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Education

Kinderoper HALBSZENISCH

Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Stipendiaten der »Akademie Musiktheater heute« der Deutsche Bank Stiftung

Gesangsstudenten der Hochschulen Baden-Württembergs

Duncan Ward Musikalische Leitung

Sonja Šarić Manon Lescaut

Eunkuk Kim Renato Des Grieux

Lucian Eller Lescaut

Felicitas Brunke Geronte de Ravoir

Die kleine Manon mit Musik von Giacomo Puccini

Empfohlen für Kinder von 5 bis 8 Jahren. Auch jüngere Geschwisterkinder haben Freude an diesen Konzerten, werden aber erfahrungsgemäß schneller unruhig. Deshalb bieten wir für die ganz kleinen Besucher eine qualifizierte musikpädagogische Betreuung an, die Sie vor und auch noch im Verlauf der Familienkonzerte wahrnehmen können. Fragen Sie einfach das Philharmonie-Personal nach dem Weg.

Termine

So, 04. Mai 2014 16 Uhr

16:00 | Kammermusiksaal

Programm

In Kooperation mit dem Festspielhaus Baden-Baden und der Akademie Musiktheater heute der Deutsche Bank Stiftung entsteht in Baden-Baden eine Kinderoper zu der großen Oper Manon Lescaut von Giacomo Puccini. Auf Grundlage eines neuen musikalischen Arrangements wird die Geschichte für Kinder ganz neu erzählt und von den Musikern der Berliner Philharmoniker musikalisch begleitet. Die Hauptrollen übernehmen Gesangsstudenten der Hochschulen Baden-Württembergs, das Regie-Team kommt aus den Reihen der Stipendiaten der »Akademie Musiktheater heute«. Rundherum also ein kreatives Nachwuchsprojekt, welches spannende neue Wege geht.

Über die Musik

Mit ihrem Education-Programm möchten die Berliner Philharmoniker ihre Arbeit und ihre Musik einem möglichst breiten Publikum zugänglich machen. Ermöglicht wird diese Initiative von der Deutschen Bank.

Die kleine Manon

Kinderoper konzertant mit Musik von Giacomo Puccini

Was ist eigentlich Oper?

Jacob: Mama, was macht denn da so viel Lärm?

Mama: Ich höre Oper!

Jacob: Warum, was macht Opa denn?

Mama: Nein, OpER, nicht OpA, Jacob.

Jacob: Ach so… Und was ist ein OpER?

Mama: EinE Oper, Jacob, das ist wie Theater. Nur dass in der Oper der Text nicht gesprochen, sondern gesungen wird, von sehr hoch bis ganz tief und solche Stücke nennt man dann Arien.

Jacob: Und was singen die da so in diesen Arien? Ich verstehe kein Wort bei dem ganzen Krach.

Mama: Tja, den Text versteht man leider selten, vor allem, weil er oft auf Italienisch ist. Die Oper kommt nämlich aus Italien. Und sie ist schon fast 400 Jahre alt! Damals gab es noch kein Kino und kein Fernsehen, um die Leute zu unterhalten. Aber die berühmtesten Opernsänger waren richtige Stars, so wie heute Justin Bieber. Und natürlich gab es auch noch keine CD-Player …

Jacob: Aber wie haben die Leute denn dann Opern gehört?

Mama: Na, im Theater. Opern werden genau wie Schauspielstücke auf einer Bühne gespielt! Der Unterschied ist, dass es bei einer Oper einen tiefen Graben vor der Bühne gibt. In dem versteckt sich nämlich das ganze Orchester, das die Arien der Sänger begleitet. Und ein Dirigent – von dem sieht das Publikum dann nur ein Stück des Hinterkopfs.

Jacob: Aber hier zu Hause siehst du die Oper ja gar nicht, du hörst sie doch bloß!

Mama: Stimmt, das ist ein bisschen wie die konzertante Aufführung einer Oper.

Jacob: Also ohne Theater heißt konzertant?

Mama: Genau, weil es dann wie bei einem Konzert ist, ganz ohne Kostüme und Bühnenbild. Die Sänger stehen nur da, singen und bewegen sich fast gar nicht. Wenn es aber richtiges Theater mit Musik ist und es Kostüme und ein Bühnenbild gibt, dann nennt man das szenisch.

Jacob: Du magst konzertant lieber, oder?

Mama: Wie kommst du denn darauf?

Jacob: Na du sagst doch immer, wenn ich schlechte Laune hab, ich soll »nicht so eine Szene machen«!

Wie entsteht eine (Kinder-)Oper?

Bis man eine Oper hören und sehen kann, braucht es viele fleißige Leute. Für eine ganz neue Oper muss sich zunächst jemand eine Geschichte für die Handlung überlegen und einen Text dazu schreiben, das sogenannte Libretto. Ein Komponist setzt die Worte des Librettos anschließend in Musik. Im Fall der Kleinen Manon ist das etwas anders, denn sie ist so etwas wie die kleine Schwester der »großen« Oper Manon Lescaut von Giacomo Puccini. Der lebte schon vor über 100 Jahren in Italien und der Text, den er vertont hat, war italienisch. Damit aber auch ihr die Kleine Manon versteht, hat Kristina Gerhard einen neuen Text geschrieben, auf Deutsch. Rainer Quade hat dann die Musik von Puccini diesem neuen Text angepasst und für ein kleines Orchester eingerichtet. Aber bevor die Kleine Manon nun aufgeführt werden kann, überlegt sich ein sogenannter Regisseur – das ist in unserem Fall auch Kristina –, wie die Aufführung auf der Bühne aussehen soll. Dann gibt es Bühnenbildner, die Kulissen malen, und Schneider, die Kostüme für die Sänger herstellen. Und schließlich ist da noch eine ganz wichtige Person, nämlich der Dirigent. Er muss sich mit der Oper bestens auskennen, damit er während der Aufführung das Orchester und die Sänger dirigieren kann. Das macht bei uns Duncan Ward. Und wenn all diese Leute ihren Teil zum Entstehen der Oper beigetragen haben, dann braucht es nur noch euch, das Publikum, und los geht’s!

Kennt ihr schon Manon?

Vielleicht habt ihr eine Freundin wie Manon oder seid ihr sogar selbst ein bisschen wie sie? Manon ist ein besonders hübsches Mädchen, aber sie hat ein ganz großes Problem: Ihr ist andauernd langweilig. Und ihr kennt das ja, wenn man nicht weiß, was man tun soll, einem so gar nichts einfällt und die Zeit im Schneckentempo dahin kriecht. Das Verrückte aber ist, dass Manon eigentlich unheimlich viele Spielsachen und Schmuck und tolle Kleider hat und trotzdem ist ihr langweilig. Kaum hat sie ein paar Minuten mit dem Puppenhaus gespielt, schiebt sie es wieder in die Ecke – langweilig. Dann nimmt sie ein Buch, schlägt es auf und schon gähnt sie laut. Wie öde, das kennt sie doch schon, was für ein alter Hut. Etwas Neues muss her! Nein, nicht etwas aus dem Schrank oder aus der Kommode, etwas GANZ Neues! Prinzessin müsste man sein, denkt sich Manon. Dann würde man immer alles bekommen, was man sich wünscht, und dann wäre einem nie mehr langweilig. Dann hätte sie ein Haustier, einen Hund zum Beispiel, mit dem könnte sie toben. Oder einen Motorroller, mit dem sie durch die Straßen düsen könnte. Oder ein Musikinstrument, vielleicht ein Saxofon? Ja, als Märchenprinzessin wäre ihr wohl nie wieder langweilig. Oder etwa doch?

Brief von Manon Lescaut an Giacomo Puccini

Lieber Giacomo,

Du wirst nicht glauben, was mir passiert ist, es ist völlig verrückt! Du weißt ja, dass ich mich oft furchtbar langweile, und dann bekomme ich immer schlechte Laune. Aber diesmal war alles ganz anders. Plötzlich, wie aus dem Erdboden, erschien ein Zauberer neben mir – der war total lustig! Eigentlich wollte er beeindruckend sein, aber ich fand ihn witzig. Jedenfalls sagte er, ich hätte drei Wünsche frei. Mir war sofort klar, was ich mir wünschen würde: Ich hab mir einen Märchenprinzen gewünscht, damit ich nicht mehr so allein bin. Besonders schön sollte er sein und in mich verliebt und – pling – da war er! Des Grieux hieß der. Aber komisch gesprochen hat er, ich hab ihn gar nicht verstanden. Als nächstes habe ich mir all das gewünscht, was eine Märchenprinzessin braucht: ein Schloss, Schätze, Kleider und Diener. Und plötzlich haben alle vor mir geknickst – stell Dir das mal vor! Aber eine hat mich furchtbar genervt: Madame Geronte, die hat mich immerzu getriezt: »Manon, mach dies, Manon, mach jenes! Los, tanz dein Menuett! Manon, du willst doch ein Star werden!« Und so ging das immer weiter bis ich nur noch meine Ruhe haben wollte. Das alles langweilte mich schon wieder, kannst du Dir das vorstellen? Ich wollte zurück zu Des Grieux, aber der wollte mich nicht mehr, weil ich vorher gemein zu ihm gewesen bin. Und dann hab ich mit meinem dritten Wunsch Madame Geronte und die Diener und das Schloss und alles andere weggewünscht und war auf einmal ganz allein. Mein Kleid war kaputt und ich habe schrecklich gefroren. Aber eine Blume hat mich gerettet, denn sie brachte mich wieder mit Des Grieux zusammen und jetzt bin ich glücklich. Es gibt nichts Schöneres, als jemandem ein Geschenk zu machen, Giacomo! Deshalb schicke ich Dir als Geschenk einen Kuss!

Deine Manon

Giacomo Puccinis Antwort auf den Brief von Manon Lescaut

Liebe Manon,

deine Geschichte klingt wirklich unglaublich und hat mich ordentlich aufgeheitert. Ich bin nämlich im Moment ziemlich niedergeschlagen, weil meine zweite Oper Edgar kein wirklicher Erfolg war. Das Publikum mochte das Stück zwar, denn hier in Italien sind alle verrückt nach Opern! Aber die Presse scheint etwas gegen mich zu haben. Meine Texte seien scheußlich, schrieben sie in der Zeitung. »Puccini, Du bist ja noch jung mit deinen 24 Jahren, das wird schon noch«, sagte Herr Ricordi zu mir, mein Verleger. Aber ich habe sogar schon überlegt, ob ich das Komponieren an den Nagel hänge und wieder anfange in der Kirche Orgel zu spielen, so wie damals, als ich 14 Jahre alt war. Jetzt habe ich jedoch das Gefühl, dass Du meine Rettung bist! Deine Geschichte klingt wie der perfekte Märchenstoff für eine neue Oper. Ja, ich werde gleich anfangen zu komponieren, mir fällt gerade etwas ein. Und um das Libretto kümmere ich mich diesmal auch besser. Vielleicht hilft mir mein Freund Ruggiero Leoncavallo dabei. Manon, das wird ein Kracher, das wird die Leute von den Sitzen reißen, das wird ein bahnbrechender Erfolg! Und weißt Du was, ich werde die Oper nach Dir benennen: Manon Lescaut – so klingt ein Welthit!

Mein kleiner Tonio – er ist jetzt schon 6! –, Elvira und ich grüßen dich herzlich aus dem warmen Mailand! Dein Giacomo

Artikel in La Stampa

Ein neuer Stern am Opernhimmel

Donnerstag, 2. Februar 1893

Turin. Es war ein kaum in Worte zu fassender Erfolg gestern Abend im Turiner Theater. Das begeisterte Publikum stand minutenlang, klatschte, schrie Bravos und jubelte den grandiosen Sängern auf der Bühne zu. Doch nicht nur die Sänger, das fabelhafte Orchester und Maestro Alessandro Pomè haben Glanzleistungen vollbracht an diesem denkwürdigen Abend. Der größte Jubel gebührt dem jungen Komponisten, Giacomo Puccini, der uns diese wundervolle Oper geschenkt hat. Manon Lescaut hat einfach alles, was eine Oper von Weltrang braucht: Liebe, Tragik und Humor! Das alles begleitet von einer Musik, die wie das köstlichste Vanilleeis auf der Zunge zerschmilzt und das Herz mit Süße erfüllt. Manon Lescaut, die Welt liegt dir zu Füßen, ab heute bist du ein Star!

Was man in der Musik hören kann

Wenn ihr später einmal die Oper Manon Lescaut von Giacomo Puccini hört, dann werdet ihr feststellen, dass da ein riesengroßes Orchester mit ungefähr 100 Musikern spielt. Für die Kleine Manon wurde das Orchester auf 14 Musiker geschrumpft, sodass jedes Orchesterinstrument einmal vertreten ist. Dadurch klingt die Musik natürlich ganz anders als mit einem großen Orchester, aber es hat den Vorteil, dass ihr die einzelnen Instrumente besser heraushören könnt.

Zu Beginn hört ihr Manon ein Liedvon einerMärchenprinzessin singen. Sie singt im Schlaf und träumt davon, wie früher, als sie noch klein war, die Mutter ihr dieses Lied vorgesungen hat. Es ist ein Lied voller Wünsche und schon kurze Zeit später werden sich diese Wünsche für Manon erfüllen. Achtet doch einmal darauf, wie sich Manons Gesang mit ihren Gefühlen verändert: Anfangs sprüht sie vor Freude und sie singt voller Leidenschaft, besonders als ihr Des Grieux begegnet. Doch später, wenn sie sich unter den strengen Augen von Madame Geronte wieder zu langweilen beginnt, werden ihre gesungenen Antworten auf Gerontes Fragen ganz knapp und trocken. Am Ende ist sie mutterseelenallein und ihre Arie »In diesen kalten Räumen hier« klingt so furchtbar unglücklich, dass ihr sicher Mitleid mit Manon haben werdet.

Die Musik, die den Zauberer Lescaut umgibt, ist eine ganz andere: Sie sprüht vor Witz und Lebendigkeit und ist ebenso quirlig wie Lescaut selbst bei seinem Auftritt. In der Musik wird diese Aufregung mit schnellen Tönen und Trillern ausgedrückt. Dazu hört ihr das Schmettern der Becken und vorantreibende Rhythmen in den Bass-Instrumenten. Wenn ihr besonders die Ohren spitzt, werdet ihr bemerken, dass die Musik sich plötzlich verändert, wenn Lescaut den Prinzen herbeizaubert – sie wird ganz geheimnisvoll …

Der Prinz Des Grieux ist ein echter Romantiker mit Leib und Seele und das hört man auch. Voller Leidenschaft singt er von seiner Liebe für Manon, begleitet von wohlig-warmen Klängen des kleinen Orchesters. Ihr werdet merken, wie sich die Musik hier über anfangs leise und zarte Klängen langsam aufbaut, wie ein anrollender Sturm, und sich immer weiter steigert, bis Des Grieux voller Kraft und Gefühl seine höchsten Töne singt. Da bleibt kein Zweifel an seiner Liebe, oder?

Madame Geronte ist furchtbar streng mit Manon. Dauernd sagt sie ihr, was sie tun soll und kontrolliert, dass Manon alles richtig macht. Das kann man auch in der Musik hören, die ist nämlich auch streng geordnet. Als Star und Frau von Welt kennt sich Madame Geronte vortrefflich mit Mode aus, und deshalb ist ihre Musik zugleich sehr stilvoll und elegant. Wenn ihr aufpasst, entdeckt ihr in der Begleitung der Instrumente einen sich oft wiederholenden Rhythmus – der kommt vom Boléro, einem temperamentvollen spanischen Tanz.

Kurz erklärt

Der Begriff Arie kommt vom italienischen Wort »aria« und das heißt in etwa »Lied« oder »Weise«. Das gibt auch schon den wichtigsten Hinweis darauf, was eine Arie ist, nämlich ein gesungenes Musikstück und zwar mit Orchesterbegleitung. Arien sind die Teile einer Oper, in denen die Handlung still steht und der Sänger bestimmte Gefühle zum Ausdruck bringt. Oft geht es auch darum, dass er hier vorführen kann, mit seiner Stimme auch besonders schwierige, virtuose Figuren zu singen. Um die Handlung voranzutreiben, nutzten Komponisten früher sogenannte Rezitative – die klingen nicht wie die liedhaften Arien, sondern eher ein bisschen wie gesungenes Sprechen. Bei einigen Opern, zum Beispiel von Richard Wagner, gibt es diese Aufteilung in Arien und Rezitative jedoch nicht. Das nennt man dann »durchkomponiert«.

Zur szenischen Aufführung einer Oper gehören nicht nur Kostüme, sondern auch ein Bühnenbild. Wie beim Theater gestalten Bühnenbildner den gesamten Bereich der Bühne. Mit gemalten Kulissen lässt sich ein Raum in eine raue Berglandschaft, eine gespenstische Festung oder auch in ein gemütliches Wohnzimmer verwandeln. Wenn dabei Tiere, Steine, Möbel oder Ähnliches aufgestellt werden, gehören diese Dinge auch zum Bühnenbild. Durch die Technik, die sich im Inneren einer Bühne versteckt, lassen sich Gegenstände wie von Geisterhand bewegen. Eine Menge Leute sorgen dafür, dass das Bühnenbild immer zur Musik passt, indem sie Kulissen per Knopfdruck erscheinen oder verschwinden lassen und in kurzen Pausen Umbauten vornehmen.

Und weil die Oper aus Italien kommt, ist auch Libretto ein italienisches Wort. Es bedeutet »Büchlein« und beinhaltet den Text einer Oper. Wenn man ein richtiges dickes Buch vertonen würde, wäre die Oper viel zu lang, deshalb ist das Textbuch eben nur ein Büchlein. Der Librettist, der diesen Text schreibt, muss ein Gespür dafür haben, wie man eine Geschichte spannend in Worte fasst, und zugleich müssen diese Worte leicht singbar sein. Er sollte sich gut mit dem Komponisten verstehen, denn die beiden müssen eng zusammenarbeiten. Da es früher noch keine Programmhefte wie dieses hier gab, druckte man einfach das Libretto, damit das Publikum den Text der Oper mitlesen konnte.

Stimmig in allen Lagen

Der Mensch hat nicht nur eine Sprechstimme, sondern auch eine Singstimme. Höhe bzw. Tiefe der beiden Stimmen sind bei Männern und Frauen und auch von Mensch zu Mensch verschieden. Wenn es um die Singstimme geht, unterscheidet man die sogenannten Stimmlagen. Wenn ihr schon einmal in einem Chor gesungen habt, dann kennt ihr sie sicher: Die wichtigsten sind – von hoch nach tief – Sopran, Alt, Tenor und Bass. Daneben gibt es zusätzliche Einteilungen wie zum Beispiel Mezzosopran und Bariton.

Sopran

Sopran kommt von dem italienischen Wort »sopra«, das bedeutet »über«. So erkennt man gleich, dass der Sopran die höchste Stimmlage ist, also die Stimme, die im Chor über allen anderen singt. In der Oper beeindrucken Sopranistinnen oft mit schwindelerregenden Koloraturen, das sind schnelle und sehr schwierige Verzierungen im Gesang. Die Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte treibt das im wahrsten Sinne des Wortes auf die Spitze! Andere Sopranistinnen zeichnen sich durch eine besonders mädchenhaft-leichte Stimme aus. Sie verkörpern dann gern lustige Rollen in Opern, die man Soubretten-Partien nennt.

Heute meint man fast immer eine Frau, wenn man von einem Sopran spricht, aber es gibt auch Knabensoprane. Vor allem in der Kirche, wo Frauen früher nicht singen durften, ist es noch üblich, dass Jungen zwischen 6 und 15 Jahren die hohen Partien übernehmen. Vor allem im 18. Jahrhundert waren die Menschen fasziniert von den hohen Knabenstimmen. Es gibt aber auch sogenannte Countertenöre (oder auch Altus genannt), die mit einer speziell trainierten Falsettstimme ähnlich hoch singen können wie Knaben und Frauen.

Mezzosopran

Mezzosoprane singen nicht ganz so hoch wie Soprane. Mezzo bedeutet im Italienischen soviel wie »in der Mitte« und da liegt der Mezzosopran auch, nämlich zwischen Sopran und Alt. Auch diese Stimmlage kann von Knaben gesungen werden. Heute singen Mezzosopranistinnen oft sogenannte Hosenrollen in der Oper. Das sind solche Rollen, die eigentlich junge Männer in der Handlung darstellen, und deshalb tragen die Sängerinnen dabei Hosen und andere Männerkleidung als Kostüm.

Alt

Nein, man muss nicht besonders alt sein, um Alt zu singen, das können auch Knaben! Die Bezeichnung kommt vom lateinischen »altus«, was schlicht »hoch« bedeutet. Das wirkt jetzt etwas verwirrend, denn die höchste Stimmlage ist ja der Sopran. Aber im Vergleich zu den tiefen Männerstimmen ist der Alt immer noch hoch und der Sopran eben »über« allen anderen. Wenn du eine Altistin singen hörst, wirst du vielleicht feststellen, dass ihre Stimme im Vergleich zu den hellen Sopranstimmen etwas dunkler gefärbt ist.

Tenor

In der Chormusik der Renaissance, also vor etwa 500 Jahren, war der Tenor die wichtigste Stimme, denn sie beinhaltete die Hauptmelodie, die hieß damals cantus firmus. Die anderen Stimmen um den Tenor waren wie eine Art Verzierung dieser Melodie. Da die Töne des cantus firmus sehr lang gedehnt waren, sodass sie praktisch nie unterbrochen wurden, nannte man die Stimme Tenor (damals betonte man die erste Silbe), denn das bedeutet im Lateinischen »ununterbrochener Verlauf«.

Heute kennt man Tenöre besonders als strahlende Stars der Oper. Vielleicht habt ihr schon von Rolando Villazón gehört, der ist nämlich so ein Star. Man spricht auch von Heldentenören, da der Held einer Oper oft von einem Tenor gesungen wird. Die Tenorstimmlage ist so tief, dass sie nur von Männern gesungen werden kann, aber noch deutlich höher als die Bass-Stimme.

Bariton

Der Bariton (vom griechischen »barys«, das heißt schwer, und »tonos«, klingend) liegt zwischen diesen beiden Stimmlagen. In der Oper werden viele berühmte Rollen von Baritonen gesungen, zum Beispiel der lustige Vogelfänger Papageno in Mozarts Zauberflöte. Ein echter Kavalierbariton ist der Don Giovanni in Mozarts gleichnamiger Oper – er verführt die Damen nicht nur mit seinem Lächeln und seinem Charme, sondern auch mit seinem ohrenschmeichelnden Gesang!

Bass

Wer schon einmal einen richtig tiefen Bass hören konnte, hat vielleicht eine Gänsehaut dabei bekommen, denn die Bass-Rollen in der Oper sind nicht umsonst oft düstere Gesellen und Bösewichte so wie der Osmin in Mozarts Entführung aus dem Serail. Aber auch besonders majestätische Charaktere wie Könige oder Priester werden oft von Bässen verkörpert – das Wort »Bass« kommt vom italienischen »basso« und bedeutet »tief«.

Biographie

Die Sänger

Die vier Sänger der Kleinen Manon studieren an verschiedenen Musikhochschulen in Baden-Württemberg und arbeiten bei dieser Oper erstmals zusammen. Ihr fragt Euch vielleicht, was für ein echter Mensch sich eigentlich hinter Manon, Des Grieux, Madame Geronte und dem Zauberer verbirgt. Wir haben den Sängerinnen und Sängern zwei Fragen gestellt, die sie hier für Euch beantworten: Was ist für dich das Schönste am Sängerberuf? Was magst Du besonders an Deiner Rolle, gibt es Gemeinsamkeiten mit Deiner Person oder empfindest Du sie als das Gegenteil zu Dir?

Sonja Šarić – Manon

Allein schon, dass ich jeden Tag singen darf, finde ich an meinem Beruf besonders schön. Es ist etwas sehr Genussvolles: Ich kann mich und meine Ideen durch Töne und Klänge ausdrücken und diesen den Stempel meiner eigenen Gefühle, meiner Musikalität und Kreativität zu verleihen. Die positive Aufregung zu erleben, die beim Proben und beim Auftritt entsteht, wünscht man sich immer wieder. Beim Musizieren und Schauspielen entsteht diese außergewöhnliche Energie zwischen Darstellern und Publikum, zwischen Sängern und Orchester in schönster Harmonie. Es ist eine große Ehre für mich, Sängerin zu sein und dieses Talent zu haben.

Auf der Bühne hat man als Darsteller die Möglichkeit, kurz die eigene Haut zu verlassen und jemand anderes zu sein. Ist das nicht fantastisch? Als ich klein war, träumte ich immer – genau wie die kleine Manon –, ein prunkvolles Schloss zu haben, Schmuck, Perlen, wunderschöne Kleider und was noch alles. Heute darf ich es auf der Bühne erleben. Es ist wunderschön, in dieser glänzenden Welt zu sein. Nun ist Manon da aber ganz alleine. In dem Moment ist der ganze Reichtum nicht mehr so wichtig und nicht mehr so schön. Wir sind ja alle Menschen, wir wollen lieben, geliebt werden und unser Glück mit jemandem teilen.

Eunkuk Kim – Des Grieux

Ich singe schon so lange ich denken kann. In meiner Familie gehört Musik einfach zum Leben dazu, das kann ich mir gar nicht anders vorstellen. Ich komme aus Seoul, der Hauptstadt von Süd-Korea. In Asien ist die klassische Musik aus Europa sehr beliebt, deshalb konnte ich in meiner Heimatstadt auch Musik und Gesang studieren. Zur Abrundung meiner Ausbildung besuche ich momentan einen Meisterkurs an der Musikhochschule in Mannheim. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass es sehr interessant und aufregend für mich ist, in Europa zu leben und zu lernen.

In der Kleinen Manon singe ich den Des Grieux, einen Liebhaber. Dazu muss ich meinem Gesang einen ganz besonderen Schmelz verleihen, damit es auch so richtig romantisch ist. Das macht mir besonders viel Spaß, aber ich bin nicht auf solche Rollen festgelegt. Hauptsache Belcanto – das ist eine spezielle Gesangstechnik, wie sie auch zur Zeit Puccinis üblich war – da bin ich ganz in meinem Element.

Lucian Eller – Lescaut, der Zauberer

Das Tolle am Sängerberuf ist, dass er so abwechslungsreich ist. Auf der Bühne schlüpft man in die verschiedensten Rollen: Man muss mal lustig, mal verrückt, mal traurig oder nachdenklich sein. Das heißt, ich kann da Dinge tun, die ich mich im normalen Leben vielleicht nicht traue. Außerdem ist es eine große Freude, zusammen mit dem Dirigenten, den Instrumentalisten und Sängern etwas großes Ganzes zu schaffen. Das Beste bleibt nämlich die Aufführung, in der gemeinsam mit der Kraft des Publikums eine unvergleichliche Energie entstehen kann.

An meiner Rolle, dem Zauberer, mag ich besonders, dass ich mit den Kindern in direkten Kontakt trete und mit dem lustigen Wesen Lescauts zugleich Sympathie und Bewunderung, andererseits aber auch Vorsicht und Angst wecken kann. Er ist nicht eindeutig gut oder böse, das finde ich sehr reizvoll. Ich glaube schon, dass es zwischen Lescaut und mir Ähnlichkeiten gibt, aber ich vergrößere einzelne Erfahrungen und Eigenschaften von mir in der Rolle so sehr, dass sie im Endeffekt nur noch wenig an mich im wahren Leben erinnert. Lustig bin ich aber schon!

Felicitas Brunke – Madame Geronte

Bereits als Kind liebte ich es, mich zu verkleiden und in andere Rollen zu schlüpfen. Meine Mutter erzählt immer, dass ich schon gesungen habe, bevor ich richtig sprechen konnte. Diese beiden Dinge, die mir so viel Freude machen, nun im Beruf miteinander zu verknüpfen, ist für mich das Schönste, was es gibt.

Madame Geronte ist für mich wie eine Kreuzung aus dem berühmten und etwas merkwürdigen Modedesigner Carl Lagerfeld und Cruella DeVil aus dem Kinofilm 101 Dalmatiner. Ihre Persönlichkeit ist geprägt von Geschäftssinn, Boshaftigkeit und Hochmut. Solche Menschen finde ich sehr interessant – sie sind unberechenbar und faszinierend. Obwohl ich meistens freundlich bin, habe auch ich strenge und fiese Seiten an mir – sonst könnte ich so eine Rolle nicht glaubwürdig verkörpern. Böse zu sein auf der Bühne macht einfach Spaß! Danach bin ich wieder lieb.

Die Musiker

Duncan Ward – Musikalische Leitung

Als Teenager spielte ich Horn im Orchester, dabei war ich meistens viel interessierter an dem, was die anderen spielten als an meinem eigenen Part. Es faszinierte mich, meinen Orchesterkollegen zuzuhören und zu analysieren, ob alle gut zusammenspielen oder aber noch etwas verbessert werden könnte. Ich fand es toll, Partituren zu studieren und dabei zu entdecken, wie die großen Komponisten diese unglaublich schönen Klänge zauberten. Außerdem faszinierte es mich, während der Proben dabei zuzuschauen, wie die Dirigenten es schafften, aus den Musikern so tolle Konzerte herauszulocken. Mein erster Einsatz als Dirigent ergab sich allerdings eher zufällig: Als 13-Jähriger hatte ich ein Musical nach Alice im Wunderland komponiert, und die einzige Möglichkeit eine Aufführung in meiner Schule zustande zu bringen war, diese selbst zu organisieren, die Regie zu führen und sie eben auch zu dirigieren.

Die besondere Herausforderung für den Dirigenten einer Opernaufführung sind die vielen Beteiligten, auf die man achten und die man koordinieren muss. Zusätzlich zum Orchester gibt es die Sänger, die sich auch noch auf der Bühne bewegen, so dass man nicht immer Augenkontakt hat. Manchmal ist sogar noch ein Chor dabei, oder Musiker, die hinter der Bühne spielen. Außerdem ist es entscheidend, dass man den Text der Oper wirklich verstanden und verinnerlicht hat. Es kann vorkommen, dass man dafür sogar eine ganz neue Sprache erlernen muss.

Die Berliner Philharmoniker und Stipendiaten der Orchester-Akademie

1882, vor 132 Jahren, haben sich die Berliner Philharmoniker gegründet – heute ist es eins der besten Orchester auf der ganzen Welt. Die 128 Musikerinnen und Musiker kommen aus 25 Nationen, sie sind allesamt herausragende Instrumentalisten. Wären sie Fußballer, würden sie natürlich bei Bayern München, Real Madrid oder »Juve« spielen … Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass es sehr schwierig ist, Mitglied zu werden. Wie jedes große Orchester haben auch die Berliner Philharmoniker einen Chefdirigenten: Sir Simon Rattle. Er ist Euch vielleicht schon einmal in dem Film Rhytm is it begegnet. Außerdem sind in jeder Saison viele andere berühmte Dirigenten und international bekannte Solisten zu Gast.

So ein Orchester hat eine Menge zu tun: In dieser Saison spielen die Berliner Philharmoniker insgesamt 117 Sinfoniekonzerte und vier Opernvorstellungen – in der Philharmonie und auf Konzertreisen: Im November war das Orchester u. a. auf Gastspiel in Taiwan, Südkorea und Japan, in diesem April spielten sie bei den Osterfestspielen in Baden-Baden. Daneben wirken viele der Musikerinnen und Musiker auch bei Kammerkonzerten oder bei den Veranstaltungen des Education-Programms mit. Einige unterrichten zudem an Hochschulen oder auch Stipendiaten der Orchester-Akademie – was natürlich nicht ganz uneigennützig ist, schließlich bilden die Berliner Philharmoniker in der Orchester-Akademie ihren eigenen musikalischen Nachwuchs aus. Jeweils zwei Jahre lang spielen die jungen Talente in den philharmonischen Konzerten mit, erhalten Instrumentalunterricht und machen viel Kammermusik. Außerdem üben sie das Wichtigste, was ein Instrumentalist später beherrschen muss: das Vorspiel, bei dem es darauf ankommt, in ein paar Minuten möglichst alles zu zeigen, was man einmal gelernt hat. So sammeln die Stipendiatinnen und Stipendiaten unschätzbar wertvolle Erfahrungen für ihr späteres Berufsleben. Kein Wunder, dass etliche der Orchestermitglieder früher selbst Stipendiaten der Orchester-Akademie waren.

Kleine Manon

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