Berliner Philharmoniker

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Berliner Philharmoniker

Herbert Blomstedt dirigiert Dvořák und Berwald

Melancholisch, dabei kraftvoll und nie larmoyant: so gibt sich Antonín Dvořáks Siebte Symphonie. Bezwingend ist vor allem die Mischung unterschiedlicher Stimmungen, etwa im zugleich schwermütigen und tänzerischen Scherzo. Dazu dirigiert Herbert Blomstedt eine Wiederentdeckung: die Dritte Symphonie Franz Berwalds – ein mitreißendes, gelegentlich an Mendelssohn erinnerndes Werk, das die Berliner Philharmoniker zuletzt 1917 öffentlich gespielt haben.

Berliner Philharmoniker

Herbert Blomstedt Dirigent

Franz Berwald

Symphonie Nr. 3 C-Dur »Sinfonie singulière«

Antonín Dvořák

Symphonie Nr. 7 d-Moll op. 70

Termine und Tickets

Do, 11. Feb. 2016 20 Uhr

Philharmonie

Einführung: 19:00 Uhr

Fr, 12. Feb. 2016 20 Uhr

Philharmonie

Einführung: 19:00 Uhr

Sa, 13. Feb. 2016 19 Uhr

Philharmonie

Einführung: 18:00 Uhr

Videomitschnitt ansehen

Eine Aufzeichnung des Konzerts wird online in unserer Digital Concert Hall angeboten.

Programm

Wenn man einen Blick in den aktuellen Konzertkalender von Herbert Blomstedt wirft, kommt man nicht auf den Gedanken, dass der Mann schon ein Veteran der Klassikszene ist. Denn der in den USA geborene und in Schweden aufgewachsene Weltklassedirigent, Jahrgang 1927, hat ein Pensum zu bewältigen, das einem jungen Hüpfer alle Ehre machen würde: »Musik macht natürlich viel Arbeit – wie Richard Strauss zu sagen pflegte – aber sie gibt auch Kraft. Wenn man gesund ist, und wenn man merkt, dass man noch gebraucht wird, ist sie eine nicht zu stoppende Inspiration.«

Als regelmäßiger Gast der Philharmoniker macht Herbert Blomstedt auch in dieser Spielzeit wieder in Berlin Station – diesmal mit einer aufregenden Repertoire-Neuentdeckung. Denn Blomstedt hat ein Werk des bedeutendsten schwedischen Symphonikers des 19. Jahrhunderts aufs Programm gesetzt: Franz Berwalds Sinfonie singulière, ein Opus, das »sehr zu Unrecht heute weitgehend unbekannt« ist. (Blomstedt) Die im Titel angeführte »Einzigartigkeit« dieser im März 1845 vollendeten Symphonie – es ist Berwalds Dritte – scheint sich schon in den ersten Takten zu bestätigen. Das Ungewöhnliche ist hierbei allerdings nicht die Harmonik, sondern ein eigentümliches Changieren der Musik, da ein schlichtes Motiv über wechselnde Harmoniefolgen geschichtet wird. Nach einem originellen zweiten Satz, in dem das Scherzo als ein Mittelteil in das Adagio integriert wird, folgt ein impulsiv-funkensprühendes Finale, dessen mitreißender Elan einen gelungenen Kontrast zum Vorhergehenden bietet.

Nach Franz Berwalds Sinfonie singulière, die Herbert Blomstedt im Rahmen der Kritischen Gesamtausgabe auch herausgegeben hat, folgt die Siebte Symphonie von Antonín Dvořák, den kein Geringerer als Hans von Bülow voller Bewunderung als »den nächst Brahms gottbegnadetsten Tondichter der Gegenwart« bezeichnete. Bei der Londoner Premiere hat das Werk »sehr gefallen« (Dvořák); selbst der damals gefürchtete Kritiker George Bernard Shaw lobte »die Mannigfaltigkeit der Rhythmen und Figuren«.

Über die Musik

Bülows Berwald, Bülows Dvořák

Zwei denkbar unterschiedliche philharmonische Karrieren

Seltsam und absonderlich: Franz Berwalds Symphonie Nr. 3 C-Dur »Sinfonie singulière«

Franz Berwald hatte ein Image-Problem: Er passte nicht ins kleinkarierte Stockholm seiner Zeit, dafür war er einige Nummern zu groß und zu großspurig. Aber er war auch der Schrecken aller biedermeierlichen Salons in Berlin und Wien. Niemand verstand, auf welchen Leistungen Berwalds lärmendes Selbstbewusstsein beruhte. Felix Mendelssohn Bartholdy, der ihn 1830 in der preußischen Haupstadt kennenlernte, beklagte die »Prahlerei und Arroganz« dieses seltsamen Vogels und die »sonderbar ausgestopften Harmonien« seiner Gesänge. Geschlagene zwölf Jahre lebte Berwald in Berlin, wo er als Komponist verkümmerte und das Gewerbe wechseln musste: Er gründete ein Orthopädisches Institut, entwickelte viele Apparaturen, mit denen er behinderten Menschen oft unentgeltlich half und die Anerkennung der medizinischen Zunft fand. Im Institut lernte er auch seine Ehefrau kennen, eine gebürtige Königsbergerin. Berwald selbst hatte einen deutschen Vater und eine schwedische Mutter.

1841 gab er das Geschäft auf und fuhr nach Wien, machte die Bekanntschaft von Mozarts Sohn Franz Xaver, besuchte ehrfürchtig eine der Wohnungen Beethovens und dessen Grab auf dem Währinger Friedhof. Die neue Freiheit führte zu einer explodierenden kompositorischen Tätigkeit; innerhalb der nächsten Jahre entstanden seine vier Symphonien und zahlreiche weitere Orchesterwerke. Aber einen Durchbruch erzielte Berwald in Wien genausowenig wie später in Paris. Er blieb der ungehobelte Außenseiter und setzte sich überall zwischen sämtliche Stühle. Nur einmal schob ihm das Ausland eine bequemere Sitzgelegenheit unter, und das war fast ein Thron.

Im Jahr 1882, als sich das Berliner Philharmonische Orchester gründete, unternahm Hans von Bülow, der es schon bald in einsame Höhen führen sollte, gerade eine Tournee durch Skandinavien. In einer Concertreiseskizze aus Stockholm erwähnte er Berwald und nannte ihn »einen wirklichen musikalischen Selbstdenker«. Wie kam ausgerechnet Bülow, der einstige Freund Wagners und vehemente Förderer von Brahms, Dvořák und Tschaikowsky, 1882 auf diesen schwedischen Komponisten, der bereits seit 14 Jahren tot war und nirgends aufgeführt wurde? Bülow hatte während seiner ersten Berliner Zeit kammermusikalische Soireen veranstaltet und 1858 setzte er bei einer von ihnen Berwalds d-Moll-Klaviertrio aufs Programm, was einen handfesten Skandal entfachte. Den Klavierpart spielte der 17-jährige polnische Wunderknabe Carl Tausig, der das Werk bereits im Vorjahr Richard Wagner in Zürich vorgegestellt hatte anschließend berichtete, dass es dem Meister »wirklich äußerst gefallen« habe. Bülow kannte noch weitere Werke Berwalds empfahl einem Freund: »Das Trio von Berwald ist ferner ein wahres Prachtstück. Sieh Dir einmal die 3 Trios sowie die beiden Clavierquintette dieses alten Zukunftsmusikers an, und Ihr werdet Eure Freude daran haben. Berwald ist Kapellmeister in Stockholm, geb. 1796, und die genannten Werke sind vor dreißig Jahren geschrieben. Man glaubt’s kaum.«

Muss man auch nicht glauben. Franz Berwald war nie Kapellmeister – da lag eine Verwechslung mit seinem Vetter Johan Fredrik vor –, und die Quintette und Trios waren allesamt noch recht druckfrische Stücke. Als ihr Entdecker darf Franz Liszt gelten. Jener war Berwald im April 1857 in Weimar begegnet, und bei dieser Gelegenheit spielte Liszt auch das c-Moll-Klavierquintett des schwedischen Kollegen durch. Berwald widmete daraufhin sein Zweites Klavierquintett (A-dur) dem »König der Pianisten«, der sich für die Zueignung in überschwänglichen Worten bedankte. Der aus dem zurückgebliebenen Stockholm stammende Tonsetzer fand sich auf einmal ins Zentrum der musikalischen Avantgarde versetzt und gewann die Bewunderung der anspruchsvollsten wie auch der fortschrittlichsten Musiker der Epoche. Aber es half ihm nichts.

Als Hans von Bülow im Herbst 1887 Chef der Philharmoniker in Berlin wurde, konnte er nichts für den Schweden tun. Die vier Symphonien waren ungedruckt, nur eine von ihnen, die Sérieuse, erklang zu Berwalds Lebzeiten, in einem desaströs endenden Stockholmer Konzert 1843. Danach ließ Berwald diese Werke lieber im Schrank reifen. Und vergaß sie schließlich. Das schönste symphonische Kleeblatt der Musikgeschiche neben denjenigen von Schumann und Brahms – es blieb Jahrzehnte ungepflückt. Berwalds Vierte, die Sinfonie naïve, erlebte ihre Uraufführung 1878, zehn Jahre nach dem Tod des Komponisten, die Sinfonie singulière 1905 und die Sinfonie capricieuse 1914.

Was die Zeitgenossen Berwalds an seinen Werken auszusetzen hatten, wirkt heute originell und progressiv. Es stimmt durchaus: Bei ihm gibt es abrupte Stimmungswechsel, die als unmotiviert erscheinen können, wenn ein Dirigent nicht die federnde Agogik solcher Stellen herauszuarbeiten versteht; es gibt erschütternd wenig melodisches Material, doch das Wenige wird durch Berwalds Handhabung und Harmonik zu etwas ganz Eigenartigem. Gerade der Beginn seiner Sinfonie singulière, romantisch raunend wie sonst nur noch Schuberts Unvollendete, illustriert dieses Verfahren exemplarisch: Es ist das Beben zweier Töne im Quartabstand, das sequenzierend – also in immer gleicher Gestalt – von den Bässen und Geigen bis zu den Holzbläsern aufsteigt; aber wie gekonnt versteht es Berwald, die Monotonie durch dissonante Liegetöne zu umgehen und den ganzen Vorgang schließlich in einen berückenden Flötentriller münden zu lassen! Über mehrere motivische Kurzformeln entwickelt sich daraus das klangmächtig hervorbrechende Hauptthema in Hörnern und Trompeten. Aber es ist gar kein richtiges Thema, sondern nur die signalartige Wiederholung der stets gleichen Töne, unterbrochen von harmonisch changierenden, schäumenden Streicherläufen. Diese für Berwald sehr typische Stelle hat etwas Manisches oder auch Schamanisches – minimal music auf höchstem Niveau. Im Verlauf des Allegro fuocoso schwillt die Musik zu dämonischer Größe an, und die vom Orchester wütend herausgeschleuderten Achtelketten, jeweils nur um einen Halbton verschoben, drohen fast die symphonische Konstruktion zu zerbrechen. Doch beendet Berwald plötzlich den Sturmlauf und schiebt kurze Erholungsphasen ein, um sogleich wieder den nächsten Aufruhr loszutreten. Nach dem Muster der Fünften Symphonie Beethovens arbeitet er mit extrem kargem Material, dem er einen streng logischen Formverlauf abgewinnt, ohne jedoch, im Gegensatz zu vielen Miniatur-Titaten jener Zeit, das unerreichbare Vorbild zu imitieren: Berwald klingt nie nach Beethoven. In dieser Individualität und nicht etwa in irgendwelchen Volksliedzitaten liegt das »Nordische« seiner Kunst, ihr Charakter aus Eisen und Erz sowie – nicht zuletzt – ihr gewöhnungsbedürftiger Humor.

Die anderen drei Sätze sind ebenfalls hochoriginell. Das Adagio wird, kaum hat es sein träumerisches Melos gefunden, dreist durch einen Forte-fortissimo-Schlag der Pauke unterbrochen und sofort vom Scherzo abgelöst. Dieses entrollt in geistvollem Wechselspiel launige Fantasiebilder, bevor das Adagio kurz zurückkehrt. Das Scherzo ist demnach als Triosatz des Adagios behandelt, eine bis dato unbekannte formale Lösung. Auch im Presto-Finale taucht die verträumte Melodie des langsamen Teils wieder auf, allerdings kaum überlebensfähig in einem vor Zorn berstenden Satz, dessen Hauptthema eher frenetisch als fröhlich ist. Er steht größtenteils in c-Moll und rettet sich erst ganz zum Schluss in die Grundtonart C-Dur. Ein deutscher Konzertführer resümierte 1919, Berwald sei es in der Singulière gelungen, »nordischem Wesen technischen Ausdruck zu geben, am wirksamsten durch die Harmoniebehandlung.«

Die ersten deutschen Aufführungen des Werks – 1906 Karlsruhe, 1909 Berlin, 1912 Leipzig und Dortmund – fanden erstaunlich verständnisvolle Kritiker. Einer erkannte »untrügliche Zeichen des Genies«, ein anderer meinte, dass die Singulière »zum Allerbesten gehört, was wir seit Beethoven an Symphonien haben.« Die Berliner Philharmoniker spielten sie im Konzert erstmals und bislang einzig 1917 unter der Leitung von Armas Järnefelt, dem Schwager von Sibelius; 1955 folgte immerhin eine Schallplattenproduktion mit Igor Markevitch. Ein anderer »Berliner« entdeckte Berwald erst nach seiner philharmonischen Zeit: Sergiu Celibidache führte die Singulière 1967 in Stockholm auf, was ein nach seinem Tod auf CD veröffentlichter Konzertmitschnitt eindrucksvoll dokumentiert. Im selben Jahr erschien die Partitur-Neuausgabe bei Bärenreiter, herausgegeben von Herbert Blomstedt.

Bis zum Jähzorn gesteigerte Empfindlichkeit: Antonín Dvořáks Symphonie Nr. 7 d-Moll op. 70

Vielleicht wäre Berwald durchzusetzen gewesen, hätte Hans von Bülow eine Symphonie dieses einzigen skandinavischen Musikgenies v o r Grieg in Berlin präsentieren können. Denn Bülow pflegte sich rigoros für Komponisten einzusetzen, die es ihm angetan hatten. Ihn störte kein murrendes Publikum, keine Häme der Kritiker und am allerwenigsten politischer Gegenwind. Und der wehte ihm besonders heftig und seinen Eigensinn besonders anfeuernd im Fall Antonín Dvořáks entgegen. Eigentlich war dieser böhmische Dickschädel ein Glückskind. Er gewann Brahms zum Freund und den Wahl-Berliner Fritz Simrock zum Verleger. Die Deutschen förderten ihn enorm, versuchten aber zugleich, seine symphonischen Ambitionen in die Bahnen ihrer eigenen Tradition zu lenken. Tschechische Werktitel wurden unterdrückt oder auf die zweite Seite einer Partitur verbannt, selbst deutsche Bezeichnungen wie »slawisch« stigmatisierten eine Ausgabe als unverkäuflich. Die nationalrevolutionäre Husitská-Ouvertüre fand in Deutschland und Österreich kaum Freunde und keinen Absatz. Dvořák selbst dirigierte sie 1884 in der Berliner Philharmonie mit niederschmetterndem Resultat, über das er brieflich berichtete: »Die von Spott, Hass und Galle überströmende Kritik (besser gesagt Hinrichtung) macht mir viel Spaß und Vergnügen. Es wird immer toller – aber mich in meinem Fluge zu hindern – werden die Herren in Berlin doch nicht!«

Einer immerhin unterstützte ihn rückhaltlos: Hans von Bülow brachte die Husitská landauf, landab zu Gehör, »aus Opposition«, wie Simrock meinte. »Dem Publikum gefällt das Stück nie – ich habe das schon sechsmal erlebt.« Das Missfallen konnte sich bis zum Tumult steigern; bei einer – Dresdner! – Aufführung brüllten Besucher »Tscheche raus!«, Bülow entkam nur unter Polizeischutz. Viel besser erging es ihm und Dvořáks Siebter Symphonie bei zwei Berliner Konzerten Ende Oktober 1889. Die Zuhörer huldigten dem Dirigenten und dem anwesenden Komponisten lautstark. Dvořák klebte danach das Konterfei Bülows auf seine Partiturniederschrift und setzte dazu – in tschechischer Sprache – den Vermerk: »Heil! Du hast dieses Werk zum Leben gebracht!«

Der Erfolg in Deutschland gründete sich auf den ernsten, streng symphonischen Zug in diesem Werk. Nationaltschechische Anklänge hört man zwar im Scherzo heraus, aber nur das Trio schlägt naiv-volkstümliche Töne an; sonst regieren auch hier ein trübes d-Moll und eine bis zum Jähzorn gesteigerte Empfindlichkeit. Das Scherzo reflektiert, wie das ganze Werk, jenen schicksalhaften Konflikt, in dem sich Dvořák als ein tschechischer Patriot befand, der Kosmopolit (und das hieß damals: Gefolgsmann von Beethoven und Brahms), volkstümlicher Rhapsode und international anerkannter Symphoniker zugleich sein wollte. Die Tendenz des Werks tritt sogleich in den ersten Takten deutlich hervor. Das Allegro maestoso wird von den tiefen Streichern mittels einer unheilverkündenden und doch kämpferischen Formel eröffnet, die schnell das Geschehen an sich reißt. Eines der Seitenthemen zeigt auffällige Ähnlichkeiten mit dem Hauptthema der Husitská. Lyrische Passagen, auch instrumental stark an Brahms erinnernd, werden rigoros beiseitegedrängt, und der Satz stürzt auf ein martialisches Ende zu, erlischt dann aber in Resignation. Es folgt einer der trostreichen Naturgesänge, wie er in keinem Werk Dvořáks fehlen darf, am allerwenigsten in der tragisch umwitterten Siebten. Romantischer Hörnerklang und sehnsuchtsvoll hymnisches Streichermelos, allerdings auch heftiges Aufbegehren, in Visionen eines düsteren Triumphs kulminierend, machen dieses Adagio zu Dvořáks großartigstem, tiefsinnigsten langsamen Satz. Nach dem d-Moll-Scherzo ist dann das Finale in derselben Tonart keine Überraschung, eher schon die abschließende Wendung nach D-Dur. Dieses Allegro führt die Konflikte des Kopfsatzes in Form eines bedrohlichen Geschwindmarschs fort und ruft auch noch einmal das Husitská-Thema zum Kampf auf. Gleich Unglücksvögeln, die über einem Todgeweihten kreisen, unterbrechen die Stimmen der Holzbläser immer wieder das mitreißende Geschehen. Erst die letzten zehn Takte manifestieren den Sieg, der sich wohl eigenem Trotz, noch mehr aber einer überirdischen Lösung zu verdanken scheint.

Dvořáks Siebte eroberte das Publikum, weil sie auf geniale Weise das vertraute Schema der tragisch-heroischen Symphonie erfüllte und dadurch letztlich alle Widerstände überwandt. Berwalds 40 Jahre ältere C-Dur-Symphonie fand nie den Weg ins Repertoire, weil sie zu spät gedruckt und auch von Bülow nicht aufgeführt wurde, vor allem aber, weil ihr bizarrer Eigensinn der zentraleuropäischen Tradition widersprach. Die Singulière blieb, wie es ihr Namensgeber geahnt hatte, seltsam und absonderlich. Bis zum heutigen Tag.

Volker Tarnow

Biografie

Herbert Blomstedt, als Sohn schwedischer Eltern in den USA geboren, wurde zunächst am Konservatorium in Stockholm und an der Universität Uppsala ausgebildet. Später studierte er in New York (Dirigieren), in Darmstadt (Zeitgenössische Musik) sowie in Basel (Renaissance- und Barockmusik). Nach Lehrzeiten bei Igor Markevitch und Leonard Bernstein gab Herbert Blomstedt im Februar 1954 sein Dirigierdebüt beim Philharmonischen Orchester Stockholm. Es folgten Chefpositionen beim Philharmonischen Orchester Oslo, beim Dänischen und beim Schwedischen Radio-Symphonieorchester sowie bei der Staatskapelle Dresden (1975 bis 1985). Von der Saison 1985/1986 an war der Dirigent für ein Jahrzehnt Musikdirektor des San Francisco Symphony Orchestra. Zwischen 1996 und 1998 wirkte er als Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters in Hamburg; anschließend stand er bis zum Ende der Saison 2004/2005 an der Spitze des Gewandhausorchesters Leipzig. Die von ihm vormals als Chefdirigent geleiteten Orchester in San Francisco und Leipzig, die Radio-Symphonieorchester Dänemarks und Schwedens sowie das NHK Symphony Orchestra in Japan und die von ihm seit 1982 regelmäßig dirigierten Bamberger Symphoniker ernannten Herbert Blomstedt zum Ehrendirigenten; die Staatskapelle Dresden verlieh ihm 2007 die Goldene Ehrennadel des Orchesters. Als Gast dirigierte er u. a. die Münchner Philharmoniker, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam, die führenden amerikanischen Orchester, das Israel Philharmonic Orchestra sowie die Wiener Philharmoniker. Auch am Pult der Berliner Philharmoniker war Herbert Blomstedt seit 1976 wiederholt zu erleben, zuletzt im Januar 2015 an drei Abenden mit Anton Bruckners Achter Symphonie. Der Musiker ist gewähltes Mitglied der Königlich-Schwedischen Musikakademie und mehrfacher Ehrendoktor. 2003 erhielt er das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Herbert Blomstedt

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