Zum Spielplan 2012/2013

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Kammermusik

Natalia Gutman Violoncello

Elisso Virsaladze Klavier

Felix Mendelssohn Bartholdy

Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 B-Dur op. 45

Frédéric Chopin

Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll op. 65

Sergej Rachmaninow

Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll op. 19

Termine

Di, 30. Okt. 2012 20 Uhr

20:00 | Kammermusiksaal

Programm

Robert Schumann war von Felix Mendelssohn Bartholdys 1838 entstandener Sonate für Violoncello und Klavier B-Dur op. 45 begeistert: »dieser Frieden, diese Seelengrazie überall!« Weiter beschrieb Schumann das Werk in seiner am 30. April 1839 in der Neuen Zeitschrift für Musik erschienenen Rezension als »reinste, durch sich selbst gültige Musik, eine Sonate, so schön, klar und eigentümlich, wie sie irgend je aus großen Künstlerhänden hervorgegangen ist [...]. Ueber Form und Styl noch mehr zu sagen, schenke man der Zeitschrift; man findet Alles in der Sonate besser und nachdrücklicher«.

Letzteres ließe sich zweifellos auch über Frédéric Chopins Sonate g-Moll op. 65 sagen, die zu den bedeutendsten kammermusikalischen Kompositionen des großen Virtuosen zählt. Kernstück des ausgeprägt melodischen Werks ist das Finale, das in seiner überbordenden Vitalität den Höhepunkt des Ganzen bildet. Zuvor erklingt u. a. ein kurzes Largo, dessen Charakter an romantische Notturnos erinnert.

Ausgeprägter Melodienreichtum zeichnet auch Sergej Rachmaninows Sonate für Violoncello und Klavier op. 19 aus, in der eine romantisch verträumte, ja fast schwärmerische Stimmung vorherrscht. Das rund 30-minütige Werk, das Rachmaninow am 14. April 1919 mit dem schon damals weltberühmten Virtuosen Pablo Casals aufführte, wurde von manchem zeitgenössischen Kritiker hinsichtlich seines Erfindungsreichtums sogar noch höher angesiedelt als das berühmte Zweite Klavierkonzert.

Über die Musik

Göttliche Tonkunst

Werke für Violoncello und Klavier von Mendelssohn Bartholdy, Chopin und Rachmaninow

»Der Junge ist begabt; er wird Gutes leisten; er leistet schon jetzt Gutes.« So urteilte der 64-jährige Luigi Cherubini, eine damals weithin anerkannte künstlerische Autorität, als ihm 1825 in Paris der Knabe Felix Mendelssohn Bartholdy sein Klavierquartett h-Moll op. 3 vorlegte. Ein Urteil, das einem Ritterschlag glich! Es fegte alle Bedenken Vater Abrahams gegen eine Musikerlaufbahn seines Sohnes hinweg. Dabei waren die Grundlagen hierfür bereits längst durch Privatlehrer gelegt worden: im Klavierspiel, auf der Violine, auf der Bratsche. Dazu kam der Chorgesang, den die Mendelssohns – Felix, seine Geschwister Fanny, Rebecka und Paul sowie Mutter Lea – in der Sing-Akademie unter Karl Friedrich Zelter pflegten. Seit 1819 unterwies Zelter zudem Felix und seine vier Jahre ältere, musikalisch ebenfalls hochbegabte Schwester Fanny im Tonsatz. Zelter war es dann auch, der zu Felix am 3. Februar 1824, seinem 15. Geburtstag, sagte: »Mein lieber Sohn! Von heute ab bist Du kein Lehrjunge mehr, von heute an bist Du Gesell! – Ich mache Dich zum Gesellen im Namen Mozarts, im Namen Haydns und im Namen des alten Bach!« Anderthalb Jahre später komponierte der »Gesell« eines seiner »Meisterstücke«: das Oktett Es-Dur op. 20. Es zählt bis heute zu den ganz großen, absolut vollkommenen kammermusikalischen Werken überhaupt. Und wiederum vier Jahre später löste der nunmehr 20-Jährige am 11. März 1829 Zelters Gesellenspruch »im Namen des alten Bach« aufs Schönste ein: 100 Jahre nach ihrer Erstaufführung in Leipzig führte er im Gebäude der Berliner Sing-Akademie (dem heutigen Maxim-Gorki-Theater) die bachsche Matthäuspassion wieder auf. Wenig später trat Mendelssohn seine großen Auslandsreisen an, nach England und Schottland, nach Italien und Frankreich. Erst 20 Jahre alt, ernannte ihn die Londoner Philharmonische Gesellschaft zu ihrem Ehrenmitglied. Reputation genug, um sich nach Zelters Tod 1832 als dessen Nachfolger für die Leitung der Berliner Sing-Akademie zu bewerben. Vergeblich! So folgte Mendelssohn 1833 einem Ruf nach Düsseldorf als Städtischer Musikdirektor und zwei Jahre später nach Leipzig als Leiter der Gewandhauskonzerte.

Gleichberechtigte Partner – Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 1 B-Dur op. 45 von Felix Mendelssohn Bartholdy

Seit dem Oktett op. 20 und einigen weiteren kammermusikalisch besetzten Stücken hatte sich Mendelssohn anderen Gattungen zugewandt. Im August 1838 schien er den Mangel plötzlich wahrzunehmen. An den Freund, den Pianisten und Komponisten Ferdinand Hiller, schrieb er, dass er sich jetzt intensiv mit Klavier begleitender Kammermusik beschäftige. So habe er eine Sonate für Violine und Klavier (sie wurde erst 1953 durch Yehudi Menuhin herausgegeben) und eine Sonate für Violoncello und Klavier komponiert. Im Unterschied zu besagter Violinsonate gab Mendelssohn seiner Cellosonate eine Opusnummer. Zudem ließ er das für den Cellisten, Komponisten und Kapellmeister Julius Rietz komponierte Werk Anfang 1839 sowohl bei dem Leipziger Verleger Kistner als auch in London beim Verlagshaus Novello drucken. Außerdem gestattete er dem Jugendfreund, Geiger, Komponisten und Pädagogen Ferdinand David, die Cellosonate Nr. 1 op. 45 und auch die Nr. 2 op. 58 zu Violinsonaten umzuarbeiten.

Beethoven hatte zuvor mit seinen fünf Cellosonaten (op. 5 Nrn. 1 und 2, op. 69, op. 102 Nrn. 1 und 2) neue Maßstäbe gesetzt: Das Streichinstrument war zum gleichberechtigten Partner des Tasteninstruments geworden. Mendelssohn knüpft hier an und nimmt sich offenbar besonders dessen A-Dur-Sonate op. 69 zum Vorbild. Genau wie dort ist für ihn das Einzelwerk eine individuelle Deutung der Gattung, sowohl in der Struktur als auch in der Arbeit mit den Motiven, vor allem aber in der Gewichtung der beiden miteinander musizierenden Partner. Ganz bewusst nutzt er den Gegensatz zwischen dem sonoren, weichen und lyrisch-poetischen Cello-Ton und dem klaren, leichteren Fortepiano-Klang aus. In seinem oben bereits erwähnten Brief an Hiller betont er ausdrücklich, dass er dem Streichinstrument eine begleitende Rolle zugewiesen habe. Dementsprechend ist der Klavierpart auch konzipiert, ohne dass er allerdings das Cello »zudeckt«. Im Prinzip sind beide Partner also durchaus gleichberechtigt, sogar bei den Bassharmonien.

Im eröffnenden Sonatensatz Allegro vivace genauso wie im abschließenden Sonatenrondo Allegro assai nutzt Mendelssohn sowohl die kantablen Möglichkeiten beider Instrumente als auch ihre figurativen Fähigkeiten. Im Mittelsatz Andante trägt erst das Klavier und dann das Cello die filigran getupfte Melodie vor, ehe die Rollen getauscht werden und danach das scherzose Spiel von den nun eng miteinander verknüpften Partnern fortgesetzt wird. Es ist, als hätte Mendelssohn mit der B-Dur-Sonate das Loblied seines Großvaters, des Philosophen Moses Mendelssohn, auf die »göttliche Tonkunst« komponiert. In dessen Phaedon oder Über die Unsterblichkeit der Seele in drey Gesprächen (1767) heißt es: »Du bist die einzige, die uns mit allen Arten von Vergnügen überrascht! – Welche süße Verwirrung von Vollkommenheit, sinnlicher Lust und Schönheit!«

»Vor einigen Tagen war Chopin da. Er wollte nur einen Tag bleiben, und so waren wir diesen auch ganz zusammen und machten Musik. Mich hat sein Spiel wieder von neuem entzückt. Es ist darin etwas Grundeigentümliches und zugleich so sehr Meisterliches, dass man ihn einen recht vollkommenen Virtuosen nennen kann. Und da mir alle Art von Vollkommenheit lieb und erfreulich ist, so war mir dieser Tag ein höchst angenehmer«, berichtete Felix Mendelssohn am 6. Oktober 1835 der Familie nach Berlin. Seit sich die beiden fast Gleichaltrigen 1832 in Paris begegnet waren, verband sie eine herzliche Freundschaft. Chopin lebte seit Herbst 1831 in der französischen Hauptstadt. In Warschau ausgebildet und dort genauso wie in Wien bereits enthusiastisch gefeiert, schien sein künstlerischer Weg im heimatlichen Polen geebnet zu sein. Doch die politische Situation hatte sich in Kongress-Polen derart zugespitzt, dass das unter der Zarenherrschaft Russlands völlig entmündigte Land im Sommer 1830 aufbegehrte. Aber die Revolution scheiterte und die Aufständischen wurden grausam verfolgt. Chopin, der sich zu diesem Zeitpunkt erneut in Wien aufhielt, konnte als Sympathisant der revolutionären Bewegung nicht zurückkehren. Wie Tausende seiner Gesinnungsgenossen ging auch er, der – außer in Wien – im Ausland noch Unbekannte, nach Paris, in die »Hauptstadt der polnischen Emigration«.

Vergangenheit als wirksame Tradition – Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll op. 65 von Frédéric Chopin

Zur gleichen Zeit hatte Robert Schumann Chopin mit den Worten »Hut ab, ihr Herren, ein Genie!« in der renommierten Allgemeinen Musikalischen Zeitung begrüßt und dabei gefragt: »Chopin – ich habe den Namen nie gehört – wer mag es sein – jedenfalls ein Genie.« Denn er hatte sofort erkannt, dass Chopin ein Meister des style brillant war. Dieser damals in den Salons sehr beliebte Stil war durch Chopin verfeinert und vertieft worden. Technische Brillanz war jetzt mit Noblesse und Anmut verbunden, donnernde Attacken und atemberaubende Klangkaskaden mit zarter Innigkeit und fragiler Intimität. Kein Wunder, dass Chopin mit seinen Kompositionen und mit dieser Interpretationskultur ein begehrter Star in den Pariser Salons wurde, von denen es damals in der Stadt immerhin rund 850 gab. Und hier nun ereignete sich »das seltene Wunder des Berühmtwerdens unter Ausschluss der Öffentlichkeit«, wie das der bedeutende Chopin-Schüler und -Interpret Alfred Cortot so treffend charakterisiert hat. Denn auch wenn das Publikum Chopin bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im Februar 1832 in der Salle Pleyel freundlich empfangen hatte, seinen eigentlichen Durchbruch erzielte er in den privaten Salons der Pariser Hautevolee.

Doch über all dem lag ein Schatten: Bereits 1835 hatten sich bei Chopin erste Symptome einer Tuberkulose gezeigt. Sie weiteten sich in den Folgejahren zu schweren gesundheitlichen Krisen aus. Zusammen mit der Schriftstellerin George Sand fuhr er 1838 nach Mallorca und erhoffte sich dort sowie in Nohant, ihrem Landsitz 250 km südlich von Paris, Besserung. Vergeblich! Trotz der gesundheitlichen Einschränkungen hatte Chopin jedoch in all den Jahren unentwegt komponiert. Das Jahrzehnt von 1837 bis 1847 sollte seine fruchtbarste Schaffensperiode werden. Er hatte unterrichtet, ab und an Konzerte gegeben und einige Reisen unternommen. Als er am 16. Februar 1848 in der Salle Pleyel zum letzten Mal in Paris auftrat, stellte er zusammen mit Auguste Franchomme die letzten drei Sätze seiner dem Freund gewidmeten Cellosonate op. 65 vor. Beide hatten sich kurz nach Chopins Ankunft in Paris kennengelernt und 1831 das Grand Duo concertant über Themen aus Meyerbeers Robert le Diable komponiert. Zeitweilig verhandelte Franchomme sogar in Chopins Namen mit dessen Verlegern. Als Chopin im Oktober 1849 im Sterben lag, bat er seine ebenfalls aus Polen stammende Schülerin Marcelina Czartoryska und den Freund: »Ihr sollt zu meinem Gedenken zusammen Mozart spielen!«

Wie bei Mendelssohn ist auch bei Chopin »das einzelne Werk […] noch als Individualisierung einer Gattung aufzufassen, die durch ihre Vergangenheit bestimmt ist, eine Vergangenheit, die« – so Carl Dahlhaus – »nicht als tote Vorgeschichte, sondern als wirksame Tradition erscheint«. Diese Tradition findet in Chopins Cello-Sonate, seiner umfangreichsten kammermusikalischen Komposition, allein schon durch die klassischen Proportionen der vier Sätze und ihr ebenfalls klassisches Verhältnis zueinander ihren Ausdruck. Zudem sind alle vier Sätze durch ein gleich zu Beginn des ersten Satzeserklingendes »Ur-Motiv« zyklisch miteinander verklammert. Nach dem Allegro moderato in konventioneller Sonatenform weist das Scherzo eine volkstümliche Färbung auf; während über dem empfindsamen Largo ein sehnsüchtiger Schleier liegt, verleiht der Tarantella-Rhythmus dem Allegro einen turbulenten Finalecharakter. »Mit meiner Sonate mit Violoncello bin ich manchmal zufrieden, ein andermal nicht. Ich werfe sie in die Ecke, dann sammle ich sie wieder auf«, hatte Chopin am 11. Oktober 1846 an seine Schwester geschrieben. Probleme bereitete ihm offenbar das Verhältnis der beiden miteinander musizierenden Partner. Zunächst entwarf er die Cellostimme, die dann dem sehr komplexen Klavierpart angepasst werden musste – und umgekehrt. Das Gesamtergebnis jedoch besticht durch das ausgewogene Verhältnis beider miteinander musizierender Partner, durch Chopins melodischen und harmonischen Erfindungsreichtum.

Das Glück über die wiedererlangte Kreativität – Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll op. 19 von Sergej Rachmaninow

Wie Mendelssohn und Chopin gehört auch Sergej Rachmaninow zu den musikalischen Wunderkindern. Außergewöhnlich begabt, hatte er bereits mit 18 Jahren seine Ausbildung (Klavier und Komposition) am Moskauer Konservatorium mit den höchsten Auszeichnungen beenden können. Wenig später feierte er am Bolschoi-Theater mit seiner Examensarbeit, der Oper Aleko nach einem Stoff von Alexander Puschkin, einen rauschenden Erfolg. Der weitere Weg schien vorgezeichnet. Doch als die Uraufführung seiner Ersten Sinfonie d-Moll op. 13 im Jahr 1897 in St. Petersburg infolge mangelnder Einstudierung und künstlerischem Unverständnis durch den Dirigenten Alexander Glasunow ein Fiasko wurde, stürzte Rachmaninow in eine tiefe Krise. Verheerende Kritiken taten ein Übriges. Seine Neigung zu Selbstzweifeln und Depressionen wurde verstärkt und führte zu einer Schreibblockade. Erst eine Behandlung 1899/1900 durch den in Moskau lebenden Schweizer Nervenarzt Nikolai Dahl brachte Rachmaninow das Vertrauen in das eigene Können zurück. Sowohl die Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll op. 19 als auch das Dr. Dahl zugeeignete Zweite Klavierkonzert c-Moll op. 18 sind Zeugnisse der wiedererlangten Schaffenskraft. Diese hatte sich allerdings ab 1897/1898 auf Rachmaninows Dirigententätigkeit an einem Moskauer Privattheater verlagert. Hier lernte er den nachmals so berühmten Sänger Fjodor Schaljapin kennen. In seiner Autobiografie schrieb der lebenslange Freund: »Rachmaninow, der hervorragende Pianist, gehört gleichzeitig zu den wenigen wirklich vollendeten Dirigenten« und ist »als Komponist […] die Verkörperung der Einfachheit, Klarheit und Aufrichtigkeit.«

Benannt sind damit jene drei Begabungen, die Rachmaninow von seinen Zeitgenossen den Titel »Gottheit in drei Personen« einbrachten. Er selbst meinte: »Ich habe nie feststellen können, wozu ich in Wahrheit berufen bin: zum Komponisten, zum Pianisten oder zum Dirigenten.« Und doch scheint ihm der Komponist am wichtigsten gewesen zu sein. Die schwelgerische g-Moll-Violoncello-Sonate, seine überhaupt letzte kammermusikalische Komposition, »spricht« sehr beredt davon. Ob es nun der melodische Reichtum ist, mit dem Rachmaninow so verschwenderisch umgeht, die partiell kontrapunktisch elegant geführten Stimmen, oder der freie Rhythmus – aus allen vier Sätzen der ungewöhnlich ausgedehnten Sonate spricht das Glück über die wiedererlangte Kreativität. Dem gesanglichen Cellopart ist ein mehr dramatisch akzentuierter, allerdings ebenfalls melodiebetonter Klavierpart zur Seite gestellt. Die harmonischen Bewegungen in beiden Stimmen sind sehr komplex und durchaus eigenständig. Rachmaninows Arbeit mit seinem thematischen Material scheint ganz gezielt den Eindruck erwecken zu wollen, die Ideen würden ihm spontan zufallen. Doch im Gegenteil: Er arbeitet konzentriert und sehr gezielt mit ihnen, entwickelt sie weiter, mitunter in ganz entlegene Regionen, um dann letztendlich doch wieder zum Anfang zurückzukehren. Gemeinsam mit dem Freund und Widmungsträger Anatoli Brandukow hat Rachmaninow die Cellosonate am 15. Dezember 1901 in Moskau uraufgeführt.

Ingeborg Allihn

Biographie

NataliaGutman, 1942 in Kasan geboren und in Moskau aufgewachsen, erhielt ersten Violoncello-Unterricht von ihrem Großvater Anisim Berlin, einem Schüler des legendären Violinvirtuosen Leopold Auer; als Neunjährige gab sie erstmals ein Konzert. Nahezu 15 Jahre lang wurde sie bei Galina Kossopulowa ausgebildet, ab 1964 studierte sie bei Mstislaw Rostropowitsch am Moskauer Konservatorium; weitere künstlerische Impulse erhielt sie von ihrem Ehemann, dem Geiger Oleg Kagan, sowie von Swjatoslaw Richter. Mit dem ersten Preis beim ARD-Wettbewerb in München 1967 begann Natalia Gutmans Weltkarriere. Seitdem gastiert sie bei internationalen Spitzenorchestern und arbeitet mit Dirigenten wie Claudio Abbado, Riccardo Muti, Gennadij Roschdestwenski, Yuri Temirkanov, Kurt Masur und Bernard Haitink; zu ihren Kammermusikpartnern zählen Martha Argerich, Yuri Bashmet, Alexei Lubimov, Jewgenij Kissin und Elisso Virsaladze. Die Cellistin verfügt über ein umfassendes Repertoire und setzt sich intensiv für die zeitgenössische Musik ein; Alfred Schnittke hat ihr eine Sonate und sein erstes Cellokonzert gewidmet. Natalia Gutman war Professorin an der Musikhochschule Stuttgart und unterrichtet in Moskau, Wien und Fiesole; zudem gibt sie weltweit Meisterkurse. Im Mai 2005 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt; die Verleihung eines »Fellowship« des Royal College of Music in London fand im Mai 2010 statt. Ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern hatte die Musikerin im Rahmen zweier von Giuseppe Sinopoli geleiteten Festwochenkonzerte im September 1982, in denen sie an der Seite von Oleg Kagan als Solistin in Alfred Schnittkes Concerto grosso Nr. 2 auftrat. Seitdem gastierte Natalia Gutman mehrfach bei den Berliner Philharmoniker, zuletzt Anfang September 2000, wo sie das Violoncello-Solo in Richard Strauss’ Symphonischer Dichtung Don Quixote op. 35 übernahm; Dirigent war David Zinman.

Elisso Virsaladze, in Tiflis geboren, erhielt bereits in frühester Jugend Unterricht von ihrer Großmutter, der Klavierpädagogin Anastasia Virsaladze. Nach dem Studium am Konservatorium ihrer Heimatstadt zog die georgische Pianistin nach Moskau, wo sie Schülerin von Heinrich Neuhaus und Yakov Zak wurde. 1962 errang Elisso Virsaladze als 20-Jährige einen Dritten Platz beim Internationalen Tschaikowsky Wettbewerb, vier Jahre später gewann sie den Ersten Preis beim Robert-Schumann-Wettbewerb in Zwickau. Seitdem ist die Künstlerin regelmäßig bei Klavierrezitals, bei Duo-Abenden mit Natalia Gutman sowie als Mitglied verschiedener Kammermusikformationen in den großen Musikmetropolen der Welt zu erleben. Als Solistin international bedeutender Orchester hat sie mit Dirigenten wie Rudolf Barschai, Kirill Kondraschin, Riccardo Muti, Kurt Sanderling, Wolfgang Sawallisch, Ewgenij Swetlanow und Yuri Temirkanov zusammengearbeitet. Gegenwärtig lehrt Elisso Virsaladze, die bis 2011 an der Münchner Musikhochschule tätig war, als Professorin für Klavier am Moskauer Konservatorium; zudem ist sie ein gesuchtes Jury-Mitglied bei internationalen Wettbewerben. In Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gastiert Elisso Virsaladze, die sich der Musik des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts besonders verpflichtet fühlt, nun zum ersten Mal.

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