Berliner Philharmoniker

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Familienkonzert – Die 12 Cellisten öffnen ihre Notenkisten

Familienkonzert – die 12 Cellisten öffnen ihre Notenkisten

Feurig, witzig, jazzig und manchmal auch hemmungslos gefühlvoll: So spielen sich die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker durch die musikalische Weltliteratur. Jetzt präsentieren sie in einem Familienkonzert Highlights ihres Repertoires.

Die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker

Sarah Willis

Volker Eisenach

Juan Tizol/Duke Ellington

Caravan (Bearbeitung von Wilhelm Kaiser-Lindemann)

Wilhelm Kaiser-Lindemann

»Die 12 in Bossa-nova« (Variações brasileiras)

Maurice Vandair/Henri Bourtaye

Fleur de Paris (Bearbeitung von Ludwig Quandt)

Jorge Ben

Mas que nada (Bearbeitung von Walter Despalj)

Dmitri Schostakowitsch

Walzer Nr. 2 aus der Suite für Varieté-Orchester (Bearbeitung von David Riniker)

Spiritual

Let my people go (Bearbeitung von Wilhelm Kaiser-Lindemann)

Joseph Annegarn

Lasst uns froh und munter sein (Bearbeitung von David Riniker)

Henry Mancini

The Pink Panther (Bearbeitung von Wilhelm Kaiser-Lindemann)

Terry Gilkyson

»The Bare Necessities« aus The Jungle Book (Bearbeitung von Wilhelm Kaiser-Lindemann)

Termine

Sa, 03. Dez. 2011 16 Uhr

Philharmonie

Live-Übertragung

Über die Musik

Musikalische Schätze aus aller Welt

Die 12 Cellisten öffnen ihre Notenkisten

Liebe kleine und große Freunde der Musik, heute werdet ihr von den 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker und einer ganzen Menge Überraschungsgästen musikalisch auf den Winter und die Weihnachtszeit eingestimmt. Durch das Konzert begleitet euch Sarah Willis, Hornistin der Berliner Philharmoniker.

Eines Tages hatten die 12 Cellisten die Idee, ein Familienkonzert gemeinsam mit ihrer Kollegin von den goldrundgeschwungen Blechbläsern zu gestalten. Sarah Willis freute sich darüber sehr, denn sie mag die 12 Cellisten und auch die Familienkonzerte ganz besonders gerne. Also klappten die Cellisten zusammen mit Sarah ihre Notenkisten auf und kramten und blätterten so lange, bis sie schließlich diese wunderbaren, unterschiedlichen Stücke aus aller Herren Länder aufstöberten, die ihr heute hören werdet. Ein ganz kleines Geheimnis darf dabei verraten werden: Sarah und die 12 Cellisten haben dieses Familienkonzert schon einmal in London ausprobiert, und die Kinder dort waren ziemlich begeistert.

Seit 40 Jahren musikalisch unterwegs

Ein Wunder ist das nicht. Dass sich die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker gefunden und gegründet haben und seit fast 40 Jahren auf der ganzen Welt musizieren und gefeiert werden, ist etwas ganz Besonderes. Sie spielen nicht nur klassische Musik, die dann extra für diese Besetzung arrangiert wird, sondern auch Jazz oder Tango. Weil sie besonders gut spielen, haben es sich einige sehr namhafte Komponisten unserer Zeit nicht nehmen lassen, Werke speziell für die 12 Cellisten zu komponieren. Kein Wunder, dass selbst der japanische Kaiser sie immer wieder hören möchte und sie in sein Land einlädt.

Die Komponisten der Werke, die heute auf dem Programm stehen, stammen aus Brasilien, den USA, Russland, Frankreich und Deutschland. Gleich zu Anfang dieser musikalischen Weltreise, wenn ihr das Stück Caravan von Juan Tizol und Duke Ellington hört, könnt ihr erleben, wie unterschiedlich man auf einem Violoncello spielen kann. Dann werden die 12 Cellisten euch mit einem brasilianischen Tanz, dem Bossa Nova verzaubern, den ein sehr guter Freund von ihnen, Wilhelm Kaiser-Lindemann, eigens für sie komponiert hat. Bossa Nova ist portugiesisch und heißt »Neue Welle«, da kann man sich fast denken, dass die Musik sehr temperamentvoll ist, und genau so wird sie dann auch gespielt. »Uhh!« Natürlich gibt es noch einige andere musikalische Kostbarkeiten zu genießen: ein Besuch im wunderschönen Paris (Fleur de Paris von Maurice Vandair und Henri Bourtayre), eine Begegnung mit einem amerikanischen Gospelsänger, der euch einlädt, bei dem Song »Let my people go« kräftig mitzusingen.

Zum Mitsingen und mithören

Apropos Singen! Es ist Dezember, Weihnachten steht vor der Tür: So richtig laut mitschmettern solltet ihr bei dem Weihnachtslied »Lasst uns froh und munter sein«. Den Text für drei Strophen und den Refrain könnt ihr hier nachlesen. Der Refrain besteht aus den beiden Zeilen »Lustig, lustig, traleralera! Bald ist Niklausabend da, bald ist Niklausabend da!«, die nach jeder Strophe gesungen, also ganz schön oft wiederholt werden. Viele von euch kennen vielleicht noch mehr als drei Strophen. Trällert nur recht laut, damit der Nikolaus es auch hören kann.

Im Mittelpunkt des heutigen Familienkonzerts steht ein Werk von Dmitri Schostakowitsch, nämlich der Walzer Nr. 2 aus der Zweiten Jazz-Suite. Schostakowitsch schrieb dieses Stück im Jahre 1938. Er war von oberster Stelle gebeten worden, den Jazz, der ja eigentlich in Amerika beheimatet war, auf anspruchsvolle Art und Weise auch in seiner Heimat, der damaligen Sowjetunion, beliebt zu machen. Und was tat der junge Komponist? Typisch jazzig klang die von ihm verfasste Jazz-Suite mit ihren acht Teilen eigentlich nicht. Und auch der Walzer daraus ist zwar recht schwungvoll, dass er euch bestimmt nicht mehr aus dem Kopf gehen wird, aber gleichzeitig klingt er auch irgendwie schwermütig. Sicher werdet ihr euch fragen, wie das denn zusammen passt. Damit ihr verstehen könnt, warum Schostakowitsch kein Mensch war, der einfach so einen leichtfüßigen, beschwingten Walzer komponieren konnte, sollt ihr ein wenig über sein Leben erfahren.

Ein bisschen Traurigkeit ist immer dabei

Dmitri Schostakowitsch, liebevoll Mitja genannt, wurde am 25. September 1906 in Sankt Petersburg geboren und lebte nicht nur als Kind und Jugendlicher in einer politisch sehr turbulenten und gefährlichen Zeit. In Mitjas Kindheit war es in den betuchteren Familien von Sankt Petersburg üblich, Hausmusik zu machen, und so kam er in seinem Elternhaus bereits sehr früh mit Musik in Berührung. Als er neun Jahre alt war, begann seine Mutter, selbst eine begabte Pianistin, ihm Klavierunterricht zu erteilen. Im selben Jahr besuchte er dann zum ersten Mal die Oper und sah Das Märchen vom Zaren Saltan des Komponisten Nikolai Rimsky-Korsakow. Er war so begeistert und hingerissen, dass er sofort versuchte, selbst eine Oper zu komponieren.

Als Mitja elf Jahre alt war, brach die Russische Revolution aus und veränderte das Leben der Familie Schostakowitsch von Grund auf. Eines Tages, Mitja spielte mit seinen Freunden auf der Straße, musste er mit ansehen, wie ein junger, demonstrierender Arbeiter vor seinen Augen von der Polizei erschossen wurde. Dieses schlimme Ereignis erschütterte den sensiblen Jungen zutiefst; sein Leben lang konnte er es nicht vergessen.

Was ihn tröstete, war die Musik, und zu seinem Glück wurde Mitja schon mit 13 Jahren Student am Konservatorium seiner Heimatstadt. Er nahm dieses Studium mit Begeisterung auf, und das trotz der schwierigen und ärmlichen Lebensbedingungen, die der politische Wandel mit sich gebracht hatte. Es gab kein Geld für die Heizung, und so saß Dmitri mit seinem Professor im Mantel, Schal und Handschuhen mit abgeschnittenen Fingerspitzen am Klavier und übte. Auf der Straße hörte man Menschen sagen: »Wir leben gerade von unserem Flügel« oder: »Uns erhalten die Vorhänge aus unserem Schlafzimmer und Vaters alte Uhr am Leben«. Tatsächlich hatten die Menschen kaum Geld, Lebensmittel waren mehr als knapp und wurden streng zugeteilt, z. B. standen den Einwohnern von St. Petersburg monatlich nur vier Löffel Zucker zu. Es konnte sogar vorkommen, dass die Suppen in den Garküchen aus Rattenfleisch zubereitet wurden. Als nun aber im Februar 1922, Mitja war 16 Jahre alt, der Vater plötzlich erkrankte und kurz darauf starb, befand sich die Familie abgesehen von der unendlichen Trauer, die alle erfasste, am existenziellen Abgrund. Und so beschloss Mitja im folgenden Jahr, sein Musikstudium auf Eis zu legen und stattdessen in einem Stummfilmkino als Pianist zu arbeiten, um seine Familie zu ernähren.

Komponieren unter schwierigsten Bedingungen

Dass Dmitri Schostakowitsch später einer der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts sein und großartige Opern, 15 Symphonien sowie eine Unmenge an Kammermusikwerken schreiben würde, wird er sich damals kaum vorgestellt haben. Denn politisch kam seine Heimat einfach nicht zur Ruhe. Es folgte der unbeschreiblich grausame Zweite Weltkrieg, und auch danach wurde Schostakowitsch politisch massiv unter Druck gesetzt. Erst an seinem Lebensabend waren ihm ein wenig Ruhe und ein Hauch von persönlicher Sicherheit vergönnt. Aber dieses durchaus beschwerlich zu nennende Leben von Dmitri Schostakowitsch soll euch nicht traurig stimmen. Vielmehr soll es euch zeigen, wie gut es uns doch hier geht, ohne Krieg, ohne Hunger, ohne Unterdrückung. Und dann spielen auch noch die wunderbaren 12 Cellisten diesen herrlichen Walzer, zu dem man, wie ihr feststellen werdet, ganz hervorragend tanzen kann. Lasst euch also von Musik und Tanz bezaubern, und hinein ins Schneeflockenreich tragen.

Ganz zum Schluss wird es auf der Bühne dann sogar noch richtig tierisch: Ein berühmter rosa Panther schleicht um die Ecke, aber keine Angst – er ist ganz und gar ungefährlich. Und ihr dürft – leider nur in eurer Fantasie – auf einem kuschelweichen Bärenbauch in einem warmen Dschungelsee schwimmen und ein kleines Lied von der Gemütlichkeit brummen.

Über das Violoncello

Natürlich muss in einem Programmheft wie diesem auch etwas über das Instrument stehen, dass ihr heute vor allem hören werdet, nämlich das Violoncello. Meistens spricht man vom Cello, auch wenn das Violoncello gemeint ist – vermutlich aus reiner Bequemlichkeit. Das Cello ist, nach dem Kontrabass, das zweitgrößte Streichinstrument; auf Rang drei und vier liegen Bratsche und Violine. Man spielt es im Sitzen, und fast sieht es aus, als würde man es umarmen. Dabei steht es auf dem sogenannten Stachel, damit es dem Spieler nicht wegrutscht. Das Cello besitzt eine ungemein reiche Klangfülle: Man kann auf ihm sehr tiefe, aber auch sehr hohe Töne spielen. (Musiker sagen gern schmunzelnd, dass diese Töne »im ewigen Schnee« liegen.) Viele Menschen finden, dass von allen Instrumenten das Violoncello der menschlichen Stimme am meisten ähnelt und finden seinen Klang deswegen besonders schön.

Natürlich hat das Cello auch Saiten, vier Stück an der Zahl, die über einen Steg laufen und mit einem Bogen oder den Fingern zum Klingen gebracht werden. Am oberen Ende ist das Cello mit einer Schnecke verziert; unterhalb davon befindet sich der Wirbelkasten mit den vier Wirbeln, an denen die Saiten befestigt sind, und mit denen das Instrument gestimmt wird.

Interview: Wie es sich anfühlt, Cello zu spielen

Knut Weber ist einer der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker und hat sich die Zeit genommen, einige Fragen zu beantworten.

Habt Ihr auch Lust bekommen, Cello zu lernen und zu spielen? Bis eure erste Unterrichtsstunde anfängt, könnt ihr euch mit einem selbstgebastelten, stummen Cello trösten.Nehmt ein sehr großes, dickes Stück Pappe oder Styropor und schneidet die Form eines Cellos aus. Dann malt mit dunkler Farbe die F-Löcher und das Griffbrett auf. Den Rest von eurem Cello-Körper könnt ihr nach Belieben bemalen. Rosa oder Rot, mit Blumen oder Mäusen, mit Noten oder Piratenköpfen, ganz wie es euch gefällt.

Vielleicht bekommt ihr dazu auch Anregungen im Familienkonzert. Wer weiß ...

Christine Mellich

Mit ihrem Education-Programm möchten die Berliner Philharmoniker ihre Arbeit und ihre Musik einem möglichst breiten Publikum zugänglich machen. Ermöglicht wird diese Initiative von der Deutschen Bank.

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