Berliner Philharmoniker

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Education

Kinderoper »Der kleine Rosenkavalier« mit Musik von Richard Strauss in einem Arrangement von Aurélien Bello

Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Stipendiaten der »Akademie Musiktheater heute« der Deutsche Bank Stiftung

Aurélien Bello Dirigent

Felicitas Frische Marschallin

Alice Fuder Sophie

Rita Varga Octavian

Magnus Piontek Baron Ochs

Hersilie Ewald Libretto und Regie

Sophie Borchmeyer Dramaturgie

Matthias Winkler Bühnenbild

Empfohlen für Kinder ab 5 Jahren

Termine und Tickets

So, 26. Apr. 2015 15 Uhr

Philharmonie

So, 26. Apr. 2015 17 Uhr

Philharmonie

Programm

In Kooperation mit dem Festspielhaus Baden-Baden und der »Akademie Musiktheater heute« der Deutsche Bank Stiftung entsteht in Baden-Baden eine Kinderoper zu der großen Oper Der Rosenkavalier von Richard Strauss. Auf Grundlage eines neuen musikalischen Arrangements wird die Geschichte für Kinder ganz neu erzählt und von Mitgliedern der Berliner Philharmoniker musikalisch begleitet. Die Hauptrollen übernehmen Gesangsstudenten der Hochschulen Baden-Württembergs, das Regie-Team kommt aus den Reihen der Stipendiaten der »Akademie Musiktheater heute«. Rundherum also ein kreatives Nachwuchsprojekt, welches spannende neue Wege geht.

Über die Musik

Mit ihrem Education-Programm möchten die Berliner Philharmoniker ihre Arbeit und ihre Musik einem möglichst breiten Publikum zugänglich machen. Ermöglicht wird diese Initiative von der Deutschen Bank.

Der kleine Rosenkavalier

Eine Oper von Richard Strauss verwandelt für Kinderohren

Was ist eigentlich Oper?

Jacob: Mama, was macht denn da so viel Lärm?

Mama: Ich höre Oper!

Jacob: Warum, was macht Opa denn?

Mama: Nein, OpER, nicht OpA, Jacob.

Jacob: Ach so… Und was ist ein OpER?

Mama: EinE Oper, Jacob, das ist wie Theater. Nur dass in der Oper der Text nicht gesprochen, sondern gesungen wird, von sehr hoch bis ganz tief und solche Stücke nennt man dann Arien.

Jacob: Und was singen die da so in diesen Arien? Ich verstehe kein Wort bei dem ganzen Krach.

Mama: Tja, den Text versteht man leider selten, vor allem, weil er oft auf Italienisch ist. Die Oper kommt nämlich aus Italien. Und sie ist schon fast 400 Jahre alt! Damals gab es noch kein Kino und kein Fernsehen, um die Leute zu unterhalten. Aber die berühmtesten Opernsänger waren richtige Stars, so wie heute Justin Bieber. Und natürlich gab es auch noch keine CD-Player …

Jacob: Aber wie haben die Leute denn dann Opern gehört?

Mama: Na, im Theater. Opern werden genau wie Schauspielstücke auf einer Bühne gespielt! Der Unterschied ist, dass es bei einer Oper einen tiefen Graben vor der Bühne gibt. In dem versteckt sich nämlich das ganze Orchester, das die Arien der Sänger begleitet. Und ein Dirigent – von dem sieht das Publikum dann nur ein Stück des Hinterkopfs.

Jacob: Aber hier zu Hause siehst du die Oper ja gar nicht, du hörst sie doch bloß!

Mama: Stimmt, das ist ein bisschen wie die konzertante Aufführung einer Oper.

Jacob: Also ohne Theater heißt konzertant?

Mama: Genau, weil es dann wie bei einem Konzert ist, ganz ohne Kostüme und Bühnenbild. Die Sänger stehen nur da, singen und bewegen sich fast gar nicht. Wenn es aber richtiges Theater mit Musik ist und es Kostüme und ein Bühnenbild gibt, dann nennt man das szenisch.

Jacob: Du magst konzertant lieber, oder?

Mama: Wie kommst du denn darauf?

Jacob: Na du sagst doch immer, wenn ich schlechte Laune hab, ich soll »nicht so eine Szene machen«!

Schmutzfink sucht Putzfrau

Der Ochs, das ist ein seltsam Vieh,
Sein Haus ist ganz verschmutzt,
Drum will er nun, dass die Sophie
Ihn heiratet und putzt.

Als Ochse jedoch wird das nix,
Darum verzaubert er
Sich selbst mit ein paar Zaubertricks
In einen Mistkäfer.

Sophie, die Raupe putzt sehr viel,
Den Ochs kennt sie noch nicht.
Die Marschallin ersinnt ein Spiel
Und so geht die Geschichtʼ:

Der Ochs als Käfer stößt mit ihr
Zusammen und erzählt,
Dass er, das stattlichʼ Käfertier,
Sophie als Braut erwählt.

Doch kennt er sich mit Frauʼn nicht aus,
So beichtet Ochs gleich ihr.
Die Marschallin schickt drum voraus
Den Rosenkavalier.

Sie fragt dazu Octavian,
Den Grashüpfer der Stadt,
Da der sowas bestimmt gut kann
Und Langeweile hat.

Die Silberrose, die er nimmt,
Die Marschallin belegt
Mit einem Zauber: Der bestimmt,
Für wen man Liebe hegt.

So geht am Tag der Hochzeit dann
Der Rosenkavalier
Zur Braut, dort schlägt der Zauber an
Und gleich verfällt er ihr.

Auch die Sophie verliebt sich arg
Und beide sind verwirrt,
Was wird denn nun aus diesem Tag,
Da kommt Ochs angeschwirrt.

Der stellt sich vor und prahlt gar laut,
Dass er im Haus hat Schmutz
Und sich Sophie hat ausgeschaut,
Damit sie für ihn putzʼ.

Auf einmal schaut Octavian,
Der wirklich clever ist,
Den Ochsen ganz genau sich an,
Entlarvt die Käferlist.

Als Wurm kehrt Ochs nochmal zurück,
Entführt Sophie sofort,
Doch Octavian zu ihrem Glück
Jagd Ochs am Ende fort.

Jetzt sind sie glücklich und vereint,
Sophie und Octavian,
Am Hochzeitstag die Sonne scheint,
Nun sind sie Frau und Mann!

Richard Strauss und was man in seiner Musik hören kann

Richard Strauss wurde 1864 in München geboren. Sein Vater war Hornist im Münchner Hoforchester und Richard wuchs mit ganz viel Musik um sich herum auf. Kein Wunder, dass er schon als Sechsjähriger anfing, selbst zu komponieren. Später wurde aus ihm einer der berühmtesten Komponisten überhaupt! Er schrieb zahlreiche Lieder und viele Stücke für Orchester, doch besonders seine Opern machten ihn als Komponist bekannt. Sie werden heute noch häufig gespielt, obwohl Richard Strauss schon vor 66 Jahren gestorben ist. Der Rosenkavalierist eine seiner lustigen Opern und war von Anfang an ein Riesenerfolg: Es mussten sogar Sonderzüge eingesetzt werden, um die begeisterten Fans aus Berlin in die Oper nach Dresden zu bringen, wo Der Rosenkavalier 1911 erstmals aufgeführt wurde! (Den Text zu diesem Stück steuerte übrigensein Freund von Strauss bei, der Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal.)

Strauss konnte sehr gut mit den Klangfarben des Orchesters umgehen, da hatte er viel Fantasie. Deshalb erfand er auch besonders schöne »Zaubermusiken«. Im Rosenkavalier wird ja viel gezaubert – gleich zu Beginn könnt ihr hören, wie die verrückte Verwandlung von Ochs sich in den Klängen des Orchesters widerspiegelt. Später, wenn Octavian auf Sophie trifft und der Liebeszauber der Rose zu wirken beginnt, meint man, ein wunderbares Schimmern und Glitzern zu vernehmen; es entsteht durch die Tremoli der »himmlischen« Celesta.

Zudem könnt ihr in der ganzen Oper sogenannte Leitmotive entdecken, die den einzelnen Figuren zugeordnet sind und oft bei deren Auftritten erklingen. Ganz am Anfang, als allererstes, spielt das Horn Octavians Leitmotiv – es klingt richtig heldenhaft, stimmt’s? Er ist ja auch der kleine Held der Oper. Das Leitmotiv vom Ochs hört ihr bei seinem ersten Auftritt. Es klingt eher streng und gewichtig. Sophies Leitmotiv hingegen ist eine zarte Melodie der Oboe, die gespielt wird, kurz bevor Octavian dem Mädchen die Rose übergibt, aber auch später, wenn Octavian und die Marschallin überlegen, wie sie Sophie vor Ochs retten können.

Das Hochzeitslied für Sophie und Octavian

Ein Interview mit dem Ameisenkapellmeister

Aurélien Bello ist Franzose, deshalb hat er auch – wie die meisten Franzosen – eine große Leidenschaft für gutes Essen. Und natürlich für Musik! Extra für euch hat er eine kleine Version des Rosenkavaliers erstellt, denn in Wirklichkeit ist die Oper fast vier Stunden lang und für ein sehr großes Orchester geschrieben. Aurélien hat sie für euch sozusagen auf Insektengröße geschrumpft: »Das Orchester hat nur 13 Musiker und das ist manchmal zu wenig, um alle Elemente darzustellen, die in der Originalmusik vorkommen«, erklärt er mir im Interview. Und er verrät auch seine Lieblingsstelle, an der er sich etwas einfallen lassen musste: »Bei der Rosenübergabe wollte ich unbedingt die Triangelschläge von Strauss übernehmen. Der Schlagzeuger ist aber schon mit dem Becken beschäftigt. Da kam ich auf die seltsame Idee, die Marschallin das Triangel spielen zu lassen, denn sie singt in diesem Moment nicht.« Ihr seht, es ist gar nicht so einfach, eine große Oper zu verkleinern.

Aurélien kennt sich sehr gut mit Musik aus. Er hat nicht nur Dirigieren studiert, sondern auch Harfe, und er ist mit berühmten Orchestern aufgetreten. Warum hat er sich später entschieden, lieber Dirigent zu werden? »Irgendwie war diewr Wunsch schon seit meiner Kindheit da. Mit der Harfe hatte ich eine Art Hassliebe – es ist ein wunderschönes, aber auch ein sehr schwieriges Instrument!«

Dann erzählt er mir, wie ihm als Dirigent einmal etwas sehr Lustiges passiert ist: »Es war während der Symphonie fantastique von Hector Berlioz bei einem Konzert im Konzerthaus. Da spielen die Posaunen erst im vierten Satz. Mitten im langsamen dritten Satz sehe ich plötzlich einen der Posaunisten aufstehen und die Bühne verlassen. Mir schießen lauter Fragen durch Kopf: ›Ist er krank? Ist er beleidigt? Wird er wiederkommen? Nur noch fünf Minuten, nur noch drei, …‹ Dann, kurz vor seinem Einsatz, kam er zurück, setzte sich und spielte, als wäre nichts gewesen. Nach dem Konzert fragte ich ihn: ›Was war denn los?‹ Er antwortete knapp: ›Ich musste mal.‹«

Wer hat denn hier die Hosen an?

Es gibt eine Redewendung, die habt ihr vielleicht schon einmal gehört: »Jemand hat die Hosen an.« Meistens bezieht sich das auf ein Liebespaar. Dann sagt man etwas wie: »Du, bei Georg und Marie, da hat aber sie die Hosen an.« Komisch, denkt ihr euch jetzt, haben wir nicht alle meistens Hosen an? Ist das so ungewöhnlich? Nein, denn heutzutage ist es ganz normal, Hosen zu tragen. Aber das war nicht immer so! Früher, bis vor etwa 100 Jahren, war die Hose den Männern vorbehalten. Frauen trugen bis dahin Kleider oder lange Röcke. Erst um 1900 wollten viele Frauen, die sich vorher vor allem um die Kinder und den Haushalt gekümmert hatten, die gleichen Möglichkeiten haben wie die Männer – zum Beispiel Rad fahren. Aber das ist ziemlich unpraktisch mit einem langen Kleid. Der Sport spielte eine wichtige Rolle dabei, dass die Hose nach und nach auch ein Kleidungsstück für Frauen wurde. Leicht war dies jedoch nicht, denn die Männer wehrten sich lange gegen den Wunsch der Frauen, auch in Hosen zu schlüpfen. Es war ein richtiger Machtkampf, denn »die Hosen anzuhaben« bedeutete damals vor allem, bestimmen zu können. Deshalb benutzt man diese Redensart noch heute in diesem Sinne.

Nun gab es allerdings schon vor rund 400 Jahren auf den Theaterbühnen Männerrollen, die von Frauen verkörpert wurden – in Hosen! Das erscheint ein bisschen verwirrend, hatte aber gute Gründe: Eine sogenannte Hosenrolle konnte sehr witzig wirken und das Publikum zum Lachen bringen. Männer freuten sich, anstelle des langen Kleides die hübschen Beine der Frauen auf der Bühne bewundern zu können. Vor allem aber – und das ist besonders für die Oper wichtig – haben Frauen ja höhere Stimmen als Männer. Denn damals galt eine hohe Stimme als himmlisch und deshalb schrieben die Komponisten auch die Musik für ihre männlichen Heldenrollen in den höchsten Tonlagen. Gesungen wurden diese Partien auch von Kastraten, also Männern, die in der Sopran-Stimmlage singen konnten, weil sie vor dem Stimmbruch kastriert wurden. Zum Glück wurde diese Praktik bald verboten und Frauen in Hosen übernahmen diese Rollen in der Oper.

In neueren Opern werden oft Kinder oder junge Männer von Frauen gespielt, wie zum Bespiel im Rosenkavalier. Hier ist der Octavian eine Hosenrolle, denn er wird von einer Mezzosopranistin gesungen. Andere berühmte Beispiele sind der Cherubino in Die Hochzeit des Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart oder der Hänsel in Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel.

Kurz erklärt

Der Begriff Arie kommt vom italienischen Wort »aria« und das heißt in etwa »Lied« oder »Weise«. Das gibt auch schon den wichtigsten Hinweis darauf, was eine Arie ist, nämlich ein gesungenes Musikstück und zwar mit Instrumentenbegleitung. Arien sind die Teile einer Oper, in denen die Handlung still steht und der Sänger bestimmte Gefühle zum Ausdruck bringt. Oft geht es auch darum, dass er hier vorführen kann, mit seiner Stimme auch besonders schwierige, virtuose Figuren zu singen. Um die Handlung voranzutreiben, nutzten Komponisten früher sogenannte Rezitative – die klingen nicht wie die liedhaften Arien, sondern eher ein bisschen wie gesungenes Sprechen. Bei einigen Opern, zum Beispiel von Richard Wagner, gibt es diese Aufteilung in Arien und Rezitative jedoch nicht. Das nennt man dann »durchkomponiert«.

Zur szenischen Aufführung einer Oper gehören nicht nur Kostüme, sondern auch ein Bühnenbild. Wie beim Theater gestalten Bühnenbildner den gesamten Bereich der Bühne. Mit gemalten Kulissen lässt sich ein Raum in eine raue Berglandschaft, eine gespenstische Festung oder auch in ein gemütliches Wohnzimmer verwandeln. Wenn dabei Tiere, Steine, Möbel oder Ähnliches aufgestellt werden, gehören diese Dinge auch zum Bühnenbild. Durch die Technik, die sich im Inneren einer Bühne versteckt, lassen sich Gegenstände wie von Geisterhand bewegen. Eine Menge Leute sorgen dafür, dass das Bühnenbild immer zur Musik passt, indem sie Kulissen per Knopfdruck erscheinen oder verschwinden lassen und in kurzen Pausen Umbauten vornehmen.

In einer großen Oper kann man als Zuschauer schon mal ganz schön durcheinander kommen. Da treten vielleicht zehn oder gar 20 verschiedene Personen auf, dann wechseln die Orte der Handlung ständig und die Geschichte wird immer komplizierter. Wer soll denn da noch den Durchblick behalten? Das dachten sich auch Komponisten im 19. Jahrhundert und entwickelten eine Idee: Wie wäre es, wenn man die Rollen jeweils mit einer bestimmten Musik verbindet, die dann immer wieder erklingt, wenn diese Personen in Erscheinung treten? Und schon war das Leitmotiv geboren, denn Leitmotive sind so etwas wie klingende Visitenkarten. Sie charakterisieren eine bestimmte Person musikalisch mit einem wiedererkennbaren Motiv, also einer bestimmten Melodie, oder einem bestimmten Rhythmus. Wenn ein Leitmotiv erklingt, dann weiß der Hörer gleich Bescheid, dass diese Person jetzt wichtig wird. Der Komponist Richard Wagner war ein Meister der Leitmotive. Bei ihm haben nicht nur Menschen oder Drachen, sondern manchmal auch Gegenstände wie Ringe oder Schwerter eigene Leitmotive.

Mit Leitmotiven kann man sogar musikalisch Dinge verraten, die auf der Bühne noch gar nicht passieren. Wenn zum Beispiel Rotkäppchen in einer Oper vertont würde, könnte man das Leitmotiv des Wolfs erklingen lassen, noch bevor er überhaupt zu sehen ist.

Stimmig in allen Lagen

Der Mensch hat nicht nur eine Sprechstimme, sondern auch eine Singstimme. Höhe bzw. Tiefe der beiden Stimmen sind bei Männern und Frauen und auch von Mensch zu Mensch verschieden. Wenn es um die Singstimme geht, unterscheidet man die sogenannten Stimmlagen. Wenn ihr schon einmal in einem Chor gesungen habt, dann kennt ihr sie sicher: Die wichtigsten sind – von hoch nach tief – Sopran, Alt, Tenor und Bass. Daneben gibt es zusätzliche Einteilungen wie zum Beispiel Mezzosopran und Bariton.

Sopran

Sopran kommt von dem italienischen Wort »sopra«, das bedeutet »über«. So erkennt man gleich, dass der Sopran die höchste Stimmlage ist, also die Stimme, die im Chor über allen anderen singt. In der Oper beeindrucken Sopranistinnen oft mit schwindelerregenden Koloraturen, das sind schnelle und sehr schwierige Verzierungen im Gesang. Die Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte treibt das im wahrsten Sinne des Wortes auf die Spitze! Andere Sopranistinnen zeichnen sich durch eine besonders mädchenhaft-leichte Stimme aus. Sie verkörpern dann gern lustige Rollen in Opern, die man Soubretten-Partien nennt.

Heute meint man fast immer eine Frau, wenn man von einem Sopran spricht, aber es gibt auch Knabensoprane. Vor allem in der Kirche, wo Frauen früher nicht singen durften, ist es noch üblich, dass Jungen zwischen 6 und 15 Jahren die hohen Partien übernehmen. Besonders im 18. Jahrhundert waren die Menschen fasziniert von den hohen Knabenstimmen. Es gibt aber auch sogenannte Countertenöre (oder auch Altus genannt), die mit einer speziell trainierten FalsettStimme ähnlich hoch singen können wie Knaben und Frauen.

Mezzosopran

Mezzosoprane singen nicht ganz so hoch wie Soprane. Mezzo bedeutet im Italienischen so viel wie »in der Mitte«, und da liegt der Mezzosopran auch, nämlich zwischen Sopran und Alt. Auch diese Stimmlage kann von Knaben gesungen werden. Heute singen Mezzosopranistinnen oft die sogenannten Hosenrollen in der Oper. Das sind solche Rollen, die eigentlich junge Männer in der Handlung darstellen, und deshalb tragen die Sängerinnen dabei Hosen und andere Männerkleidung als Kostüm.

Alt

Nein, man muss nicht besonders alt sein, um Alt zu singen, das können auch Knaben! Die Bezeichnung kommt vom lateinischen »altus«, was schlicht »hoch« bedeutet. Das wirkt jetzt etwas verwirrend, denn die höchste Stimmlage ist ja der Sopran. Aber im Vergleich zu den tiefen Männerstimmen ist der Alt immer noch hoch und der Sopran eben »über« allen anderen. Wenn du eine Altistin singen hörst, wirst du vielleicht feststellen, dass ihre Stimme im Vergleich zu den hellen Sopranstimmen etwas dunkler gefärbt ist.

Tenor

In der Chormusik der Renaissance, also vor etwa 500 Jahren, war der Tenor die wichtigste Stimme, denn sie beinhaltete die Hauptmelodie, die hieß damals cantus firmus. Die anderen Stimmen um den Tenor waren wie eine Art Verzierung dieser Melodie. Da die Töne des cantus firmus sehr lang gedehnt waren, sodass sie praktisch nie unterbrochen wurden, nannte man die Stimme Tenor (damals betonte man die erste Silbe), denn das bedeutet im Lateinischen »ununterbrochener Verlauf«.

Heute kennt man Tenöre besonders als strahlende Stars der Oper. Vielleicht habt ihr schon von Rolando Villazón gehört, der ist nämlich so ein Star. Man spricht auch von Heldentenören, da der Held einer Oper oft von einem Tenor gesungen wird. Die Tenorstimmlage ist so tief, dass sie nur von Männern gesungen werden kann, aber noch deutlich höher als die Bass-Stimme.

Bariton

Der Bariton (vom griechischen »barys«, das heißt schwer, und »tonos«, klingend) liegt zwischen diesen beiden Stimmlagen. In der Oper werden viele berühmte Rollen von Baritonen gesungen, zum Beispiel der lustige Vogelfänger Papageno in Mozarts Zauberflöte. Ein echter Kavalierbariton ist der Don Giovanni in Mozarts gleichnamiger Oper – er verführt die Damen nicht nur mit seinem Lächeln und seinem Charme, sondern auch mit seinem ohrenschmeichelnden Gesang!

Bass

Wer schon einmal einen richtig tiefen Bass hören konnte, hat vielleicht eine Gänsehaut dabei bekommen, denn die Bass-Rollen in der Oper sind nicht umsonst oft düstere Gesellen und Bösewichte so wie der Osmin in Mozarts Entführung aus dem Serail. Aber auch besonders majestätische Charaktere wie Könige oder Priester werden oft von Bässen verkörpert – das Wort »Bass« kommt vom italienischen »basso« und bedeutet »tief«.

Biographie

Die Sänger

Die vier Sänger des Kleinen Rosenkavalier studieren an verschiedenen Musikhochschulen in Baden-Württemberg und arbeiten bei dieser Oper erstmals zusammen. Ihr fragt Euch vielleicht, was für ein echter Mensch sich eigentlich hinter Sophie, Octavian, Ochs und der Marschallin verbirgt. Wir haben den Sängerinnen und Sängern zwei Fragen gestellt, die sie hier für Euch beantworten: Was ist für dich das Schönste am Sängerberuf? Was magst du besonders an deiner Rolle, gibt es Gemeinsamkeiten mit deiner Person oder empfindest du sie als das Gegenteil zu dir?

Felicitas Frische – Marschallin

Musik ist eine Sprache, jeder verstehen kann und die verschiedenste Menschen miteinander verbinden kann. Das bereitet mir große Freude und macht mir sehr viel Spaß. Als Sängerin kann ich diese wunderbare Musik ganz und gar auf mich und durch mich wirken lassen und mit meinem Gesang auch noch das Publikum erfreuen. Das ist für mich das Schönste an meinem Beruf.

Meine Rolle, die Marschallin, hat viele Facetten. Mindestens so viele, wie ihre Libellen-Augen: Sie ist zickig, lieb, herrisch, interessiert, kümmert sich, ist verträumt, romantisch, ängstlich, mutig oder auch ungeduldig. Es ist sehr interessant, alle diese Eigenschaften in mir zu suchen und auszuprobieren, wie ich sie darstellen kann. Ich selbst bin eigentlich ein geduldiger, harmonieliebender Mensch und nicht so zickig wie die Marschallin, aber es macht mir Spaß, das alles mal zu spielen.

Alice Fuder – Sophie

Ich habe ganz großes Glück, denn ich darf als Sängerin genau das machen, was ich am besten kann, nämlich singen! Es ist für mich wie ein Geschenk, dass ich meine Begabung und mein größtes Hobby zum Beruf machen konnte. Außerdem finde ich toll, dass ich mit meinem Beruf dem Publikum ein paar besondere Stunden schenken kann und mehrere Jahrhunderte Musikgeschichte und Kultur zum Leben erwecken bzw. am Leben halten darf.

An der Sophie im Kleinen Rosenkavalier gefällt mir ihre Aufrichtigkeit, ihre Offenheit, ihren kleinen Tick (Sauberkeits-Fimmel), ihr Hobby (Tanzen) und ihren Glaube an die Liebe. Als ich selbst noch eine Jugendliche war, hatte ich einige Gemeinsamkeiten mit ihr: Auch ich war ein wenig gutgläubig, manchmal schüchtern bzw. rücksichtsvoll, aber ich habe mich im entscheidenden Moment auch zu wehren gewusst. Wie für Sophie war das Tanzen nach dem Singen auch mein zweitgrößtes Hobby. Ich mag an Sophie ihre Verspieltheit, und dass sie gerne und viel redet. Als Erwachsene habe ich mich natürlich hier und da etwas verändert.

Rita Varga – Octavian

Ich bin immer wieder davon begeistert, wie sehr man mit Musik Menschen berühren kann. Der Gesang ist dabei eine ganz besondere Möglichkeit, Geschichten zu erzählen und die unterschiedlichsten Gefühle auszudrücken. Das gefällt mir an meinem Beruf als Sängerin am allerbesten.

Beim Kleinen Rosenkavalier singe ich die Rolle des Octavian. Dass ich einen Jungen spiele, kommt nicht so häufig vor, aber es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht zu lernen, mich in einen Jungen hineinzuversetzen. Octavian ist ziemlich cool und hat ein gutes Herz – das mag ich sehr an ihm. Und obwohl ich ein Mädchen bin, habe ich etwas mit ihm gemeinsam: Ich höre auch gerne Hip-Hop! Naja, in der Oper vielleicht nicht, aber sonst immer.

Magnus Piontek – Ochs

Das Schönste am Beruf des Opernsängers ist für mich, dass man viele interessante Menschen kennenlernt, mit denen man zusammenarbeiten kann und manchmal muss. Eine schöne Herausforderung, denn es ist notwendig, sich immer wieder auf ganz verschiedene Menschen einzustellen. Außerdem kann man auf der Bühne und in den Proben ganz viel machen, was man sich als erwachsener Mensch sonst nicht so traut, weil man dann möglicherweise von allen anderen für verrückt gehalten wird. Als Sänger ist man auch Musiker, und die Musik ist einfach ein ganz wichtiger Teil meines Lebens, ohne den ich nicht auskommen will.

Meine Rolle gefällt mir, weil ich endlich mal ein bisschen böse sein darf! Im normalen Leben bin ich nämlich immer nett und meistens lustig. Hier kann ich so tun, als wäre ich gaaanz fies! Aber nur so tun – sonst mag mich meine Freundin nicht mehr ...

Die Regisseurin

Hersilie Ewald – Libretto und Regie

Schon als Kind bin ich gerne in die Oper gegangen und auch den Rosenkavalier habe ich mir sehr oft angeschaut. Aus meiner Begeisterung für Opern heraus wollte ich tiefer blicken was dahinter steckt und habe mich intensiv mit der Entstehung von Opernaufführungen beschäftigt. Nun bin ich Regisseurin. Das ist mein Traumberuf, denn es ist spannend, sich mit diversen Figuren, Situationen tiefer zu beschäftigen und das auf der Bühne zu zeigen.

Bei einer Oper für Kinder versuche ich, spielerischer mit den Figuren und der Handlung umzugehen und alles mit Kinderaugen zu betrachten. Kinder sind das ehrlichste Publikum der Welt, deshalb muss man hierbei großen Wert auf Genauigkeit legen.

Die Musiker

Die Berliner Philharmoniker und Stipendiaten der Orchester-Akademie

1882, vor 133 Jahren, haben sich die Berliner Philharmoniker gegründet – heute ist es eins der besten Orchester auf der ganzen Welt. Die 128 Musikerinnen und Musiker kommen aus 25 Nationen, sie sind allesamt herausragende Instrumentalisten. Wären sie Fußballer, würden sie natürlich bei Bayern München, Real Madrid oder »Juve« spielen … Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass es sehr schwierig ist, Mitglied zu werden. Wie jedes große Orchester haben auch die Berliner Philharmoniker einen Chefdirigenten: Sir Simon Rattle. Er ist Euch vielleicht schon einmal in dem Film Rhytm is it!begegnet. Außerdem sind in jeder Saison viele andere berühmte Dirigenten und international bekannte Solisten zu Gast.

So ein Orchester hat eine Menge zu tun: In jeder Saison spielen die Berliner Philharmoniker über 100 Sinfoniekonzerte und einige wenige Opernvorstellungen – in der Philharmonie und auf Konzertreisen: 2014/2015 ging es zum Beispiel nach Warschau, Budapest, New York, London, Amsterdam, Paris oder München und – wie in jedem Jahr – waren sie Anfang April bei den Osterfestspielen in Baden-Baden, wo Der kleine Rosenkavalier seine Premiere hatte. Daneben wirken viele der Musikerinnen und Musiker auch bei Kammerkonzerten oder bei den Veranstaltungen des Education-Programms mit. Einige unterrichten zudem an Hochschulen oder auch Stipendiaten der Orchester-Akademie – was natürlich nicht ganz uneigennützig ist, schließlich bilden die Berliner Philharmoniker in der Orchester-Akademie ihren eigenen musikalischen Nachwuchs aus. Jeweils zwei Jahre lang spielen die jungen Talente in den philharmonischen Konzerten mit, erhalten Instrumentalunterricht und machen viel Kammermusik. Außerdem üben sie das Wichtigste, was ein Instrumentalist später beherrschen muss: das Vorspiel, bei dem es darauf ankommt, in ein paar Minuten möglichst alles zu zeigen, was man einmal gelernt hat. So sammeln die Stipendiatinnen und Stipendiaten unschätzbar wertvolle Erfahrungen für ihr späteres Berufsleben. Kein Wunder, dass etliche der Orchestermitglieder früher selbst Stipendiaten der Orchester-Akademie waren.

Der kleine Rosenkavalier

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