Berliner Philharmoniker

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Kammermusik

Philharmonischer Salon mit dem Philharmonia Quartett

Wohl die wenigsten bringen den finnischen Komponisten Jean Sibelius mit Berlin in Verbindung. Dabei verlebte dieser als Student zwischen Herbst 1889 und Sommer 1890 einige inspirierende Monate in der deutschen Metropole. Der zweite Philharmonische Salon dieser Saison, der unter dem Motto »Sibelius in Berlin« steht, widmet sich dieser für den angehenden Komponisten so spannenden Zeit. Musik von Sibelius liefert das Philharmonia Quartett, dazu gibt es Texte von Aleksis Kivi, Juhani Aho, Erik Tawaststjerna und anderen.

Heikko Deutschmann Sprecher

Philharmonia Quartett:

Daniel Stabrawa Violine

Christian Stadelmann Violine

Neithard Resa Viola

Dietmar Schwalke Violoncello

Ludwig Quandt Violoncello

Cordelia Höfer Klavier

Götz Teutsch Programmgestaltung

Die Töne leuchten – Sibelius in Berlin

Musik von Jean Sibelius und Johann Sebastian Bach/Ferruccio Busoni

Texte aus dem Kalevala sowie von Aleksis Kivi, August Strindberg, Erik Tawaststjerna, Volker Tarnow, Tomi Mäkelä, Adolf Paul u. a.

Termine und Tickets

So, 17. Jan. 2016 16 Uhr

Kammermusiksaal

Einführung: 15:00 Uhr

So, 24. Jan. 2016 16 Uhr

Kammermusiksaal

Einführung: 15:00 Uhr

Programm

Als 23-Jähriger kam Jean Sibelius Ende September 1889 nach Berlin, um bei Albert Becker (einem erfahrenen Pädagogen im Umfeld von Franz Xaver Scharwenkas Konservatorium) in die Lehre zu gehen. Zwischen dem jungen Radikalen und dem alten Akademiker kam es allerdings bald zu Unstimmigkeiten, da Becker einen Querstand – einen auf zwei Stimmen verteilten Tritonusschritt – bemängelte, den Sibelius bewusst als »Klangeffekt« eingesetzt hatte. Ebenso wichtig wie die Übungen im strengen Satz war für Sibelius das reichhaltige Berliner Musikleben: Gleich am ersten Abend hörte er an der Kroll-Oper Mozarts Don Giovanni mit Francesco d’Andrade in der Titelpartie.

Später besuchte er Aufführungen von Wagner-Opern, erlebte am 31. Januar 1890 die Berliner Erstaufführung von Richard Strauss’ Tondichtung Don Juan unter der Leitung Hans von Bülows und war von den Beethoven- und Schubert-Abenden des Joachim-Quartetts beeindruckt. Eine Aufführung von Robert Kajanus’ Aino-Symphonie inspirierte ihn dazu, das finnische Nationalepos Kalevala zu studieren. Da der schwedischsprachig aufgewachsene Komponist (Finnland hatte bis 1809 zu Schweden gehört) hierfür zunächst finnisch lernen musste, ging es hierbei allerdings nicht um das Auffinden eigener regionaler Wurzeln, sondern darum, sich exotische und fremde Literatur zu erschließen …

Im zweiten Philharmonischen Salon dieser Spielzeit widmet sich Götz Teutsch Sibelius in Berlin. Für den musikalischen Rahmen mit Werken von Sibelius sorgt das Philharmonia Quartett, dazu gibt es Texte von Aleksis Kivi, Juhani Aho, Erik Tawaststjerna und anderen.

Über die Musik

»Ich glotze bloß und gaffe«

Aber Jean Sibelius hörte und komponierte auch sensationell gute Musik in Berlin.

Ein Kulturschock! Als Jean Sibelius im September 1889 erstmals nach Berlin kam, traute er kaum seinen Augen und Ohren. Die Stadt war extrem laut und lebendig, hektisch fast, schwer zu verkraften in ihrem Überangebot an kulturellen und kulinarischen Genüssen, wobei Sibelius die Culinaria vor allem in flüssiger Form konsumierte. Berlin war die Hauptstadt der Destillen und Spelunken, aber es war auch die Hauptstadt der Musik, in jenen Jahren die Konkurrenten Wien, Paris und London überflügelnd.

Bis 1870 hatte die preußische Residenz noch im Dornröschenschlaf gelegen. Schlecht beleuchtete Straßen, öffentliches Rauchverbot und ein weitgehend provinzielles Kulturleben prägten die Szenerie. Die nach den Freiheitskriegen einsetzende Aufbruchstimmung war schnell verflogen, die gescheiterte Revolution 1848 ließ die gesellschaftlichen Verhältnisse erstarren, es herrschte ein biederer und oftmals reaktionärer Geist. Progressiv gebärdete sich in Preußen nur das Militär, was ironischerweise dann auch jene Umwälzungen herbeiführte, die sich sofort nach dem deutsch-französischen Krieg 1871 einstellten. Berlin explodierte geradezu, brachte innerhalb weniger Jahre neue wissenschaftliche, industrielle und künstlerische Eliten hervor, verwandelte sich in eine Metropole von europäischem Rang. Dornröschen erwachte und fand sich in einem Hexenkessel wieder.

Sibelius auch. Er kam direkt aus Helsinki, damals noch Helsingfors genannt. Die deutsche Großstadt bot dazu einen erschütternden Kontrast, aber wie weit musste ihm erst die Entfernung zum platten finnischen Land erscheinen, wo er aufgewachsen war, nahe zahlloser Seen und unendlicher Wälder. Wer aus dem unterentwickelten Norden kam, musste sich in Berlin erst einmal akklimatisieren. »Hier ist so vieles neu für mich«, schrieb der junge Geiger im September 1889 dann auch prompt nach Hause. »Ich glotze bloß und gaffe. Das alles braucht wohl noch einige Zeit, um sich zu setzen.«

Es ging darum, die letzten Kniffe, den Feinschliff des Komponistenhandwerks zu erlernen. Sein finnischer Lehrer hatte ihm Albert Becker empfohlen, einen versierten, aber erzkonservativen und recht unpersönlichen Tonsetzer, mit dessen Gesinnung der neue Privatschüler wenig anzufangen wusste. Er lernte bei ihm (»eine Perücke von Kopf bis Fuß«) die alten Formen schreiben und hassen, Kanons, Fugen, Kontrapunkt, und der wesentliche Erfolg des Unterrichts bestand darin, dass Sibelius zeitlebens nie eine Fuge schreiben sollte. Becker arbeitete gerade – und sein neuer Schüler durfte ihm durch Korrekturlesen helfen – an einem Oratorium namens Selig aus Gnade, gewidmet der Erinnerung an die beiden 1888 verstorbenen Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. Becker fungierte als eine Art Hofkomponist der Hohenzollern, hatte sogar Wilhelm I. Kompositionsstunden gegeben. Die Herrschaften eiferten immer noch Fridericus Rex nach, dem königlichen Flötenspieler, auch Wilhelm II. pflegte gelegentlich Musik zu schreiben. Dieses Milieu und der in ihm gepflegte Stil sagten Sibelius begreiflicherweise nicht zu. Das Studium erfüllte nicht seine Erwartungen. Zum Glück bestanden alternative Ausbildungsmöglichkeiten. Sie hießen Kroll, Lindenoper und Philharmonie.

Gleich am ersten Berliner Abend ließ sich Sibelius von Don Giovanni in die Kroll-Oper am Rohbau des Reichstags locken, es folgten mehrere Musikdramen Wagners in der Lindenoper und mehrere Konzerte der Berliner Philharmoniker unter ihrem Chef Hans von Bülow. Sibelius war mit Stücken von Haydn, Mozart und Mendelssohn aufgewachsen, wovon seine frühe Kammermusik auf erfrischende, geradezu unschuldige Weise kündet; die Bedeutung Beethovens ging ihm erst in Berlin auf, dank der epochalen Deutungen durch Bülow. Nach allem, was wir von der jahrelangen Probenarbeit Bülows und aus Kritiken wissen, ist dieser Dirigent, Präzision und Pathos in unvergleichlicher Weise verschmelzend, der wichtigste Beethoven-Interpret seiner Zeit gewesen. Die Aufführungen in der Philharmonie waren Berlins schönstes Geschenk an Sibelius, der sich einerseits zum finnischen Nationalkomponisten entwickeln sollte, indem er Szenen aus Elias Lönnrots Epos Kalevala vertonte, indem er den Geist der karelischen Volksmusik, ihre eigentümliche Rhythmik, Harmonik und Melodik absorbierte, der sich aber auch zu dem neben Mahler größten Symphoniker des 20. Jahrhunderts entwickeln sollte, indem er die traditionellen klassischen Gesetze revolutionierte. Die Spannung von finnischer Folklore und deutschem Formdenken, von Peripherie und Zentrum, von Inspiration und Konstruktion machte Sibelius zu einer einzigartigen Gestalt in der neueren Musikgeschichte. Ohne Bülows Beethoven-Konzerte hätte er diesen Satus niemals erreichen können.

Berlin hielt aber leider auch ein paar Danaergeschenke bereit. Es bot einem genusssüchtigen jungen Mann alles, wonach sich diese Spezies sehnt: Alkohol und erotische Abenteuer en masse. Dergleichen kostet Geld und Gesundheit. Der geborene Verschwender Sibelius kam mit seinem Stipendium nicht lange über die Runden, zumal er bei seinen Opernbesuchen stets auf den besten Plätzen sitzen, den feinsten Zwirn tragen und außerdem die Eskapaden einiger Saufbrüder mitfinanzieren musste. Berlin löste die ersten von vielen Nerven- und Finanzkrisen in seinem Leben aus. Berlin war furchtbar – furchtbar verlockend in jeder Beziehung.

Nicht zuletzt in musikalischer. Denn Bülows Auftritte bildeten nur den Anfang einer langen Reihe von prägenden Erlebnissen und vielversprechenden Begegnungen. In Berlin lebte Ferruccio Busoni, ein enger Freund und entschiedener Förderer von Sibelius, ebenso Richard Strauss. Eine Unzahl begnadeter Solisten strömte in die Reichshauptstadt, und das stetig wachsende Renommee der Philharmoniker lockte gleichfalls überragende Komponisten an; Brahms und Tschaikowsky haben mit diesem Orchester eigene Werke aufgeführt, Strauss und Mahler, Saint-Saëns, Dvořák und Bartók, Nielsen, Enescu und Glasunow. Zu dieser erlesenen Schar gesellte sich auch Sibelius. Der Durchbruch zum internationalen Ruhm führte für ihn und viele seiner Kollegen allein über Berlin. In Wien, wo Sibelius 1890 seine Studien fortsetzte, bestanden keine vergleichbaren Aussichten. Dabei begeisterte ihn Wien enorm, versetzte ihn in Euphorie, was Berlin nie vermocht hatte. Durch die Donaumetropole flogen die Melodien nur so, Brahms und Bruckner wirkten noch in der Stadt, seine Lehrer Carl Goldmark und Robert Fuchs hatten ihm viel mehr zu sagen als Albert Becker. Vor allem aber: die Mädchen waren dort süßer, charmanter, an den amourösen Eskapaden beteiligte sich auch das Herz, nicht nur der Geldbeutel. Trotzdem zog es Sibelius später nie mehr nach Wien, immer wieder aber nach Berlin. Insgesamt weilte er fast 30 Mal in der deutschen Hauptstadt. Auch Paris und London waren zeitweilig lukrative Ziele, aber eben nur zeitweilig. Nicht einmal Stockholm, wo er sich seiner Muttersprache bedienen konnte, übte eine ähnliche Macht auf ihn aus. Berlin war der große Magnet, seine zweite Heimat, sein Schicksal.

Es dauerte ein Weilchen, bis sich sein Schicksal erfüllte. Erst 1902 konnte er als Dirigent vor der Philharmonische Orchester treten und die Symphonische Dichtung En saga zu Gehör bringen. Busoni hatte ihn dazu eingeladen. Auf dem Programm standen drei unbedeutende Novitäten anderer Komponisten, sodass Sibelius den lautesten Applaus erntete. Aber die Musiker fremdelten. »Meiner Ansicht nach war En saga die beste Novität«, berichtete er nach Hause. »Ich war richtig ruhig und dirigierte gut. Aber sie verstanden meine Sage nicht richtig. Sie ist ihnen zu fein … Hauptsache ist, dass ich ein Weltorchester dirigieren kann. Und zwar gut! Das sagen alle!«

Dieser Berliner Aufenthalt stand unter keinem besonders günstigen Stern. Bülows Nachfolger Arthur Nikisch, der »Magnet der ganzen musikalischen Welt«, hatte Sibelius die Aufführung eines großen Orchesterwerkes in Aussicht gestellt, aber einen Rückzieher gemacht, als die Zweite Symphonie fertig war. Nikisch zeigte auch in späteren Jahren keinen übermäßigen Ehrgeiz, etwas für Sibelius zu tun, und Wilhelm Furtwängler begnügte sich ebenfalls mit einer Handvoll Werke des inzwischen weltweit anerkannten finnischen Meisters. Sibelius’ wirklich große Berliner Zeit setzte erst in der Ära Karajan ein. Sie begann 1938 mit einer philharmonischen Aufführung der selten zu hörenden, dorischen Sechsten Symphonie d-Moll.

Doch gab es zwischendurch immer wieder Lichtblicke. Die hellsten 1905: Richard Strauss und der Geiger Carl Halir bestritten im Oktober mit der Staatskapelle Berlin die Uraufführung der revidierten Fassung des Violinkonzertes. Zuvor hatte Sibelius im Januar einem philharmonischen Publikum seine Zweite Symphonie präsentiert. Dieses Konzert kann man getrost als das – neben Bülows Beethoven-Aufführungen – wichtigste Konzertereignis verbuchen, das Sibelius in Berlin erlebte. Es stellte ein gewaltiges Wagnis dar, handelte es sich doch bei der Zweiten um ein äußerst komplexes, neuartiges Werk; zudem waren die Berliner Hörer als ausgesprochen konservativ und die Berliner Kritiker als ausgesprochen boshaft verschrien. Kein Wunder, dass Sibelius die Nerven flatterten wie nie zuvor. Er mischte beim Lunch keinen Wein ins Wasser, sondern begnügte sich mit Baldriantropfen. Abends um sieben saß er im Hotelzimmer und schrieb seiner Gattin Aino: »Gleich kommt der Friseur. Um halbneun trete ich auf. Mein Frack ist hergerichtet. Adieu nun, Du mein alles auf Erden. Adieu!« Der Brief eines Todeskandidaten. In der Garderobe wusste er sich vor Nervosität nicht zu fassen, leichenblass bestieg er das Podium und hob den Taktstock. Und war plötzlich die Ruhe selbst, dirigierte ausgezeichnet und erzielte einen »vollständigen Erfolg«. Sogar die Kritik zollte ihm Anerkennung, die Symphonie fiel nicht durch. Mehr war in Berlin nicht zu erreichen.

Nach dem Konzert ging Sibelius mit Busoni in ein italienisches Restaurant. Sein italienischer Freund hatte dieses Engagement eingefädelt, und Busoni war es auch, der 16 Jahre später mit der Berliner Erstaufführung der Fünften Symphonie für einen weiteren Höhepunkt sorgte.

Andere Höhepunkte fielen weniger spektakulär aus, wenn auch nicht weniger stressig. Dazu zählte der mühsame Vertragsabschluss mit dem Berliner Verleger Robert Lienau, der zur jährlichen Lieferung von vier größeren Werken verpflichtete. Sibelius konnte diese unmögliche Quote nicht erfüllen, doch kam Lienau immerhin in den Besitz der Dritten Symphonie, des Violinkonzerts und des Streichquartetts Voces intimae. Das Quartett entstand um die Jahreswende 1908/1909 während einer existenziellen Krise, ausgelöst durch einen Halstumor, der in Berlin operativ entfernt wurde, Sibelius aber weiterhin mit dem Äußersten bedrohte: dem Verzicht auf seine geliebten Zigarren ... Sieben Jahre hielt er sich stramm von Nikotin und Alkohol fern, bevor er glückselig zu seinen alten Gewohnheiten zurückkehrte.

Neben gesundheitlichen und existenziellen Krisen ereigneten sich in Berlin auch moralische. Der bereits schwer kranke Busoni sah sich im April 1923 nicht in der Lage, seinen Freund zu empfangen; am Abend ging es ihm besser, und er ließ Sibelius zu sich rufen, doch der weigerte sich gekränkt, noch einmal zum Viktoria-Luise-Platz zu fahren. Er sollte seinen ersten und wichtigsten Förderer nicht wiedersehen. Ferruccio Busoni starb 1924 in Berlin. Danach hat Sibelius noch fünf Mal die deutsche Metropole angesteuert, entweder als Zwischenstation auf dem Weg nach Paris und Italien oder um in Ruhe an seiner Achten Symphonie zu arbeiten. In der überlauten Stadt gab es stille Inseln. Schon die introvertierte Vierte Symphonie war teilweise in Berlin entstanden und dort 1916 vom Mahler-Intimus Oskar Fried auch aufgeführt worden. Die Achte jedoch blieb unvollendet. Sibelius’ letzter Aufenthalt fiel in die Zeit von April bis Juni 1931. Er wohnte in der Tharandter Straße, nahe Kaiserplatz, heute Bundesplatz. Dann kehrte er für immer in seine Heimat zurück, der er mit Finlandia ein hymnisches Denkmal ohnegleichen gesetzt hatte.

Berlin war damit sein letztes ausländisches Reiseziel überhaupt, wie es auch sein erstes gewesen ist. Spuren von ihm finden sich aber keine mehr. In Kladow gibt es einen Sibeliusweg, umstanden von ein paar Föhren, an denen das Wasser der Havel vorbeifließt – nicht die schlechteste Adresse für Finnlands berühmtesten Sohn.

Volker Tarnow

Biografie

Cordelia Höfer wurde in München geboren. Ihr Klavierstudium absolvierte sie mit höchsten Auszeichnungen an den Hochschulen in Salzburg (bei Hans Leygraf) und in München (bei Klaus Schilde). In Salzburg studierte sie auch die Fächer Dirigieren und Kammermusik. Wichtige Lehrer waren Wilhelm Kempff, Tatjana Nikolajewa und Elisabeth Leonskaja. Eine umfangreiche Konzerttätigkeit führt Cordelia Höfer seit dem 15. Lebensjahr als Solistin und Kammermusikerin durch viele europäische Länder, die USA, Japan und Korea. Hierbei hat sie mit Sängerinnen wie Christine Schäfer, Juliane Banse und Anna Prohaska zusammengearbeitet. Im Rahmen ihrer langjährigen Unterrichtstätigkeit an der Universität »Mozarteum« in Salzburg war bzw. ist sie Künstlerkollegen wie Sándor Végh, Heinrich Schiff und Nikolaus Harnoncourt in intensiver Zusammenarbeit verbunden. 2002 wurde sie am »Mozarteum« auf eine Professur für Klavier und Kammermusik berufen. Cordelia Höfer tritt seit vielen Jahren regelmäßig in den Kammerkonzerten der Berliner Philharmoniker, insbesondere in den Philharmonischen Salons, auf.

Heikko Deutschmann wurde in Innsbruck geboren. Nach der Schauspielausbildung an der Berliner Hochschule der Künste (heute Universität der Künste) erhielt er sein erstes Theaterengagement unter Peter Stein an der Berliner Schaubühne und spielte dann unter Regiegrößen wie Robert Wilson, Jürgen Flimm, Ruth Berghaus, Jürgen Gosch, Werner Schroeter und Alexander Lang am Hamburger Thalia Theater sowie in Köln, Berlin und Zürich. Parallel zu seinen Bühnenengagements begann seine Film- und Fernsehkarriere. Den Auftakt machte 1985 Walkman Blues (Regie: Alfred Behrens). Es folgten zahlreiche Fernseh- und Kinoproduktionen wie Rotwang muss weg (1994, Regie: Hans-Christoph Blumenberg), Die Entführung (1999) und Sternzeichen (2003), beide unter der Regie von Peter Patzak, oder der preisgekrönte Fernsehfilm In Sachen Kaminski (2005). Regelmäßig übernimmt er Gastrollen in Krimi-Reihen wie Der letzte Zeuge, Rosa Roth, Tatort, u. a. Seit 2010 ist er in der ARD-Kinderserie Tiere bis unters Dach als Tierarzt Dr. Hansen zu sehen. Darüber hinaus hat der Schauspieler zahlreiche Hörbücher aufgenommen. Seit einigen Jahren steht Heikko Deutschmann auch wieder auf der Theaterbühne: mit den Stücken Betrogen und Geister in Princeton im Renaissance-Theater in Berlin sowie mit George Taboris Flucht nach Ägypten im Théâtre National du Luxembourg. 2015 verwirklichte Heikko Deutschmann als Regisseur seinen Kurzfilm Die Maßnahme. In Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker tritt er jetzt erstmals auf.

Das Philharmonia Quartett, das im Mai 2015 sein 30-jähriges Bestehen feierte, etablierte sich schon bald nach seiner Gründung im Jahr 1985 als ein Maßstäbe setzendes, in aller Welt hochangesehenes Kammermusikensemble. Weit über 100 Werke umfasst inzwischen das vielseitige und von Entdeckerfreude geprägte Repertoire der Formation, der ausnahmslos Musiker aus den Reihen der Berliner Philharmoniker angehören: die Geiger Daniel Stabrawa und Christian Stadelmann, der Bratscher Neithard Resa sowie der Cellist Dietmar Schwalke, der nach dem Tod des Gründungsmitglieds Jan Diesselhorst Anfang Februar 2009 in das Ensemble aufgenommen wurde. Das Philharmonia Quartett lebt zum einen von der unerschöpflichen künstlerischen Auseinandersetzung mit den Klassikern – auch jenen des 20. Jahrhunderts – und zum anderen vom Engagement für seltener zu hörende Streichquartette, etwa von Paul Hindemith, Max Reger, Erwin Schulhoff oder Karol Szymanowski. Das Ensemble ist regelmäßig in renommierten Konzertsälen rund um den Globus zu Gast, beispielsweise in der New Yorker Carnegie Hall oder in der Londoner Wigmore Hall sowie bei internationalen Festivals wie den Salzburger Festspielen. Die CD-Einspielungen des Ensembles finden immer wieder positive Resonanz. So erhielten bereits drei CDs mit Werken von Reger, Schostakowitsch und Britten den »Deutschen Schallplattenpreis«. Im Rahmen der philharmonischen Kammerkonzerte führte das Philharmonia Quartett in der Saison 2003/2004 sämtliche Streichquartette Ludwig van Beethovens auf; die Spielzeiten 2005/2006 und 2006/2007 widmete es einem Schostakowitsch-Zyklus. Ende Oktober 2015 war das Philharmonia Quartett zuletzt mit einem Konzert im Kammermusiksaal vertreten, bei dem ebenfalls Werke von Beethoven und Schostakowitsch auf dem Programm standen.

Ludwig Quandt begann mit sechs Jahren Cello zu spielen; 1978 wurde er außerordentlicher Student von Arthur Troester an der Musikhochschule Lübeck. Nach dem Abitur 1980 absolvierte er dort ein Vollstudium und legte 1985 die Diplomprüfung sowie 1987 das Konzertexamen mit Auszeichnung ab. Meisterkurse bei Boris Pergamenschikow, Zara Nelsova, Maurice Gendron, Wolfgang Boettcher und Siegfried Palm vervollständigten seine Ausbildung. Zwei Mal gehörte er bei den »Konzerten Junger Künstler« zur Bundesauswahl. Der Preisträger des Brahms-Wettbewerbs Hamburg und des Premio Stradivari Cremona wurde 1991 Mitglied der Berliner Philharmoniker, seit 1993 ist er bei ihnen 1. Solo-Cellist. Neben seiner Arbeit im Orchester konzertiert er weltweit als Solist und als Kammermusiker, beispielsweise bei den 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker, den Philharmonischen Stradivari-Solisten und im Philharmonischen Capriccio Berlin. Im Oktober 2013 brachte Ludwig Quandt in drei Konzerten der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Karl-Heinz Steffens die Kantate für Violoncello und kleines Orchester Canto di speranza von Bernd Alois Zimmermann zur Aufführung. Er spielt ein Instrument von Francesco Ruggieri, Cremona, aus dem Jahre 1675, das ihm die Deutsche Bank seit 1993 als Leihgabe zur Verfügung stellt.

Daniel Stabrawa wurde in Krakau geboren. Er studierte an der Musikhochschule seiner Heimatstadt bei Zbigniew Szlezer, war Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe und erhielt 1979 die Konzertmeisterstelle beim Rundfunk-Orchester Krakau. Seit 1983 ist er Mitglied der Berliner Philharmoniker, drei Jahre später wurde er einer ihrer drei Ersten Konzertmeister. Von 1986 bis 2000 unterrichtete er an der philharmonischen Orchester-Akademie. Mit drei Kollegen aus dem Orchester gründete Daniel Stabrawa 1985 das Philharmonia Quartett, dessen Primarius er seitdem ist. Darüber hinaus widmet sich Daniel Stabrawa auch dem Dirigieren: Von 1995 bis 2001 war er künstlerischer Leiter der Capella Bydgostiensis in Bydgoszcz (Bromberg). Mehrfach war er zudem Konzertsolist der Berliner Philharmoniker, zuletzt im Dezember 2012 mit der Musik für Violine und Orchester von Rudi Stephan unter der Leitung von Kirill Petrenko. In der Reihe Konzertmeister gestaltete er im Juni 2013 einen Kammermusikabend gemeinsam mit dem Pianisten Rafał Blechacz.

Götz Teutsch stammt aus Hermannstadt (Sibiu) in Siebenbürgen, Rumänien. Er wurde zunächst in Bukarest von Radu Aldulescu ausgebildet und setzte sein Violoncello-Studium nach der Ausreise aus Rumänien 1968 bei Enrico Mainardi und Karl Richter fort. Zudem hat er sich eingehend mit der Aufführungspraxis Alter Musik befasst sowie Viola da gamba studiert. Den Berliner Philharmonikern gehörte Götz Teutsch von 1970 bis 2006 an, davon zwei Jahrzehnte als Solo-Cellist unter den Chefdirigenten Herbert von Karajan und Claudio Abbado; als Konzertsolist des Orchesters war er u. a. mit Cellokonzerten von Monn/Schönberg und Schostakowitsch zu erleben. Götz Teutsch, der als Kammermusiker und Solist weltweit auftritt, zählt zu den Gründungsmitgliedern der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker. Im November 2000 gestaltete der Literaturliebhaber den ersten Philharmonischen Salon. Diese Idee entwickelte sich schnell zu einer höchst erfolgreichen Reihe, deren letzte Veranstaltungen im Oktober 2015 der Berliner Konzertagentin Louise Wolff und dem Philharmonischen Orchester unter Arthur Nikisch 1902 – 1922 gewidmet waren.

Götz Teutsch

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