Berliner Philharmoniker

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Orchester-Akademie

Frühlingserwachen mit der Orchester-Akademie

Unter dem Motto »Frühlingsstimmen« präsentieren die Stipendiaten der Orchester-Akademie ihr zweites Konzert in dieser Saison. Das Programm ist international und lädt zu einer musikalischen Reise durch die Jahrhunderte ein. Denn der Frühling hat schon immer die Komponisten zu wahrhaft beflügelnden Werken inspiriert.

Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker

Klaus Wallendorf Moderation

Akademie II – »Frühlingsstimmen«

Werke von Henry Litolff, Sergej Prokofjew, Gioacchino Rossini, Francis Poulenc, Jean Françaix, Frederick Delius, George Butterworth, Luigi Boccherini u. a.

Termine und Tickets

So, 01. Mär. 2015 20 Uhr

Kammermusiksaal

Programm

Der Beginn des Frühlings lässt sich in jedem Jahr auf drei Arten definieren. Die gängigste ist der astronomische Frühlingsanfang, der in der dritten Märzwoche zur Tagundnachtgleiche eintritt: Von nun an werden die Tage wieder länger, die Nächte kürzer – die dunkle Jahreszeit ist vorbei! Individuell kann man den Anfang der schönsten Jahreszeit aber auch nach der Entwicklung der Pflanzenwelt festlegen: Für den einen beginnt der Frühling mit den ersten Schneeglöckchen, für den anderen ist der Winter erst überstanden, wenn die Forsythien blühen. Die Mitglieder der Orchester-Akademie bei den Berliner Philharmonikern haben sich hingegen für den meteorologischen Frühlingsbeginn entschieden, der nach Definition der Weltorganisation für Meteorologie mit dem 1. März einsetzt – und stellen dieses Konzert daher unter das Motto Frühlingsstimmen.

Das Programm ist international und lädt zu einer musikalischen Reise durch die Jahrhunderte ein. Denn natürlich ließen sich Komponisten schon immer vom Wechsel der Jahreszeiten inspirieren. Da aber weder das unverwüstliche Frühlingskonzert aus Antonio Vivaldis Le quattro stagioni noch Joseph Haydns Jahreszeiten-Ohrwurm »Schon schreitet froh der Ackermann« auf dem Programm stehen, lassen sich mit Kompositionen von Henry Litolff, Gioacchino Rossini, Jean Françaix, George Butterworth, Francis Poulenc, Luigi Boccherini und anderen einige musikalische Entdeckungen machen. Durch das Konzert führt der auch als feinsinniger Humorist zu Ehren gekommene, langjährige philharmonische Hornist Klaus Wallendorf.

Über die Musik

Frühlingsgedanken

oder: In der Kürze liegt die Würze

Jahreszeiten

Der Frühling ist die Jahreszeit, in der das Tageslicht zunimmt, die Temperaturen steigen, der Wonnemond die Oberhand über die Winterstürme gewinnt, der osmotische Druck der Säfte steigt, der Ruf des Kuckucks zum Spaziergang im ergrünenden Wald einlädt, der Chor der Vogelstimmen ohne Rücksicht auf Tarifverträge immer größer wird – mit einem Satz: Der Frühling ist die Jahreszeit, unter die, nach den Regeln der Notation, ein Crescendozeichen in Form einer sich öffnenden Gabel gehört. Von welchem Pianissimo geht die Kurve aus, in welches Fortissimo mündet sie ein? Fängt sie an bei Louis Spohrs Harfen-Variationen über Méhuls Melodie »Immerhin bin ich noch im Frühling meines Lebens« und strebt sie der Gewittermusik aus Rossinis Barbier von Sevilla zu? Geht sie entspannt von Mendelssohns Frühlingslied aus, um in einem Scherzo von Litolff den Gipfel der Geschwindigkeit und der Lautstärke zu erklettern? Lässt man mit Prokofiews Sommertag vor allen stilistisch und kosmopolitisch erfahrenen Klimatologen als erstes die Kinder zu Wort kommen? Oder richtet man sich nach der Spieldauer eines Musikstücks und beginnt bei der im Telegrammstil pointierten Kleinen Symphonie von Milhaud, um mit dem mitteilsamen ersten Satz von Beethovens Frühlingssonate ein Fazit zu ziehen? Nicht unwichtig zu bedenken: Alle im heutigen Konzert versammelten Komponisten wurden nördlich des Äquators geboren. Südlich davon verschiebt sich der Zyklus der Jahreszeiten um sechs Monate. Von der Südhälfte der Erde stammende Komponisten wären mit einer Frühlingsmusik womöglich zu ganz anderen Ergebnissen gekommen. In jedem Fall gilt: Variatio delectat, in der Abwechslung liegt die Spannung.

Françaix

»Ich möchte aufrichtig sein«, sagte Jean Françaix, »wenn ich beim Komponieren bin, kommen mir die schönsten Theorien als Letztes in den Sinn. Mein Interesse gilt nicht so sehr den dicht befahrenen Verkehrsadern des Denkens, sondern eher den Pfaden, die durch die Wälder führen.« Seinen ersten internationalen Erfolg erntete er 1936 beim Deutschen Kammermusikfestival in Baden-Baden mit seinem Concertinor Klavier und kleines Orchester. Nadia Boulanger dirigierte, Françaix saß selber am Klavier. Das Concertino wurde sein Paradestück, er ist damit herumgereist und hat auch Plattenaufnahmen davon gemacht. Ein Reisegepäck, das leicht zu tragen ist. Es steckt aber voller funkelnder Brillanz und verlangt flinke Finger. Wie das monumentale Zweite Klavierkonzert von Brahms umfasst es zwar vier Sätze; diese aber sind winzig und kommen alle zusammen auf eine Spieldauer von gerade neun Minuten.

Milhaud

Darius Milhaud verbrachte den größten Teil seines Lebens in Südfrankreich, in der Nähe des Mittelmeers – vielleicht ein Grund, dass sich der Komponist auf das Thema »Jahreszeiten« bereitwillig einließ. 1917/1918 begleitete er seinen Freund, den französischen Dichter und Botschafter Paul Claudel als dessen Attaché nach Rio de Janeiro (und entging so gleichzeitig dem Militärdienst). In dieser Zeit fand Milhaud auch ein besonderes Gefallen an kleinen Formen und Besetzungen. Überdies hinterließ die Berührung mit der brasilianischen Folklore deutliche Spuren in seinem Schaffen. Zugleich überraschte der Franzose sein südamerikanisches Publikum mit einer ungewohnten Vorstellung von »Symphonie«. Der brasilianische Dirigent Francesco Braga führte 1918 in Rio die erste von sechs Petites Symphonies auf, Milhauds »Frühlingssymphonie«. Die Zuhörer hatten eine Musik vom Format des gleichnamigen Werks aus Schumanns Feder erwartet und waren (wie der Komponist berichtete) geradezu schockiert, dass ihnen ein Stück in Kammerbesetzung für neun Instrumente vorgesetzt wurde, das zwar aus drei Sätzen bestand, die aber alle zusammen nicht länger als dreieinhalb Minuten dauerten, ganz nach dem Maß der alten italienischen Sinfonia.

Delius

In Gegensätzen dachte auch Frederick Delius, als er vor dem Ersten Weltkrieg Zwei Stücke für kleines Orchester schrieb: Zum Hören des ersten Kuckucksrufes im Frühling gesellte er komplementär eine Sommernacht am Fluss. Den ersten Kuckucksschrei lässt die Oboe ertönen. Wenn ihr die geteilten Streicher vielstimmig antworten, darf man vielleicht fragen, ob das alles Artgenossen sind oder nur die designierten unfreiwilligen Hüter der abgelegten Kuckuckseier. Das zweite Thema des Musikstücks zitiert ein Volkslied aus Norwegen: »Im Olatal, am Olasee«. Edvard Grieg hatte dieselbe Melodie zuvor schon als Nr. 14 in seinen 19 Norwegischen Volksweisen untergebracht. Delius sei »norwegenverrückt«, behauptete sein Freund Grieg; der war dafür der einzige Kollege, den Delius mit seiner beißenden Spottlust verschonte. In der Region der Hardanger-Fjorde fand Delius, zumal während des Kriegs, die erholsame Ruhe, die er woanders vergeblich suchte. Das Zitat des Olatal-Lieds war eine Liebeserklärung an das gastgebende Land – das norwegische Publikum verstand das damals nicht und meinte, Delius hätte sich am nationalen Kulturbesitz vergriffen.

Butterworth

1913, etwa zur selben Zeit in der Delius dem Kuckucksruf huldigte, befasste sich George Butterworth mit den Weiden längs dem Bach, in einem sparsam instrumentierten Stück von sechs Minuten, das er als Idyll bezeichnete. Ein paar Jahre zuvor hatten er und sein Freund Ralph Vaughan Williams eine Reise in die Grafschaft Sussex unternommen, um dort (wie ähnlich in Ungarn die Komponistenkollegen Bartók und Kodály) Volkslieder zu sammeln. Zwei der Lieder, die Butterworth im Juni 1907 aufschrieb und die diesem Idyll zugrunde liegen, hießen »The Banks of Green Eillow« und »Green Bushes«. Vorgesungen haben sie ihm, laut Notiz, »Mr & Mrs Cranstone« aus Billingshurst. Eine pastorale Stimmung geht vom Anfang und vom Ende der Musik aus, doch sie täuscht über den dramatischen Hintergrund des Stücks hinweg: Die Tochter eines Bauern verliebt sich in einen Schiffskapitän, stiehlt Geld von ihren Eltern und brennt mit ihm durch. An Bord des Schiffs, auf hoher See und fern aller Hilfe, bringt sie ihr Kind zur Welt – mit tödlichen Folgen. Wohl wissend, dass sie die Entbindung nicht überleben wird, bittet die Mutter ihren Liebhaber, sie und das Kind über Bord zu werfen, was dieser in seiner Hilflosigkeit auch tut, um dann ihren Tod zu beklagen und von den »grünen Weiden« zu singen, wo Geliebte und Kind ihr Grab finden werden. Die Ballade von den »grünen Weiden« wird eingeleitet von einer der Klarinetten. Sie steuert, unter Einsatz der Hörner, dem düster bewegten, tragischen Höhepunkt entgegen (Butterworth’s eigene musikalische Erfindung) und klingt unter Anführung der Oboe mit der Ballade von den »grünen Büschen« aus.

Litolff

Ein abenteuerliches oder zumindest nicht gerade bürgerliches Leben führte der in London geborene Klaviervirtuose, Komponist und Musikverleger Henry Litolff. Viermal war er verheiratet. So scheidungsfreudig und heiratswütig wie er war, brachte ein unlösbarer Scheidungskonflikt ihn sogar ins Gefängnis. Doch mit Unterstützung der Tochter des Gefängniswärters gelang ihm die Flucht. Liszt zählte zu seinen Bewunderern und widmete ihm sein Erstes Klavierkonzert. Das ruhelose Auf und Ab seiner Berufe, seiner Karrieren, seiner instabilen Gesundheit drückt sich in seinen Kompositionen aus. Nicht umsonst diente sein Symphonisches Drama Maximilien Robespierre dem Stummfilm Panzerkreuzer Potemkin von Sergej Eisenstein bei der ersten öffentlichen Aufführung im Bolschoi-Theater als Illustrationsmusik. Der zweite Satz seines Vierten Concerto symphonique für Klavier und Orchester trägt die Bezeichnung Scherzo-Presto. Er könnte als ein Elfentanz à la Mendelssohn durchgehen, man hat ihn aber auch – nicht ganz zu Unrecht – als ein »Stück aus der Hölle« bezeichnet. Litolff jagt seine Musik zu den äußersten Extremen, das Klavier sucht im Bund mit der Piccoloflöte und dem Triangel fortgesetzt den höchsten Diskant. Eine Walpurgisnacht, und die Dämonen sind den Hexen dicht auf den Fersen.

Prokofiew

Sergej Prokofiew konnte sich gut in die Seele von Kindern versetzen – zum Beispiel in die eines tapferen kleinen Jungen, wie er in dem Musikalischen Märchen Peter und der Wolf überzeugend darlegte. Um dieselbe Zeit, 1935, schrieb der russische Komponist einen zwölfteiligen Klavierzyklus Musiques d‘enfants. Einige dieser »leichten Stücke für Kinder« arrangierte er 1941 für kleines Orchester und fasste sie zu einer Suite zusammen: Sommertag. Es war das Jahr, als auch für die Sowjetunion der Krieg begann, den man bereits erwartet hatte und der die Menschen dort dann doch wie ein Blitz traf: mit dem Einmarsch der deutschen Truppen am 22. Juni 1941.

Rossini

In der Musikliteratur des wetterwendischen Abendlands spielt die Meteorologie eine wichtige Rolle, von Beethovens Pastorale bis zur Alpensinfonie von Richard Strauss. Und nur wenige ernstzunehmende Opern kommen ohne Gewitter aus. Natürlich konnte auch ein Opernmeister wie Gioachino Rossini nicht auf Donner und Blitz verzichten, ein und denselben Wolkenbruch ließ er sogar in zwei Bühnenwerken vom Himmel fallen, und beide Male an einem kritischen Wendepunkt der Handlung: Im Barbier von Sevilla und in La Cenerentola. In der Oper ist sogar das Unmögliche möglich: Etwa dass zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten ein identisches Unwetter stattfindet, in Sevilla und in der unbestimmten Gegend, wo die Schlösser des Don Ramiro und des Don Magnifico liegen.

Johann Strauss

Aus Schwarz mach Weiß: Die gefeierte und noch zu feiernde Koloratursängerin, die am Nachmittag des 1. März 1883 im Theater an der Wien den Gesangswalzer Frühlingsstimmen von Johann Strauss aus der Taufe hob, hieß mit bürgerlichem Namen Bertha Schwarz und nannte sich als Künstlerin Bianca Bianchi. Es lag aber nicht am Künstlerpseudonym, sondern vor allem am Genie des Walzerkönigs, dann auch an den Gesangskünsten der Bianchi, dass die Frühlingsstimmen ein unvermeidliches Muss für alle Jahreszeiten wurden, mit oder ohne Gesang – Sehnsucht nach dem Frühling besteht immer.

Mendelssohn Bartholdy

Der Terminus »Musiksalon« scheint unverdächtig. Die Kategorie »Salonmusik« ist nach abendländischem Musikverständnis dafür umso anrüchiger. Wohin also mit den sage und schreibe acht »Heften« von jeweils sechs Liedern ohne Worte für Klavier von Felix Mendelssohn Bartholdy, die zu ihrer Zeit so beliebt waren, dass sie allein deshalb den besserwisserischen Verdacht auf sich zogen, als »Salonmusik« gefällig sein zu wollen. Robert Schumann meinte, die Vertonung mittelmäßiger Gedichte würde sich sofort nachteilig auf die Musik auswirken, und eines Sinnes mit ihm wies Mendelssohn den Vorschlag seines Freundes und Verwandten Marc André Souchay, die wortlose Unbestimmtheit der Klavierlieder durch eine Textunterlegung zu verdeutlichen, mit der Sentenz zurück: »Die Worte scheinen mir so vieldeutig, so unbestimmt, so missverständlich im Vergleich zu einer rechten Musik, die einem die Seele mit tausend besseren Dingen erfüllt als mit Worten.«. Die Lieder ohne Worte Heft 5 op. 62 widmete Mendelssohn »Frau Dr. Clara Schumann geb. Wieck«. Auf einer Russland-Tournee reüssierte Clara vornehmlich mit dem Frühlingslied op. 62 Nr. 6. Robert Schumann aus St. Petersburg: »Clara musste es in allen Konzerten mehrmals wiederholen, bei der Kaiserin sogar dreimal.« Das Frühlingslied klingt, mit seinen arpeggierenden Vorschlägen in der melodieführenden Stimme und den Begleitfigurationen der linken Hand, wie ein aufs Klavier transponiertes Stück für Harfe. Bearbeitungen für andere Instrumente wurden natürlich auch diesem populären Stück zuteil und enthoben es weiter und weiter dem Odium, nur eine Salon-Pièce zu sein.

Spohr

»Je suis encore dans mon printemps«, das könnte bedeuten: »Ich fühle mich immer noch im Frühling meines Lebens« oder »Ich bin doch erst im Frühling meines Lebens« – ganz eindeutig ist das nicht zu klären. Die Melodie stammt von Étienne Nicolas Méhul, dem französischen Beethoven-Verehrer. Dieser steuerte ein Lied für eine Pasticcio-Oper mit dem Titel Une folie (Eine Torheit) bei. Nach Deutschland gelangte die Melodie aber als Bestandteil des Singspiels Die beyden Füchse, in Form einer Romanze für Sopran, Tenor und Bass. Der Komponist und Geigenvirtuose Louis Spohr, als der »deutsche Paganini« bejubelt (wie auch die Italiener neidlos anerkannten), war in erster Ehe mit der auf dem Klavier wie an der Harfe gleich gut versierten Dorette Scheidler verheiratet. Seiner Frau und ihrer Harfe machte er gleich nach der Hochzeit, 1807, ein Virtuosenstück zum Angebinde: Thema und Variationen in F-Dur über den von Méhul besungenen Printemps.

Beethoven

F-Dur scheint eine Frühlingstonart zu sein. Wie die Harfen-Variationen von Spohr, so steht auch Beethovens Frühlingssonate für Violine und Klavier in F-Dur. Der Titel stammt nicht vom Komponisten, er wurde später von einem anonym gebliebenen, aber assoziationsfreudigen Namensgeber hinzu erfunden. Auch Datum und Ort der Uraufführung sind unbekannt. Die Wiener müssen beim ersten Anhören Frühlingsluft geatmet haben, so groß war bei diesem Ideenreichtum an Musik und konfliktfreier Harmonie der Zuspruch. Dieser musikalisch vermittelte meteorologische Zustand rief nach Varianten und Modulationen – die Sonate op. 24 hat das, bei Transkriptionen für andere Besetzungen, am eigenen Leibe zu spüren gekommen.

Karl Dietrich Gräwe

Biographie

Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker

Seit jeher sind die Berliner Philharmoniker für ihre herausragende und unverwechselbare Klangkultur bekannt. Als Anfang der 1970er-Jahre Sorge um passenden Nachwuchs für das Orchester aufkam, gründete der damalige Chefdirigent Herbert von Karajan gemeinsam mit Persönlichkeiten der deutschen Wirtschaft im Jahr 1972 die Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker – zu diesem Zeitpunkt eine Innovation, deren Vorbild bis heute zahlreiche Orchester gefolgt sind. Karajans Idee, junge und hochtalentierte Musiker nach ihrem Instrumentalstudium nahe am Orchester auszubilden, hat sich ausgezahlt, denn heute sind ungefähr ein Viertel der Berliner Philharmoniker Akademie-Absolventen.

Jahr für Jahr bewerben sich weit über 100 begabte junge Musikerinnen und Musiker aus aller Welt um einen Platz in der Akademie. Viele dürfen sich der Probespielsituation stellen, die ein existenzieller Moment in der Musikerkarriere sein kann. Nur wenige jedoch werden bei diesem strengen Procedere ausgewählt, um in der Akademie zwei Jahre lang an der Seite der Orchestermitglieder auf den professionellen Orchesteralltag vorbereitet zu werden. In der laufenden Spielzeit werden, durch ein Stipendium gestützt, 30 Musikerinnen und Musiker aus 15 Nationen ausgebildet.

Die 1972 gegründete Orchester-Akademie ist nicht nur für die Stipendiaten, sondern auch für das Orchester selbst eine wichtige Institution. Sie bietet die Gelegenheit, den jungen Musikerinnen und Musikern das den Berliner Philharmonikern eigene Klangideal zu vermitteln und sie gemäß Herbert von Karajans Bekenntnis zu Höchstleistung und Professionalität gezielt auf eine Stelle in den eigenen Reihen vorzubereiten. Während ihrer Ausbildungszeit bekommen die Stipendiaten bei Dozenten aus dem Orchester regelmäßig Einzelunterricht und eine Unterweisung in Kammermusik, verbunden mit eigenen Kammerkonzerten. Sie wirken regelmäßig bei Konzerten des Orchesters mit und werden dabei den gleichen Anforderungen ausgesetzt, wie die langjährigen Profis am Pult neben ihnen.

Auf Initiative und durch finanzielle Förderung eines kleinen Kreises von Mäzenen konnte bis heute die Idee Herbert von Karajans verwirklicht werden, für die sich nicht nur sein Nachfolger Claudio Abbado einsetzte, sondern für die auch Sir Simon Rattle uneingeschränkt eintritt.

Klaus Wallendorf spielte u. a. bei den Düsseldorfer Symphonikern und an der Deutschen Oper Berlin, bevor er Solo-Hornist zuerst im Orchestre de la Suisse Romande in Genf und 1973 schließlich im Orchester der Bayerischen Staatsoper München wurde. Zu den Berliner Philharmonikern kam Klaus Wallendorf 1980 als Hoher Hornist. Mehrere Jahrzehnte spielte er im Consortium Classicum. Seit 1985 Ensemblemitglied von German Brass, bestimmt er dessen Konzertauftritte als Hornist und Conférencier wesentlich mit. Außerdem betreut er die Berliner Philharmoniker und einige ihrer Kammermusikensembles als »Gelegenheitsliterat, Gebrauchslyriker, Moderator und halboffizieller Entertainer«. In dieser Funktion kann man ihn auch ohne Rückendeckung durch seine Kollegen erleben, z. B. als Kabarettist in der Berliner Bar jeder Vernunft, als Mitglied des Ensembles Lachmusik oder im Gasthof Kandler im bayerischen Oberbiberg.

Frühlingserwachen mit der Orchester-Akademie

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