Berliner Philharmoniker

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Kammermusik

Scharoun Ensemble Berlin und Brett Dean

In diesem Konzert gibt es ein Wiedersehen der besonderen Art: Der Komponist Brett Dean, ehemaliges Mitglied der Berliner Philharmoniker und des Scharoun Ensembles Berlin, musiziert mit seinen früheren Kollegen. Neben seinem Ensemblewerk »Recollections« erklingt Kammermusik in verschiedener Besetzung von Johannes Brahms, Robert Schumann, György Kurtág und Bohuslav Martinů. Weiterer Gast des Abends ist die Sopranistin Sophie Klußmann.

Scharoun Ensemble Berlin

Christophe Horak Violine, Rachel Schmidt Violine, Micha Afkham Viola, Richard Duven Violoncello, Peter Riegelbauer Kontrabass, Alexander Bader Klarinette, Markus Weidmann Fagott, Stefan de Leval Jezierski Horn

Manfred Preis Klarinette

Guillaume Jehl Trompete

Holger Groschopp Klavier

N. N. Schlagzeug

Brett Dean Dirigent (Dean) und Viola (Martinů)

Sophie Klußmann Sopran

Johannes Brahms

Variationen für Klavier über ein Thema von Schumann op. 9 (Arrangement für Oktett von Detlev Glanert)

György Kurtág

Hommage à R. Sch. für Klarinette, Viola und Klavier op. 15d

Robert Schumann

Sechs Gesänge op. 107 (Transkription für Sopran und Streichquartett von Aribert Reimann)

Brett Dean

Recollections für Ensemble

Bohuslav Martinů

Le Raid merveilleux

Termine und Tickets

Fr, 13. Mär. 2015 20 Uhr

Kammermusiksaal

Einführung: 19:00 Uhr

Programm

Seit über 30 Jahren gehört das 1983 gegründete Scharoun Ensemble Berlin zu den profiliertesten Kammermusikformationen Deutschlands. In dieser Saison haben sich die Musiker für ihr Konzert im Kammermusiksaal illustre Gäste eingeladen, allen voran Brett Dean, den australischen Komponisten und Bratscher, der von 1985 bis 1999 den Berliner Philharmonikern angehörte und auch Mitglied des Scharoun Ensembles war. Von ihm und unter seiner Leitung steht die Komposition Recollections für 14 Instrumente auf dem Programm dieses Abends, »Kammermusik der Extraklasse«, so die Kölner Rundschau, in die am Ende ein Clara- Schumann-Zitat wie aus ferner Vergangenheit hineinklingt. Am Beginn des Konzerts aber steht Detlev Glanerts Oktett-Arrangement von Johannes Brahms’ Variationen über ein Thema von Schumann: ein ergreifendes Stück, dessen desperate Charaktere an das Spätwerk Gustav Mahlers denken lassen.

Es folgt György Kurtágs Hommage à R. Sch. op. 15d, dessen Kopfsatz in den Worten des ungarischen Komponisten »durch sein merkwürdig figuratives Gestikulieren an E. T. A . Hoffmanns und Schumanns Kapellmeister Kreisler« erinnert. Wie Kurtág fühlte sich auch Aribert Reimann Schumanns Schaffen verbunden; aufgrund seiner Erfahrungen als brillanter Liedbegleiter gelang es ihm, in seiner Bearbeitung für Sopran und Streichquartett der Sechs Gesänge op. 107 Ausdrucksqualitäten freizulegen, die im ursprünglichen Klaviersatz verborgen blieben. Zu einem »Ballet mécanique« ohne Personen komponierte Bohuslav Martinů sein neoklassizistisches Ensemblestück Le Raid merveilleux (Der wunderbare Fernflug), in dem der gescheiterte Atlantikflug von Charles Nungesser und François Coli nachgezeichnet wird. Das Stück endet mit einer ergreifenden Trauerhymne der Streicher. Das Scharoun Ensemble Berlin präsentiert Martinůs selten zu hörende Musik nun als Konzertwerk.

Über die Musik

Robert Schumann, die Folgen – und ein Flugzeugabsturz

Kammermusik von Brahms, Kurtág, Schumann, Dean und Martinů

Nach dem frühen, tragischen Tod Robert Schumanns wurde sein Schaffen ein zentraler Anknüpfungspunkt für die Generation der damals jungen Komponisten. Vor allem Johannes Brahms war es, der dem bewunderten Vorbild nacheifern und sein Andenken bewahren wollte. Mit dem Beginn der klassischen Moderne wurde es dann eher still um den großen Romantiker. Zwar verfasste kein Geringerer als Alban Berg noch eine bis heute unübertroffene Analyse der berühmten Träumerei aus den Kinderszenen op. 15, aber ansonsten orientierten sich die Komponisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eher an anderen Vorbildern. Erst mit dem Aufkommen einer Musik, die das komponierende Subjekt wieder stärker in den Vordergrund rückte und sich vor einer Ausdrucksästhetik nicht länger fürchtete, stand auch die das Werk Schumanns von den 1970er-Jahren an wieder stärker im Fokus der Komponisten. Ob Aribert Reimann, Peter Ruzicka, Wolfgang Rihm oder Heinz Holliger – sie alle beriefen sich auf Schumann und zollten ihm in ihren Werken Respekt.

Johannes Brahms: Schumann-Variationen op. 9

Als Johannes Brahms die Komposition seiner Schumann-Variationen für Klavier in Angriff nahm, war Schumann noch am Leben und kurz zuvor infolge eines missglückten Selbstmordversuchs in die Nervenheilanstalt in Endenich bei Bonn eingeliefert worden. Für Brahms war dies ein emotionaler Schock, hatte doch gerade Schumann die außerordentliche Begabung seines jungen Kollegen hellsichtig erkannt und in einem groß angelegten Aufsatz in der Neuen Zeitschrift für Musik unter dem Titel Neue Bahnen entsprechend gewürdigt. Das Thema für seinen Variationszyklus entnahm Brahms Schumanns Bunten Blättern op. 99, einer Kompilation von Klavierstücken, die zum größten Teil deutlich vor der Drucklegung entstanden waren. Bereits die Überschrift des Autografs macht die Nähe des jungen Komponisten zum Ehepaar Schumann deutlich: »Kleine Variationen über ein Thema von Ihm. Ihr zugeeignet.« In diesen Variationen übernimmt Brahms nicht nur das Thema aus Schumanns Bunten Blättern, daneben bringt er noch weitere Werke des Komponisten ins Spiel. Auch ein Thema Clara Schumanns wird von ihm zitiert. Mehr aber noch als durch diese Übernahmen dokumentiert Brahms seine Hinwendung an das verehrte Paar dadurch, dass er die Komposition entgegen seiner sonstigen Gewohnheit dem Stil der schumannschen Charaktervariation annähert und weniger das integrale Thema variiert als dessen Motive in immer anderer Gestalt und Beleuchtung vorführt. Detlev Glanert hat in seiner Bearbeitung der Schumann-Variationen für Oktett den originalen Notentext weitgehend beibehalten, führt aber bei Brahms angesetzte Motiv-Entwicklungen und Kontrapunkte weiter, wo der Komponist sie wegen der Einschränkung des Klaviersatzes nicht durchgehend realisieren konnte.

György Kurtág: Hommage à R. Sch. op. 15d

Die auf das Äußerste reduzierte Formulierung, die Miniatur, ist ein besonderes Kennzeichen der Musik György Kurtágs. Zahlreiche seiner Werke sind nur einige Minuten, einzelne Sätze zum Teil auch nur wenige Sekunden lang. Hinzu kommt eine Vorliebe für kammermusikalische, möglichst kleine und transparente Besetzungen. Schon die Titel vieler seiner Stücke verraten den Hang zur kleinen Form: Splitter, Fragmente, Zeichen, Sprüche oder Szenen – sie alle dokumentieren die Neigung zur kurzen, chiffrehaften Formulierung. Auch die zeitlich ausgedehnteren Vokal- und Orchesterzyklen bestehen zumeist aus einer Abfolge solcher hochexpressiver Miniaturen.

Häufig sind Kurtágs Werke der Erinnerung an verstorbene Zeitgenossen, befreundeten Kollegen und musikalischen Vorbildern gewidmet. Auch sein Trio Hommage à R. Sch. op. 15d für Klarinette, Viola und Klavier, mit dem er Robert Schumann seine Reverenz erweist, gehört zu dieser Gruppe. Wie oft bei seiner Arbeit war der Entstehungsprozess äußerst langwierig. Bereits in den 1970er-Jahren begonnen, konnte er die Partitur erst 1990 definitiv abschließen. In der Besetzung lehnt sich Kurtág an Schumanns Märchenerzählungen für Klarinette, Viola und Klavier op. 132 an, im Inhalt an dessen frühe Klaviermusik. Dabei spielen die Fantasiegestalten Florestan, Eusebius und Meister Raro, mit denen Schumann in seinen frühen Jahren unterschiedliche Aspekte seiner Persönlichkeit bezeichnete, eine zentrale Rolle.

Bereits die Überschriften der insgesamt sechs kurzen Sätze verweisen auf die Gedankenwelt des geehrten Kollegen. Das Werk beginnt mit merkwürdigen Pirouetten des Kapellmeisters Kreisler, an die sich ein Gedanke von Eusebius anschließt. Sein kurzer Satz trägt den Titel Der begrenzte Kreis und verarbeitet ein frühes Lied in Kanonform aus eigener Feder. In den drei folgenden Sätzen sind es Florestan, ein Zitat des ungarischen Dichters Attila József und das erste der schumannschen Fantasiestücke op. 12, die Kurtág zu komplexen Miniaturen inspirierten. Der sechste und letzte Satz ist der längste und verkündet mit der Überschrift Abschied (Meister Raro entdeckt Guillaume de Machaut) ein besonders komplexes musikhistorisches Programm: Schumann trifft hier auf die Ars Nova des 14. Jahrhunderts mit ihrer strengen Rhythmik, wie sie sich in den Motetten Machauts findet. Zugleich entsteht jedoch der Eindruck eines romantischen Trauermarschs, der sich zunächst mächtig steigert, um schließlich ins Nichts zurückzusinken. Diesen Abschiedsduktus unterstreicht der Klarinettist am Ende mit einem einzigen Ton auf der Großen Trommel.

Auch in diesem Zyklus erweist sich Kurtág wieder als Meister der kleinen Form. Seine Miniaturen sind Gesten vollendeter Konzentration, auf die zutrifft, was Arnold Schönberg im Vorwort der Bagatellen für Streichquartett op. 9 seines Schülers Anton Webern schrieb: »Jeder Blick lässt sich zu einem Gedicht, jeder Seufzer zu einem Roman ausdehnen. Aber: einen Roman durch eine einzige Geste, ein Glück durch ein einziges Aufatmen auszudrücken: zu solcher Konzentration findet sich nur, wo Wehleidigkeit in entsprechendem Maße fehlt.«

Robert Schumann: Sechs Gesänge op. 107

Vermutlich hat sich kein anderer deutscher Musiker des 20. Jahrhunderts so intensiv mit Leben und Werk Robert Schumanns beschäftigt wie Aribert Reimann. Als langjähriger Liedbegleiter kennt er dessen Vokalwerke wie kein Zweiter; als Komponist hat er sich mit dem Romantiker in einer Vielzahl von Werken auf immer neue Art auseinandergesetzt. Dass Reimann eine besondere Affinität zu Schumann verspürt, ist vielleicht kein bloßer Zufall, denn er ist ein direkter Nachfahre des Nervenarztes Franz Richarz, der Schumann während seiner letzten Lebensjahre in der Heilanstalt in Endenich betreute. Über lange Jahre verwahrte Reimann die Krankenakten, die die letzten Wochen und Monate des Komponisten in Endenich dokumentieren, bevor er sie für weitere Forschungen der Akademie der Künste in Berlin zur Verfügung stellte.

Schumanns Sechs Gesänge für Sopran und Klavier op. 107 sind, wie viele seiner anderen späten Vokalwerke auch, nur selten im Konzert zu hören. Denn die reiferen Arbeiten sind nicht nur weniger eingängig und harmonisch spröder als viele der frühen Lieder; sie basieren oft auch auf Texten, deren Urheber heute zumeist vergessen sind.

Das gilt etwa für das dichtende und von Schumann hoch verehrte »Wunderkind« Elisabeth Kulmann (1808 – 1825), deren Texte er seinen Liederzyklen op. 103 und op. 104 vertonte, aber auch für andere Poeten, die er für seine Liedersammlung heranzog und die bis auf Eduard Mörike heute niemand mehr kennt. Schumann begann mit der Arbeit an diesen Liedern Anfang 1851, am 8. Januar des folgenden Jahres entstand, offenbar als letztes Lied der Sammlung, Die Spinnerin.

Aribert Reimann transkribierte die Gesänge op. 107 für eine Aufführung während der Traunsteiner Sommerkonzerte 1994 für Sopran und Streichquartett. Christine Schäfer übernahm den Gesangspart, außerdem musizierte das Auryn Quartett. Durch die Bearbeitung Reimanns wird der Vokalpart stärker in den musikalischen Satz des Streichquartetts integriert. Außerdem bietet der Streicherklang ein Vielfaches an Farbnuancen im Vergleich mit dem reinen Klaviersatz. So kann Reimann hier Ausdrucksqualitäten freilegen, die Schumann vermutlich nur anklingen lassen konnte. Es spricht für die Sensibilität Reimanns gegenüber dem verehrten Komponisten, auf welch filigrane Weise er den Klaviersatz dieser Gesänge auszudeuten weiß.

Brett Dean: Recollections

Fast 15 Jahre wirkte Brett Dean als Bratscher im Ensemble der Berliner Philharmoniker, bevor er in seine australische Heimat zurückging, um sich stärker dem Komponieren zu widmen. Seitdem entstand eine Vielzahl von Werken für unterschiedliche Besetzungen, die sich vor allem durch eine große klangliche Finesse und einen vollständigen Verzicht auf reißerische Effekte oder plakative Gesten auszeichnen. Es ist eine unaufgeregte Musik, die Brett Dean komponiert und für die er in den vergangenen Jahren auch vielfach international ausgezeichnet wurde. Sein Ensemblestück Recollections entstand 2006 als Auftragswerk für das Heimbach Festival und dessen künstlerischen Leiter Lars Vogt. Zentrales Thema des sechssätzigen Stücks sind verschiedene Formen des Erinnerns. Dean, der zentrale Ideen für sein Komponieren aus der Rockmusik erhielt, liebt es, mit Klangbändern und -strukturen zu arbeiten, die er wie bei einer Mehrspuraufnahme übereinanderschichtet oder sich auseinander entwickeln lässt. Auch in Recollections finden sich Überlagerungen unterschiedlichster klanglicher Texturen, entwickeln sich Themen, Motive und Gesten zu formbildenden Elementen. Dean erhielt während seiner Zeit in Berlin wichtige kompositorische Impulse von György Kurtág, der damals ebenfalls in der deutschen Hauptstadt lebte. Von ihm übernahm er auch die Vorliebe für eine möglichst prägnante Darstellung der musikalischen Gedanken. Das betrifft vor allem die sorgfältige Ausgestaltung kleiner Formen, in der es Kurtág zur höchsten Meisterschaft gebracht hat. Die Sätze von Recollections sind meist relativ kurz und konzentrieren sich nicht selten auf einzelne Gesten und Charaktere. Kommt der erste, Essence überschrieben, als ein melancholisch-sehnsüchtiger Auftakt daher, bei dem vor allem eine Melodie in der Klarinette dominiert, sind die bewegteren Sätze 2 und 4 Scherzo-artige Nachtstücke, in denen eher dämonische Erinnerungen vorherrschen. Dead of Night, das an dritter Stelle steht und auch Reminiszenzen an den ersten Satz enthält, übernimmt die Funktion einer zentralen meditativen Reflektion. Dem nahezu archaisch anmutenden fünften Satz folgt mit Locket eine Erinnerung an vergangene Musik. Dean zitiert hier ein Motiv Clara Schumanns aus einem ihrer Klavierstücke und bindet es fast unmerklich in das feine Gewebe seines kammermusikalischen Satzes ein.

Bohuslav Martinů: Le Raid merveilleux

Als Bohuslav Martinů 1923 in Paris eintraf, wollte er eigentlich nur seine Kompositionsstudien bei Albert Roussel abschließen. Doch die französische Metropole mit ihrem reichen musikalischen Leben wurde ihm schon bald zur Wahlheimat, die er erst kurz vor dem Einmarsch der deutschen Truppen 1940 verließ. Die große Aufgeschlossenheit des Tschechen gegenüber neuen künstlerischen Entwicklungen zeigt sich in den 1920er-Jahren vor allem in Form seiner experimentellen Ballette, in denen er Themen der Zeit aufgriff und mit Puppenspiel, Zeichentrickfilm und Revue-Elementen arbeitete. Le Raid merveillieux (Der wunderbare Fernflug) entstand als Auftragswerk für Marguerite Bériza, die kurz zuvor ein Theater für experimentelle Produktionen gegründet hatte. Das Werk basiert auf einer wahren Begebenheit: dem gescheiterten Versuch einer Atlantik-Überquerung durch die französischen Piloten Charles Nungesser und François Coli, nur wenige Wochen vor dem ersten Überflug durch Charles Lindbergh. Geplant war eine Produktion ohne Tänzer, die ausschließlich mit den Wirkungen von Licht und Schatten spielen sollte. Zu einer Aufführung kam es damals nicht, weil das Theater Konkurs anmelden musste. Die fünf Szenen des einaktigen Balletts thematisieren in technikbegeisterter Weise Elemente einer Flugreise – vom Propeller bis zu den reflektierenden Bordlampen. Das Werk gipfelt nach dem Absturz der Piloten über dem Meer in einer bewegenden Trauermusik für Streicher.

Martin Demmler

Biografie

Das Scharoun Ensemble Berlin wurde 1983 gegründet und gehört mit innovativer Programmgestaltung, ausgefeilter Klangkultur und lebendigen Interpretationen zu den profiliertesten Kammermusikformationen Deutschlands. Es besteht aus neun ständigen Mitgliedern, die alle den Berliner Philharmonikern angehör(t)en: Wolfram Brandl (Violine, seit 2011 1. Konzertmeister bei der Staatskapelle Berlin), Rachel Schmidt (Violine), Christophe Horak (Violine), Micha Afkham (Viola), Richard Duven (Violoncello), Peter Riegelbauer (Kontrabass), Alexander Bader (Klarinette), Markus Weidmann (Fagott) und Stefan de Leval Jezierski (Horn). Die klassische Oktettbesetzung wird immer wieder auch um weitere Instrumentalisten erweitert. Das Ensemble hat dabei auch mit namhaften Dirigenten wie Claudio Abbado, Sir Simon Rattle, Daniel Barenboim oder Pierre Boulez zusammengearbeitet und musizierte mit Sängerinnen und Sängern wie Thomas Quasthoff, Annette Dasch, Simon Keenlyside und Barbara Hannigan. Mit ihrer Orientierung am Vermächtnis Hans Scharouns, des visionären Architekten der Berliner Philharmonie, bringen die Musiker ein künstlerisches Selbstverständnis zum Ausdruck, das sich dem Erbe der Vergangenheit und den Herausforderungen der Gegenwart gleichermaßen verpflichtet fühlt. Die Vermittlung zwischen Tradition und Moderne bildet daher auch den künstlerischen Schwerpunkt des Scharoun Ensembles, das Werke von György Ligeti, Hans Werner Henze, Pierre Boulez, György Kurtág, Wolfgang Rihm, Jörg Widmann und Matthias Pintscher initiiert und uraufgeführt hat. In Ergänzung zu einer regen internationalen Konzerttätigkeit engagiert sich die Formation bei dem 2005 gegründeten und künstlerisch von ihm gestalteten Zermatt Festival. Hier finden neben hochkarätig besetzten Konzerten jeden Sommer auch musikalische Workshops statt, die jungen Musikerinnen und Musikern die Chance bieten, mit den Mitgliedern des Scharoun Ensembles zusammenzuarbeiten.

Gäste des Ensembles sind im heutigen Konzert die philharmonischen Kollegen Manfred Preis (Klarinette), Guillaume Jehl (Trompete) und Jan Schlichte (Schlagzeug) sowie am Klavier Holger Groschopp, der seit vielen Jahren regelmäßig als Kammermusiker und Orchesterpianist mit den Berliner Philharmonikern zusammenarbeitet.

Brett Dean wurde 1961 in Brisbane, Australien geboren. Bereits im Alter von 8 Jahren spielte er Violine im Queensland Youth Orchestra, bevor er zur Viola wechselte und am Queensland Conservatory of Music studierte. 1984 kam er nach Berlin, um seine Ausbildung bei Wolfram Christ fortzusetzen. Als Bratscher war er von 1985 an gut 14 Jahre lang Mitglied der Berliner Philharmoniker – eine Zeit, in der sich Dean vermehrt experimentellen und improvisatorischen Projekten widmete und zu komponieren begann. Mit Werken wie dem vom International Rostrum of Composers der UNESCO ausgezeichneten Klarinettenkonzert Ariel’s Music, dem Klavierquintett Voices of Angels,Twelve Angry Men (für die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker) und Carlo für Streicher, Sampler und Tonband hatte er ab 1995 international Erfolg. Das von der Musik Gesualdos inspirierte Stück ist sein bislang meistgespieltes Werk, mit bisher über 120 Aufführungen. 2000 kehrte Dean nach Australien zurück, um sich stärker dem Komponieren zu widmen. Zu den führenden Interpreten seiner Musik gehören Sir Simon Rattle, Andris Nelsons, Simone Young, Frank Peter Zimmermann und Daniel Harding. Deans Violinkonzert The Lost Art of Letter Writing wurde 2009 mit dem Grawemeyer Award for Musical Composition ausgezeichnet; seine erste Oper Bliss hatte im März 2010 in Sydney Premiere mit weiteren Aufführungen in Melbourne, Edinburgh und Hamburg. Dean, der heute weltweit auch als Solist, Kammermusiker und Dirigent tätig ist, erhielt zahlreiche Kompositionsaufträge – von den Berliner Philharmonikern, dem Concertgebouworkest, dem Los Angeles Philharmonic, den BBC Proms, dem Lucerne Festival und anderen Institutionen. The Last Days of Socrates – ein Auftragswerk des Rundfunkchors Berlin gemeinsam mit dem Los Angeles Philharmonic und dem Melbourne Symphony Orchestra – wurde im April 2013 mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Sir Simon Rattle uraufgeführt.

Die Sopranistin Sophie Klußmann studierte bei Thomas Quasthoff in Detmold und Margreet Honig in Amsterdam. Ihre warme, dunkel timbrierte Stimme mit großem Tonumfang öffnete ihr rasch die Türen zu den internationalen Bühnen und Konzertpodien. Dabei deckt sie stilistisch ein breites Repertoire ab. Im Bereich der Alten Musik arbeitete sie beispielsweise mit Marcus Creed und Václav Luks; daneben singt sie aber auch moderne Werke von Taverner und Jost, Ligeti und Stockhausen, etwa mit dem Ensemble Musikfabrik. Während ihres Engagements am Opernhaus Halle von 2009 – 2011 sang sie die wichtigen Partien ihres Fachs wie Pamina (Zauberflöte), Cherubino (Figaro), Nannetta (Falstaff), Dorinda (Orlando), Wellgunde (Rheingold) und Waldvogel (Siegfried). In den Musiktheater-Produktionen The Giacomo Variationsund The Infernal Comedy spielte und sang sie weltweit an der Seite von John Malkovich. Im Konzert trat die Sängerin unter der Leitung von Dirigenten wie Marek Janowski, Michael Gielen, Ingo Metzmacher, Michael Sanderling oder Karl-Heinz Steffens mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, dem Radio-Sinfonieorchester Berlin, dem SWR Sinfonieorchester, dem Konzerthausorchester, der Potsdamer Kammerakademie u. a. auf. Im Kammermusik- und Liedrepertoire fasziniert Sophie Klußmann vor allem die Musik des späten 19. und 20. Jahrhunderts. In einem Konzert der Stiftung Berliner Philharmoniker ist sie heute erstmals zu erleben.

Scharoun Ensemble Berlin und Brett Dean

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