Berliner Philharmoniker

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Kammermusik

Der Philharmonische Salon: Goethe und Beethoven

Götz Teutsch widmet den ersten »Philharmonischen Salon« in dieser Spielzeit dem großen Dichter und dem Komponisten Ludwig van Beethoven – und Johann Wolfgang von Goethe, der wie kaum ein anderer Dichter der Weltliteratur auf die Musikgeschichte eingewirkt hat. Künstlerische Gäste sind der Schauspieler Udo Samel, der Bariton Dietrich Henschel, die Pianistin Cordelia Höfer und das Minetti Quartett.

Udo Samel Sprecher

Dietrich Henschel Bariton

Minetti Quartett

Maria Ehmer Violine, Anna Knopp Violine, Milan Milojicic Viola, Leonhard Roczek Violoncello

Cordelia Höfer Klavier

Götz Teutsch Programmgestaltung

Goethe und Beethoven – »So gehen die Menschen aneinander vorbei ...« (Romain Rolland)

Musik von Ludwig van Beethoven, Texte von Johann Wolfgang von Goethe, Ludwig van Beethoven, Romain Rolland, Bettina von Arnim und Karl August Varnhagen von Ense

Termine und Tickets

So, 09. Nov. 2014 16 Uhr

Kammermusiksaal

Einführung: 15:00 Uhr

So, 16. Nov. 2014 16 Uhr

Kammermusiksaal

Einführung: 15:00 Uhr

Programm

In seinem Buch Der Zeitbürger stellt Dieter Borchmeyer die oft bezweifelte musikalische Kompetenz Johann Wolfgang von Goethes in ein anderes Licht. Schließlich war der Dichter »über alle wesentlichen Erscheinungen des zeitgenössischen Musiklebens und der Musiktheorie orientiert«. In der Geschichte der Weltliteratur gibt es jedenfalls keinen Dichter, der einen vergleichbaren Einfluss auf die Musik genommen hat wie Goethe: »Schubert orientierte sich zunächst an Reichardts Goethe-Vertonungen, Mendelssohn wurde von seinem Lehrer Zelter bei Goethe eingeführt, Wagners Goethe- Kult, der sich schon in den Sieben Kompositionen zu Goethes Faust niederschlägt, die der Siebzehnjährige Anfang 1831 komponiert hat, wäre ohne Beethoven und seine Musik zu Egmont kaum denkbar.«

Im Gegensatz zu Mendelssohn, mit dem den 60 Jahre älteren Dichter eine ungleiche Freundschaft verband, die er bis zu seinem Tod aufrecht erhielt, blieb Beethoven Goethe eher fremd, trotz der von ihm so geschätzten Egmont-Musik. Beiden widmet Götz Teutsch den ersten Philharmonischen Salon in dieser Spielzeit – mit von Udo Samel vorgetragenen Texten von Johann Wolfgang von Goethe, Ludwig van Beethoven, Romain Rolland, Bettina von Arnim und dem Literatur-, Kunst- und Musikwissenschaftler Norbert Miller. Für den musikalischen Rahmen sorgt neben dem Bariton Dietrich Henschel und Cordelia Höfer (Klavier) das Minetti Quartett, »eine musikalische Sensation aus Österreich« wie Der Tagesspiegel nach dem Debüt des Ensembles in der Berliner Philharmonie 2009 schrieb.

Über die Musik

»Geschichtliches Erinnerungstheater«

Beethoven, Goethe und die Anekdote ihrer Begegnung

Begegnungen faszinieren. Nicht nur die selbst erlebten, sondern auch diejenigen, die wir aus den Geschichtsbüchern kennen, ja selbst diejenigen, die wir erfinden. Und weil diese Faszination so groß ist, helfen Erzählungen, die dabei nicht selten zu Anekdoten gerinnen, jener un-artigen Textgattung, die irgendwo zwischen Hörensagen, Unausgesprochenem und einer »Geheimbiografie des Helden« angesiedelt ist. Notabene sind besonders jene »Begegnungen« für eine anekdotische Verfestigung empfänglich, bei denen die Realität so manche Leerstelle lässt. Ein prägnantes Beispiel aus der Musikgeschichte hierfür ist die »Begegnung« zwischen Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadé Mozart, die realiter wohl nicht stattgefunden hat, denn Beethovens erster Wien-Aufenthalt 1787 musste nach zwei Wochen abrupt abgebrochen werden, eine Begegnung mit Mozart in dieser Zeit aber ist nicht dokumentiert, und zum zweiten Mal kam Beethoven erst 1792 als Schüler Joseph Haydns nach Wien, Mozart war ebendort bereits 1791 gestorben. Und dennoch war gerade diese »Begegnung« für die Geschichtserzählung über die Trias der Wiener Klassik so bedeutsam, dass sich rasch – se non è vero, è ben trovato – eine einprägsame Erzählung, eine Anekdote, dazu etablierte, gipfelnd im angeblichen Ausspruch Mozarts »Dieser Jüngling wird noch viel in der Welt von sich reden machen« und flankiert durch den Stammbucheintrag von Ferdinand von Waldstein aus dem Jahr 1792: »Durch ununterbro­chenen Fleiß erhalten Sie: Mozarts Geist aus Haydns Händen.«

In solcherart Zusammenklang jener Namen – also der »Begegnung« der drei Komponisten in einem ideellen, geschichtsbildenden Sinne – entstand nach 1800 und vermittelt durch Autoren wie E. T. A. Hoffmann, Johann Friedrich Reichardt u. a. jenes Bild der »Wiener Klassik«, das sich bis heute mit den drei Namen aus Waldsteins Stammbucheintrag verbindet, und das in Johann Amadeus Wendts Formulierung von 1836 seine einprägsamste Formulierung gefunden hat: »Es ist aber unmöglich von der musikalischen Gegenwart zu sprechen, ohne auf die sogenannte classische Periode und die Coryphaen zurückzugehen durch welche sie vorbereitet worden ist. Hier leuchtet uns das Kleeblatt: Haydn, Mozart, Beethoven entgegen.«

Dabei war in den ersten Dekaden des 19. Jahrhunderts jenes klassische »Kleeblatt« noch keineswegs fest etabliert. Insbesondere der späte Beethoven – Mensch wie Musik – galt als derart schroff und bizarr, dass eine Klassifizierung als Klassiker nur mit Mühe argumentiert werden konnte. Ins Positive gewendet konnte E. T. A. Hoffmann daher unumwunden Beethoven als Erzromantiker verstehen. Zumeist aber löste Beethoven tiefgreifende Irritationen bei seinen Zeitgenossen aus: 1826 beispielsweise konnte man in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung über seine Streichquartette lesen, sie seien »ernst, düster, mystische, wohl auch mitunter bizarr, schroff und capriciös«, die Komposition sei »unverständlich, wie Chinesisch«, die Spieler mit dem Stück überfordert: »Wenn die Instrumente in den Regionen des Süd- und Nordpols mit ungeheuern Schwierigkeiten zu kämpfen haben, wenn jedes derselben anders figurirt und sie sich per transitum irregularem unter einer Unzahl von Dissonanzen durchkreuzen, wenn die Spieler, gegen sich selbst misstrauisch, wohl auch nicht ganz rein greifen, freylich, dann ist die babylonische Verwirrung fertig.« Und hatte nicht auch Carl Friedrich Zelter ähnlich verwirrt auf Beethovens Musik reagiert? 1808 schrieb er an Goethe: »Mit Bewundrung und Schrecken sieht man Irrlichter und Blutstreifen am Horizonte des Parnasses. Talente von der größten Bedeutung wie Cherubini, Bethofen u. M. entwenden Herkules die Keule, – um Fliegen zu klatschen; erst muß man erstaunen und nachher gleich drauf die Achsel zucken über den Aufwand von Talent, Lappalien wichtig und hohe Mittel gemein zu machen. Ja ich möchte verzweifeln wenn mir einfällt daß die neue Musik verloren gehen muß wenn eine Kunst aus der Musik werden soll.«

Zu diesem Zeitpunkt freilich war die noch unverheiratete, selbst am Klavier gern fantasierende Bettina Brentano bereits voller Bewunderung für Beethoven. 1810 traf sie ihn dann erstmals in Wien und notierte: »Da ich bei ihm eintrat ging er auf mich loß sah mich starr an, drückte mir die Hand, spielte auf mein Verlangen was er seit Jahren nicht gethan hatte ging mit, und blieb bis Abends 10 Uhr bei dem Abschied drückte er mich wie jemand den man lange lieb hat ans Herz, noch 2 Abende kam er, es waren die lezten die ich in Wien war.« Zum Abschied schenkte ihr Beethoven eine Abschrift seiner Goethe-Vertonung »Neue Liebe, neues Leben« op. 75 Nr. 2.

Bettina Brentano, spätere von Arnim, hat vielfach über ihre Begegnungen mit Beethoven geschrieben: zeitnah in Briefen, später vor allem auch in Goethes Briefwechsel mit einem Kinde. Die Schilderungen aber sind höchst merkwürdig. Als gälte es, über das Thema ihrer Beethoven-Begeisterung in musikalischem Sinne frei zu fantasieren, sind ihre Berichte höchst opak. Ein Graus für jeden, der auf der Suche nach der historischen Wahrheit ist, in hohem Maße aufschlussreich hingegen für jeden, der diese Texte als literarische Umkreisungen eines offenbar tiefen Eindrucks versteht. Die Dichterin schreibt nicht als Chronistin, vielmehr nimmt sie Friedrich Schlegels Diktum beim Wort: »Der Künstler, der nicht sein ganzes Selbst preisgibt, ist ein unnützer Knecht […] das beste in den besten Romanen ist nichts anderes als ein mehr oder minder verhülltes Selbstbekenntnis des Verfassers, der Ertrag seiner Erfahrung, die Quintessenz seiner Eigentümlichkeit.«

Auf der Suche nach der »Quintessenz seiner Eigentümlichkeit« wird man freilich auch bei jener Erzählung der misslungenen Begegnung in Teplitz fündig: Beethoven trifft Goethe. Ein gemeinsamer Spaziergang. Die konfrontative Begegnung mit den »hochgestellten Persönlichkeiten«. Indem – und vor allem wie! – Bettina von Arnim von diesem Zusammentreffen schreibt, lässt sie keinen Zweifel: Sie erzählt vom Zusammentreffen zweier zwar ungleicher, aber doch in ihrer Unterschiedlichkeit je einzigartiger Künstler. Der eine etabliert, arriviert, hochgeschätzt, der andere durch seine gesellschaftliche Unangepasstheit einen Ausweis der Genialität mit sich tragend. Die Schilderung ihrer Begegnung idealisiert beide als unangefochtene Ausnahmekünstler, und konturiert – die unterschiedlichen Künstlercharaktere sich gegenseitig widerspiegelnd – doch zugleich ihre unvereinbaren Eigenheiten. Sollte bei der Schilderung der (wohl nicht stattgefundenen) Begegnung zwischen Mozart und Beethoven eine künstlerische Kontinuität und ästhetische Weiterentwicklung ins Bild gesetzt werden, steht die Begegnung von Goethe und Beethoven unter dem Stern zweier extrem unterschiedlicher, und in ihrer Unterschiedlichkeit sich gegenseitig gründlich missverstehenden Künstlergenies. Oder, wie Norbert Miller es auf den Punkt brachte, »zwei Don Quijotes für einen! Bettinas […] Enthusiasmus läßt die beiden Statthalter der Kunst auf Erden, der ältere den Hut artig in der Hand, der jüngere grimmig sich und dem Hut den Weg durch die höfliche Adelswelt bahnend, wie in die Gegenwart verirrte Titanen auftreten. Hinter der Anekdote werden unvereinbare Haltungen einer gleich scharf ausgeprägten, emphatischen Künstlergesinnung erkennbar: die Gelassenheit des im Conseil wie bei Hof tätig wirkenden Staatsmanns, Naturforschers und Kunstpolitikers, der seine europäische Geltung keinen Augenblick zu unterstreichen brauchte, und der aus engen Verhältnissen aufgestiegene, den Bürgersinn ruppig behauptende Genius, der seinen Aufstieg ausschließlich dem hohen Wiener Adel verdankte, der das früheste Verständnis für das Unermeßliche seiner musikalischen Einbildungskraft beim Prinzen Louis Ferdinand und dem Erzherzog Rudolph, seinem Schüler, fand.«

So klar damit das skizzierte Bild, so eindeutig die Pointe der Anekdote, so gründlich zugleich auch die Zweifel daran, ob Bettina von Arnim hier von Tatsächlichem erzählt: Hat die Begegnung von Goethe und Beethoven tatsächlichso stattgefunden? Viele Argumente sprechen dagegen. Doch mit dem Hinweis auf die »Quintessenz [der] Eigentümlichkeit« sollte man eine andere Lesart zumindest in Betracht ziehen.

Goethes Briefwechsel mit einem Kinde ist ein Buch, das so eindeutig mit seiner Zeit verwoben ist, wie es heute – ohne den Rückblick auf dieses Eingewobensein – unverständlich bleiben muss: Denn es ist weder (auto)biografische Erzählung noch Briefroman, sondern vielmehr beides und noch einiges mehr. Konstanze Bäumer versucht eine Einordnung, indem sie die Hinweise auf zeitgenössische Briefromane wie Goethes Werther oder Sophie von La Roches Fräulein von Sternheim gibt, indem sie aber auch auf die Gedenkbuch-Kultur des frühen 19. Jahrhunderts hinweist, etwa das Bettina von Arnim tief beeindruckende Buch des Andenkens für ihre Freunde, das Karl August Varnhagen von Ense über seine Frau Rahel 1834 herausgab. »Das Goethebuch ist jedoch mehr als nur ein Brief- und Erinnerungsbuch«, so Bäumer weiter. »Es ist durch die Verwendung einer ästhetischen Mischtechnik, die unterschiedliche Formelemente wie Tagebuchaufzeichnungen, Lyrikeinlagen, Traumszenen, Anekdoten, Reiseberichte, Aphorismen und Sentenzen miteinander verbindet, zudem ein ›romantisches Buch‹ im Schlegelschen Sinne.« Von einer historisch-authentischen Quelle – im Sinne von Leopold von Rankes »wie es eigentlich gewesen« –, ist das Buch mithin weit entfernt, als Quelle einer individuellen Weltwahrnehmung und der Suche nach poetischen Quintessenzen ist es freilich von besonderem Interesse.

Und so rückt die ver-rückte Teplitz-Anekdote der »misslungenen« Begegnung von Goethe und Beethoven schließlich in ein anderes Licht: Sie bildet den Kern eines Künstlerbildes, das so wirkmächtig war (und ist), dass an ihm selbst dort festgehalten wird, wo dem Tatsachenkern der Anekdote gründlich misstraut wird. Für Romain Rolland, selbst ein Meister der Begegnung, dehnte sich die Teplitz-Anekdote ins Astronomische: »Und die Begegnung der beiden Sonnen, Beethoven und Goethe. Kurz nur ist die Konjunktion. Seit Jahrhunderten hat das Schicksal das Zusammentreffen der zwei Gestirne der Dichtung und der Musik vorbereitet. Sie sind sich begegnet, und sie fliehen einander.« Und Norbert Miller gesteht freimütig, dass er zwar die Sachargumente gegen den Wahrheitsgehalt der Anekdote gelten lässt, nicht ohne dann aber fortzufahren: »Ich für meinen Teil mache kein Hehl aus der Tatsache, daß ich in meinem geschichtlichen Erinnerungstheater ungern auf die Szene im Schloßpark verzichten würde.« Die misslungene Begegnung mithin als Quintessenz.

Melanie Unseld

Biographie

Udo Samel, geboren in Eitelsbach bei Trier, erhielt als Sängerknabe der Laubacher Kantorei eine fundierte musikalische Ausbildung. Nachdem er ein Jahr Slawistik und Philosophie studiert hatte, wurde er 1974 an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main aufgenommen. Nach seinem Debüt am Staatstheater Darmstadt folgte ein zweijähriges Engagement am Düsseldorfer Schauspielhaus. Von 1978 bis 1992 gehörte Udo Samel dann zum Ensemble der Schaubühne am Halleschen Ufer (am Lehniner Platz), wo er mit großem Erfolg in Produktionen von Peter Stein, Andrzej Wajda, Luc Bondy, Robert Wilson und vielen anderen namhaften Regisseuren zu erleben war. Der Schauspieler, der auch am Residenztheater München und am Schauspiel Frankfurt engagiert war, ist seit 2004 Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Seine Filmkarriere begann Udo Samel 1978 mit einer Nebenrolle in Reinhard Hauffs Messer im Kopf. Seitdem wirkte er in vielen Fernseh- und Kinofilmen mit; für seine Darstellung des Komponisten Franz Schubert im ZDF-Dreiteiler Mit meinen heißen Tränen (1986, Regie: Fritz Lehner) wurde er mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. Im Kino war Udo Samel u. a. in Palermo Shooting (Regie: Wim Wenders), Alles auf Zucker (Regie: Dani Levy) und Mein bester Feind (Regie: Wolfgang Murnberger) zu sehen. 1996 debütierte er als Opernregisseur am Nationaltheater Weimar in einer Produktion von Alban Bergs Wozzeck. Es folgten Inszenierungen am Bremer Theater am Goetheplatz, am Bayerischen Staatsschauspiel in München, an der Semperoper in Dresden sowie an der Oper in Frankfurt. Seit Mai 2009 ist Udo Samel Honorarprofessor an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker war er zuletzt im Februar 2013 in einem Giacomo Meyerbeer gewidmeten Philharmonischen Salon zu erleben.

Der gebürtige Berliner Dietrich Henschel studierte Klavier, Dirigieren und Gesang am Konservatorium in Nürnberg sowie an der Musikhochschule München und debütierte als Bariton 1990 in der Titelpartie von Michele Reverdys Oper Le Précepteur bei der Münchener Biennale. Als Ensemblemitglied der Oper Kiel (1993 bis 1995) war der Sänger u. a. als Graf Almaviva in Le nozze di Figaro, als Pelléas in Pelléas et Mélisande sowie in den Titelpartien von Henzes Der Prinz von Homburg und Monteverdis L’Orfeo zu erleben. Seine internationale Karriere begann Dietrich Henschel mit einer Produktion von Ferruccio Busonis Oper Doktor Faust an der Oper Lyon. Seitdem gastiert der Künstler an den bedeutendsten europäischen Opernhäusern. Zu den Höhepunkten seiner Laufbahn zählen die Interpretation der Titelpartien in den Opern Œdipe (George Enescu) am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel und Orest (Manfred Trojahn) an der Nederlandse Opera Amsterdam. Neben dem Musiktheater widmet sich Dietrich Henschel auch intensiv dem Lied- und dem Oratoriengesang. Zudem erweitert er seit einiger Zeit sein künstlerisches Profil als Dirigent der Sinfonietta Leipzig sowie im Rahmen diverser interdisziplinärer Projekte. Zu nennen wäre hier u. a. eine Theateradaption von Schuberts »Schwanengesang«(Wenn ich sein Antlitz sehe), die an diversen europäischen Bühnen zur Aufführung gelangte. In den Konzerten der Berliner Philharmoniker war Dietrich Henschel zuletzt im April 2002 zu Gast; auf dem Programm des Kammerkonzerts standen u. a. Werke von Wolfgang Rihm.

Das Minetti Quartett wurde 2003 gegründet und zählte bald zu den aussichtsreichsten Nachwuchs-Streichquartetten Österreichs. Seine Mitglieder Maria Ehmer, Anna Knopp, Milan Milojicic und Leonhard Roczek studierten an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien bei den Mitgliedern des Alban Berg Quartetts. Weitere wichtige Mentoren waren Johannes Meissl und Hatto Beyerle; zudem erhielten die vier Musiker künstlerische Impulse vom Artemis Quartett sowie als Mitglieder der European Chamber Music Academy (ECMA) vom Amadeus Quartett, dem Quatuor Mosaïques und dem Hagen Quartett. In der Spielzeit 2008/2009 nominierten die beiden großen Wiener Musikinstitutionen Musikverein und Konzerthaus das Minetti Quartett für den Konzertzyklus Rising stars. Seitdem gastiert die Formation in den renommiertesten europäischen Konzerthäusern (Wigmore Hall London, Cité de la Musique Paris, Concertgebouw Amsterdam, Palau de la Música Barcelona, Konserthuset Stockholm, Wiener Konzerthaus, Wiener Musikverein). Darüber hinaus ist sie regelmäßig bei Kammermusikfestivals wie denjenigen in Mecklenburg-Vorpommern, in Schwarzenberg (Österreich), Aldeburgh, Aix-en-Provence und Kuhmo (Finnland) zu erleben. Das Minetti Quartett unternahm Konzertreisen nach Nord- und Südamerika sowie nach Australien, Japan und China. Es wurde in diverse Förderprogramme aufgenommen und ist Gewinner zahlreicher Wettbewerbe. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker debütierte das Ensemble im Mai 2013 im Rahmen der Philharmonischen Salons.

Cordelia Höfer wurde in München geboren. Ihr Klavierstudium absolvierte sie mit höchsten Auszeichnungen an den Hochschulen in Salzburg (bei Hans Leygraf) und in München (bei Klaus Schilde). In Salzburg studierte sie auch die Fächer Dirigieren und Kammermusik. Wichtige Lehrer waren Wilhelm Kempff, Tatjana Nikolajewa und Elisabeth Leonskaja. Eine umfangreiche Konzerttätigkeit führt Cordelia Höfer seit dem 15. Lebensjahr als Solistin und Kammermusikerin durch viele europäische Länder, die USA, Japan und Korea. Hierbei hat sie mit Sängerinnen wie Christine Schäfer, Juliane Banse und Anna Prohaska zusammengearbeitet. Im Rahmen ihrer langjährigen Unterrichtstätigkeit an der Universität »Mozarteum« in Salzburg war bzw. ist sie Künstlerkollegen wie Sándor Végh, Heinrich Schiff und Nikolaus Harnoncourt in intensiver Zusammenarbeit verbunden. 2002 wurde sie am »Mozarteum« auf eine Professur für Klavier und Kammermusik berufen. Cordelia Höfer tritt seit vielen Jahren regelmäßig in den Kammerkonzerten der Berliner Philharmoniker, insbesondere in den Philharmonischen Salons, auf.

Götz Teutsch stammt aus Hermannstadt (Sibiu) in Siebenbürgen, Rumänien. Er wurde zunächst in Bukarest von Radu Aldulescu ausgebildet und setzte sein Violoncello-Studium nach der Ausreise aus Rumänien 1968 bei Enrico Mainardi und Karl Richter fort. Zudem hat er sich eingehend mit der Aufführungspraxis Alter Musik befasst sowie Viola da gamba studiert. Den Berliner Philharmonikern gehörte Götz Teutsch von 1970 bis 2006 an, davon zwei Jahrzehnte als Solo-Cellist unter den Chefdirigenten Herbert von Karajan und Claudio Abbado; als Konzertsolist des Orchesters war er u. a. mit Cellokonzerten von Monn/Schönberg und Schostakowitsch zu erleben. Götz Teutsch, der als Kammermusiker und Solist weltweit auftritt, zählt zu den Gründungsmitgliedern der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker. Im November 2000 gestaltete der Literaturliebhaber den ersten Philharmonischen Salon. Diese Idee entwickelte sich schnell zu einer höchst erfolgreichen Reihe, deren letzte Veranstaltungen Ende Mai/Anfang August 2014 der Konzertdirektion Hermann und Louise Wolff gewidmet waren.

Dietrich Henschel

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