Berliner Philharmoniker

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Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker

Jaap van Zweden (für den erkrankten Mariss Jansons) Dirigent

Béla Bartók

Konzert für Orchester Sz 116

Johannes Brahms

Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 68

Termine

Mi, 08. Mai 2013 20 Uhr

Philharmonie

Do, 09. Mai 2013 20 Uhr

Philharmonie

Fr, 10. Mai 2013 20 Uhr

Philharmonie

Live-Übertragung

Programm

Seine musikalische Laufbahn begann Jaap van Zweden 19-jährig in einem der renommiertesten Orchester der Welt: dem Koninklijk Concertgebouw Orkest Amsterdam. Jedoch nicht als Dirigent, sondern als Erster Konzertmeister. 1996 tauschte er die Geige gegen den Taktstock ein und startete eine internationale Dirigentenkarriere. Jaap van Zweden, derzeit Chef des Dallas Symphony Orchestra und des Hong Kong Philharmonic Orchestra, gibt in diesen Konzerten, deren Leitung er für den erkrankten Mariss Jansons übernimmt, sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern.

Johannes Brahms und Béla Bartók sind die Komponisten des Abends. Als Brahms seine Erste Symphonie 1876 vollendete, ging dem ein 14-jähriges Ringen um das Werk voraus: Zu übermächtig wirkte das Vorbild Beethovens. Brahms jedoch fand souverän einen eigenen Weg. In seiner Symphonie hat der Rückgriff auf Beethoven ebenso Platz wie auch ein zukunftweisendes Formenkonzept — mit einer Einleitung, die im Keim bereits das gesamte thematische Material der Symphonie enthält.

Ein Bewunderer von Brahms war Béla Bartók, dessen Konzert für Orchester wir an diesen Abenden hören. Bartók schrieb das Werk 1943 im Auftrag der amerikanischen Koussevitzky-Stiftung. Der Titel erklärt sich aus der konzertierenden oder solistischen Behandlungen einzelner Instrumentengruppen. Als Bartók dieses Werk komponierte war er bereits todkrank und – was seine Anerkennung als Komponist betraf – vollkommen desillusioniert. Gleichwohl gelang es ihm in diesem Stück, aus einem düsteren Anfang zu einem lebensbejahenden Finale zu finden.

Über die Musik

»Der Publikumserfolg war sehr stark«

Meilensteine des Konzertrepertoires von Bartók und Brahms

Béla Bartóks Konzert für Orchester sowie die Erste Symphonie von Johannes Brahms lassen sich als Meilensteine begreifen – als besonders markante, wegweisende Kompositionen ihres jeweiligen Schöpfes, aber auch für die Entwicklung der Musik. Mit seiner c-Moll-Symphonie op. 68 findet Brahms nach längerem Ringen zur symphonischen Form und landet sofort einen großen Wurf. Bartók schreibt mit seinem Konzert für Orchester ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts, blickt dabei jedoch zugleich auf die Tradition symphonischen und konzertanten Komponierens zurück.

Raffiniert konstruiert und zugleich verständlich: Béla Bartoks Konzert für Orchester

Das Konzert für Orchester entstand in den schweren letzten Lebensjahren des Komponisten, die von Emigration, wirtschaftlicher Not und einer tödlichen Erkrankung (Leukämie) gezeichnet waren. 1940 verließ Bartók das faschistisch gewordene Ungarn und ging in die USA. Hier fand er aber weder als Pianist noch als Komponist die erhoffte Anerkennung und wurde nahezu ignoriert.

In den Jahren 1940 bis 1942 komponierte Bartók nichts. Das Blatt wendete sich, als Sergej Kussewitzky, der russisch-amerikanische Dirigent und Leiter des Boston Symphony Orchestra, Bartók im Frühjahr 1943 um ein größeres Orchesterwerk bat. Im August begann Bartók am Saranac Lake im Nordosten der USA mit den Arbeiten, im Oktober lag das Konzert für Orchester vor. Nach der Bostoner Uraufführung am 1. Dezember 1944 unter Kussewitzkys Leitung schrieb der Komponist einen zweiten Schluss, der im Allgemeinen heute gespielt wird. In einer für die Uraufführung verfassten Einführung gab Bartók Hinweise auf den Gehalt des Werks: »Die allgemeine Stimmung der Komposition kann – mit Ausnahme des spaßigen zweiten Satzes – als ein gradueller Übergang vom Ernst des ersten Satzes und dem Klagelied des dritten zur Lebensbejahung des Schlusssatzes angesehen werden.« Der Titel, so der Komponist, rührt daher, »dass im Laufe dieses in der Art einer Symphonie geschriebenen Orchesterwerks die einzelnen Instrumente und Instrumentalgruppen konzertierend oder solistisch auftreten.« Symphonisch ist seine zyklische Form. Um den langsamen dritten Satz gruppieren sich symmetrisch zwei Scherzi und zwei schnelle Sätze.

Der Kopfsatz Andante non troppo – Allegro vivace beginnt mit einer geheimnisvollen Einleitung. Über einem Motiv der tiefen und Tremoli der hohen Streicher spielt die Flöte ein Thema, das im dritten Satz noch eine wichtige Rolle bekommt. Das Allegro wird von einem energischen, fast fanfarenartigen Thema dominiert. – Der zweiten Satz, ein Allegretto scherzando, hatden Titel Giuoco delle coppie (Spiel der Paare). Jedes Paar hat sein Thema und eigene, durch bestimmte Intervalle charakterisierte »Tanzschritte«: Sexten in den Fagotten, Terzen in den Oboen, Septimen in den Klarinetten, parallele Quinten in den Flöten, Sekunden in den Trompeten. In der Reprise werden die Themen kombiniert. Der Satz beginnt und endet mit einem markanten Solo der kleinen Trommel.

Als »kummervolles Klagelied« verstand der Komponist den Mittelsatz, ein notturnoartiges Andante, non troppo mit dem Titel Elegia. Die Anlage ist kettenartig: Drei aufeinander folgende Themen »bilden den Kern des Satzes und sind von einem verschwommenen Gewebe gestaltenloser Motive umgeben« (Bartók). Die Harfenglissandi und die Holzbläserfiguren am Anfang und Ende erinnern an die Traumsee-Episode in Bartóks Oper Herzog Blaubarts Burg. – Der Titel Intermezzo interrotto (unterbrochenes Zwischenspiel) für den vierten Satz ist wörtlich zu nehmen. Zunächst freundlich (Flöte und Oboe im Dialog sowie ein kantables Streicherthema) schlägt die Stimmung im Mittelteil jäh um, wird bedrohlich. Doch am Ende findet der Satz zur freundlichen Stimmung des Anfangs zurück.

Das Finale enthält ein Fanfarenthema der Hörner, ein Presto-Thema der Streicher nach Perpetuum mobile-Manier, eine Dolce-Melodie sowie einen markanten Schlussgedanken, der eindrucksvoll fugiert wird. Eingewoben sind Motive aus der südosteuropäischenVolksmusik. Der Schluss ist ebenso brillant wie effektvoll.

Klassische Tonalität und eingängige Melodik – diese charakteristischen Merkmale wurden und werden nicht selten am Konzert für Orchester, dem vielleicht bekanntesten, ja populärsten Werk Bartóks, kritisiert, so als habe der Komponist nach all den Experimenten früherer Jahre zu einer altersmilden »Harmlosigkeit« gefunden. Das Gegenteil ist der Fall: »Eine unglaubliche Vielfalt von Stil- und Ausdrucksprinzipien, von heterogenen Materialien ist in diesem Werk zu einem Gesamt-Panorama vereinigt worden. Es ist Rück-Blick, Abschied und Neubeginn zugleich.«(Hartmut Fladt) Darin aber liegen die Modernität und Faszination dieses Werks gleichermaßen.

»Von aufregender Sehnsucht«: Johannes Brahms’ Erste Symphonie

Johannes Brahms war längst ein geachteter Komponist, eher er sich an die symphonische Form wagte. Die frühesten Ansätze zu seiner Ersten Symphonie finden sich bereits in den 1850er-Jahren. Geraume Zeit später, am 1. Juli 1862, schreibt Clara Schumann an Joseph Joachim: »Johannes schickte mir neulich – denken Sie, welche Überraschung – einen ersten Symphoniesatz mit dem folgenden kühnen Anfang.« Und sie fügt die ersten Takte des Allegros aus dem Kopfsatz bei. Dann aber zieht Brahms nach Wien und legt die Symphonie vorerst beiseite. Sechs Jahre nach der Komposition des ersten Satzes schickt er Clara am 12. September 1868 die berühmte Hornmelodie aus dem Finale. Doch es vergehen acht weitere Jahre, bis die Partitur 1876 fertiggestellt ist.

Die Symphonie wurde am 4. November 1876 vom Großherzoglich-Badischen Hoforchester unter Leitung von Otto Dessoff in Karlsruhe uraufgeführt. Brahms selbst stellte sie drei Tage später in Mannheim vor und dirigierte das Werk auch in München. Hermann Levi berichtete Clara Schumann in einem Brief vom 22. Dezember 1876: »Die Aufführung der Symphonie war ganz vortrefflich. Auch als Dirigenten habe ich Brahms wieder bewundert und in den Proben manches von ihm gelernt. Der letzte Satz ist wohl das Größte, was er bisher auf instrumentalem Gebiete geschaffen; nächst ihm steht mir der erste Satz. Aber gegen die beiden Mittelsätze habe ich meine Bedenken; so schön sie an sich sind, so scheinen sie mir doch eher in eine Serenade oder Suite zu passen als in eine sonst so großangelegte Symphonie.«

Das Werk steht ganz in der Tradition klassischen Symphonie-Komponierens. Der erste Satz wird von einem langsamen Teil (Un poco sostenuto) eingeleitet. Über einem pochenden Pauken-Ostinato baut sich in Halbtonschritten das Thema auf, das eine ernste, dunkel getönte Grundstimmung verbreitet. Im Allegro-Teil werden die Themen nach dem klassischen Sonatensatz-Schema, jedoch in farbiger Harmonik verarbeitet. Die beiden Mittelsätze haben jeder eine weniger komplizierte Form und tragen zum Teil kammermusikalische Züge. Im Andante sostenuto formulieren die Ersten Geigen mit Unterstützung der Fagotte das Hauptthema. Der Mittelteil enthält Solo-Passagen für einzelne Bläser, besonders für Oboe und Horn. Die Reprise wird von einem Violin-Solo eingeleitet. Den dritten Satz (Un poco Allegretto e grazioso), ein zartes Intermezzo mit Trio, eröffnet die Klarinette mit einem anmutigen Thema. Streichern und Holzbläsern ist eine kurze, aufgeregte Episode zugedacht; schließlich klingt der Satz ruhig aus. Wie der Kopfsatz beginnt das Finale mit einer dunkel getönten Einleitung (Adagio): chromatische Läufe, dramatische Streicherfiguren, ein Paukenwirbel, gefolgt vom Signal des Horns, das alle Dissonanzen übertönt, und von einem Choral der Posaunen. Danach hebt im Allegro non troppo, ma con brio das freundliche Hauptthema an, die berühmt gewordene C-Dur-Kantilene in den Streichern. Sie wird von Brahms nach allen Regeln der Kunst verarbeitet, ehe eine triumphale Coda das Werk beschließt.

Helge Grünewald

Biographie

Jaap van Zweden, der sich in den vergangenen 15 Jahren zu einem weltweit gefragten Dirigenten entwickelt hat, ist Musikalischer Leiter des Dallas Symphony Orchestra (seit 2008) und des Hong Kong Philharmonic Orchestra (seit 2012). Zuvor war er Chefdirigent des Niederländischen Symphonie-Orchesters in Enschede (1996 bis 2000), des Residenz-Orchesters von Den Haag (2000 bis 2005) und der Königlichen Philharmonie von Flandern (2008 bis 2011). Jaap van Zweden ist Ehrendirigent der Niederländischen Radiophilharmonie, der er von 2005 bis 2011 als Chef verbunden war. Als Gastdirigent ist er mit vielen renommierten Orchestern aufgetreten, darunter das Chicago Symphony, das Cleveland und Philadelphia Orchestra, die Münchner Philharmoniker, das WDR Sinfonieorchester Köln, das Orchestre National de France, das Oslo Philharmonic, das London Philharmonic Orchestra und das Tonhalle-Orchester Zürich. Neben seinem umfangreichen symphonischen Repertoire dirigiert van Zweden – vor allem in den Niederlanden – auch immer wieder Werke der Opernliteratur. 1960 in Amsterdam geboren, begann Jaap van Zweden seine musikalische Laufbahn als Geiger. Er studierte an der New Yorker Juilliard School bei Dorothy DeLay. Bereits 1979 wurde er Konzertmeister des Koninklijk Concertgebouw Orkest Amsterdam – eine Tätigkeit, der er sich bis 1995 widmete. Von Musical America wurde er zum Dirigenten des Jahres 2012 gewählt. Bei den Berliner Philharmonikers gibt Jaap van Zweden sein Debüt mit diesen Konzerten, deren Leitung er kurzfristig für den erkrankten Mariss Jansons übernommen hat.

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