Berliner Philharmoniker

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Kammermusik

Philharmonischer Salon: Goethe in Berlin

Johann Wolfgang von Goethe kam 1778 nur ein einziges Mal nach Berlin. Und die Stadt gefiel ihm gar nicht. Der Philharmonische Salon lässt das Publikum an Goethes Eindrücken von und Gedanken über Berlin teilhaben und gibt darüber hinaus einen Einblick in das Geistesleben jener Zeit. Die Gäste des Salons sind der Schauspieler Stefan Kaminski, der Bariton Dietrich Henschel, die Pianistin Cordelia Höfer, Mitglieder der Berliner Philharmoniker und das Wiener Glasharmonika Duo.

Stefan Kaminski Sprecher

Dietrich Henschel Bariton

Wiener Glasharmonika Duo

Christa Schönfeldinger Glasharmonika, Gerald Schönfeldinger Verrofon

Cornelia Gartemann Violine

Julia Gartemann Viola

David Riniker Violoncello

Jelka Weber Flöte

Cordelia Höfer Hammerklavier

Götz Teutsch Programmgestaltung

Goethe in Berlin

Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn, Franz Schubert, Carl Philipp Emanuel Bach, Johann Friedrich Reichardt, Carl Friedrich Zelter, Johann Gottlieb Graun, Johann André, Johann Gottlieb Naumann, Andreas Romberg u. a.

Texte von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Nicolai, Johann Gottfried Herder, Ulrike Eichhorn, Karl Voss, Charles Burney, Anna Louisa Karsch und Otto Pniower

Termine und Tickets

Verkaufshinweise

So, 05. Jun. 2016 16 Uhr

Kammermusiksaal

Einführung: 15:00 Uhr

So, 12. Jun. 2016 16 Uhr

Kammermusiksaal

Einführung: 15:00 Uhr

Programm

Johann Wolfgang von Goethe kam nur ein einziges Mal nach Berlin. Im Mai 1778 begleitete der damals 28-Jährige als Legationsrat seinen Landesherrn Herzog Carl-August von Sachsen-Weimar in die preußische Metropole. Und die Stadt gefiel ihm gar nicht. Auch mit den Berlinern, die er als »verwegenen Menschenschlag« bezeichnete, hatte er seine Schwierigkeiten. Gleichwohl meinte er anerkennend: »Das Völkchen besitzt viel Selbstvertrauen, ist mit Witz und Ironie gesegnet und nicht sparsam mit diesen Gaben.«

Nach diesem Besuch konnte er sich trotz zahlreicher Einladungen nicht mehr zu einer Reise nach Berlin entschließen. Dennoch gab es einen regen Austausch zwischen dem Dichter und Berliner Geistesgrößen. So verband ihn eine lebenslange Freundschaft mit den Komponisten Carl Friedrich Zelter und Johann Friedrich Reichardt. Der junge Felix Mendelssohn Bartholdy, Sohn des Berliner Bankiers Abraham Mendelssohn Bartholdy, beeindruckte den alten Goethe in Weimar mit seinem musikalischen Talent so stark, dass er diesen als neuen Mozart bezeichnete.

Götz Teutschs Philharmonischer Salon lässt das Publikum nicht nur anhand von zeitgenössischen Briefen und Texten, die von dem Schauspieler Stefan Kaminski gelesen werden, an Goethes Eindrücken von und Gedanken über Berlin teilhaben, sondern gibt darüber hinaus einen Einblick in das Geistesleben jener Zeit. Für den musikalischen Rahmen sorgen der Bariton Dietrich Henschel, die Pianistin Cordelia Höfer, Mitglieder der Berliner Philharmoniker und das Wiener Glasharmonika Duo.

Über die Musik

Hörwelt Berlin 1778

Klänge einer vergangenen Zeit

Es braucht schon einiges an Fantasie, um sich die Lebenswelten an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert vorzustellen: Wie sahen die Städte und Landstraßen aus? Wie bewegten sich die Menschen von hier nach da? Was sah man, wenn man aus dem Fenster auf belebte Straßen blickte? Wie schmeckte jenes neuartige Knollengewächs namens Kartoffel? Was aß man üblicherweise? Wie kleidete man sich? Wie roch es in den Straßen und vor den Toren der Stadt? … Schaut man in die Quellen der Zeit, erfährt man – manchmal explizit, manchmal »zwischen den Zeilen« – viel über den Alltag und die Alltagskultur: über schlecht gepolsterte Postkutschen und ebenso holprige wie von Dieben unsicher gemachte Wege, über den Gestank in den Straßen, wenn eine Stadt (wie Berlin) noch ohne Abwassersystem auskommen musste, über die arbeitsintensive Herstellung von Essen, Kleidung, gar Luxusgütern, über die Arbeit in den Manufakturen, auf den Marktplätzen, in den Kanzleien …

Aber auch wenn wir, inspiriert durch historische Quellen vielerlei Art, unsere Imagination anspornen, bleibt das historische Tableau, das auf diese Weise entsteht, seltsam geräuschlos. Die Lebenswelten um 1800 als Stummfilm! Doch geräuschlos war weder der Alltag auf dem Marktplatz, in den Manufakturen und Hinterzimmern der Politik, noch das, was in den Palais und Wohnhäusern, in den Sälen und Theatern geschah. Im Gegenteil: Laut muss es zugegangen sein, oft auch schrill – nicht umsonst sprechen viele Quellen immer wieder von unerträglichem Lärm oder zumindest von der Grenze zwischen (Wohl)Klang und Geräusch. Die Musik, im Übrigen nur ein kleiner Teil dieser Hörwelt, stellt sich ähnliche Fragen: nach neuen, zeitgemäßen Klängen, die auch die Wucht der Gegenwart, hektisch wechselnd zwischen Kriegsgelüst und Empfindsamkeit, widerspiegeln könne, aber auch nach den Grenzen des Hörbaren, nach individuell empfundener Lautheit. Es scheint kaum ein Zufall, dass ein Mechanicus aus Schleswig 1803 die Idee eines »Tonstärkemessers« erfand, ein gewisser Johann Christian Jürgensen, der in der Allgemeinen musikalischen Zeitung sein »Messinstrument« anpries, »wodurch man die Stärke der Töne oder Instrumente in bestimmter Entfernung sichtbar durch mathematische Eintheilungen einer Skale messen und mit einander in der Stärke vergleichen könnte«. Diese Stärke müsse, so Jürgensen »durch einen sichtbaren Maasstab ange[ge]ben [werden] können, da wir jetzt nichts als das blose Gehör hierzu haben, und dieses nicht anders, als trüglich und unbestimmt seyn kann, weshalb auch die Menschen im Urtheilen bey solchen Fällen nie einerley Meynung sind und werden können. […] Bey Stellung eines Orchesters, bey dem Bau und der Prüfung der Musiksäle und dergleichen ist der Nutzen unverkennbar.«

Aber »hören« wir zunächst in die alltägliche Geräuschkulisse hinein: Das Leben in einer Stadt wie Berlin war laut. Auf den Straßen und Plätzen mischten sich das Gepolter der Räder von Fuhrwerken und dem Getrampel der Pferde mit denen Schreien der Ausrufer und feilschenden Marktfrauen. Und aus den Häusern kam der Krach der Werkstätten, das Geklapper der Küchen, dazwischen Rufen und Schreien, Winseln und Bellen, Zischen und Brodeln, Glockengeläut und Warnsignale – eine Hörwelt der Betriebsamkeit, wobei die Lautstärke zwar immer wieder beklagt wurde, aber doch auch Vertrautheit und Alltag bedeutete.

Wie sehr das Gegenteil dieser lauten Hörwelt Angst hervorrufen konnte, wie irritierend Stille oder unbekanntes Dröhnen und Poltern waren, zeigt die durch Friedrich Nicolai und Johann Wolfgang von Goethe in die Literaturgeschichte eingegangene Episode von der Gespensterjagd im Forsthaus zu Tegel im Jahr 1797 eindrücklich. Und wenn gerade solche un- oder auch übernatürliche Klänge selbst bei aufgeklärten Menschen archaische Ängste hervorrufen konnten – was für eine Inspirationsquelle stellte dann das Auf-der-Grenze-Gehen zwischen vertrauten Klängen und irritierendem Geräusch für Komponisten dar!

In Franz Schuberts Erlkönig kommt uns dies geradezu exemplarisch vor Ohren: Wenn das Klavier mit seinen schnell repetierenden, triolischen Achtelketten beginnt, nimmt der Pulsschlag gleich an Fahrt auf, zumal viel Geräuschhaftes in den fast penetrant sich wiederholenden, nervös trommelnden Oktavklängen durchscheint. Geradezu spukhaft klingt es dann, wenn in der aufsteigenden Basslinie so etwas wie ein Motiv-Partikel zum Vorschein kommt – als könne man etwas Unbestimmbares wahrnehmen, ein unheimliches Etwas, das noch nicht die Kontur einer Melodie gefunden hat. In Schuberts Manuskript übrigens beginnt die Ballade im Pianissimo: mehr unheimliches Geräusch als Klang. Ohne Klaviervorspiel hingegen beginnt Johann Friedrich Reichardt seine Vertonung der goetheschen Ballade. Sofort beginnt der atemlose Ritt mit der bangen Frage: »Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?«. Doch auch Reichardt greift auf eine besonders abgedämpfte Dynamik zurück: Nur die Worte des Vaters erklingen im Forte, die Stimmen des Sohnes und vor allem die des Erlkönigs heben sich kaum aus dem Piano heraus: ein akustischer Gruseleffekte durch das Kaumhörbare. Vergleichbar hatte Reichardt auch die Vertonung von Goethes Geistes Gruß angelegt, hier heißt die Vortragsbezeichnung »schauerlich leise«. Und auch die Monotonie spielt hier – trotz der Kürze des Liedes – eine gewisse Rolle: Reichardt beginnt sein dreistimmig gesetztes Lied mit einem auf einem Akkord verharrenden, im 6/8 Takt jambisch schreitenden Klang, aus dem erst allmählich die zweite und dritte Stimme hervortreten.

Das Abgedämpfte der beiden Lieder wäre kaum denkbar ohne den weiten Klangfantasieraum der Nacht. Diese Gegenwelt, in der alles Sichtbare verschwimmt und damit das Hörbare umso plastischer die Sinne einfängt, ist vielfach beschrieben worden. Auch Goethes Gedicht An den Mond erzählt davon: Wenn das lyrische Ich dem »Nachklang« der Erinnerung lauscht und die Naturgeräusche zum Anlass nimmt, über das eigene Singen nachzudenken, befindet sich bereits das Gedicht an der Schwelle von Klang, Musik und Geräusch:
[…] Rausche, Fluß, das Tal entlang,
Ohne Rast und Ruh,
Rausche, flüstre meinem Sang
Melodien zu! […]

Das Klangliche der Nacht, inspiriert von den Geräuschen der Natur, kompositorisch auszuloten, war denn auch für Komponisten vielfach Anlass, An den Mond zu vertonen. Zu Lebzeiten Goethes befassten sich unter anderem Friedrich Heinrich Himmel, Carl Friedrich Zelter, Andreas Romberg und Franz Schubert mit dem Gedicht. Doch nicht alle Komponisten verfolgten dabei die Idee, Musik in romantischer Manier als Spiegel der menschlichen Seele zu erproben. Vielmehr lasen einige von ihnen Goethes Gedicht, das so vielfältige Anregungen zu einer solchen Ausdeutung bot, als volksliedhafte Lyrik, die einen einfachen, strophischen Satz verlangte. Und so ist die Differenziertheit, mit der Schubert dem lyrischen Ich des Gedichts komponierend nachspürt, den anderen Vertonungen nicht eigen. Himmels Komposition trägt ein wenig Pathos an das Gedicht heran, während Romberg und Zelter schlicht das Bewegungsmoment des Fließens in die Klavierbegleitung verlegen. Mit Schuberts Vertonung treten allerdings Klangimaginationen entgegen, die Nacht- und Naturklänge zu verschmelzen suchen. Schubert lässt dabei hörbar werden, dass sich die Liedästhetik auf den Weg macht, diese Zwischenwelten kompositorisch Klang werden zu lassen: mit chromatischer Dichte, einem Klavierpart, der subtil auf kleinste Wendungen des Textes reagiert u. a. m. Es ist eine Nuance der Empfindsamkeit, die als eine neue Seelenqualität des Menschen angesehen wird, wobei der Musik eine besondere Rolle zukommt: sie sei es, die am besten die »Sayte der Seele anrühren« könne.

Auch auf anderem Wege freilich versuchte man nun, die menschliche Seele mit Klang anzurühren, und erfand dafür nicht zuletzt neue Instrumente: kaum eine Zeit zuvor war derart begierig, neue (oder zumindest technisch verbesserte) Instrumente zu erproben. Besonders populär wurde dabei die Glasharmonika, die einen Klang aus jenem »Zwischenreich« bereitzuhalten schien, ätherisch und obertonreich: In den Tönen der Glasharmonika schien etwas »überirrdisches, die Nerven bald erschütterndes, bald nur ganz leise berührendes [zu sein], das sonst von keinem Instrumente ausgeht «, meinte der Musikverleger Heinrich Philipp Bossler. »Dieses langsame, immer Höheranschwellen ihrer Laute, das die Brust des Hörers unwillkührlich bis zur höchsten Spannung ausdehnt, und ihm den Athem raubt, dann wieder das mählig und mählich [sic!] Hinsterben, immer leiser Verhallen ihrer Akkorde, das die Empfindung unaussprechlich süß hinschmilzt, und jede Nerve in unnenbare Entzükken auflößt, sind wahrer Hall aus der Welt jenseits dieses Lebens.«

Auch Goethe, Jean Paul und andere Literaten waren von dem Instrument ungemein angetan, und Komponisten wie Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Rudolf Zumsteeg, Jan Ladislav Dusík oder der Musiktheoretiker und Wiener Hofbibliothekar Carl Röllig schrieben für die Glasharmonika. Röllig gehörte übrigens zu jenen Zeitgenossen, die nicht müde wurden, neue Instrumente zu erfinden. Neben der Verbesserung der Glasharmonika durch eine (klavierähnliche) Tastatur erfand Röllig auch Instrumente wie die Orphika und Xenorphika, Instrumente, die – wie eine zeitgenössische Schrift vermutet – »die ganze Entwickelung seiner Vollkommenheit noch erst zu erwarten hatte«, ein unverkennbarer Euphemismus die Klangqualitäten der neuen Instrumente betreffend.

Auch die Glasharmonika hatte übrigens starke Kritiker, man warf dem Instrument sogar vor, gesundheitsschädliche Klänge zu produzieren. So sah sich Friedrich Rochlitz 1798 dazu veranlasst, in der Allgemeinen musikalischen Zeitung einen Beitrag »Ueber die vermeynte Schädlichkeit des Harmonikaspiels« abzudrucken. Darin heißt es: »Andere sagen: das eigene Schneidende, Durchdringende des Tons zukt durch das ganze Nervensystem, erschüttert es gewaltsam und hat Einfluss auf Nervenübel; und zwar so, dass es Geneigtheit dazu schaft, wo sie noch nicht sind, oder sie ungemein verstärkt, wo sie schon da sind. […] Freylich, wo Nervenübel da sind, kann Harmonikaspielen schädlich werden: aber was wäre es da nicht? Ist da nicht alles schädlich, was nur einigermassen stark auf die Empfindung würkt? Schadet da nicht der Anblick eines rührenden Schauspiels, das Lesen eines rührenden Buchs, der Gesang eines rührenden Liedes? Schadet da nicht ein kleiner Verdruss, ein kleiner Schreck, sogar ein interessantes Gespräch eben so, wie die Harmonika?« Rochlitz schlug daher vor, die Glasharmonika nur unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen zu spielen: »Nervenkranke Personen sollten, so lange sie nicht geheilt sind, nicht Harmonika spielen […] Wer auch nicht krank ist, sollte nich allzuviel spielen […] Man spiele , wenn man schon in schwermüthiger Stimmung ist, entweder gar nicht, oder wähle herzerhebende, muthbelebende Stücke«, und folgert schließlich: »Man vermeide das Spielen in die späte Nacht hinein, […] weil der Körper durch seine Ermattung, die Nerven schon durch den Einfluss der Atmosphäre, der Geist durch die Stille und Düsterheit der Nacht – mehr, als zu anderer Zeit, zur Wehmuth geneigt machen oder geneigt sind.«

Auch in Berlin war die Glasharmonika bekannt und populär. Marianne Kirchgessner, eine der renommiertesten Glasharmonika-Virtuosinnen der Zeit, kam auf ihren ausgedehnten Konzertreisen mehrfach nach Berlin. Goethe selbst begegnete sie dann übrigens erst 1808, als sie in Karlsbad konzertierte, wo der Dichter zur Kur weilte. Von dem irrisierend-irritierenden Klang der Glasharmonika war er tief beeindruckt. Etwas nüchterner resümierte der Wiener Kritiker Eduard Hanslick jenen mit der Glasharmonika verbundenen »Kirchgessner-Enthusiasmus«, brachte ihn aber just mit Goethes 1774 erschienenem Roman Die Leiden des jungen Werther in Verbindung: »Dies Entzücken« über das empfindsame Instrument, das so »manches poetische Gemüth erfüllte, spiegelt die deutsche Sentimentalitäts-Epoche, die Werther-Schwärmerei, musikalisch wieder.«

Während die neuartigen Instrumente, neue Hörwelten erschließend, vor allem von reisenden Musikern in die Stadt gebracht wurden, waren die Adels- und Bürgerhäuser Berlins vor allem auch angefüllt mit zeitgenössischer Musik Berliner Provenienz, vor allem mit Musik der Hofmusiker um Friedrich II., darunter die Gebrüder Johann Gottlieb und Carl Heinrich Graun, Johann Joachim Quantz, Carl Philipp Emanuel Bach und Johann Friedrich Reichardt. Hier fand sich ein europaweit gespanntes Musikernetzwerk zusammen, das in Berlin auf eine rege Musikpraxis in den Salons traf: Man musizierte und fachsimpelte über Musik, man kopierte Noten und sammelte sie, man gab Werke in Auftrag, fand sich zum Chorsingen zusammen u. v. m. Goethe konnte 1778 in den Berliner Häusern eine Hörwelt erleben, die im Begriff war, angeregt durch die Lyrik der Zeit, eine neue Liedästhetik zu formulieren – Reichardts Frohe Lieder für deutsche Männer etwa erschien 1781 – und die sich kurze Zeit später zur Gründung der Singakademie (1791) entschloss.

Melanie Unseld

Biografie

Cordelia Höfer wurde in München geboren. Ihr Klavierstudium absolvierte sie mit höchsten Auszeichnungen an den Hochschulen in Salzburg (bei Hans Leygraf) und in München (bei Klaus Schilde). In Salzburg studierte sie auch die Fächer Dirigieren und Kammermusik. Wichtige Lehrer waren Wilhelm Kempff, Tatjana Nikolajewa und Elisabeth Leonskaja. Eine umfangreiche Konzerttätigkeit führt Cordelia Höfer seit dem 15. Lebensjahr als Solistin und Kammermusikerin durch viele europäische Länder, die USA, Japan und Korea. Hierbei hat sie mit Sängerinnen wie Christine Schäfer, Juliane Banse und Anna Prohaska zusammengearbeitet. Im Rahmen ihrer langjährigen Unterrichtstätigkeit an der Universität »Mozarteum« in Salzburg war bzw. ist sie Künstlerkollegen wie Sándor Végh, Heinrich Schiff und Nikolaus Harnoncourt in intensiver Zusammenarbeit verbunden. 2002 wurde die Pianistin am »Mozarteum« auf eine Professur für Klavier und Kammermusik berufen. Cordelia Höfer ist seit vielen Jahren regelmäßig in den Kammerkonzerten der Berliner Philharmoniker zu erleben, insbesondere in den Philharmonischen Salons.

Cornelia Gartemann wurde in Herford geboren und erhielt im Alter von sechs Jahren ihren ersten Violinunterricht. Bereits als 15-Jährige studierte sie bei Eckhard Fischer an der Musikhochschule Detmold, wo sie nach der künstlerischen Reifeprüfung ihre Ausbildung bei Thomas Christian fortsetzte. Zudem absolvierte sie Meisterkurse bei Saschko Gawriloff, Rainer Kussmaul, Herman Krebbers und Yfrah Neaman. Cornelia Gartemann wurde bei verschiedenen nationalen und internationalen Wettbewerben ausgezeichnet; sie war Stipendiatin der Jürgen-Ponto-Stiftung, der Deutschen Stiftung Musikleben und des Deutschen Musikrats. Bei Konzerten und Festivals in Deutschland, im europäischen Ausland und in Asien tritt sie solistisch und als Kammermusikerin auf. Im Jahr 2000 gründete die Geigerin mit ihrer Schwester Julia Gartemann (Viola) das Duo Vialto. Mit Beginn des Jahres 2003 wurde Cornelia Gartemann in die Gruppe der Zweiten Violinen bei den Berliner Philharmonikern aufgenommen.

Julia Gartemann studierte Viola an der Hochschule für Musik in Detmold bei Nobuko Imai und wechselte nach der Künstlerischen Reifeprüfung ans Curtis Institute of Music in Philadelphia zu Michael Tree. Der Unterricht bei Wilfried Strehle an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker sowie Meisterkurse bei Thomas Riebl, Kim Kashkashian, Wolfram Christ, beim Tokyo und beim Vermeer String Quartet vervollständigten ihre Ausbildung. Julia Gartemann, die seit 1986 erfolgreich an verschiedenen Wettbewerben teilgenommen hat, wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet, u. a. von der Deutschen Stiftung Musikleben, der Jürgen Ponto-Stiftung und der Studienstiftung des deutschen Volkes. Im November 2000 wurde die Musikerin in die Bratschengruppe der Berliner Philharmoniker aufgenommen; seit 2005 gehört sie dem Personalrat des Orchesters an. Julia Gartemann gastiert solistisch und als Kammermusikerin im In- und Ausland, wobei sie sich auch in mehreren philharmonischen Kammermusikgruppen (Violentango, Venus Ensemble Berlin, Brahms Ensemble Berlin, Duo Vialto) engagiert. Seit einigen Jahren ist sie zudem pädagogisch tätig, u. a. als Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin.

Jelka Weber erhielt mit acht Jahren den ersten Flötenunterricht und gewann bereits als Gymnasiastin mehrere Musikwettbewerbe. Sie studierte von 1990 an Flöte bei Hermann Klemeyer an der Musikhochschule München, war Stipendiatin der Yamaha Music Foundation of Europe und Substitutin im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Von 1994 an setzte Jelka Weber ihre Ausbildung bei Andreas Blau an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker fort. 1996 wurde sie als Mitglied des Orsolino Quintetts beim Internationalen ARD-Musikwettbewerb in München ausgezeichnet und noch im selben Jahr von der Magdeburgischen Philharmonie als Solo-Flötistin engagiert. Anfang April 1997 wechselte Jelka Weber zu den Berliner Philharmonikern. Neben ihrer Arbeit im Orchester verfolgt die Musikerin auch eine intensive solistische und kammermusikalische Tätigkeit. Sie gastiert regelmäßig beim Scharoun Ensemble Berlin sowie beim Davos Festival; von 1999 bis 2006 gehörte sie zudem dem Ensemble Berlin und dem Ensemble der »Landsberger Sommermusiken« an. Seit 2008 unterrichtet Jelka Weber als Dozentin an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker.

Das Wiener Glasharmonika Duo wurde Anfang der 1990er-Jahre von Christa und Gerald Schönfeldinger gegründet: Die beiden Musiker, die nach ihrem Violinstudium die Orchesterlaufbahn eingeschlagen hatten, waren fasziniert von der Glasharmonika, einem außergewöhnlichen Instrument, das nach großer Popularität im 18. Jahrhundert nahezu vollständig in Vergessenheit geraten war. Das Musiker-Ehepaar, das heute zu den weltweit führenden Interpreten der Glasharmonika und des Verrofons gehört, hat die überlieferten »historischen« Spielweisen um zahlreiche neue Techniken ergänzt, wodurch die klanglichen Möglichkeiten der Glasinstrumente stark erweitert wurden. Das Repertoire des Ensembles reicht von den überlieferten Standardwerken für Glasharmonika von Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Friedrich Reichardt, Karl Leopold Röllig und Johann Abraham Peter Schulz über Orchester- und Opernliteratur (Gaetano Donizetti, Camille Saint-Saëns, Richard Strauss) bis hin zu neuen Kompositionen wie Jörg Widmanns Armonika. Das Wiener Glasharmonika Duo gastierte bei den Wiener Philharmonikern, den Wiener Symphonikern, der Dresdner Philharmonie sowie dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg und trat u. a. im Rahmen der Wiener Festwochen, der Salzburger Mozartwoche und der Dresdner Musikfestspiele auf. Diverse genreübergreifende Projekte führten das Ensemble zudem mit Schauspielerinnen und Schauspielern wie Senta Berger, Christiane Hörbiger, Ruth Maria Kubitschek, Erika Pluhar, Peter Uray und Peter Wagner zusammen. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker ist das Wiener Glasharmonika Duo nun erstmals zu erleben.

Der gebürtige Berliner Dietrich Henschel studierte Klavier, Dirigieren und Gesang am Konservatorium in Nürnberg sowie an der Musikhochschule in München und debütierte als Bariton 1990 in der Titelpartie von Michèle Reverdys Oper Le Précepteur bei der Münchener Biennale. Als Ensemblemitglied der Oper Kiel (1993 – 1995) war der Bariton u. a. als Graf Almaviva in Le nozze di Figaro, als Pelléas in Pelléas et Mélisande sowie in den Titelpartien von Henzes Der Prinz von Homburg und Monteverdis L’Orfeo zu erleben. Seine internationale Karriere begann Dietrich Henschel mit einer Produktion von Ferruccio Busonis Oper Doktor Faust an der Oper Lyon sowie mit der Übernahme der Titelpartie in Hans Werner Henzes Prinz von Homburg an der Deutschen Oper Berlin. Es folgten Engagements an die Opéra de Paris, die Nederlandse Opera Amsterdam, die Deutsche Oper Berlin, das Teatro Real Madrid, den Maggio Musicale Fiorentino und die Bayerische Staatsoper München in Rollen wie Wolfram (Tannhäuser), Beckmesser (Die Meistersinger von Nürnberg), Ulysse (Il ritorno d’Ulisse in Patria), Dr. Schön (Lulu) sowie in den Titelpartien von Don Giovanni und Wozzeck. Neben dem Musiktheater widmet sich Dietrich Henschel auch intensiv dem Lied- und dem Oratoriengesang. Zudem erweitert er seit einiger Zeit sein künstlerisches Profil als Dirigent der Sinfonietta Leipzig sowie im Rahmen diverser interdisziplinärer Projekte. Zu nennen wäre hier u. a. eine Theateradaption von Schuberts »Schwanengesang«, die an diversen europäischen Bühnen zur Aufführung gelangte sowie die Filmprojekte IRRSAL – Triptychon einer verbotenen Liebe (Musik: Hugo Wolf) und WUNDERHORN (Musik: Gustav Mahler). In den Konzerten der Berliner Philharmoniker war Dietrich Henschel zuletzt im November 2014 im Rahmen des Philharmonischen Salons »Goethe und Beethoven«zu Gast.

Stefan Kaminski wurde in Berlin geboren, wo er auch aufwuchs. Sein ursprünglicher Wunsch, Meeresbiologe werden, trat in den Hintergrund, als er Mikrofone, Tonkassetten sowie Geräusche für sich entdeckte – und seine Stimme, die aus vielen Stimmen zu bestehen schien! Der professionelle Weg des Schauspielers, Sprechers und Autors begann 1996 beim Hörfunk. Später studierte er an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch«. Seit 2001 spielt Stefan Kaminski am Deutschen Theater Berlin, wo er mit Regisseuren wie Jürgen Kruse, Dimiter Gotscheff und Leonhard Koppelmann arbeitete. 2004 entstand dort auch sein Live-Hörspielformat Kaminski ON AIR, in dem Filmklassiker, Theaterstoffe und Opernlibretti Gegenstand freier Bearbeitung werden. Sein »Stimmen-Morphing« führt ihn dabei von einer Figur zur nächsten und lässt bekannte Geschichten neu entstehen. Mit dieser erfolgreichen Mischung aus Theater, Hörspiel und Entertainment ist Stefan Kaminski auch auf Tournee zu erleben. Darüber hinaus wirkt er in zahlreichen Rundfunk-, Fernseh- und Hörbuchproduktionen mit. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker war Stefan Kaminski erstmals Ende März/Anfang April 2010 zu erleben: An vier Abenden präsentierte er im Kammermusiksaal Wagners Ring des Nibelungen als Live-Hörspiel.

David Riniker wurde in der Schweiz geboren und studierte bei Jean-Paul Guéneux und Antonio Meneses an der Musik-Akademie Basel, wo er mit dem Solistendiplom mit Auszeichnung abschloss. Meisterkurse bei Arto Noras, Boris Pergamenschikow, Wolfgang Boettcher und David Geringas rundeten seine Ausbildung ab. Der Cellist gewann zahlreiche Auszeichnungen im In- und Ausland, so etwa beim 4e Tournoi Eurovision des Jeunes Musiciens und beim »Europäischen Preis der Jugend« in Varna (Bulgarien). 1995 wurde David Riniker in die Cellogruppe der Berliner Philharmoniker aufgenommen. Neben seiner Tätigkeit im Orchester konzertiert er als Solist und Kammermusiker in vielen Ländern Europas sowie in den USA und Japan. Der Musiker ist Mitglied der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker, des Philharmonischen Streichtrios, des Feininger Trios und des Breuninger Quartetts. Mehrfach wurden in Kammerkonzerten der Berliner Philharmoniker Werke in Bearbeitungen und Arrangements von David Riniker für verschiedene Besetzungen aufgeführt.

Götz Teutsch stammt aus Hermannstadt (Sibiu) in Siebenbürgen, Rumänien. Er wurde zunächst in Bukarest von Radu Aldulescu ausgebildet und setzte sein Violoncello-Studium nach der Ausreise aus Rumänien 1968 bei Enrico Mainardi und Karl Richter fort. Zudem hat er sich eingehend mit der Aufführungspraxis Alter Musik befasst sowie Viola da gamba studiert. Den Berliner Philharmonikern gehörte Götz Teutsch von 1970 bis 2006 an, davon zwei Jahrzehnte als Solo-Cellist unter den Chefdirigenten Herbert von Karajan und Claudio Abbado; als Konzertsolist des Orchesters war er u. a. mit Cellokonzerten von Monn/Schönberg und Schostakowitsch zu erleben. Götz Teutsch, der als Kammermusiker und Solist weltweit auftritt, zählt zu den Gründungsmitgliedern der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker. Im November 2000 gestaltete der Literaturliebhaber den ersten Philharmonischen Salon. Diese Idee entwickelte sich schnell zu einer höchst erfolgreichen Reihe, deren letzte Veranstaltungen im Januar 2016 Sibelius in Berlin gewidmet waren.

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Dietrich Henschel

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