ein nach und nach erreichtes Pianissimo. – Den zweiten Satz hat Alain mit dem Hinweis »Danse funébre pour honorer une mémoire heroïque« versehen, was in Verbindung gebracht wird mit dem tödlichen Bergsteiger-Unglück seiner älteren Schwester Odile (1937). Die Musik bleibt durchgehend mysteriös, worin lediglich der Mittelteil mit seinen 6/8-Ostinati, die überraschenden metrischen Verschiebungen unterworfen werden, für Abwechslung sorgt. – Der Finalsatz greift die Bewegungsimpulse des ersten Satzes wieder auf, wechselt aber zu hellerer Farbgebung, doch die wird von den dann hineingreifenden »Kämpfen« in Frage gestellt – ohne endgültige Konfliktlösung.

Helge Jung

»Die Transparenz, Lebendigkeit und klangliche Vielseitigkeit dieser Orgel hat mich beeindruckt.«

Michel König spielt auf der Rodgers-Digitalorgel, Modell 588

Konzertantes

Komponiert für den Ratswechsel zu Leipzig im Jahre 1731, gehört Johann Sebastian Bachs Kantate »Wir danken dir, Gott, wir danken dir« BWV 29 zu den seltenen Werken dieses Komponisten für Orchester mit konzertanter Orgel. Wie öfter in seinem Kantatenschaffen greift Bach auch hier auf eine frühere (weltliche) Komposition zurück, nämlich auf das Preludio aus der Partita in E-Dur für Violine solo, BWV 1006. Für diese Sinfonia fügt er dem ursprünglichen Violinpart – nunmehr in der Orgel – eine wuchtige Orchesterbegleitung mit Streichern, zwei Oboen, drei Trompeten und Pauken hinzu. Der französische Organist und Komponist Marcel Dupré (1886 – 1971) hat das Werk für Orgel solo bearbeitet. Er ist im Übrigen auch der Erste, der sämtliche Orgelwerke Bachs auswendig in einem Konzertzyklus vorgetragen hat.

Die folgenden drei Stücke aus der Zeit vor Johann Sebastian Bach stehen in demselben weltlichen Kontext: Im 16. und 17. Jahrhundert waren kleinere Orgelinstrumente durchaus für weltliche Musik in Adels- und reichen Bürgerhäusern beliebt. Für solch ein Instrument ist wohl der Ballo dell’intorcia von Antonio Valente gedacht, ein Tanz-Thema mit sieben Variationen. Vom Komponisten dieses Werkes wissen wir sehr wenig, außer dass er 1601 unter den Verstorbenen der Stadt Neapel geführt wird. Ebenso tänzerisch istAmor vittorioso, ein Balletto von Giovanni Gastoldi, einem wichtigen Vertreter des sogenannten Villanellen-Stils. Der Tradition des 16. Jahrhunderts entsprechend wurde dieses Vokalstück auf die Orgel übertragen. Und schließlich schildert die Batalla des mexikanischen Barockkomponisten Joseph de Torres y Vergara einen kriegerischen Aufzug auf dem Schlachtfeld. Charakteristisch für Stücke dieser Gattung ist die Verwendung der »Spanischen Trompeten«, durchdringende Zungenregister, die horizontal aus dem Orgelgehäuse in den Raum hineinragen.

Rückgriffe

Was uns heute als Ave Maria von Bach/Gounod bekannt ist, entstand ursprünglich als Méditation sur le 1er Prélude de piano de J.S. Bach für Violine und Klavier, mit Violoncello und Harmonium ad libitum. Erst später wurde der berühmte Text unter die Kantilene unterlegt, die Charles Gounod zu Bachs Präludium hinzugefügt hatte. Auch der in Würzburg beheimatete Komponist ungarischer Abstammung Zsolt Gárdonyi greift in Mozart Changes auf ein Werk eines berühmten Komponisten zurück. Gárdonyi schreibt: »Die internationale Fachsprache im Bereich der Jazzharmonik verwendet das Wort ›changes‹ (Wechsel) für die Bezeichnung von Akkordfolgen. Meine Mozart Changes, frei übersetzt also ›mozartische Akkordwechsel‹, kreisen um zwei tänzerische Motive aus dem Klaviersonate KV 576. Auch diese enthalten jene stilübergreifende Akkordfolge aus dem 18. Jahrhundert, die der Tonika drei Quintfälle vorausgehen lässt (VI – II – V – I) und die im Jazz bis heute als zentrales Idiom erhalten geblieben sind. Die Originalmotive aus der genannten Mozart-Sonate verwandeln sich vor unseren Ohren und erschließen in ihrer heiteren Metamorphose eine zusätzliche Dimension für das Wort ›changes‹.«

Heiteres

Ähnlich heiter ist das Scherzo Pastorale von Gottfried Federlein (komponiert 1914). Federlein stammte aus Deutschland und war von 1915 bis 1945 Organist an der größten Synagogenorgel der Welt am Temple Emanu-El in Manhattan, New York. In seinen Werken schöpft er sämtliche Facetten des auf Farbenreichtum ausgelegten amerikanischen Orgelstils seiner Zeit aus. Auch der österreichische Komponist Johannes Kobald hat mit seinem neuesten Orgelstück Tanz der Engel ein sinnenfreudiges Werk geschaffen. Er meint zu seinem Stück: »Motive aus Franz Liszts Präludium und Fuge über BACH und die gregorianische Ostersequenz Victimae paschali laudes verschmelzen zu einem prächtig feierlichen Tanz. Ich sehe gleißendes Licht, das sich in Marias freudvoll staunendem Blick, am leeren Grab stehend, wiederspiegelt.« Diese Freude nimmt auch die Arabeske Nr. 2 G-Dur von Claude Debussy auf. Ursprünglich für Klavier, wurde das Werk von einem Zeitgenossen Debussys für Orgel bearbeitet: Léon Roques. Ein sprudelndes Charakterstück, aus zwei kontrastierenden Themen gebildet, prädestiniert für den Klang des überblasenden Flötenregisters, der Flûte harmonique.

Und mit breiten, majestätisch-feierlichen Orgelklängen schließt das Programm ab. Das Finale des blinden englischen Organisten und Komponisten Alfred Hollins, der einen Großteil seiner Studien in Deutschland absolviert hatte, ist ein typisches Beispiel für den weltlich-symphonischen Orgelstil, der in den Townhalls im britischen Empire um 1900 gepflegt wurde.

Michel König

Wegen ihres großen Umfangs verweisen wir Sie für die Disposition der Orgel auf die website des Herstellers: www.rodgers.de.

Music for Millions

Simon Gledhill präsentiert »The Mighty Wurlitzer«

Als 1914 Robert Hope Jones und die Rudolph Wurlitzer Company einen Vertrag zur Zusammenarbeit schlossen, und Wurlitzer noch im selben Jahr das revolutionäre Instrument »The Mighty Wurlitzer« mit vier Manualen auf den Markt brachte, konnte niemand ahnen, welchen Erfolg die neue Orgel in den darauf folgenden Jahren im Musikgeschehen der USA und Großbritanniens haben sollte. Zwei Kriterien waren für die Entwicklung und den Bau dieses Instruments wesentlich: a) die Orgel sollte mit rein akustischen Mitteln alle Instrumente des Orchesters imitieren können, und b) der Spieltisch (die Konsole) sollte beweglich und unabhängig von der Pfeifenanlage und vom Orgelgehäuse konstruiert sein.

Begnadete und begeisterte Musiker machten die »Mighty Wurlitzer« berühmt, allesamt Virtuosen auf dem Klavier und an der Orgel, die neben ihren Soloauftritten auch Stummfilme begleiteten. Sicherlich der bekannteste unter ihnen, der »Poet of the Organ«, Jesse Crawford (1895 – 1962) trat ab 1921 in Chicago, Los Angeles und New York City auf und spielte alle großen Theaterorgeln seiner Zeit. Millionen von begeisterten Zuhörern schenkte er unvergessliche Stunden mit den Klängen der »Mighty Wurlitzer«.

Mit der Entwicklung der im Jahr 1935 vorgestellten viel billigeren und einfacher zu wartenden Hammondorgel, setzte der Niedergang der Theaterorgeln ein und machten sie zu faszinierenden Dinosauriern des frühen 20. Jahrhunderts. Erst als in den 1950er-Jahren viele alte Lichtspielhäuser und Konzertsäle in den USA abgerissen wurden, erinnerte man sich der zahlreichen kostbaren Orgeln. In George Wright (1920 – 1998), einem der führenden Konzertorganisten ab 1938, fand die »Mighty Wurlitzer« einen großen Fürsprecher, der viele Radiosendungen über die Theaterorgel, eigene Schallplattenproduktionen und Restaurierungsprojekte initiierte und betreute. Das Repertoire der Theaterorganisten beruhte auf der Improvisation über bekannte Melodien und Schlager, aber auch auf der Bearbeitung älterer symphonischer Werke, Operetten und Opern. Dieser Tradition fühlt sich Simon Gledhill in der Auswahl seiner Stücke verpflichtet.

Der Titel On the Sunny Side of the Street von Jimmy McHugh stammt aus der Broadwayshow The International Review, die am 25. Februar 1930 Premiere hatte. Das Lied wurde von zahlreichen Künstlern interpretiert, u. a. von Louis Amstrong, Benny Goodman und Dave Brubeck, und gehört heute zu den Standards der Jazzmusik.

Eric Coates zählt zu den bekanntesten britischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Nach seinem Studium der Violine und Bratsche an der Royal Accademy of Music in London und nach mehreren Jahren als Bratschist in verschiedenen, namhaften englischen Symphonieorchestern widmete er sich ab 1919 ganz dem Komponieren. Einige seiner Werke erklingen noch heute als Erkennungsmelodien beim BBC: By the Sleepy Lagoon eröffnet noch bis jetzt die Sendung Desert Island Discs und Halcyon Days wurde zur Titelmelodie der Fernsehserie The Forsyte Saga. In a Country Lane komponierte Coats 1919 als Teil seiner Orchestersuite Summer Days.

Zu denjenigen Musikern und Komponisten, die in den 1920er-Jahren das Jazz-Fieber gepackt hatte, zählt auch Hoagy Carmichael. Aus ärmlichen Verhältnissen des Mittleren Westens stammend, schaffte er es dennoch, an den Indiana University in Bloomington Rechtswissenschaften zu studieren. Das Geld für sein Studium verdiente er als begnadeter Pianist und Komponist. Der künstlerische und finanzielle Durchbruch gelang ihm 1930 mit dem Song Georgia on My Mind, den Ray Charles ab 1960 immer wieder meisterlich interpretiert hat. Ab 1936 feierte Carmicheal in Hollywood zusammen mit Humphrey Bogard, Lauren Bacall, Bob Crosby und Fats Waller große Erfolge, die bis in die 1960er-Jahre anhielten. Noch 1971 veröffentlichte er ein Songbook für Kinder, das sich anhaltender Beliebtheit erfreut.

Die Pavanne aus der American Symphonette Nr. 2 des amerikanischen Komponisten Morton Gould aus dem Jahr 1939 zählt zu seinen populärsten Musikstücken. Gould komponierte die American Symphonette für eine Radiosendung. Sie atmet in all ihren Sätzen das Musikgefühl des Jazz. Ursprünglich ist die Pavane ein langsamer Schreittanz aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Gould interpretiert diesen Barocktanz jedoch raffiniert als ein freches, schmissiges Dahinschlendern, wobei er sich durchaus an die überlieferte thematische Struktur der Pavane hält. Gould hoffte, durch die Schreibweise mit Doppel-N für den der Alten Musik entlehnten Tanz größere Aufmerksamkeit zu gewinnen – und wollte einen möglichen Reim mit dem englischen Wort »vein« ausschließen.

Von keinem geringeren als Jerome Kern stammt der großartige Song The Night Was Made for Love, der aus dem überaus erfolgreichen Broadway-Musical The Cat and the Fiddle (1931) stammt. Wie kein anderer verstand es Jerome Kern in der schwierigen Zeit der amerikanischen Depression, aus winzigen, aber unverwechselbaren musikalischen Einfällen großartige Musik zu zaubern. Mehr als 700 Songs und rund 100 Bühnenwerke stammen aus seiner Feder, die vielfach noch heute im Rundfunk sowie auf der Bühne und dem Podium erklingen. Bis heute gilt für viele The Night Was Made for Love als das Liebeslied des 20. Jahrhunderts schlechthin.

In hohem Maße hat Duke Ellington die Jazz-Szene des 20. Jahrhunderts beeinflusst. Nicht nur mit seinen zahllosen Kompositionen, sondern auch als Pianist verlieh er dem Jazz Professionalität, Klangschönheit und Virtuosität. Als Experimentator und Bandleader arbeitete er mit zahlreichen berühmten Ensembles und prägte wesentlich deren Klangsprache. Stets ging er auf die musikalischen Möglichkeiten seiner Kollegen ein und erweiterte mit deren Hilfe sein Repertoire. So wirkte Ellington häufig mit seinem Freund, dem Pianisten Billy Strayhorn zusammen, von dem das Stück Take The A-Train stammt. Den Jazz-Posaunisten Juan Tizol nahm Duke Ellington 1929 in seine Band auf und bedachte ihn mit zahlreichen, technisch höchst virtuosen Soli. Das Besondere am Spiel Tizols war, dass er im Gegensatz zu den meisten anderen Posaunisten eine Ventilposaune (und keine Zugposaune) spielte, weswegen zwar keine Glissandi, stattdessen aber schnelle Skalenspiele wie bei der Ventiltrompete möglich waren.

Billy Mayerl absolvierte ein intensives Musikstudium am Trinity College of Music in London. Bereits mit neun Jahren spielte er öffentlich Edvard Griegs Klavierkonzert und trat 1925 trat Solist in der englischen Erstaufführung der Rhapsody in Blue von George Gershwin auf. 1945 veröffentlichte Mayerl sein wohl populäres Stück Evening Primrose, das in dem für ihn typischen synkopierten Stil komponiert ist.

Aus der Operette Leichte Kavallerie von Franz von Suppé, die das Programm von Simon Gledhill beschließt, wird heute meist nur noch die überaus beliebte und schmissige Ouvertüre gespielt. Das Fanfarenmotiv erklingt in einer im Symphonieorchester eher unüblichen, hell klingenden Trompete in E, für bereits Johann Nepomuk Hummel sein Trompetenkonzert geschrieben hatte, und die in den österreich-ungarischen Militärkapellen des 19. Jahrhunderts als Signalinstrument verwendet wurde. Die im suppéschen Orchestersatz reichlich vorhandenen Schlaginstrumente können auf der »Mighty Wurlitzer« effektvoll im Pedal wiedergegeben werden.

Conny Sibylla Restle

Biographie

Guy Bovet, 1942 in Thun geboren, studierte zunächst bei Marie Dufour in Lausanne, dann bei Pierre Segond in Genf und Marie-Claire Alain in Paris. Jährlich gibt der Schweizer Organist etwa 60 Konzerte in aller Welt, die Liste seiner zum Teil preisgekrönten Einspielungen umfasst mehr als 50 Schallplatten und CDs, von denen der größte Teil auf historischen Instrumenten in Europa und Lateinamerika aufgenommen wurde. Guy Bovet setzt sich für den Erhalt historischer Orgeln ein und wirkt als Sachverständiger in Europa, Japan, Nord- und Südamerika und auf den Philippinen. Als Komponist arbeitete er für Theater und Film, wobei sein umfangreicher Werkkatalog auch Orgelwerke sowie Instrumental- und Vokalmusik umfasst. Er hat zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten über Orgeln in Lateinamerika und in Spanien verfasst und in diesem Rahmen u. a. mit der Stiftung »Pro Helvetia« und der Unesco zusammengearbeitet. 20 Jahre lang gab Guy Bovet Interpretationskurse an der Universität von Salamanca und war bis 2008 als Professor an der Musikhochschule in Basel tätig; von 1988 bis 2009 war er Organist an der Stiftskirche (Collégiale) zu Neuchâtel. Guy Bovet ist Ehrenbürger der Stadt Dallas, Texas, und Doktor honoris causa der Universität Neuchâtel. Er wurde in Japan für seine pädagogische Tätigkeit geehrt und erhielt von der Regierung der Philippinen für seinen Einsatz um den Erhalt der historischen Orgeln und die Ausbildung junger Organisten hohe Auszeichnungen. In einem Konzert der Stiftung Berliner Philharmoniker ist er nun erstmals zu erleben.

Simon Gledhill, 1965 in Halifax, West Yorkshire, geboren, ist ein wahrer Kinoorgel-Enthusiast. Im Alter von sechs Jahren erhielt er ersten Akkordeonunterricht, später kamen Klavier- und Orgelspiel hinzu. Als Simon Gledhill anlässlich eines Besuches im Tower Ballroom in Blackpool, Lancashire, die weltberühmte »Mighty Wurlitzer« hörte, widmete er sich fortan der Kinoorgel. 1982 wurde er zum »Northern Young Theatre Organist of the Year« gekürt, kurz darauf wurde er in die BBC-Radiosendung »The Organist Entertains« eingeladen. Seitdem war Simon Gledhill an zahlreichen namhaften Kino- und Theaterorgeln zu erleben, u. a. in den USA an der »New York Paramount Wurlitzer« in Wichita sowie an der »Sanfilippo-Wurlitzer« im nördlich von Chicago gelegenen Barrington. Er spielte mehrere CDs ein und ist neben seiner weltweiten Konzerttätigkeit immer wieder in Radiosendungen vertreten. 1997 wurde er von der American Theatre Organ Society mit dem »Organist of the Year Award« ausgezeichnet. Simon Gledhill, der nun erstmals einem Konzert der Stiftung Berliner Philharmoniker gastiert, ist Vorsitzender des größten britischen Kinoorgelclubs; hauptberuflich arbeitet er bei einer großen Bank in London. In einem Konzert der Stiftung Berliner Philharmoniker ist er nun erstmals zu erleben.

Michel König, 1973 in Bozen geboren, absolvierte ein Studium in den Fächern Orgel, Kirchenmusik und Musikerziehung an der Grazer Musikhochschule sowie an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Nachdem er sämtliche Diplome mit Auszeichnung abgelegt hatte, vervollkommnete er sein Orgelspiel im Rahmen von Meisterkursen bei renommierten europäischen und amerikanischen Organisten. Ein privates Studium Orchesterdirigieren bei Edgar Seipenbusch in Innsbruck rundete seine Ausbildung ab. Seit rund zehn Jahren lebt Michel König, der bei nationalen und internationalen Orgelwettbewerben Preise gewonnen hat, bei Innsbruck und geht einer regen Auftrittstätigkeit als Organist, Kammermusiker und Dirigent nach. Zudem unterrichtet er an der Pädagogischen Hochschule Tirol sowie an der Diözese Innsbruck und ist als Aufnahmeleiter für das ORF Landesstudio Tirol und die Musiksammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum tätig. Michel König war hauptverantwortlicher Kirchenmusiker an der Jesuitenkirche Innsbruck (2004 – 2009) und Dirigent des Tiroler Motettenchores Stadt Wörgl (2007 – 2010). In einem Konzert der Stiftung Berliner Philharmoniker ist er nun erstmals zu erleben.

Andreas Sieling studierte Orgel an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf, Kirchenmusik in Halle an der Saale sowie Musikwissenschaft, Germanistik und Publizistik in Berlin. Seit 2005 ist er als Domorganist an der großen Sauer-Orgel im Berliner Dom tätig. Konzertreisen führten Andreas Sieling, der an zahlreichen CD-, Rundfunk- und Filmaufnahmen beteiligt war, in viele europäische Länder, nach Russland, in die USA und nach Kanada. Der Organist unterrichtet im Rahmen internationaler Meisterkurse, arbeitet als Orgelsachverständiger und ist als Juror bei Wettbewerben gefragt. Die Veröffentlichung wissenschaftlicher Arbeiten und die Herausgabe unbekannter romantischer Musik des 19. Jahrhunderts runden seine Tätigkeit ab. Sein Buch Berliner Orgelmusik des 19. Jahrhunderts wurde mit dem Deutschen Musikeditionspreis ausgezeichnet. Andreas Sieling, der mit einer Arbeit über den Berliner Kirchenmusiker August Wilhelm Bach promovierte, unterrichtet seit 1999 Künstlerisches Orgelspiel, Aufführungspraxis, Orgelliteraturkunde sowie Orgelkunde und -methodik an der Universität der Künste Berlin, die ihn zum Professor ernannte. In einem Konzert der Stiftung Berliner Philharmoniker ist er nun erstmals zu Gast.

2012-11-04-orgel-3.jpg

Newsletter-Service Regelmäßig informiert über das aktuelle Programm und Highlights aus der Welt der Philharmoniker.

Alle Veranstaltungen in der Philharmonie finden Sie auch auf:

Berliner Bühnenzu berlin-buehnen.de