Berliner Philharmoniker

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Kammermusik

Der philharmonische Salon - Zu Gast bei Hermann und Louise Wolff

Seinen großen Erfolg verdankte das Berliner Philharmonische Orchester in seinen frühen Jahren nicht zuletzt dem rührigen Konzertagenten Hermann Wolff. Legendär waren die »philharmonischen Diners«, jene Sonntagsessen, bei denen Hermann Wolff und seine Frau Louise die wichtigsten Musikerpersönlichkeiten zu sich nach Hause luden. »Der philharmonische Salon« mit Thomas Wittmann als Sprecher und Mitgliedern der Berliner Philharmoniker lässt die Zusammenarbeit Wolffs mit dem Orchester in der Ära Arthur Nikisch wiederaufleben.

Thomas Wittmann Sprecher

Philharmonisches Streichsextett Berlin

Rüdiger Liebermann Violine, Bernhard Hartog Violine, Walter Küssner Viola, Matthew Hunter Viola, Martin Löhr Violoncello, Stephan Koncz Violoncello

Stefan Dohr Horn

Klaus Wallendorf Horn

Andrej Žust Horn

Sarah Willis Horn

Cordelia Höfer Klavier

Götz Teutsch Programmgestaltung

Philharmonisches Diner II - Die Konzertdirektion Hermann und Louise Wolff

Das Berliner Philharmonische Orchester unter Arthur Nikisch – Teil I, 1895 – 1902 - Musik von Ludwig van Beethoven, Richard Wagner, Anton Bruckner, Peter Tschaikowsky , Antonín Dvořák, Richard Strauss, Willi Kollo u. a., Texte von Alfred Kerr, Alexander Moszkowski, Heinrich Ehrlich, Edith Stargardt-Wolff, Siegfried Ochs, Peter Tschaikowsky, Susanne Stähr, Ferdinand Pfohl, Fritz Busch u. a.

Termine und Tickets

So, 01. Feb. 2015 16 Uhr

Kammermusiksaal

Einführung: 15:00 Uhr

So, 08. Feb. 2015 16 Uhr

Kammermusiksaal

Einführung: 15:00 Uhr

Programm

Es war wohl das größte Verdienst des Konzertagenten Hermann Wolff«, schrieb Peter Muck 1982 in seiner Dokumentation Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester, »daß es ihm bei der Auflösung der ›Berliner Philharmonischen Gesellschaft‹ im Jahre 1887 gelang, Hans von Bülow als Dirigenten der von ihm geplanten 10 großen Konzerte des Berliner Philharmonischen Orchesters zu verpflichten.« Dieser hatte die Meininger Hofkapelle zu einem erstklassigen Ensemble geformt und legte nun in nur fünf Jahren die Grundlagen für jene außergewöhnliche Spielkultur, die man fortan mit dem Namen der Berliner Philharmoniker verband. Dass nach Bülows Tod Arthur Nikisch die Leitung des Orchesters übernahm, ist ebenfalls Wolffs Verhandlungsgeschick zu verdanken; zudem vermittelte er dem Orchester die berühmtesten Solisten und besten Gastdirigenten seiner Zeit.

Legendär waren die »philharmonischen Diners«, jene Sonntagsessen, bei denen Hermann Wolff und seine Frau Louise (die nach Wolffs überraschendem Tod die seit 1880 bestehende Agentur weiterführte) die wichtigsten Musikerpersönlichkeiten zu sich nach Hause luden. Im zweiten Philharmonischen Salon dieser Spielzeit steht die Konzertdirektion Hermann und Louise Wolff im Mittelpunkt – in jener Zeit, in der Arthur Nikisch Chefdirigent der Berliner Philharmoniker war. Thomas Wittmann liest Texte von Theodor Fontane, Hector Berlioz und Edith Stargardt-Wolff (der Tochter von Hermann und Louise Wolff), Mitglieder der Berliner Philharmoniker spielen Werke von Peter Tschaikowsky, Gustav Mahler, Richard Strauss, Ferruccio Busoni und anderen.

Über die Musik

Triumphzüge durch ganz Europa

Das Berliner Philharmonische Orchester unter Arthur Nikisch 1895 – 1902

1893 standen die Berliner Philharmoniker vor einem branchentypischen Problem: Sie suchten einen Dirigenten. Der bisherige ständige Leiter ihrer Abonnementskonzerte (den Titel »Chef d’orchestre« gab es nur in Frankreich) hatte sich aus Krankheitsgründen zurückziehen müssen, und dieser Rückzug des vergötterten Künstlers und umstrittenen Menschen Hans von Bülow stürzte das Orchester, ja das ganze musikalische Berlin in eine Krise. Unter ihm nämlich hatten die Philharmoniker binnen weniger Jahre alle ortsansässigen Klangkörper überholt und auch auswärtige Musikfreunde aufhorchen lassen. Ihrer energischen, charismatischen Führungsfigur beraubt, drohten sie nun wieder in jener gediegenen Mittelmäßigkeit zu versinken, aus der sie sich 1882 befreit hatten, als sie ihrem Gebieter Benjamin Bilse die Geigen vor die Füße warfen und auf selbstständig machten.

»Selbstständigkeit« ist ein feines Wort, aber eine gefährliche Sache. Ein Orchester, das zu selbstständig ist, also ohne Dirigenten dasteht, steht schlecht da und vor allem nicht mehr lange. Was bei den Wiener Philharmonikern funktionieren mochte, funktionierte in Berlin keinesfalls. Man hatte einfach noch nicht genug Substanz gebildet, keine Spielkultur ausgeprägt. Ein Dirigent kann ohne eigenes Orchester leben, er gibt Gastspiele, lässt sich von Ensembles und Opernhäusern hofieren oder fährt nach Luzern und blickt auf den Vierwaldstättersee – das Berliner Philharmonische Orchester (so der offizielle Name damals) konnte nicht ohne eigenen Dirigenten leben. Zwar war man noch immer oben, aber die Konkurrenz schlief nicht, und wenn sie schlief, konnte niemand wissen, ob sie nicht eines Tages erwachte. Es galt also, Flagge zu zeigen. Das war schwer genug, denn der Kahn sank.

Glücklicherweise gab es Hermann Wolff, hauptberuflich Konzertagent und von Berufung so etwas wie der Gründungsdirektor des Orchesters. Wolff hatte maßgeblichen Anteil am Überleben der Truppe in ihren ersten Chaos-Jahren, er verpflichtete die Dirigenten und führte, nachdem der Konkurrent Joseph Joachim beiseite gedrängt war, resolut die Geschäfte, stets auf höchstes künstlerisches Niveau und größtmögliche Einnahmen bedacht. Es war Wolff zu danken, dass die Philharmoniker mit Franz Wüllner und dann mit Hans von Bülow sogleich zu einem Orchester der A-Kategorie aufstiegen, von denen es im damaligen Europa höchstens ein Dutzend gab. Nun musste ein ähnlich großer Name gefunden werden, und Wolff erledigte die Aufgabe so gründlich wie üblich: er lud sie alle ein! Schon während Bülows letzter Saison begann das Schaulaufen in der Alten Philharmonie. Zwar stellten sich keine ausländischen Bewerber ein, die es durchaus gegeben hätte mit Eduard Nápravník aus Moskau, Édouard Colonne und Charles Lamoureux aus Paris oder dem jungen Henry Wood aus London – aber die deutschen Granden waren fast vollzählig zur Stelle: Hans Richter und Felix Mottl, Hermann Levi, Ernst Schuch und Felix Weingartner gaben ihre Visitenkarten ab und wurden, sofern sie nicht selbst verzichteten, als zu leicht befunden. Der stramm deutschnationale und antisemitische Karl Muck, seit zwei Jahren Hofkapellmeister an der Lindenoper, wurde übergangen. Wolff hatte diesbezüglich schon genug bittere Pillen schlucken müssen, und erst sein vehementer Protest hatte dazu geführt, dass ihn Bülow zum »Ehrenarier« erklärte. Einen zweiten Antisemiten auf dem Chefsessel konnte er nicht brauchen.

Es musste also eine Notlösung her, und zwar schnell. Wolff engagierte Richard Strauss. Doch weit davon entfernt, an die Erfolge seines Ziehvaters Bülow anknüpfen zu können, trieb Strauss das Orchester beinahe in die Insolvenz. Es hagelte Verrisse, der Saal leerte sich von Konzert zu Konzert. Jetzt war wirklich Matthäi am Letzten! Wenn Wolff jetzt nicht einen genieverdächtigen Dirigenten präsentierte, konnte man die Firma namens Philharmoniker nach 13 glänzenden Jahren schließen. Welch ein Fiasko!

Aber Wolff wurde fündig. Er erinnerte sich eines Mannes, den er vor längerer Zeit einmal in Magdeburg gehört hatte: Arthur Nikisch. Eigentlich ungarischer Abstammung, aber wenig bestrebt, diese Herkunft zu betonen, hatte er sich seine Sporen in Wien verdient, hatte unter Brahms, Wagner und Verdi musiziert, dann das Leipziger Stadttheater voran gebracht, war nach Boston gegangen und an die Oper in Budapest, wo ihn Wolff schließlich auch aufstöberte. Leider fuhr die Bahn zwischen Berlin und Budapest anno 1895 schon so langsam wie heute; Nikisch sah sich außerstande, Verpflichtungen in beiden Städten einzugehen. Erst als ihm die Leitung des Gewandhauses angeboten wurde, sagte er zu – und pendelte fortan, für den Rest seines Lebens, zwischen Leipzig und Berlin. Freilich blieb es nicht bei diesen Lokalitäten. Nikisch stieß anfangs auf einige Probleme, sich in der Hauptstadt zu etablieren, da die Berliner Kritik auch in seinem Fall sofort ihre Kernkompetenz unter Beweis stellte: das Wetzen unnötig scharfer Messer; doch schon nach wenigen Monaten waren die Dinger stumpf, die Klingen verrostet, und Nikisch führte die Philharmoniker zu wahren Triumphzügen durch ganz Europa. Man huldigte ihm von Moskau bis Madrid, von Stockholm bis Rom, und sogar das von Revanchegelüsten besessene Pariser Publikum fiel vor ihm schon 1897 auf die Knie.

Das sechs Jahre zuvor entstandene, Johannes Brahms gewidmete Streichsextett F-dur von Georges Alary dürfte Nikisch kaum gekannt haben, aber er war – neben Felix Mottl – der einzige namhafte rechtsrheinische Dirigent mit einem Faible für linksrheinische Musik. Die Bewunderung, die man ihm in Frankreich zuteilwerden ließ, traf ihn auch in dieser Hinsicht nicht unverdient. Nikisch dirigierte in und außerhalb Berlins immer wieder Werke »erzfeindlicher« Komponisten. Beileibe nicht nur Hector Berlioz, den er in seiner ersten Saison gleich drei Mal programmierte, sondern auch Zeitgenossen, darunter Vincent d’Indy mit der Tondichtung Istar und der Symphonie sur un chant montagnard sowie Édouard Lalos Namouna. Nach Meinung Debussys wurde dieses Ballet in Frankreich unter Wert gehandelt und sogar boykottiert – Nikisch dirigierte Namouna sogleich in seinem 3. Abonnementkonzert am 11. November 1895. Debussy selbst hingegen blieb ihm fremd, abgesehen von einer Aufführung des Prélude a l’apres-midi d’un faune. Dagegen waren César Franck und Paul Dukas für ihn Selbstverständlichkeiten. Weit im Vordergrund des Interesses stand Camille Saint-Saëns. Nikisch setzte 1897 dessen noch druckfrisches Ägyptisches Klavierkonzert aufs Programm und wiederholte es im September 1902 zu Ehren des einige Monate zuvor verstorbenen Hermann Wolff. Der Konzertagent war ein großer Frankreich-Liebhaber und die Pariser Tournee 1897 im Wesentlichen sein Verdienst gewesen.

In der Retrospektive überraschen und verwundern die engen Musikkontakte jener Jahre. Vor Nikisch hatten schon Wüllner und Bülow häufig französische Orchestermusik aufgeführt, noch häufiger waren die Hausdirigenten mit diesem Repertoire zu hören. Komponisten wie Camille Saint-Saëns, Charles-Marie Widor oder Vincent d’Indy traten wiederholt vor das Orchester, und im April 1896, gut ein halbes Jahr nach Nikischs Berliner Berufung, leitete erstmals Édouard Colonne in der Philharmonie ein französisches Konzert. Colonne galt als der neben Charles Lamoureux größte Dirigent aus Paris; zusammen mit dem äußerst populären Jules Étienne Pasdeloup förderten sie die einheimische Symphonik, machten sich aber auch – unbeeindruckt vom Krieg 1870/1871 – für Bach, Beethoven, Schumann und Wagner stark. In den 1890er-Jahren standen Colonne und Lamoureux auf der Höhe ihres Ruhms. Es gab vor 1914 keinen kalten Krieg der Musik, keinen Kulturkampf auf diesem Gebiet. Kaum ein Besucher der philharmonischen Konzerte hat damals wohl daran gedacht, dass diese gegenseitige Bewunderung schon bald erlöschen könnte.

Colonne und Lamoureux gehörten zu den ersten international bekannten Reisedirigenten. Auch Arthur Nikisch soll eminente Fähigkeit besessen haben, die ödesten Bahnfahrten schlafend zu überstehen, hatte er doch das Boston Symphony Orchestra kreuz und quer durch den Osten der Vereinigten Staaten begleitet. 1899 führte er das Berliner Philharmonische Orchester nach Sankt Petersburg, Moskau und Kiew. Diese Tournee war nicht nur eine logistische Meisterleistung, nicht nur ein außergewöhnlicher Publikumserfolg, sie unterstrich und festigte auch die besonderen Beziehungen Nikischs zur Musik von Peter Tschaikowsky. Ganz allein stand er nicht in seiner Bewunderung für den Begründer der russischen Klassik; Hans von Bülow hatte 1875 in Boston die Uraufführung des Ersten Klavierkonzerts gespielt, Hans Richter 1876 in Wien Romeo und Julia zu Gehör gebracht, und Berlin bekam 1878 seinen ersten Tschaikowsky zu hören, als die Bilse’sche Kapelle, die Vorgängerformation der Philharmoniker, Francesca da Rimini aufs Programm setzte. Arthur Nikisch jedoch setzte Tschaikowsky als bedeutenden Symphoniker durch. Und zwar auch in Russland. Nach der lauen Uraufführung der Fünften Symphonie 1888 unter dem als Dirigent wenig mitreißenden Komponisten erzwang Nikisch bald darauf eine erneute Aufführung in Sankt Petersburg – und triumphierte. Tschaikowsky gestand ihm danach im Künstlerzimmer, er sei drauf und dran gewesen, die Partitur ins Feuer zu werfen. Auch Nikischs erstes Konzert mit den Berliner Philharmonikern 1895 brachte diese Fünfte. Das Werk trat einen weltweiten Siegeszug an und »Arthur Agustowitsch« noch oft die Reise nach Russland. Slawischen Komponisten ging er sonst gern aus dem Weg. Neben Tschaikowsky vermochte sich Sergej Rachmaninow nur mühsam zu behaupten, und von Antonín Dvořák bevorzugte Nikisch ausgerechnet schwächere Stücke wie das Heldenlied und die Carneval Ouvertüre; immerhin bot er noch das Violin- und das Cellokonzert und die G-Dur-Symphonie. Bedřich Smetana kam mit Vyšehrad wiederholt zu Ehren. Um ungarische Komponisten war es ganz traurig bestellt. Nur der selbsternannte Ungar Franz Liszt stand bei ihm hoch in Kurs.

An Johannes Brahms und Richard Wagner, die er persönlich kannte, zweifelte Nikisch selbstverständlich nicht eine Sekunde seines Lebens. Er hatte schon in seiner ersten Leipziger Zeit mit Tannhäuser und Walküre reüssiert, bevor ihm der gesamte Ring des Nibelungen anvertraut wurde. Auf den Programmen von Nikischs erster Berliner Saison fanden sich gleich fünf Wagner-Werke, und auch in den Folgejahren blieb diese Quote hoch. Doch spricht einiges dafür, dass Nikisch den Wagnerianer Anton Bruckner mehr liebte als das Original selbst. Unter den Zeitgenossen war Bruckner ihm so nahe wie sonst nur noch Tschaikowsky. In die Musikgeschichte eingegangen ist seine Leipziger Uraufführung der Siebten Symphonie im Jahr 1884; der Komponist zählte ihn deswegen – zusammen mit Hermann Levi – zu seinen beiden von Gott bestellten »Vormündern«. Wenn er nur von Bruckner sprach, so leuchteten Nikischs Augen angeblich in einem übernatürlichen Glanz, und wenn er ihn dirigierte, konnte ihm schon mal der Blick vor lauter Tränen verschwimmen. Arthur Nikisch war ein durch und durch emotionaler Dirigent. Für ihn zählte in erster Linie die Intuition, auf Präzision legte er geringeren Wert. Er galt als Probenmuffel, deutete die Musik radikal nach eigenem Gusto, wobei er sich auch und gerade an Bruckner-Symphonien mit kruden Retuschen verging. Heilig war ihm der Klang, der Ausdruck, nicht der Text.

Nikisch frevelte auch an Ludwig van Beethoven ein wenig. Er schreckte nicht davor zurück, sich eine persönliche Version der Leonoren-Ouvertüren Nr. 2 und Nr. 3 zu basteln, und für die weltweit erste Schallplattenaufnahme entfernte er kurzer Hand die Bässe aus der Fünften Symphonie, weil sie vor dem Aufnahmetrichter keinen Platz fanden. Von korrekten, sauberen Interpretationen hielt er genauso wenig wie Beethoven, der im Allegretto scherzando seiner Achten Symphonie die Verwendung des Metronoms verulkt hatte.

Bei seinen Musikern, mit denen er kollegial verkehrte, kam diese Haltung, diese irgendwie doch magyarische Abneigung gegen preußische Plackerei gut an. Nikisch gewann ihre Herzen im Sturm. Und gemeinsam eroberten sie dann das Publikum in Berlin, in Deutschland, in ganz Europa. Zum Beispiel: Spanien. 1901 ging es über Prag, Österreich, Italien und Frankreich auf die iberische Halbinsel. Die Philharmoniker gaben Konzerte in Barcelona, Madrid, Lissabon, Bilbao und San Sebastian. Es war der letzte Traum, den Nikisch seinem ebenso franko- wie hispanophil veranlagten Agenten Hermann Wolff erfüllte. Der philharmonische Übervater starb nach schwerem Leiden am 3. Februar 1902. Nur sechs Tage später leitete Nikisch die Gedächtnisfeier, das Orchester intonierte ein Choral-Vorspiel von Bach, den Trauermarsch aus der Eroica, das Parsifal-Vorspiel und Brahms’ Schicksalslied – Stücke, die für die Beisetzung eines Felsmarschalls gepasst hätten. Und in gewissem Sinne war er das ja auch, der energische, einfallsreiche und strategisch weit schauende Hermann Wolff, der jüdische Kriegsteilnehmer von 1870/1871, den die Liebe zur Musik zu großen Taten der Völkerversöhnung angestiftet hatte.

Volker Tarnow

Biographie

Cordelia Höfer wurde in München geboren. Ihr Klavierstudium absolvierte sie mit höchsten Auszeichnungen an den Hochschulen in Salzburg (bei Hans Leygraf) und in München (bei Klaus Schilde). In Salzburg studierte sie auch die Fächer Dirigieren und Kammermusik. Wichtige Lehrer waren Wilhelm Kempff, Tatjana Nikolajewa und Elisabeth Leonskaja. Eine umfangreiche Konzerttätigkeit führt Cordelia Höfer seit dem 15. Lebensjahr als Solistin und Kammermusikerin durch viele europäische Länder, die USA, Japan und Korea. Hierbei hat sie mit Sängerinnen wie Christine Schäfer, Juliane Banse und Anna Prohaska zusammengearbeitet. Im Rahmen ihrer langjährigen Unterrichtstätigkeit an der Universität »Mozarteum« in Salzburg war bzw. ist sie Künstlerkollegen wie Sándor Végh, Heinrich Schiff und Nikolaus Harnoncourt in intensiver Zusammenarbeit verbunden. 2002 wurde sie am »Mozarteum« auf eine Professur für Klavier und Kammermusik berufen. Cordelia Höfer tritt seit vielen Jahren regelmäßig in den Kammerkonzerten der Berliner Philharmoniker, insbesondere in den Philharmonischen Salons, auf.

Der Schauspieler Thomas Wittmann stammt aus München. Nach seiner Ausbildung am »Mozarteum« in Salzburg führte ihn ein erstes Engagement ans Wiener Burgtheater. Weitere Stationen waren die Salzburger Festspiele und die Schauspielhäuser in Bochum, Düsseldorf und Köln. Er arbeitete mit Regisseuren wie Thomas Langhoff, Claus Peymann, Andrea Breth und vor allem mit Jürgen Gosch zusammen – beispielsweise 2005 bei dessen herausragender Macbeth-Inszenierung. Nach mehreren Gastengagements am Berliner Ensemble gehört er seit 2009 fest zum Ensemble des Hauses, wo er zurzeit u. a. die Titelrolle in Max Frischs Biedermann und die Brandstifter sowie den Hofmarschall von Kalb in Friedrich Schillers Kabale und Liebe spielt. Thomas Wittmann ist regelmäßig sowohl für das Fernsehen als auch für den Hörfunk tätig; bei zahlreichen Orchestern trat er bereits als Sprecher auf. Bereits im Dezember 2006 war er in der Philharmonie bei einem Konzert des Scharoun Ensembles Berlin mit dem Klavierduo Katia und Marielle Labèque als Erzähler in Camille Saint-Saëns’ Karneval der Tiere zu erleben; bei den Berliner Philharmonikern wirkte er im April 2009 unter der Leitung von Peter Eötvös an Aufführungen des Requiems für einen jungen Dichter von Bernd Alois Zimmermann mit. Im Philharmonischen Salon hatte er im Oktober 2010 an der Seite von Corinna Kirchhoff seinen ersten Auftritt.

Götz Teutsch stammt aus Hermannstadt (Sibiu) in Siebenbürgen, Rumänien. Er wurde zunächst in Bukarest von Radu Aldulescu ausgebildet und setzte sein Violoncello-Studium nach der Ausreise aus Rumänien 1968 bei Enrico Mainardi und Karl Richter fort. Zudem hat er sich eingehend mit der Aufführungspraxis Alter Musik befasst sowie Viola da gamba studiert. Den Berliner Philharmonikern gehörte Götz Teutsch von 1970 bis 2006 an, davon zwei Jahrzehnte als Solo-Cellist unter den Chefdirigenten Herbert von Karajan und Claudio Abbado; als Konzertsolist des Orchesters war er u. a. mit Cellokonzerten von Monn/Schönberg und Schostakowitsch zu erleben. Götz Teutsch, der als Kammermusiker und Solist weltweit auftritt, zählt zu den Gründungsmitgliedern der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker. Im November 2000 gestaltete der Literaturliebhaber den ersten Philharmonischen Salon. Diese Idee entwickelte sich schnell zu einer höchst erfolgreichen Reihe, deren letzte Veranstaltungen im November 2014 dem Thema »Goethe und Beethoven« gewidmet waren.

Stefan Dohr stammt aus Münster. Nach dem Studium in Essen und Köln wurde er Solo-Hornist beim Frankfurter Opernhaus- und Museumsorchester. Es folgten Engagements in gleicher Position beim Bayreuther Festspielorchester, im Orchestre Philharmonique de Nice und beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin. Seit 1993 ist er Solo-Hornist der Berliner Philharmoniker. Darüber hinaus tritt er international als Solist sowie als Kammermusiker auf, z. B. mit Maurizio Pollini, Lars Vogt, Kolja Blacher und Ian Bostridge. Neben dem klassischen und romantischen Hornrepertoire gilt sein Interesse auch zeitgenössischen Werken: So brachte er ihm gewidmete Hornkonzerte u. a. von Herbert Willi (2008), Jorge E. López (2009), Johannes Wallmann (2010), Toshio Hosokawa (2011) und Wolfgang Rihm (2014) zur Uraufführung. Stefan Dohr ist Mitglied des Ensembles Wien-Berlin sowie der Hornisten der Berliner Philharmoniker. An der Musikhochschule »Hanns Eisler« war er als Dozent tätig, derzeit unterrichtet er an der philharmonischen Orchester-Akademie sowie weltweit im Rahmen von Meisterkursen.

Der Hornist Klaus Wallendorf spielte u. a. bei den Düsseldorfer Symphonikern und an der Deutschen Oper Berlin, bevor er Solo-Hornist zuerst im Orchestre de la Suisse Romande in Genf und 1973 schließlich im Orchester der Bayerischen Staatsoper in München wurde. Zu den Berliner Philharmonikern kam Klaus Wallendorf 1980. Mehrere Jahrzehnte spielte er im Consortium Classicum. Seit 1985 Ensemblemitglied von German Brass, bestimmt er dessen Konzertauftritte als Hornist und Conférencier wesentlich mit. Außerdem betreut er die Berliner Philharmoniker und einige ihrer Kammermusikensembles als »Gelegenheitsliterat, Gebrauchslyriker, Moderator und halboffizieller Entertainer«. In dieser Funktion kann man ihn auch ohne Rückendeckung durch seine Kollegen erleben, z. B. als Kabarettist in der Berliner Bar jeder Vernunft, als Mitglied des Ensembles Lachmusik oder im Gasthof Kandler im bayerischen Oberbiberg.

Sarah Willis, eine in den USA geborene Britin, die in Tokio, Boston, Moskau und England aufgewachsen ist, hatte bereits mehrere Jahre Klavierunterricht, bevor sie im Alter von 14 Jahren mit dem Hornspiel begann. Ihre Ausbildung erhielt sie an der Guildhall School of Music and Drama in London sowie in Berlin bei ihrem jetzigen philharmonischen Kollegen Fergus McWilliam. In den Jahren 1991 bis 2001 war Sarah Willis als Zweite Hornistin Mitglied der Staatskapelle Berlin. Darüber hinaus spielte sie auch in anderen führenden Orchestern wie dem Chicago Symphony Orchestra, dem London Symphony Orchestra und dem Royal Philharmonic Orchestra. Seit September 2001 gehört Sarah Willis zur Horngruppe der Berliner Philharmoniker. Als Kammermusikerin tritt sie u. a. mit dem Divertimento Berlin, dem Blechbläserensemble der Berliner Philharmoniker und dem Consortium Classicum auf. Außerdem engagiert sie sich im Education-Programm ihres Orchesters, in dessen Rahmen sie immer wieder Veranstaltungen moderiert.

Andrej Žust stammt aus Logatec, Slowenien, wo er auch seinen ersten Hornunterricht erhielt. Später wechselte er an die Akademie für Musik und Ballett Ljubljana. Künstlerische Impulse erhielt der junge Hornist von renommierten Musikern wie Hermann Baumann, Frøydis Ree Wekre, Viktor Malisch und Radovan Vlatkovič. Schon während seiner Ausbildung errang er bei zahlreichen nationalen und internationalen Wettbewerben als Solist und Kammermusiker Erste Preise, u. a. 2001 im italienischen Povoletto. Im Mai 2004 wurde er als Solo-Hornist in das Orchester der Slowenischen Philharmonie in Ljubljana aufgenommen. Darüber hinaus war Andrej Žust Mitglied des Gustav Mahler Jugendorchesters und des Pacific Music Festival Orchestra. Von Februar 2009 bis Januar 2011 Stipendiat der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker, gehört Andrej Žust seit Beginn der Saison 2011/2012 zur Horngruppe des Orchesters. Als aktiver Kammermusiker gehört er u. a. dem Ariart Bläserquintett und dem Trio Triumvirat an, seit 2012 auch dem Ensemble Berlin Counterpoint.

Das Philharmonische Streichsextett Berlin wurde 1989 gegründet. Es besteht aus den Berliner Philharmonikern Rüdiger Liebermann (Violine), Walter Küssner und Matthew Hunter (Viola), Martin Löhr und Stephan Koncz (Violoncello) sowie Bernhard Hartog (ehemals Erster Konzertmeister des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin). Das Philharmonische Streichsextett tritt regelmäßig in Konzertreihen großer italienischer Städte auf und gastiert überdies bei den Osterfestspielen in Salzburg, bei den Schwetzinger Festspielen und beim Festival in Bath (England). Hinzu kommen immer wieder auch Konzerte im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie, wo das Ensemble zuletzt im Januar 2012 zu erleben war. Schwerpunkte in seinem Repertoire bilden die Streichsextette von Johannes Brahms, Peter Tschaikowsky, Antonín Dvořák, Erich Wolfgang Korngold, Max Reger und Erwin Schulhoff, die in Konzerten gerne mit denjenigen von Luigi Boccherini, Alexander Borodin, Niels Gade und Bohuslav Martinů oder mit der Introduktion zur Oper Capriccio von Richard Strauss kombiniert werden. Da originale Werke für Streichsextett nicht besonders zahlreich sind, bereichern auch Bearbeitungen das Repertoire, beispielsweise Ludwig van Beethovens Sextett op. 81b (original für zwei Hörner und Streichquartett). Der besondere Reiz der Streichsextett-Besetzung besteht für die Musiker in der Möglichkeit, den philharmonischen Orchesterklang in das kammermusikalische Musizieren einfließen zu lassen – besonders bei den großen romantischen Sextetten von Brahms und Tschaikowsky, in denen die Komponisten die beiden Violoncelli teilweise sehr »orchestral« behandeln.

Thomas Wittmann

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