Berliner Philharmoniker

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Kammermusik

Artist in Residence: Christian Tetzlaff und Streicher der Berliner Philharmoniker

Der Geiger Christian Tetzlaff, Artist in Residence 2014/2015, startet zusammen mit den philharmonischen Streichern Thomas Timm, Máté Sz?cs, Naoko Shimizu und Bruno Delepelaire in die neue Konzertsaison. Auf dem Programm ihres Kammermusikabends: Streichquintette von Felix Mendelssohn Bartholdy und Johannes Brahms sowie von der ungarischen Folklore inspirierte Duos für zwei Violinen von Béla Bartók.

Christian Tetzlaff Violine

Thomas Timm Violine

Máté Szűcs Viola

Naoko Shimizu Viola

Bruno Delepelaire Violoncello

Felix Mendelssohn Bartholdy

Streichquintett Nr. 2 B-Dur op. 87

Béla Bartók

Duos für zwei Violinen Sz 98 (Auswahl)

Johannes Brahms

Streichquintett Nr. 2 G-Dur op. 111

Termine und Tickets Einführung eine Stunde vor Konzertbeginn

Mi, 26. Nov. 2014 20 Uhr

Kammermusiksaal

15 bis 35 €

Programm

Schwungvoll-feurig beginnt der Kopfsatz von Felix Mendelssohn Bartholdys Zweitem Streichquintett: mit einem impulsiven Violinsolo, das dem ersten Geiger über dem Tremolo der übrigen Instrumente Gelegenheit bietet, sein virtuoses Können zu präsentieren. Überraschend ist dies nicht, denn das groß dimensionierte Werk von orchestralem Gestus entstand für den Leipziger Konzertmeister Ferdinand David, der von Mendelssohn ein Werk »in Stilo moltissimo concertissimo« angefordert hatte. In diesem Kammerkonzert mit dem Artist in Residence Christian Tetzlaff und vier Streichern der Berliner Philharmoniker folgt auf Mendelssohns Streichquintett Nr. 2 das G-Dur-Quintett op. 111 von Johannes Brahms, dessen Kopfsatz ebenfalls mit einem quasi orchestralen Tremolo-Klangteppich beginnt, wobei nun allerdings nicht die Violine, sondern das Violoncello im Vordergrund steht.

Brahms lässt hier die seinerzeit beliebte Polka mazur Frauenherz von Josef Strauß anklingen, anschließend »schwänzeln aus allen Ecken und Winkeln des Allegros Walzermotive und -fragmente wie Eidechslein mit neugierigen Blicken hervor, und schlüpfen, sobald man sie fassen will, graziös wieder in ihr Versteck zurück« (Max Kalbeck). Prater-Seligkeit verbreitet u. a. die erste Violine – mit einer Musik, die an Johann Strauß’ Walzer Wein, Weib und Gesang denken lässt –, während das Finale mit Csárdás-Klängen einem typisch »ungarischem« Klangkolorit verpflichtet ist. Abgerundet wird der Abend mit einigen Stücken aus Béla Bartóks 44 Duos für zwei Violinen, in die der ungarische Komponist die Ergebnisse seiner musikalischen Folklore-Forschung einfließen ließ.

Über die Musik

Diskurs der Streichinstrumente

Kammermusik von Felix Mendelssohn Bartholdy, Béla Bartók und Johannes Brahms

Am 9. November 1829 teilt Goethe seinem langjährigen Brieffreund Karl Friedrich Zelter seine Beobachtung über das Streichquartettspiel mit: »Man hört vier vernünftige Leute sich untereinander unterhalten, glaubt ihren Discursen etwas abzugewinnen und die Eigenthümlichkeiten der Instrumente kennen zu lernen.« Doch kann der Gesprächstopos auch dem Streichquintett zugeordnet werden? Johann Friedrich Reichardt zum Beispiel hegt bereits 1773 große Zweifel: »Ich habe versucht, die Idee auch auf ein Quintett anzuwenden. […] Die fünfte Person ist hier ebenso wenig zur Mannigfaltigkeit des Gesprächs nothwendig, als zur Vollstimmigkeit der Harmonie; und in jenem verwirrt sie nur und bringt Undeutlichkeit ins Stück.« 65 Jahre später allerdings beurteilt Robert Schumann in der von ihm gegründeten Neuen Zeitschrift für Musik die Situation völlig anders: »Man sollte kaum glauben, wie die einzige hinzukommende Bratsche die Wirkung der Saiteninstrumente, wie sie sich im Quartett äußert, auf einmal verändert, wie der Charakter des Quintetts ein ganz anderer ist, als der des Quartetts. Die Mitteltinten haben mehr Kraft und Leben; die einzelnen Stimmen wirken mehr als Massen zusammen; hat man im Quintett [recte: Quartett] vier einzelne Menschen gehört, so glaubt man jetzt eine Versammlung vor sich zu haben. Hier kann sich nun ein tüchtiger Harmoniker […] nach Herzenslust ergehen und zeigen was er kann.«

Im Unterschied zum Streichquintett war und ist die Besetzung des Non-plus-ultra der Kammermusik, des Streichquartetts, konstant: zwei Violinen, eine Viola, ein Violoncello. Die Instrumente, die sich hingegen zu einem Streichquintett zusammenfinden, variieren. Keineswegs werden immer – wie im heutigen Konzert mit Mendelssohn und Brahms – zwei Bratschen zu den beiden Violinen und dem Violoncello verlangt; es existieren auch Besetzungen mit zwei Violoncelli oder Violoncello und Kontrabass usw. Eine Vielfalt, die durchaus auch vorteilhaft ist. Sie eröffnet eine Fülle an unterschiedlichen klanglichen und satztechnischen Möglichkeiten. Zwei »Gründungsakte« identifizierte der Musikwissenschaftler Ludwig Finscher für die »Geburt« des Streichquintetts: zum einen durch Luigi Boccherini und Gaetano Brunetti 1771 in Madrid und zum anderen durch Mozart 1787 in Wien. Seither hatten sich »sehr unterschiedliche Traditionen mit ausgeprägtem Gattungs-Charakter entwickelt. […] Beide Traditionsströme sind […] im 19. Jahrhundert zusammengeflossen« – zu einem Zeitpunkt, an dem Mendelssohn begann, sich für die Gattung zu interessieren.

Felix Mendelssohn Bartholdy: Streichquintett Nr. 2 B-Dur op. 87

1826 komponiert er sein erstes Streichquintett A-Dur op. 18, das er sechs Jahre später noch einmal überarbeitet; 1845 entsteht das zweite in B-Dur. Beide Werke haben bei den nachfolgenden Komponisten Spuren hinterlassen, nicht zuletzt auch bei Johannes Brahms. Seit frühester Jugend hat sich Mendelssohn mit kammermusikalischen Kompositionen auseinandergesetzt. Bestens ausgebildet, beherrscht er schon bald die vertracktesten Techniken. Zudem ist er ein genialer Pianist und meisterhafter Geiger bzw. Bratscher. Kein Wunder, dass das Dirigieren – erst eigener, dann fremder Werke – fast wie selbstverständlich dazukommt. Von 1833 bis 1835 ist er Städtischer Musikdirektor in Düsseldorf, danach Kapellmeister am Gewandhaus zu Leipzig. Von seinen Orchestermitgliedern verlangt Mendelssohn höchste Leistung, doch er setzt sich auch – und erfolgreich – für ihre soziale Absicherung ein. Regelmäßig leitet er die Konzerte und kümmert sich um die Wiederaufführung vergessener Werke, so am 21. März 1839 um die überhaupt erste Aufführung von Franz Schuberts »Großer« C-Dur-Sinfonie D 944. Deren Urschrift hatte Schumann Anfang desselben Jahres in Wien bei Schuberts Bruder entdeckt. 1843 ruft Mendelssohn dann in Leipzig das Konservatorium ins Leben. Außerdem ist er immer wieder als Generalmusikdirektor Friedrich Wilhelms IV. in Berlin tätig. Nicht zuletzt reist er mehrfach in diesen Jahren nach England und feiert in London mit seinen eigenen Werken triumphale Erfolge. Zwischen all diesen Aufgaben gründet er 1837 eine Familie, bewältigt zwei Umzüge und wird bis 1845 Vater von fünf Kindern.

Unvorstellbar, dass ein einziger Mensch das alles, zumal in diesem begrenzten Zeitraum leisten konnte – und dabei auch noch komponierte. Doch im Sommer 1845, das fünfte Kind Lili ist gerade geboren, setzt Mendelssohn endlich eine Zäsur. Er zieht sich in den Kurort Bad Soden am Taunus zurück. Hier, in der Natur, kann er daran denken, seinem Freund, dem Gewandhaus-Konzertmeister Ferdinand David, den Wunsch nach einem Werk im »Stilo moltissimo concertissimo« zu erfüllen: mit dem B-Dur-Streichquintett. Wie David es sich gewünscht hatte, bekommt die erste Geige gleich zu Beginn einen glanzvollen Auftritt: Über einem kraftvollen Tremolo der vier anderen Streicher schwingt sie sich jubelnd in die Höhe. Der strahlende und sehr virtuose Ton wird beibehalten, nun aber auch von allen am thematischen Geschehen beteiligten Stimmen mit orchestralem Gestus übernommen. Auf das schnell dahinhuschende Scherzando folgt ein dynamisch differenziertes und rhythmisch akzentuiertes tiefgründiges Adagio. Ob es am Finale lag, dass Mendelssohn das Werk zu Lebzeiten nicht veröffentlichen wollte? Der Freund Ignaz Moscheles vertraut 1846 seinem Tagebuch an, »… Mendelssohn behauptet, das letzte Stück [gemeint ist der letzte Satz] sei nicht gut.« War es die Terzenseligkeit, die Mendelssohn missfiel? Dabei findet er auch für diesen Satz absolut überzeugende Lösungen, mit prägnanten Themen, durch die glänzende Virtuosität der ersten Geige, durch den symphonischen Klang, den das Zusammenspiel aller fünf Instrumente herbeizaubert.

Béla Bartók: 44 Duos für zwei Violinen

»Meine eigentliche Idee aber, deren ich mir – seitdem ich mich als Komponist gefunden habe – vollkommen bewusst bin, ist – die Verbrüderung der Völker, eine Verbrüderung trotz allem Krieg und Hader. Dieser Idee versuche ich – soweit es meine Kräfte gestatten – in meiner Musik zu dienen. Deshalb entziehe ich mich keinem Einflusse, mag er auch slowakischer, rumänischer, arabischer oder sonst irgendeiner Quelle entstammen. Nur muss die Quelle rein, frisch und gesund sein!«, schreibt Béla Bartók am 10. Januar 1931 an den rumänischen Ethnologen Octavian Beu. Zu diesem Zeitpunkt hat er die auf Anregung des Freiburger Violinpädagogen Erich Doflein komponierten 44 Duos für zwei Violinen bereits abgeschlossen. In der Wiener Universal Edition 1933 vollständig veröffentlicht, gehören zu den Duos ungarische, walachische, slowakische, ruthenische, rumänische, serbische, arabische und siebenbürgische Melodien, Lieder, Tänze, Märsche und anderes. Als acht Nummern aus diesem Zyklus am 20. Januar 1932 in dem ersten Konzert des Neuen Ungarischen Musikvereins in Budapest aufgeführt werden, schreibt Bartók dazu eine Erläuterung: »[…] die Schüler sollen in den ersten Jahren ihres Studiums Vortragswerke kennenlernen, welche die ungekünstelte Einfachheit der Volksmusik mit deren melodischen und rhythmischen Eigenheiten vereinen.« Offenbar hat er aber auch mit einer Aufführung der 44 Miniaturen im Konzertsaal gerechnet. Denn im kurzen Vorwort zur Gesamtedition heißt es, er habe versucht, die Stücke nach Schwierigkeitsgraden zu ordnen. »[…] beim Konzertvortrag möge man sich indessen nicht an diese Reihenfolge halten, sondern eine Auswahl der Stücke in einer Gruppe oder in mehreren Gruppen attacca vortragen.«

Mit den Vier Ungarischen Volksliedern Sz 29 hatte sich Bartok 1904 zum ersten Mal der Volksmusik zugewendet. Fortan ließ ihn die heimatliche Folklore und bald schon die der angrenzenden Staaten wie auch entlegenerer Regionen nicht mehr los. Systematisch sammelt er die – wie er sie nennt – »Bauernmusik«, häufig gemeinsam mit dem Freund und Komponisten Zoltán Kodály. Mit diesem gibt er Ende 1906 auch seine ersten Volksmusikbearbeitungen heraus, die 20 Ungarischen Volksliederfür Singstimme und Klavier Sz 33. Wenige Monate zuvor hatte Bartók mit einem Tonaufzeichnungsgerät ausgerüstet seine erste Forschungsreise unternommen; zahlreiche weitere sollten folgen. In deren Verlauf entdeckt er mehrere 1000 bis dahin unbekannte Melodien und zeichnet sie auf. Er ist hingerissen von ihrer Schönheit, ihren zum Teil auf Grundlage der Pentatonik, jener altüberlieferten fünfstufigen Reihe, entwickelten Tonfolgen; die ungewohnt freien Rhythmen, die kirchentonalen Wendungen und die reichen Verzierungen begeistern ihn. In der Volksmusik sieht Bartók die Wurzeln seiner eigenen Kreativität. So sind dann auch die 44 Duos keine einfachen Übertragungen der jeweiligen Lieder, Tänze und anderer Formen, sondern Bartók webt in sie sind Charakteristika der Neuen Musik ein. Da gibt es scharfe Dissonanzen, Doppelgriffe, die sich reiben, Ostinati, über denen in genialer Weise die Melodie in unregelmäßigen Rhythmen geführt wird. Und doch ist der unverwechselbare Charakter dieses Kosmos an einzigartiger Volksmusik erhalten geblieben.

Johannes Brahms: Streichquintett Nr. 2 G-Dur op. 111

57 Jahre alt ist Johannes Brahms, als er 1890 sein Zweites Streichquintett schreibt. Eigentlich handelt es sich um die dritte Komposition für die Besetzung mit zwei Violinen, zwei Violen und Violoncello, denn das f-Moll-Klavierquintett entstand zwischen 1862 bis 1864 zunächst als Streichquintett, wurde dann zur Sonate für zwei Klaviere und letztendlich, auf Bitten von Clara Schumann, zum berühmten Klavierquintett op. 34. 20 Jahre später, 1882, verfasst Brahms dann ein Streichquintett in F-Dur, nunmehr die Nummer 1. Nach weiteren zwei Jahren komponiert er 1884/1885 seine vierte und letzte Symphonie e-Moll op. 98. Seither war, außer dem Doppelkonzert für Violine und Violoncello a-Moll op. 102 (1887), kein Orchesterwerk mehr entstanden. Dafür aber Lieder, kleine Chorkompositionen und Kammermusik, darunter eben jenes G-Dur-Streichquintett, die Nummer 2 im brahmsschen Gattungskatalog. Zu dieser Zeit steht er auf der Höhe seines Ruhms. Längst ist er in der Wahlheimat Wien als herausragender Komponist anerkannt. Und seine Geburtsstadt, die Freie und Hansestadt Hamburg, ernennt Brahms 1889 zum Ehrenbürger, wenig später wird ihm in Wien das »Ritterkreuz des österreicherischen-kaiserlichen Leopold-Ordens« verliehen.

Inzwischen hatten den Zeitgenossen klar erkannt, dass »Brahms, der Klassizist, der Akademische, ein großer Neuerer, ja, tatsächlich ein großer Fortschrittler im Bereich der musikalischen Sprache war«, wie Arnold Schönberg 1947 in dem berühmten Aufsatz Brahms, der Fortschrittliche konstatierte. Noch 1860 hatte sich Brahms in scharfem Ton von den Vertretern der sogenannten Neudeutschen Schule und damit von der Musik eines Franz Liszt, Richard Wagner oder Hector Berlioz distanziert – übrigens das erste und einzige Mal, dass er an einer solchen kulturpolitischen Aktion teilnahm. Längst hatten sich die Wogen geglättet, war ihm ein Platz auf dem Olymp der Tonsetzer zugewiesen worden!

Natürlich ist Brahms ein Traditionalist, aber eben auch ein »Fortsetzer der klassischen Tradition« (Georg Knepler), einer, der seine Innovationen auf deren Basis entwickelt und nicht gegen sie. Bereits Anfang der 1860er-Jahre hatte der gefürchtete Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick dem Komponisten »eine selbstständige, eigenthümliche Individualität« attestiert. Diese zeigt sich darin, dass Brahms sich einerseits der überkommenen Formen bedient, wie eben der des Streichquintetts und dessen viersätziger Anlage. Und auch darin, dass der Eröffnungssatz ein Sonatensatz mit zwei Themen ist, die in einer »ordentlichen« Durchführung verarbeitet werden, dass es ein »sanftes Adagio« (wie Brahms in einem Brief an Clara Schumann im Juli 1891 schreibt) mit schwärmerischer Melodik gibt, dem leichtfüßig ein Allegretto mit einem Trio im Ländlerton folgt und ein heiter-unbeschwertes Vivace das Quintett beschließt. Neu ist andererseits, dass zwischen allen vier Sätzen eine Substanzgemeinschaft besteht, die Themen durch Brahms’ Methode der »entwickelnden Variation« ein einheitliches Ganzes garantieren. Großartig, wie er – um mit Schumann zu sprechen – den »Mitteltinten mehr Kraft und Leben« verleiht und dadurch das Werk einen orchestralen Klang erhält. Als das G-Dur-Werk op. 111 am 11. November 1890 durch das Rosé-Quartett und einen namentlich nicht bekannten zweiten Bratschisten im Wiener Bösendorfer Saal uraufgeführt wurde, konnten die Zuhörer bestätigen, dass die zum Streichquartett hinzugekommene zweite Bratschenstimme sehr wohl »zur Mannigfaltigkeit des Gesprächs« beiträgt und der Charakter des Quintetts keineswegs mit dem Charakter des Streichquartetts zu vergleichen war, wie Schumann bereits 1838 festgestellt hatte. Der »Discurs« zwischen den »vier vernünftige(n) Leute(n)« hatte sich unter den Teilnehmern der Fünfer-Versammlung zu einer ganz anders gearteten, doch ebenso spannenden »Unterhaltung« entwickelt.

Ingeborg Allihn

Biographie

Der gebürtige Hamburger Christian Tetzlaff studierte an der Musikhochschule Lübeck bei Uwe-Martin Haiberg und in Cincinnati bei Walter Levin. Als einer der führenden Violinvirtuosen seiner Generation ist er ein begehrter Gast auf den Konzertpodien der internationalen Musikmetropolen und Festivalorte – sei es als Solist weltweit renommierter Orchester, mit Violin-Rezitals oder als Kammermusiker und Primarius seines eigenen Streichquartetts. Herausragende Interpretationen der bachschen Solosonaten und -partiten wie auch der Violinkonzerte von Beethoven, Brahms, Tschaikowsky, Berg, Schönberg, Schostakowitsch, Ligeti und Widmann sind beispielhaft für Universalität und Facettenreichtum seines Repertoires und künstlerischen Könnens. Als Artist in Residence der Berliner Philharmoniker wird Christian Tetzlaff in der laufenden Spielzeit in Kammerkonzerten, mit einem reinen Soloprogramm sowie als Solist in Brahms’ Violinkonzert in Philharmonie und Kammermusiksaal zu erleben sein; weiterhin steht ein Abend mit der philharmonischen Orchester-Akademie an, bei dem der Geiger von der Violine aus auch die musikalische Leitung übernehmen wird. In Konzerten des Orchesters war Christian Tetzlaff seit seinem Debüt im Jahr 1995 mehrfach zu hören, zuletzt im Juni 2013 in der Waldbühne, wo u. a. Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll op. 64 auf dem Programm stand. Der Künstler spielt eine Geige des in Bonn ansässigen Geigenbauers Stefan-Peter Greiner und unterrichtet regelmäßig an der Kronberg Akademie.

Thomas Timm begann seine Ausbildung im Fach Violine bei Klaus Hertel in Leipzig; später studierte er in Lübeck bei Zakhar Bron und in Bern bei Igor Ozim. Er war mehrfach Preisträger und Stipendiat renommierter Wettbewerbe und Stiftungen im In- und Ausland. Seit dem 1. September 2000 ist er 1. Stimmführer der Gruppe der Zweiten Violinen bei den Berliner Philharmonikern. Als Solist konzertierte er mit dem MDR Sinfonieorchester und dem Gewandhausorchester Leipzig sowie dem Berner Symphonieorchester. Konzertreisen führten den Geiger durch viele Länder Europas, nach Japan, China und in die USA. Zu seinen Kammermusikpartnern zählen Nelson Freire und Lars Vogt. Thomas Timm ist Primarius des 2001 von ihm gegründeten TimmQuartetts, zudem ist er Mitglied diverser philharmonischer Kammerensembles (Philharmonische Geigen Berlin, Philharmonisches Streichquintett, Philharmonische Stradivari-Solisten Berlin). Seit 2003 unterrichtet er an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker.

Naoko Shimizu wurde in Osaka geboren. In Tokio studierte sie zunächst Violine, bevor sie sich 1992 für den Wechsel zur Bratsche entschied. 1994 kam sie nach Deutschland und setzte ihre Ausbildung bei Nobuko Imai an der Musikhochschule Detmold fort. Sie wurde u. a. beim Internationalen Wettbewerb in Genf (1996), beim ARD-Wettbewerb in München (1997) und bei den Young Concert Artist International Auditions in den USA (1998) ausgezeichnet. Seit 2001 ist Naoko Shimizu Solo-Bratscherin der Berliner Philharmoniker. Als Solistin ist sie mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dem Orchestre de la Suisse Romande, den Budapest Strings sowie mit zahlreichen japanischen Orchestern aufgetreten. Die leidenschaftliche Kammermusikerin, die sich in der Philharmonischen Camerata engagiert, gastierte bei bedeutenden Festivals (Kammermusikfest Lockenhaus/Österreich, Marlboro Music Festival/USA u. a.). Neben ihrer Konzerttätigkeit gibt Naoko Shimizu Meisterkurse im In- und Ausland.

Máté Szücs, in Ungarn geboren, absolvierte zunächst ein Violinstudium bei Ferenc Szecsödi am Konservatorium in Szeged. 1996 wechselte er zur Bratsche und wurde Schüler von Ervin Schiffer, der ihn am Königlichen Konservatorium in Brüssel und an der Chapelle Musicale Reine Elisabeth in Waterloo unterrichtete. Von 2000 bis 2005 folgte ein Studium bei Leo de Neve am Königlichen Konservatorium Antwerpen, das der Musiker mit Auszeichnung abschloss. 2003 begann Máté Szücs seine Laufbahn als Orchestermusiker und Solo-Bratscher. Sie führte ihn vom Flämischen Königlichen Philharmonischen Orchester in Antwerpen über die Bamberger Symphoniker, die Sächsische Staatskapelle Dresden und das hr-Sinfonieorchester zur Deutschen Kammerphilharmonie Bremen (Solo-Bratscher von 2008 bis 2012) sowie zu den Berliner Philharmonikern. Máté Szücs, der beim Internationalen Wettbewerb Jean Rogister in Liège mit dem Ersten Preis ausgezeichnet wurde und europaweit als Solist und Kammermusiker konzertiert, lehrt seit 2006 als Dozent beim Thy Chamber Music Festival in Dänemark.

Bruno Delepelaire wurde 1989 in Frankreich geboren und begann im Alter von fünf Jahren mit dem Cellospiel. Er studierte am Pariser Conservatoire bei Philippe Muller. 2012 kam er nach Berlin, um seine Ausbildung bei Jens-Peter Maintz an der Universität der Künste sowie bei Ludwig Quandt an Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker fortzusetzen. Zudem besuchte der Musiker Meisterklassen bei Wolfgang-Emanuel Schmidt, François Salque, Wen-Sinn Yang und Wolfgang Boettcher. Orchestererfahrung sammelte Bruno Delepelaire u. a. beim Verbier Festival Orchestra sowie beim Gustav Mahler Jugendorchester. Als Solist ist er mit dem Münchner Rundfunkorchester und der Württembergischen Philharmonie Reutlingen aufgetreten. Seit November 2013 ist Bruno Delepelaire, der mehrere Preise als Solist sowie – gemeinsam mit seinem Streichquartett – als Kammermusiker gewann, Erster Solo-Cellist der Berliner Philharmoniker. Zudem engagiert sich der Musiker im philharmonischen Berlin Piano Quartet.

Christian Tetzlaff

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