Berliner Philharmoniker

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Kammermusik

Geburtstagskonzert für C. P. E. Bach mit den Berliner Barock Solisten und Reinhard Goebel

In diesem Jahr feiert die Musikwelt den 300. Geburtstag von Carl Philipp Emanuel Bach – dem berühmtesten Sohn Johann Sebastians. Bizarr, affektgeladen, exzentrisch und zukunftsweisend: So gibt sich der Jubilar in diesem Konzert mit ausgewählten Symphonien und Solokonzerten. Reinhard Goebel, einer der wichtigsten Interpreten Alter Musik, dirigiert die überwiegend aus Mitgliedern der Berliner Philharmoniker bestehenden Berliner Barock Solisten.

Berliner Barock Solisten

Reinhard Goebel Leitung

Jacques Zoon Flöte

Bruno Delepelaire Violoncello

300 Jahre Carl Philipp Emanuel Bach

Carl Philipp Emanuel Bach

Symphonie für Streicher und Basso continuo G-Dur H 667

Carl Philipp Emanuel Bach

Symphonie für zwei Oboen, zwei Hörner, Streicher und Basso continuo Es-Dur Wq 179

Carl Philipp Emanuel Bach

Konzert für Flöte, Streicher und Basso continuo G-Dur Wq 169

Carl Philipp Emanuel Bach

Konzert für Violoncello, Streicher und Basso continuo B-Dur Wq 171

Carl Philipp Emanuel Bach

Märsche Wq 185, Tänze Wq 189 und 190 (Auswahlen)

Termine und Tickets

Mi, 03. Dez. 2014 20 Uhr

Philharmonie

Einführung: 19:00 Uhr

Programm

»In der Komposition und im Clavierspielen habe ich nie einen andern Lehrmeister gehabt als meinen Vater«, schrieb Carl Philipp Emanuel Bach. Trotz oder gerade wegen des übermächtigen Vorbilds gelang es dem zweiten Sohn von Johann Sebastian Bach einen ganz eigenen, sehr persönlichen Stil zu entwickeln – bizarr, affektgeladen, exzentrisch und zukunftsweisend. Aus der barocken Musikästhetik kommend, wurde er zu einem der Wegbereiter der Wiener Klassik. Seine Klavierwerke und Symphonien beeinflussten Haydn und Mozart nachhaltig. Davon zeugen auch die beiden »Sinfonien«, mit denen die Berliner Barock Solisten ihr Konzert zum Ausklang des Gedenkjahrs zum 300. Geburtstag von Carl Philipp Emanuel Bach eröffnen.

Das Genre der Symphonie begann den Komponisten in seiner Zeit als Hofcembalist des Preußenkönigs Friedrich II. zu interessieren und ließ ihn auch später als Städtischer Musikdirektor Hamburgs nicht los. Weitere Programmpunkte des Abends sind das Flöten- und das Cellokonzert in G- bzw. B-Dur. Beide gehören zu jenen Werken, die Bach für den preußischen Königshof schrieb. Solisten dieses Abends sind der holländische Flötist Jacques Zoon, der bereits im März 2014 Gast der Berliner Barock Solisten war und sich mit einem Konzert des Jubilars präsentiert hat, sowie Bruno Delepelaire, Erster Solo-Cellist der Berliner Philharmoniker. Die musikalische Leitung des Abends hat der Dirigent Reinhard Goebel, der als Spezialist für die Musik Carl Philipp Emanuel Bachs gilt.

Über die Musik

Musikalische Assemblée

Werke von Carl Philipp Emanuel Bach

Reinhard Goebel und die Berliner Barock Solisten laden zu einer Zeitreise ins Berlin des 18. Jahrhunderts ein. Fern von den exklusiven Hofkonzerten des Königs in seinen Potsdamer Schlössern entfaltete sich damals in der preußischen Hauptstadt ein reges Konzertleben, über das drei Musen wachten: die Königinmutter Sophie Dorothea, des Königs ungeliebte Gemahlin Elisabeth Christine und deren Schwägerin Anna Amalia, die strengste unter den musischen Schwestern des Königs. Zwischen deren Palais Unter den Linden (an der Stelle der heutigen russischen Botschaft gelegen), dem Stadtschloss und Schloss Monbijou teilten die Musiker der Hofkapelle ihre Konzertdienste auf und machten gelegentlich auch Station im Palais des Prinzen Heinrich am Forum Fridericianum. Lange vor den Zeiten einer Philharmonie und eines Konzerthauses glänzten sie im Großen Konzert. Der Name der Reihe war Programm: Üppig, groß und festlich durfte der Klang sein – anders als in den intimen Konzerten des Königs, wo in kleiner Besetzung musiziert wurde.

Die Berliner Sinfonien und Konzerte Carl Philipp Emanuel Bachs sind das glänzendste Zeugnis für diesen flammenden, prachtvollen Orchesterstil, von dem alle auswärtigen Musiker tief beeindruckt waren. Als Johann Sebastian Bach seinen Sohn 1741 in Berlin besuchte, muss er vom Orchesterklang der Hofkapelle überwältigt worden sein. Einige ihrer Manieren – die Coups d’archet (vollgriffige Akkorde), die Vorliebe für Pizzicato und Sforzato –, hat er in sein spätes Tripelkonzert aufgenommen. Beim Sohn Carl Philipp Emanuel konnte er diese Berliner »Manieren« studieren, obwohl dessen prachtvollste Orchesterwerke erst nach dem Tod des Vaters entstanden.

Zwei von »ein paar Duzend«: die Sinfonien G-Dur H 667 und Es-Dur Wq 179

Reinhard Goebel beginnt mit einem Stück, dessen Echtheit angezweifelt wird, obwohl es sich so gut ins Stilbild des »Berliner Bach« einzufügen scheint: die Sinfonia G-Dur für Streicher und Basso continuo H 667. Mit einem Werk in derselben Tonart (Wq 173) eröffnete Carl Philipp 1741 den Reigen seiner Berliner Sinfonien, um dann seltsamerweise 14 Jahre lang keine weiteren Werke in diesem Genre folgen zu lassen. So zumindest stellt sich die aktuelle Quellenlage dar, obwohl der Komponist selbst Anfang der 1770er-Jahre in einer autobiografischen Skizze die Auskunft gab, er habe »ein paar Duzend« Sinfonien zu Berlin geschrieben. Die G-Dur-Sinfonia des heutigen Konzertprogramms könnte diese Lücke schließen, ist sie doch in zwei verlässlichen Handschriften unter dem Namen Bach überliefert. Die Meininger Hofkapelle spielte sie schon vor 1758, 1766 tauchte sie dann im Verlagskatalog von Breitkopf in Leipzig mit der Zuschreibung an Bach auf. Genau dieser Umstand weckte die Zweifel der Forscher, finden sich doch gerade unter den sogenannten Bachsinfonien in Breitkopfs Verlagsangebot manche untergeschobene Stücke. Mürrisch monierte der Komponist, damals schon in Hamburg ansässig, in einem Brief vom August 1774: »Die beschriebenen Sachen, die Breitkopf von mir verkauft, sind theils nicht von mir, wenigstens sind sie alt u. falsch geschrieben.« Immerhin aber hat die G-Dur-Sinfonie »mehr Aufmerksamkeit als ein mögliches Werk von C. P. E. Bach erregt als alle anderen Sinfonien von zweifelhafter Echtheit«. So hat es Stephen C. Fisher in der Einführung zur in den USA erschienenen kritischen Neuausgabe aller Berliner Sinfonien formuliert. Auch der Forscher Ernest Eugene Helm hat das Werk als »möglicherweise authentisch« eingestuft und mit einer Werkverzeichnis-Nummer versehen (H 667). Manche Forscher glaubten, es könne sich um jene Sinfonia handeln, die Bach »mit dem Fürsten Lobkowitz, einen Takt um den andern, aus dem Stegreif verfertigt« hat, wie es in seinem Nachlassverzeichnis heißt. Freilich war diese Gemeinschaftskomposition mit Oboen und Hörnern besetzt, muss also als verschollen betrachtet werden.

Auf sicherem Grund bewegt man sich in der Sinfonia Es-Dur für zwei Oboen, zwei Hörner, Streicher und Basso continuo, die im Wotquenne-Verzeichnis die Nummer 179 trägt und von Bach selbst mit »Berlin 1757« datiert wurde. Zwar hat er die Bläserstimmen erst später in Hamburg hinzugefügt – in Berlin ist sie noch als reines Streicherwerk erklungen –, doch würde kein Dirigent heute auf die kraftvollen Bläser verzichten wollen. In keiner anderen seiner Berliner Sinfonien ist Carl Philipp so weit gegangen, was den Sturm der Affekte, die harmonischen Überraschungen und die exzentrischen Orchestereffekte anbelangt. Prestissimo stürmt der Kopfsatz los, mit hochschießenden Dreiklängen der Streicher im Tremolo. Schon zwei Takte später wird dieses Thema einen Ganzton nach unten gerückt, im fünften Takt noch eine Stufe tiefer, wodurch man schließlich in as-Moll landet – in einer Sackgasse, wie man unschwer hört. Mit dem Aufschrei eines verminderten Septakkords nimmt die Musik erneut Fahrt auf, um auch später immer wieder aus äußerster Erregung plötzlich in leise, fragende Einwürfe umzuschlagen. Der Dreihalbetakt verleiht diesem dramatischen Wechselspiel Weiträumigkeit und Gewicht. Aus einer der leisen Passagen heraus setzt unvermutet das Larghetto in g-Moll ein. Es ist eines jener »Berliner Adagios« für Streicher, wie sie Carl Philipp so oft nach dem Vorbild der pathetischen Moll-Arien Carl Heinrich Grauns geschrieben hat. Eine Chasse, ein Jagdfinale im Rhythmus einer wirbelnden Giga, beendet das Werk ebenso glanzvoll wie furios. Schon wegen dieses Satzes kann man auf Oben und Hörner in der Sinfonia Wq 179 kaum verzichten.

Musikalisches Mancherley: Tänze für unterschiedlich besetzte Ensembles

Aus den späten Berliner Jahren nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges stammen die Tänze für diverse Ensemble-Besetzungen, die Carl Philipp Emanuel Bach von einer ungewohnten Seite zeigen: mondän, unterhaltsam, ohne Komplikationen und Affektstürme. Alle diese Menuette und Polonaisen findet man auch als Klavierstücke in populären Sammlungen wie den Clavierstücken verschiedener Art oder dem Musikalischen Mancherley von 1762. Ihre mit Bläsern und Streichern umfangreicher besetzten Fassungen sind als Menuette mit abwechselnden Trii, Abwechselnde Menuettenoder als Menuetten und Polonaisen jeweils für verschiedene Instrumente überliefert. Die beiden Märsche für jeweils zwei Oboen, Klarinetten, Hörner und Fagott wiederum komponierte Bach 1767 in Hamburg für einen sechsteiligen Zyklus mit Stücken in identischer Besetzung.

Ein Musterbeispiel des friderizianischen Stils: das Flötenkonzert G-Dur Wq 169

Die friderizianischen Residenzen Potsdam und Berlin waren »Flötenland« – ganz so wie Mozart drei Jahrzehnte später Wien als »Clavierland« bezeichnete. Im Dunstkreis des Königs erfreute sich die Traversflöte größter Beliebtheit. Dafür sorgte allein schon der königliche Flötenlehrer Johann Joachim Quantz durch die Autorität seiner Musik und seiner Lehrmethode. Carl Philipp Emanuel Bach verspottete das strenge Regiment seines Kollegen gelegentlich mit einem Berliner Witz, wenn er beispielsweise fragte, »welches wohl das fürchterlichste Thier in der preußischen Monarchie sei? Alles schwieg, um von dem Fragenden die Antwort zu vernehmen, dass dies – der Schooßhund der Madame Quantz sei. Denn diese selbst fürchte ihn, vor Madame aber fürchte sich Herr Quantz, und vor Herrn Quantz wieder der größte Monarch der Welt.« Der König kommentierte den Witz seines ersten Cembalisten auf eigene Weise: »Daß Quantz diese Geschichte nur nicht erfährt, sonst jagt er uns noch alle aus dem Dienst.«

Im Studienbuch von Quantz sind Fragmente aus seinen Unterrichtsstunden erhalten geblieben, darunter auch einige Passagen des hochvirtuosen d-Moll-Flötenkonzerts von Carl Philipp Emanuel Bach. Wer immer der Schüler in der betreffenden Stunde gewesen sein mag: Er hatte keine Scheu vor den horrenden Schwierigkeiten der bachschen Flötenkonzerte. In den meisten dieser Werke erklären sich die unbequemen Passagen aus einem einfachen Umstand: Sie waren ursprünglich als Konzerte für Violoncello bzw. Orgel bestimmt. Nur diejenigen in D-Dur (H 416) und d-Moll (H 484.1) hat Carl Philipp original für die Flöte geschrieben. Seine drei Cellokonzerte wurden von unbekannter Hand arrangiert, sein G-Dur-Orgelkonzert Wq 34 von ihm selbst. Das Manuskript dieser Umarbeitung ist erhalten und zeigt, wie überlegt er dabei zu Werke ging: Überall dort, wo die rechte Hand der Orgel-Partie den Umfang der Traversflöte überschreitet oder rein orgelmäßige Passagen ausführt, notierte er alternative Stimmführungen und flötengerechte Passagen.

Seit seinen Leipziger Jugendtagen kannte Carl Philipp die Möglichkeiten der Traversflöte genau – durch seinen 14 Monate jüngeren Bruder Johann Gottfried Bernhard und seinen Studienfreund Jacob von Stählin. Letzterer erinnerte sich noch 1784 an die Freundschaft mit den Bachsöhnen in Leipzig und an das gemeinsame Flötenspiel: »Von den drei Bach-Brüdern meiner Bekanntschaft kehrte der in Dresden [recte: in Berlin] verstorbene älteste den etwas affektierten Elegant heraus, der 2. (der Ihrige in Hamburg) natürlich, tief, nachdenklich und in Gesellschaft nichtsdestoweniger lustig, hieß Carl und zum Unterschied von seinen Brüdern ›der Schwarze‹, und der 3. der ›Windige‹ spielte häufig mit mir Querflötenduette.«

Dank dieser Freundschaft mit zwei leidenschaftlichen Flötisten und seiner eigenen Versuche auf diesem Instrument war Carl Philipp bestens gerüstet, als er 1740 »bei Antritt der Regierung Sr. Preußischen Majestät, förmlich in Dessen Dienste trat und die Gnade hatte, das erste Flötensolo, was Sie spielten, in Charlottenburg mit dem Flügel ganz allein zu begleiten.« So heißt es in seiner kurzen Autobiografie, die er – wie erwähnt zu Beginn der 1770er-Jahre – für den Engländer Charles Burney aufschrieb. Im Duo mit dem König blieb es bekanntlich beim Begleiten: Die Sonaten und Concerti seines ersten Cembalisten schätzte Friedrich II. nicht besonders, er spielte lieber eigene Werke und die Musik von Quantz. Umso eifriger griffen die Berliner die bachschen Flötenkonzerte auf, die in der Hauptstadt von einem ganzen Streichorchester begleitet werden konnten – nicht nur von wenigen solistischen Streichern wie die Flötenkonzerte in Sanssouci.

Mit dem G-Dur-Flötenkonzert Wq 169 schuf Carl Philipp Emanuel ein Musterbeispiel des friderizianischen Stils. Ein prachtvolles Ritornell der Streicher eröffnet den ersten Satz. Zwischen der großen Geste des Anfangs und leisen Unisono-Einschüben im Marschrhythmus erzeugt es gespannte Erwartung vor dem Einsatz des Solisten und liefert zugleich das gesamte Material für den lebhaften Dialog von Solist und Orchester. Die Flöte erhält ihr eigenes, galantes Solo-Thema. Einwürfe der Streicher mit deren Themenmaterial unterbrechen immer wieder nicht nur dieses Flöten-Thema, sondern auch die virtuosen Passagen, die jedes der vier langen Soli krönen. Die Kadenz muss der Solist improvisieren. Als Mittelsatz schrieb Bach ein Largo in e-Moll mit einem unvergesslich schönen, seufzenden Geigenthema über dem absteigenden Bass. Die Flöte greift diesen klagenden Duktus auf. Im engen Dialog mit den ersten Violinen entspinnt sich ein tief bewegender Trauergesang. Umso heiterer kommt das Finale daher, ein Contretanz mit etlichen humoristischen Wendungen, die an einen »Fernschüler« des Berliner Bach denken lassen, der damals in Wien dessen Werke eifrig studierte: Joseph Haydn. Die quasi haydnesken Pointen in der Verarbeitung des Themas paaren sich bei Carl Philipp mit besonders effektvollen Solo-Passagen. Um die Solo-Stimme so flötengerecht wie möglich zu gestalten, hat der Komponist die Vorlage hier häufig verändert. Dabei fügte er allerdings auch einige Passagen mit Sextsprüngen ein, die zum Schwersten in der klassischen Flötenliteratur gehören.

Auch im 19. Jahrhundert noch modern: Das Violoncellokonzert B-Dur Wq 171

Lange Zeit galten die drei Cellokonzerte Carl Philipp Emanuel Bachs als Zweitfassungen von Cembalokonzerten, deren Solo-Partien er gleichzeitig für Flöte und Cello arrangiert haben sollte. Erst die gründlichen Vorbereitungen für die derzeit in den USA publizierte neue Gesamtausgabe und die Forschungen von Robert Nosow aus dem Herausgeber-Team erbrachten den zweifelsfreien Nachweis, dass es sich um originäre Cellokonzerte handelt, die erst später für Flöte bzw. Cembalo eingerichtet wurden. Bach hat sie für einen oder mehrere der bedeutenden Berliner Cellisten jener Epoche geschrieben, vielleicht sogar für den Böhmen Ignaz Mara, der seit 1742 zur Berliner Hofkapelle gehörte: »Sein Ton und Vortrag war äußerst rührend«, vermerkte Ernst Ludwig Gerber Anfang der 1790er-Jahre in seinem Tonkünstlerlexikon.

Mara wie auch die anderen Berliner Cellisten, etwa Christian Friedrich Schale oder Joseph Zycka, traten regelmäßig in öffentlichen Konzerten auf, die damals in der Hauptstadt allenthalben zur Blüte kamen. Montags traf man sich zur Musikalischen Assemblée, andere Wochentage waren für die Musikübende Gesellschaft oder die Liebhaberkonzerte reserviert. Es fällt leicht, sich vorzustellen, wie ein Ignaz Mara in solcher Umgebung mit dem B-Dur-Konzert Bachs reüssierte: einschmeichelnd und galant im ersten Satz, mit »äußerst rührendem Vortrag« im g-Moll-Adagio, das wieder an die Musik Carl Heinrich Grauns erinnert. Das Finale hat einen stürmisch aufbrausenden Charakter und ist auch für den Solisten der brillanteste Satz. Immerhin wagte es Carl Friedrich Zelter, dieses Konzert von 1751 noch 1813 mit dem Berliner Cellisten Johann Friedrich Kelz aufzuführen – offenbar erfolgreich, da er es 1819 abermals auf ein Konzertprogramm setzte. So reichte das glanzvolle Berliner Musikleben der friderizianischen Zeit bis in die Epoche Friedrich Wilhelms III. hinüber – und mit ihm die unverwechselbare Klangsprache des größten Berliner Musikers im 18. Jahrhundert.

Karl Böhmer

Biographie

Die Berliner Barock Solisten wurden 1995 von Mitgliedern der Berliner Philharmoniker und führenden Vertretern der Alte-Musik-Szene Berlins mit dem Ziel gegründet, das Repertoire des 17. und 18. Jahrhunderts auf künstlerisch höchstem Niveau aufzuführen. Dabei wollte man auf die reiche Erfahrung zurückgreifen, welche die Musikwelt in den vergangenen Jahrzehnten mit »authentischen« Aufführungen gemacht hat. Die bewusste Entscheidung für das Spiel auf modernen oder modernisierten alten Instrumenten steht dabei der Annäherung an eine »historische« Aufführungspraxis nicht entgegen. Art und Größe der Besetzung variieren mit Rücksicht auf die Werke der jeweiligen Konzertprogramme. Mit Rainer Kussmaul hat das Ensemble seit seiner Gründung einen besonders auf dem Gebiet der Barockmusik international erfahrenen Solisten als Künstlerischen Leiter. Seit Beginn des Jahres 2010 legen die Berliner Barock Solisten die künstlerische Leitung zudem in unterschiedliche Hände: So sind auch Bernhard Forck, Gottfried von der Goltz, Daniel Hope, Daishin Kashimoto, Daniel Sepec und Frank Peter Zimmermann an der Spitze des Ensembles aufgetreten. Zu den Gast-Solisten zählen bzw. zählten Sängerinnen und Sänger wie Christiane Oelze, Sandrine Piau, Thomas Quasthoff, Dorothea Röschmann, Christine Schäfer und Michael Schade, die Bläser Emmanuel Pahud, Albrecht Mayer, Maurice Steger und Reinhold Friedrich sowie der Cembalist und Pianist Andreas Staier. Das Wirken des Ensembles ist durch zahlreiche CD-Aufnahmen dokumentiert, die mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurden. So erhielten die Berliner Barock Solisten für ihre Einspielung von Bach-Kantaten mit Thomas Quasthoff 2005 den Grammy Award. Bereits am 8. März 2014 waren die Berliner Barock Solisten mit einem Konzert zu Ehren des 300. Geburtstags von Carl Philipp Emanuel Bach zu erleben.

Reinhard Goebel, Gründer und 33 Jahre lang Leiter des Ensembles Musica Antiqua Köln, ist heute ein gefragter Dirigent und Vermittler seines Wissens um die sogenannte Historische Aufführungspraxis. 1952 in Siegen geboren, studierte Reinhard Goebel Violine bei Franzjosef Maier, Eduard Melkus, Marie Leonhardt und Saschko Gawriloff. Seine musikhistorischen und philologischen Interessen vertiefte er durch ein Studium der Musikwissenschaften an der Universität Köln. Seit Januar 2009 ist er Erster Gastdirigent der Bayerischen Kammerphilharmonie in Augsburg. Repertoire des 17. und 18. Jahrhunderts bringt er auch mit »modernen« Orchestern wie dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und dem Royal Philharmonic Orchestra London zur Aufführung. Am Nationaltheater Mannheim leitete Reinhard Goebel Neuproduktionen der Opern Amadis de Gaule und Temistocle von Johann Christian Bach. Mit Stipendiaten der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker studierte er 2008, 2010 und 2012 Werke der Barockzeit ein (Johann Sebastian Bach, Georg Philipp Telemann, Antonio Vivaldi und Johann Adolph Hasse), die er mit den jungen Musikern im Kammermusiksaal präsentierte. Dort gestaltete er Mitte März dieses Jahres mit den Stipendiaten auch ein Festkonzert zum 300. Geburtstag von Carl Philipp Emanuel Bach. Seit Herbst 2010 ist Reinhard Goebel außerdem Professor für Barockvioline an der Universität »Mozarteum« in Salzburg. Seine Aufnahmen mit dem Ensemble Musica Antiqua Köln setzten Maßstäbe in der Interpretationsgeschichte der Alten Musik. Das facettenreiche Wirken des Musikers wurde vielfach prämiert: 1997 beispielsweise erhielt er für seine exemplarischen Interpretationen und seine Tätigkeit als Musikforscher den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen; 2002 verlieh ihm die Stadt Magdeburg den Telemann-Preis. Am Dirigentenpult der Berliner Philharmoniker gab Reinhard Goebel sein Debüt Anfang Oktober 2013: Auf dem Programm standen Werke von Jean-Féry Rebel, Wolfgang Amadeus Mozart, Christian Cannabich und Johann Christian Bach.

Bruno Delepelaire wurde 1989 in Frankreich geboren und begann im Alter von fünf Jahren mit dem Cellospiel. Er studierte am Pariser Conservatoire bei Philippe Muller. 2012 kam er nach Berlin, um seine Ausbildung bei Jens-Peter Maintz an der Universität der Künste sowie bei Ludwig Quandt an Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker fortzusetzen. Zudem besuchte der Musiker Meisterklassen bei Wolfgang-Emanuel Schmidt, François Salque, Wen-Sinn Yang und Wolfgang Boettcher. Orchestererfahrung sammelte Bruno Delepelaire u. a. beim Verbier Festival Orchestra sowie beim Gustav Mahler Jugendorchester. Als Solist ist er mit dem Münchner Rundfunkorchester und der Württembergischen Philharmonie Reutlingen aufgetreten. Seit November 2013 ist Bruno Delepelaire, der mehrere Preise als Solist sowie – gemeinsam mit seinem Streichquartett – als Kammermusiker gewann, Erster Solo-Cellist der Berliner Philharmoniker. Anfang Februar dieses Jahres brachte er gemeinsam mit philharmonischen Streicherkollegen und dem Bariton Christian Gerhaher Werke von Othmar Schoeck, Frank Michael Beyer und Gabriel Fauré zur Aufführung.

Jacques Zoon, in den Niederlanden geboren, studierte am Sweelinck-Konservatorium in Amsterdam bei Koos Verheul und Harrie Starreveld. Er setzte seine Ausbildung in Kanada am Banff Centre for the Arts mit Meisterkursen bei Geoffrey Gilbert und András Adorján fort. 1988 wurde Jacques Zoon Solo-Flötist des Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam, nachdem er den Concours Jean-Pierre Rampal in Paris und den Internationalen Wettbewerb in Scheveningen gewonnen hatte. Bis 1997 spielte er auch als Erster Flötist im Chamber Orchestra of Europe unter der Leitung von Claudio Abbado. Von 1997 bis 2001 war er Solo-Flötist des Boston Symphony Orchestra – 1998 kürte ihn der Boston Globe zum »Musiker des Jahres«. Jacques Zoon ist seit 2001 freischaffend tätig und konzertiert weltweit als Solist. Überdies gehört er als Solo-Flötist dem Lucerne Festival Orchestra an. Nach Lehrtätigkeiten in Rotterdam, den USA, Berlin und Genf übernahm er 2008 eine Professur für Flöte an der Escuela Superior de Música Reina Sofia in Madrid. Im Februar 1993 trat Jacques Zoon erstmals in einem Kammerkonzert der Berliner Philharmoniker auf; Mitte Januar 2012 war er ebenfalls bei einem Konzert in der Philharmonie zu erleben, das die Berliner Barock Solisten gemeinsam mit der Akademie für Alte Musik Berlin zum 300. Geburtstag des Preußenkönigs Friedrich II. gestalteten. Solo-Partien in Werken von Johann Sebastian und Carl Philipp Emanuel Bach spielte Jacques Zoon als Gast der Berliner Barock Solisten Anfang März dieses Jahres im Kammermusiksaal.

Berliner Barock Solisten
»Originalklang« – Barocke Klangwelten

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