Berliner Philharmoniker

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Kammermusik

Guy Braunstein Violine

Daniel Barenboim Klavier

Claude Debussy

Sonate für Violine und Klavier g-Moll

George Enescu

Sonate für Violine und Klavier Nr. 3 a-Moll op. 25

Richard Strauss

Sonate für Violine und Klavier Es-Dur op. 18

Termine

Di, 16. Apr. 2013 20 Uhr

Kammermusiksaal

Programm

Für den zweiten Abend in der Reihe Konzertmeister hat Guy Braunstein Daniel Barenboim gebeten, das Dirigentenpult mit dem Flügel zu tauschen und ihn durch das Programm zu begleiten. Sie sind alte Bekannte und beiden ist gemein, dass sie Musik immer wieder auch als Mittel der interkulturellen Verständigung einsetzen, ohne sich von bürokratischen Hindernissen oder persönlichen Anfeindungen abschrecken zu lassen: »Musik«, sagt Barenboim, »ist eine Kunst, die alle Grenzen überschreitet«.

Aus diesem Grund rief er 1999 das West-Eastern Divan Orchestra ins Leben, in dem junge israelische und arabische Musiker Pult an Pult spielen. Auch Guy Braunstein spielt, so oft es sein Terminkalender erlaubt, in Barenboims West-Eastern Divan Orchestra: »Das ganze Projekt liegt mir sehr am Herzen. Daniel Barenboim und ich und viele Freunde wollen damit ein friedliches Zusammenleben der Völker im Nahen Osten fördern.«

Den Grundstein für seinen Welterfolg legte Daniel Barenboim als pianistisches Wunderkind, das erst in Argentinien und dann in Europa für Begeisterung sorgte. Als Siebenjähriger trat er erstmals in Buenos Aires auf, drei Jahre später folgten erste Konzerte in Salzburg und Wien. Und obgleich er seit Jahrzehnten mehr als Dirigent in Erscheinung tritt, hat er seine Pianistenlaufbahn stets gepflegt.

Auch Guy Braunstein begann seine Solisten- und Kammermusikerkarriere in jungen Jahren. Mit 29 wurde er im September 2000 zum 1. Konzertmeister der Berliner Philharmoniker ernannt, mit denen er bereits 1992 als einer der Solisten in Beethovens Tripelkonzert aufgetreten war. Mit eher selten zu hörenden Werken von Claude Debussy, George Enescu und Richard Strauss sind die beiden Musiker nun im Kammermusiksaal zu erleben.

Über die Musik

Identitätsfindung

Sonaten für Violine und Klavier von Claude Debussy, George Enescu und Richard Strauss

Im freien Himmelsflug – Die Sonate g-Moll für Violoncello und Klavier von Claude Debussy

Die Sonate für Violine und Klavier von Claude Debussy ist Teil eines Torsos: 1915 plante er einen sechsteiligen Zyklus von Sonaten, jede für eine andere Besetzung. Drei davon konnte er vollenden: die Sonate für Violoncello und Klavier, die Triosonate für Flöte, Bratsche und Harfe und als letzte die Violinsonate. Am 5. Mai 1917 erklang sie zum ersten Mal mit dem Geiger Gaston Poulet und dem Komponisten selbst am Klavier. Es sollte sein letztes öffentliches Konzert sein, und die Sonate sein letztes vollendetes Werk. Am 26. März 1918 erlag Debussy seinem Krebsleiden. Eine vierte Sonate für Oboe, Horn und Cembalo blieb Projekt, und von den letzten beiden wissen wir nichts.

Das umfangreiche Sonatenprojekt war nicht als Krönung eines Lebenswerks gedacht; Debussy ahnte nicht, dass der Tod ihm die Schreibfeder aus der Hand nehmen würde. Vielmehr wollte er einen neuen Abschnitt seiner künstlerischen Biografie einleiten: Er beschwor die alten Traditionen der französischen Musik, die Manen von Rameau, Lully, Couperin. Es war eine politische Entscheidung, ausgelöst und gesteuert durch den von Deutschland verursachten Krieg von 1914 und dem Überfall auf Frankreich. Der Krieg spaltete die künstlerischen Eliten Europas; viele Künstler verwandelten sich in glühende Nationalisten, die blind waren für die Ursachen und Ziele des Kriegs und gegeneinander Stellung bezogen, so auch Debussy. Die Partituren der drei Sonaten unterzeichnete der Komponist mit den Worten: »Claude Debussy, musicien français«, in Briefen und Gesprächen verdammte er die »30 Millionen Boches, die den französischen Geist nicht umbringen können«; seit die Ausländer aus Paris vertrieben seien, wäre es wieder ein reizvoller Ort, schrieb er. Das zielte auch auf Richard Wagner, dessen Parsifal er in seiner Jugend verehrt und in Pariser Salons auf dem Klavier vorgeführt hatte und den er jetzt verfluchte. Als im Laufe des Kriegs die Schlachten blutiger wurden, änderte er seine Einstellung. 1916 schrieb er: »Der Krieg dauert fort – wie Sie wissen – man kann es gar nicht begreifen, aber diese lässige Art, Krieg zu führen, ist beunruhigend! Der Tod fordert deshalb nicht minder seinen blinden Tribut. Wann wird endlich der Hass aufhören? Muss man denn bei diesem geschichtlichen Ablauf überhaupt von Hass reden? Wann wird man aufhören, das Schicksal der Völker Leuten anzuvertrauen, die die Menschheit als Mittel zu ihrer Karriere ansehen?«

Die Sonate jedenfalls ist frei von chauvinistischen Zügen. Man vermag kaum glauben, dass dieses reine, lichte und frühlingshafte Werk vor einem solchen geschichtlichen und ideellen Hintergrund entstand. Die Musik wirkt frisch, spontan, wie aus einer Augenblickslaune erfunden. Die drei »aristotelischen« Einheiten der klassischen Musik – Thematik, Harmonie und Form – sind aufgegeben. Über den Choralnoten des Klaviers schwebt die Violine in einem freien Flug von Improvisationen, die Akkorde marschieren nicht in der prästabilierten Harmonik, sondern schweifen ungezwungen in einer elysischen Landschaft, durch die viele Wege laufen ohne ein Ziel. Ein geigender Zigeuner scheint mit von der Partie zu sein, wie man aus den leidenschaftlichen G-Saiten-Passagen und aus den charakteristischen Verschleifungen heraushören könnte, wenn man denn wollte – eine Reminiszenz an Debussys Budapest-Konzert von 1910, wo er – wie vor ihm Franz Liszt – ein Fan der Zigeunermusik wurde. Das verweist noch auf ein weiteres Merkmal dieser Musik – die ausschweifende Virtuosität des Violinparts mit seinen Arpeggien und Skalen-Rasereien, die ebenfalls das Werk in die Nähe des Tzigane von Maurice Ravel rücken.

Der zweite Satz ist kein Andante oder Adagio, sondern ein Zwischenspiel (Intermède), das die dunkleren Farben des ersten Satzes aufhellt und einen Hauch von Vogelgesang hineinmischt. Das Finale beginnt mit einer Reminiszenz der Violine an den Beginn der Sonate, diesmal mit perlenden Figurationen statt stehenden Akkorden. Dann gerät die Musik außer Rand und Band. Violine und Klavier übertrumpfen sich gegenseitig, und das alles oft im piano oder pianissimo, als entschwebten sie in Höhen, wo man nichts mehr hört. Aber Vorsicht! Debussy selbst kommentierte dieses Stück mit einer verzweifelten Warnung: »Trauen Sie keinem Stück, das im freien Himmelsflug zu schweben scheint – es könnte in den dunklen Tiefen eines kranken Hirns ausgebrütet worden sein! Etwa das Finale meiner Sonate: das schlichte Spiel eines Gedankens, der sich um sich selbst dreht wie eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt ...«

Spielart des Modernismus – die Violinsonate Nr. 3 a-Moll op. 25 von George Enescu

Enescus Schüler, der große Geiger Yehudi Menuhin, berichtet: Während einer Unterrichtsstunde in Paris trat unvermittelt Maurice Ravel ins Zimmer und brachte seine soeben vollendete Violinsonate mit. Enescu legte sie auf und spielte sie sofort vom Blatt. Das war schon erstaunlich. Doch dann legte er die Noten weg und spielte sie noch einmal auswendig. Das war noch erstaunlicher. Die Anekdote belegt die phänomenale Musikalität dieses Musikers aus Rumänien, der ein faszinierender Geiger, ein glänzender Pianist und ein genialer Komponist war. Geboren 1881 in der kleinen Ortschaft Liveni Vîrnav, die heute seinen Namen trägt, er kam mit sieben Jahren nach Wien, lernte Brahms kennen und spielte unter seiner Leitung in mehreren Konzerten mit; seine professionelle Ausbildung vollendete er in Paris bei André Gedalge, Jules Massenet und Gabriel Fauré. Maurice Ravel, Florent Schmitt und Charles Koechlin waren seine Mitstudenten. Paris war im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts das Mekka der jungen Komponisten aus ganz Europa. Hierher kamen außer dem Rumänen Enescu auch Igor Strawinsky und Sergej Prokofjew aus Russland, Manuel de Falla aus Spanien, George Antheil und George Gershwin aus den USA, um nur einige zu nennen und vom weitaus größeren Ansturm der bildenden Künstler ganz zu schweigen. Eine besondere Spielart des Modernismus entstand, die sich von der strengen Wiener Schule Arnold Schönbergs unterschied. Sie assimilierte, was es in der Welt der Klänge gab – die internationale Folklore, die Unterhaltungsmusik und den Jazz, den Wiener Walzer, den Fandango, ja sogar den Straßen- und Fabriklärm der modernen Großstädte. Aber nichts wurde zum Gesetz. Der Komponist war einzig seiner Fantasie verantwortlich, und so entstand ein heterogenes Konglomerat.

In diesem Kreis war Enescu eine faszinierende Erscheinung. Menuhin beschrieb ihn folgendermaßen: »Ich verfiel ihm, ehe ich die erste Note von ihm gehört hatte. Sein Auftreten, seine Haltung, seine wundervolle schwarze Mähne, alles kennzeichnete ihn als freien Menschen, ungebunden wie ein Zigeuner, ungezwungen, natürlich, schöpferisch begabt und voller Feuer. Als er dann zu spielen begann, hatte seine Musik eine Leuchtkraft, wie sie mir noch nirgends begegnet war.«

Die musikalische Leuchtkraft war die Mitgift seiner Heimat und Herkunft, das Kolorit der rumänischen Roma: der erste Lehrer des Vierjährigen war ein Rom, der selbst keine Notenkenntnisse besaß. Als ein Jahr später Klavier und Notenkunde hinzukamen, begann er zu komponieren; Brahms und Wagner wurden seine musikalischen Sterne, doch ein Element seiner Heimat bewahrte er sich – die Musizierweise des »improvisando«, des freien, vom Gefühl eingegebenen Spiels. In der Violinsonate a-Moll op. 25 von 1926 ist das vom ersten Takt an zu spüren. Die Violine beginnt mit einer freien, melancholischen Improvisation, in der das zigeunerische Erbe hörbar wird: kein Tanz, kein Lied, sondern eine von Trauer und Bitternis erfüllte Tonrede. Das setzt sich im folgenden Andante auf anderer Ebene fort. Über den nicht abreißenden Ton-Repetitionen des Klaviers fliegt eine geheimnisvolle Weise, ein Gesang aus der Ferne. Das Tempo beschleunigt sich, die Violine singt, trillert und schluchzt wie die lyrischen Nachtigallen von Heinrich Heine, und noch mehr als zuvor ist diese Musik von der elegischen Stimmung erfüllt, die man rumänisch »dor« nennt. Von der deutschen »Sehnsucht« mit ihren rauschenden Wäldern und mozartschen Serenaden unterscheidet sie sich; hier herrscht die Einsamkeit der Steppen, durch die die Gequälten, Geschundenen und Toten wandeln. Keine Musik kann so bitter sein wie die der Sinti und Roma, keine so lebendig und voller Lebenslust. Das Finale der Sonate lässt auch diesen Aspekt erahnen. Enescu gab seinem Werk den Untertitel »dans le caractère populaire Roumain«,also im populären rumänischen Charakter. Das Wort »Musik« ist vermieden, denn wir finden hier, anders als in den beiden Rumänischen Rhapsodien, die er als 18-Jähriger schrieb, keine Volksweisen. Enescu war kein Liedsammler wie Brahms oder Bartók. Sein Folklorismus fußte auf den volkstümlichen Musizierweisen der Sinti und Roma, jenem Volk, dem Europa, wie Franz Liszt meine, die Nationen Europas ihre musikalische Kultur verdanken.

Am kompositorischen Scheideweg – die Sonate Es-Dur für Violine und Klavier op. 18 von Richard Strauss

Seine einzige Violinsonate komponierte Richard Strauss, als er gerade im Begriff war, Richard Strauss zu werden. Sie ist das Werk eines 23-Jährigen, der noch seinen Weg sucht. Haydn, Mozart, Beethoven, Schumann, Brahms waren in den frühen Jahren seine Götter gewesen, Richard Wagner aber nannte der Vater Franz Strauss einen Musikverderber und Teufel. Die behütete Kindheit in München bestand aus Musik und Lektüre; der junge Richard komponierte seit frühestem Kindesalter, und er las von den mittelalterlichen Volksbüchern bis zu Goethe, Cervantes und Nietzsche alles, was ihm in die Finger kam. Als junger Mann lernte er Hans von Bülow kennen, der ihn 1885 als Kapellmeister nach Meiningen holte, und dort den Komponisten Alexander Ritter, einen Neffen und Verehrer Richard Wagners. Der führte den jungen Kapellmeister in die Wunderwelt des Bayreuther Meisters ein, und diese Begegnung brachte die Erleuchtung, die Initialzündung und erweckte in dem strebsamen Talent das kommende Genie. Die Sonate bezeichnet jene Grenze. Sie steht als letztes Werk auf der Jugendseite seines Künstlerlebens, das letzte Kammermusikwerk, das er überhaupt schrieb; ein Jahr später folgten die Tondichtungen Aus Italien, Macbeth, Don Juan. Das war eine andere Welt.

Zwischen Sonate und Tondichtung lag nicht nur das Erlebnis Wagner, sondern auch das Erlebnis des Südens, die erste Italienreise. Seitdem prägte eine lebenslange mediterrane Sehnsucht seine schöpferische Fantasie. Orientalismen werden sein Theater prägen – Salome, Elektra, Ariadne auf Naxos, Die ägyptische Helena, Die Frau ohne Schatten, Daphne, Die Liebe der Danae. Selbst im Rosenkavalier und in Arabella leuchtet das mediterrane Licht.

Von alledem ist die Violinsonate weit entfernt. Doch ist sie weit mehr als nur ein brillantes und ehrgeiziges Werk in der Schumann- und Brahms-Nachfolge; in ihr ist wie in einem Samenkorn bereits der spätere Genius eingeschlossen, nur noch nicht entfaltet. Als erstes erweist sich der junge Komponist sogleich als ein talentierter Melodiker, der Themen mit einem großen Atem erfindet und sie in einer Art durchzuführen weiß, die man als »Belcanto-Fantasie« bezeichnen könnte. Das hört man deutlich im langsamen zweiten Satz, dem Andante cantabile, dem Strass ausdrücklich die Bezeichnung »Improvisation« hinzufügte. Das heißt nicht, dass der Geiger improvisiert, sondern dass der Komponist eine Variationenfolge in der Art einer lockeren Improvisation geschrieben hat, die die klassizistischen Satzregeln durchbricht. Zweitens nimmt die Sonate im dritten Satz ein Motiv voraus (wenn auch nicht wörtlich), das kurz darauf das Motto des Don Juan bilden wird. Drittens vernehmen wir hier erstmals, und auch wieder keimhaft, das nietzscheanische Lachen. Was für Wagner Schopenhauers Pessimismus war, war für Strauss der Über-Mut Nietzsches. Das Zarathustra-Wort»Das Lachen sprach ich heilig; ihr höhern Menschen, lernt mir – lachen!«wird das verborgene Motto der meisten Tondichtungen sein: Till Eulenspiegel, Also sprach Zarathustra, Don Quixote, Ein Heldenleben. Das war neu. In den symphonischen Dichtungen von Berlioz, Liszt, Smetana, Tschaikowski wird niemals gelacht.

In der Sonate hat das Gelächter nicht die philosophische Attitüde und kritische Bedeutung wie in den genannten Werken, doch als musikalischer Gestus ist es bereits vorhanden, und darin eben zeigt sich das Genie. Alles liegt bereit – Handwerkszeug, Baumaterial, eine intuitive Musikalität, der alles zuzufallen scheint (Strauss hat nie eine Musikhochschule besucht) – nur der große Plan fehlte noch. Als er erschien, endete die Kammermusikphase, die Serie der frühen Sonaten, Klavierstücke und Serenaden. Nach der Violinsonate hat Strauss keine Kammermusik mehr geschrieben. Aber der Geist der Kammermusik wird weiter durch seine Opern und Instrumentalwerke geistern, und Mozart oder Brahms treiben dort ihr verborgenes Wesen wie Don Juan in der Sonate.

Gerhard Müller

Biographie

Daniel Barenboim und die Berliner Philharmoniker verbindet eine inzwischen 49-jährige künstlerische Partnerschaft. Als Pianist gab er bei ihnen sein Debüt im Juni 1964 unter der Leitung von Pierre Boulez; fünf Jahre später folgte sein Einstand als Dirigent des Orchesters. In Berlin waren die Philharmoniker unter seiner Leitung zuletzt Mitte Januar 2012 mit Edward Elgars Oratorium The Dream of Gerontius zu erleben; als Solist führte er mit ihnen Anfang Oktober 2009 die beiden Klavierkonzerte von Frédéric Chopin auf (Dirigent: Asher Fisch).

1942 in Buenos Aires geboren, zog Barenboim 1952 mit seinen Eltern nach Israel. Klavierunterricht erhielt er zunächst von der Mutter, später vom Vater. Mit zehn Jahren debütierte er als Solist in Wien und Rom, weltweite Tourneen folgten. Seit seinem Dirigierdebüt 1967 in London steht Daniel Barenboim am Pult aller führenden Orchester in Europa und den USA. Die wichtigsten Stationen seiner internationalen Karriere sind: 1975 bis 1989 Chefdirigent des Orchestre de Paris, von 1991 bis 2006 Musikdirektor des Chicago Symphony Orchestra, seit 1992 zusätzlich Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden in Berlin, deren Staatskapelle ihn im Herbst 2000 zum Chefdirigenten auf Lebenszeit wählte. Seit Herbst 2011 ist er zudem Musikdirektor des Teatro alla Scala in Mailand. Hinzu kommen Gastauftritte weltweit an den führenden Opernhäusern und bei bedeutenden Festivals.

1999 rief Daniel Barenboim gemeinsam mit dem palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said das West-Eastern Divan Orchestra ins Leben, das jeden Sommer junge Musiker aus Israel, Palästina und den arabischen Ländern zusammenführt, um durch die Erfahrungen des gemeinsamen Musizierens den Dialog zwischen den verschiedenen Kulturen des Nahen Ostens zu fördern. Für ihre Friedensbemühungen wurden Said und Barenboim 2002 mit dem Preis »Príncipe de Asturias« in der Sparte Völkerverständigung geehrt. 2009 erfuhr Barenboims besonderes Engagement auf diesem Gebiet durch die Verleihung der Moses Mendelssohn Medaille ebenfalls Würdigung. Zu den zahlreichen Auszeichnungen des Künstlers gehören zudem das Große Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland, der Ernst von Siemens Musikpreis und in jüngster Zeit der Willy-Brandt-Preis sowie die Ernennungen zum »Grand officier dans l’ordre national de la Légion d’honneur« durch den französischen Staatspräsidenten und zum »Knight Commander of the Most Excellent Order of the British Empire« durch Königin Elizabeth II.

Guy Braunstein, in Tel Aviv geboren, spielt seit seinem siebten Lebensjahr Violine. Während seiner Ausbildung zum Berufsmusiker zählten u. a. Chaim Taub, Glenn Dicterow und Pinchas Zukerman zu seinen Lehrern. Den ersten Kontakt zu den Berliner Philharmonikern hatte der Musiker bereits 1992 als einer der Solisten in Beethovens Tripelkonzert unter der Leitung von Zubin Mehta. Bevor Guy Braunstein dann im September 2000 als 1. Konzertmeister zu den Philharmonikern kam, war er als Solist bei vielen anderen führenden Orchestern wie dem Israel Philharmonic Orchestra, dem Tonhalle-Orchester Zürich und den Bamberger Symphonikern zu Gast. Hierbei hat er mit Dirigenten wie Wladimir Fedossejew und Daniel Barenboim zusammengearbeitet. 1995 brachte er in Köln Shifting – Konzert für Violine und Orchester zur Uraufführung, das Rolf Riehm für ihn komponiert hatte. Als Konzertsolist der Berliner Philharmoniker war Guy Braunstein zuletzt Anfang Februar 2012unter der Leitung von Andris Nelsons mit dem Violinkonzert D-Dur op. 77 von Johannes Brahms zu erleben; einen Monat später spielte er in einem philharmonischen Kammerkonzert mit Mitgliedern des von Daniel Barenboim gegründeten West-Eastern Divan Orchestra, für das sich der Geiger mit großer Leidenschaft engagiert. Als aktiver Kammermusiker ist Guy Braunstein Mitglied bei den Philharmonischen Geigen Berlin und bei den Philharmonischen Freunden Wien-Berlin. Zudem ist er seit 2006 Künstlerischer Leiter des Rolandseck-Festivals.

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