Berliner Philharmoniker

In meinen Kalender übernehmen merken gemerkt drucken

Education

10 Jahre Education-Programm der Berliner Philharmoniker

Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Schülerinnen und Schüler von Berliner Grund- und Oberschulen

Profi- und Laienmusiker

Sir Simon Rattle Künstlerische Gesamtleitung

Simon Halsey Künstlerische Leitung Chor

Jasmina Hadziahmetovic Regie (Britten)

Raphael Haeger Künstlerische Leitung Laienorchester (Britten)

Andreas Wittmann Künstlerische Leitung Schülerorchester (Strawinsky)

Kindersolisten des Staats- und Domchors Berlin und Solisten des Kinderchors der Deutschen Oper

Thomas Quasthoff Sprecher (Die Stimme Gottes)

Günter Papendell Bassbariton (Noah)

Judith Simonis Alt (Noahs Frau)

Igor Strawinsky

Le Sacre du printemps (gekürzte und bearbeitete Fassung für Bläser und Schlagzeug von Gareth Glyn)

Benjamin Britten

Kinderoper Noye’s Fludde (Noahs Flut)

Thomas Quasthoff Sprecher (Die Stimme Gottes), Günter Papendell Bassbariton (Noah), Judith Simonis Alt (Noahs Frau)

Termine

So, 21. Apr. 2013 15 Uhr

Philharmonie

So, 21. Apr. 2013 18 Uhr

Philharmonie

Live-Übertragung

Programm

Die Berliner Philharmoniker und Sir Simon Rattle feiern den Geburtstag »10 Jahre Education« und laden Sie herzlich ein mitzufeiern! Höhepunkt des Tages sind zwei Konzerte unter der musikalischen Leitung von Sir Simon Rattle im großen Saal um 15 und 18 Uhr. Zu Beginn spielen Berliner Philharmoniker gemeinsam mit einem Schülerorchester unter der Leitung von Sir Simon Rattle Igor Strawinskys Le Sacre du printemps, in einer gekürzten Fassung von Gareth Glyn. Das Schülerorchester setzt sich aus Berliner Schülern zusammen und wurde von Andreas Wittmann, Oboist der Berliner Philharmoniker einstudiert. Hiermit schlagen wir einen Bogen zurück zu den Anfängen des Education-Programms – zu dem berühmten ersten Tanzprojekt im Jahr 2003 zu Strawinskys The Rite of Spring, das mit der Film-Dokumentation Rhythm is it! ein breites Publikum fand.

In der kurzen Pause zwischen den beiden Stücken sind Sie im Publikum stimmlich gefragt und werden mit Simon Halsey, dem künstlerischen Leiter des neuen Chor-Schwerpunkts, Choräle einstudieren. Diese sollen im zweiten Teil des Konzertes im Rahmen der szenischen Aufführung von Benjamin Brittens Kinderoper Noahs Flut zum Besten gegeben werden. Das beteiligte Kinder- und Jugendorchester, unterstützt von Mitgliedern der Berliner Philharmoniker, bringt gemeinsam mit Gesangssolisten und Kindersolisten des Staats- und Domchors Berlin und des Kinderchors der Deutschen Oper die biblische Geschichte der Arche Noah unter der musikalischen Leitung von Sir Simon Rattle auf die Bühne.

Mit dabei sind sieben Grundschulchöre mit insgesamt fast 300 Kindern, die in Vorproben an den Schulen von Simon Halsey einstudiert wurden. Die mitwirkenden Laienmusiker aus Oberschulen in Berlin haben unter dem Schlagzeuger der Berliner Philharmoniker, Raphael Haeger geprobt. In der Inszenierung von Jasmina Hadziahmetovic verwandelt sich der große Saal in die Arche und Sie alle sind Teil davon.

Über die Musik

Sieht nicht aus wie Strawinsky, klingt aber so

Le Sacre du printemps im Bläserarrangement von Gareth Glyn

Pablo Picassos Gemälde Les Demoiselles d’Avignon (1907) markiert einen Wendepunkt in der abendländischen Kunstgeschichte. Denn in ihm tritt an die Stelle früherer perspektivischer Systeme, mit Hilfe derer die jeweiligen räumlichen Positionen der verschiedenen Bildelemente eindeutig zu fixieren waren, ein unsicheres Gefüge von zerteilten Flächen und Formen. Gleichzeitig evoziert das frühkubistische Schlüsselwerk der Moderne mit seinen urtümlich-kantigen Formen und den seltsam anmutenden Ritualmasken zweier Figuren die Aura antiker, vorchristlicher Welten: »Die unmittelbare Wirkung«, so Robert Rosenblum in seiner Abhandlung Der Kubismus und die Kunst des 20. Jahrhunderts, »liegt bei den Demoiselles in einer barbarischen dissonanten Kraft, und das Erregte und Wilde hat nicht nur in solchen Ausbrüchen vitaler Energie wie in Matisses Werk von 1905 – 1909 eine Parallele, sondern auch in der zeitgenössischen Musik des folgenden Jahrzehnts. Das beweisen schon die Titel von Werken wie Bartóks Allegro barbaro, Strawinskys Le Sacre du printemps oder Prokofjews Skythische Suite

Kein Zweifel: Picassos Zergliederung der Bildelemente und die so erfolgte Aufhebung der perspektivischen Integrität fand in Igor Strawinskys Le Sacre du printemps (engl.: The Rite of Spring) seine direkte musikalische Entsprechung. Denn in dem revolutionären Werk, dessen Premiere am 29. Mai 1913 als einer der größten Theaterskandale in die Musikgeschichte einging, werden die melodischen Linien durch rhythmische Muster zu fragmentarischen Motiven aufgespalten, die ähnlich gegeneinander verschoben sind wie die winkligen Flächen der kubistischen Gemälde. Strawinskys Experimentieren mit der Polytonalität, der Gleichzeitigkeit zweier Tonarten, zeigt ebenfalls deutliche Analogien zu Picassos verschachtelten Mehrfach-Ansichten. Auch die archaische Handlung der für die Ballets russes komponierten Musik, die »die Vision einer großen heidnischen Feier« beschreibt – »Alte weise Männer sitzen im Kreis und schauen dem Todestanz eines jungen Mädchens zu, das geopfert werden soll, um den Gott des Frühlings günstig zu stimmen« (Strawinsky) –, korrespondiert mit dem »Primitivismus« von Picassos Demoiselles ebenso wie die radikale Reduktion der spätromantischen Mittel, etwa die Beschränkung auf 3- bis 5-tönige Melodiefloskeln, den umfassenden Gebrauch von ostinaten Flächen sowie die vielen dissonanten, fast geräuschhaften Klänge. Kein Wunder also, dass die Zeitgenossen den Sacre zunächst als »barbarisch« empfunden haben, auch, weil in der Musik analog zur »Multiperspektive« der kubistischen Malerei der »natürliche« Zeitablauf durch Reihungs- und Montageverfahren sowie durch die daraus resultierenden ständig wechselnden Akzentsetzungen außer Kraft gesetzt wird. Dabei hat Strawinskys Komposition mit »Primitivität« oder gar »Einfachheit« wahrlich nichts zu tun, da in ihm eine hochkomplexe asymmetrische und ständig changierende Metrik und Periodik ausgebreitet wird – nicht umsonst gilt LeSacre du printemps noch immer als eines der schwersten Orchesterwerke des 20. Jahrhunderts.

Vor diesem Hintergrund mag es überraschen, dass der britische Komponist Gareth Glyn ausgerechnet von Strawinskys Jahrhundertwerk eine 15-minütige Bearbeitung für Laien- und Profimusiker angefertigt hat. Entstanden ist das Arrangement 2006 auf Initiative von Andrew Burke, dem Leiter des Education-Projekts des London Symphony Orchestra »LSO Discovery«, für das Glyn bereits mehrere bekannte Stücke eingerichtet hatte. »Als Andrew mich um eine Bearbeitung vom Sacre bat«, so Glyn, »dachte ich zuerst, er würde einen Witz machen; dann habe ich behauptet, dass es unmöglich wäre. Doch nachdem ich die Partitur intensiv studiert hatte, begann ich Möglichkeiten für das gewünschte Arrangement zu sehen – vor allem, weil es ausschließlich Blasinstrumente beinhalten und von professionellen Musikern und Laien (keinen Anfängern) gemeinsam gespielt werden sollte. Da der Sacre eines der anspruchsvollsten Stücke der Moderne ist, musste ich zunächst 15 Minuten Musik finden, die man extrahieren und für die vorhandenen Kräfte arrangieren konnte – unter Beibehaltung der originalen Noten und Rhythmen. Dabei war mir allerdings wichtig, dass die unter Musikern am meisten berüchtigte Passage mit dabei war: der ›Opfertanz der Auserwählten‹, mit dem das Stück endet. Aber wie war die spieltechnische Herausforderung der ständig wechselnden Taktarten, von denen die meisten auch noch auf schnellen Sechzehnteln basieren, zu bewältigen?« Glyn löste das Problem. Denn er fand heraus, dass die rhythmischen Einheiten über die Taktgrenzen hinweg als lange Ketten betrachtet durch 2, 3 und 4 teilbar waren, sodass man sie, in verschiedene Gruppen gegliedert und neu angeordnet, in gängige Taktarten übertragen konnte – mit Notenwerten, die in der Regel nicht schneller waren als Viertel und Achtel, sodass sie auch von Laien bewältigt würden. »Auf diese Weise«, so der Komponist, »sind sämtliche originalen Noten, Akkorde und Rhythmen erhalten geblieben, wobei die Musik nicht aussieht wie Strawinskys Original, aber genauso klingt

»Der Anfang ist kein Problem: Die Trompeten spielen forte, dann kommt ihr!«

Brittens Oper Noye’s Fludde in der Berliner Philharmonie

Benjamin Brittens Kinderoper Noye’s Fludde entstand 1957 auf Anregung von Boris Ford, dem Leiter der »schools programmes« des Londoner Fernsehsenders »Associated Rediffusion«, dem ein Bühnenwerk in der Art mittelalterlicher Mysterienspiele vorschwebte. Das kreative Musizieren mit Kindern bildete einen Schwerpunkt in Brittens Schaffen: Ende der 1940er-Jahre waren die Kantate Saint Nicolas sowie das »entertainment for young people« The little Sweep entstanden, zwei Jahre später beschäftigte er sich mit einer Kinderoper nach Beatrix Potters The Tale of Mr. Tod und wieder zwei Jahre später wollte er mit William Plomer eine Weltraumoper für Kinder schreiben. Insofern nahm der britische Komponist den Auftrag gerne an und antwortete, dass er schon lange daran gedacht hatte, eine solche Kirchenparabel zur Grundlage eines musikpädagogischen Projekts zu machen. Britten entschied sich, dem neuen Werk die alttestamentarische Überlieferung von der Arche Noah aus den Chester Miracle Plays als Libretto zugrundezulegen. Dieses Mysterienspiel, das seit dem 15. Jahrhundert zu Fronleichnam in Chester aufgeführt wurde, entnahm er dem 1927 erschienenen Sammelband English Miracle Plays, Moralities and Interludes: Specimes of the Pre-Elizabethanian Drama. An Owen Brannigan, der bei der Uraufführung die Partie des Noah übernahm, schrieb Britten am 7. Dezember 1957: »Ich schreibe die Oper für zwei Erwachsene und sechs sängerisch ausgebildete Kinder sowie für hunderte von den hiesigen Schülerinnen und Schülern. Wir werden das Stück zwei oder drei Mal in der wunderschönen Kirche in Orford aufführen – im naiven mittelalterlichen Stil.«

Britten entwickelte Noye’s fludde formal aus einer Serie von strophischen Passagen, die mithilfe von gesungenen Dialogen miteinander verbunden werden. Die so entstandenen »dramatischen Bilder« ergänzte er um drei in Großbritannien allgemein bekannte geistliche Hymnen, die während der Aufführung auch vom Publikum mitgesungen werden sollen. Die Orchesterbesetzung ist den unterschiedlichen Fähigkeiten der jungen Spielerinnen und Spieler angepasst: »Es gibt drei verschiedene Schwierigkeitsgrade der Violinstimmen«, heißt es dementsprechend im Partiturvorwort. »Die ersten Violinen sollten diejenigen Kinder übernehmen, die spieltechnisch am weitesten fortgeschritten sind – nicht zuletzt, weil die Musik über die 3. Lage hinausgeht und Doppelgriffe verlangt werden. Die zweiten Violinen beschränken sich auf die ersten drei Lagen, während für die den Anfängern vorbehaltenen dritten Violinen nur langsame Noten auf leeren Saiten vorgesehen sind. Die Kinder, die die Bratschen übernehmen, müssen über ähnliche Fähigkeiten verfügen wie die an den ersten Violinen; genauso verhält es sich bei den ersten Violoncelli, während die zweite Cellostimme – ebenso wie die der Kontrabässe – wieder sehr einfach konzipiert ist.« Die Stimmen der Trompeten und Blockflöten sind hinsichtlich ihrer spieltechnischen Ansprüche ähnlich ausdifferenziert; die Besetzung verlangt zudem – neben einem Instrumentalensemble von professionellen Musikern, bestehend aus Altblockflöte, Pauken, Klavier (vierhändig), Orgel, zwei Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass – ein umfangreiches Schlagwerk, das vor allem in der Sturmszene der Oper zum Einsatz kommt: 12 Handglocken (6 Spieler), große Trommel, Tenortrommel, kleine Trommel, Tambourin, Becken, Triangel, Peitsche, Gong, Tempelblocks, Windmaschine sowie Sandpapier und an einer Schnur aufgehängte Tassen, die mit einem Holzlöffel angeschlagen werden sollen. Laut den Erinnerungen von Imogen Holst hatte Britten die Idee, »die Geräusche der ersten Regentropfen, die auf die Arche fallen, mit Klängen zu imitieren, die entstehen, wenn man Tassen mit Teelöffeln anschlägt. Dann kam er aber zu mir und sagte, dass er es beim Nachmittagstee ausprobiert, es aber nicht funktioniert hätte. Glücklicherweise hatte ich während des Kriegs […] Perkussionsgruppen unterrichtet, so dass ich ihn in meine Küche bitten und ihm zeigen konnte, wie man eine Reihe von Porzellantassen an einer Schnur aufhängt, um sie mit einem langen Holzlöffel rhythmisch anzuschlagen.«

Noye’s Fludde beginnt mit der ersten der drei Hymnen; nachdem die »Gemeinde« jenen Choral Lord Jesus, think on me gesungen hat, ist die Stimme Gottes zu hören. Er verkündet Noah, dass er beschlossen habe, die sündige Menschheit und alles Leben auf der Erde zu zerstören, außer ihn und seine Familie. Alle beginnen mit dem Bau der Arche, bis auf Noahs Frau, die sich stattdessen mit ihren Freundinnen zum Klatschen und Tratschen zurückgezogen hat. Ihr bereits im Chester Miracle Play buffonesk angelegter Charakter folgt einer uralten Tradition, die Britten aufgreift und ausbaut. Inzwischen sucht Noah getreu der göttlichen Anweisung von jeder Tierart zwei Exemplare aus, die sich allmählich auf dem Schiff einfinden. Dieser Einzug der Tiere wird musikalisch mit einer variierten Abfolge von Phrasen gestaltet, die ihrerseits aus einem einleitenden Trompetenmotiv, wechselnden Gesängen der Kinder-Solisten (Sem, Ham, Jaffett und ihren Frauen) und dem den Tieren zugeordneten Kinderchor bestehen, dessen Kyrie eleison so oft wiederholt wird, bis alle Beteiligten an Bord sind. Da Noahs Frau sich standhaft weigert, mit auf das Schiff zu kommen, wird sie trotz Protest von ihren Söhnen kurzerhand aufs Schiff getragen – gerade noch rechtzeitig, bevor ihre weiter ins Gespräch vertieften Freundinnen von den steigenden Fluten weggespült werden. Es folgt die vielfarbige Sturmmusik, auf deren Höhepunkt alle den Choral Eternal Father, strong to save anstimmen. Nach 40 Tagen schickt Noah einen Raben aus, der nach Land Ausschau halten soll, doch er kommt nicht zurück. Dann sendet er eine Taube aus, die mit einem Olivenzweig im Schnabel zurückkehrt – als Zeichen des neuen Friedens zwischen Gott und den Menschen. Als Noah und die anderen Passagiere von Bord gehen, lässt Gott einen Regenbogen am Himmel erscheinen, der den neuen Bund zwischen ihm und der Menschheit symbolisiert. Es erklingt der Choral The spacious firmament on high, zwischen dessen Strophen Sonne, Mond und Sterne sichtbar werden, bevor in der fünften Strophe auch das Publikum als »Gemeinde« mit einstimmt. Am Ende erklingt die Stimme Gottes, die Noah ihren Segen gibt; nach ausladenden Klängen der Handglocken endet das Werk mit einem letzten Ruf der Trompeten..

Die erfolgreiche Uraufführung von Noye’s Fludde fand am 18. Juni 1958 in der Pfarrkirche in Orford, Suffolk, im Rahmen des Aldebourg Festivals statt, in einer Inszenierung von Colin Graham und unter der musikalischen Leitung von Charles Mackerras. In der Sunday Times war nach jenem Ereignis zu lesen: »Britten präsentiert sich einmal mehr als überaus einfallsreicher Meister seines Metiers. […] Das Werk selbst ist in der Art eines musikalischen Freskos mit breiten Pinselstrichen angelegt und genau darin liegt seine besondere Wirkung. Eine Handvoll professioneller Musiker, Sänger und Instrumentalisten schließen sich mit hunderten von Kinder-Amateuren zusammen, die in den Rollen der Tiere singen und schauspielern bzw. Streichinstrumente, Flöten, Hörner, Schlagwerk und Handglocken bedienen. Brittens Partitur verbindet diese Kräfte ebenso selbstverständlich zu einer Einheit, wie sie zu unserem rauen Unisonogesang der drei Hymnen ihre für den Komponisten typische Harmonik entfaltet.«

Die Stiftung Berliner Philharmoniker feiert mit einer Aufführung von Brittens Kinderoper Noye’s Fludde nun das 10-jährige Bestehen ihres Education-Programms. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern aus sieben Berliner Grund- und Oberschulen (Choreinstudierung: Simon Halsey), Sängern des Staats- und Domchors Berlin und Mitgliedern des Kinderchors der Deutschen Oper Berlin wird damit auch des 100. Geburtstages des Komponisten gedacht. Mit von der Partie sind natürlich auch zahlreiche junge Instrumentalistinnen und Instrumentalisten, die in der von Britten geforderten Art und Weise von Mitgliedern der Berliner Philharmoniker und Gästen unterstützt werden. Um das Mammutprojekt Wirklichkeit werden zu lassen – insgesamt sind etwa 400 Kinder beteiligt –, war viel zu tun: Zunächst bastelten sie die Lampions für ihre Tierkostüme, wofür Scherenschnitte der jeweiligen Tiere benötigt wurden. Diese herzustellen, erwies sich als gar nicht so leicht. Denn wie, so fragte sich die eine oder der andere, bekommt man die Augen rund? Muss man wirklich jedes Schnurrhaar aus der Pappe ausschneiden? Und ist das nun ein Affe oder ein Mops? Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten entstanden in Kürze die unterschiedlichsten Tierkostüme und bald tummelten sich in den jeweiligen Klassenräumen Hasen, Hunde, Igel, Walrosse, Meerschweinchen, Vögel und Leguane: »Ich finde das Hängebauchschwein am coolsten«, so das Fazit einer Schülerin aus Friedrichshain. Natürlich wurde zwischendurch auch gesungen; auf die Frage, ob die Chöre in Brittens Oper schwer seien, hieß es: »Eigentlich nicht, nur die Begleitung macht immer wieder Probleme. Die macht nämlich etwas ganz anderes als wir …« Die Lösung des Problems lag für die meisten aber auf der Hand: »Wir müssen einfach lauter singen!«

Abgesehen von Ausstattung und Kostümen gab es natürlich auch viel auf musikalischem Gebiet zu tun, wobei die beteiligten Mitglieder der Berliner Philharmoniker – Laurentius Dinca, Bettina Sartorius, Martin Stegner, Knut Weber und Martin Heinze – zunächst mit den Schülerinnen und Schülern der jeweiligen Instrumentengruppen einzeln in den Schulen geprobt und den Kindern hierbei immer wieder ihr ganzes musikalisches Potenzial entlockt haben. Unter der Leitung von Raphael Haeger fand man sich dann zum Probieren im Berliner Kammermusiksaal zusammen. Auch Simon Halsey, der für die Chöre verantwortlich war, bereitete die einzelnen Sängergruppen zunächst in den jeweiligen Schulen vor: »Der Anfang ist kein Problem: Die Trompeten spielen forte, dann kommt ihr!« Neben den richtigen Tönen ging es hierbei auch immer gleich um Vokalfärbung, Phrasierung, gemeinsame Absprachen und Textverständlichkeit: »Ich bin Engländer«, so Halsey scherzhaft, »deshalb müsst ihr besonders deutlich sprechen, damit ich Euch verstehe.« Immer wieder wurden kompliziert aussehende Passagen gesichtet und geklärt, wobei die Schülerinnen und Schüler dem Chorleiter hochmotiviert folgten: »Natürlich ist es manchmal schwierig«, sagte ein Sechstklässler. »Vor allem, wenn das Orchester mitspielt. Aber es macht einen Riesenspaß!«

Harald Hodeige

Newsletter-Service Regelmäßig informiert über das aktuelle Programm und Highlights aus der Welt der Philharmoniker.

Alle Veranstaltungen in der Philharmonie finden Sie auch auf:

Berliner Bühnenzu berlin-buehnen.de