Berliner Philharmoniker

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Kammermusik

Artist in Residence: Peter Sellars

Das philharmonische Publikum kennt Peter Sellars durch seine expressiven, berührenden Inszenierungen der Passionen Johann Sebastian Bachs. Als Artist in Residence wendet sich der amerikanische Regisseur nun einer Leidensgeschichte ganz anderer Art zu: »La Passion de Simone«, in der die Finnin Kaija Saariaho das Leben der aus Paris stammenden Philosophin und Mystikerin Simone Weil nachzeichnet.

Peter Sellars Inszenierung

Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker

Duncan Ward Dirigent

Julia Bullock Sopran

Michael Schumacher Regieassistent

Mitglieder des Rundfunkchors Berlin

Isabelle Voßkühler Sopran, Christine Lichtenberg Alt, Jan Remmers Tenor, Wolfram Teßmer Bass

Kaija Saariaho

La Passion de Simone (Fassung für Sopran, Chor und Kammerorchester von 2013)

Eine Veranstaltung der Stiftung Berliner Philharmoniker in Kooperation mit der Deutschen Oper Berlin. Bitte beachten Sie, dass diese Konzerte in der »Tischlerei« der Deutschen Oper stattfinden.

Termine und Tickets

Mi, 25. Nov. 2015 20 Uhr

Deutsche Oper Berlin, Tischlerei

Aboserie Sonderkonzert Kammermusik

Do, 26. Nov. 2015 20 Uhr

Deutsche Oper Berlin, Tischlerei

Programm

Die Musik Kaija Saariahos scheint von den weiten nordischen Landschaften mit ihren schillernden Lichtphänomenen geprägt zu sein. Dass sich die Werke der finnischen Komponistin durch traumhaft-schwebende Stimmungsbilder und visionäre Klangfarben auszeichnen, dürfte allerdings auch an ihrer synästhetischen Veranlagung liegen – an jener Fähigkeit, Farben zu hören bzw. Töne zu sehen, über die auch Wassily Kandinsky, Olivier Messiaen und György Ligeti verfügten. Peter Sellars, philharmonischer Artist in Residence dieser Spielzeit, wird nun Kaija Saariahos La Passion de Simone in Szene setzte – ein Oratorium für Solosopran, Chor, Orchester und Live-Elektronik nach einem Libretto des in Paris lebenden libanesischen Schriftstellers Amin Maalouf, das Kaija Saariaho selbst als ihr bedeutendstes Werk bezeichnete.

Der »Musikalische Weg in fünfzehn Stationen« widmet sich dem Leben der aus einem großbürgerlichen Haushalt in Paris stammenden Philosophin und Mystikerin Simone Weil: »Die finnische Übersetzung ihres Buches Schwerkraft und Gnade gehörte zu den wenigen Sachen, die ich in den Koffer gepackt habe, als ich nach Deutschland kam, um meine Kompositionsstudien fortzusetzen. Später las ich ihre Bücher im französischen Original und erfuhr auch mehr über ihr Leben.« Beteiligt an der szenischen Aufführung in der Tischlerei der Deutschen Oper Berlin ist der amerikanische Improvisationskünstler und Choreograf Michael Schumacher. Es spielt die von Duncan Ward dirigierte Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker, den Solo-Sopranpart übernimmt Julia Bullock.

Über die Musik

Ein Leben zwischen Jesus und Karl Marx

Kaija Saariahos Oratorium La Passion de Simone

Widerständlerin und »Christin außerhalb der Kirche«: Simone Weil

Linke Philosophin, katholische »Heilige«, Jüdin – Simone Weil ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten zu einer zentralen Figur des 20. Jahrhunderts geworden. Ihr außergewöhnliches Leben, ihre Schriften und ihr früher Freitod haben sie zu einer Kultfigur, einer Ikone insbesondere für junge Menschen werden lassen. Die finnische Komponistin Kaija Saariaho war schon früh fasziniert von dieser ungewöhnlichen Philosophin: »Ich las die Schriften von Simone Weil bereits als Teenager. Ich war beeindruckt, wie sie die großen Mysterien des Lebens in der Mathematik und der Philosophie zu finden versuchte.« Daher scheint es nur folgerichtig, dass Saariaho zusammen mit ihrem Librettisten Amin Maalouf dieser bedeutenden Frau und facettenreichen Persönlichkeit 2006 auf der Bühne ein musikalisches Denkmal setzte.

Der Lebenslauf von Simone Weil ist ungewöhnlich und geprägt von inneren Widersprüchen. 1909 als Kind französischer Juden in Paris geboren, begann sie mit dem Philosophiestudium bei Émile Chartier, als sie noch zur Schule ging – als Jugendliche bereits von zahlreichen chronischen Krankheiten geplagt. Nach ihrer Ausbildung unterrichtete sie Philosophie an einer Mädchenschule in ihrer Heimatstadt. Obwohl sie nie einer politischen Partei angehörte, verstand sie sich als Marxistin und überzeugte Pazifistin. Nach Hitlers Machtübernahme half sie deutschen Kommunisten, ihre Heimat zu verlassen. Mitte der 1930er-Jahre arbeitete Simone in mehreren Fabriken französischer Konzerne, um die enthumanisierte Welt der Arbeiterklasse aus eigener Anschauung kennenzulernen. Trotz ihrer pazifistischen Grundhaltung unterstützte sie die Kommunisten im spanischen Bürgerkrieg. Nachdem sie sich bei einem Küchenbrand schwerere Verletzungen zugezogen hatte, ging sie zur Rekonvaleszenz nach Assisi in Italien. Hier machte sie mystische Erfahrungen, in deren Folge sie sich der katholischen Kirche zuwandte. Simone ließ sich jedoch nicht taufen, sondern verstand sich als »Christin außerhalb der Kirche«. Daneben beschäftigte sie sich mit Hinduismus und Buddhismus, zeigte in ihren Schriften bizarrerweise allerdings auch deutlich antisemitische Züge.

Simone Weil führte ein geradezu asketisches Leben. Sie besaß fast nichts und spendete den größten Teil ihres Einkommens für wohltätige Zwecke. 1942 floh sie mit ihren Eltern vor der deutschen Besatzung nach New York. Doch dort hielt es sie nicht lange, sondern sie schloss sich dem französischen Widerstand in London an. 1943 wurde bei ihr Tuberkulose diagnostiziert. Doch sie verweigerte eine Behandlung und nahm keine Nahrung mehr zu sich – wie sie selbst sagte, aus Solidarität mit den Opfern des Hitler-Regimes in Frankreich. Am 24. August 1943 starb sie im Alter von 34 Jahren an Unterernähung in einem englischen Krankenhaus.

Der menschlichen Stimme wie dem elektronischen Klang gleichermaßen zugewandt: Kaija Saariaho

»Simone Weil«, so Saariaho, »hatte viele Probleme in ihrem Leben, aber ich war fasziniert von ihrer inneren Welt, ihrer Suche nach dem Wesentlichen, ihrem Ernst und ihrer Anmut.« Entsprechend gestaltete Saariaho ihre Hommage an Simone Weil als groß angelegte »Passion«, als »musikalischen Weg in 15 Stationen«, wie der Untertitel des Werks in deutscher Übersetzung lautet.

Kaija Saariaho ist heute eine der erfolgreichsten Komponistinnen der Gegenwart. Dass sie ausgerechnet mit dem Genre Musiktheater oder ihrem Oratorium über Simone Weil solche Popularität erlangen würde, war jedoch nicht von Anfang an abzusehen, denn zu Beginn ihrer kompositorischen Laufbahn standen für sie ganz andere Fragestellungen im Vordergrund. 1952 in Helsinki geboren, zog es sie zunächst zur Bildenden Kunst, bevor sie beschloss, sich der Musik zu widmen. Später absolvierte sie ein reguläres Kompositionsstudium bei Paavo Heininen an der Sibelius-Akademie in Helsinki. »Ich hatte ein starkes Bedürfnis, mich in der Musik auszudrücken und Paavo gab mir die technischen Möglichkeiten und das Selbstvertrauen«, sagte sie später über ihren Lehrer. »Er half mir dabei, meinen Weg zurück in die imaginäre Welt meiner Kindheit zu finden.« Nach der Ausbildung in Helsinki ging Saariaho nach Freiburg, wo sie ihre Studien bei Klaus Huber und Brian Ferneyhough fortsetzte und später nach Paris, um sich am dortigen musikalischen Forschungsinstitut IRCAM viele Jahre sehr intensiv mit elektronischer Musik zu beschäftigen. Es entstanden zahlreiche Werke, in denen die Elektronik eine zentrale Rolle spielt und die sich in besonderer Weise durch ihre lyrische Grundhaltung und sanfte Transformationen der Klänge auszeichnen. In den 1990er-Jahren wurde die Tonsprache der Komponistin expressiver, die Suche nach neuen Klangfarben und technischen Möglichkeiten der Klangbehandlung noch intensiver.

Später spielte die menschliche Stimme eine immer wichtigere Rolle im Schaffen Kaija Saariahos, vor allem in den Stücken für das Musiktheater. Ihre erste Oper L’Amour de loin hatte 2000 bei den Salzburger Festspielen Premiere und wurde mit dem begehrten Grawemeyer Composition Award ausgezeichnet, ihr zweites musiktheatralisches Werk Adriana Mater wurde 2006 in der Opéra Bastille in Paris uraufgeführt. Amin Maalouf hatte zu beiden Stücken das Libretto geschrieben und Peter Sellars als Regisseur die Inszenierungen geleitet.

Das Leben Simone Weils: ein idealer Musiktheaterstoff für das Team Maalouf – Saariaho – Sellars

Auch bei dem Oratorium La Passion de Simone hat dieses Team wieder zusammengearbeitet. Die Anregung zu diesem Werk ging von Peter Sellars aus, der das Leben Simone Weils als einen guten Stoff zu einem Oratorium empfand. Kaija Saariaho selbst beschreibt die Zusammenarbeit wie folgt: »Die Kombination von Weils strengem Asketentum und ihre unbedingte Suche nach Wahrheit haben mich angesprochen, seit ich ihre Gedanken erstmals las. Zusammen mit Amin Maalouf und Peter Sellars habe ich die einzelnen Szenen aus dem Leben und Werk Simone Weils zusammengestellt, noch bevor ich mit dem Komponieren begann. Während mich vor allem das Streben nach abstrakten mathematischen und geistig-intellektuellen Zielen faszinierte, war Peter mehr an ihrer sozialen Kompetenz und ihren politischen Aktivitäten interessiert. Amin schließlich ging es vor allem um die große Diskrepanz zwischen ihrer Philosophie und ihrem Leben. Neben Simone Weils Leben und Ideen präsentiert er viele generelle Überlegungen zur menschlichen Existenz in seinem Text.«

Die Uraufführung von La Passion de Simone für Sopran, Chor, Orchester und Elektronik fand am 26. November 2006 in Wien statt. Es folgten weitere Vorstellungen in London, Helsinki, Stockholm und New York. Für das Festival in Saint-Denis bei Paris erstellte Saariaho sieben Jahre später eine Kammerfassung für Sopran, Vokalquartett und Instrumental-Ensemble, die erstmals am 27. Mai 2014 zu hören war.

Auch wenn der Titel des Werks an die großen Passionen der Barockzeit gemahnt, bleibt das Geschehen inLa Passion de Simone weitgehend undramatisch. Es wird zwar in 15 biografischen »Kreuzwegstationen« präsentiert, die jeweils Aspekte aus Leben und Werk Simone Weils aufgreifen, aber die Perspektive wird immer wieder gebrochen, die Erzählung erfolgt auf verschiedenen Ebenen, Worte werden in differenzierte Klangwelten eingebettet und transformiert. Maalouf und Saariaho entwickeln also keine in sich zusammenhängende Geschichte, wie es in den barocken Oratorien üblich ist, sondern kurze Szenen, lyrische Momentaufnahmen bilden hier das Gerüst der Handlung. Vorgetragen werden sie von einer imaginären »Schwester«, die Simone abwechselnd als kleine oder ältere Schwester bezeichnet. Allein schon dadurch ändert sich die Perspektive von Bild zu Bild.

Ein musikalischer »Kreuzweg« in 15 Stationen

Bereits die erste Station, die das Leben der Protagonistin und die Bewunderung durch ihre Schwester in wenigen Worten zusammenfasst, offenbart das Vorgehen Saariahos in diesem Werk: Zarte Klangbänder, nur unterbrochen durch einzelne Akzente der Pauken, stützen eine melodisch klare, fast liedhafte lyrische Gesangslinie. Das Instrumental-Ensemble wird stark zurückgenommen, und das abschließende Zitat aus einem Text Weils ganz in die Musik verwoben. Dieser kurze Text, der am Ende des fast 70-minütigen Werks noch einmal wiederholt wird und der so etwas wie die Kernbotschaft darstellt, lautet: »Nichts von dem, was existiert, ist ganz der Liebe würdig, man muss deshalb das lieben, was nicht existiert.«

Die zweite Station lässt Weiblichkeit und jüdische Herkunft als zwei Dinge erscheinen, die Qual und Kummer auslösen. Geradezu dramatisch beginnt hier der Choreinsatz, bevor er in ein polyfones Liniengeflecht mündet. Angelegt ist dieser zweite Teil als großes Diminuendo. Dessen Schluss bilden ätherisch schöne Harmonien des Vokalquartetts, die mitunter an geistliche Werke Olivier Messiaens erinnern.

Im dritten Abschnitt, der dritten »Leidensstation« geht es um die Lebensabgewandtheit Simone Weils, um den Wunsch, zu verschwinden, sich aufzulösen. Dieses Bild entfaltet sich über fast geräuschhaften Klangblöcken, die nur durch die Rezitation der kurzen Weil-Texte unterbrochen werden. Wenn diese am Ende der Station die Stille beschwören, tut die Musik ein Übriges – und verklingt im Pianissimo.

Dass der Blick auf das Leiden der Menschheit die Sicht auf Personen verdecken kann, die einem nahestehen, und auf deren Liebe und Sorgen – davon berichtet der vierte Abschnitt, der auf Chor und Rezitation verzichtet. Ein aufgefächerter Instrumentalsatz, in dem die Bläser dominieren, begleitet den Solo-Sopran, der hier fast liedartig und erzählend gestaltet ist, bevor dieser Teil in gewaltige Klangkaskaden mündet.

Die Stationen 5 und 6 bilden inhaltlich wie musikalisch eine Einheit, sie reflektieren die Erfahrungen Weils als Arbeiterin in verschiedenen Pariser Fabriken während der 1930er-Jahre. Das rhythmische Klappern der Maschinen klingt in den Instrumenten an. Das Vokalquartett stellt die entscheidenden Fragen, während die Solistin nach Erklärungen sucht für dieses ungewöhnliche Eigenexperiment.

Die siebte Station gibt einem Diskurs über Desillusioniertheit und allgemeines Misstrauen Raum. Der Satz beginnt mit einer traurig-fahlen Bläserkantilene, aus der sich ein Zwiegesang mit der Solistin entwickelt, welcher sich im weiteren Verlauf zur Vielstimmigkeit verzweigt. Kurze Einwürfe der vier Chorstimmen unterbrechen an zentralen Stellen diese Litanei.

Im Zentrum des gesamten Werks steht die achte Station, bei der der Text auf ein einziges kurzes Zitat von Weil beschränkt bleibt, von Solistin und Sprecherin gemeinsam vorgetragen. Kaija Saariaho hat sie als eine große, lyrische Meditation mit einem fein ausgesponnenen Tonsatz angelegt, sehr getragen und eindringlich. Lyrisch-verhalten ist auch der neunte Abschnitt, bei dem es inhaltlich um die Unfähigkeit zur Selbstliebe geht. Äußerst expressiv und klangschön präsentiert sich der zehnte Teil, der von Einsamkeit und Dunkelheit spricht. Hier scheinen die Klänge häufig in sich zu kreisen, nehmen aber immer wieder auch polyfone Texturen an. Zudem finden sich Perpetuum-mobile-artige Passagen in diesem Satz.

Die elfte Station thematisiert Simone Weils Auseinandersetzung mit Krieg und Gewalt. Bereits die Trompetenstöße zu Beginn signalisieren die Sphäre des Martialischen. Der Solo-Part ist in diesem Abschnitt äußerst expressiv, an vielen Stellen fast opernartig dramatisch. Die Weigerung in den Reihen der französischen Resistance, die einstige Pazifistin hinter die feindlichen Linien zu senden, wird hier als tödliche Wunde dargestellt, die schließlich zur Selbstaufgabe Weils geführt habe. Von dieser Selbstaufgabe handelt der erzählende zwölfte Abschnitt, der auf textlicher Ebene nur von Vokalquartett und Sprecherin bestritten wird.

Die übrigen drei Stationen umkreisen auf unterschiedliche Weise den Freitod Simone Weils. Ist es im 13. Teil ein sehr getragener, ausdrucksvoller Klagegesang, so wirkt der darauf folgende Abschnitt wie ein extrem verlangsamter Trauermarsch. Ein sparsamer Instrumentalsatz stützt die expressive Gesangslinie. Die 15. Station präsentiert einen klanggewaltigen Epilog. Orchestral weit gespannt, schließt dieser letzte Teil der Partitur gleichwohl sehr ruhig und geradezu versöhnlich. Am Ende ist das ungewöhnliche und äußerst widersprüchliche Leben Weils keineswegs klarer oder verständlicher geworden. Viele Fragen bleiben. Und doch wird man nach dieser groß angelegten Meditation über Leben und Schreiben Simone Weils diesen Menschen anders sehen als zuvor.

Martin Demmler

Biografie

Der Bühnen-, Opern- und Festivalregisseur Peter Sellars, eine der innovativsten zeitgenössischen Persönlichkeiten der Bühnenkunst, ist den Berliner Philharmonikern in der laufenden Spielzeit als Artist in Residence verbunden. Ob Mozart, Händel, Shakespeare, Sophokles oder der chinesische Dramatiker des 16. Jahrhunderts Tang Xianzu – der Visionär erreicht das Publikum mit seinen bahnbrechenden Interpretationen in der Auseinandersetzung mit zeitgenössischen sozialen und politischen Fragen. Als Absolvent der Phillips Academy in Massachusetts studierte Peter Sellars Literatur und Musik an der Harvard University; 1980 debütierte er in New York als Bühnenregisseur. Nach weiteren Theaterstudien in Asien wurde Peter Sellars 1983 Leiter der Boston Shakespeare Company und im Jahr darauf des American National Theatre in Washington (D. C.). Internationales Renommee verschafften ihm die Übertragungen seiner Inszenierungen von Così fan tutte, Le nozze di Figaro und Don Giovanni im amerikanischen Fernsehen. Es folgten viele weitere Regiearbeiten im Opernbereich an namhaften Bühnen, u. a. bei den Festspielen in Salzburg und Glyndebourne, den Wiener Festwochen, an der Opéra National de Paris sowie an der Metropolitan Opera New York. Hierbei setzte sich Peter Sellars besonders für Werke zeitgenössischer Komponisten wie John Adams, Tan Dun, Osvaldo Golijov und Kaija Saariaho ein. Der Künstler, der 2016 das Amt des Music Director beim kalifornischen Ojai Music Festival übernehmen wird, war Leiter mehrerer internationaler Festspiele, beispielsweise des Theaterfestivals in Los Angeles (1990 und 1993) und des Festivals »New Crowned Hope« im Rahmen des Wiener Mozartjahres 2006; außerdem ist er Resident Curator des Telluride Film Festival (Colorado). Peter Sellars wurde vielfach ausgezeichnet (u. a. mit dem MacArthur Fellowship, dem Erasmus-Preis, dem Risk-Takers-Award des Sundance Institute sowie mit dem hochdotierten Gish Prize) und ist Mitglied der American Academy of Arts and Sciences. An der Universität von Kalifornien in Los Angeles lehrt er als Professor. Mit den Berliner Philharmonikern und Sir Simon Rattle arbeitete Peter Sellars bereits für die Aufführungen der Matthäus-Passion und der Johannes-Passion von Bach in den Jahren 2010, 2013 und 2014 zusammen. Als Artist in Residence des Orchesters in dieser Saison ist der Regisseur auch für die szenische Realisierung der Aufführungen von Claude Debussys Pelléas et Mélisande (Dezember 2015, Dirigent: Sir Simon Rattle) und Claude Viviers Kopernikus (April 2016, Dirigent: Reinbert de Leeuw) verantwortlich.

Julia Bullock absolvierte das »Artists in Training«-Programm des Opera Theatre of St. Louis (Missouri), wo sie mit dem renommierten Marielle Hubner Award ausgezeichnet wurde. Ihr Bachelor-Studium schloss die Sopranistin an der Eastman School of Music ab, ihren Master erhielt sie am Bard College im Rahmen des Graduate Vocal Arts Program, wo ihr das erstmals vergebene Mimi-Levitt-Stipendium zugesprochen wurde und sie den hochschuleigenen Wettbewerb im Jahr 2010 gewann. Bei Edith Bers an der New Yorker Juilliard School of Music beendete sie ihre Ausbildung mit dem »Artist Diploma«. Weitere wichtige Impulse erhielt sie bei Meisterkursen von Eric Owens, Jessye Norman und José van Dam. Gegenwärtig wird die junge Sängerin durch den Lindemann Vocal Chair der Young Concert Artists sowie durch den Barbara Forester Austin Fund gefördert. Julia Bullock sang im Rahmen der Juilliard Opera Productions die Titelpartien in Massenets Cendrillon und Janáčeks Das schlaue Füchslein sowie die weibliche Hauptrolle (Teculihuatzin/Doña Luisa) in Henry Purcells The Indian Queen am Staatlichen Ballett- und Operntheater Perm, am Teatro Real Madrid sowie an der English National Opera. Sie war zudem bei einem Südamerika-Gastspiel in Peter Brooks Zauberflöten-Produktion als Pamina zu erleben und begleitete als Solistin das Bard Music Festival Orchestra bei dessen China-Tournee. Im Sommer 2015 debütierte Julia Bullock beim New York Philharmonic Orchestra als Solistin in der von Alan Gilbert dirigierten Konzertsuite Nr. 1 aus Leonard Bernsteins West Side Story. Ihren Einstand beim San Francisco Symphony Orchestra gab sie unter der Leitung von Michael Tilson Thomas in einer konzertanten Aufführung der West Side Story, deren Aufnahme auf dem orchestereigenen CD-Label erschien. Regelmäßig beteiligt sich Julia Bullock am New York Festival of Song. In dieser Spielzeit ist sie zudem mit Recitals im Kennedy Center for the Performing Arts in Washington und im Metropolitan Museum of Art, New York, sowie in der Song-Continues-Series der Carnegie-Hall vertreten. Als Gast der Stiftung Berliner Philharmoniker tritt Julia Bullock nun erstmals auf.

Christine Lichtenberg studierte Romanistik, bevor sie sich bei Tuula Nienstedt an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg als Sängerin ausbilden ließ. Anschließend nahm sie an Meisterkursen bei Michel Piquemal an der Internationalen Sommerakademie in Nizza und bei Ingeborg Danz im Rahmen der Stuttgarter Bachwochen teil; zudem arbeitete sie regelmäßig mit Helga Pilarczyk und Jutta Schlegel. Seit 2004 gehört sie dem Rundfunkchor Berlin an. Als Solistin ist Christine Lichtenberg im Bereich der geistlichen Musik ebenso gefragt wie als Liedsängerin. So trat sie etwa 2009 im Rahmen von Gedenkkonzerten für den jüdischen Komponisten Eric Zeisl in Los Angeles und Wien auf. In ihren Konzertprogrammen widmet sich die Sängerin u. a. spanischer und französischer Musik. Sie wirkte bei mehreren Musiktheaterproduktionen mit, z. B. in einer Inszenierung von Monteverdis L’Orfeo unter der musikalischen Leitung von René Jacobs an der Staatsoper Unter den Linden und am Innsbrucker Opernhaus. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker ist Christine Lichtenberg nun erstmals als Solistin zu erleben.

Jan Remmers wurde 1978 in Wilhelmshaven geboren und wuchs in Friesland auf. Nach dem Abitur studierte er zunächst Schulmusik an der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg. Von 1999 bis 2006 folgte ein Gesangsstudium an der Berliner Hochschule für Musik »Hanns Eisler« bei Scot Weir und Joachim Vogt; seit 2012 wird er stimmlich von Irmgard Boas betreut. Bereits 2004 war Jan Remmers mit der Partie des Ferrando in Mozarts Così fan tutte bei den Wiener Festwochen zu erleben. 2006 sang er im Rahmen des Lucerne Festival das Tenorsolo in Kurt Weills Berliner Requiem – eine Produktion mit dem Dirigenten John Axelrod, die auch auf CD eingespielt wurde. Seit 2005 ist Jan Remmers festes Ensemblemitglied im Rundfunkchor Berlin. Bei den Berliner Philharmonikern debütierte er Ende September 2010 unter der Leitung von Pierre Boulez im Rahmen einer konzertanten Aufführung von Strawinskys Oper Le rossignol beim Musikfest Berlin.

Wolfram Teßmer, in Neustrelitz geboren, studierte zunächst Kirchenmusik in Greifswald. Seine Gesangsausbildung absolvierte er bei Wolfgang Hellmich an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin und ergänzte sie in Liedklassen und Meisterkursen von Dietrich Fischer-Dieskau, Wolfram Rieger, Peter Schreier und Max von Egmond. Seit 2004 ist Wolfgang Teßmer festes Mitglied des Rundfunkchors Berlin. Sein besonderes Interesse gilt der Alten Musik, der er sich im Mittelalter-Ensemble Vox Nostra und im Ensemble Archaica widmet. Darüber hinaus singt er in dem aus Mitgliedern des Rundfunkchors bestehenden Amalien-Ensemble. Wolfram Teßmer war u. a. 2007 an der siebenstündigen Aufführung von Sir John Taveners The Veil of the Temple im Hamburger Bahnhof beteiligt und gastierte als Solist beispielsweise beim Deutschen Symphonie-Orchester und beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Er tritt regelmäßig mit eigenen Programmen in der Kammermusik-Reihe des Rundfunkchors Berlin auf und konzertiert auch im Ausland. Nach seinem Debüt als Solist der Berliner Philharmoniker an zwei Abenden im September 2010 mit Igor Strawinskys Oper Le Rossignol (Dirigent: Pierre Boulez) war Wolfram Teßmer zuletzt Ende Januar 2011 solistisch in einem Konzert der Stiftung zu hören, bei dem er gemeinsam mit Guy Braunstein und der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattles Leitung das Violinkonzert Nr. 2 für Solo-Geiger, Tonband, Bassbariton und 33 Instrumentalisten von Hans Werner Henze zur Aufführung brachte.

Isabelle Voßkühler, geboren in Berlin, studierte zunächst Musikwissenschaft und Romanistik, bevor sie in die Gesangsklasse von Jutta Schlegel an die Hochschule für Musik »Hanns Eisler« wechselte. Während ihrer Ausbildung war sie von 1989 bis 1997 Mitglied des Ernst Senff Chors Berlin, sang als Aushilfe im RIAS Kammerchor, im NDR Chor Hamburg, im Collegium Vocale Gent sowie im Rundfunkchor Berlin, dem sie seit 1997 als festes Mitglied angehört. Überdies wirkte sie einige Jahre in den der zeitgenössischen Musik gewidmeten Konzerten des Ensembles Intégrales mit. Immer wieder wird Isabelle Voßkühler auch mit solistischen Aufgaben betraut: In den Konzerten der Berliner Philharmoniker übernahm Isabelle Voßkühler seit ihrem Debüt Ende April 1998 in Wolfgang Rihms Bildlos / Weglos für Orchester und sieben Frauenstimmen (Dirigent: Claudio Abbado) mehrfach kleinere Solo-Rollen, etwa Anfang Oktober 2005 in zwei konzertanten Aufführungen von Franz Schuberts Oper Alfonso und Estrella, deren Mitschnitt erst kürzlich im Rahmen der Gesamteinspielung aller Schubert-Symphonien unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt beim orchestereigenen CD-Label erschien. Zuletzt als Solistin war Isabelle Voßkühler bei den Berliner Philharmonikern in drei von Tomáš Netopil dirigierten Konzerten Ende September/Anfang Oktober 2010 mit der Echostimme in Bohuslav Martinůs Trois Fragments de l’opéra »Juliette« zu hören.

Duncan Ward studierte Dirigieren, Klavier und Komposition am Royal Northern College of Music in Manchester; heute gehört er zu den besonders vielversprechenden Nachwuchsdirigenten weltweit. Auf Einladung von Sir Simon Rattle wurde er 2012 erster Dirigier-Stipendiat an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker, wo er im Rahmen seiner Ausbildung u. a. bei Einstudierungen von Wolfgang Amadeus Mozarts Zauberflöte, Arnold Schönbergs Gurre-Liedern, Benjamin Brittens War Requiem und Georg Friedrich Haas’ Orchesterstück in vain assistierte. Zu den bisherigen Höhepunkten in Duncan Wards Karriere zählen seine Debüts bei den Symphonieorchestern von Bamberg und Luzern sowie Auftritte beim Royal Scottish National Orchestra, bei der Manchester Camerata und beim Royal Liverpool Philharmonic Orchestra. Er dirigierte zudem die Streicher des London Symphony Orchestra bei der Serie UBS Soundscapes Eclectica und war im Rahmen einer Aufführung von Edward Elgars Oratorium The Music Makers durch die Salford Choral Society und Mitglieder des BBC Philharmonic Orchestra zu erleben. Duncan Ward ist auch als Komponist erfolgreich: So wurde er 2005 von der BBC als »Young composer of the year« ausgezeichnet; von 2011 bis 2013 war er Glyndebourne’sYoungComposer in Residence. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker war er zuletzt Ende Januar 2015 im Rahmen des Konzerts zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust als Dirigent der Uraufführung von Ohad Ben-Aris Violins of Hope für Solo-Violine, Solo-Violoncello und Streicher zu erleben; neben den Solisten Guy Braunstein (Violine) und Zvi Plesser (Violoncello) musizierten Mitglieder der Berliner Philharmoniker.

Peter Sellars

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