Zum Spielplan 2012/2013

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Kammermusik

Roger Willemsen Moderation und Programmgestaltung

Christian Brückner Sprecher

Markku Lepistö Akkordeon

Pekka Lehti Kontrabass

Milla Viljamaa Klavier

Ulla Pirttijärvi Joik (Frauenstimme)

Wimme Saari Joik (Männerstimme)

Kontrabassisten der Berliner Philharmoniker

Janne Saksala Kontrabass, Esko Laine Kontrabass, Gunars Upatnieks Kontrabass, Janusz Widzyk Kontrabass

Teil 2: Unterwegs in Nordeuropa: Mit den Berliner Philharmonikern auf den Spuren der Joik-Musik und des finnischen Tangos

Termine

Mi, 23. Jan. 2013 20 Uhr

20:00 | Kammermusiksaal

Programm

Noch heute leben die Samen als ethnische Minderheit in Norwegen, Schweden, Finnland sowie auf der russischen Kola-Halbinsel im Bemühen die Harmonie mit der sie umgebenden Natur der unendlichen Wälder, Küsten und Berge aufrechtzuerhalten. Ihr Land reicht vom nördlichen Eismeer bis in den mittleren Teil Skandinaviens. Ihr Stolz und ihre Lebensgrundlage sind die Rentier-Herden, mit denen sie diese gesamte Region über die Staatengrenzen hinweg bereisen. Ihre kulturelle Identität wurzelt nicht nur in ihrer eigenen Sprache, sondern vor allem in einem bis heute fast ungebrochenem Glauben an die Kräfte der Natur, der sich in schamanischen Joik-Gesängen ausdrückt.

Gejoikt wird nicht über etwas, sondern man joikt die Dinge selbst, ihre Beseeltheit. Es werden keine Geschichten oder Strophen gesungen, sondern Gefühle wie Liebe oder das Verliebtsein, das geweckt und wiedergegeben werden soll. Ein Joik hat keinen langen Text. Man kann auch joiken ohne jeden Text, nur mit der Stimme. Im zweiten Teil seiner musikalischen Reise lädt Roger Willemsen in die südlichen Regionen Finnlands ein. Im karelisch-baltischen Gebiet gibt es reiche Folktanz-Traditionen, die vor allem mit Fiddeln und dem Akkordeon gepflegt werden. So verwundert es nicht, dass das Akkordeon auch in der neuen finnischen Nationalmusik, dem Tango, seinen besonderen Platz gefunden hat.

Über die Musik

Musikalische Lebensmittel für ein ganzes Volk

Finnischer Tango und samischer Joik

»Die Finnen gelten als Meister des Schrägen – auch wenn sie sich selber für ganz normal halten.« Sätze wie diesen aus einem Artikel der Welt liest man überall, wenn man sich für das Land am nordöstlichen Rand Europas interessiert. Und es gibt sie tatsächlich die Meisterschaften im Gummistiefelweitwurf, Ehefrauentragen und Handywerfen. Es gibt den Bus, der von außen wie ein normaler Reisebus aussieht, innen aber eine öffentliche Sauna bietet. Auch in der Musik findet man im »Land der tausend Seen« (es sind in Wirklichkeit genau 187.888 Gewässer mit einer Größe über 500 Quadratmeter, die sich »See« nennen dürfen) echte Kuriositäten: Mieskuoro Huutajat, den »Schreienden Männerchor«, aus Oulu, die Humppa-Adaptionen bekannter Popsongs der punkenden »Rentnerband« Eläkeläiset, Mauri Antero Numinnen, den Helge Schneider Finnlands mit der ungeheuerlichen Kieksstimme, das Duo La Sega del Canto mit singender Säge und lauter andere herrlich komische, hörens- und sehenswerte Typen. Auch der Mythos von der großen Tangonation Finnland, die mit ihrem Nationaltanz südamerikanisches Temperament in nordische Melancholie verwandelt, entspricht der Realität. Während der Konzeption dieses Textes kam mir der Gedanke, ob diese ganzen skurrilen Aktionen und Produkte vielleicht nur Teile einer Imagekampagne sind? Wenn ja, sie wäre genial. Denn »Finnland« hat es geschafft, per se interessant zu sein. Besonders in der Popularmusik.

Auch einige von Ihnen, die Sie heute Abend in dieses besondere Konzert gehen, sind sicherlich von diesem Image angezogen worden. Und das ist gut so: Denn neben herausragender, zeitgenössischer Musik bekommen Sie über das Konzert einen Einblick in die Kultur und Geschichte Finnlands, der über die gängigen Klischees hinausgehen soll. Sie lernen mit dem Joik den archaischen, indianisch anmutenden Gesang der Samen kennen, die sich als einzige noch existierende Urbevölkerung Nordeuropas und nicht als kulturelle Minderheit verstehen, gleichwohl ihre Kultur heute wie in den vergangenen Jahrhunderten durch Assimilation und die Gier nach den Schätzen im und auf dem Boden ihrer Siedlungsgebiete bedroht ist.

Nein, die Anziehungskraft finnischer Popularmusik ist berechtigt, aber nicht berechnet. Denn wenn ich eines über die Menschen in diesem Teil Nordeuropas sagen kann, dann das: Sie sind unaufdringlich. Manchmal zurückhaltend, manchmal herzlich, aber immer angenehm – so erfrischend undogmatisch. Die Saunakultur zum Beispiel, eines der kulturellen Heiligtümer, wird so ganz ohne die in Deutschland verbreitete Regelbesessenheit verstanden. Wohlfühlen statt Wellness-Stress. Das typisch Stoische der Finnen wirkt auch relaxt. Man scheint die Eigenarten anderer zu tolerieren, so wie man akzeptiert, dass man selber eigenartig ist und sein darf.

Das große Thema im finnischen Tango ist: Sehnsucht!

Es stimmt: Finnen können sehr schweigsam sein. Aber: Finnische Frauen erlebe ich häufig anders. Gerade Musikerinnen und erst recht, wenn sie aus Karelien kommen. Sie sind energisch und bisweilen sehr temperamentvoll. Das kann zu Problemen beim finnischen Tango führen! Der Held in Mauri Antero Numminens Buch Tango ist meine Leidenschaft, der 35-jährige Virtanen, würde, so wie er es zu Hause all die Jahre lang getan hat, auch im richtigen Leben lieber mit einem Besenstiel tanzen als mit einer Frau und meint: »Nicht alle Frauen beherrschen das Tangogehen; sie versuchen ständig, richtig zu tanzen, mit Zwischenschritten, weil sie den Rhythmus durcheinanderbringen wollen.« Man überliest es schnell in diesem Zitat: Numminen spricht vom »Tangogehen«. Und ein am argentinischen Tango orientierter Tänzer oder eine Tänzerin werden das bestätigen. Die finnische Variante des Tangos ist eine Mischung aus russischer Romanze und deutscher Marschmusik. Seine Geburtsstunde ist nach Numminen der 5. November 1945. An diesem Tag erschien die Schallplatte des großen finnischen Sängers Henry Theel mit dem Tango Liljankukka (Lilie), den Toivo Kärki 1943 als Soldat während des finnisch-russischen Fortsetzungskrieges im heute russischen Chomorowitsch schrieb. Selbstverständlich schwappte schon 1913 die große Tangowelle, die ganz Europa damals erfasste, auch nach Finnland. Die Finnen fühlten sich durch den Tango in ihrem Leid unter der russischen Herrschaft verstanden. Der Tango drückte das aus, worüber zu sprechen unmöglich war.

Aber das Leid wurde noch größer. 1917 erlangte Finnland seine Unabhängigkeit von Russland. Dieser Ablösungsprozess war allerdings mit schweren inneren Konflikten verbunden, die 1918 in einem sozialistischen Umsturzversuch mündeten. Aus dem darauffolgenden dreimonatigen Bürgerkrieg zwischen den »Roten« und »Weißen« gingen die bürgerlichen »Weißen« als Sieger hervor. Das Land aber litt weiter unter diesem traumatischen Ereignis des Bürgerkriegs und der inneren Spaltung. 1939 griff die Sowjetunion Finnland an, weil sie militärische Operationen potenzieller Gegner aus Mittel- und Westeuropa vom finnischen Boden aus fürchtete. Als strategisch besonders wichtig galt die karelische Landenge. Trotz internationaler Proteste – in den USA gab es Benefizkonzerte für Finnland – mussten die Finnen am Ende des sogenannten »Winterkriegs« im Frühjahr 1940 im aufgezwungenen Friedensvertrag von Moskau weite Teile Kareliens, u. a. das gesamte Gebiet um den Ladogasee an die Sowjetunion abtreten. Als Deutschland in den Krieg mit der Sowjetunion eintrat, verbündete man sich mit der faschistischen Macht, allein aus der Hoffnung heraus, dadurch die verlorenen Gebiete wieder zu erlangen. Der Zweite Weltkrieg wurde für Finnland zur Katastrophe und der Verlust Kareliens endgültig besiegelt. Diese nationale Tragödie aber schloss die Wunden des Bürgerkriegs. In der gemeinsamen Trauer über den Verlust Kareliens und der zahlreichen heimatlos gewordenen Mitbürger wuchs die Nation wieder zusammen.

Und im Tango fand diese Trauer ihre kollektive Verarbeitung. Die Texte der Tangolieder erzählen nicht direkt von Krieg und Vertreibung, aber von Verlust, Abschied und dem großen Thema des finnischen Tangos: Sehnsucht! Ob man den finnischen Tango nun tanzt, geht oder marschiert, auf alle Fälle fühlt man ihn. Neben Toivo Kärki war Unto Mononen der bekannteste Tango-Komponist dieser Zeit. Von ihm stammt auch der Tango Tähdet meren yllä (Sterne über dem Meer), den Sie in einer instrumentalen Version heute Abend hören. Numminen lässt seinen Protagonisten Virtanen dazu sagen: »Ich denke wie Mononen, wenn Reijo Taipale in diesem Lied singt: ›Fliegt mein weißes Boot bis zur fernen Insel dein.‹«

Die Hauptstadt des finnischen Tango ist heute die mittelfinnische Stadt Seinajoki, wo sich im Juli über 200.000 Besucher versammeln, um in einer Art Schlager-Grand Prix die Krönung der Tangokönigin und des Tangokönigs mitzuerleben, sprich die beste Sängerin und den besten Sänger. Daneben hat auch der finnische Tango durch den Einfluss des Tango Nuevo mit dem Werk von Astor Piazzolla eine Modernisierung erfahren und bildet die Basis für neue Kompositionen junger Musikerinnen und Musiker wie Milla Viljamaa, Pekka Lehti und Markku Lepistö.

Die Samen und ihre Kultur des Joik

Am Ende des Zweiten Weltkriegs verlor Finnland auch Gebiete in Lappland, und damit die Heimat der finnischen Skoltsamen. Hitlers Krieg der »verbrannten Erde« im Norden Skandinaviens traf alle Samen schwer, aber die Skoltsamen konnten nach dem Krieg nicht wieder in ihre Heimat zurückkehren. Bis sie einen neuen Lebensraum für sich und ihre Rentiere in Finnisch-Lappland in der Nachbarschaft zu den Samen am Inari-See erhielten, lebten sie einige Jahre im Exil am Bottnischen Meerbusen. Ein Kulturschock für die Menschen, die bis dahin als Rentiernomaden weitestgehend unberührt von den Entwicklungen der Moderne in der Weite der Tundra gelebt hatten. Diese Evakuierung und die Zeit im Exil führten durch den Vergleich mit »den Anderen« und »dem Anderen« aber auch zu einer neuen Selbstfindung. Schon 1945 wurde in Finnland die Saami Union gegründet und wenig später ein samischer Bildungsverein, der eine eigene Zeitung herausgab. Eine vollkommen andere Situation als z. B. in Norwegen, wo in den 1960er-Jahren samische Kinder in den Schulen noch körperlich hart bestraft wurden, wenn sie die samische Sprache benutzen. So kam es in Finnland auch eher zu spannenden musikalischen Fusionen zwischen samischen und Nichtsamischen Musikern als in den anderen nordeuropäischen Ländern.

In der Entwicklung zeitgenössischer Volks-, Folk- oder Weltmusik nimmt Finnland ohnehin eine Vorreiterrolle ein. Schon 1984 wurde an der Sibelius-Akademie in Helsinki ein Studiengang für Volksmusik gegründet. Er umfasst die Auseinandersetzung mit den nationalen und internationalen Traditionen, genauso wie moderne Interpretationen und Improvisation. Zu diesem Umfeld gehören alle finnischen Musikerinnen und Musiker des heutigen Konzerts. Das ist die Klammer für zwei Programmteile, die unterschiedlicher nicht sein könnten, denn musikalisch haben samischer Joik und finnischer Tango absolut nichts miteinander zu tun.

In den Kieler Nachrichten vom 26. Februar 1981 konnte man Folgendes lesen: »Der erbitterte Widerstand der samischen Minderheit gegen den Bau des Alta-Staudammes in Nordnorwegen, unterstützt von zahlreichen Umweltschützern, macht Schlagzeilen. Passiver Widerstand von Samen (hier besser als Lappen bekannt) und Umweltschützern bei der Sperrung einer Zufahrtsstraße zum Baugebiet, ein Hungerstreik, die Besetzung der Büros der norwegischen Ministerpräsidentin, waren bisher die spektakulärsten Aktionen.« Diese Meldung machte mich zum ersten Mal auf die Existenz dieses Volkes aufmerksam, das neusten Forschungen und archäologischen Funden entsprechend seit über 10.000 Jahren den nordeuropäischen Raum bewohnt und damit das einzige bis heute überlebende europäische Urvolk ist. Etwa 75.000 Menschen, verteilt auf Norwegen (45.000), Schweden (20.000), Finnland (8.000) und die russische Halbinsel Kola (2.500). Erst nach dieser Meldung habe ich den ersten Joik auf einer Schallplattenrarität gehört. Diese Reihenfolge ist bezeichnend, denn die Kultur der Samen, in deren Mittelpunkt das Joiken steht, ist, wie das schon erwähnte Sprachverbot im norwegischen Schulsystem zeigt, jahrhundertelang, bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts unterdrückt worden.

Seit diesem Frühjahr 1981 hat sich viel in der samischen Kultur getan. Der vergebliche Widerstand gegen den Staudamm nämlich stellte einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte der Samen dar, und Kultur war ein ganz zentrales Instrument in den Auseinandersetzungen. Bildende Künstler, Musiker, Schriftsteller, Theater- und Filmschaffende beiderlei Geschlechts unterstützten den Kampf. Nicht nur der nicht-samischen Öffentlichkeit, vor allem den Samen selbst wurde ihre eigenständige Kultur bewusst. Mit diesem erstarkten Selbstbewusstsein und der neuen Identität blühte die samische Kultur in den Folgejahren förmlich auf. In den 1990er-Jahren kamen die ersten Sängerinnen und Sänger nach Deutschland, allen voran Mari Boine. Als Mitarbeiter bei Radio Bremen durfte ich ihren triumphalen Erfolg hierzulande mit einem ersten Live-Konzert ihrer Band in der überfüllten und brodelnden Bremer »Schauburg« mitinitiieren. Dann folgten wunderbare Begegnungen und Konzerte mit Inga Juuso, der großen Dame des samischen Joik, sowie mit den beiden jungen Frauen des Duos Angelin Tytöt, die als Trio auch einige Zeit mit Ulla Pirttijärvi zusammengearbeitet haben. Nicht zu vergessen sind auch die Auftritte des eigenwilligen Menschen Wimme und seinen merkwürdigen wie hochinteressanten Darbietungen als Solist und im Kollektiv an der Seite seines genialen Partners Tapani Rinne und der Band Rinneradio.

2001 bin ich dann erstmals zum Osterfestival ins norwegische Kautokeino gefahren, in dessen Rahmen der samische Grand Prix stattfindet. Frauen und Männer aus allen Teilen von »Sapmi«, wie die Samen ihr Land unabhängig von den Grenzen der Nationalstaaten bezeichnen, führen ihre Joiken auf. Solistisch, unbegleitet. Nicht wie in den modernen, durch Instrumente angereicherten Versionen von Anglin Tytöt, Wimme oder gar Mari Boine, deren Musik nur einige Joikelemente aufgreift, neben Einflüssen amerikanischer und afrikanischer Ethnien. In Kautokeino gilt’s der »reinen Lehre«! Der Musikethnologe Andreas Lüderwald beschreibt die Einzigartigkeit des samischen Gesanges so: »Er zeichnet sich durch den gepressten Klang aus, der durch stark angespannte und dicht geschlossene Stimmbänder, bei hoher Lage des Kehlkopfes entsteht.« Nach dem dritten und vierten Joik wird es dem ungewohnten, »westlichen« Ohr schon langweilig. Nach dem zehnten Auftritt, sofern man durchhält, hört man auf einmal die Feinheiten heraus. Es heißt, dass die Samen nicht »über etwas joiken«, sondern »etwas joiken«. Mit dem alpenländischen Jodeln hat es nichts zu tun. Besonders treffend ist das Bild vom »musikalischen Fingerabdruck«: Die meisten Samen, die noch mit ihrer Kultur verbunden sind, bekommen zur Geburt oder im Laufe des Lebens ihren eigenen Joik. In vielen Fällen werden dabei gar keine Worte gebraucht, in anderen werden sie dafür umso reichlicher verwendet. Man merkt schnell, wer ein guter Joiker ist, wer es versteht, eine Person, eine Landschaft, ein Ren, einen Wolf im Raum lebendig werden zu lassen, wer mit den einzelnen kurzen, melodischen Motiven und Abschnitten spielen kann, sie improvisierend immer neu aneinanderreiht, dabei die Intensität derart verstärkt, dass die Tonhöhe steigt, bis es nicht mehr weiter geht und der Joik auf einem tiefen Ton wieder neu ansetzt. Andreas Lüderwald meint, dass ein Ende dieser Art des »Kettengesangs«, läge es in der Kraft des Sängers, nicht abzusehen wäre. Und da ein musikalisches Ende tatsächlich nicht vorgesehen ist, bricht der Sänger seinen Joik einfach irgendwo ab, wann und wie es ihm gefällt. Das mutet merkwürdig an, ist aber in sich logisch. Denn beim Festival tragen alle die bunten Trachten ihrer Region, die in ihren Mustern wie die Joiken gegliedert sind, also in einzelne Motive, die sich hier wirklich zu einer Kette wiederholen.

Nils Aslak Valkeapää, Musiker, Joiker, Dichter, Schriftsteller, Schauspieler und langjährige Kultursekretär im Weltrat der Urbevölkerungen und damit der wichtigste und bekannteste Künstler Sapmis, beschrieb 1981 in seinem Buch Vår jord er vårt liv (Unsere Erde ist unser Leben) wie kaum ein anderer das Lebensgefühl und die Kultur seines Volkes:»Wir nennen uns Samen. Wir leben seit ewigen Zeiten in karger Umgebung. Wir halten die Höhlenzeichnungen in Alta für das Werk unserer Vorfahren. Wir bewohnen seit Jahrtausenden ein biologisch empfindliches Gebiet, ohne der Natur zu schaden.

Die Natur hat unser Leben geleitet. Wir halten uns für einen Teil der Natur, wir sind nicht ihre Herren. Deshalb können wir die Erde auch nicht besitzen. Wie könnte das möglich sein? Sie hat uns genährt, sie hat uns beschützt. Wir konnten unser Samenland nicht verkaufen – wie hätte das möglich sein können? – das Samenland aus dessen Brust wir unser Leben einsogen. Heute wissen wir, wie Mutter Erde immer wieder verletzt wird. In Schweden, Norwegen, Finnland und der Sowjetunion. Da spielt es keine Rolle, dass sie biologisch empfindlich ist. Da spielt es keine Rolle, dass die Wissenschaftler das zugeben. Und es spielt erst Recht keine Rolle, dass wir seit Jahrtausenden dort leben. Unsere Mutter Erde muss eine Verletzung nach der anderen ertragen. Für den Energiebedarf, für die Rohstoffproduktion, zur letzten Wildnis Europas erklärt (Anm. für den Tourismus) und zum militärischen Vakuum werden, das immer weiter gefüllt werden kann.

Das Gewissen der Welt – das der nordischen Länder – will uns nicht einmal in den Gebieten wohnen lassen, wo wir noch sind. Beispiele sind der Altafluss und viele andere Gegenden. Heute können die Samen nicht mehr von ihrem Land leben. Deshalb ist Stockholm einer der größten samischen Städte auf der Welt.

Die Samen kannten den Begriff Kunst nicht, und deshalb gab es auch keine Künstler. Oder vielleicht sollte man sagen, dass für die Samen alles Kunst war, das ganze Leben, so wie Rentierhüten keine Arbeit war […] Auch der Joik hatte außer der rein musikalischen, noch andere Funktionen. Er konnte Entspannung und Unterhaltung bedeuten. Er lockte Rentiere herbei und verscheuchte die Wölfe. Sorgte dafür, dass man nicht einschlief. Der Joik war Gemeinschaft, der Joik war eine andere Welt. Seherinnen und Seher (Schamanen) joikten sich in Trance und fungierten als Stützen der samischen Kultur. Das war gefährlich. Also belegte der dänische König Kristian IV. im Jahre 1609 das Joiken mit der Todesstrafe. Joiken wurde als Sünde betrachtet. Im Herzen des Samenlandes, in Kautokeino, ist es noch heute verboten, Joik im Musikunterricht zu verwenden.«

Die christlichen Missionare konnten aus Unwissenheit und Unkenntnis wahrscheinlich keinen Unterschied zwischen den einzelnen Joikformen und den religiösen bzw. weltlichen Funktionen machen. Wie hat der Joik trotz des Verbotes und der Zerstörung aller Schamanentrommeln überlebt? Dazu schrieb der Same Johan Turi in dem berühmt gewordenen Buch Erzählung von dem Leben der Lappen im Jahr 1912: »Das Joiken ist eine Kunst der Erinnerung. Wo keine Erinnerung mehr ist, treten Tod und Vergessen ein. Ein Lappe, der nicht mehr von anderen Personen, Tieren und Dingen singt, vergisst sie und sie vergessen ihn, da sie ihn nicht mehr hören.« In der Einsamkeit der weiten Tundra, beim Hüten der Rentiere auf den Sommerweiden im Norden oder den Winterweiden im Süden, war und ist der Joik für das Überleben notwendig. Man kann insgesamt die Kultur aller arktischen Völker nur verstehen, wenn man ihr Bewusstsein und ihre Praxis von Seelenwanderungen mitberücksichtigt.

Die samische Sprache, in der es verschiedene regionale Eigenarten und Dialekte gibt, gehört wie das Finnische zur finno-ugrischen Gruppe. Eine erste schriftliche Erwähnung fanden die Samen 98 n. Chr. in den Aufzeichnungen des römischen Geschichtsschreibers Tacitus. Um Christi Geburt erstreckte sich das Siedlungsgebiet der Samen noch von der atlantischen Küste und der Eismeerküste Nordskandinaviens über ganz Finnland bis östlich des Ladogasees und des weißen Meers. Später wurden diese Gebiete von den Finnen und den slawischen Völkern weitgehend erobert.

Um 1750 waren die reichen Pelztierbestände Lapplands aufgrund der unersättlichen Gier finnischer, schwedischer, norwegischer und russischer Jäger ausgerottet. Erst danach wurde aus Menschen, die vornehmlich von Jagd und Fischfang lebten, ein Volk von Rentiernomaden. In der samischen Sprache gibt es dutzende unterschiedliche Worte für die Rentiere und die verschiedenen Schneeformen – aber keines für Krieg. Die Samen zogen sich ohne Auseinandersetzungen und Widerstand immer weiter zurück, bis in das gegenwärtige Siedlungsgebiet.

Heute gibt es in allen Nationalstaaten samische Parlamente oder Versammlungen, die von den nationalen Regierungen angehört werden müssen. Es gibt eigene Radiostationen, Zeitungen, Professuren, Festivals und Theaterhäuser. Alle Samen sind im übergeordneten Sami Rat zusammengeschlossen, der im finnischen Utsjoki, der heutigen Heimat von Ulla Piirtijäri, tagt. Doch immer noch sind die Siedlungsgebiete der Samen gefährdet, und der folgende Text von Nils Aslak Valkeapää ist auch über 30 Jahre nach seiner Entstehung von trauriger Aktualität:
»Sie kommen zu mir
und zeigen mir Bücher,
Gesetzbücher,
die sie selber geschrieben haben.
Hier ist das Gesetz. Das betrifft auch dich.
Sieh her.
Aber ich sehe nicht hin, Bruder.
Ich sehe nicht hin, Schwester,
ich sage nichts,
ich kann nicht.
Ich weise nur auf die Landschaft der Fjälls.
Und ich sehe die Fjälls,
unsere Wohnstatt.
Ich fühle mein Herz hämmern,
dies ist mein Zuhause,
alles dies,
und ich trage es in mir,
da, in mir.«

Und dies gilt nicht nur auf der russischen Kola-Halbinsel, wo die Samen zu den ärmsten der Armen gehören. Finnland erlebt momentan einen neuen Bergbauboom, den Politiker und Unternehmen als »das neue NOKIA« preisen. Auf samischen Land entstehen Gold-, Nickel-, und Kupferminen, die eine starke Vergiftung der Umwelt befürchten lassen.

Gleichzeitig macht man sich in Helsinki Gedanken über den Erhalt der drei samischen Sprachen, Nord-, Inari-, und Skoltsamisch. 65 Prozent der etwa 8000 bis 10.000 Sami leben außerhalb des Sprachgebietes, weil ihnen dort die Lebensgrundlage fehlt. Nur die Hälfte beherrscht noch Samisch als Muttersprache.

Aber der Joik lebt. Auch dank der experimentellen, grenzüberschreitenden Arbeit der modernen Joikkünstler wie Wimme und Ulla Pirttijärvi, deren Alben zu den spannendsten Produktionen der europäischen Weltmusikszene gehören, und preisgekrönt sind. Jüngstes Beispiel Wimmes CD Mun (Ich), ausgezeichnet mit dem Preis des finnischen Komponistenverbandes Teosto.

Jens-Peter Müller

Jens-Peter Müller führt das Büro für skandinavische Musik Nordpool in Flensburg, leitete das deutsch-dänische Festival folkBALTICA und arbeitet als freischaffender Journalist u. a. für den Deutschlandfunk und den Hessischen Rundfunk.

Biographie

Markku Lepistö wurde im westfinnischen Kuortane geboren. Im Alter von fünf Jahren begann er Akkordeon zu spielen, als Elfjähriger erhielt er zusätzlich Klavierunterricht. Ab 1984 studierte Markku Lepistö am neugegründeten Folklore-Fachbereich der Sibelius-Akademie in Helsinki, wo der angehende Musiker zusätzlich zu seinem Hauptinstrument auch an typischen Volksmusikinstrumenten wie Kantele, Holzbläsern, Kontrabass und Fiddle ausgebildet wurde. Mit einer Reihe von Kommilitonen gründete er bereits im ersten Studienjahr die Gruppe Pirnales, die zu einem Vorreiter einer neuen Folklore-Bewegung in Finnland wurde. Das Ensemble arbeitete fünf Jahre lang mit der Tanzformation Katrilli zusammen, die sich auf traditionelle finnische Volkstänze spezialisiert hat und in ganz Europa und in den USA auftritt. Aus dieser Kooperation entstand das Ensemble Progmatics, das sich umgehend in der internationalen Folkloreszene etablierte. Seit 1997 engagiert sich Markku Lepistö in der Gruppe Doina Klezmer, die 2004 mit dem Teosto-Preis der finnischen Gesellschaft für Urheber- und Aufführungsrechte ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus war er Mitglied der renommierten Band Värttinä, mit der er mehrere CDs eingespielt hat. Außerdem ist Markku Lepistö als gefragter Studiomusiker sowie als Pädagoge an der Sibelius-Akademie in Helsinki tätig. 2002 erschien sein gefeiertes Solo-Debütalbum Silta, das neben Originalkompositionen auch Bearbeitungen finnischer Folklore enthält. Gemeinsam mit dem Kontrabassisten Pekka Lehti gründete er das Duo Lepistö&Lehti, das sich mit kammermusikalischer Intimität, überbordender Spielfreude und atemberaubende Virtuosität einen internationalen Namen gemacht hat.

Pekka Lehti, in Joensuu in Karelien geboren, begann seine musikalische Laufbahn als Bassist in der Punkrockband Outo Voima. In den 1990er-Jahren war er Mitbegründer der Jazzformationen The JP’s und ZetaBoo, die zahlreiche CDs veröffentlichten. Gleichzeitig widmete sich Pekka Lehti der Volksmusik Kareliens und arbeitete von 1992 bis 2002 als Songschreiber und Arrangeur für die finnische Gruppe Värttinä, deren weltweite Konzertreisen er auch organisierte. Zudem tourte er als Mitglied von Värttinä als Bassist durch Europa, Asien und die USA und war an der Einspielung von deren Alben Aitara (1994), Kokko (1996), Vihma (1998), Ilmatar (2000) und 6.12. (2001) beteiligt. Im Jahr 2000 erschien Pekka Lehtis Solodebüt-CD Outo Voima, auf der seine früheren musikalischen Einflüsse hörbar bleiben. Weiterhin widmet er sich dem Schreiben von Filmmusik und betreibt bis heute das unabhängige finnische CD-Label Aito Records. Zu den aktuellen Band-Projekten, an denen Pekka Lehti beteiligt ist, gehört u. a. ein Trio mit dem Percussionisten Marko Timonen und Jouko Kyhälä (Mundharmonika), deren Live-Auftritte durch Videoinstallationen von Sökö Kaukoranta begleitet werden. Zudem bildet er mit dem Akkordeonisten Markku Lepistö das Duo Lepistö&Lehti, dessen Debütalbum Helsinki von 2008 für den renommierten Teosto-Preis der finnischen Gesellschaft für Urheber- und Aufführungsrechte nominiert wurde.

Milla Viljamaa absolvierte ihr Masterstudium in den Fächern Klavier und Harmonium an der Sibelius-Akademie in Helsinki. Als Pianistin und Komponistin arbeitet sie in den Bereichen Folk und Tango sowie im Rahmen von Theater-, Opern- und Filmproduktionen. Ihr erstes Soloalbum Paras aika päivästä erschien 2008, das zweite, Minne, wurde 2012 mit dem höchsten finnischen Musikpreis, dem Emma Award, ausgezeichnet. Im selben Jahr wurde der Musikerin zudem der renommierte Teosto-Preis der finnischen Gesellschaft für Urheber- und Aufführungsrechte verliehen. Neben ihrer solistischen Tätigkeit widmet sich Milla Viljamaa im Duo mit Johanna Juhola dem finnischen und argentinischen Tango nuevo, spielt im Trio Las Chicas del Tango und ist Mitglied im Quartett Hereä, das klassische Rhythmen mit modernen Melodien, Jazzelementen und traditionellen finnischen Texten kombiniert. Sie war u. a. mit dem Saint Paul Chamber Orchestra, der Camerata Nordica, der Tapiola Sinfonietta und der Britten Sinfonia zu erleben sowie mit dem finnischen Violinisten Pekka Kuusisto. 2008 erschien Milla Viljamaas Lehrbuch Folkmusic für Pianisten (Kansanmusiikkia pianisteille), 2012 folgte die Veröffentlichung von Folkmusic für Pianisten – Basics (Kansanmusiikkia pianisteille – alkeet).

Ulla Pirttijärvi wurde in Angeli, einem kleinen Dorf in der Gemeinde Utsjoki, im äußersten Norden Finnlands geboren und entstammt dem Volk der Sami, einer der ursprünglichsten Kulturen Nordeuropas. Die Sängerin, die schon als Sechzehnjährige mit Mari Boine gearbeitet hat und heute zu den innovativsten Joik-Künstlerinnen weltweit zählt, war Mitglied der Gruppe Angelin Tytöt, entschied sich aber frühzeitig für eine Solokarriere. 1997 erschien ihr erstes Solo-Album Ruossa Eanan, dem vier weitere folgten. In ihren Stücken stellt Ulla Pirttijärvi die traditionelle Joik-Musik der Sami selbstbewusst in einen modernen und grenzübergreifenden Kontext, ohne dabei die eigenen Wurzeln zu verlieren. Ihr Gesang wirkt expressiv und kaum an westliche Maßstäbe angepasst, selbst wenn er mit jazzigen Violin- und Saxophonakzenten oder basslastigen synthetischen Rhythmen kombiniert wird.

Wimme Saari wurde in Kelottijärvi in der Gemeinde Enontekiö im finnischen Teil Lapplands geboren. Der Joik-Sänger kombiniert Elemente des traditionellen Gesang der Sami mit eigenen Improvisationen, häufig begleitet von Techno-Ambient-Klängen von Mitgliedern der finnischen Musikgruppe RinneRadio. Wimme Saari, der seine Stimme vom zarten Falsett bis hin zu einem tief berührenden Bariton einzusetzen weiß, hat u. a. mit dem französischen Produzenten Hector Zazou und dem italienischen Komponisten Aldo Brizzi zusammengearbeitet sowie mit der schwedisch-finnischen Pagan-Folkband Hedningarna und der Popgruppe Nits aus Amsterdam. 2005 unternahm er mit der kanadischen Inuit-Sängerin Tanya Tagaq und dem kalmuckischen Obertonsänger Okna Tsahan Zam im Rahmen des »Shaman Voices«-Projektes eine Tournee durch Großbritannien. Seit 1995 hat der Künstler eine traditionelle Solo-Joik-CD und vier Bandalben veröffentlicht. Mit der von der finnischen Kritik hochgelobten Einspielung von Mun aus dem Jahr 2010 näherte er sich wieder einer spirituellen Klangsprache an, die sich ohne Sequenzer und Synthesizer und mit akustischem Instrumentarium auf die Wurzeln des traditionellen Joik-Gesangs besinnt.

Janne Saksala begann 1981 an der Musikschule seiner Heimatstadt Helsinki ein Kontrabass-Studium, das er von 1986 an bei Klaus Stoll an der Hochschule der Künste (heute: Universität der Künste) in Berlin fortsetzte. Meisterkurse – unter anderem bei Duncan McTier – vervollkommneten seine Ausbildung. 1991 war der Kontrabassist Preisträger beim Internationalen ARD-Musikwettbewerb in München. Seit 1994 gehört Janne Saksala den Berliner Philharmonikern an, deren 1. Solo-Bassist er mit Beginn der Saison 2008/2009 wurde. Neben seiner solistischen Tätigkeit ist er auch ist ein gefragter Kammermusiker, u. a. als Mitglied der Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlin; außerdem war er bis 2006 Mitglied der 1999 gegründeten Berlin Philharmonic Jazz Group. Janne Saksala engagiert sich überdies im Bereich der zeitgenössischen Musik und hat zahlreiche neue Werke uraufgeführt. Hinzu kommt eine intensive Dozententätigkeit, in deren Zentrum eine Gastprofessur an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin sowie Meisterklassen im In- und Ausland stehen.

Esko Laine wurde in Helsinki geboren. Er studierte am Konservatorium von Hyvinkää, wurde bereits mit 18 Jahren Mitglied im Finnischen Nationalopernorchester und trat als Solist mit dem Finnischen Rundfunk-Symphonieorchester auf. Es folgten weitere Studien bei Günter Klaus an der Musikhochschule Frankfurt am Main sowie bei Franco Petracchi am Conservatoire de Genève und an der Menuhin Academie in Gstaad, bevor der Kontrabassist 1986 Mitglied der Berliner Philharmoniker wurde. In den Jahren 1999 bis 2001war er als Solo-Bassist des Orchesters tätig und übernahm diese Position 2008 erneut. Er hat mehrere Orchesterkonzerte und Kammermusikwerke für Kontrabass uraufgeführt, die auf seine Anregung hin komponiert wurden. Esko Laine spielt zudem im Ensemble Die Berliner, seit 2002 im Philharmonischen Oktett und seit 2008 im Ensemble Bolero Berlin. Der begehrte Dozent für Meisterkurse und bei renommierten Nachwuchsorchestern unterrichtet seit 2000 auch an der philharmonischen Orchester-Akademie sowie als Gastprofessor an der Musikhochschule »Hanns Eisler« Berlin.

Gunars Upatnieks, im lettischen Jelgava geboren, begann im Alter von 13 Jahren mit dem Kontrabassspiel. Nach kurzer Zeit trat er in die Emils Darzins Musikschule in Riga ein und studierte anschließend an der Lettischen Musikakademie. 2007 schloss er sein Studium mit Auszeichnung ab. Sein Masterstudium absolvierte er an der Janáček Akademie für Musik und Darstellende Kunst in Brno bei Miloslav Jelínek. Von 2005 bis 2009 spielte Gunars Upatnieks als Solo-Bassist im lettischen Nationalen Symphonieorchester. In der Saison 2010/2011 war er Stellvertretender Solo-Bassist im Bergen Filharmoniske Orkester. Seit August 2011 ist er Kontrabassist bei den Berliner Philharmonikern. Der Preisträger zahlreicher internationaler Wettbewerbe arbeitete außerdem als Solist u. a. mit Klangkörpern wie dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und dem Nordic Symphony Orchestra zusammen sowie mit Dirigenten wie Mariss Jansons, Neeme Järvi und Mstislav Rostropowitsch.

Janusz Widzyk begann als Siebenjähriger zunächst Klavier zu spielen, mit 13 Jahren folgte der erste Kontrabassunterricht. Seine Ausbildung absolvierte er bei Czesłąw Ząbek an der European Mozart Academy in Krakau und 1996/1997 bei Veit-Peter Schüßler an der Hochschule für Musik in Köln. 1997 wurde er 1. Solo-Bassist im Orchester der Beethovenhalle Bonn, im Jahr 2000 wechselte er auf die gleiche Position im NDR-Sinfonieorchester Hamburg. Seit September 2001 gehört er zur Kontrabassgruppe der Berliner Philharmoniker. Janusz Widzyk war 1998 Erster Preisträger beim internationalen Musikwettbewerb CIEM in Genf und trat als Solist und Kammermusiker in vielen Ländern Europas auf. Er ist Mitglied der Philharmonischen Camerata Berlin.

Roger Willemsen studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie in seiner Heimatstadt Bonn sowie in Florenz, München und Wien. Nach seiner Promotion (über Robert Musil) arbeitete er als Dozent, Herausgeber, Übersetzer (u. a. von Thomas Moore und Umberto Eco) und für drei Jahre als Korrespondent in London. 1991 begann seine Fernsehlaufbahn als Moderator, später auch als Produzent von Kultursendungen (z. B. Willemsens Woche, Nachtkultur, Willemsens Zeitgenossen). Sein Debüt als Regisseur gab er 1996 mit einem Film über den Jazzpianisten Michel Petrucciani, der inzwischen in 13 Ländern gesendet wurde; es folgten Porträts von Personen der Zeitgeschichte wie Gerhard Schröder und Marcel Reich-Ranicki. Hauptberuflich war Willemsen jedoch stets Autor: Regelmäßig erschienen seine Essays und Kolumnen beispielsweise in der ZEIT, im Spiegel und in der Süddeutschen Zeitung. Seit 2002 widmet er sich verstärkt literarischen Arbeiten. Seine Bestseller Deutschlandreise, Gute Tage, Kleine Lichter, Afghanische Reise, Der Knacks, Die Enden der Welt und zuletzt Momentum wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Willemsen ist Schirmherr mehrerer Literaturfestivals und lehrt seit 2010 als Honorarprofessor für Literaturwissenschaft an der Humboldt-Universität in Berlin. Er engagiert sich darüber hinaus bei verschiedenen Hilfsorganisationen (Terre des Femmes, Afghanischer Frauenverein e. V.) und war lange Jahre Botschafter von Amnesty International. Zu den zahlreichen Auszeichnungen Roger Willemsens zählen der Bayerische Fernsehpreis (1992) und der Adolf-Grimme-Preis in Gold (1993). Für die Stiftung Berliner Philharmoniker gestaltet und moderiert er seit der vergangenen Spielzeit die Reihe Unterwegs – Weltmusik mit Roger Willemsen.

Christian Brückner wurde in Schlesien geboren und wuchs in Köln auf. In Berlin studierte er Germanistik, Soziologie und Theaterwissenschaften, belegte Schauspielkurse, nahm Sprechunterricht und bekam schon bald Engagements im Hörfunk und in den Synchronstudios der Stadt. Einer großen Zahl von Schauspielern gab er eine deutsche Stimme, seit vielen Jahren vor allem Robert de Niro, aber auch Alain Delon, Warren Beatty und Harvey Keitel. Christian Brückner hat als Sprecher in ungezählten Hörspielen, Literatursendungen und Features sowie bei Hörbüchern und Fernsehdokumentationen mitgewirkt, wofür er 1990 den Grimme-Preis Spezial in Gold erhielt. Theater spielte er immer wieder in Freiburg, Berlin und New York. Wichtig sind Christian Brückner seine öffentlichen Literaturlesungen, die oft in einen musikalischen Zusammenhang eingebunden sind und heute einen Schwerpunkt seiner Arbeit bilden. Seit dem Jahr 2000 betreibt er mit seiner Frau zudem ein eigenes Hörbuchlabel. In Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker war der Künstler in der Vergangenheit wiederholt als Sprecher und Erzähler zu Gast, nicht zuletzt in den Philharmonischen Salons. Auch in Veranstaltungen der Reihe Unterwegs – Weltmusik mit Roger Willemsen wirkt Christian Brückner seit der letzten Saison regelmäßig mit.

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