Berliner Philharmoniker

Zum Spielplan 2013/2014

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Solveig Slettahjell Gesang und Klavier

Bugge Wesseltoft Klavier

Mathias Eick Trompete und Electronics

Knut Reiersrud Gitarre und Gesang

In The Country:

Morten Qvenild Klavier und Electronics

Roger Arntzen Kontrabass

Pål Hausken Schlagzeug

Norwegian Woods

Termine

Di, 11. Mär. 2014 20 Uhr

Kammermusiksaal

Programm

»Es fasziniert mich, rhythmische Elemente zu schaffen und eine Klanglandschaft metrisch zu manipulieren«, sagt Bugge Wesseltoft. »Das ist für mich allemal interessanter und kreativer als das traditionelle Thema-Solo-Thema-Ding herunterzuspulen.« Frühzeitig hat der norwegische Jazzpianist damit begonnen, Elemente von Deep House, Ambient Music, Drum’n’Bass, Big Beat und Funk in sein Spiel zu integrieren.

Daran, dass er sich mit seinem Landsmann Morten Qvenild bestens verstehen wird, kann also kein Zweifel bestehen, ist Qvenild, dessen Name seit Jahren an allen Ecken der norwegischen Jazzszene immer wieder auftaucht (und weit darüber hinaus), doch ebenfalls für seine stilistische Vielfalt bekannt. Beide Pianisten werden in der Berliner Philharmonie ihr Programm Norwegian Woods präsentieren, wobei Qvenild mit seinem Trio In The Country erwartet wird, das seinerseits neue Klänge zwischen Jazz und Alternative Rock auslotet.

Bei diesem norwegischen Gipfeltreffen ebenfalls vertreten ist Solveig Slettahjell, die mit ihrer warmen, gefühlvollen Stimme lange als Geheimtipp galt, bis ihr mit der Verleihung des norwegischen Grammy, des »Spellemannsprisen«, der internationale Durchbruch gelang. Inzwischen wird die Sängerin, die nach klassischer Gesangsausbildung und frühem Klavierunterricht an der Norwegischen Musikakademie Jazz studierte, als die neue Stimme am nordischen Jazzhimmel gefeiert – als eine der ausdrucksstärksten Künstlerinnen ihrer Generation, die mit filigranen Miniaturen, jazzigen Barsounds und einem Hauch von nordischer Melancholie ihr Publikum begeistert.

Über die Musik

Norwegian Woods

Das Wunder im hohen Norden

Der führende Münchner Jazzclub Unterfahrt stellt seit einiger Zeit Auftritte europäischer Künstler unter ein Ländermotto. Angefangen hat dies mit The Norway of Jazz. Inzwischen ist man in dieser Norwegen-Reihe beim 60. Konzert angekommen, ohne dass es Mühe bereitet, immer wieder neue herausragende Musiker und Bands zu buchen. Wie also kann es sein, dass – weit abseits der alten Zentren des Jazz – ein Land mit gerade einmal fünf Millionen Einwohnern so viele Musiker hervorbringt und zum Epizentrum des europäischen Jazz geworden ist? Sogar amerikanische Fachjournalisten attestieren Norwegen die »spannendste Jazz-Szene der Welt«.

Wie immer gibt es mehrere Antworten. Für die erste hilft ein Blick auf die Initialzündung des skandinavischen Jazz in den frühen 1960er-Jahren, als in Schweden Musiker wie Jan Johansson und Lars Gullin die eigene Volksmusik entdeckten. In Norwegen wirkte dieser Trend besonders nachhaltig, weil – anders als der große Nachbar Schweden – das abgelegenere Land der Fjorde und Trolle nicht auf dem Tourplan amerikanischer Jazz-Stars lag und sich deshalb auch keiner von ihnen hier niedergelassen hatte. Die jungen norwegischen Musiker waren zunächst einmal auf sich und ihre Tradition von Johan Nesenus bis Edvard Grieg geworfen, und diese Besinnung auf die eigenen Wurzeln half, ein eigenes Vokabular zu entwickeln: Der nordic sound, wie ihn der Saxofonist Jan Garbarek Anfang der 1970er-Jahre populär machte, ist noch heute eine Art DNA des norwegischen Jazz, auch wenn die junge Generation diesen Klang nicht mehr bewusst sucht: »Er ist einfach da«, sagt zum Beispiel der Trompeter Mathias Eick.

Dass sich aus diesen nationalen Wurzeln eine so internationale Wirkung entfalten konnte, liegt paradoxerweise gerade an der Übersichtlichkeit der Szene. Es entwickelte sich eine bis heute greifende Gruppendynamik norwegischer Musiker, und zwar jenseits der Genres: Jazzer arbeiten ohne Scheu mit klassischen Musikern und Kollegen von Pop und Rock zusammen, es gibt keine »Jazz-Polizei« oder unüberwindliche Grenzen zwischen den Genres, wie sie zumindest bis vor einiger Zeit in großen Ländern anzutreffen waren. Die Aufgeschlossenheit für Einflüsse aller Art ist also der zweite Schlüssel zum Aufstieg des norwegischen Jazz.

Das letzte Geheimnis des Erfolgs, das keines ist, liegt schließlich in der Unterstützung durch die Institutionen. Früh hat der norwegische Staat den heimischen Jazz als Teil der nationalen Kultur und dessen Vertreter als Kulturbotschafter des Landes begriffen – und dank des Ölbooms glücklicherweise auch die Mittel an die Hand bekommen, dies zu pflegen. So fördert die Regierung nicht nur die diversen Festivals und Projekte im eigenen Land (unter anderem mit fünf professionell ausgestatteten regionalen Jazz-Zentren), sondern zudem die Reisen seiner Bands ins Ausland. So wird zum Beispiel die eingangs erwähnte Reihe der Unterfahrt von der norwegischen Botschaft in Berlin unterstützt. Damit es genug zu fördern gibt, investiert Norwegen obendrein vorbildlich in die Ausbildung angehender Jazzer: Musikunterricht ist jedem zugänglich, das ganze Ausbildungssystem ist kostenlos; schon die Gymnasien bieten Jazz-Studienprogramme an; die Musikhochschulen sind didaktisch auf dem neuesten Stand und setzen insbesondere auf Gehörbildung; es gibt Gelder für Proberäume und Instrumente.

Es ist also alles andere als Zufall oder Willkür, wenn Siggi Loch, der Chef des Jazz-Labels ACT und Kurator der im Dezember 2012 gestarteten Reihe Jazz at Berlin Philharmonic, für den vierten Termin im Kammermusiksaal das – von den Beatles entliehene – Motto Norwegian Woods ausgegeben hat. Zwar wurde ACT mit Künstlern wie Esbjörn Svensson, Nils Landgren, Viktoria Tolstoy und vielen anderen das weltweit wichtigste Label für schwedischen Jazz, das bis heute meistverkaufte Album der Firma stammt aber von einem Norweger: Bugge Wesseltofts It’s snowing on my piano. Wesseltoft ist nun gewissermaßen das Gesicht dieses wieder einmal einmaligen und einzigartigen Abends, eines Gipfeltreffens des aktuellen norwegischen Jazz. Er, die Sängerin Solveig Slettahjell, der Trompeter Mathias Eick, der Gitarrist und Sänger Knut Reiersrud sowie der Pianist Morten Qvenild mit seinem Trio In The Countrywerden – ohne Pause – mal alle gemeinsam, mal solo und mal in wechselnden Kombinationen alle Gründe für Norwegens Jazz-Glanz veranschaulichen.

Der Elektroniker – Bugge Wesseltoft

Der 1964 in Porsgrunn, einer an der norwegischen Südküste gelegenen Hafenstadt, geborene Pianist Bugge Wesseltoft gehört zu den Wegbereitern der jungen norwegischen Jazz-Generation.

Als Sohn eines bekannten Jazz-Gitarristen wuchs er mit den Platten der amerikanischen Jazz-Szene, aber auch mit denen der heimischen Größen wie Jan Garbarek, Terje Rypdal, Jon Christensen und Arild Andersen auf. Mit allen vier norwegischen Jazz-Gurus hat Wesseltoft inzwischen gespielt, als Mitglied von Andersens Band betrat er 1990 das internationale Terrain. Der typische, durch Folk-Einflüsse geprägte norwegische Jazz war ihm aber bald nicht genug. 1997 schaffte er mit einem Doppelschlag den Durchbruch. Das Album It’s snowing on my piano brachte Wesseltofts kontemplative Seite zur Geltung, es ist eine durch äußerste Reduktion bestechende, zeitlose Solo-Piano-Weihnachtsplatte mit ungewöhnlichen Harmonien und eigenwilligen Voicings. Mit der gleichzeitig erschienenen CD New Conception of Jazz hingegen wandte er sich der Elektronik zu, es war der aufsehenerregende Auftakt zu einem wegweisenden neuen Ansatz, aktuelle Pop-Elemente aufzunehmen, von Deep House, Ambient Music, Drum’n’Bass, Big Beat bis zu Soul und Funk.

»Ich wollte etwas machen, das meine ganze musikalische Persönlichkeit widerspiegelt«, erklärte Wesseltoft, »es fasziniert mich, rhythmische Elemente zu schaffen und eine Klanglandschaft metrisch zu manipulieren. Das ist für mich allemal interessanter und kreativer als das traditionelle Thema-Solo-Thema-Ding herunterzuspulen.« So wurde Wesseltoft zu einer Art Ein-Mann-Orchester, der für Wirkung bis ins Symphonische nicht viel braucht. Meist ausgehend von neoromantischen, an Debussy oder die nordische Folklore angelehnten Motiven türmte er mittels Delay box und Loops diverse Rhythmen und Sounds über seinem Klavierspiel auf – gespeist von verschiedenen Tambourinen, seiner Stimme, Synthezisern und dem Laptop. Was bei vielen anderen in L’art pour l’art erstarrt, wird bei Wesseltoft dank seines unerschöpflichen Einfallsreichtums und stets überraschenden neuen Wendungen zum Ereignis.

Ein wegweisendes Konzept, das viele Nachfolger fand – oft von ihm unterstützt oder produziert. Bereits 1996 hat Wesseltoft mit dem eigenen Label Jazzland eine Plattform für die nächste Generation geschaffen. Regelmäßig geht er mit seinen besten Schützlingen auf Tour. Bei seinem Auftritt im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie wird Wesseltoft mit den Solo-Stücken Lament und Chicken Feathers seine beiden Seiten, die introvertierte wie die extrovertierte, zu Gehör bringen – wie bei seinen jüngsten Projekten auch hier ohne Elektronik.

Die Langsame – Solveig Slettahjell

Ein Nebeneffekt des »typisch« norwegischen Jazz ist die Demonstration, dass Klischees in der Musik nicht zwangsläufig schlecht sein müssen. Man kann mit ihnen im wahrsten Sinne des Wortes spielen – außerdem vermitteln sie Wiedererkennungswert und Nationalcharakter. Bestes Beispiel ist die 42-jährige, nahe Trondheim aufgewachsene Sängerin Solveig Slettahjell. Wie kaum eine andere verkörpert sie gewissermaßen die Quintessenz dessen, was der aktuellen Blütezeit und Vielfalt der skandinavischen Sängerinnen zugrunde liegt. Natürlichkeit ist das erste – ungemein klischeeträchtige – Stichwort: So ungeschminkt, locker und leger, wie sie auf die Bühne kommt, so singt sie auch. Vom Glamour einstiger Jazz-Diven ist das so weit weg wie irgend möglich.

Nordische Innerlichkeit ist das zweite Schlagwort: Stets ist Slettahjells Grundton intim, ätherisch und an der Melodik skandinavischer Volksmusik orientiert. Die Pastorentochter sang schon als Kind im Kirchenchor. Ihr Jazz-Gesangsstudium an der Norwegischen Musikhochschule in Oslo absolvierte sie von 1993 bis 2000 bei Sidsel Endresen, der herausragenden experimentellen Sängerin des Landes. Parallel dazu wurde sie im Vokal-Quartett Kvitretten an der Seite von Eldbjørg Raknes, Kristin Asbjørnsen und Tone Åse bekannt. Der für ihre Entwicklung entscheidende Schritt war aber 2000 die Gründung ihres eigenen Slow Motion Quintets. Der Name ist Programm: Eigenkompositionen, aber auch Coversongs – in Berlin wird sie Take It With me von Tom Waits und das ursprünglich einmal sehr rockige Have A Little Faith In Me von John Hiatt präsentieren – unterwirft sie einer verblüffenden Entschleunigung, ergänzt durch das fast schon als skandinavisch patentierte dynamische Auf- und Abschwellen.

Slettahjell hat für ihr Programm der Verwesentlichung die ideale Stimme: delikat, klar und präzise haucht sie oft mehr als dass sie singt, dann plötzlich folgen Eruptionen mit unerwarteter Kraft und Blues-Tönung. Und so »schmeckt Jazz bei ihr nach Erde, Pop duftet nach frisch geschlagenem Holz, und das, was Solveig Slettahjell Country nennt, leuchtet wie reife Beeren in der Sonne«, wie es der Stern einmal blumig beschrieb. In jedem Fall liegt stets ein geheimnisvoller Zauber über ihrer stillen, tiefgründigen Musik.

Der Universalist – Morten Qvenild

Zu Solveig Slettahjells Slow Motion Quintet gehörte viele Jahre lang Morten Qvenild, als Pianist und Keyboarder wie auch als Arrangeur und Komponist. Der 35-Jährige aus Kongsberg studierte ebenfalls an der Norwegischen Musikhochschule in Oslo und probierte danach von Pop bis Metal alles Mögliche aus, unter anderem war er auch kurz in der bekannten Jazzrock-Band Jaga Jazzist. Dann konzentrierte er sich auf das Slow Motion Quintet und auf Susanna and the Magical Orchestra, was trotz des Namens nur ein Duo mit der Sängerin Susanna Wallumrød ist. Allerdings ersetzte er dort mittels diverser Tasteninstrumente und Elektronikgeräte wirklich ein ganzes Orchester.

Seit 2003 steht Qvenild eigenes Trio In The Country im Zentrum seines Schaffens. Mit dem Drummer Pål Hausken und dem Bassisten Roger Arntzen arbeitet Qvenild hier gleichfalls mit den Gestaltungsprinzipien der Ausdehnung und der Entschleunigung. Die drei Musiker lassen Soundscapes entstehen, die mal in fein differenzierte Dialoge, dann wieder in Klang-Dome und mächtige Hörgebilde münden. Qvenild setzt auf die enge musikalische Beziehung zu seinen Begleitern, zumal Hausken sein Schlagzeug auch als Percussion-Set versteht, das nicht nur für Puls und Rhythmus, sondern auch für Farben und Impressionen zuständig ist. So entstehen opulente, meist in ruhigem Tempo gehaltene und mit elektronischen Sounddetails ornamentierte Stücke, die im Bombast-Pop der Gegenwart ebenso verankert sind wie im Kammerjazz. Sie erzeugen pastellene, selbst bei kurzen freien Passagen geschmackvoll gedimmte Hörbilder, die zum Schwelgen anregen.

Gleich zu Beginn des Konzertabends wird In The Country mit den Qvenild-Kompositionen Birch Song und Can I come home now zeigen, wohin die Reise gehen könnte, wenn man Modern Jazz à la Keith Jarrett nur noch augenzwinkernd als Stichwortgeber nimmt, um dann nachzuforschen, was Bands wie The High Llamas oder Radiohead mit dem Material angefangen hätten. Dabei entsteht ein zugleich experimenteller wie reduzierter Nordic Free Blues, der inzwischen so angesagt ist, dass die Band mit dem aktuellen Album Sunset Sunrise vom feinen, kleinen norwegischen Label Rune zu Siggi Lochs international operierendem ACT-Label wechselte.

Der Elegische – Mathias Eick

Vieles verbindet Morton Qvenild mit dem Trompeter und Multi-Instrumentalisten Mathias Eick. Als Spross einer Musikerfamilie – sein Vater ist ebenfalls Jazz-Musiker, seine Schwester Hornistin und sein Bruder Kontrabassist – hat auch Eick früh abseits des Jazz Erfahrungen gesucht und gemacht, etwa in den norwegischen Rockbands Motorpsycho, Turbonegro oder D’Sound; wie Qvenild spielte er bei Jaga Jazzist, wenn auch einige Jahre später. Und bei beiden ist ein deutsches Label – ACT beim einen, ECM beim anderen – der Motor des Erfolgs. Wobei in Sachen Erfolg der ein Jahr jüngere Eick noch die Nase vorn hat: Er zählt auch bei uns inzwischen zu den Etablierten.

Eicks ungewöhnlich weicher, lyrischer, ja fast zerbrechlicher Ton – neben Jan Garbarek und Clifford Brown nennt der Musiker auch klassische Trompeter als Vorbilder – war bereits beim Trondheim Jazz Orchestra, mit Mike Stern und Pat Metheny oder auf CDs von Lars Danielsson und den ECM-Künstlern Jacob Young, Iiro Haarla, Marcin Wasilewski oder Manu Katché zu hören. Vor fünf Jahren feierte er mit The Door sein ECM-Debüt unter eigenem Namen. Ein Eintritt in eine exklusive Gesellschaft: Manfred Eichers Klangschmiede – inzwischen wohl das renommierteste Jazz-Label der Welt – hat unter anderem den norwegischen Jazz einst international bekannt gemacht und ist nach wie vor dessen wichtigster Verteiler. Legendär ist die bis heute andauernde Zusammenarbeit von Eicher mit Jan Erik Kongshauk, dem Toningenieur der nicht minder prominenten Osloer Rainbow Studios.

Mit Skala folgte 2011 Eicks zweites, noch erfolgreicheres Album, für das er ein Quintett mit einigen der aufstrebendsten norwegischen Musiker formierte, darunter Andreas Ulvo, der aktuelle Pianist von Solveig Sletthjell und – siehe da – Morton Qvenild an den Keyboards. Das Konzept, den von seiner sphärischen Trompete getragenen, äußerst einprägsamen Melodien zwei Tasteninstrumente und zwei Schlagzeuge gegenüberzustellen, ist bezwingend. Ein hochenergetisches Kontrastprogramm, das Eick unter anderem den Sieg beim BMW Welt Jazz Award 2012 bescherte. Bei Norwegian Woods stehen mit Oslo und Williamsburg zwei seiner »Hits« auf dem Programm, und es dürfte besonders spannend werden, wie diese klingen, wenn Eick sie nicht mit seinem Quintett, sondern mit In The Country und Bugge Wesseltoft spielt.

Der Weltreisende – Knut Reiersrud

Fehlt noch der älteste und erfahrenste Musiker bei Norwegian Woods, der gleichwohl hierzulande der unbekannteste ist. Vielleicht, weil die Basis des 53-jährigen Gitarristen und Sängers Knut Reiersrud der Blues ist, ein Genre, das sich seit etlichen Jahren kommerziell noch schwerer tut als der Jazz. Den Entschluss, Musiker zu werden, fasste Reiersrud nämlich, nachdem er Buddy Guy und Muddy Waters im Fernsehen gesehen hatte. Da war er zwölf, mit 18 luden ihn derselbe Buddy Guy und Otis Rush nach Chicago ein, nachdem sie ihn spielen gehört hatten. In der »Blues City« Chicago war Reiersrud anschließend öfter, um von seinen Idolen zu lernen – und mit ihnen in den legendären Chess Studios aufzunehmen, unter anderem mit den Four Roosters.

Ob Dr. John, Joe Cocker, Stevie Ray Vaughn, die Five Blind Boys of Alabama oder in jüngster Zeit der fabelhafte Bluessänger Mighty Sam McClain (sein Partner bei zwei Duo-Alben) – Reiersrud hat mit vielen großen Namen der Blues-Welt zusammengearbeitet. Und doch wäre er kein Norweger, hätte nicht auch er diese Sehnsucht nach den eigenen Klangtraditionen und diese unstillbare Neugier auf andere Sphären. Seit Jahrzehnten beackert er im ungewöhnlichen Duo mit dem Kirchenorganisten Iver Kleive auch den norwegischen Folk. Und mit Reisen nach Afrika, Indien, Nepal oder Iran erweiterte er sein Spektrum Zug um Zug. Schon 1993 hatte er mit Tramp ein Album vorgelegt, das die Füße als Instrument entdeckte und dabei afrikanische Rhythmen einbaute. Zwei Jahre später unternahm er auf Klapp ein ähnliches Experiment mit den Händen. Auch die Musik zu vier norwegischen Spielfilmen hat Reiersrud geschrieben.

Es wird also höchste Zeit, dass dieser Knut Reiersrud auch in Deutschland bekannter wird: Ein Mann, der im Laufe seiner über 30-jährigen Karriere mehr als zehn verschiedene Saiteninstrumente erlernt, über 6000 Konzerte gegeben und mehr als 300 Alben eingespielt hat, darunter zehn unter eigenem Namen. Sein vorletztes, sehr minimalistisches Solo-CD, die ihm seine achte Nominierung für den norwegischen Grammy einbrachte, wurde von niemand anderem produziert als von Bugge Wesseltoft. So schließt sich der Kreis.

Oliver Hochkeppel

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