Berliner Philharmoniker

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3. Familienkonzert - Frühlingszeit

Aleksandar Ivić Violine und Moderation

Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Frühling und Sommer aus Antonio Vivaldis Die vier Jahreszeiten

Termine und Tickets

Sa, 28. Apr. 2012 14:30 Uhr

Kammermusiksaal

Sa, 28. Apr. 2012 16:30 Uhr

Kammermusiksaal

Über die Musik

Die vier Jahreszeitenop. 8 von Antonio Vivaldi

Der Frühling und der Sommer

Einen Zyklus aus vier Konzerten für Solo-Violine, Streicher und Basso continuo – je eins für jede Jahreszeit – schrieb Antonio Vivaldi und bezeichnete selbst seine Komposition als ein »Wagnis mit Harmonie und Einfall«. Über die Entstehungszeit von Le quattro stagioni, so lautet ihr italienischer Originaltitel, ist leider fast nichts bekannt. Immerhin wissen wir so viel, dass sie etwa um 1725 im Druck erschienen. Jedes der vier Concerti besteht aus drei Sätzen: einem schnellen, einem langsamen und wieder einem schnellen Satz. Aber wenn man die vier Konzerte heute hört, dann empfindet man sie weniger als Wagnis denn als äußerst kraftvolle, ausdrucksstarke und fast moderne Musik.

Dass Vivaldi seiner Komposition ein Programm, nämlich die vier Jahreszeiten, zugrunde legte, das war für die damalige Zeit allerdings durchaus ein Wagnis. Dieses Programm fand seinen literarischen Ausdruck in vier beigelegten Sonetten (ein Sonett ist ein kunstvolles Gedicht, das immer gleich aufgebaut ist: 2 x 4 Zeilen und 2 x 3 Zeilen), die Vivaldi vermutlich selbst verfasst hat. Der Komponist hat die Bilder, die beim Lesen der Sonette entstehen, dann mittels der Musik ausgedrückt. Dabei hielt er sich zwar an die kompositorischen Regeln der damaligen Zeit – des sogenannten Barock –, aber manchmal brach er auch ein wenig mit ihnen, um seine Fantasie besser zum Klingen bringen zu können. Gewidmet hat Vivaldi seine Vier Jahreszeiten dem böhmischen Grafen Wenzel von Morzin.

Der Frühling

Zu Beginn des Konzerts lässt Vivaldi die Geigen wie die Vögel zwitschern. Anschließend ahmen alle Instrumente das Murmeln eines Baches nach. Diese heitere Frühlingsstimmung wird dann völlig unerwartet durch ein kurzes heftiges Gewitter unterbrochen. Wilde Tremoli (das sind rasche Tonwiederholungen) der Streicher erzeugen ein wahrhaftes Donnergrollen und die Blitze stellt Vivaldi mittels abrupter, aufwärts gerichteter Zweiunddreißigstel-Figuren dar.

Von einem schlafenden Hirten und seinem treuen Hund erzählt uns Vivaldi im zweiten Satz. Man hört eine zarte Hirtenmelodie in der Geige, die sich vom Murren des Hundes (eine Tonwiederholung im Rhythmus einer Achtel und dann folgenden Viertel) in der Viola nicht irritieren lässt. Die friedliche Stimmung bleibt.

Im dritten Satz spielt die Solo-Violine mit Begleitung des Orchesters zum Frühlingsfest auf. Zwischendurch meint man, einen Dudelsack zu hören, der von der Basso-continuo-Gruppe nachgeahmt wird.

Der Sommer

Ganz anders, als man es erwarten würde, herrscht in diesem Konzert eine eher düstere Grundstimmung. In der drückender Hitze erklingt ab und an der Ruf des Kuckucks. Wolken ziehen auf, der Hirte klagt sein Leid und fürchtet sich vor den aufkommenden Stürmen. Von seinen Ängsten erzählt die Solo-Violine mit einer traurigen Melodie.

Mit aufgeregten Tönen kündigt die Solo-Violine im zweiten Satz das drohende Unwetter an und wird dabei immer wieder von dem schon bekannten Donnergrollen in den Streichern unterbrochen. Im Hintergrund kann man das Surren der lästigen Fliegen und Mücken vernehmen.

Im dritten Satz werden dann alle Befürchtungen bestätigt: Ein gewaltiges Unwetter mit Sturm und Donnerschlag bricht los. Dichte Tremolofiguren und starke Akzente in allen Instrumenten leiten diese wilde Musik ein. Die Anspannung wird noch erhöht, indem Vivaldi einen Takt lang eine dramatische Pause setzt, bevor es dann richtig losgeht und dramatisch auf- und abwärtsrasende Läufe den Hörern wie Wind und Wetter um die Ohren fegen.

Die Sonette

Der Frühling
Der Frühling ist gekommen, und freudig
begrüßen ihn die Vögel mit ihrem frohen Lied,
während die Quellen unter Zephirs Atem
mit süßem Rauschen dahinfließen.

Die Luft mit einem schwarzen Umhang bedeckend,
kommen Blitz und Donner, um ihn anzukünden;
sobald sie schweigen, kehren die Vögelchen
aufs Neue zurück zu ihrem zauberhaften Gesang.

Und schon schläft auf der in voller Blüte stehenden Wiese
zum frohen Rauschen der Blätter und Pflanzen
der Ziegenhirte mit dem treuen Hund an seiner Seite.

Zu dem festlichen Klang des Dudelsacks
tanzen Nymphen und Hirten unterm Himmelszelt
zum glanzvollen Erscheinen des Frühlings.

Der Sommer
In der harten Jahreszeit, bei gleißender Sonne
schmachten Menschen und Herde, und die Pinie verbrennt;
der Kuckuck erhebt seine Stimme, und bald erklingt auch
der Gesang von Turteltaube und Stieglitz.

Der Zephir weht sanft, aber plötzlich
beginnt der Nordwind einen Streit mit seinem Nachbarn;
und der Hirte weint aus Furcht
vor dem aufziehenden heftigen Gewitter und um sein Schicksal.

Seine müden Glieder werden aus der Ruhe herausgerissen
aus Angst vor furchtbarem Blitz und Donner
und durch einen rasenden Schwarm von Fliegen und Brummern.

Ach, wie bald seine Ängste doch wahr werden:
der Himmel donnert und blitzt, und riesige Hagelkörner
schlagen die Ähren der reifen Getreidehalme ab.

Der Generalbass oder auch Basso continuo in der Barockmusik

Der Generalbass ist nicht etwa ein strenger Herr, der allen sagt, wo es langgeht, sondern eine musikalische Besonderheit in der Barockmusik. Nicht nur für Vivaldi, sondern auch für sehr viele andere Komponisten, die zur damaligen Zeit lebten, z. B. Georg Friedrich Händel (1685 – 1759), Heinrich Schütz (1585 – 1672), Claudio Monteverdi (1567 – 1643), Jean-Baptiste Lully (1632 – 1687) und natürlich Johann Sebastian Bach (1685 – 1750), spielte der Basso continuo eine besonders wichtige Rolle. Daher bezeichnet man diesen Zeitabschnitt der Musikgeschichte auch als das Generalbasszeitalter. Die beiden italienischen Wörter »basso continuo» bedeuten fortlaufender oder ununterbrochener Bass.

Um zu verstehen, was ein Generalbass ist, stelle man sich ein wunderschönes Barockschloss mit gestickten Wandteppichen und Gemälden, Himmelbetten, goldbemaltem Thron, mit kostbaren Möbeln und reich verziertem Porzellan vor. Dieser prunkvolle Ort wäre die Musik. Damit das Schloss aber auch fest und sicher steht und nicht wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt, bedarf es eines starken Grundsteins oder Fundaments und dicker, robuster Mauern. Und so wie der Grundstein und die Mauern das Schloss zusammenhalten, so hält auch der Generalbass die (barocke) Musik zusammen. Er bildet das harmonische Gerüst. Ohne ihn würde die Musik auseinanderbrechen.

Gespielt wird der Basso continuo von den tiefsten Stimmen des Orchesters. Diese sogenannte Basslinie kann man sehr gut hören. Zu dieser melodischen Linie haben die Komponisten Ziffern notiert, die für bestimmte Akkorde stehen, die dazu erklingen sollen. Sie unterstützen die Melodie des Werks harmonisch und rhythmisch. Bei Vivaldis Vier Jahreszeiten gibt es gleich eine ganze Basso-continuo-Gruppe. Für den Generalbass können unterschiedliche Instrumente verwendet werden, vor allem aber solche, die Akkorde spielen können, wie die Orgel oder das Cembalo. Sie werden dann meistens noch von einem Streich- oder Blasinstrument unterstützt, zum Beispiel der Viola da Gamba, dem Violoncello, der Violone, dem Fagott oder der Posaune.

Zwei typische Vertreter aus der Basso-continuo-Gruppe: das Violoncello und das Cembalo

Das Violoncello gehört zur Familie der Streichinstrumente und ist nach dem Kontrabass das zweittiefste Familienmitglied. Beim Spielen wird es zwischen den Knien gehalten und steht dabei auf einem Stachel. Mit den Wirbeln (sie befinden sich am Wirbelkasten) werden die vier Saiten des Violoncellos gehalten und gestimmt. Diese laufen über einen Steg und können entweder gezupft oder von einem Bogen gestrichen werden.

Das Cembalo gehört zur Familie der Tasteninstrumente. Es hat die Form eines Flügels und ist ein Vorläuferinstrument zu unserem heutigen Klavier. Allerdings hat es eine Zupfmechanik. Im Gegensatz zum Klavier, wo beim Niederdrücken der Tasten Hämmerchen gegen die Saiten schlagen und sie so zum Klingen bringen, werden beim Cembalo die Saiten mit Federkielen oder Metallhäkchen angerissen. Diese Tonerzeugung führt zu einem besonders silbrigen Ton.

Aleksandar Ivi?, Solist und Moderator des Familienkonzerts, berichtet von den Proben

Was geht Ihnen durch den Kopf, kurz bevor Sie am Konzerttag die Bühne betreten?
Meistens bin ich zu nervös, um Gedanken zu haben.

Hatten Sie vor den Proben genaue Vorstellungen, wie Die vier Jahreszeiten klingen sollen?
Zum Teil schon, aber vieles entsteht auch erst in den Proben.

Was ist Ihnen bei einer Aufführung von Die vier Jahreszeiten besonders wichtig? Was ist Ihre künstlerische Botschaft?
Meine künstlerische Botschaft lautet: »Hört zu, wie toll diese Musik ist!«

Auf welche Art und Weise proben Sie und die anderen Musiker den Frühling und den Sommer aus Antonio Vivaldis Vier Jahreszeiten?
Wir treffen uns einige Tage vor dem Konzert und arbeiten zunächst an musikalischen Details der Concerti. Danach üben wir den Ablauf des Konzerts mit der Moderation und den musikalischen Beispielen, die wir für das Familienkonzert ausgesucht haben.

Und wie ist die Stimmung bei den Proben?
Lustig, entspannt und professionell-knapp (die Zeit ist immer knapp...). Aber es gibt durchaus auch Zeit für musikalische Ideen und Anregungen zur Moderation von den einzelnen Musikern.

Wie lange proben Sie vor einer Aufführung?
Wir haben drei bis vier Proben und jede dauert etwa drei Stunden.

Sie haben erwähnt, dass Sie vor dem Konzert nervös sind. Was machen Sie dagegen?
Ich bin nicht immer nervös. Aber vor dem Familienkonzert sehr. Einerseits wegen meines solistischen Auftritts und andererseits wegen der ungewohnten Moderation.Aber gegen Nervosität KANN man nichts machen, also lasse ich es. Ich kenne diese Nervosität ja schon, und man entwickelt eigentlich keine »Techniken« dagegen, sondern man sammelt Erfahrungen. Und diese Erfahrungen haben gezeigt, dass meine Spiel auf der Geige letztlich immer ganz gut klappt. Also nutze ich die Aufregung als »Doping« und das Schöne daran ist: es funktioniert!

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn das Konzert vorbei ist und das Publikum applaudiert?
Wenn ich das Gefühl habe, dass ich wirklich gut gespielt habe, unabhängig vomPublikumserfolg, dann genieße ich den Applaus in vollen Zügen. Wenn ich hingegen unzufrieden mit mir selbst bin, dann hilft auch kein Applaus; er ist zum Teil sogar unerträglich, weil ich dann denke, dass die Leute keine Ahnung haben...

Christine Mellich

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