Berliner Philharmoniker
Unser Partner Deutsche Bank

In meinen Kalender übernehmen merken gemerkt drucken

Education

Zukunft@Bphil Familienkonzert

Mitglieder der Berliner Phiharmoniker

Thomas Leyendecker

4. Familienkonzert - Frohe Ostern

Der S�ngerkrieg der Heidehasen nach James Kr�ss

Termine und Tickets

Sa, 17. Apr. 2010 16 Uhr

Kammermusiksaal

Über die Musik

Der Sängerkrieg der Heidehasen

Eine kleine Hasenoper – Die Handlung

Man stelle sich vor: ein Heidehasenreich mit Wiesen, Büschen, Bäumen und Hasenwohnungen unter dem Wurzelwerk. Und was darf nicht fehlen im Reich der Heidehasen? Richtig, ein König. Und was gehört zum König? Genau, eine Prinzessin. Und wenn es das Heidehasenreich im Märchen gibt, was wird dann für die Prinzessin gesucht? Na klar, ein Mann! Und so ließ denn eines schönen Tages König Lamprecht VII. seinen Hasen und Karnickeln verkünden, dass am Sonntag beim Sängerkrieg der Heidehasen in Obereidorf der Sänger mit dem schönsten Lied seine Tochter, die Prinzessin, zur Frau bekäme. Fast überflüssig danach zu fragen, wer den Sieger bestimmte. Das durfte nur einer: der König selbst.

Erstes Bild

In einem Musizierzimmer sitzt Direktor Wackelohr vom Hasenmusikverein am Flügel und trällert Tonleitern. Der Minister für Hasengesang steht daneben und hört andächtig zu. Als der Direktor sein Einsingen beendet hat, schmeichelt der Minister dem Gesang des Direktors und verspricht ihm sogar, dass er der Sieger des morgigen Sängerkrieges werden würde. Und eins für das andere stellt der Direktor ihm 100.000 Hasentaler in Aussicht. Ja, so ist das: selbst im Heidehasenreich wird gemauschelt. Doch da tritt der junge Hase Lodengrün auf um seine Stimme prüfen lassen, denn auch er möchte am Sängerkrieg teilnehmen. Er singt eine kleine Hasenarie vor, und zwar so schön, dass dem Minister nichts anderes übrig bleibt, als ihn zu loben und ihm das Mitsingen am morgigen Tag zu erlauben. Nachdem Lodengrün wieder abgehoppelt ist, äußert sich der Direktor bekümmert über die soeben vernommene Stimme. Zu Recht, denn der König liebt solche jungen Hasenstimmen. So ersinnt der Minister eine Gemeinheit sondergleichen: man würde einfach die Sonnenuhr vor Lodengrüns Bau um eine Stunde zurückstellen. Denn wer zu spät zum Sängerkrieg erscheint, darf nicht mitsingen. Direktor Wackelohr übernimmt es, den nächtlichen Betrug in die Tat umzusetzen. Ja, so ist das: selbst im Heidehasenreich gibt es Neid, Missgunst und Boshaftigkeiten.

Zweites Bild

Auf der Küchenbank seiner Mutter hält Lodengrün ein wohliges Schläfchen. Die Mutter versucht ihren Sohnemann zu wecken und ihn daran zu erinnern, dass er sein Lied für den Sängerkrieg noch nicht komponiert habe. Doch Lodengrün schnarcht gelassen weiter. Da klopft es an die Tür. Nachbarin Karline schaut herein und erzählt, dass ein dicker Hase vor der Tür sitzt, der dem Direktor Wackelohr verdächtig ähnlich sähe. Mutter Lodengrün schaut skeptisch. Was mag der Direktor wohl bei ihr gewollt haben?

Drittes Bild

Die Festwiese ist für den Sängerkrieg geschmückt. Auf der Tribüne sitzt Hasenkönig Lamprecht VII. mit seiner Tochter, die Sänger ziehen mit Musik ein, inmitten der bunten Schar sind auch der Minister und Direktor Wackelohr. Die beiden Bösewichte tuscheln über ihre betrügerische Hinterlist: von der verstellten Uhr und den 100.000 Hasentalern; derweil seufzt die Prinzessin, dass unter den Sängern nur Fettwänste zu sehen sind. Zum Glück hat Otto Lampe, der Neffe von Karline, dank seiner Ohren, die ein geflüstertes Wort auf zehn Meter Entfernung hören können, die beiden Gauner belauscht. Er rennt zu seiner Tante und berichtet ihr von dem üblen Streich. Und als der König seine Eröffnungsrede hält, wetzt Karline auf ihren Hasenbeinen so schnell sie kann zu Lodengrün. Während das Wettsingen bereits in vollem Gange ist – angefangen von Hyazinth Löffelstein mit seinem dünnen Stimmchen, über der Rumba von Otto Lampe, der die klimpernden Wimpern der Prinzessin besingt, zieht sich Lodengrün flink an, nicht ahnend, dass er schon viel zu spät ist.

Viertes Bild

Schnell schluckt er noch ein Ei, um seinen Hals zu schmieren und hoppelt davon. Sein Lied will er sich auf dem Weg ausdenken, nur ihm will so recht nichts einfallen. Da begegnet ihm Karline und berichtet von der Betrügerei des Direktors Wackelohr und des Ministers. Lodengrün nimmt seine Hasenbeine in die Hand und rennt los. Ob er sich in der Eile noch ein Lied ausdenken kann?

Fünftes Bild

Auf der Festwiese wird nun Direktor Wackelohr als letzter Sänger angekündigt. Von Lodengrün noch keine Spur. Wackelohr beginnt zu knödeln, die Prinzessin befürchtet schon das Schlimmste. Da erscheint Lodengrün, und der Herr Direktor verstummt, er ahnt die Enthüllung der Betrügerei schon voraus. Lodengrün darf – trotz seines späten Erscheinens – sein Lied vortragen, und was er singt, kann dem Minister und Wackelohr nicht gefallen. So schleichen sich die beiden unauffällig von dannen. Unter dem Hasenpublikum macht sich große Empörung über die beiden Halunken breit. Als der König seinen Minister bittet für Ruhe zu sorgen, stellt er fest, dass dieser mit dem Direktor über die Landesgrenze geflohen ist. Und so werden die beiden auf der Stelle von Lamprecht VII. verbannt und Lodengrün wird zum Sieger ernannt. Wie gut, dass es im Märchen gerecht zugeht: am Ende feiern Lodengrün und die Prinzessin glücklich ihre Hochzeit.

Der Dichter der Hasenoper: James Krüss

James Jacob Hinrich Krüss hat sich dieses wunderbare Märchen vom Heidehasenreich ausgedacht. Er wurde am 31. Mai 1926 auf der Nordseeinsel Helgoland geboren und starb am 2. August 1997 auf der spanischen Insel Gran Canaria. Der Leuchtturm auf den Hummerklippen, Mein Urgroßvater und ich, James Tierleben oder Timm Thaler sind eine kleine Auswahl weiterer Werke dieses Geschichtenerzählers, Reimkünstlers und großen Freundes von ABC-Gedichten. Am besten lassen wir ihn selbst zu Wort kommen, wenn es um die Beschreibung seines Lebens geht:

Mein Lebens-ABC

Auf der Insel Helgoland
Bei viel Wasser, Wind und Sand
Zentimeterkurz (kein Held)
Drang ich ein ins Licht der Welt.
Erste Verse reimte ich
Früh schon friesisch – meist für mich.
Gern fuhr ich auch kreuz und quer,
Hummer fangend mit aufs Meer,
Insulaner war ich hier,
Jedenfalls mit viel Pläsier,
Kam jedoch aufs Festland dann,
Lernte fleißig Lehrersmann,
Musste aber mit Gewehr
Noch ein Jahr ins Kriegesheer,
Ohne Pass – der Krieg war aus –
Pilgerte ich dann nach Haus,
Querte Deutschland wochenlang,
Radelnd auch und mit Gesang.
Später, statt als Lehrersmann,
Trat ich dann als Dichter an.
Und was ich so schreib, gefällt
Vielen Kindern auf der Welt.
Wie erfreulich und wie nett!
X, Ypsilon,
Zett.

Wissenswertes über den Sängerkrieg für die großen Kinder

James Krüss schrieb den Sängerkrieg der Heidehasen 1952. Im gleichen Jahr wurde dieses Stück als Hörspiel für den Bayerischen Rundfunk produziert – und berühmt. Die Musik dazu komponierte der 1927 in München geborene Film- und Hörspielkomponist Rolf Wilhelm, der später unter anderem auch für Loriot arbeitete. Man kann Krüss’ ngerkrieg der Heidehasen durchaus als eine gelungene Parodie auf den deutschtümelnden Stoff von Richard Wagners Bühnenwerken Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg und Die Meistersinger von Nürnberg verstehen. Auch die Nähe der Namensschöpfung »Lodengrün« zu Wagners romantischer Oper Lohengrin deutet darauf hin. Somit verspricht der märchenhafte Stoff nicht nur erheiterndes Vergnügen für Klein und Groß zu sein, sondern bietet sich wunderbar als lehrstückhaftes Denkmaterial über den Musikbetrieb an.

Lodengrün singt so schön, dass dem Minister nichts anderes übrig bleibt, als ihn zu loben und ihm die Teilnahme am Sängerkrieg zu erlauben.

Zum Glück hat Otto Lampe, dank seiner Ohren, die ein geflüstertes Wort auf zehn Meter Entfernung hören können, die beiden Gauner belauscht.

Unter dem Hasenpublikum macht sich große Empörung über die beiden Halunken breit.

James Krüss war ein leidenschaftlicher Inselbewohner.

Mit dem Hörspiel Sängerkrieg der Heidehasen hatte James Krüss 1952 großen Erfolg.

Eine späte, aber wichtige Entdeckung

Ein Gespräch mit Thomas Leyendecker, der heute in Personalunion als Moderator, philharmonischer Posaunist und Direktor Wackelohr auf die Bühne tritt.

Bevor Sie die Idee zum Sängerkrieg der Heidehasen hatten, bei dessen heutiger Aufführung Sie nicht nur moderieren, sondern auch gleich noch den Direktor Wackelohr spielen werden, haben sie die Posaune kennengelernt. Wie kam es zu dieser erfolgreichen Beziehung?

Thomas Leyendecker: Ich wollte in der fünften Klasse unbedingt ein richtiges Instrument lernen. Das Blockflötenspiel war mir, um ehrlich zu sein, ein bisschen langweilig geworden. Bei uns in der Schule konnte man sich Instrumente ausleihen, und es gab noch eine Geige, ein Fagott und eine Posaune. Geige erschien mir irgendwie zu uninteressant, Fagott konnte ich mir nicht vorstellen. Die Posaune hingegen kannte ich von den Bigband-Schallplatten meines Vaters, und da sie zudem groß und eindrucksvoll war, habe ich sie einfach in die Hand genommen und seither, wenn Sie so wollen, nicht mehr losgelassen.

Wie sind Sie zu der Auswahl des Sängerkriegs der Heidehasen gekommen?

Ich habe diese schöne Hasenoper nicht als Kind kennengelernt, sondern erst, als ich schon 22 Jahre alt war. Ich war damals bei einem Freund zu Besuch, der zwei kleine Schwestern im Alter von zwei und sechs Jahren hatte. Wir saßen zusammen im Auto, und es lief gerade die Kassette vom Sängerkrieg der Heidehasen. Und obwohl wir schon am Ziel waren, haben wir sie uns zu Ende angehört und uns wunderbar amüsiert.

Was hat Sie an der Hörspielfassung des Sängerkriegs der Heidehasen so begeistert?

Ich finde allein die Idee von einem Sängerkrieg im Heidehasenreich fabelhaft. Im Prinzip ist das ja Wagners Tannhäuser, einmal durch den Wolf gedreht und gleichzeitig eine Märchenhandlung, modern wiedergegeben. Mit dieser soziokulturellen Struktur des Ministers und der ernsthaften Intrige um die Heidehasenprinzessin (allein der Begriff »Heidehasenprinzessin« ist ja schon großartig) liefert es den perfekten Opernstoff.

Auch die Musik von Rolf Wilhelm ist einmalig. Andererseits ist sie auch sehr in ihrer Zeit verhaftet, denn heute käme kein Mensch mehr auf die Idee, eine Rumba als Preislied zu schreiben. Aber in den 1950er-Jahren, zu Zeiten von Heinz-Ehrhardt-Filmen, war das noch gebräuchlich. Der Sängerkrieg der Heidehasen lebt unglaublich von der Musik und von der Sprache seiner Zeit.

Ist das Stück denn noch zeitgemäß?

Die Geschichte wird immer aktuell sein, denn die Figuren sind Archetypen mit Märchencharakter und als solche zeitlos. Deshalb müssen sie in unserer Aufführung auch Hasen bleiben, denn sonst wäre es kein Märchen mehr, sondern die Seifenoper Gute Zeiten, schlechte Zeiten.

In der alten Hörspielfassung von 1952, mit der Musik von Rolf Wilhelm, gibt es keine konkreten Anspielungen an Wagner. Unter welchen Aspekten haben Sie die Auswahl der Musik für den Sängerkrieg getroffen?

Ich habe mir Musik aus Opern und anderen Stücken ausgesucht. Keinen Firlefanz, sondern gute Orchester- oder Opernmusik, wie Meistersinger und Tannhäuser; danach schreit der Sängerkrieg der Heidehasen ja förmlich. Überdies haben wir ja eine opernhafte Handlung, sprich: ein bisschen an den Haaren herbeigezogen und mit Konflikt. Das Märchen besteht aus fünf Akten und einem retardierendem Moment, der Szene, die bei Lodengrün zu Hause spielt. Das verlangt schlichtweg nach einer Opernumrahmung. Und da habe ich gedacht, man könnte den Kindern ruhig auch echte Opernmusik vorsetzen.

Werden wir die Berliner Philharmoniker beim Familienkonzert singen hören?

Wir haben die Musik beim Sängerkrieg der Heidehasen dahingehend verändert, dass wir statt der Gesangseinlagen lieber instrumental auftreten. Die Idee, zu singen, ist zwar sehr schön, aber ich denke, es ist letztlich doch reizvoller für das Publikum, uns spielen zu hören. (lacht) Das heißt, der Sängerkrieg wird zum Musikantenwettstreit.

Wie darf man sich dann Ihr Heidehasenreich musikalisch vorstellen?

Wir haben uns, was die Besetzung betrifft, für ein Salonorchester entschieden und die ausgewählte Musik sehr reduziert und fragmentiert; ich habe alles dementsprechend bearbeitet. Ein Salonorchester hat sich wegen seiner Variabilität angeboten. Dafür brauche ich ein Streichquartett und ein paar Bläser, um zum Beispiel Haydns Kaiserquartett spielen zu können. Ich benötige auch mindestens vier Bläser, damit ich jeden beliebigen Akkord setzen kann. Das Klavier ist unser Rettungsanker für Harmonien, die uns trotz der Besetzung fehlen. Und mir gefiel die Idee, Kinder mit einzubeziehen. Sie werden als Chor auftreten und die Moritaten singen, also eigentlich durch das Stück führen.

Sie treten als Direktor Wackelohr auf, Sie haben alles musikalisch bearbeitet, haben sich Bühnenbild und Requisiten ausgedacht – und nun moderieren Sie auch noch die Aufführung.

Eigentlich ist der Sängerkrieg wie ein Barockdrama. Die Handlung wird in den Moritaten der ursprünglich vorgesehenen Drehorgelsänger vorangetragen. Nun dachten wir, dass für das kleine Publikum noch eine Moderation zur Verdeutlichung nötig ist, so als eine Art Rettungsanker. Also bin ich auch noch der Moderator.

Ihre Mitstreiter und Sie spielen nun im Salonorchester und haben die Rollen der einzelnen Figuren übernommen. Wie wird das praktisch umgesetzt?

Wir sitzen grundsätzlich im Salonorchester und spielen. Und wenn wir auftreten müssen, treten wir drei Schritte vor und weisen uns mit ein oder zwei Requisiten in der Rolle aus. Also mit Hasenöhrchen und Hasenschwänzchen.

Wie haben Sie für die einzelnen Figuren die Instrumente gefunden?

Zum Beispiel wird die Hasenprinzessin von der Cellistin gespielt, und Lodengrün ist ein Trompeter. Das passt so schön, weil sie am Ende ein Duett miteinander haben – und Violoncello und Trompete klingen zusammen einfach sehr gut.

Und was passiert musikalisch in den einzelnen Moritaten?

In diesem Fall habe ich die Texte und die Melodie der Originalmoritaten belassen und nur passend zu jeder Szene vier verschiedene Begleitorchestersätze geschrieben. Bei der Liebesszene beispielsweise spielen nur die Streicher, und zu Beginn spielen alle »volle Möhre« zusammen.

Welche ist denn Ihre Lieblingsheidehasenfigur?

Ich finde den Minister – der bei uns in der Philharmonie Senator heißen wird, weil es in Berlin keine Minister, sondern nur Senatoren gibt – eigentlich ziemlich klasse. Als Gestalt im Heidehasenreich finde ich diesen fiesen, ekligen Politiker ziemlich witzig. Und dass es unter den Heidehasen ziemliche Pappsäcke gibt – wie bei uns –, ist doch lustig.

Wie sieht es denn im Heidehasenreich aus?

Das Märchen spielt im Tiergarten in Berlin, ganz eindeutig, auf der Kaninchenwiese.

Text und Interview: Christine Mellich

Zukunft@BPhil ist die von der Deutschen Bank ermöglichte Initiative der Berliner Philharmoniker mit dem Ziel, die Arbeit des Orchesters und seine Musik einem möglichst breiten Publikum zugänglich zu machen.

»Die Posaune ist groß und eindrucksvoll, da habe ich sie einfach in die Hand genommen und bis heute nicht mehr losgelassen.»

»Im Prinzip ist das ja Wagners Tannhäuser«, einmal durch den Wolf gedreht und gleichzeitig eine Märchenhandlung, modern wiedergegeben.«

»Die Idee, zu singen, ist zwar sehr schön, aber ich denke, es ist letztlich doch reizvoller für das Publikum, uns spielen zu hören.«

»Das Violoncello und die Trompete klingen zusammen einfach sehr gut.«

»Als Gestalt im Heidehasenreich finde ich diesen fiesen, ekligen Politiker ziemlich witzig.«

Newsletter-Service Regelmäßig informiert über das aktuelle Programm und Highlights aus der Welt der Philharmoniker.

Alle Veranstaltungen in der Philharmonie finden Sie auch auf:

Berliner Bühnenzu berlin-buehnen.de