Berliner Philharmoniker

Zum Spielplan 2014/2015

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Kammermusik

Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Sir Simon Rattle Dirigent (Mahler)

Duncan Ward Dirigent (Ben-Ari)

Guy Braunstein Violine

Zvi Plesser Violoncello

Ulrich Matthes Sprecher

Konzert zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust

Gustav Mahler

Adagietto aus der Symphonie Nr. 5

Sir Simon Rattle Dirigent

Joseph Achron

Hebräische Melodie op. 33 (Bearbeitung für Harfe und Streicherensemble von Ohad Ben-Ari)

Max Bruch

Kol Nidrei op. 47 (Bearbeitung für Harfe, Violoncello und Streicherensemble von Ohad Ben-Ari)

Anonymus

Avinu, Malkenu für Violine, Violoncello und Streicher

Johann Sebastian Bach

Konzert für Violine, Streicher und Basso continuo a-Moll BWV 1041 (2. Satz Andante)

Ludwig van Beethoven

Romanze Nr. 2 F-Dur op. 50 (Fassung für Violine und Streicherensemble von Ohad Ben-Ari)

Ohad Ben-Ari

Violins of Hope für Violine, Violoncello und Streicherensemble Uraufführung Auftragswerk der Stiftung Berliner Philharmoniker

Duncan Ward Dirigent

Samuel Adler

Elegy für Streichorchester

Texte zu Alma Rosé und von Elie Wiesel u. a. sowie Vorstellung von Instrumenten

Termine und Tickets

Di, 27. Jan. 2015 20 Uhr

Kammermusiksaal

Sonderkonzert Kammermusik

Live-Übertragung

im Internet

Programm

»Nie werde ich diese Nacht vergessen, die erste Nacht im Lager, die aus meinem Leben eine siebenmal verriegelte lange Nacht gemacht hat«, heißt es in Elie Wiesels autobiografischem Zeugnis Die Nacht, in denen der Autor seine Kindheitserlebnisse in Konzentrationslagern wie Auschwitz schildert. Plötzlich erklang der Ton »einer Geige in der stockfinsteren Baracke, wo die Toten auf den Lebenden lagen. Wer war der Narr, der hier, am Rande seines eigenen Grabes Geige spielte? Oder war es eine Sinnestäuschung? Es mußte Juliek sein. Er spielte einen Satz aus einem Beethovenkonzert. [...] Ich hörte nur die Geige, und es war, als diene Julieks Seele als Bogen. Er spielte sein Leben. Sein ganzes Leben glitt über die Saiten. Seine begrabene Hoffnung. Seine veraschte Vergangenheit, seine erloschene Zukunft. Er spielte, was er nie mehr spielen würde. Ich werde Juliek nie vergessen. Wie könnte ich ein Konzert vergessen, das vor Sterbenden und Toten gegeben wurde!«

Mitglieder der Berliner Philharmoniker gedenken gemeinsam mit Sir Simon Rattle und ihrem ehemaligen Ersten Konzertmeister Guy Braunstein der Shoa. Die Musiker spielen Werke israelischer und deutscher Komponisten, auf Instrumenten, die in Auschwitz KZ-Häftlinge auf dem Weg in den Tod begleiteten und die Zeit des Horrors überdauert haben. Gesammelt und restauriert wurden sie vom israelischen Geigenbauer Amnon Weinstein: »Jedes Instrument ist wie der Grabstein zu einem fehlenden Grab, für Körper, die eingeäschert wurden und denen man die Bestattung verweigert hat.« Lesungen, u. a. Ausschnitte aus Elie Wiesels Die Nacht, begleiten das Konzert.

Über die Musik

Existenzfragen und Antworten in der Musik

Erinnerung, Mahnung, Hoffnung

Juden in der deutschen Musikkultur

Gustav Mahlers Musik durfte ab 1933 in Deutschland nicht mehr öffentlich gespielt werden. Das berüchtigte Lexikon der Juden in der Musik erwähnte neben der »nichtarischen« Herkunft des Komponisten die angeblich nur von Juden angestachelte Begeisterung für seine Werke. Diese seien typisch jüdisch und könnten deshalb nur von Juden wirklich verstanden werden. Das Lexikon zitierte ausführlich Max Brod, der tatsächlich Mahlers Musik aus ihrer »jüdischen Seelenstimmung« hergeleitet hatte. Dagegen warnte 1933 Anneliese Landau, die wichtigste Musikexpertin im Kulturbund Deutscher Juden: »Es ist falsch, aus einem verletzten Ehrgefühl Meyerbeer als den größten Opernkomponisten und Mahler als den bedeutendsten Sinfoniker hinzustellen, oder gar umgekehrt in einem verbissenen Trotz nach jüdischen Stileigenheiten bei Mendelssohn, Mahler, Schönberg suchen zu wollen. Sie alle fühlen sich ja nicht als Sprecher ihrer jüdischen Rasse, sie fühlen sich als Sprecher jener Zeit und jenes Landes, in dem sie leben.«

    Tatsächlich wollte Gustav Mahler, der sich selbst in der Tradition von Beethoven, Liszt und Wagner sah, keineswegs nur Juden erreichen. Beim Adagietto seiner fünften Symphonie hatte er eine bestimmte Adressatin im Blick: seine junge Frau Alma. Dieser Nicht-Jüdin widmete er seine Liebeserklärung. Das nur mit Harfe und Streichern besetzte lyrische Intermezzo entfaltet sehr langsam und leise eine »seelenvoll« (so die Anweisung in der Partitur) von den Violinen und dann den Celli zu spielende Melodie. Nach einem leicht beschleunigten modulierenden Zwischenteil kehrt »molto Adagio« die lange Melodie wieder, bis die Violinen am Schluss aus großer Höhe in einen zarten F-Dur-Akkord hinabsinken.

    In den Konzerten des 1933 als Selbsthilfeorganisation gegründeten Kulturbunds Deutscher Juden dominierten zunächst statt Kompositionen von Mendelssohn und Mahler solche von Bach und Beethoven. Sie verkörperten die große deutsche Musik, mit der sich die Kulturbund-Mitglieder identifizierten und die sie als ihre eigene Tradition empfanden. War nicht die Wiederentdeckung der Matthäus-Passion wesentlich Felix Mendelssohn Bartholdy zu verdanken gewesen? Auch Bachs Instrumentalwerke wurden gleichermaßen von Juden wie Nichtjuden geliebt. Sein Violinkonzert in a-Moll hat Johann Sebastian Bach in der uns überlieferten Form um 1730 für das Collegium musicum in Leipzig komponiert, wobei er vermutlich selbst die Solopartie übernahm. Diese schwebt im langsamen Satz, einem innigen Andante in C-Dur, als große Linie über einer passacaglienartig wiederholten Bassfigur. Über diese instrumentale Arie schwärmte Claude Debussy: »Die Schönheit des Andante ist so groß, dass man ernstlich nicht mehr weiß, wie man sich hinsetzen und verhalten soll, um des Anhörens würdig zu sein. Sie bleibt einem lange im Sinn, und man wundert sich beim Hinaustreten auf die Straße, dass der Himmel nicht blauer ist und der Parthenon nicht aus der Erde emporwächst.« Wie Bachs Violinkonzert wurde auch Ludwig van Beethovens um 1798 eventuell für den befreundeten Ignaz Schuppanzigh komponierte Romanze in F-Dur zu einem Lieblingsstück der Geiger, konnten sie hier doch ebenso ruhige Tonschönheit wie brillante Geläufigkeit zeigen.

    Auf der Suche nach jüdischen Melodien

    Als man um 1800 europäische Volksmelodien zu sammeln begann und der irische Dichter Thomas Moore zehn Bände mit »Irish Melodies« herausgab, wandte sich der jüdische Musiker Isaac Nathan an Lord Byron. Er bat diesen, zu den von ihm gesammelten »sehr alten jüdischen Melodien aus der Zeit vor der Zerstörung des Tempels« Gedichte zu schreiben. Byron schuf daraufhin seinen Band Hebrew Melodies, der 1815 im Druck erschien. Entsprechend seiner Sympathie für die unterdrückten Völker der Griechen und Iren hatte der Brite die babylonische Gefangenschaft der Juden als thematischen Schwerpunkt gewählt. Ab 1820 kamen Byrons Hebräische Melodien in mehreren deutschen Übersetzungen heraus. Carl Loewe, Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Friedrich Nietzsche und Hugo Wolf vertonten einzelne dieser schwermütigen Gedichte. Um 1853 komponierte auch Joseph Joachim eine Hebräische Melodie, nach Eindrücken der Byronschen Gesänge für Viola und Klavier.

    Während die genannten Komponisten allein von Byrons Gedichten zu ihren »hebräischen Melodien« inspiriert worden waren, stützte sich Max Bruch 1880 für sein Kol Nidrei wirklich auf eine jüdische Musikvorlage. Dass es der Bußgesang zum Beginn des höchsten jüdischen Feiertags, des Jom Kippur, war, interessierte den im evangelischen Glauben erzogenen Komponisten nur wenig. Sein Kol Nidrei für Cello und Orchester, das er dem Cellisten Robert Hausmann widmete, betrachtete er vielmehr als eine Ergänzung zu seiner auf Volksliedmelodien beruhenden Schottischen Fantasie für Violine und Orchester. Neben der von ausdrucksvollen Pausen durchsetzten jüdischen Melodie verwendete Bruch als zweite Melodie die zur englischen Hymne »Oh Weep for Those that Wept on Babel’s Stream«. Wohl auch wegen dieses thematischen Bezugs auf die alttestamentarische Judenverfolgung hat er sein Kol Nidrei gelegentlich als »hebräische Melodie« bezeichnet.

    Die 1908 in St. Petersburg gegründete »Gesellschaft für jüdische Volksmusik« sammelte systematisch jüdische Folklore und setzte sich für deren Publikation und Aufführung ein. Der junge Geiger Joseph Achron, der bei Leopold Auer Violine und bei Anatoli Ljadow Komposition studiert hatte, wurde 1911 Mitglied dieser Gesellschaft. Spontan schuf er damals seine Hebräische Melodie für Violine und Klavier, die er als freie Transkription einer Volksmelodie bezeichnete. Allerdings hat er die engstufige Tonfolge mit der charakteristischen großen Sekunde vermutlich selbst geschaffen. Dieser Klagegesang ist »mit vollem, weinenden Ton« zu spielen. Nach seiner Wiederholung in oktavierter Lage folgen ein kontrastierender Mittelteil sowie eine virtuose Solokadenz, bevor in noch höherer Oktavlage ein letztes Mal die Klagemelodie erklingt. Diese vor allem durch Jascha Heifetz bekanntgewordene Komposition wurde zum Zentrum eines Films, der 1935 im Auftrag der Jüdischen Kulturbünde für Palästina warb. Der Geiger Andreas Weissgerber, der in dem Film die Hebräische Melodie spielte, übersiedelte ein Jahr später ins Heilige Land. Er wurde dort Mitglied des Palästina-Orchesters, das auf eine Initiative seines Bruders, des Cellisten Joseph Weissgerber, zurückging.

    Eine authentische jüdische Melodie liegt dagegen dem alten Gebet Avinu, Malkenu (Unser Vater, unser König) zugrunde, das die Juden vor allem an Fasttagen sprechen. Jeder Satz beginnt mit den Worten »Avinu, Malkenu«, gefolgt von variierenden Bitten. Das wiederholte Grundmotiv besteht aus dem stufenweisen Aufstieg vom Grundton in die Quarte, die Anrede an eine höhere Macht unterstreichend. Hugo Chaim Adler, ab 1921 Kantor an der Hauptsynagoge von Mannheim, hat dieses Gebet sicherlich oft gesprochen und gesungen. Nach der Reichspogromnacht vom November 1938 floh er mit seiner Familie über die Niederlande in die USA, wo er wieder als Kantor tätig war. Sein 1928 in Mannheim geborener Sohn Samuel studierte in Boston Komposition bei Aaron Copland, Paul Hindemith, Paul Amadeus Pisk, Walter Piston und Randall Thompson. Nach dem Militärdienst in der US Army übernahm er eine Stelle als Musikdirektor an einer Synagoge in Dallas, Texas. 1957 wechselte Samuel Adler als Kompositionslehrer an das University of North Texas College of Music, bis ihn 1966 die Eastman School of Music nach Rochester berief. Von dort wechselte er 1997 zur Juilliard School nach New York. Samuel Adler ist Mitglied der Berliner Akademie der Künste und gibt in dieser Stadt regelmäßig Kompositionskurse.

    Seine Elegy for String Orchestra entstand 1962 für ein Konzert, mit dem das Dallas Symphony Orchestra an die nach einem Autounfall verstorbene Geigerin Marjory Fulton-Harrell, die Mutter des Cellisten Lynn Harrell, erinnerte. Sie war mehrfach als Solistin mit diesem Orchester aufgetreten und hatte wie Samuel Adler an der University of North Texas unterrichtet. Da bis zum Gedenkkonzert nur wenig Zeit blieb, verwendete Adler für seine Elegy Material aus seinem 1953 komponierten dritten Streichquartett, in dem der Einfluss seiner Lehrer Piston, Copland und Hindemith nachwirkte, ebenso die Liebe zu Bartók. Nach der Uraufführung im November 1962 wurde diese kurze Trauermusik auch von den großen Symphonieorchestern von New York, Chicago, Philadelphia und Los Angeles aufgeführt und gehört inzwischen zu Adlers meistgespielten Werken. Heute erklingt es zum ersten Mal in Europa.

    Glaube, Hoffnung und Liebe

    Der israelische Pianist und Komponist Ohad Ben-Ari lernte schon als kleines Kind über seine geigende Schwester den Geigenbauer Amnon Weinstein kennen. Durch die Ausstellung »Violinen der Hoffnung« erneuerte sich dann der Kontakt. Dieses Projekt regte ihn außerdem an, sich mit der Geschichte seiner Familie zu beschäftigen. Bislang wusste er nur, dass sein Großvater vor dem Krieg von Weißrussland nach Palästina übergesiedelt war. Das Schicksal früherer Generationen war dagegen eine ferne Vergangenheit, für das sich in Israel niemand interessierte. Jetzt erst erfuhr der Komponist, dass seine Urgroßmutter 1942 von den Deutschen ermordet worden war.

    Ohad Ben-Ari, 1974 in Israel geboren, hat in Tel Aviv bei Pnina Salzman Klavier und bei Joseph Dorfman Komposition studiert. 1996 ging er in die USA, wo er sich als Produzent mit Pop und Jazz beschäftigte, bevor er 2010 nach Berlin zog. Wichtig wurde für ihn hier die Partnerschaft mit dem Geiger Guy Braunstein, der 2013 in Hamburg seine Komposition Tips für Klavier und Orchester zur Uraufführung brachte. Bewusst polystilistisch präsentiert dieses Werk eine breite Skala zwischen Rachmaninow, indischem Raga, chinesischer Pentatonik, lateinamerikanischer Rhythmik, Cool Jazz und Spektral-Klängen, mit der sich dieser Musiker bislang auseinandergesetzt hatte.

    Mit dem Auftrag, eine Komposition zur Ausstellung »Violinen der Hoffnung« zu schreiben, betrat Ohad Ben-Ari Neuland. Anders als für seine Schwester Miri, die in den USA eine Organisation zur Holocaust-Erinnerung gründete, war für ihn diese dunkle Vergangenheit bislang kein Thema gewesen. Die einzige Vorgabe für die neue Komposition war die Besetzung mit zwei Solisten und einem Streicherensemble. Ben-Ari näherte sich dem Projekt intuitiv, indem er aus Klavierimprovisationen mehrere Stücke entwickelte, die er seinem Freund Guy Braunstein zeigte. »Irgendwie, wie von Zauberhand, wurde es eine Geschichte«, erinnert sich der Komponist.

    Zu Beginn steht eine Frage, das ewige Rätsel des jiddischen Gedichts »Di alte Kashe«. Dieses Gedicht, das Maurice Ravel in seinen Deux mélodies hébraïques vertonte, stellt die Grundfrage nach dem Sinn des Lebens. Für Ohad Ben-Ari ist es auch die Frage nach dem durch Krieg und Holocaust ausgelösten Zivilisationsbruch, der dazu führte, dass die Musik den verbindlichen Rahmen verlor, den es zuvor gegeben hatte. Die beiden Fragefiguren, welche die beiden Soloinstrumente zu Beginn des ersten Satzes spielen, führen stilistisch in die Zeit vor dem Zivilisationsbruch, in die Welt Gustav Mahlers und des frühen Arnold Schönberg.

    Entsprechend bezieht sich der zweite Satz (»Krieg«) vor allem auf die Zerstörung der Kultur. In schnellen Bewegungen, zwei Mal durch choralartige Einschübe unterbrochen, stehen Tutti und Soli einander gegenüber. Im dritten Satz (»Spiel, ohne Worte«) stimmt das Solocello über dem oktavierten Halteton »e« Arpeggien an und vereint sich dann mit der Solovioline. Beide Soloinstrumente greifen noch einmal das Fragemotiv des Anfangs auf, bevor die gehetzte Bewegung einsetzt, die den Hauptteil des Satzes bestimmt. Nach mehreren Absturzfiguren verebbt die Bewegung. Erst nachträglich gab Ben-Ari diesem Satz seine Überschrift. Sie meint einerseits das unreife Spiel und das sinnlose Schlachten, das für ihn jeder Krieg darstellt, andererseits auch das wortlose Musizieren von KZ-Häftlingen, die damit dem Befehl der SS gehorchen: »Sei still und spiel’!«

    Ein kurzes Intermezzo (»Sirene«) zeichnet naturalistisch den Klang der Sirenen nach, die am israelischen Holocaust-Gedenktag für eine Minute alles Leben zum Stillstand bringen. Als Konsequenz aus dem Vorangehenden folgt die passacaglienartige Elegie »Tränen«, für Ben-Ari der schmerzhafteste Satz. Tröstend wirkt danach das postromantische Finale, in dem die Solisten dominieren. In D-Dur, der Tonart der Violinkonzerte von Beethoven, Brahms und Tschaikowsky, klingen ihre Instrumente besonders voll und schön. Die Wiederholungen der Grundkadenz sollen wie ein Ein- und Ausatmen, »wie ein göttliches Amen« wirken. Ohad Ben-Ari zufolge beantwortet dieser meditative Satz die Anfangsfrage. Er meint eine universale Spiritualität und die Befreiung durch Liebe, eine Hoffnung, die die Violinen wie menschliche Stimmen zum Ausdruck bringen.

    Albrecht Dümling

Biografie

Guy Braunstein, in Tel Aviv geboren, spielt seit seinem siebten Lebensjahr Violine. Während seiner Ausbildung zum Berufsmusiker zählten u. a. Chaim Taub, Glenn Dicterow und Pinchas Zukerman zu seinen Lehrern. Den ersten Kontakt zu den Berliner Philharmonikern hatte der Geiger bereits 1992 als einer der Solisten in Beethovens Tripelkonzert unter der Leitung von Zubin Mehta. Bevor Guy Braunstein dann im September 2000 als 1. Konzertmeister zu den Philharmonikern kam, war er als Solist bei vielen anderen führenden Orchestern wie dem Israel Philharmonic Orchestra, dem Tonhalle-Orchester Zürich und den Bamberger Symphonikern zu Gast. 1995 brachte er in Köln Shifting – Konzert für Violine und Orchester zur Uraufführung, das Rolf Riehm für ihn komponiert hatte. Als Konzertsolist der Berliner Philharmoniker spielte Guy Braunstein zuletzt unter der Leitung von Andris Nelsons im Februar 2012 das Violinkonzert von Johannes Brahms und übernahm Ende Januar/Anfang Februar 2013mit Gustavo Dudamel am Pult den Solo-Violinpart in Richard Strauss’ Tondichtung Don Juan; rund zweieinhalb Monate später spielte er in einem philharmonischen Kammerkonzert gemeinsam mit Daniel Barenboim Werke von Claude Debussy, George Enescu und Richard Strauss. Am Ende der Spielzeit 2012/2013 gab der Musiker die Stelle bei den Berliner Philharmonikern zugunsten seiner Solokarriere auf und gastierte u. a. beim Philharmonia Orchestra London sowie beim BBC Philharmonic Orchestra, beim Israel Philharmonic Orchestra sowie beim Orchester der Beethovenhalle Bonn. Guy Braunstein hat mit Dirigenten wie Gary Bertini, Andrey Boreyko, Semyon Bychkov, Wladimir Fedossejew, Zubin Mehta, Jonathan Nott und Sir Simon Rattle zusammengearbeitet. Als aktiver Kammermusiker ist er Mitglied bei den Philharmonischen Geigen Berlin und bei den Philharmonischen Freunden Wien-Berlin. Zu seinen Kammermusikpartnern gehören Pierre Laurent Aimard, Emmanuel Ax, Yefim Bronfman, Angelika Kirchschlager, Lang Lang, Maurizio Pollini, András Schiff und Mitsuko Ushida. Von 2003 bis 2007 war Guy Braunstein Professor an der Berliner Universität der Künste; seit 2006 ist er künstlerischer Leiter des Rolandseck-Festivals.

Zvi Plesser studierte bei Zvi Harel in Israel sowie bei David Soyer und Zara Nelsova an der New Yorker Juilliard School. Der Cellist wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem 1. Preis bei den Washington International Competitions, zudem erhielt er ein Stipendium der Amerika-Israel Kulturstiftung. Bereits als 17-Jähriger debütierte Zvi Plesser gemeinsam mit Isaac Stern und Pinchas Zukerman in der New Yorker Carnegie Hall. Seitdem hat er bei Orchestern wie dem Isarel Philharmonic Orchestra, dem Jerusalem Symphony Orchestra, dem Israel Symphony Orchestra, dem National Symphony Orchestra und der Academy of St Martin in the Fields konzertiert und mit Dirigenten wie Zubin Mehta, Sir Neville Marriner, Asher Fisch, David Stern und Sergiu Comissiona zusammengearbeitet. Zvi Plesser war Mitglied des Huberman String Quartet und ist Gründungsmitglied des Ensembles Concertante. Als Kammermusiker arbeitete er mit dem Jerusalem Quartet, dem Aviv Quartet und dem Quatuor Ysaÿe sowie mit Instrumentalisten wie Pierre-Laurent Aimard, Guy Braunstein, Richard Goode, Amihai Grosz, Nobuko Imai, Daishin Kashimoto, Emmanuel Pahud und Michael Tree zusammen. Der Künstler ist bei renommierten Musikfestivals aufgetreten (Marlboro Festival, Cervantino Festival Mexiko, Jerusalem International Chamber Music Festival, Ako Festival Japan, Kuhmo Festival Finnland, Montpellier Festival, Rolandseck Festival) und gastierte im Wiener Konzerthaus, in der Londoner Wigmore Hall und in der Salle Pleyel in Paris. Zvi Plesser, der seit 1998 Fakultätsmitglied der Jerusalem Academy of Music and Dance ist, gibt Meisterkurse in Europa und in den USA; zudem unterrichtete er an der North Carolina School of the Arts und der »Encore summer school« in Ohio sowie im Rahmen des »Perlman Music Program«. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gab Zvi Plesser im März 2012 im Rahmen eines Kammerkonzerts mit Mitgliedern des West-Eastern Divan Orchestra und Guy Braunstein sein Debüt; auf dem Programm standen u. a. Werke von Zoltán Kodály und Olivier Messiaen.

Die Harfenistin Emily Hoile, 1992 in Newcastle upon Tyne geboren, studierte nach frühem Unterricht an der St Mary’s Music School in Edinburgh bei Catriona Mckay und Helen Macleod von 2010 bis 2014 bei Nancy Allen an der New Yorker Juilliard School of Music, an der sie 2014 ihren Bachelor-Abschluss erlangte. Seit September 2014 ist sie Stipendiatin der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker, wo sie von Marie-Pierre Langlamet ausgebildet wird. Die junge Musikerin gewann neben zahlreichen weiteren Auszeichnungen erst kürzlich den 2. Preis beim Concours international de harpe de la Cité des Arts de Paris. Emily Hoile war 2011 Young Artist in Residence beim Lammermuir Festival und gastierte u. a. bei den BBC Proms, beim Edinburgh International Harp Festival und beim Juilliard »Focus« Festival; im Juli 2008 vertrat sie beim Tenth World Harp Congress in Amsterdam Großbritannien. Emily Hoile spielte im Juilliard Orchestra, im National Youth Orchestra of Great Britain und im National Youth Orchestra of Scotland; als passionierte Interpretin zeitgenössischer Musik arbeitete sie mit dem New Juilliard Ensemble sowie mit dem Axiom Ensemble zusammen, mit dem sie im August 2013 eine Tournee durch Finnland unternahm.

Sir Simon Rattle, 1955 in Liverpool geboren, studierte an der Royal Academy of Music in London. Von 1980 bis 1998 arbeitete er – zunächst als Erster Dirigent und künstlerischer Berater, dann als Musikdirektor – mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra (CBSO) und führte es an die internationale Spitze. Seit September 2002 ist Simon Rattle, dessen Repertoire als Konzert- und Operndirigent vom Barock bis zur Neuen Musik reicht, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker und künstlerischer Leiter der Berliner Philharmonie. Er ist Erster Gastdirigent des Orchestra of the Age of Enlightenment und arbeitet mit den führenden Orchestern in Europa und in den USA. Schon vor seinem Amtsantritt als Chefdirigent verband Simon Rattle eine 15-jährige, regelmäßige Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern. Dabei entstanden vor allem in den letzten Jahren zahlreiche, zum Teil preisgekrönte Einspielungen mit dem Orchester. Ein besonderes Anliegen Sir Simons ist es, jungen Menschen unterschiedlichster sozialer und kultureller Herkunft die Arbeit der Berliner Philharmoniker und deren Musik nahezubringen. Zu diesem Zweck hat er das sehr erfolgreiche Education-Programm der Berliner Philharmoniker ins Leben gerufen, mit dem das Orchester neue Wege der Musikvermittlung beschreitet. Für dieses Engagement sowie für seine künstlerische Arbeit wurde der Dirigent vielfach ausgezeichnet. 1994 wurde er von der englischen Königin in den Ritterstand erhoben und erhielt 2009 den spanischen Premio Don Juan de Borbón de la Música, die Goldmedaille »Gloria Artis« des polnischen Kulturministeriums sowie das Bundesverdienstkreuz; außerdem wurde er 2010 in den Ritterorden der französischen Ehrenlegion aufgenommen. Im Februar 2013 wurde Sir Simon Rattle mit dem Léonie-Sonning-Musikpreis der gleichnamigen dänischen Musikstiftung in Kopenhagen geehrt. Im Dezember 2013 verlieh Königin Elizabeth II. dem Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker den Order of Merit.

Duncan Ward studierte am Royal Northern College of Music Dirigieren, Klavier und Komposition; heute gehört er zu den besonders vielversprechenden Nachwuchsdirigenten weltweit. Auf Einladung von Sir Simon Rattle wurde er 2012 erster Dirigier-Stipendiat an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker, wo er im Rahmen seiner Ausbildung u. a. bei Einstudierungen von Wolfgang Amadeus Mozarts Zauberflöte, Arnold Schönbergs Gurre-Liedern, Benjamin Brittens War Requiem und Georg Friedrich Haas’ Orchesterstück in vain assistierte. Zu den bisherigen Höhepunkten in Duncan Wards Karriere zählen seine Debüts bei den Symphonieorchestern von Bamberg und Luzern sowie Auftritte beim Royal Scottish National Orchestra, bei der Manchester Camerata und beim Royal Liverpool Philharmonic Orchestra. Er dirigierte zudem die Streicher des London Symphony Orchestra bei der Serie UBS Soundscapes Eclectica und war im Rahmen einer Aufführung von Edward Elgars Oratorium The Music Makers durch die Salford Choral Society und Mitglieder des BBC Philharmonic Orchestra zu erleben. Duncan Ward ist auch als Komponist erfolgreich. So wurde er 2005 von der BBC als »Young composer of the year« ausgezeichnet; von 2011 bis 2013 war er Glyndebourne’sYoungComposer in Residence. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker war er zuletzt Ende Mai 2014 als Dirigent der Uraufführung von Valerio Sannicandros AQUAE mit Stipendiaten der Orchester-Akademie zu erleben.

Ulrich Matthes, in Berlin geboren, studierte zunächst Germanistik und Anglistik, bevor er bei der renommierten Lehrerin Else Bongers Schauspielunterricht nahm. Es folgten Verpflichtungen nach Krefeld, Düsseldorf und München (Bayerisches Staatsschauspiel, Kammerspiele); mit einem Engagement an die Schaubühne am Lehniner Platz kehrte Ulrich Matthes 1992 nach Berlin zurück. Nach einigen Jahren freischaffender Tätigkeit gehört Ulrich Matthes seit 2004 zum Ensemble des Deutschen Theaters, wo er u. a. als George in Edward Albees Wer hat Angst vor Virginia Woolf? zu sehen war, für dessen Gestaltung er als bester Schauspieler mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring 2005 geehrt wurde; die Titelpartie in Anton Tschechows Onkel Wanja brachte ihm 2008 die Auszeichnung »Schauspieler des Jahres« der Zeitschrift Theater heute ein. Zurzeit steht er am Deutschen Theater in Friedrich Dürrenmatts Besuch der alten Dame sowie Lot Vekemans Gift auf der Bühne. Seit 2012 ist Matthes Direktor der Sektion Darstellende Kunst der Akademie der Künste in Berlin. Als Beispiele seiner Arbeit für Kino und Fernsehen seien die Rollen des Joseph Goebbels in Oliver Hirschbiegels Der Untergang, Abbé Henri Kremer in Volker Schlöndorffs Der neunte Tag, Literaturprofessor Robert in Novemberkind und Richard Harloff im ARD-Tatort Im Schmerz geboren genannt. Zahlreiche Hörspiel- und Hörbuchproduktionen dokumentieren ebenfalls die Vielseitigkeit des Schauspielers, der bereits im Oktober 2005 in Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker als Sprecher auftrat. Zuletzt war er Ende Mai/Anfang Juni 2014 in einem der Konzertdirektion Wolff gewidmeten Philharmonischen Salon zu erleben.

Sir Simon Rattle
Guy Braunstein Zvi Plesser
Violinen der Hoffnung

Violinen der Hoffnung

Konzert- und Ausstellungsprojekt zum Gedenken an die Opfer des Holocaust

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