Berliner Philharmoniker

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Kammermusik

Jazzpaña

Flamenco und Jazz

Jazz und Flamenco sind zweifellos zwei ideale Partner – das beweisen der spanische Jazzpianist Chano Domínguez und der Gitarrist Gerardo Núñez mit ihrem Programm Jazzpaña, einer musikalischen Reise an die Costa de la Luz. Special Guest des Abends ist der Gitarrist Ulf Wakenius.

Chano Domínguez Klavier

Gerardo Núñez Gitarre

Marius Neset Saxofon und Flöte

Ramón Valle Klavier

Omar Rodriguez Calvo Kontrabass

Liber Torriente Schlagzeug

Cepillo Perkussion

Special Guest: Ulf Wakenius Gitarre

kuratiert von Siggi Loch

Termine und Tickets

Di, 21. Okt. 2014 20 Uhr

Kammermusiksaal

Einführung: 19:00 Uhr

Programm

Im temperamentvollen Süden Andalusiens, wo Atlantik und Mittelmeer aufeinandertreffen, liegt das kleine Städtchen Jerez de la Frontera, das mit seinen zahllosen Bodegas nicht nur als Heimat des »Vino Jerez«, der Manzanilla und des Sherrys, weltberühmt ist. Hier, wo die mittelalterliche Festung des Alcázar mit ihren kunstvollen Azulejo-Kachelmosaiken und wunderschönen Gärten die maurische Vergangenheit aufleben lässt, ist auch der Flamenco zu Hause. In Jerez de la Frontera wurde der Gitarrist Gerardo Núñez geboren, der zu den herausragenden Vertretern des Flamenco Nuevo zählt – einer musikalisch offenen Spielart der traditionellen Flamenco-Kunst, die musikalische Stilrichtungen wie den Jazz einbezieht.

Gemeinsam mit dem spanischen Jazzpianisten Chano Domínguez präsentiert Gerardo Núñez nun in der philharmonischen Jazzreihe sein Programm Jazzpaña, eine musikalische Reise an die Costa de la Luz, bei der sich Jazz und Flamenco zweifellos als ideale Partner erweisen werden. Als Special Guest wird kein Geringerer als Ulf Wakenius erwartet, der knapp elf Jahre Gitarrist im Quartett des legendären Oscar Peterson war und der mit Jazzgrößen wie Steve Coleman, Gary Thomas, Herbie Hancock, Roy Hargrove, Milt Jackson und Pat Metheny auf der Bühne stand.

Über die Musik

Begegnungen zweier entfernter Verwandter

Flamenco trifft Jazz

Wenn dieses Konzert der Reihe Jazz at Berlin Philharmonic mit Jazzpaña betitelt ist, dann ahnen erfahrene Jazzfreunde, dass es enger als frühere mit der Biografie von Sigi Loch verknüpft ist, dem Kurator der Jazzkonzerte im Kammermusiksaal der Philharmonie. War doch das gleichnamige Album die erste eigene Produktion, mit der Lochs junges Label ACT 1993 an den Start ging. Und auch das hatte bereits eine Vorgeschichte, die bis ins Jahr 1959/1960 zurückgeht, als der geniale Komponist und Arrangeur Gil Evans mit dem legendären Trompeter Miles Davis Sketches of Spain aufnahm, jene bahnbrechende Suite, mit der der amerikanische Jazz erstmals die spanische Musik, insbesondere den Flamenco, entdeckte. Für Sigi Loch gehörte diese Aufnahme seit jeher zu den fünf Platten, die er auf die berühmte einsame Insel mitnehmen würde. Als er 1989 als langjähriger, erfolgreicher »Plattenboss« des Major-Labels Warner/WEA aufhörte, um seinen lange gehegten Traum vom eigenen Jazzlabel zu verwirklichen, plante er als Auftakt eine Wiederauflage des Experiments genau 30 Jahre später.

Haben doch der Flamenco und der Jazz mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick glauben könnte. Beide sind sie in ihrer modernen Form ungefähr zur gleichen Zeit entstanden, beide als Klangwelten unterdrückter Minderheiten – der Schwarzen in Amerika und der Gitanos in Spanien – und beide sind sie hybride Musiken, die verschiedenste Einflüsse miteinander verschmolzen haben: Der Jazz zuvorderst den Blues, afrokaribische Rhythmik und Harmonien der europäischen Klassik, der Flamenco jüdische, maurisch-arabische, byzantinische, sogar osteuropäische und indische Elemente. Vor allem aber sind Jazz wie Flamenco stets Ausdruck tiefster individueller Emotionalität. Nicht ohne Grund nannte Miles Davis die Soleá, die Basisform des Flamenco, den europäischen Blues. Wie sehr sich Jazz und spanische Musik befruchten können, bewiesen dann nach Sketches of Spain unter anderem auch die Jazzer John Coltrane (Ola) oder Chick Corea (My Spanish Heart), von der anderen Richtung her etwa Star-Gitarrist Paco de Lucía – nicht zuletzt im Kult-Trio mit Al Di Meola und John MacLaughlin.

Sigi Loch wollte die Sache noch einmal anders angehen und Gil Evans mit authentischen spanischen Flamenco-Gitarristen, amerikanischen Jazzsolisten und einem orchestralen Kontext konfrontieren. Evans war Feuer und Flamme, starb jedoch, bevor der Plan in die Tat umgesetzt werden konnte. Das Projekt lag aber nicht lange auf Eis, weil Loch in dem hochbegabten jungen Arrangeur Vince Mendoza einen würdigen Nachfolger fand. Unter seiner Feder- und Stabführung trafen 1993 im WDR-Studio in Köln sechs Tage lang aufeinander: die WDR Bigband, der von Paco de Lucía empfohlene blutjunge Gitarrist Cañizares – heute ein Star des Flamenco Nuevo –, der Flötist und Saxofonist Jorge Pardo, der Bassgitarrist und Mandolinist Carles Benavent, der Sänger Ramón »El Portugués«, mehrere spanische Perkussionisten sowie als Jazz-Gäste Schlagzeuger Peter Erskine, Bassist Dieter Ilg, Perkussionist Freddie Santiago und der E-Gitarrist Steve Khan. Auch Stargitarrist Al Di Meola und Saxofonist Michael Brecker steuerten Soli bei, genau wie der prominente türkischstämmige New Yorker Star-Produzent Arif Mardin seine Suite Fraternidad. Das ambitionierte Projekt war künstlerisch wie kommerziell ein Riesenerfolg, gewann den German Jazz Award und wurde gar für zwei Grammys nominiert. Beim Live-Auftritt des Ensembles auf der Midem in Cannes sprang der französisch-vietnamisische Gitarrist Ngyuên Lê für seine unabkömmlichen amerikanischen Kollegen so überzeugend ein, dass er zum ersten ACT-Exklusivkünstler wurde. Man kann also mit einigem Recht sagen, dass Jazzpaña der Grundstein und das Modell für das grenzüberschreitende Konzept von ACT war, das heute allgegenwärtig, damals aber noch fast revolutionär war.

Ermutigt vom Erfolg von Jazzpaña gründete Sigi Loch sogar das Flamenco-Sublabel Emoción, um die verschiedenen Spielarten dieser Kunst vorzustellen. Zu den dort präsentierten Gitarristen gehörten der große Tomatito und Gerardo Núñes, der 1989 mit seinem Album Flamencos de Nueva York seinen internationalen Durchbruch gefeiert hatte, dann ebenfalls ACT-Künstler und sieben Jahre nach Jazzpaña die Schlüsselfigur von Lochs nächstem Versuch wurde, den Jazz durch spanische Volksmusik zu inspirieren. Jazzpaña II ließ der »Flamenco tanzenden Big Band« (wie Die Zeit 1993 geschrieben hatte) eine intimere Begegnung folgen. Es war vor allem eine erstmalige Begegnung jener spanischen Musiker, die seit langem an der Modernisierung des Flamenco und der Verbrüderung mit dem Jazz gearbeitet hatten: Neben Núñes und dem Flamenco-Pianisten Chano Domínguez als Frontmänner fanden sich wieder Carles Benavent und Jorge Pardo ein, dazu der Schlagzeuger Tino Di Geraldo, der Saxofonist Perico Sambeat, der Cajón-Spieler Cepillo, die Gitano-Sängerin Esperanza Fernández, das Sevillanas-Sextett Las Corraleras und der franco-iberische Zauberbassist Renaud García-Fons. Schließlich waren als amerikanische Stimmen wieder Michael Brecker sowie der Gitarrist Fareed Haque geladen. Das erneut überragende Ergebnis schaffte es auf Platz 1 der deutschen Jazz-Charts.

Nun also lässt Sigi Loch im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie das nächste Jazzpaña-Kapitel aufschlagen, und natürlich spiegelt diese neue Begegnung die Entwicklung der 14 Jahre wider, die dazwischen liegen. Ist doch der Jazz seither unumkehrbar zur universellen Weltmusik geworden, an dessen Öffnung herausragende Musiker aus aller Welt mitwirkten. Deren Austausch über alle Stil- und Ländergrenzen hinweg hat mit der Globalisierung radikal zugenommen, und so nehmen bei Jazzpaña III, wie man diesen Berliner Abend auch nennen könnte, Künstler aus so vielen Regionen und mit unterschiedlichster musikalischer Herkunft teil wie nie: Neben den Spaniern Gerardo Núñes und Chano Domínguez, zu denen als Rhythmische Basis noch Cepillo und der Schlagzeuger Liber Torriente stoßen, die Kubaner Ramón Valle und Omar Rodriguez Calvo – der eine freilich in den Niederlanden, der andere mit deutschem Pass in Hamburg lebend –, der in Dänemark lebende Norweger Marius Neset und als special guest der Schwede Ulf Wakenius. Fürwahr eine Galerie unterschiedlichster Musiker.

Kronprinz der Flamenco-Gitarre

Der 1961 im andalusischen Jerez de la Frontera geborene Gerardo Núñes gehört nach einer Reihe von gefeierten Alben unbestritten zu den herausragenden Vertretern des Flamenco Nuevo. Diese moderne, inzwischen im Gefolge von Paco de Lucía wohl dominierende Richtung des Flamenco hat die reine Lehre der Traditions-Gralshüter und damit alte Verkrustungen überwunden. Núñez hat diese Öffnung und Neubestimmung nicht nur als begnadeter Virtuose, sondern mit einer bemerkenswerten Reihe von ungewöhnlichen Kooperationen befeuert. Schon für eines seiner frühen Alben holte er die Jazz-Stars John Patitucci und Danilo Pérez. In der Folge arbeitete er mit Kollegen aus allen Genres: Vom Star-Tenor Plácido Domingo über das Pop-Idol Julio Iglesias bis zum sphärischen Harfenisten Andreas Vollenweider oder der Rockband Mecano. Außergewöhnlich war auch sein europäisches Allstar-Quartett mit dem Trompeter Enrico Rava, dem Akkordeonvirtuosen Richard Galliano und dem Bassisten Eberhard Weber. Auch sein bislang letztes, 2012 bei ACT erschienenes Album Travesía bezeugt Núñezʼ grenzübergreifendes Denken: Unter Mitwirkung namhafter Jazzer wie Saxofonist Perico Sambeat und Pianist Albert Sanz mischen sich bei dieser vitalen Begegnung Flamenco mit Pop, Funk mit Latin, und es entstand eine musikalische Reflektion über »die große Überquerung« – also die Flucht so vieler Afrikaner aus ihrer Heimat über das Mittelmeer nach Spanien.

Mitbegründer des Flamenco-Jazz

Auch der 1960 in Cádiz geborene Chano Domínguez lernte zunächst autodidaktisch Flamenco-Gitarre, wechselte aber noch als Kind zu Orgel und Klavier. 1978, also schon mit 18, gründete er die Band CAI, die binnen der drei Jahre ihres Bestehens zu einem führenden Vertreter des Rock andaluz wurde. Seit den 1980er-Jahren wandte sich Domínguez dann verstärkt dem Jazz zu. Er trat bei Festivals auf, schloss sich dem Trio Hiscádix (der Name spielt darauf an, dass alle Mitglieder aus Cádiz stammten) an und gründete 1992 sein eigenes Trio, das Formensprache und Rhythmik von Jazz und Flamenco verschmolz und sofort den spanischen Jazzwettbewerb gewann. Zu den prominenten Kollegen, mit denen Domínguez arbeitete, gehören Michel Camilo, Martirio, Gonzalo Rubalcaba oder Jack DeJohnette, mehrfach war er bei Projekten der WDR Bigband beteiligt. Sein jüngstes, vor eineinhalb Jahren beim legendären US-Label Blue Note erschienenes Album Flamenco Sketches wurde für den Grammy in der Kategorie »Best Latin Jazz Album« nominiert.

Karibischer Romantiker

Von den meisten jungen Jazzern ist man inzwischen gewohnt, dass sie klanglich ihre Herkunft zwar nicht verleugnen, aber doch in den ganzen Musikkosmos ausgreifen. Als der 1964 in Kuba geborene Pianist Ramón Valle in den 1990er-Jahren international auf sich aufmerksam machte, war das noch nicht so. Für einen kubanischen, obendrein an der Escuela Nacional de Arte in Havanna ausgebildeten Musiker war die Haltung außergewöhnlich, erst einmal nicht typisch kubanisch klingen zu wollen, sondern zu 100 Prozent nach sich selbst, wie es Valle einmal formulierte. Schon als Mitglied von Silvio Rodríguezʼ Combo Diákara von 1991 bis 1993, vor allem aber als immer klarer hervortretender Solopianist pflegte Valle einen Personalstil, der einem romantischen, melancholischen Klangbild viel mehr abgewinnen konnte als im Latinjazz üblich. Valle hat auch klassische Kompositionen seines Landmanns Ernesto Lecuona interpretiert, vor allem aber pflegt er einen modernen zeitgenössischen Jazz, in dem die kubanische Rhythmik nur gelegentlich auftaucht. Konsequenterweise lebt er seit 1998 in den Niederlanden, von wo aus er solo, mit seinem Trio oder seinem Quintett, unterwegs ist. Viele junge karibische und europäische Musiker sind inzwischen als seine Schüler stark von seinem Spiel beeinflusst.

Erfolgreicher Tieftöner

Einer, der Valle früh begleitete, ist sein 1973 in Matanzas geborener LandsmannOmar Rodriguez Calvo. Auch Calvo studierte von 1988 bis 1994 in Havanna Kontrabass, E-Bass, klassische Musik, Jazz und populäre Musik. Schon währenddessen begann er, mit Argelia Fragoso, mit Carlos Maza und schließlich mit Ramón Valle zu spielen. Am Exodus der besten kubanischen Musiker beteiligte er sich früher als Valle. Bereits 1994 zog Calvo nach Hamburg, wo er schnell ein stilistisch vielseitiger und entsprechend begehrter Bassist wurde: Joe Gallardo, Nils Landgren, Julio Barreto, Horacio »El Negro« Hernández, Roy Hargrove oder Mike Stern versicherten sich seiner Dienste, ebenso der nun wieder nicht weit entfernt lebende Ramón Valle; und auch mit Gerardo Núñez spielte Calvo bereits zu Anfang der 2000er-Jahre. Als Mitglied der erfolgreichen Hamburger Popband Orange Blue lernte Calvo vor 12 Jahren den schwedischen Pianisten Martin Tingvall und den Bremer Schlagzeuger Jürgen Spiegel kennen, beide ebenfalls in Hamburg lebend. Seitdem gehört er dem Martin Tingvall Trio an, das trotz des Namens eine gleichberechtigte Band ist und nach fünf mit vier German Jazz Awards und drei Jazz Echos ausgezeichneten Alben sowie Tourneen in der ganzen Welt mittlerweile zu den erfolgreichsten europäischen Jazzformationen gehört.

Der Saxofon-Revoluzzer

Mit 28 Jahren ist der Saxofonist Marius Neset eine der großen Hoffnungen des europäischen Jazz. »Schier wahnsinnige technische Geläufigkeit« attestiert ihm die Frankfurter Allgemeine Zeitung ebenso »cinemaskopische Fantasie«; für die Süddeutsche Zeitung führt er sein Instrument »in eine neue Dimension«. Bereits mit 17 verließ der auf dem Land nahe des norwegischen Bergen Aufgewachsene seine Heimat, um am Rytmisk Musikkonservatorium in Kopenhagen zu studieren – wo er noch heute lebt und wo der Multiinstrumentalist Django Bates als Konservatoriumsleiter mit seiner humorvollen Offenheit ein prägender Einfluss wurde. Neset spielte in der von Bates geleiteten Konservatoriums-Bigband stoRMChaser und dessen eigener Band Human Chain. Schon während des Studiums wurde Neset auch Mitglied der Band JazzKamikaze, die sofort mehrere Nachwuchspreise bekam und sich mit einem einzigartigen Stilmix von Bebop bis Hip-Hop schnell europaweit einen Namen machte. Vier Alben sind bislang entstanden. Außerdem spielte er im norwegischen Quartett People Are Machines, dessen Line-up mit Magnus Hjorth am Klavier, Petter Eldh am Bass und dem Schlagzeuger Anton Eger 2009 zur Basisband seines ersten eigenes Albums wurde: Suite For The Seven Mountains, alles andere als ein verhaltener Einstand, sondern bereits ein mächtiges Kompositionswerk für eigenhändig orchestriertes Jazz-Ensemble und Streichquartett. Der Durchbruch kam 2011 mit dem Album Golden Xplosion, das nicht nur Nesets technische Exzellenz, sondern auch sein Kompositionstalent bereits in Vollendung zeigt. Neset gewann den norwegischen Sildajazz-Preis, bekam glänzende Kritiken und wurde zu den wichtigsten europäischen Festivals eingeladen, 2012 und 2013 unter anderem beim Jazzfest Berlin, bei der Jazzwoche Burghausen, den Stuttgarter Jazz Open und dem Hamburger Elbjazz. Sein Renommee wuchs durch das Album Birds, wiederum ausschließlich mit eigenen Stücken und in großer Besetzung aufgenommen. Sigi Loch hatte da bereits ein Auge auf ihn geworfen, ihn in die prominent besetzten Baltic Gang des polnischen Geigers Adam Baldych geholt, an der Seite von Michael Wollny auftreten lassen und ihn schließlich 2013 zu einem Exklusivvertrag überredet. Nesets im vergangenen Jahr veröffentlichtes ACT-Debüt Lion mit dem Trondheim Jazz Orchestra gilt vielen als ein neuer Meilenstein des orchestralen Jazz.

Schwedische Saitenkunst

Als »special guest« stößt schließlich noch ein Gitarrist zu Jazzpaña, der seit Jahrzehnten – und auch schon einmal bei Jazz at Berlin Philharmonic – bewiesen hat, dass er nahezu alles auf seine ureigenste Weise spielen kann. Seit sich der 56-jährige Schwede Ulf Wakenius in den 1980ern im Pop-Duo mit Peter Almquvist (Guitars Unlimited) als Virtuose einen Namen gemacht hat, stellt er seine Offenheit und Vielseitigkeit unter Bewies: Er arbeitete mit dem brasilianischen Akkordeonisten Sivuca ebenso zusammen wie mit dem dänischen Jazzbassisten Niels-Hennig Ørsted Pedersen oder dessen legendären US-Kollegen Ray Brown. Vor allem besetzte er von 1997 bis 2007 die wohl prestigeträchtigste Gitarristen-Stelle im Jazz: die im Oscar Petersen Quartet. Seit 2005 bei ACT, lässt er regelmäßig in eigener Sache als unerhört reduzierter und lyrischer Schöpfer sanfter und süßer (manchmal bittersüßer) Klänge und als Interpret von Keith Jarrett bis Esbjörn Svensson aufhorchen. Nicht minder erfolgreich ist er als Begleiter der Sängerinnen Viktoria Tolstoy und Youn Sun Nah. Mit dem koreanischen Gesangsstar tourt er unaufhörlich um den Globus. Ende Januar 2012 erschien Wakeniusʼ jüngstes Album Vagabond, auf dem der Stil- und Weltreisende gemeinsam mit dem Akkordeonisten und derzeit »heißesten« französischen Jazzer Vincent Peirani und dem Freund und Landsmann Lars Danielsson am Bass erneut seine Neugier auf jede Art von Musik unter Beweis stellt.

Finale mit Hommage

Spannenderes lässt sich kaum ersinnen, als diese so unterschiedlichen Musiker in wechselnden Konstellationen improvisierend mit dem iberischen Klangkosmos zu konfrontieren. Wie etwa wird Marius Neset in Duo mit Ramón Valle klingen? Oder die beiden Gitarristen Wakenius und Núñes? Klar ist, dass ein Abend mit dem Titel Jazzpaña nicht ohne eine Hommage an den Anfang des Jahres verstorbenen Großmeisters der Flamenco-Gitarre, ja vielleicht dessen wichtigsten Vertreter überhaupt auskommt: Und so darf man sich auf einen von allen gemeinsam gespielten »Tribute to Paco de Lucía« als würdiges Finale freuen.

Oliver Hochkeppel

Ulf Wakenius

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