Zum Spielplan 2012/2013

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Kammermusik

Philharmonische Stradivari-Solisten Berlin

Wolfgang Amadeus Mozart

Divertimento F-Dur KV 138

Antonio Vivaldi

Konzert für zwei Violoncelli, Streicher und Basso continuo g-Moll RV 531

Johann Nepomuk Hummel

Fantasie für Viola und Streichorchester g-Moll op. 94 (Orchestrierung von Wolfgang Renz)

Felix Mendelssohn Bartholdy

Streichersymphonie Nr. 10 h-Moll

Josef Suk

Serenade für Streichorchester Es-Dur op. 6

Béla Bartók

Rumänische Volkstänze Sz 68

Termine

Mi, 22. Mai 2013 20 Uhr

20:00 | Kammermusiksaal

Programm

Noch heute ist Antonio Stradivari, dessen Geigen für ihre atemberaubende Brillanz in der Höhenlage weltberühmt sind, der bekannteste Instrumentenbauer überhaupt. So mag es kaum überraschen, dass man schon zu seinen Lebzeiten auf die Idee kam, ganze Ensembles mit Streichinstrumenten aus seiner Werkstatt zu bestücken – nicht zufällig erhielt der Meister vom spanischen Königshof einen Auftrag über sechs Violinen, zwei Violen und ein Violoncello.

Die Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlinvereinen in einem Ensemble elf Instrumente des Meisters aus Cremona, neben zwei vollständigen Quartetten drei weitere Violinen, und bilden damit womöglich die weltweit größte Stradivari-Sammlung, die zusammen im Konzert erklingt. Bei der Auswahl ihres Repertoires wollen die Musiker – alle Mitglieder der Berliner Philharmoniker – die einzigartigen Instrumente natürlich möglichst gut zur Geltung bringen, was im Fall eines Werks wie dem Konzert für zwei Violoncelli, Streicher und Basso continuo g-Moll RV 531von Antonio Vivaldi unmittelbar einleuchtet.

Auch Stücke wie Wolfgang Amadeus Mozarts 1772 in Salzburg entstandenes Divertimento KV 138 oder Joseph Suks sonnendurchflutete Streicherserenade op. 6 sind zweifellos bestens geeignet – als Suk das Stück als 18-Jähriger komponierte, beherzigte er einen Rat seines Lehrers Antonin Dvořák: »Jetzt ist Sommer. Schreiben Sie etwas Heiteres!« Mit den Rumänischen Volkstänzen von 1915 steht abschließend ein ebenfalls beschwingtes Werk auf dem Programm, in dem Béla Bartók authentische Tanzmelodien verarbeitete, die er im ungarisch-sprachigen Transsylvanien gehört hatte.

Über die Musik

Fülle des Wohlklang

Gelegenheitswerke für Streicher von Vivaldi bis Bartók

Keinerlei äußere Bestimmung und Absicht habe die Kunst, glaubte der Dichter Karl Philipp Moritz, ihr eigentlicher Wert liege ganz in ihr selbst. So sei auch der schöpferische Mensch keinen kollektiven Interessen verpflichtet, sondern einzig seiner Inspiration: Der Künstler »ist zuerst um seiner selbst willen und dann erst um unsretwillen da«, schreibt Moritz 1788 – in jenem Jahr, in dem der 32-jährige Mozart ohne identifizierbaren Anlass seine berühmten letzten drei Symphonien komponiert. Wir befinden uns in der Zeit der Spätaufklärung, kurz vor Ausbruch der Französischen Revolution. Wenig später wird Beethoven auf den Plan treten, das durch seine Ertaubung in die soziale Isolation getriebene unglückliche Genie, das in der Kunst das »einzige Daseyn« für sich erkennt. Wirtschaftlich unabhängig dank der Unterstützung adliger Gönner, ist Beethoven gefürchtet für seine Kompromisslosigkeit gegenüber allfälligen Interpreten- und Publikumswünschen: »Glaubt er, dass ich an seine elende Geige denke, wenn der Geist zu mir spricht«, soll er Ignaz Schuppanzigh beschieden haben, als dieser, immerhin Primarius des ersten professionellen Streichquartetts, sich bei der Einstudierung eines neuen Werks einmal über eine schwer spielbare Passage beklagte.

Einsamkeit, ja Praxisferne als Imperativ – das wird in der Romantik zum Prinzip einer elitären Kunstauffassung, die das Ästhetische aus allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontexten zu lösen versucht. »Wo die Einsamkeit aufhört, da beginnt der Markt; und wo der Markt beginnt, da beginnt auch der Lärm der großen Schauspieler und das Geschwirr der giftigen Fliegen«, doziert noch Nietzsches Zarathustra– und verschweigt geflissentlich, dass es nicht selten gerade die »Erfinder neuer Werte« sind, die Innovatoren, die sich auf den »Markt« einlassen: Nicht allein, um diesen von innen heraus mitzugestalten, sondern auch, weil sie von seiner ökonomischen Potenz abhängen und seine Anerkennung suchen. Häufig ist es gerade die Auseinandersetzung mit den Erwartungen eines konkreten Auftraggebers, eines ganz bestimmten Publikums oder einer definierten Aufgabe, welche das Kommunikationsbedürfnis des Künstlers überhaupt erst anregt. Was zu Zeiten einer an kirchliche oder höfische Herren gebundenen Musikpraxis ohnehin galt, bestätigt sich noch bei Mozart, dem – in seiner Wiener Zeit – ersten freischaffenden Komponisten: Kaum eines seiner Werke scheint ohne eine handfeste Zweckbestimmung entstanden sein. Sehr früh entwickelt sich das Wunderkind zum Meister im Reagieren auf die oft nur impliziten Wünsche seiner jeweiligen Zielgruppen. Seine sprichwörtliche Frühreife konfrontiert uns nicht nur mit einer frappierenden Tiefe der Empfindung, mit Ideenfülle und Vielseitigkeit, sie zeugt auch von einem einzigartigen Gespür für die Besonderheiten der vorgefundenen kompositorischen Modelle.

Die Früchte erster kompositorischer Reife – das Divertimento F-Dur KV 138 von Wolfgang Amadeus Mozart

Drei Reisen nach Italien unternahmen Leopold und Wolfgang Amadeus Mozartzwischen Dezember 1769 und März 1773. Wenn auch Leopolds primäres Ziel – eine ehrenvolle Anstellung für seinen Sohn –nicht zu erreichen war, so erwiesen sich die anstrengenden Touren alles in allem doch als enorm erfolgreich. Nach außen hin konnte Mozart nach wie vor als Wunderkind gelten, zugleich aber erntete er bereits die Früchte erster kompositorischer Reife. Er war enorm produktiv: Neben drei Opern, die einen arrivierten Altmeister wie Hasse sofort das Fürchten lehrten, komponierte Mozart vor allem »Sinfonia« genannte Orchesterstücke, die die Theateraufführungen umrahmten, während sie sich andererseits bereits als eigenständige Gattung zu etablieren begannen. Besondere Popularität haben die sogenannten drei Salzburger Sinfonien erlangt, die, wie die Forschung vermutet, Anfang 1772 wohl schon im Hinblick auf die dritte Italien-Reise entstanden. Obwohl durchweg dreisätzig ohne Menuett angelegt, bezeichnet Mozart die Werke im Autograf als »Divertimenti«. Unklar ist, ob sie für eine chorische Besetzung oder für die solistische Aufführung im Quartett bestimmt waren. Alfred Einstein ging davon aus, es handele sich um »Italienische Ouvertüren ohne Bläser«, mithin um genuine Orchesterstücke, denn im Vergleich zu Mozarts frühen Quartetten ist der Satz unkompliziert und konsequent oberstimmenbetont.

Stoff für die besten Schülerinnen des Ospedale – Antonio Vivaldis Konzert g-Moll für zwei Violoncelli RV 531

Dass Mozart mit ebenso schneller wie biegsamer Feder auf die Vorgaben seiner Abnehmer zu reagieren verstand, hat man ihm kaum je zum Vorwurf gemacht, anders als Antonio Vivaldi, dessen immenses konzertantes Œuvre größtenteils auf seine Lehrtätigkeit am Ospedale della Pietà zurückgeht, dem berühmten Mädchenkonservatorium Venedigs. Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war das Schaffen des »Roten Priesters«, wie er seiner Haarpracht wegen genannt wurde, kaum bekannt. Wilhelm von Wasielewski, der erste Schumann-Biograf, bezeichnete Vivaldi als »Vielschreiber in des Wortes verwegenster Bedeutung«; ein Verdikt, das nur noch vom späten Strawinsky übertroffen wurde, der meinte, der Italiener habe das gleiche Konzert 600 mal komponiert. Wahr ist, dass Vivaldi um 1710 mit dem Konzertsatz in klar geschiedenen Ritornell- und Solo-Episoden eine Form zur Reife brachte, die für die folgenden Jahrzehnte Modellcharakter annahm – dies vor allem deshalb, weil hier Vorbilder von überragendem Einfallsreichtum und rhythmischer Vitalität vorlagen. Neben der Violine hat er auch weniger gebräuchliche Instrumente mit zahlreichen Konzerten bedacht; offenbar wollten die besten Schülerinnen des Ospedale immer wieder mit neuem Stoff versehen sein. Auch das Violonello, für das Vivaldi fast 30 Werke schrieb, war seinerzeit noch kaum als Soloinstrument hervorgetreten; Vivaldi unterrichtete es quasi nebenher. Das Doppelkonzert in g-Moll für zwei Celli behandelt die Solo-Partien völlig gleichwertig. Seiner sehr geschlossenen, tief ernsten Grundstimmung wegen gilt es als einer der Höhepunkte innerhalb des vivaldischen Konzertschaffens. Der Kopfsatz entfaltet einen geradezu groovigen rhythmischen Sog, und auch das Largo verlässt die herbe Moll-Sphäre nicht.

Bravourstück für Bratscher – die Fantasie g-Moll für Viola und Orchester von Johann Nepomuk Hummel

Beinahe vergessen ist heute das Schaffen Johann Nepomuk Hummels, sieht man einmal vom viel gespielten E-Dur-Trompetenkonzert. Acht Jahre jünger als Beethoven, genoss Hummel zwei Jahre lang den Unterricht Mozarts, bevor er, ein pianistisches Wunderkind, eine fünfjährige Konzertreise durch Europa antrat. Nach der Rückkehr studierte er in Wien bei Salieri und Haydn. Seit Ende des 18. Jahrhunderts galt Hummel als einer der führenden Pianisten Wiens, dessen Stil sich durch graziöse Leichtigkeit und Brillanz auszeichnete. Als in den 1830er-Jahren die Generation Chopins und Liszts die Szene betrat, begann sein Stern langsam zu sinken. Nach Anstellungen beim Fürsten Eszterházy in Eisenstadt und als Königlicher Hofkapellmeister in Stuttgart wurde Hummel 1819 schließlich zum Großherzoglichen Kapellmeister in Weimar berufen. Als Komponist blieb er zeitlebens Nachfolger des vergötterten Mozart, ein handwerklich enorm gewandter Meister, der die Wiener Klassik nicht nur den Formaten, sondern auch im Tonfall nach weiterzuführen versuchte, wobei er auch das dezidiert Populäre nicht scheute. 1820 entstand, als Bravourstück für einen Bratscher der Sächsischen Hofkapelle in Dresden, das Potpourri op. 94. Hummel versah die spieltechnisch anspruchsvolle Blütenlese aus Opern Mozarts und Rossinis mit einer rhetorisch effektvollen Orchestereinleitung, modulierenden Zwischen-Episoden und einem Final-Rondo; überdies fügte er eine vierstimmige Fuge des Orchesters ein. 1900 erschien unter dem Titel Fantasie eine stark gekürzte Version des Potpourris im Druck, die nach der Einleitung lediglich die Paraphrase der Don-Ottavio-Arie »Il mio tesoro« aus Mozarts Don Giovanni und das Finale enthält. Diese Fassung, hier zu hören in einer Version mit Streichorchesterbegleitung von Wolfgang Renz, wurde schnell zu einem der beliebtesten Werke des Bratschenrepertoires, das im 19. Jahrhundert bekanntlich besonders schmal ist.

Studienarbeiten eines jungen Genies – die Streichersymphonie Nr. 10 h-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy

Felix Mendelssohns zwölf Streichersymphonien aus den Jahren 1821 bis 1823 erlebten ihre ersten Aufführungen in den Sonntagsmusiken der wohlhabenden Bankiersfamilie Mendelssohn, die in der Berliner Jägerstraße einen der bedeutenden Salons des aufstrebenden Bürgertums unterhielt. Dichterlesungen, kleine Theateraufführungen, philosophische Diskussionen und Konzerte im heimischen Wohnzimmer und dazu die besten Hauslehrer, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu bekommen waren: Felix und seine gut drei Jahre ältere Schwester Fanny wuchsen unter denkbar privilegierten Umständen auf. Das genial begabte Kind selbst – Mendelssohn war noch keine 14 Jahre alt – pflegte bei diesen Zusammenkünften ein Ensemble von ausgewählten Musikern der königlichen Hofkapelle zu leiten. Entsprechend der barocken Tradition, in der ihn sein konservativer Lehrer Carl Friedrich Zelter, Leiter der Berliner Singakademie und Goethe-Freund, erzog, steuerte Felix vom Klavier aus den Continuo-Part bei. Dabei spielte er gewöhnlich die Basslinie mit und improvisierte die Harmonien der fehlenden Bläserstimmen hinzu. Mendelssohn betrachtete die frühen Streichersymphonien als Studienarbeiten, für die er nie eine Veröffentlichung erwog. Erst in den 1950er-Jahren begann sich die Forschung für sie zu interessieren, und es sollte noch bis 1962 dauern, ehe die erste praktische Ausgabe einer der Symphonien erschien. Die zehnte von ihnen steht in h-Moll und ist die einzige in nur einem Satz: Einer Adagio-Einleitung von feierlicher Strenge folgt ein im Viervierteltakt notiertes, aber als flinkes Alla breve konzipiertes Allegro. Dessen quirlige Motorik, erst recht aber das lyrisch aufblühende Seitenthema verraten schon den kommenden Personalstil. Souverän nutzt Mendelssohn die klanglichen Ressourcen des Streichorchesters: Die Bratschen sind durchweg geteilt, mitunter haben zudem Celli und Bässe eigenständige Partien, sodass ein wohltönend fülliger Sextettklang entsteht.

Sommerlich-Heiteres in Dur – Josef Suks Serenade für Streichorchester op. 6

Das Nämliche gilt für die Es-Dur-Serenade von Josef Suk (nicht zu verwechseln mit seinem Enkel gleichen Namens, dem 2011 verstorbenen Geiger). Der Tscheche lässt das subtil behandelte Streichorchester in warmen Farbtönen leuchten. Auch bei diesem Werk, einer der Kostbarkeiten des Repertoires, handelt es sich um eine Jugendarbeit. 1874 (im selben Jahr wie Arnold Schönberg) in der böhmischen Provinz als Sohn eines Lehrers und Kirchenmusikers geboren, nahm Suk mit elf Jahren ein Violinstudium am Prager Konservatorium auf. 1891 wurde er Kompositionsschüler von Antonín Dvořák, bevor dieser dann nach New York ging. Dvořák war es, der den 18-Jährigen ermutigte, etwas Sommerlich-Heiteres in Dur zu schreiben, nachdem er in dessen frühe Arbeiten einen Hang zur Schwermut ausgemacht hatte. Die ersten Sätze stellte Suk im Sommer 1892 fertig, das Finale folgte wenige Monate später. Dass das Stück heute das meistgespielte des Komponisten ist, erstaunt kaum, auch wenn sich Suks Personalstil erst gegen 1905, unter dem Eindruck persönlicher Schicksalsschläge, voll ausbilden sollte. So verdienten besonders die kaum bekannten symphonischen Projekte wie Asrael endlich eine Entdeckung. Allerdings ist es eben gerade die Serenade, welche der landläufigen Vorstellung eines gemütvollen und unvergrübelten böhmischen Musikantentums in der Dvořák-Nachfolge am ehesten zu entsprechen scheint. Dabei sollte man nicht Unbekümmertheit unterstellen, wo tatsächlich frühe Meisterschaft am Werk ist: In der ganz individuell zugeschnittenen Sonatensatzform des Kopfsatzes etwa, wenn Suk schon nach wenigen Takten von Es-Dur sanft nach H-Dur hinübergleitet – in eine wie entrückt wirkende Klangsphäre, die in der zur kurzen Episode eingedampften Durchführung jedoch eine Scharnierfunktion annehmen wird. Andererseits wird das zunächst breit ausgeführte Seitenthema in der kurzen Reprise komplett fortgelassen. Den Eindruck einer zwanglosen Folge lyrischer Ideen macht auch der freundliche Walzer des zweiten Satzes. Sein Trio in Ges-Dur findet über einen rezitativischen, anspruchsvoll ausgestalteten Übergang zurück nach B-Dur. Das Adagio, atmosphärisches Herzstück der Serenade, ist eine Naturidylle aus fein gewobenen Klängen der geteilten Streicher, während das aufgekratzte Finale kurz vor Schluss die thematische Verklammerung mit dem Kopfsatz herstellt.

Auf einem eigenen Weg zur Modern – Béla Bartóks Rumänische Volkstänze

Schließlich Béla BartóksRumänische Volkstänze, eines der populärsten Stücke des Ungarn überhaupt. Die Entdeckung der Ressource »Bauernmusik«, wie Bartók die Lieder und Tänze seiner ungarisch-rumänischen Heimat nannte, fällt in das Jahr 1905. Die in archaischen Modi gehaltenen Weisen dieser vermeintlich primitiven, in puncto rhythmischer Artikulation tatsächlich hoch differenzierten Musik eröffneten dem noch jungen Komponisten eine Möglichkeit, das Dur-Moll-System hinter sich zu lassen und einen eigenen, in der heimischen Folklore wurzelnden Weg zur Moderne einzuschlagen. Über 1.100 Melodien ließ sich Bartók auf seinen ausgedehnten Reisen über Land vorsingen; zusammen mit seinem Kollegen Zoltán Kodály wurde er dabei zu einem der Pioniere einer wissenschaftlichen Volksmusikforschung. Insgesamt sieben rumänische Weisen verarbeitete er 1915 in einer kleinen Suite für Klavier; 1917 fertigte er eine Orchesterversion an, der alsbald eine Fülle weiterer Bearbeitungen folgte. Dass es sich bei den sechs Volkstänzen um eher konventionelle Arrangements handelt, nimmt ihnen nichts von ihrer erstaunlichen Frische: Diese Stücke sind es, mit denen viele Hörer die so eigenartig zwischen Herbheit und Zartheit changierende Klangsprache Bartóks zuerst lieben lernen.

Anselm Cybinski

Biographie

Die Idee, den besonderen Klang der Streichinstrumente Antonio Stradivaris in einem Ensemble zu vereinen, gab es schon zu Lebzeiten des berühmten Geigenbauers, wie Aufträge zu Quartettsätzen seiner Instrumente belegen. Vom spanischen Königshof wurde Antonio Stradivari sogar gebeten, gleich sechs Violinen, zwei Violen und ein Violoncello anzufertigen. Die Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlin vereinen in einem Ensemble elf Instrumente des Meisters – neben zwei vollständigen Quartetten drei weitere Violinen – und bilden damit womöglich die weltweit größte Stradivari-Sammlung, die gemeinsam im Konzert erklingt. Dieses außergewöhnliche Unterfangen wäre nicht möglich ohne die großzügige Unterstützung der Stradivari-Stiftung Habisreutinger, aus deren Sammlung sechs der hier vertretenen Instrumente stammen (zwei Violinen, beide Bratschen und beide Violoncelli). Das Ensemble fand sich 1993 auf eine Initiative aus Japan hin zusammen und trat zunächst unter dem Namen Stradivari Summit auf. Seitdem spielt es dort alle zwei Jahre vor stets ausverkauften Häusern. Sein ständig wachsendes Repertoire speist sich aus der Literatur für Streichorchester, wobei die ausgewählten Werke die einzigartigen Instrumente möglichst gut zur Geltung bringen wollen. Seit 1999 werden die Philharmonischen Stradivari-Solisten von Matthew Hunter geleitet. In der Berliner Philharmonie war das Ensemble erstmals im Oktober 2005 zu erleben, in einem philharmonischen Konzert spielte es zuletzt Mitte Mai 2009 im Kammermusiksaal.

Shalev Ad-El, 1968 in Israel geboren, gewann 1987 den ersten Preis beim François-Shapira-Wettbewerb – ein Jahr, bevor er sein Studium am Königlichen Konservatorium in Den Haag erfolgreich abschloss. Als Cembalist gastierte der vielseitige Musiker an renommierten Konzerthäusern wie dem Leipziger Gewandhaus, dem Prager Rudolfinum, der Londoner Wigmore Hall und der Suntory Hall in Tokio. Von 1997 bis 2007 war er regelmäßiger Gastdirigent des Philharmonischen Staatsorchesters Halle. Überdies stand er u. a. am Pult des Sydney Festival Orchestra, der Israel Camerata und des Händelfestspielorchesters Halle. Seit 2013 ist Shalev Ad-El Chefdirigent des Israel Netanya Symphony Orchestra (NKO), weiterhin leitet er die Accademia Daniel sowie die Oslo Baroque Soloists. Der Künstler übernahm Lehraufgaben an der Dresdner Akademie für Alte Musik, an der Akademie für Alte Musik der Masaryk-Universität im Brno (Brünn) und an der Boston University; hinzu kommen immer wieder Meisterkurse an renommierten Institutionen in aller Welt. 2008 wurde Shalev Ad-El mit dem Fasch-Preis der Internationalen Johann-Friedrich-Fasch-Gesellschaft ausgezeichnet.

Zoltán Almási erhielt seine musikalische Ausbildung an der Franz-Liszt-Hochschule seiner Heimatstadt Budapest. 1988 war er Konzertmeister des Weltjugendorchesters. In den Jahren 1989 bis 1991 vervollkommnete der Geiger sein Spiel als Stipendiat der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker bei Toru Yasunaga und wurde danach Mitglied des Orchesters in der Gruppe der Ersten Violinen. 1993 gründete Zoltán Almási mit Kollegen das Apos Quartett. Er ist außerdem Mitglied der Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlin sowie der Berliner Barock Solisten.

Stanley Dodds wurde 1970 als Sohn australisch-chinesischer Eltern in Kanada geboren und wuchs in Australien auf, wo er auch mit dem Violinspiel begann. Von 1988 an studierte er bei Gunars Larsens am Luzerner Konservatorium, wo er das Lehr- und Konzertreifediplom ablegte. Seine Ausbildung vollendete der Musiker bei Rainer Sonne an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker, bevor er 1994 in das Orchester eintrat. Bereits während des Studiums musizierte Stanley Dodds mit den Festival Strings Lucerne, deren alternierender Konzertmeister er von 1996 bis 1999 war. Der mehrfach ausgezeichnete Geiger verfügt über umfangreiche solistische und kammermusikalische Erfahrung: Stanley Dodds ist Mitglied im Breuninger-Quartett und bei den Philharmonischen Stradivari-Solisten. Zur Saison 2009/2010 wurde er in den Fünferrat der Berliner Philharmoniker gewählt, 2010 zu einem ihrer zwei Medienvorstände. Im Fach Dirigieren hat Stanley Dodds Kurse bei Jorma Panula absolviert; seit 2002 ist er Dirigent des Berliner Sibelius Orchesters und seit 2006 leitet er in gleicher Funktion das Sinfonie-Orchester Schöneberg.

Bernhard Hartog, geboren in Bielefeld, wurde nach seinem Studium an der Musikhochschule Hannover bei Werner Heutling und Andre Gertler zunächst Mitglied des Berliner Philharmonischen Orchesters, 1980 dann Erster Konzertmeister des Radio-Symphonie-Orchesters (heute: Deutschen Symphonie-Orchesters) Berlin. Seit vielen Jahren unterrichtet er außerdem an der Universität der Künste Berlin. Neben seiner Orchester- und Unterrichtstätigkeit engagiert sich Bernhard Hartog solistisch und als Mitglied verschiedener Kammermusikensembles wie dem Philharmonischen Streichsextett Berlin und dem Hartog-Quartett, mit dem er sämtliche Streichquartette Haydns und Schuberts zyklisch aufführte. Als Solist in Orchesterkonzerten spielte er unter der Leitung von Dirigenten wie Gerd Albrecht, Vladimir Ashkenazy, Riccardo Chailly, Ingo Metzmacher und Kent Nagano. Seit 1987 übernimmt Bernhard Hartog auch die Position des Konzertmeisters im Bayreuther Festspielorchester.

Sebastian Heesch begann im Alter von vier Jahren, Violine zu spielen. Später studierte er zunächst an der Lübecker Musikhochschule bei Uwe-Martin Haiberg, dann ab 1987 an der Musikhochschule Wien bei Gerhard Hetzel. Bevor er zu den Berliner Philharmonikern kam, war er von 1988 bis 1994 Erster Geiger bei den Wiener Philharmonikern. Als Kammermusiker ist Sebastian Heesch Mitglied der Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlin und – bereits seit 1997 – der Berliner Barock Solisten.

Matthew Hunter, geboren in Ohio und in Massachusetts aufgewachsen, erwarb am Dartmouth College einen akademischen Grad in Philosophie. Zudem schloss er sein Musikstudium mit einem Master of Music sowie mit dem Graduate Artist Diplom ab. Julian Olevsky, Roman Totenberg (früher Assistent von Carl Flesch in Berlin), Michael Tree und Jaime Laredo waren prägende Lehrer des Musikers, der erst mit 27 Jahren von der Geige zur Bratsche wechselte und bereits ein Jahr darauf den Internationalen »Gee«-Violawettbewerb gewann. Aus Ottawa, wo er von 1991 an Stellvertretender Solo-Bratscher des National Arts Centre Orchestra in Kanada war, kam Matthew Hunter 1996 zu den Berliner Philharmonikern. Er ist musikalisch überaus vielseitig, spielt zusätzlich auch Gitarre (z. B. bei Aufführungen von Mahlers Siebter Symphonie), schreibt Bearbeitungen und musiziert in mehreren philharmonischen Kammermusikensembles (Philharmonischen Streichsextett Berlin, Philharmonisches Oktett, Philharmonische Stradivari-Solisten Berlin, Brahms Ensemble Berlin). Mit großem Engagement nimmt er an den Education-Projekten der Berliner Philharmoniker im In- und Ausland teil.

Aleksandar Ivić stammt aus Kroatien. Er studierte Violine in seiner Geburtsstadt Zagreb bei Kristijan Petrović, in Köln bei Igor Ozim und in Düsseldorf bei Rosa Fain. Kurse mit dem Kölner Amadeus-Quartett gaben ihm wichtige Impulse für sein Kammermusikspiel. Vor allem in seiner Heimat ist Aleksandar Ivić auch mehrfach als Konzertsolist aufgetreten und dort gibt er weiterhin regelmäßig Konzerte. Von 1988 bis 1995 war er Erster Geiger im WDR-Sinfonieorchester Köln; seit 1996 gehört er bei den Berliner Philharmonikern der Gruppe der Ersten Violinen an. Aleksandar Ivić ist Mitglied der Philharmonischen Stradivari-Solisten und musizierte zudem von 1997 bis 2002 im Scharoun-Ensemble und von 1999 bis 2003 bei den Berliner Barock Solisten. Er unterrichtet privat in Berlin und gibt Meisterkurse in Kroatien und Frankreich.

Stephan Koncz begann als Achtjähriger ein Violoncello-Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in seiner Heimatstadt Wien. Im Jahr 2000 wechselte er zu Róbert Nagy ans Wiener Konservatorium. Meisterkurse bei Steven Isserlis, Heinrich Schiff, Olaf Maninger, Tamás Varga und Daniel Barenboim sowie Kompositions- und Dirigierstudien vermittelten weitere entscheidende Impulse. 2006 wurde Stephan Koncz Stipendiat der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker. Der Preisträger mehrerer renommierter Wettbewerbe ist als Solist und Kammermusiker im Wiener Musikverein und Konzerthaus sowie in der Berliner Philharmonie aufgetreten. Künstlerische Partnerschaften verbinden ihn u. a. mit Julian Rachlin, Dmitry Sitkovetsky und Maxim Vengerov. Zu Beginn der Spielzeit 2010/2011 wurde Stephan Koncz, der zuvor Mitglied im Wiener Staatsopernorchesters war, in die Cellogruppe der Berliner Philharmoniker aufgenommen. Kammermusikalisch engagiert er sich u. a. bei den Berliner Barock Solisten, im Brahms Ensemble Berlin sowie bei den 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker.

Walter Küssner erhielt seine Ausbildung bei Jürgen Kussmaul in Düsseldorf, Kim Kashkashian in New York und Michael Tree in St. Louis. In der Saison 1986/1987 war er Stipendiat der philharmonischen Orchester-Akademie. Der Preisträger mehrerer Wettbewerbe wurde 1987 Mitglied des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks in München. Zwei Jahre später wechselte er zu den Berliner Philharmonikern, bei denen er auch in zahlreichen Kammermusikformationen mitwirkt, z. B. bei den Berliner Barock Solisten, im Concerto Melante, im Philharmonischen Streichoktett und im Athenäum Quartett. Außerdem kümmert Walter Küssner sich archivarisch um die Geschichte des Orchesters. Als Gastprofessor für Viola unterrichtet er an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin, 2005 wurde er auf eine Ehrenprofessur an der Musikhochschule in Schanghai berufen. Im Rahmen von Meisterkursen lehrt Walter Küssner in Europa, Asien, Süd- und Nordamerika.

Rüdiger Liebermann stammt aus einer Musikerfamilie. Er begann als Fünfjähriger mit dem Klavierspiel und erhielt vom neunten Lebensjahr an Violinunterricht bei Jacob Weinsheimer. Später studierte er an der Folkwang Hochschule Essen bei Adolphe Mandeau, an der Indiana University bei Josef Gingold sowie an der University of Southern California bei Jascha Heifetz. Bevor der Geiger 1980 bei den Berliner Philharmonikern in die Gruppe der Ersten Violinen aufgenommen wurde, war er Assistent von Saschko Gawriloff an der Hochschule der Künste (heute Universität der Künste) Berlin. Neben seiner Orchestertätigkeit tritt Rüdiger Liebermann sowohl solistisch als auch kammermusikalisch auf. Derzeit ist er Mitglied des Philharmonischen Streichsextetts Berlin, der Berliner Barock Solisten und der Stradivari-Solisten Berlin.

Janne Saksala begann 1981 an der Musikschule seiner Heimatstadt Helsinki ein Kontrabass-Studium, das er von 1986 an bei Klaus Stoll an der Hochschule der Künste (heute Universität der Künste) in Berlin fortsetzte. Meisterkurse – unter anderem bei Duncan McTier – vervollkommneten seine Ausbildung. 1991 war der Kontrabassist Preisträger beim Internationalen ARD-Musikwettbewerb in München. Seit 1994 gehört Janne Saksala den Berliner Philharmonikern an, deren 1. Solo-Bassist er mit Beginn der Saison 2008/2009 wurde. Neben seiner solistischen Tätigkeit ist er auch ist ein gefragter Kammermusiker, u. a. als Mitglied der Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlin; außerdem war er bis 2006 Mitglied der 1999 gegründeten Berlin Philharmonic Jazz Group. Janne Saksala engagiert er sich überdies im Bereich der zeitgenössischen Musik und hat zahlreiche neue Werke uraufgeführt. Hinzu kommt eine intensive Dozententätigkeit, in deren Zentrum eine Gastprofessur an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin sowie Meisterklassen im In- und Ausland stehen.

Thomas Timm begann seine Ausbildung im Fach Violine bei Klaus Hertel in Leipzig; später studierte er in Lübeck bei Zakhar Bron und in Bern bei Igor Ozim. Er war mehrfach Preisträger und Stipendiat renommierter Wettbewerbe und Stiftungen im In- und Ausland. Seit dem 1. September 2000 ist er 1. Stimmführer der Gruppe der Zweiten Violinen bei den Berliner Philharmonikern. Als Solist konzertierte er mit dem MDR Sinfonieorchester und dem Gewandhausorchester Leipzig sowie dem Berner Symphonieorchester. Konzertreisen führten den Geiger durch viele Länder Europas, nach Japan, China und in die USA. Zu seinen Kammermusikpartnern zählen Nelson Freire und Lars Vogt. Thomas Timm ist Primarius des 2001 von ihm gegründeten Timm Quartetts, zudem ist er Mitglied diverser philharmonischer Kammerensembles (Philharmonische Geigen Berlin, Philharmonisches Streichquintett, Philharmonische Stradivari-Solisten Berlin). Seit 2003 unterrichtet er an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker.

Knut Weber, in Klagenfurt (Österreich) geboren, erhielt seine musikalische Ausbildung zunächst bei Milos Mlejnik, dann beim Alban Berg Quartett und bei Claus Kanngiesser in Köln sowie bei Wolfgang Boettcher an der Hochschule der Künste (heute Universität der Künste) Berlin, wo er 2002 sein Konzertexamen mit Auszeichnung abschloss. Wichtige Impulse erhielt er von Heinrich Schiff, Frans Helmerson, Siegfried Palm, David Geringas sowie von dem Beaux Arts Trio. Knut Weber ist Preisträger des Bundeswettbewerbs »Jugend musiziert« und gewann u. a. auch den Ersten Preis beim Cellowettbewerb in Liezen, Österreich (1995). Stipendiat und Solo-Cellist des Gustav Mahler Jugendorchesters, später Gründungsmitglied des Mahler Chamber Orchestra, ist er seit 1998 Musiker in den Reihen der Berliner Philharmoniker. Der leidenschaftliche Kammermusiker ist zudem Mitglied der Philharmonischen Camerata, der Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlin und der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker. Weiterhin tritt er regelmäßig solistisch sowie in unterschiedlichen Kammermusikbesetzungen in Europa, Asien, Nord- und Südamerika auf. Seit 2010 gehört Knut Weber dem Personalrat an.

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