Berliner Philharmoniker

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Orchester-Akademie

Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker

Reinhard Goebel Leitung

Akademie II - »CPE - dem Berliner Bach zum 300. Geburtstag«

Carl Philipp Emanuel Bach

Marsch C-Dur für zwei Trompeten, Horn und Pauken Wq 188

Carl Philipp Emanuel Bach

Marsch D-Dur für zwei Hörner, zwei Oboen, zwei Klarinetten und zwei Fagotte Wq 185 Nr. 1

Carl Philipp Emanuel Bach

Polonaise D-Dur für zwei Klarinetten, zwei Violinen und Bass Wq 190 Nr. 1

Carl Philipp Emanuel Bach

Polonaise D-Dur für zwei Hörner, zwei Klarinetten, zwei Violinen und Bass Wq 190 Nr. 4

Carl Philipp Emanuel Bach

Andante F-Dur für zwei Hörner, zwei Flöten, zwei Klarinetten und zwei Fagotte Wq 184 Nr. 2

Carl Philipp Emanuel Bach

Menuett D-Dur für drei Trompeten, Pauken, zwei Hörner, zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Violinen, Viola und Bass Wq 191

Carl Philipp Emanuel Bach

Konzert a-Moll für Violoncello, Streicher und Basso continuo Wq 170

Carl Philipp Emanuel Bach

Sinfonia e-Moll für Streicher Wq 177

Carl Philipp Emanuel Bach

Konzert B-Dur für Oboe, Streicher und Basso continuo Wq 164

Carl Philipp Emanuel Bach

Menuett D-Dur für zwei Flöten, zwei Klarinetten, zwei Violinen und Basso continuo Wq 189 Nr. 1

Carl Philipp Emanuel Bach

Menuett G-Dur für zwei Hörner, zwei Klarinetten, zwei Violinen und Basso continuo Wq 189 Nr. 3

Carl Philipp Emanuel Bach

Menuett C-Dur für drei Trompeten, Pauken, zwei Hörner, zwei Oboen, zwei Flöten, zwei Violinen, eine Viola und Basso continuo Wq 192

Termine

Mi, 12. Mär. 2014 20 Uhr

Kammermusiksaal

Programm

Das Jahr 2013 stand im Zeichen zweier Komponisten, deren Geburtstage sich zum 200. Mal jährten: Giuseppe Verdi und Richard Wagner. 2014 gilt es nun, den 300. Geburtstag eines Mannes zu feiern, dessen Schaffen nicht weniger einflussreich war: Carl Philipp Emanuel Bach. Die Orchester-Akademie widmet der Musik des zweitältesten, 1714 in Weimar geborenen Sohns von Johann Sebastian Bach ein Konzertprogramm – und schlägt damit ein Kapitel Berliner Musikgeschichte auf.

30 Jahre lang stand der oftmals »Berliner Bach« genannte Komponist in den Diensten König Friedrichs II von Preußen. Nachhaltigen Einfluss auf das Berliner Musikleben zu nehmen, war ihm nicht vergönnt: Der Alte Fritz gab Komponisten den Vorzug, deren Musik in der Tradition der altmodischen Opera seria stand. Dennoch war Carl Philipp Emanuel Bachs Können zu Lebzeiten weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt und trug ihm 1768 den Titel des Städtischen Musikdirektors und Kantors am Johanneum in Hamburg ein.

Seiner impulsiven, auf der Grundlage eines exzellenten kompositorischen Handwerks unverhohlen subjektive Töne anschlagenden Musik zollten Haydn, Mozart und Beethoven respektvoll Tribut. Dann wurde es still um den 1788 in Hamburg verstorbenen Komponisten – bis er im 20. Jahrhundert als Vermittler zwischen Barock und Klassik neu entdeckt wurde. Mit Reinhard Goebel übernimmt einer der maßgeblichen Vertreter der Alte-Musik-Szene die Leitung dieses ganz der Musik aus den Berliner Jahren von Carl Philipp Emanuel Bach verschriebenen Konzerts der Orchester-Akademie.

Über die Musik

»Niemahls die allzugroße Einförmigkeit geliebet«

Dem »Berliner Bach« zum 300. Geburtstag

Respekt! Hier kommt ein Originalgenie! Einer, an dem die Zeitgenossen den »ganz eigenen freyen, durch kein Kostume, keine Mode gefesselten Gang« bewunderten. Eben »einen wahrhaftig großen Originalkomponisten«. So euphorisch äußerte sich der Romanautor, Kritiker und bedeutende Berliner Verlagsbuchhändler Christoph Friedrich Nicolai (1733 – 1811) in seiner Allgemeinen Deutschen Bibliothek über Carl Philipp Emanuel Bach. Nicolai wusste genau, wen er hier charakterisierte: 16 Jahre haben beide gemeinsam in derselben Stadt gelebt, in Berlin, der Residenz des Königreichs Preußen. Aber nicht nur dies! Sie waren sogar freundschaftlich miteinander verbunden. Nicolai, der von 1749 bis 1751 in Frankfurt an der Oder eine Buchhändlerlehre absolviert hatte, war schon dort auf Carl Philipp Emanuel Bach und dessen Werke aufmerksam geworden. Immerhin hatte dieser von 1734 bis 1738 an der dortigen Universität das in Leipzig begonnene Jurastudium fortgesetzt. Doch Bachs Interesse galt bereits hier offenbar weniger der Rechtswissenschaft als der Musik. Denn er leitete in der Oderstadt »eine musikalische Akademie als auch alle damals vorfallenden öffentlichen Musiken bey Feyerlichkeiten« und gab außerdem Klavierunterricht. So kann man es in Bachs autobiografischer Skizze nachlesen, die der englische Gelehrte und Musikreisende Charles Burney 1773 veröffentlichte.

Cembalist des preußischen Musenkönigs

1738, nach Beendigung seiner »akademischen Jahre«, erreichte Bach »ein unvermutheter gnädiger Ruf zum damaligen Kronprinzen von Preußen, jetzigen König, nach Ruppin […]. Gewisse Umstände machten jedoch, dass ich erst 1740 bey Antritt der Regierung Sr. Preußischen Majestät förmlich in Dessen Dienste trat […]. Von dieser Zeit an, bis 1767 im November, bin ich beständig in preußischen Diensten gewesen.« Fakten, die in besagter Autobiografie mitgeteilt werden. Fast drei Jahrzehnte, von seinem 26. bis zu seinem 53. Lebensjahr, hat Bach in der preußischen Residenzstadt Berlin gewohnt und gearbeitet, kurzum: gelebt. Jahrzehnte, in denen der preußische König Friedrich II. seine aufgeklärte Haltung durch Toleranzedikt und Justizreform bekräftigte; in denen von 1741 bis 1743 das Königliche Opernhaus Unter den Linden gebaut wurde und weitere Bauwerke Berlin als kulturvolle Residenz berühmt machten. Doch auch Jahrzehnte, in denen der König seine Untertanen und sein Land mit drei Kriegen schwer belastete: Um seinem Anspruch auf eine europäische Machtstellung näher zu kommen, zog Friedrich II. 1740/1741 in den Ersten Schlesischen Krieg; es folgten 1744/1745 der Zweite und von 1756 bis 1763 der Dritte Schlesische Krieg, der sogenannte Siebenjährige Krieg.

Bereits in der Garnisonsstadt Ruppin und danach in Rheinsberg, jenem 1734 von Friedrich Wilhelm I. für seinen Sohn erworbenem Anwesen samt kleinem Schloss, hatte Bach dem Kronprinzen und dessen kleiner Kapelle als Cembalist zur Verfügung gestanden. Als der Kronprinz 1740, nunmehr als Friedrich II., den Thron bestieg, folgten ihm seine Musiker selbstverständlich in die Residenzstadt, darunter der Cembalist Carl Philipp Emanuel Bach. Dessen Name allerdings wird erst 1741 im »Capell-Etat« unter der Rubrik der »neuen Capell-Bedienten, so anno 1741 zugekommen«, aufgeführt. Offenbar hat Bach erst zu diesem Zeitpunkt eine feste Anstellung und Besoldung erhalten. Nicht geklärt werden konnte bisher, wie sein Verhältnis davor zur kronprinzlichen bzw. später königlichen Kapelle gewesen ist. Zum König selbst offenbar überwiegend sehr gut, denn Bach berichtet nicht ohne Stolz, dass er »die Gnade hatte, das erste Flötensolo, was Sie als König spielten, in Charlottenburg mit dem Flügel ganz allein zu begleiten.«

In seinen drei Berliner Lebensjahrzehnten hat Bach mehr als 300 Werke komponiert, Solo-Klavier- und Kammermusik, neun Symphonien, knapp 40 Klavierkonzerte, drei Violoncellokonzerte und u. a. 1765 das Oboenkonzert B-Dur Wq 164; dazu 1749 das berühmte Magnificat Wq 215, zahlreiche Lieder, das bedeutende Lehrwerk Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen (1753) sowie unterschiedliche Gelegenheitswerke. Zu ihnen gehören die hier vorgestellten Märsche, Polonaisen und Menuette. Für die meisten dieser reizvollen kleinen Stücke hat Bach weitere Fassungen vorgelegt. Zum Beispiel kann der Marsch D-Dur Wq 185 Nr. 1 sowohl in der hier vorgestellten Besetzung als auch mit »Clavier« (also mit Cembalo oder Clavichord), Klarinette und Fagott oder mit »Clavier« alleine musiziert werden. Hatte doch Carl Philipp Emanuel, der zweitälteste, am 8. März 1714 in Weimar geborene Sohn Johann Sebastian Bachs ein sehr intimes Verhältnis zum Spiel auf Tasteninstrumenten. Die D-Dur-Polonaise Wq 190 Nr. 1 wiederum wurde auch in der ersten Sammlung der Clavierstücke verschiedener Art 1765 in Berlin bei Georg Ludwig Winter veröffentlicht.

»Networker« im bürgerlichen Musik-, Geistes- und Gesellschaftsleben

In Winters Verlag ist auch das fulminante Menuett C-Dur Wq 192, mit dem sich Bach heute Abend – vier Tage nach seinem 300. Geburtstag – verabschieden wird, 1762 als Partitur in der Sammlung Musikalisches Mancherley erschienen. Selbst das B-Dur-Oboenkonzert Wq 164 existiert in einer weiteren Version als Klavierkonzert, wobei Bach bei der Transkription die langen Kantilenen besonders stark verändert hat. Schließlich ging es ihm stets um die bestmögliche Präsentation des Klangcharakters der jeweiligen Instrumente. Die Märsche, Polonaisen und Menuette hat Bach vermutlich zu bestimmten, uns leider heute nicht mehr bekannten Anlässen geschaffen. So konnte bislang nicht eruiert werden, was sich hinter dem Zusatz »für die Arche« bei dem C-Dur-Marsch Wq 188 verbirgt. Sicherlich hat Bach alle diese kleinen Stücke 1768 mit nach Hamburg genommen, wohl wissend, dass es auch hier genügend Gelegenheiten geben würde, sie im Freundes- und Bekanntenkreis zum Klingen zu bringen – eben mit den Instrumenten, die dann gerade zur Verfügung stehen würden. So zum Beispiel die 1766 komponierte D-Dur-Polonaise Wq 190 Nr. 4, die 1770 – nun bereits in Hamburg – in der Sammlung Musikalisches Vielerley veröffentlicht wurde. »Die Direction dieses Werks [gemeint ist das Musikalische Vielerley] hat unser hiesiger Capelmeister, Herr Bach, übernommen«, heißt es im Dezember 1769 in einer Presseankündigung. In ihr wird darauf verwiesen, das »darinn Stücke von keinem weitläuftigen Umfange, sowohl für die Stimme, als auch für das Clavier und andere Instrumente, vorkommen.«

Im März 1768 war Bach in die Freie Reichs- und Hansestadt Hamburg übersiedelt, als städtischer Musikdirektor an den dortigen fünf Hauptkirchen. Wie in Berlin stand nun auch hier sein Haus Künstlern und Wissenschaftlern, Journalisten und anderweitig Interessierten offen. Man traf den Schriftsteller und Kritiker Gotthold Ephraim Lessing (1729 – 1781) und den Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock (1724 – 1803), den Musiktheoretiker Johann Nikolaus Forkel (1749 – 1818), Verfasser der ersten Biografie über Johann Sebastian Bach, oder den Dichter, Komponisten und Kritiker Johann Friedrich Reichardt (1752 – 1814). Von Reichardts Schwager Carl Gottlieb Bock, dem Mann seiner jüngsten Schwester Sophie, einem Dichter und Komponisten, gibt es einen boshaften, wahrscheinlich vom Neid diktierten und gedruckt erschienenen Reisebericht aus dem Jahr 1785: »Bach ist ein kleinstädtischer, filziger, neidischer, schielender, dickbäuchiger Schmarotzer, der, obgleich nicht mehr mit den gelenkigsten Fingern, noch mit ebenso bewundernswürdiger Leichtigkeit und Sicherheit, als Nachdruck, spielt; außerdem aber, oberwähntermaaßen, unerträglich ist.« Alles, was wir über den genialen Bach wissen, straft diese Charakterskizze Lügen!

Ein Meister der Empfindsamkeit und der »Bizarrerie«

Bereits in Berlin war Bach mit Lessing befreundet gewesen. Hier hatte der Dichter zusammen mit dem Philosophen Moses Mendelssohn (1729 – 1786) und dem bereits erwähnten Christoph Friedrich Nicolai zum Dreigestirn der Berliner Aufklärer gehört. Bach, sowohl in Berlin als auch später in Hamburg eng mit dem Musik-, Geistes- und Gesellschaftsleben der jeweiligen Stadt verbunden, war in den zahlreichen privaten und halböffentlichen Gesellschaften ein gern gesehener Gast. Da Berlin keine Universität besaß (sie wurde erst 1810 gegründet) und die Königliche Akademie der Wissenschaften und Schönen Künste unter Friedrich Wilhelm I. bedeutungslos geworden war, waren der Stand der Geistesschaffenden und damit das Bürgertum in der Stadt nur schwach vertreten. Letzteres hatte im absolutistischen Preußen weder ein Mitbestimmungs- noch ein Entscheidungsrecht. Also versuchte es, diese Defizite auf privater Ebene zu kompensieren. Ein »ideales« Klima, das die Klubs und Gesellschaften in Berlin wie Pilze aus der Erde schießen ließ. In einigen kam man täglich, in anderen ein Mal wöchentlich, in wieder anderen je nach Gusto zusammen. Es wurde diskutiert, gelesen oder vorgelesen, gemeinsam oder alleine musiziert. Aufgeführt wurden beipielsweise die stramm im Zweiertakt komponierten Märsche, die dann doch erstaunlich gefällig daherkamen. Man formierte sich zu prächtigen Polonaisen oder bewunderte das Phänomem, wie weit sich die Menuette bereits vom höfischen Zeremoniell entfernt hatten. Und die Liebhaber und Kenner der Tonkunst entdeckten in alledem unverkennbar Bachs Handschrift, seinen Hang zum Eigenwilligen, den sie dann mitunter auch »Bizarrerie« nannten, sein Bedürfnis, den Fortgang einer Komposition plötzlich zu unterbrechen, einfach inne zu halten – und danach den Faden mit schöner Selbstverständlichkeit wieder aufzugreifen.

Charakteristika, die bereits in Bachs Symphonie e-Moll Wq 177 angelegt sind. Auch dieses Werk ist in zwei Fassungen überliefert: für Streicher und Basso continuo, veröffentlicht 1759 bei Balthasar Schmid in Nürnberg, sowie für Bläser, Streicher und Basso continuo Wq 178. Bei Bachs Zeitgenossen erfreute sich das 1756 komponierte Werk größter Beliebtheit. So befand Charles Burney gegenüber dem Komponisten Johann Adolph Hasse, diese Symphonie sei die beste, »die er in seinem Leben gehört« habe. Es ist erstaunlich, was in diesem e-Moll-Werk mit den zwei schnellen Ecksätzen und dem von ihnen umgebenen Andante moderato schon angelegt ist. Ansatzweise erkennt man im Eröffnungssatz sogar bereits die Sonatenform: Mit einer kraftvollen Geste trumpft das Hauptthema auf, kehrt in ausgedehnten Unisono-Passagen ständig wieder und prägt den ganzen Satz. Deutlich hebt sich davon das gesangliche Seitenthema ab, sowohl klanglich als auch im Ausdrucksgehalt. Noch gibt es kein Miteinander, keine Durchführung – das Hauptthema bleibt bestimmend. Auf den lyrischen Mittelsatz folgt ein bizarr hüpfender Kehraus, in dem das plötzliche, für Bach so charakteristische Innehalten, und die für ihn typischen eigenwilligen Gesten zu finden sind.

Um 1753 schrieb Bach sein Cellokonzert a-Moll Wq 170. Es zählt zu den überhaupt frühesten Beispielen der Gattung! Als einziges seiner drei damals entstandenen Cellokonzerte ist es autograf überliefert, geschrieben möglicherweise für Christian Friedrich Schale (1713 – 1800), den Cellisten in der Hofkapelle. Später hat Bach von diesem Werk zwei weitere Fassungen eingerichtet: für Flöte und für sein »eigenes« Instrument, das Cembalo. Mit dem wahrscheinlich in Schales Musikalischer Assemblée, einer der zahlreichen halböffentlichen Veranstaltungen in Berlin, aufgeführten a-Moll-Konzert hat Bach die Grundform für alle seine weiteren Konzerte entwickelt. Wie bei Antonio Vivaldi wechseln im Eingangssatz die Tutti-Episoden bzw. Ritornellle mit Solo-Passagen, wobei die Ritornelle bei jedem erneuten Einsatz geringfügig abgewandelt sind. Auf diese Weise wird dem Postulat von Einheit in der Mannigfaltigkeit glänzend Genüge getan. Hier wie auch im Oboenkonzert B-Dur Wq 164 »kommentiert« das Tutti mit dialogisierenden Einwürfen in den Solo-Episoden den Satzverlauf. Bei den Finali greift Bach auf die Form des Eingangssatzes zurück. Er habe hier stets der Rondo-Mode widerstanden – so sein Kommentar zu dieser Arbeitsweise. Wie sehr Bach ein Kind des empfindsamen Zeitalters war, ja, dieses entscheidend mitgeprägt hat, bringen die klanglich sorgfältig ausgearbeiteten langsamen Sätze überzeugend zum Ausdruck. Ganz nach der Devise, die Bach in seinem Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen formuliert hat: »Indem ein Musickus nicht anders rühren kan, er sey dann selbst gerührt; so muß er nothwendig sich selbst in alle Affeckten setzen können, welche er bey seinen Zuhörern erregen will; er giebt ihnen seine Empfindungen zu verstehen und bewegt sie solchergestalt am besten zur Mit-Empfindung.«

Ingeborg Allihn

Biographie

Reinhard Goebel, Gründer und 33 Jahre lang Leiter des Ensembles Musica Antiqua Köln, ist heute ein gefragter Dirigent und Vermittler seines Wissens um die sogenannte Historische Aufführungspraxis. 1952 in Siegen geboren, studierte Reinhard Goebel Violine bei Franzjosef Maier, Eduard Melkus, Marie Leonhardt und Saschko Gawriloff. Seine musikhistorischen und philologischen Interessen vertiefte er durch ein Studium der Musikwissenschaften an der Universität Köln. Seit Januar 2009 ist er Erster Gastdirigent der Bayerischen Kammerphilharmonie in Augsburg. Repertoire des 17. und 18. Jahrhunderts bringt er auch mit »modernen« Orchestern wie dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und dem Royal Philharmonic Orchestra London zur Aufführung. Am Nationaltheater Mannheim leitete Reinhard Goebel Neuproduktionen der OpernAmadis de Gaule und Temistocle von Johann Christian Bach. Mit Stipendiaten der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker studierte er 2008, 2010 und 2012 Werke von Johann Sebastian Bach bzw. Georg Philipp Telemann und Antonio Vivaldi ein, die er mit den jungen Musikern im Kammermusiksaal präsentierte. Seit Herbst 2010 ist Reinhard Goebel außerdem Professor für Barockvioline an der Universität »Mozarteum« in Salzburg. Seine Aufnahmen mit dem Ensemble Musica Antiqua Köln setzten Maßstäbe in der Interpretationsgeschichte der Alten Musik. Reinhard Goebels facettenreiches Wirken wurde vielfach prämiert: 1997 beispielsweise erhielt er für seine exemplarischen Interpretationen und seine Tätigkeit als Musikforscher den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen; 2002 verlieh ihm die Stadt Magdeburg den Telemann-Preis. Am Pult der Berliner Philharmoniker gab er sein Debüt Anfang Oktober 2013: Auf dem Programm standen Werke von Jean-Féry Rebel, Wolfgang Amadeus Mozart, Christian Cannabich und Johann Christian Bach.

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