Berliner Philharmoniker

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Berliner Philharmoniker

Simon Rattle dirigiert Beethovens Neunte

Bohuslav Martin? bezeichnete sein Viertes Klavierkonzert als »den Ausdruck eines rastlosen Suchens nach der Wahrheit und der Bedeutung des Lebens«. Ludwig van Beethoven hingegen gibt in seiner Neunten Symphonie mit ihrem berühmten Finale eine eindeutige Antwort auf diese zuvor exponierten Konflikte. Was beide Werke verbindet? Sie sind – jedes auf seine Weise – eine grandiose Huldigung an die Macht der Musik.

Berliner Philharmoniker

Sir Simon Rattle Dirigent

Ivo Kahánek Klavier

Sally Matthews Sopran

Bernarda Fink Alt

Christian Elsner Tenor

Hanno Müller-Brachmann Bariton

Rundfunkchor Berlin

Simon Halsey Einstudierung

Bohuslav Martinů

Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 »Incantation«

Ivo Kahánek Klavier

Ludwig van Beethoven

Symphonie Nr. 9 d-Moll op. 125

Sally Matthews Sopran, Bernarda Fink Alt, Christian Elsner Tenor, Hanno Müller-Brachmann Bariton, Rundfunkchor Berlin , Simon Halsey Einstudierung

Termine und Tickets Einführung eine Stunde vor Konzertbeginn

Sa, 08. Nov. 2014 19 Uhr

Philharmonie

Sonderkonzert

33 bis 94 €

Programm

Bohuslav Martinů bezeichnete sein Viertes Klavierkonzert Incantation von 1956 – sein bedeutendstes Konzert und eines seiner bedeutendsten Werke überhaupt – als »den Ausdruck eines rastlosen Suchens nach der Wahrheit und der Bedeutung des Lebens, und zugleich als eine Huldigung an die Musik«. Obgleich der prachtvoll schillernde Orchesterpart bisweilen impressionistischen Charme versprüht, ist die Grundstimmung der Musik doch eher düster und drohend; dabei finden Solist und Tutti zu einem hochdramatischen Dialog von geradezu lisztscher Dämonie. Mit der herkömmlichen Konzertform hat die hochemotionale Komposition nichts mehr zu tun. Stattdessen entfaltet sich der musikalische Verlauf in freier Zweisätzigkeit, jenseits von Symmetrie und Wiederholung, als Ergebnis einer faszinierenden Motivmetamorphose.

Kein Wunder, dass der junge tschechische Pianist Ivo Kahánek für sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern gerade dieses selten zu hörende Werk ausgewählt hat, das Sir Simon Rattle mit Beethovens Neunter Symphonie kombinieren wird. Deren berühmtes Finale gibt eine eindeutige Antwort auf die zuvor exponierten Konflikte, zunächst rein instrumental, dann mit sprachlicher Eindeutigkeit. Dabei durchläuft das »Freude«-Thema in dynamischer und klanglicher Prachtentfaltung eine beispiellose Steigerung, die nach dem retardierend eingeschobenen Alla-marcia-Teil das Werk zu seinem triumphalen Abschluss führt. Mit Bernarda Fink, Sally Matthews, Christian Elsner und Hanno Müller-Brachmann singt ein international renommiertes Solistenensemble, das vom Rundfunkchor Berlin unterstützt wird.

Über die Musik

Das Titanische war ihm eigentlich zu teutonisch

Aber die Katastrophen des 20. Jahrhunderts bekehrten Bohuslav Martinů zu Beethoven

Ludwig van Beethoven: Symphonie Nr. 9 d-Moll op. 125

Über Beethovens Neunte ist alles gesagt. Aber haben wir auch alles gehört, alles behalten? Glücklicherweise nicht. Das Werk ist so komplex wie seine Rezeptionsgeschichte. Nicht einmal Goethes Faust verleitete zu derart vielen und einander widersprechenden Deutungen, obwohl dieser doch aus 12.000 Zeilen Text besteht, die Neunte hingegen nur aus 49. Aber eben auch aus 2.203 schwerwiegenden Takten Musik. Und Musik solcher Größenordnung besitzt nun einmal den Nachteil, dass sich nicht nur Sachkundige, also Musiker und Forscher, sondern auch Literaten und Journalisten ebenso wie Politiker und Ideologen auf sie stürzen, um dann der Welt zu erklären, was es mit diesem Ausnahmewerk auf sich hat, was Beethoven meinte, was es für uns heute, morgen und in Zukunft bedeutet.

Zu Beethovens Neunter fiel in den letzten 190 Jahren Deutschen und Österreichern besonders viel ein; Hohenzollern (die versehentlich den Widmungsträger Friedrich Wilhelm III. stellten) und Habsburgern (die nicht einmal auf den Druck subskribierten) geriet sie zur Staatsaffäre, progressive Wagnerianer und konservative Brahmsianer sahen in Beethoven ihren Gott. Aber auch andere Völker zogen für ihn in den Krieg. Französische Weltbürger bekämpften 1914 deutsche Nationalisten in seinem Namen, Katholiken und Kommunisten beriefen sich auf seine Ideen, die Neunte erklang zu Hitlers Geburtstag und in den Konzentrationslagern, die Europäische Union machte die Melodie des Chor-Finales zu ihrer Hymne, aber auch das rassistische Regime in Rhodesien. Das Erschütternde daran: Fast alle handelten im guten Glauben, aus purem Enthusiasmus für dieses unvergleichliche Werk, das zu enträtseln noch niemandem gelungen ist. Unbeschadet scheint es jede ideologische und kommerzielle Ausbeutung und selbst die idiotischsten Darbietungen zu überstehen. Sobald die fahlen, leeren Quinten mit dem dämonisch niederstürzenden Motiv der Geigen darüber erklingen, verlieren alle weltanschaulichen Scharmützel ihre Relevanz; das Klügste und das Dümmste, das je über die Neunte gesagt wurde, wird immer aufs Neue von der Neunten selbst negiert, der Lächerlichkeit preisgegeben. Sie duldet keine Metaphysik und keine Trivialität neben sich. So lehrt uns ausgerechnet das am gründlichsten missbrauchte Kunstwerk der Neuzeit die Autonomie der Kunst. Die Neunte ist die Neunte – et tout le reste est littérature …

Hätte Beethoven seine Botschaft – wie sie auch immer lauten sollte – in keine derart zwingende Form pressen können, wir würden über die Freuden-Ode nicht mehr viel Worte machen. Schillers Text überlebte im Grunde nur dank der Musik. Wie vor allem in der Dritten und Fünften gelingt es Beethoven auch in seiner letzten, 1824 uraufgeführten Symphonie, einen immensen symphonischen Bogen zu schlagen. Die Großform erlaubt dem Hörer, das Werk als ein sinnvoll gestaltetes Ganzes zu erleben, ob nun die einzelnen Motivbezüge untereinander und die Zusammenhänge zwischen den vier Sätzen erkannt werden oder nicht. Vielleicht ist es sogar besser, sie nicht zu kennen und sich, anstatt ein Elaborat zu analysieren, spontan dem Werden zu überlassen, einer urplötzlich aus dem Nichts hervorgehenden Schöpfung. Die Geschichte hat gezeigt, dass die Vertrautheit mit dem Notentext und der Dichtung nicht unbedingt das Verständnis des Werks fördern – wenn Beethovens Chor-Symphonie zum Gegenstand einer besonders widersinnigen Hermeneutik wurde, so geschah das gewöhnlich in Deutschland. In anderen Ländern, wo kein oder weniger Deutsch verstanden wird, fabrizierte man nicht einen solchen Wust von Willensmetaphysik und politischer Theologie. Dennoch wird die Neunte Symphonie auch dort geliebt. Und nicht weniger als in Deutschland und Österreich.

Dass sich allerdings in der Rezeption markante Unterschied zeigen, ist unvermeidlich. Beethovens Neunte Symphonie, obwohl für viele Menschen ein supranationales Symbol, konnte nicht in allen Winkeln der Welt die gleiche Aufnahme finden. Bedeutungslos freilich blieb sie nirgends.

Beethoven in Prag

Beethoven hegte, wie vor ihm schon Mozart, eine gewisse Vorliebe für Prag. Er hatte die Stadt in jüngeren Jahren zweimal besucht, eine Gedenktafel am Haus Lázeňská Nr. 11 erinnert an seinen Aufenthalt 1796. Die engen Verbindungen zwischen Wien und Prag, die vielen böhmischen Adligen, mit denen er verkehrte, und nicht zuletzt seine Kuraufenthalte in Teplitz und Karlsbad stifteten eine besondere emotionale Nähe, die zeitweilig durchaus auf Gegenseitigkeit beruhte. Beethovens frühe Werke wurden in Böhmen oft gespielt, doch schon der Fidelio, den Prags Operndirektor Carl Maria von Weber 1814 zu Gehör brachte, stieß auf Unverständnis und kühle Ablehnung. Immerhin fand 1827 in der St.-Nikolaus-Kirche zu Beethovens Gedächtnis noch ein Trauergottesdienst statt.

Richtig traurig wurde es erst danach. Die Prager verloren mehr und mehr das Interesse an Beethovens Musik, vor allem seine nach der Eroica geschaffenen Werke waren ihnen, verglichen mit denen Mozarts, zu schwer. Den Ton gab Václav Tomášek an, »der Dalai Lama oder Musikpapst von Prag«, wie ihn sein Schüler Eduard Hanslick nannte. Als Komponist drittklassig, als machtbewusster Organisator und Lehrer herausragend, beherrschte Tomášek zusammen mit dem Direktor des Konservatoriums das Musikleben an der Moldau. Die Tatsache, dass kaum noch neue Musik erklang, führte dazu, dass auch keine mehr komponiert wurde; Pavel Mašek, der 1813 Die Schlacht bei Leipzig geschrieben hatte, eine Symphonie mit Chor-Finale (!), war schon 1792 nach Wien gezogen. Auch die bedeutenderen tschechischen Zeitgenossen Beethovens – Leopold Koželuh, Franz Krommer, Jan Václav Vořišek und Jan Václav Kalivoda – hatten Prag längst den Rücken gekehrt. Dort blieben die Mozartianer unter sich, es herrschte biedermeierliche Provinzialität. Diese Verhältnisse änderten sich erst, als Johann Friedrich Kittl 1843 die Leitung des Konservatoriums übernahm. 1858 wurde zum 50-jährigen Bestehen dieses Konservatoriums Beethovens Neunte aufgeführt; es dirigierte der legendäre Louis Spohr. Das Ereignis hinterließ beim jungen Antonín Dvořák, der das erste Orchesterkonzert seines Lebens hörte, einen unauslöschlichen Eindruck. Beethoven war für ihn fortan ein Gott, und noch Jahrzehnte später hing über seinem Schreibtisch dessen Bildnis, »zu dem ich beim Komponieren sehr oft aufblicke, damit er dort oben für mich Fürsprache einlege«. Dvořák hat Beethoven häufig dirigiert, auch bei seinem letzten Auftritt im April 1900. Da war die Neunte längst ein unverzichtbarer Bestandteil des tschechischen Kulturlebens. Seit 1952 bildet sie alljährlich den feierlichen Abschluss des Festivals Prager Frühling.

Bohuslav Martinů

Trotz dieser offiziellen Stellung und trotz seiner immensen Bedeutung für die tschechische Symphonik von Krommer, Kalivoda, Dvořák und Fibich ist nicht zu bestreiten, dass Beethoven in Prag auch immer wieder auf Vorbehalte stieß. Das Titanische ist vielen Tschechen noch heute eine Spur zu teutonisch. So erging es auch dem jungen Bohuslav Martinů, der alles Bekenntnishafte gern hinter sich lassen und unbeschwert drauflos komponieren wollte. Zeitweilig Geiger in der Tschechischen Philharmonie, spielte Martinů unter Václav Talich auch Beethoven-Symphonien, aber Debussy, Ravel und Roussel sagten ihm mehr zu. Außerdem gefiel ihm Paris viel besser als Prag. 1923 gelang ihm, ausgestattet mit einem kleinen Staatsstipendium, der Sprung an die Seine. »Ich suchte dort weder Debussy noch Impressionismus noch musikalischen Ausdruck«, resümierte er Jahre später, »sondern die wahren Grundlagen der westlichen Kultur, die sich meiner Ansicht nach mit unserem eigenen nationalen Charakter weit besser vertragen als ein Irrgang von Vermutungen und Problemen« – womit er deutsches Pathos und deutsche Metaphysik meinte.

Ungefähr 15 Jahre lang hat Martinů »die Grundlagen der westlichen Kultur« ausgekostet. Er schrieb Streichquartette, Solo-Konzerte und humorvolle Opern, alles in einem leichtherzigen, gern auch leichtsinnigen Stil, vertonte Fußballspiele und ähnliches Menschengetümmel, berauschte sich am Jazz. Doch dann traten ihm zwei Mächte in den Weg, die keinen Spaß vertragen: die Liebe und der Krieg. Martinů sah sich gezwungen, sich von seiner Schülerin Vítěszlava Kaprálová zu trennen, weil er seine Frau Charlotte nicht verlassen mochte. Wenig später wurde das Ehepaar, auf der Flucht vor den Deutschen, von Paris und von Europa auseineinandergerissen. Nach einer monatelangen Odysse erreichten sie im März 1941 die Vereinigten Staaten. Martinů begann Symphonien zu schreiben. Beethoven wurde für ihn – böse Ironie des Schicksals – plötzlich zur dringlichen Angelegenheit.

Das Klavierkonzert Nr. 4 Incantation

Martinů benutzte und verteidigte in Aufsätzen das viersätzige Formmodell Beethovens, wich aber in zwei Fällen davon ab. Seine Dritte Symphonie von 1944, die sich erklärtermaßen am Beispiel der Eroica orientiert, besitzt nur drei Sätze, die 1953 vollendete, magische Sechste ist einsätzig. Sein symphonischer Zyklus gehört zu den epochalen, ohne Beethoven nicht denkbaren Orchesterwerken des 20. Jahrhunderts. Aber auch in den Solo-Konzerten schlug Martinů ab den späten 1930er-Jahren andere Töne an. Ins Repertoire gelangte nur das verzweifelt aufbegehrende, in den Tagen des Münchener Abkommens notierte Doppelkonzert für zwei Streichorchester, Klavier und Pauken. Mehrere seiner Beiträge zur Gattung Konzert – insgesamt über 30 an der Zahl – hätten den gleichen Ruhm verdient. Das Vierte Klavierkonzert entstand um den Jahreswechsel 1955/1956 in New York; schon der Titel Incantation (Beschwörung) verrät, dass wir es mit einem Bekenntniswerk zu tun haben, nur ließ der Autor offen, was hier beschworen wird. Seine Aussagen, bei dem Konzert handele es sich um eine »unheimliche Geschichte« und um »den Ausdruck eines rastlosen Suchens nach der Wahrheit und der Bedeutung des Lebens«, rücken es ausdrücklich in eine Nähe zur Sechsten Symphonie, an die es vom Klangeindruck her ohnehin gemahnt. Es hat sich nach und nach eine Interpretationslinie herausgebildet, die beide Werke als Protest gegen den Kalten Krieg und die atomare Bedrohung deutet. Ein konkretes Programm aber stand dem intuitiv arbeitenden Martinů sicher genauso wenig vor Augen wie einst Beethoven; er war kein ausgeprägt intellektueller Mensch, und darin liegt auch einer der größten Vorzüge seiner durchaus vielschichtigen Musik: Sie ist ohne Studium verständlich, ihre Schönheit, Dramatik und Originalität erschließen sich – wie bei Mozart und Beethoven – dem Hörer spontan.

Trotzdem mag es nicht ganz überflüssig sein, einige Besonderheiten des Vierten Klavierkonzerts hervorzuheben: Seine Grundstimmung ist von düsterer Eindringlichkeit, wobei der Komponist auf die Formulierung schwermütiger oder elegischer Zustände verzichtet. Die Faktur wirkt atemlos, beinahe hektisch, die einzelnen Orchestergruppen sind konfrontativ gesetzt, sie stehen insbesondere – abgesehen vom herrlichen Konzertieren zwischen Harfe und Klavier – in ständiger Opposition zum Solisten. Die Rhythmik ist verschachtelt, die Taktstriche bedeuten nicht mehr viel. Das Schlagwerk führt ständig Störmanöver durch, die den Ablauf stauen und unterbrechen, zugleich aber energisch vorantreiben. Das Klavier wird fast ausschließlich perkussiv behandelt, es »singt« nicht; die kurzen kantablen Stellen sind den Streichern und dem Blech überlassen. In den beiden gleich langen Sätzen herrscht eine Atmosphäre explosiver Hochspannung, ruhige Inseln erscheinen nur selten und erweisen sich schnell als Illusion.

Nach dem Klavierkonzert Nr. 4 senkte sich die schöpferische Erregungskurve Martinůs spürbar nach unten. Die bald darauf entstandenen Paraboly (Die Parabeln)und das Fünfte Klavierkonzert (1957 bzw. 1958) verraten bei nicht nachlassender Intensität doch eine entspanntere Gemütslage. Nachdem er sich als ein neuer Beethoven ausgetobt hatte, kehrte er zu seiner eigentlich Berufung zurück und wurde wieder der »Mozart des 20. Jahrhunderts«.

Volker Tarnow

Biographie

Sally Matthews ist Gewinnerin des renommierten Kathleen Ferrier Award 1999. Sie studierte Gesang an der Guildhall School of Music and Drama in London und gehörte von 2001 bis 2003 zum Vilar Young Artist Programme des Royal Opera House, Covent Garden, in dessen Rahmen sie 2001 ihr Debüt als Nannetta in Verdis Falstaff gab (Dirigent: Bernard Haitink); seitdem sang sie an jenem Haus Partien wie Pamina (Die Zauberflöte), Fiordiligi (Così fan tutte), Sifare (Mitridate) und Anne Truelove (The Rake’s Progress). Weitere Engagements führten Sally Matthews u. a. an die Wiener Staatsoper, an die Berliner Staatsoper Unter den Linden, an das Théâtre Royal de la Monnaie Brüssel und an die Nederlandse Opera Amsterdam. Das facettenreiche Repertoire der Sängerin schlägt einen Bogen von der Alten Musik über Werke von Haydn, Mozart, Schumann, Dvořák, Mahler, Strawinsky und Messiaen bis hin zum Schaffen zeitgenössischer Komponisten. So brachte Sally Matthews im Oktober 2004 in der Londoner Wigmore Hall mit dem Nash Ensemble die von Mark-Anthony Turnage für sie geschriebenen Two Baudelaire Songs zur Uraufführung und sang Ende Juni 2007 an der Bayerischen Staatsoper München bei der Weltpremiere von Unsuk Chins Alice in Wonderland die Titelpartie. Nach ihrem Debüt bei den Berliner Philharmonikern in den Konzerten zum Jahresende 2004 mit Orffs Carmina Burana war Sally Matthews zuletzt auch an der Open-Air-Aufführung dieses Werks Mitte Juni 2014 im Rahmen des Fests am Kulturforum beteiligt; Dirigent war Sir Simon Rattle.

Bernarda Fink wurde als Kind slowenischer Eltern in Buenos Aires geboren. Dort erhielt sie ihre musikalische Ausbildung am Instituto Superior de Arte des berühmten Teatro Colón, an dem sie auch regelmäßig auftrat. 1985 übersiedelte sie nach Europa. Mit einem Repertoire, das sich von Werken des Frühbarocks bis zu zeitgenössischen Kompositionen erstreckt, gastiert die Mezzosopranistin als Opern-, Konzert- und Liedinterpretin in den internationalen Musikzentren sowie im Rahmen bedeutender Festivals in Europa, Japan, Australien und den USA. Führende Symphonieorchester und viele Ensembles im Bereich der Alten Musik laden Bernarda Fink regelmäßig zur Mitwirkung ein; sie arbeitet mit Dirigenten wie Daniel Barenboim, Herbert Blomstedt, Sir John Eliot Gardiner, Nikolaus Harnoncourt, Mariss Jansons, Riccardo Muti, Sir Simon Rattle und Franz Welser-Möst. Ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern gab Bernarda Fink Mitte Januar 1995 im Kammermusiksaal in einer konzertanten Aufführung von Monteverdis Orfeo, die René Jacobs dirigierte. Seitdem sang sie wiederholt in Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker, zuletzt Anfang Oktober 2012 im Rahmen eines von Anthony Spiri begleiteten Liederabends, bei dem Werke von Dvořák, Mahler und Schumann auf dem Programm standen. Im Februar 2006 wurde Bernarda Fink vom österreichischen Bundeskanzler mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet; im Februar 2013 erhielt die Künstlerin mit dem Preis der Prešeren-Stiftung die höchste kulturelle Auszeichnung Sloweniens.

Christian Elsner, in Freiburg (Breisgau) geboren, studierte bei Martin Gründler, Dietrich Fischer-Dieskau und Neil Semer. Der Preisträger diverser internationaler Wettbewerbe gastiert als Konzert-, Lied- und Opernsänger bei renommierten Festivals sowie in allen wichtigen Opern- und Konzertsälen von Berlin, Wien, Mailand und London bis nach New York und Tokio. Christian Elsner arbeitete zuletzt mit Dirigenten wie Herbert Blomstedt, Manfred Honeck, Mariss Jansons, Lorin Maazel, Kent Nagano, Yannick Nézet-Séguin und Sir Simon Rattle zusammen. Nach seinem Debüt im Februar 2010 an der Semperoper Dresden als Siegmund (Die Walküre) hat sich der Sänger mit einer gefeierten Interpretation des Parsifal in einer konzertanten Aufführung der gleichnamigen Oper mit dem Rundfunk-Sinfonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Marek Janowski Anfang April 2011 in der Berliner Philharmonie als Wagnertenor etabliert. Mit seinem festen Duopartner Burkhard Kehring gab Christian Elsner Liederabende in Frankfurt, Hamburg, Bonn, Dresden, Würzburg, Brüssel, Ravinia und bei der Schubertiade Feldkirch. Bei den Berliner Philharmonikern trat er erstmals Mitte April 2004 in drei von Nikolaus Harnoncourt dirigierten Konzerten mit Franz Schuberts Messe Es-Dur D 950 auf. Zuletzt gastierte der Künstler im Mai 2012 als Siegmund in drei konzertanten Aufführung der Walküre bei dem Orchester (Dirigent: Sir Simon Rattle). Als Professor für Gesang unterrichtet Christian Elsner an der Hochschule für Musik in Würzburg.

Hanno Müller-Brachmann studierte in Freiburg und Mannheim; außerdem besuchte er in Berlin die Liedklasse von Dietrich Fischer-Dieskau. Nach Erfolgen bei internationalen Wettbewerben – er war u. a. Preisträger beim Bundeswettbewerb Gesang (1992 und 1994) und beim ARD-Wettbewerb in München (1996) – singt der Bassbariton heute auf Konzertpodien und Opernbühnen in Europa, Israel, Japan und den USA sowie im Rahmen renommierter Festivals. Von 1998 bis 2011 gehörte Hanno Müller-Brachmann zum Ensemble der Deutschen Staatsoper Berlin, wo er die großen Mozartrollen seines Fachs und Partien wie Orest (Elektra), Amfortas (Parsifal) oder Wotan (Das Rheingold) sang. Außerdem wirkte er dort z. B. in den Uraufführungen von Elliott Carters What next? (1999) und Pascal Dusapins Faustus – The Last Night (2006) mit. Hanno Müller-Brachmann hat mit Dirigenten wie Claudio Abbado, Riccardo Chailly, Sir John Eliot Gardiner, Nikolaus Harnoncourt, René Jacobs, Zubin Mehta, Andris Nelsons und Sir Simon Rattle zusammengearbeitet. Ein weiterer Schwerpunkt seiner künstlerischen Tätigkeit ist der Liedgesang in Zusammenarbeit mit Pianisten wie Graham Johnson, Malcolm Martineau und Eric Schneider. Sein Debüt bei den Berliner Philharmonikern gab Hanno Müller-Brachmann im Mai 1999 unter der Leitung von Daniel Barenboim in Mozarts Messe C-Dur KV 317. Zuletzt gastierte der Sänger Anfang Januar 2013 in den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker: Begleitet von András Schiff sang er u. a. Robert Schumanns Liederzyklus Dichterliebe. Nach Lehraufträgen an beiden Berliner Hochschulen ist Hanno Müller-Brachmann seit Herbst 2011 Professor für Gesang an der Hochschule für Musik in Karlsruhe.

Der Rundfunkchor Berlin ist ein gefragter Partner führender Orchester und Dirigenten in aller Welt; langjährige Kooperationen bestehen in Berlin mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, dem Deutschen Symphonie-Orchester und den Berliner Philharmonikern. In rund 50 Konzerten jährlich sowie mit Gastauftritten bei Festivals stellt der Chor sein breites Repertoire und reich nuanciertes Klangbild unter Beweis. Gemeinsam mit Künstlern unterschiedlicher Disziplinen erschließt der Chor jedes Jahr mit einer spartenübergreifenden Produktion neue Erlebnisweisen von Chormusik: So stieß z. B. die szenische Umsetzung des Deutschen Requiems von Johannes Brahms durch Jochen Sandig 2012 auf große Resonanz. 1925 in Berlin gegründet und von Dirigenten wie Helmut Koch, Dietrich Knothe und Robin Gritton geprägt, wird der Rundfunkchor Berlin seit 2001 von Simon Halsey geleitet. Eine rege Aufnahmetätigkeit und viele Auszeichnungen, darunter drei »Grammy Awards«, dokumentieren den großen Erfolg dieser Arbeit. Simon Halsey, der im Januar 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde, initiierte außerdem zahlreiche Aktivitäten des Chors im Bildungs- und Erziehungsbereich, so das jährliche Mitsingkonzert in der Philharmonie oder die Liederbörse für Kinder und Jugendliche. 2011 startete der Rundfunkchor Berlin das Projekt SING!, welches das Ziel verfolgt, in Berliner Grundschulen das Singen als selbstverständlichen Teil des Schulalltags zu etablieren. Mit den Berliner Philharmonikern war der Rundfunkchor Berlin zuletzt Mitte Juni 2014 im Rahmen einer Open-air-Aufführung von Carl Orffs Carmina Burana auf dem Kulturforum zu erleben; Dirigent war Sir Simon Rattle.

Der junge tschechische Pianist Ivo Kahánek studierte am Janáček-Konservatorium in Ostrava (Ostrau) bei Marta Toaderová sowie an der Akademie der musischen Künste in Prag in der Klasse von Ivan Klánský; zudem besuchte er Meisterkurse von Karl-Heinz Kämmerling, Christian Zacharias, Alicia de Larrocha, Imogen Cooper und Peter Frankl. Der Musiker, der über ein breites Repertoire von Werken des Barockzeitalters bis zur zeitgenössischen Musik verfügt, wurde bei bedeutenden Wettbewerben wie bei der Maria Canals Piano Competition in Barcelona, beim Internationalen Klavierwettbewerb der Stiftung Tomassoni in Köln sowie bei der Fryderyk Chopin International Piano Competition in Marienbad mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. 2004 ging er zudem aus dem Internationalen Musikwettbewerb »Prager Frühling« als Sieger hervor. Nach erfolgreichen Debüts beim Beethovenfest Bonn und beim Prager Frühling trat Ivo Kahánek im August 2007 auf Einladung des BBC Symphony Orchestra bei den Londoner Proms in der Royal Albert Hall auf. Er ist regelmäßig in den Konzerten der Tschechischen Philharmonie zu erleben und gastierte u. a. beim BBC Scottish Symphony Orchestra Glasgow, beim WDR Sinfonieorchester Köln sowie bei der Tschechischen Philharmonie in Brno (Brünn). Ivo Kahánek arbeitete mit Dirigenten wie Pinchas Steinberg, Vladimir Ashkenazy, Jiří Bělohlávek, Zdeněk Mácal und Jiří Kout zusammen. In den Konzerten der Berliner Philharmoniker gibt er nun sein Debüt.

Sir Simon Rattle

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