Berliner Philharmoniker

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Kammermusik

Barockarien und Streichermusik mit Concerto Melante und Nuria Rial

Im Concerto Melante greifen Mitglieder der Berliner Philharmoniker zu historischen Instrumenten, um Alte Musik zum Klingen zu bringen. Zusammen mit der Sopranistin Nuria Rial haben die Musiker ein Programm zusammengestellt, in dem neben barocken Sonaten und Concerti für Streichensemble geistliche Arien von Georg Friedrich Händel und Giovanni Battista Pergolesi zur Aufführung kommen.

Concerto Melante auf historischen Instrumenten

Nuria Rial (anstelle von Christine Schäfer) Sopran

Domenico Gallo

Sonata a quattro für Streicher und Basso continuo Nr. 9 d-Moll Uraufführung

Georg Friedrich Händel

»Salve Regina«, Antifon für Sopran, zwei Violinen, Violoncello und Orgel HWV 241

Giuseppe Torelli

Concerto für vier Violinen, Streicher und Basso continuo a-Moll

Georg Friedrich Händel

»Haec est Regina virginum«, Antifon für Sopran, Streicher und Basso continuo HWV 235

Domenico Gallo

Sonata a quattro für Streicher und Basso continuo Nr. 2 F-Dur Uraufführung

Domenico Gallo

Sonata a quattro für Streicher und Basso continuo Nr. 4 g-Moll Uraufführung

Georg Friedrich Händel

»O qualis de coelo sonus«, Motette für Sopran, zwei Violinen und Basso continuo HWV 239

Georg Friedrich Händel

Sonata a 5 für Violine, Streicher und Basso continuo B-Dur HWV 288

Giovanni Battista Pergolesi

»Salve Regina«, Antifon für Sopran, Streicher und Basso continuo c-Moll

Termine und Tickets

Di, 16. Jun. 2015 20 Uhr

Kammermusiksaal

Einführung: 19:00 Uhr

Programm

Hut ab, Herr Händel – pardon: Mister Handel! Vom hitzköpfigen, gegen Ihre Konkurrenten durchaus schon mal den Degen ziehenden Violinisten und Cembalisten der Hamburger Oper am Gänsemarkt haben Sie es über eine gediegene Kapellmeisterstelle zum erfolgreichen Londoner Unternehmer in Sachen Oper gebracht. Eine erstaunliche, seinerzeit beispiellose Karriere, die – Sie werden sich sicherlich gerne daran erinnern! – während eines mehrjährigen Aufenthalts in Italien ihren Anfang nahm. Unmittelbar nach Ihrem Hamburger Debüt als Opernkomponist bereisten Sie das Geburtsland der Oper. In Venedig, Florenz, Neapel und Rom tauschten Sie sich nicht nur mit Ihren italienischen Kollegen aus, sondern schrieben auch Opern und Oratorien, die Sie als Komponist von ebenso großem Anpassungsvermögen wie unverwechselbarem Personalstil auswiesen. »Il caro Sassone« nannte man Sie damals.

Die venezianische Uraufführung Ihrer Agrippina war schließlich ein Ereignis, von dem man sogar an den Höfen in Hannover und London Notiz nahm. Was für eine glückliche Fügung, dass Sie 1710 als Kapellmeister in die Dienste des Kurfürsten Georg Ludwig von Hannover traten, denn vier Jahre später wurde Ihr Dienstherr als George I. zum englischen König gekrönt. Der Rest ist Geschichte! Aber nicht Ihren Londoner Triumphen ist dieses Konzert von Nuria Rial und dem auf Instrumenten Ihrer Zeit musizierenden Ensemble Concerto Melante gewidmet, sondern Ihren künstlerisch nicht minder fruchtbaren italienischen Jahren. Umso schöner, dass in diesem, Ihnen gewidmeten Konzert auch Musik Ihrer italienischen Kollegen Domenico Gallo, Pietro Antonio Locatelli, Giuseppe Torelli und Giovanni Battista Pergolesi erklingen wird. Bravo, Signore Handel!

Über die Musik

Die musikalische »Hauptstadt der Welt« liegt in Italien

Musik von Georg Friedrich Händel, Giuseppe Torelli, Domenico Gallo und Giovanni Battista Pergolesi

»Ob ich gleich noch immer derselbe bin, so mein ich, bis aufs innerste Knochenmark verändert zu sein.« In seinem autobiografischen Alterswerk Die italienischeReise, 1816 und 1817 zusammengestellt aus Tagebuchaufzeichnungen unter anderm der Jahre 1786 bis 1788, notiert Johann Wolfgang von Goethe am 2. Dezember 1786 diese Selbstbeobachtung. Seit dem 1. November hält er sich in Rom auf, der – wie er schreibt – »Hauptstadt der Welt«. Bis Ende Februar 1787 sollte er dort bleiben.

Georg Friedrich Händel: ein kompositorisches Tagebuch

80 Jahre vor ihm war Georg Friedrich Händel nach Italien gereist, ins »gelobte Land« der Künste und insbesondere der Musik. Seine Tagebuchaufzeichnungen sind jene Kompositionen, die während der drei Jahre dort – vom Sommer 1706 bis zum Spätherbst 1709 – entstanden. Zu ihnen gehören die drei geistlichen vokalen Kammermusiken HWV 235, 239 und 241 sowie die Sonata à cinque HWV 288. Mit welchen Erwartungen mag er die Reise angetreten haben? Und wer, wenn nicht sein eigener Wille, war der Initiator dieses »Unternehmens«? Geboren in Halle an der Saale, beweist Händel schon frühzeitig musikalisches Talent. Also kommt er in die Obhut von Friedrich Wilhelm Zachow, dem Organisten der Liebfrauenkirche in seiner Heimatstadt. Derart gefördert, unterzeichnet Händel als Zwölfjähriger 1697 selbstbewusst als ein »der freyen Künste ergebener« junger Musiker ein Trauergedicht für seinen in jenem Jahr verstorbenen Vater. 1702 schreibt er sich an der Halleschen Universität für die juristische Fakultät ein – und bekleidet zugleich den Organisten-Posten am Dom der Stadt. Auch lernt er Georg Philipp Telemann kennen, der in Leipzig – ebenfalls pro forma – Jura studiert und »viele Dramen« (Telemann) für das dortige kleine Theater komponiert hatte. Der lebenslange Freund macht Händel mit der Oper bekannt.

Möglich, dass es diese Gattung ist, die ihn dann schon ein Jahr später in die Freie Reichs- und Hansestadt Hamburg und in ihr weithin bekanntes Opernhaus am Gänsemarkt zieht. Dort wird er Violinist im Orchester, traktiert mitunter auch das Cembalo und komponiert seine ersten drei eigenen Opern. Unter den Hamburger Musiktheater-Liebhabern befindet sich 1704 auch Gian Gastone de Medici. Der Florentiner soll ihn, so Händels erster Biograf John Mainwaring, animiert haben, Italien zu besuchen – Dokumente hierfür gibt es nicht. Doch wie dem auch sei, spätestens im Sommer 1706 tritt Händel, der inzwischen durchaus schon einen eigenen Stil entwickelt hat, die Reise in den Süden an. Genauso wie die aristokratischen Kavaliere auf ihrer Tour zieht es auch Händel in die »Hauptstadt der Welt«. Für einen karrierebewussten jungen Komponisten und Musiker ein Muss. Denn hier kann er Kontakte knüpfen, sich ein Netzwerk von Kunstliebhabern und Förderern aufbauen und sich Stein für Stein den zukünftigen Weg ebnen. Und er lernt während der conversazioni, den Gesellschaftsabenden der römischen Hautevolee, aber auch bei den Kirchenkonzerten, den Messen und geistlichen Festen die italienische musica superbissima kennen. Ein handschriftliches Zeugnis dokumentiert für das Jahr 1706 Händels Anwesenheit in Rom.

In den damals mehr als 150 Kirchen und Betsälen der Stadt wurde unentwegt musiziert. Es gab 16 feststehende Kirchenmusikensembles, ca. 140 angestellte und mehr als 60 freiberuflich tätige Sänger, dazu ca. 30 Kapellmeister, 25 Organisten und zahlreiche andere Instrumentalisten. Ein Opernhaus allerdings würde man vergeblich suchen. Denn 1689 hatte der dem Theater regelrecht feindlich gesinnte Papst Innozenz XI. kurzerhand alle privaten und öffentlichen Theateraufführungen verboten. Erst in der Amtszeit Clemens XI. tritt von 1700 an eine Lockerung ein, so dass sich die theaterfreudigen, auch als Librettisten tätigen Kardinäle Pietro Ottoboni und Benedetto Pamphilij erlauben können, die Vorschriften zu ignorieren. In den prunkvollen Räumen ihrer Palazzi und in den dazu gehörenden herrlichen Gärten finden glänzende Opern- und Oratorienaufführungen statt. Im Jahr 1700 gesellt sich als Veranstalter der Marchese Francesco Maria Ruspoli dazu. Bei ihm wird 1708 Händels erstes geistliches Oratorium LaResurrezione HWV 47 überaus prunkvoll uraufgeführt.

Giuseppe Torelli: Concerto a-Moll für vier Violinen, Streicher und Basso continuo

Ob Händel während seines Italien-Aufenthalts Giuseppe Torelli begegnet ist oder Werke von ihm gehört hat, wissen wir nicht. Noten von dessen bedeutenden Opera 5 (1692) und 6 (1698/1701) – letztere mit den ersten uns bekannten Violinkonzerten überhaupt – könnte er in seinen Händen gehabt haben. Seit 1684 ist der hervorragende Violinist Torelli Mitglied der Accademia filarmonica in Bologna, von 1686 an dann Violaspieler in der dortigen Cappella musicale der Basilika San Petronio, dem geistlichen und geistigen Zentrum der Stadt. Als die Cappella wegen finanzieller Schwierigkeiten 1696 aufgelöst wird, ist Torelli zwischenzeitlich in Ansbach, Berlin, Amsterdam und Wien tätig. 1701 kehrt er nach Bologna zurück. Dort, damals einer der wichtigsten Aufführungsorte geistlicher Instrumentalmusik in Italien, finden wir ihn bis zu seinem Tod 1709 wieder in der Cappella musicale von San Petronio.

Zu Torellis umfangreichen instrumentalen Œuvre, das zum Teil sogar noch in den Archiven von San Petronio der Wiederentdeckung harrt, gehört auch das Concerto a-Moll für vier Violinen, Streicher und Basso continuo. Es zählt zu jenen wichtigen Marksteinen, die den Weg zur Herausbildung der uns geläufigen Formen säumen: des Solo-Konzerts bzw. des Concerto grosso. Hier die vier Solo-Violinen, dort die Streichergruppe, dazu der begleitende Basso continuo. Die solistischen Violin-Partien hat Torelli sehr virtuos und anspruchsvoll ausgestaltet; Register und Klangfarben wechseln, es gibt reiche Verzierungen und spielerisch herausfordernde Episoden. Das Streicher-Tutti, homofon und orchestral angelegt, ist hiervon deutlich abgesetzt. Beiden Partnern hat Torelli zudem moderat-unterschiedliche Motive zugeordnet. Der Weg zum Solo-Konzert ist so bereits deutlich gewiesen.

»Salve Regina« HWV 241

Kaum in Rom eingetroffen, sind Händels Qualitäten als Pianist und Organist gefragt. So spielt er am 13. Januar 1707 bei einer Zusammenkunft römischer Musiker Cembalo und wenige Tage später in der Kirche San Giovanni in Laterano Orgel. Und im Februar wird bereits eine im Auftrag des Kardinals Pamphilij komponierte Kantate aufgeführt. Danach finden wir Händel im Gefolge des Marchese Ruspoli auf dessen Landgut bei der Hirschjagd. Ruspoli wird fortan Händels wichtigster Auftraggeber. Für ihn schreibt er im Mai/Juni 1707 das »Salve Regina« HWV 241, das vermutlich auf Ruspolis Landgut Vignanello am 19. Juni 1707 erstmals erklingt. Die Solistin ist die Mezzosopranistin Margherita Durastanti, die später in London zu Händels Opernensemble gehören wird. »Salve Regina« zählt zu den vier großen Marianischen Antifonen, die seit dem 13. Jahrhundert das in der katholischen Kirche tägliche Stundengebet beschließen. Diese klösterliche Tradition, die bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann, ist auf der Insel Reichenau und in St. Gallen in Handschriften mit dem Text sogar seit dem 11. Jahrhundert nachweisbar. Händel hat den traditionsreichen Abendgruß an die Mutter Gottes als dreisätziges Werk komponiert. Die beiden langsamen, innigen und nachdenklich-anmutigen Ecksätze umrahmen ein brillantes, energisches Allegro.

»Haec est Regina virginum« HWV 235

Erstaunlich, dass der Protestant Händel offenbar problemlos mit Werken für die katholische Kirche betraut wurde. Und umgekehrt zog ihn gewiss das emotionale Element der katholischen Lehre in seinen Bann; auch war er bestimmt beeindruckt von den jahrhundertealten Ritualen und dem auf Außenwirkung bedachten prunkvollen Auftreten der Kardinäle. Zudem war die Regina, die Gottesmutter und Himmelskönigin, für die er auch die Marianische Antifon »Haec est Regina virginum« HWV 235 schrieb, in fast jeder Kirche bildlich präsent. Vermutlich hat Händel die Komposition für die in der römischen Kirche S. Maria di Montesanto gefeierte Vigil und das Fest der Madonna del Carmelo am 15./16. Juli 1707 geschaffen. Hierbei, so notierte es der damals dort anwesende Anton Ulrich von Sachsen-Meiningen in sein Diarium, habe er »eine schöne Music« gehört, »dar bey der deutsche Hendel, von Halle die Music dirigirte«. Als »caro sassone« – der geliebte Sachse – war Händel in die Accademia degli Arcadi aufgenommen worden. In dieser honorigen Vereinigung von Komponisten hatte er auch Arcangelo Corelli kennengelernt. Inzwischen verfügte der jung Deutsche über jene »persönliche Schreibarth«, bei der Anmut und Schmiegsamkeit mit Erhabenheit und Ernsthaftigkeit verbunden sind. Die Antifon »Haec est Regina virginum« ist ein großartiges Beispiel hierfür: Ihre Einfachheit ist sowohl wahrhaftig als auch grandios. Die Motette »O qualis de coelo sonus« HWV 239 komponierte Händel gleichfalls für den Marchese Ruspoli. Auch sie wurde vermutlich zu Pfingsten am 12. Juni 1707 auf dessem Landgut mit der Sängerin Durastanti uraufgeführt. Die drei Vokalkompositionen belegen, dass Händel »schon zu Beginn seines Italienaufenthaltes seinen eigenen Stil und eine eigene Meisterschaft entwickelt hatte« (Juliane Riepe).

Sonata à cinque B-Dur HWV 288

In diesen Zusammenhang gehört auch die Sonata à cinque für Violine solo, Streicher und Basso continuo. Händel schuf sie in Rom 1706/1707 im Umfeld der Arbeiten an Rodrigo, Händels erster, in Italien komponierter und im Herbst 1707 in Florenz uraufgeführter Oper. Möglicherweise ist die konzertant angelegte Sonata für Corelli entstanden, der zu dieser Zeit bei Kardinal Ottoboni wirkte und mit dem Händel als Interpreten rechnen konnte. Auch hier beweist er sein sicheres Gespür für wirkungsvolle Einfachheit und – besonders im Mittelsatz – melodiebetonte Erhabenheit. Geschickt wechseln in den beiden schnellen Ecksätzen Solo-Stimme und Streicherbegleitung, werden Affekte gestaltet und klangsinnliche Effekte betont genauso wie rhythmische.

Domenico Gallo:

Über Domenico Gallos Leben und Wirken ist so gut wie nichts bekannt. In einem französischen Lexikon von 1883 heißt es, er sei ein um 1730 in Venedig geborener »violiniste distingué« gewesen. Seine Sinfonien und Sonaten waren zu Lebzeiten des Komponisten bekannt und beliebt. Da aber kaum eines dieser Werke gedruckt wurde, geriet sein Schaffen schon bald in Vergessenheit. Heute ist Gallo kurioserweise durch eine Komposition wieder ins klingende Leben zurückgekehrt, die lange nicht mit seinem Namen verküpft war, sondern mit dem Giovanni Battista Pergolesis. 1780 wurden in London zwölf Triosonaten mit dem Hinweis veröffentlicht: »compos’d by Gio. Batt.a Pergolese. Author of the Stabat Mater«. Schon bald wurde allerdings an Pergolesis Autorschaft gezweifelt. Igor Strawinsky jedoch übernahm 1919/1920 in gutem Glauben, dass Pergolesi der Schöpfer sei, Material aus sieben Einzelsätzen für sein Ballett Pulcinella. Inzwischen stellte sich heraus, dass nicht Pergolesi, sondern Gallo der Schöpfer der hier vorgestellten, wahrscheinlich Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden Sonaten ist. In ihnen präsentiert sich Gallo als souveräner Komponist. Mit ihren »›singenden‹ Themen in den Kopfsätzen«, einem »tanzhaften Finale« (Thomas Schmidt-Beste) und einem tiefempfundenen Mittelsatz gehören die sechs Sonaten zu jenen interessanten Werken, die den Weg zur musikalischen Klassik geebnet haben.

Giovanni Battista Pergolesi:

Pergolesis Ruhm beruht neben dem »Stabat mater« auf seinem »Salve Regina«in c-Moll, in dem Zeitgenossen die »Sprache des Herzens« (Jean-Jacques Rousseau) zu hören glaubten. Wann und für wen die geistliche Kammermusik schuf, ist nicht überliefert. 1732 war er Mitglied einer Musikerbruderschaft geworden, die sich als Schutzpatronin die Mutter Gottes erwählt hatte. Ihr zu Ehren fanden zahlreiche musikalische Veranstaltungen statt. Naheliegend, dass das »Salve Regina« hierfür komponiert wurde. Wie Händel war auch der 1710 geborene Pergolesi ein musikalisch hochbegabter Knabe. Bereits mit 13 Jahren bekam er am Konservatorium in Neapel eine gründliche Ausbildung. Schon bald feierte er mit seiner ersten Opera seria rauschende Erfolge, wurde maestro di cappella am Teatro S. Bartolomeo, löste mit seinem Intermezzo La serva padrona eine erbittert geführte musikästhetische Debatte aus, den sogenannten Buffonistenstreit, wurde organista in der Cappella reale und Kapellmeister der Stadt Neapel. Und er komponierte in seinem viel zu kurzen Leben – Pergolesi starb bereits mit 26 Jahren – neben Bühnenwerken bemerkenswert viel geistliche Musik, darunter das »Salve Regina«.

Dem inbrünstigen Gruß an die Königin, die Mutter Gottes, ist ein instrumentales Vorspiel mit einigen schmerzvoll-dissonanten Harmonien vorangestellt. In getragenem Gestus wird die Regina begrüßt, ehe mit energischer Dringlichkeit der Ruf der »verbannten Kinder Evas« erklingt. Danach wechselt der Affekt, wird wieder klagend, seufzend, findet zu Weinen und Trauer, bevor das folgende Andante »Eia ergo« Hoffnung aufkeimen lässt. Dann jedoch nimmt das »O clemens« den Gestus vom Beginn des »Salve Regina« mit der schlichten Streicherbegleitung wieder auf. Der Bogen schließt sich. Mit sicherem Gespür für eine ausgewogene Form, für reiche Harmonien und der aus einer subjektiven religiösen Erfahrung gespeisten Melodik hat Pergolesi die Antifon gestaltet und sich damit die Bewunderung nachfolgender Generationen erworben.

Ingeborg Allihn

Biografie

Nuria Rial studierte Gesang und Klavier am Conservatorio Superior de Música del Liceo in Barcelona und setzte ihre Ausbildung ab 1998 in der Konzertklasse von Kurt Widmer an der Musikhochschule in Basel fort. Nach Abschluss ihres Studiums wurde sie im September 2003 mit dem Preis der Stiftung »Helvetia Patria Jeunesse« in Luzern ausgezeichnet. Die katalanische Sopranistin ist mit renommierten Orchestern und Ensembles in Europa aufgetreten (Concerto Köln, The English Concert, Collegium 1704, Il Giardino Armonico, Les Musiciens du Louvre, L’Arpeggiata) und hat dabei mit Dirigenten wie Sir John Eliot Gardiner, Paul Goodwin, Thomas Hengelbrock, Gustav Leonhardt und Trevor Pinnock zusammengearbeitet. Außerdem war Nuria Rial auf bedeutenden Musik- und Kulturfestivals in Europa, Südamerika und Israel zu hören und hat bei Produktionen führender europäischer Opernhäuser mitgewirkt: als Euridice in Monteverdis Orfeo an der Berliner Staatsoper Unter den Linden (René Jacobs) sowie am Grand Théâtre in Genf (Giovanni Antonini) und als Eritea in Francesco Cavallis Eliogabalo am Théâtre de la Monnaie in Brüssel (René Jacobs). Wichtige Mozartpartien, die sie auf der Bühne sang, waren Pamina am Teatro Carlo Felice in Genua und Ilia (Idomeneo) im Rahmen einer Schweiz-Tournee des WortKlang Festivals. Nuria Rial hat sich intensiv mit der historisch informierten Aufführungspraxis auseinandergesetzt, interessiert sich aber auch für die zeitgenössische Musik; so übernahm sie 2012 am Teatro Real Madrid die Partie der Nuria [sic] in Osvaldo Golijovs Operneinakter Ainadamar (Regie: Peter Sellars). In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gab die Künstlerin Mitte Februar 2014 ihr Debüt als Belinda in Henry Purcells Dido and Aeneas; Teodor Currentzis dirigierte das Ensemble MusicAeterna (Orchester und Chor des Opern- und Ballett-Theaters Perm, Russland).

Das Ensemble Concerto Melante nennt sich nach Georg Philipp Telemann, der seinerzeit das einprägsame, italienisch klingende Pseudonym »Melante« als Anagramm aus den Buchstaben seines Nachnamens bildete. 2008 präsentierte es sich offiziell dem internationalen Musikleben, die Geburtsstunde des heutigen Concerto Melante schlug bereits jedoch bereits 1998 in der Konzertreihe »Mitglieder und Gäste der Berliner Philharmoniker auf historischen Instrumenten«. Die Musiker der Gruppe gehören zum Teil den Berliner Philharmonikern, zum Teil Ensembles der Alten Musik an – einige von ihnen spielen seit Jahren bei den Berliner Barock Solisten. Das Concerto Melante variiert in seinen Besetzungen von vier bis zwölf Musikern und versteht sich als Ergänzung zu den Barock Solisten, als Bereicherung und Alternative, indem es sich in Fragen des Repertoires, durch die (kleinere) Besetzung und durch die Wahl ausschließlich historischer Instrumente von diesem unterscheidet. Concerto Melantearbeitete bisher mit Künstlern wie Christine Schäfer, Christiane Oelze, Dorothee Mields, Anne Sofie von Otter, Philippe Jaroussky, Peter Kooij sowie Dorothee Oberlinger, Hille Perl und Reinhold Friedrich zusammen. Mit Reinhard Goebel, dem langjährigen Leiter der Musica Antiqua Köln, ist das Ensemble seit vielen Jahren im Hinblick auf die Programmplanung eng verbunden. 2010 erschien das Debüt-Album des Ensembles, das Sonaten von Georg Philipp Telemann zum Teil als Ersteinspielungen präsentierte. Es folgten Aufnahmen von geistlichen Konzerten norddeutscher Komponisten des 17. Jahrhunderts sowie von Werken Johann Sebastian Bachs; erst kürzlich erschien die jüngste CD des Ensembles mit Weltersteinspielung der »12 Sonate a quattro« des Venezianers Domenico Gallo. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker war Concerto Melante zuletzt im April 2013 mit einem reinen Bach-Programm zu erleben.

Nuria Rial
»Originalklang« – Barocke Klangwelten

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