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Kammermusik

Konzert zum Violafest 2013 - Auf den Spuren von Paul Hindemith

Tabea Zimmermann Viola und Leitung

Ania Vegry Sopran

Antje Weithaas Violine

Teresa Schwamm Viola

Gunter Teuffel Viola d'amore

Jonathan Aner Klavier

Anthony Spiri Klavier

Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Philipp Bohnen Violine, Micha Afkham Viola, Walter Küssner Viola, Richard Duven Violoncello, Dominik Wollenweber Oboe, Jan Schlichte Schlagzeug

Paul Hindemith

Streichtrio op. 34

Luciano Berio

Naturale für Viola, Schlagzeug und Zuspielband

Paul Hindemith

Sonate für Viola d'amore und Klavier op. 25 Nr. 2

Joaquín Turina

Scènes andalouses für Viola, Klavier und Streichquartett

George Benjamin

Viola, Viola

York Bowen

Fantasia for four violas e-Moll op. 41 Nr. 1

Paul Hindemith

Die Serenaden für Sopran, Oboe, Bratsche und Violoncello op. 35

In Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin, der Deutschen Viola-Gesellschaft e. V. und dem Frankfurter Hindemith-Institut

Termine

Sa, 12. Okt. 2013 20 Uhr

20:00 | Kammermusiksaal

Sonderkonzert Kammermusik

Programm

Im Oktober 2013 lädt Tabea Zimmermann – weltweit gefeierte Bratschistin, langjährige musikalische Partnerin der Berliner Philharmoniker und Professorin an der Hochschule für Musik »Hans Eisler« – zum Violafest. Der Schwerpunkt der breitgefächerten dreitägigen Veranstaltung rund um die große Schwester der Geige liegt auf der Person und dem Schaffen von Paul Hindemith, dessen Todestag sich zwei Monate später zum 50. Male jährt.

Konzerte, Vorträge, Kurse sowie eine kleine Ausstellung zum Thema »Paul Hindemith in Berlin« werden an den bedeutenden deutschen Komponisten und Bratscher erinnern und seine Werke mit Violamusik anderer Komponisten aus mehreren Jahrhunderten kontrastieren. Höhepunkt des von der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« -Berlin, der Deutschen Viola-Gesellschaft e.V. und dem Frankfurter Hindemith-Institut ausgerichteten Violafests bildet ein Konzert am 12. Oktober im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie.

Auf dem von Tabea Zimmermann und Mitgliedern der Berliner Philharmoniker in vielfältigen Besetzungen bestrittenen Programm stehen neben Hindemiths Erstem Streichtrio op. 34 aus dem Jahr 1924, der 1922 entstandenen Sonate für Viola d’amore und Klavier sowie weiteren kammermusikalischen Werken des Komponisten auch Werke von George Benjamin, Luciano Berio, Joaquin Turina und York Bowen. Ein wahres Fest also für alle Bratschenfreunde und jene, die es erst noch werden wollen!

Über die Musik

Viola, Viola!

Ein »Bratschenkonzert« zu Ehren von Paul Hindemith

Das heutige Konzert steht im Mittelpunkt einer dreitägigen Veranstaltung, die von der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« und der Deutschen Viola-Gesellschaft e.V. anlässlich des 50. Todestages von Paul Hindemith und zu dessen Ehren durchgeführt wird. Dementsprechend bilden Werke von Hindemith die Eckpfeiler eines Programms, das dem Lieblingsinstrument des Komponisten gewidmet ist.

Der in Hanau am Main geborene Paul Hindemith war zwar kein Wunderkind, erlangte aber in einem außergewöhnlich jungen Alter eine beachtenswerte musikalische und spieltechnische Reife, sodass er mit 19 Jahren Konzertmeister des Frankfurter Opernorchesters wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er noch Student am Hoch’schen Konservatorium, wo er Violine bei Adolf Rebner sowie Kontrapunkt und Komposition bei Arnold Mendelssohn und später bei Bernhard Sekles studierte. Die Orchesterstelle half Hindemith, seine Familie über die Runden zu bringen, nachdem sein Vater im Ersten Weltkrieg gefallen war. Zusätzlich war er Zweiter Geiger im Rebner-Quartett, das von seinem Lehrer geleitet wurde.

Aber die Bratsche hatte Hindemith bereits in ihren Bann gezogen! Seit 1914 spielte er sie ab und an bei verschiedenen hausmusikalischen Veranstaltungen, und kurz nach Kriegsende nutzte er die Kündigung des Bratschisten vom Rebner-Quartett, um innerhalb des Ensembles zu wechseln. Vielleicht wollte der Konzertmeister nicht mehr »die zweite Geige spielen«, gerade neben seinem ehemaligen Lehrer, aber wahrscheinlicher ist, dass er sich vom dunklen, warmen, der menschlichen Stimme so ähnlichen Ton des tieferen Instruments bezaubern ließ! Freilich hängte er die Geige nicht an den Nagel: Seine Konzertmeisterstelle behielt Hindemith noch so lange, bis er in der Lage war, vom Komponieren zu leben. Erst 1923, nachdem er einen vorteilhaften Vertrag mit dem Mainzer Schott-Verlag ausgehandelt hatte, reichte er seine Kündigung beim Theater ein.

Paul Hindemith: Streichtrio op. 34

Von 1919 an bis in die späten 1930er-Jahre übte Hindemith eine rege Konzerttätigkeit als Solist und Kammermusiker aus, die sich schwerpunktmäßig auf die Interpretation seiner eigenen und anderer neuerer Kompositionen konzentrierte: Fast alle seine Violin- und Violawerke, angefangen mit den sechs Sonaten op. 11 aus dem Jahr 1919, schrieb er für den eigenen Gebrauch. Auch die 1922 von Hindemith initiierte Streichquartett-Formation, die sich (nach ihrem Primarius) Amar-Quartett nannte, widmete sich in der Hauptsache der Neuen Musik. Es waren drei Mitglieder dieses Ensembles – Licco Amar, Paul Hindemith und Maurits Frank – die am 6. August 1924 das Streichtrio op. 34 beim Kammermusikfest der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik in Salzburg aus der Taufe hoben. Im Allgemeinen fordert die Gattung Streichtrio vom Komponisten eine solistischere Schreibweise, als es bei einem Streichquartett der Fall wäre, und so ist es auch bei diesem Stück, das einem neobarocken Geist verpflichtet ist. Im ersten, mit »Toccata« betitelten Satz bekommt jeder der drei Spieler – nach der Vorstellung des Themas im Unisono – ein ausgedehntes Solo mit charakteristischen Figuren: Triolen in der Violine, rasende Sechzehntelläufe in der Bratsche, punktierte Rhythmen im Cello. Wie bei einer barocken Trio-Sonate bewegen sich im langsamen zweiten Satz zwei imitatorisch eng verwobene Oberstimmen über einem selbständig geführten Bass. Einem pizzicato zu spielenden Scherzo-artigen Satz folgt als Finale eine Fuge, bei der Hindemith alle Register der kompositorischen Kunst – wie Engführung, Umkehrung und doppelten Kontrapunkt – virtuos zieht.

Kleine Sonate für Viola d’amore und Klavier op. 25 Nr. 2

»Ich habe einen neuen Sport;«, schrieb Hindemith im September 1922 an seine gute Freundin Emmy Ronnefeldt, »Ich spiele Viola d’amour, ein ganz herrliches Instrument, das ganz verschollen ist, und für das nur eine ganz kleine Literatur besteht. Das Schönste, was Du Dir an Klang vorstellen kannst; eine nicht zu beschreibende Süße und Weichheit. Es ist heikel zu spielen, aber ich spiele es mit großer Begeisterung und zur Freude aller Zuhörer.« Hindemith hatte die Viola d’amore (um die am meisten verbreitete Form des Namens zu benutzen) beim Frankfurter Geigenbauer Eugen Sprenger entdeckt und war von ihren klanglichen Möglichkeiten fasziniert. Das Instrument hat sieben Saiten, die meist auf die Töne des D-Dur-Dreiklangs gestimmt werden, und außerdem sieben weitere, die unter dem Griffbrett laufen und mit den oberen mitschwingen. Die Kleine Sonate für Viola d’amore und Klavier op. 25 Nr. 2, die Hindemith im Mai 1922 schrieb und wenige Tage später bei einem Sonatenabend in Heidelberg uraufführte, ist optimal auf das Instrument zugeschnitten. Ganz der Praktiker, geht der Komponist auf die spezielle Stimmung des Instruments ein, schreibt Läufe und Passagen, die wunderbar unter den Fingern liegen. Einem kurzen einleitenden Fugato mit instrumententypischen Doppelgriffen folgt ein ausgedehnter langsamer Satz, der durch rezitativische Einschübe gegliedert wird. Das schwungvolle Finale kombiniert unterschiedliche Metren und mündet in einer beeindruckenden Schluss-Steigerung.

Die Serenaden op. 35

Am 15. Mai 1924 heiratete Hindemith Gertrud Rottenberg, die Tochter des damaligen Ersten Kapellmeisters der Frankfurter Oper. Sie war als Schauspielerin und Sängerin ausgebildet, aber ein unüberwindliches Lampenfieber vereitelte ihre Bühnenlaufbahn. Nach der Heirat mit Hindemith trat sie nur noch in halböffentlichem Kreis mit ihrem Mann auf. Im Oktober 1924 sang sie die Uraufführung von Die Serenaden op. 35, die Hindemith ihr zur Hochzeit gewidmet hatte. Die »Kleine Kantate nach romantischen Texten«ist in drei Teile gegliedert; diese bestehen aus einzelnen Liedern, die durch instrumentale Zwischenspiele verbunden, teilweise auch vorweggenommen werden. In der Besetzung der Zwischenspiele entsteht eine allmähliche Steigerung vom Cello-Solo über das Streicherduett bis zum Trio. Nur in einer Nummer sind alle Aufführenden gleichzeitig beteiligt, ansonsten wechselt die Besetzung von einem Teil zum nächsten, bis endlich im letzten Satz Sopranistin und Bratsche – sprich: Gertrud und Paul Hindemith – für ein zartes Liebes- und Wiegenlied allein bleiben. Bewusst kontrastierend mit den vertonten Texten, die allesamt der Romantik entstammen, greift Hindemith kompositorisch auf barocke Satztechniken und Tanzcharaktere zurück; bei der Gestaltung seiner Melodien lässt er sich teilweise vom deutschen Kirchen- und Volksliedgut inspirieren.

Luciano Berio: Naturale

Echte Volksmusik, in diesem Fall aus Sizilien, bildet die Grundlage für Luciano Berios Naturale. Die Beschäftigung mit ihr zog sich durch Berios Schaffen wie ein roter Faden undgipfelte in eben dieser Komposition. 1964 schrieb der Italiener seine Folk Songs für Gesang und Instrumental-Ensemble, auf die er sich 20 Jahre später bezog, als er seinem Bratschenkonzert den Titel Voci (Folk Songs II) gab. In Naturale, ein weiteres Jahr später entstanden, reduzierte Berio das musikalische Material des Vorgängerwerks auf das Wesentliche: Neben der Solo-Bratsche gibt es nur noch Schlagzeug-Instrumente, die eine beeindruckende, bei jedem Lied wechselnde Klangkulisse herstellen, und – als neues, nur diesem Stück eigenes Element – die Zuspielung von Aufnahmen eines alten sizilianischen Straßensängers, die Berio selbst in Palermo gemacht hat. So lebt das Stück von dem Gegensatz einer äußerst verfeinerten Transkription der Volkslieder und der rauen Naturstimme des Sängers. Die verschiedenen Lieder handeln von der Arbeit auf dem Land, von der Liebe, vom Tod und von neuem Leben. Sie sind – wie der Widmungsträger des Werks, der sizilianische Bratschist Aldo Bennici, sagt – ein Stück echten Lebens, das man nicht als virtuoses Werk spielen darf: Man muss es erleben und darstellen.

Joaquín Turina: Scène andalouse op. 7

Der andalusische Komponist Joaquín Turina beschäftigte sich ebenfalls zeitlebens mit der Musik seiner Heimat. Nach ersten Studien in seiner Geburtsstadt Sevilla und in Madrid übersiedelte Turina nach Paris, wo er sich von 1905 bis 1913 an der Schola Cantorum bei Vincent d’Indy weiterbildete. Nach der Pariser Uraufführung von Turinas Opus 1, einem den Modellen von Johannes Brahms und César Franck stark verpflichteten Klavierquintett, musste sich der Komponist die strenge Kritik seiner Landsleute Manuel de Falla und Isaac Albéniz gefallen lassen. Sie rieten ihm, »vertrauteren Stimmen« zuzuhören und sich sein Erbe als andalusischer Künstler zu eigen zu machen. Albéniz soll ihm sogar das Versprechen »nie wieder solche Musik zu schreiben« abgerungen und ihm ans Herz gelegt haben, sein eigenes Schaffen auf dem spanischen Volkslied, auf der Musik Andalusien aufzubauen, denn er stamme ja aus Sevilla. Diesen Rat hat sich Turina sehr zu Herzen genommen und während seiner ganzen Karriere verfolgt, wie die heute zu hörende Scène andalouse op. 7 bezeugt. Als Modell für die ausgefallene Besetzung mag das Konzert für Violine, Klavier und Streichquartett op. 21 von Ernest Chausson gedient haben, aber die musikalische Sprache ist schon unmissverständlich Turinas eigene, die der Musikwissenschaftler Miguel Querol als »andalucismo universalizado« (universalisiertes Andalusiertum) beschrieben hat. Die Satztitel suggerieren eine romantisch-erotische Handlung mit der Solo-Bratsche als »fensterlndem Liebhaber«, der zunächst in der »Abenddämmerung« eine Serenade singt, bevor sich die Liebenden »am Fenster« unterhalten.

George Benjamin: Viola, Viola

Der Brite George Benjamin schrieb sein Duo Viola, Viola für das Eröffnungskonzert der Tokyo Opera City Concert Hall im September 1997. Benjamin, ein Schüler von Olivier Messiaen und Alexander Goehr, gilt als eine der originellsten Vertreter der heutigen britischen Musik. Die ungewöhnliche Anlage dieser heute erklingenden Komposition bestätigt eine solche Einschätzung, denn aus einem vermeintlich kleinformatigen Medium wie dem Bratschenduett zaubert der Komponist eine Klangvielfalt von geradezu orchestraler Tiefe hervor. Im ersten Teil wechselt das motivische Material derart rasch zwischen den Instrumenten, dass der Gesamtklang aus beiden gleichzeitig zu kommen scheint. Im Mittelteil entwickeln sich in den zwei Stimmen voneinander unabhängige melodische Abschnitte. Durch den geschickten Gebrauch von Doppel- und Mehrgriffen entsteht der Eindruck eines großen Ensembles. Der Kompositionsauftrag an Benjamin wurde von dem bedeutenden japanischen Komponisten Tōru Takemitsu vergeben, die Uraufführung bestritten die beiden Viola-Virtuosen Nobuko Imai und Yuri Bashmet.

York Bowen: Fantasie für vier Violen op. 41 Nr. 1

Selten sind die Bratsche und ihre Musik so intensiv gepflegt worden wie an der Londoner Royal Academy of Music in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Der damalige Viola-Professor Lionel Tertis – der erste überhaupt in der Geschichte der Institution – war von einem wahrhaftig missionarischen Eifer besessen, der ihn veranlasste, alle ihm bekannten Komponisten um Werke für sein Instrument zu bitten. York Bowen studierte noch an der Academy, als er seine ersten Kompositionen für Tertis schrieb. Da Bowen zudem ein exzellenter Pianist war, wurde er Tertis’ Klavierbegleiter bei dessen Sonatenabenden und konnte so die existierende Literatur im Detail kennenlernen. Diese Erfahrung[,] und die Tatsache, dass sein zweites Instrument ausgerechnet die Bratsche war, halfen ihm, besonders idiomatisch für das Instrument zu komponieren. Die insgesamt zwei Sonaten und einige kürzere klavierbegleitete Stücke sowie ein großangelegtes Konzert wurden alle unmittelbar nach ihrer Entstehung von Tertis uraufgeführt. Bowen schrieb die Fantasie für vier Violen für ein Konzert der Gesellschaft Britischer Komponisten, bei dem Tertis im März 1908 mit seinen Schülern auftrat. Der damalige Mäzen William Walter Cobbett bemühte sich in diesen Jahren, die von ihm als urenglisch angesehene Musikform der Fancy oder Fantasie aus der elisabethanischen Zeit wiederzubeleben und vergab mehrere entsprechende Kompositionsaufträge. Zwar geht Bowens Fantasie nicht auf einen solchen zurück – obwohl er einige andere Kompositionen für Cobbett geschrieben hat – aber die Anlage ist durchaus vergleichbar: ein einziger Satz von ca. zehn Minuten Dauer, der in seinen verschiedenen Abschnitten unterschiedliche Stimmungen durchwandert. Der allgemeine Charakter des Stücks ist trotz der treibenden Kraft der schnellen Teile eher elegisch-melancholisch. In der ausgedehnten Schluss-Passage wird eine Atmosphäre der Verklärtheit verbreitet, die wie ein wagnerscher Liebestod anmutet. Bowen schaffte es, mit vier Bratschen das klangliche Spektrum eines ganzen Streichquartettes zu suggerieren: Kaum ein anderes Werk wäre adäquater, um die Vorzüge dieses bezaubernden, aber immer noch unterschätzten Instruments in den Mittelpunkt zu stellen.

Carlos Solare

Biographie

Micha Afkham begann im Alter von fünf Jahren Geige zu spielen. Mit 16 wechselte er zur Bratsche, studierte zunächst bei Hatto Beyerle an der Musikhochschule Hannover und von 1999 an weiter bei Tabea Zimmermann an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin. Zahlreiche Meisterkurse bei Künstlern wie Yuri Bashmet, Gidon Kremer, Wolfram Christ, Serge Collot und Herman Krebbers ergänzten seine künstlerische Ausbildung. Zudem war Micha Afkham Stipendiat der Villa Musica Mainz, des Richard Wagner Verbandes Hannover und der Deutschen Stiftung Musikleben Hamburg. 2003 wurde er in die Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker und im Folgejahr in die Bratschengruppe des Orchesters aufgenommen. Der mehrfache Preisträger internationaler Wettbewerbe konzertiert regelmäßig als Solist und Kammermusiker im In- und Ausland; seit der Spielzeit 2006/2007 ist er Mitglied im Scharoun Ensemble Berlin.

Jonathan Anerstudierte Klavier an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover und an der Musikhochschule in Lübeck; 2007 folgte ein Aufbaustudium zum Master of Music am New England Conservatory in Boston. Zusätzliche Impulse erhielt der Pianist von Murray Perahia und András Schiff. Der Musiker trat mit führenden israelischen Orchestern auf, u. a. mit dem Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Zubin Mehta. Er gewann Preise bei diversen internationalen Klavier- und Kammermusikwettbewerben, z. B. bei der Melbourne International Competition in Australien, dem Concorso Vittorio Gui in Italien und dem Joseph-Joachim-Wettbewerb in Deutschland. Jonathan Aner, langjähriger Pianist des Tel Aviv Trios, ist Mitglied des 2006 gegründeten Oberon Trio und des Duo Brillaner mit Shirley Brill. Ferner musiziert er regelmäßig mit Tabea Zimmermann sowie mit dem Jerusalem Quartet und dem Borromeo Quartet. Jonathan Aner gab Rezitale in renommierten Konzertsälen wie der New Yorker Carnegie Hall, dem Auditorium du Louvre in Paris, dem Kennedy Center in Washington und der Tivoli Hall in Kopenhagen. Einladungen als Dozent führten ihn in die USA, nach Europa, Asien und Australien. 2010 wurde er zum Gastprofessor und ein Jahr darauf zum ordentlichen Professor an die Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin berufen. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gibt der Musiker nun sein Debüt.

Philipp Bohnen wurde mit neun Jahren Schüler von Vesselin Paraschkevov, der ihn drei Jahre später als Jungstudenten an der Folkwang Hochschule Essen annahm. 1999 wechselte er an die Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin, wo zunächst Stephan Picard und später Antje Weithaas seine Lehrer waren; 2006 legte er sein Diplom ab. Anschließend begann Philipp Bohnen ein Aufbaustudium zum Konzertexamen und wurde Stipendiat der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker. Im Januar 2008 nahm ihn das Orchester in die Gruppe der Zweiten Violinen auf. Seit 1995 konzertiert Philipp Bohnen auch regelmäßig als Solist und Kammermusiker, beispielsweise im mehrheitlich mit philharmonischen Kolleginnen und Kollegen besetzten Ensemble Berlin sowie im philharmonischen Varian Fry Quartett; 2009 gründete er zudem mit Gerhard Vielhaber, Barbara Buntrock und Peter-Philipp Staemmler das Mariani Klavierquartett. Der Stipendiat der Deutschen Stiftung Musikleben wurde u. a. mit dem Nordmetall Ensemblepreis 2011 der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet. Philipp Bohnen, der lange Zeit auf einer Violine von Giovanni Battista Guadagnini aus dem Jahr 1756 musizierte, spielt heute eine Violine von Stephan von Baehr (Paris 2009).

Richard Duven erhielt mit neun Jahren den ersten Violoncello-Unterricht von Daniel Cahen in Wuppertal. Von 1972 an studierte er an der Kölner Musikhochschule; 1975 setzte er sein Studium bei Wolfgang Boettcher an der Hochschule der Künste in Berlin (heute Universität der Künste) fort. Erste Orchestererfahrungen sammelte Richard Duven als Mitglied des Bundesjugendorchesters (1975) und der Jungen Deutschen Philharmonie (1977). 1986 kam er zu den Berliner Philharmonikern. Als Solist und Kammermusiker ist der Cellist besonders der zeitgenössischen Musik zugewandt. Er engagiert sich in diversen Kammermusikgruppen wie den 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker und dem Scharoun Ensemble Berlin.

Walter Küssner erhielt seine Ausbildung bei Jürgen Kussmaul in Düsseldorf, Kim Kashkashian in New York und Michael Tree in St. Louis. In der Saison 1986/1987 war er Stipendiat der philharmonischen Orchester-Akademie. Der Preisträger mehrerer Wettbewerbe wurde 1987 Mitglied des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks in München. Zwei Jahre später wechselte er zu den Berliner Philharmonikern, bei denen er auch in zahlreichen Kammermusikformationen mitwirkt, z. B. bei den Berliner Barock Solisten, im Concerto Melante, im Philharmonischen Streichoktett und im Athenäum Quartett. Außerdem kümmert sich Walter Küssner archivarisch um die Geschichte des Orchesters. Als Gastprofessor für Viola unterrichtet er seit 2002 an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin, drei Jahre später wurde er auf eine Ehrenprofessur an der Musikhochschule in Schanghai berufen. Im Rahmen von Meisterkursen lehrt Walter Küssner, der auch als Dozent an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker tätig war, in Europa, Asien, Süd- und Nordamerika.

Jan Schlichte, 1972 in Frankfurt am Main geboren, fand über das Klavierspiel den Weg zum Schlagzeug. Von 1991 an studierte er in seiner Heimatstadt und später an der Musikhochschule in Trossingen. Dort wurde er von Franz Lang und Rainer Seegers, dem Pauker der Berliner Philharmoniker, unterrichtet. Seegers war neben Franz Schindlbeck auch sein Lehrer an der philharmonischen Orchester-Akademie. Umfassende Orchestererfahrung sammelte Jan Schlichte u. a. in der Jungen Deutschen Philharmonie und im Rundfunkorchester des Südwestfunks. Seit September 1998 gehört er den Berliner Philharmonikern an. Sein besonderes Engagement für die zeitgenössische Kammermusik für Klavier und Schlagzeug führte nach Konzerten auf verschiedenen Festivals zur Gründung des philharmonischen Ensembles KlangArt Berlin, das sich zum Ziel gesetzt hat, Neue und Neueste Musik zur Aufführung zu bringen. Außerdem musiziert Jan Schlichte im Kammerensemble für Neue Musik Berlin und mit dem Scharoun Ensemble. Als Dozent war er an einem musikpädagogischen Projekt in Venezuela beteiligt.

Teresa Schwamm, 1988 in Augsburg geboren, erhielt Unterricht von Jorge Sutil und setzte anschließend ihre Ausbildung bei Tabea Zimmermann an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin fort. Weitere künstlerische Anregungen erhielt sie u. a. von Lars Anders Tomter, Lawrence Power, Nils Mönkemeyer, Kim Kashkashian und Barbara Westphal. Als Solobratschistin konzertierte die Musikerin in den Reihen des European Union Youth Orchestra, des Bundesjugendorchester, des Ensemble Resonanz und der Augsburger Philharmoniker. Zudem spielt sie regelmäßig Orchesteraushilfen bei den Berliner Philharmonikern, beim Mahler Chamber Orchestra und beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Solistisch trat Teresa Schwamm mit den Hofer Symphonikern, dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim und mit dem Bundesjugendorchester auf. Die Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe ist Gründungsmitglied des Armida Quartetts.

Anthony Spiri erhielt seine Ausbildung in Cleveland, in Boston und zuletzt am Salzburger Mozarteum, wo er von 1987 bis 1993 Assistent von Nikolaus Harnoncourt war. Heute zählt der amerikanische Pianist zu den vielseitigsten und angesehensten Liedbegleitern, Kammermusikern und Solisten. Anthony Spiri verfügt über ein breit gefächertes Repertoire, das von Alter Musik bis zu Kompositionen des 21. Jahrhunderts reicht, wobei er dem Schaffen der Söhne Johann Sebastian Bachs besondere Aufmerksamkeit widmet. Dabei ist er einer der wenigen Interpreten der Klaviermusik von Wilhelm Friedemann, Carl Philip Emanuel und Johann Christian Bach auf dem modernen Konzertflügel. Zudem hat Anthony Spiri Werke von Wolfgang Rihm, Rainer Bischof, Ernst Křenek, Sofia Gubaidulina und York Höller uraufgeführt. Weiterhin ist es ihm ein zentrales Anliegen, das Œuvre zu Unrecht in Vergessenheit geratener Komponisten wie etwa dasjenige von Johannes Brahms’ Klavierlehrer Eduard Marxsen dem Publikum wieder zugänglich zu machen. Anthony Spiri gastierte u. a. beim Chamber Orchestra of Europe, beim Kammerorchester Basel und bei der Camerata Salzburg; dabei hat er mit Dirigenten wie Nikolaus Harnoncourt, Christopher Hogwood und Michael Tilson Thomas zusammengearbeitet. Als Liedbegleiter hat er mit bekannten Sängerinnen und Sängern wie Bernarda Fink, Marjana Lipovšek, Edith Mathis und Peter Schreier konzertiert. Im Bereich der Kammermusik ist Anthony Spiri Partner vieler renommierter Instrumentalisten, Streichquartette und Ensembles. Der Künstler lebt in München und lehrt als Professor für Klavierkammermusik an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Bei einem Konzert der Stiftung Berliner Philharmoniker war er zuletzt im Oktober 2012 zu Gast.

Gunter Teuffel studierte bei Enrique Santiago und dem Melos Quartett an der Musikhochschule Stuttgart sowie am Salzburger Mozarteum bei Jürgen Geise, Sandor Végh und William Primrose. Nachdem er sein Konzertdiplom mit Auszeichnung erhalten hatte, war der Musiker von 1978 bis 1982 Solo-Bratscher der damals von Sandor Végh geleiteten Camerata Academica des Mozarteums Salzburg (heute Camerata Salzburg); seit 1982 spielt er auf derselben Position beim Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR. Als Solist (Viola und der Viola d’amore) arbeitet Gunter Teuffel mit dem Pianisten Anthony Spiri und dem Gitarristen Joaquin Clerch zusammen; ebenfalls solistisch war er unter Dirigenten wie Roger Norrington, Christopher Hogwood, Sir Neville Marriner und Andrey Boreyko zu hören. Im Bereich der Kammermusik musiziert der Künstler regelmäßig mit dem Melos- und mit dem Mandelring Quartett. Künstlerische Partnerschaften verbinden ihn zudem mit dem Trio Parnassus, dem Diabelli-Trio sowie mit dem Linos Harfenquintett; in den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gibt er nun sein Debüt. Seit 1981 übernahm Gunter Teuffel Lehraufträge am Mozarteum Salzburg sowie an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, die ihm im Jahr 2000 eine Professur verlieh. Zahlreiche CD- und Rundfunkproduktionen dokumentieren seine künstlerische Tätigkeit.

Die Sopranistin Ania Vegry studierte an der Hochschule für Musik und Theater Hannover; Meisterkurse bei Klesie Kelly, Grace Bumbry, Ingrid Figur, Aribert Reimann und Teresa Berganza rundeten ihre Ausbildung ab. Die Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes, des Yehudi Menuhin Live Music Now-Programms und des Richard-Wagner-Verbandes ist Preisträgerin zahlreicher nationaler und internationaler Wettbewerbe. 2010 wurde ihr für ihre herausragenden künstlerischen Leistungen der Praetorius Förderpreis des Landes Niedersachsen verliehen. Ania Vegry tritt als Solistin mit namhaften Orchestern und Ensembles wie mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, der NDR-Radiophilharmonie, Stockholm Chamber Brass, dem Amadeus Chamber Orchestra und der Musica Alta Ripa auf. Ihr weit gefächertes Repertoire umfasst ebenso Werke des Barockzeitalters wie Kompositionen von Claude Debussy, Luigi Nono und Aribert Reimann. Seit September 2007 gehört Ania Vegry zum Ensemble der Staatsoper Hannover; in den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker die Sängerin nun erstmals zu erleben.

Antje Weithaas, die heute zu den gefragtesten Solistinnen und Kammermusikerinnen ihrer Generation zählt,begann im Vorschulalter mit dem Violinspiel; später studierte sie an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin bei Werner Scholz. Engagements führten die Gewinnerin zahlreicher nationaler und internationaler Wettbewerbe in renommierte Konzertsäle wie in die New Yorker Carnegie und die Londoner Wigmore Hall. Zudem gastierte die Geigerin bei den führenden europäischen, asiatischen und nordamerikanischen Klangkörpern und arbeitete hierbei mit Dirigenten wie Vladimir Ashkenazy, Sir Neville Marriner, Marc Albrecht, Yakov Kreizberg, Sakari Oramo und Carlos Kalmar zusammen. Im Bereich der Kammermusik verbinden Antje Weithaas künstlerische Partnerschaften mit Tanja und Christian Tetzlaff, Clemens Hagen, Silke Avenhaus, Sharon Kam, Lars Vogt und Jörg Widmann. Einen weiteren Schwerpunkt bildet zudem die Arbeit im Arcanto Quartett mit Daniel Sepec, Tabea Zimmermann und Jean-Guihen Queyras. Ihr weitgefächertes Konzertrepertoire beinhaltet neben den großen Konzerten Mozarts, Beethovens und Schumanns auch Klassiker der Moderne von Dmitri Schostakowitsch, Sergej Prokofjew, György Ligeti und Sofia Gubaidulina sowie selten gespielte Violinkonzerte wie die von Erich Wolfgang Korngold, Karl Amadeus Hartmann und Othmar Schoeck. 1999 bis 2004 war Antje Weithaas Professorin an der Universität der Künste in Berlin; seit 2004 hat sie eine Professur für Violine an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin inne. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker ist die Künstlerin nun erstmals zu erleben.

Dominik Wollenweber studierte bei Hagen Wangenheim an der Münchner Musikhochschule sowie bei Simon Dent am dortigen Richard Strauss-Konservatorium. Von 1991 bis 1993 war er als Stipendiat der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker Schüler von Hansjörg Schellenberger; in dieser Zeit spielte er auch als Solo-Oboist im Jugendsymphonieorchester der Europäischen Union unter der Leitung von Claudio Abbado. 1992 wurde Dominik Wollenweber der Förderpreis des Bayerischen Kultusministeriums verliehen, ein Jahr darauf kam er als Englischhornist zu den Berliner Philharmonikern. 1996 war er Preisträger beim ARD-Wettbewerb in München. Neben seiner Tätigkeit im Orchester und kammermusikalischen Aktivitäten u. a. im Berliner Philharmonisches Bläserensemble lehrt Dominik Wollenweber seit dem Jahr 2000 als Gastprofessor für Oboe an der Musikhochschule »Hanns Eisler« Berlin und betreut die Holzbläser des Gustav-Mahler-Jugendorchesters. Außerdem ist er Dozent an der philharmonischen Orchester-Akademie.

Tabea Zimmermann begann bereits im Vorschulalter mit dem Bratschen- und dem Klavierspiel. Ihr Viola-Studium an der Musikhochschule Freiburg rundete sie bei Sándor Végh am Salzburger Mozarteum ab; zahlreiche Wettbewerbserfolge begleiteten ihre Ausbildung. Tabea Zimmermann arbeitet mit den bedeutendsten Dirigenten und den weltweit führenden Orchestern zusammen. Bei den Berliner Philharmonikern gastierte sie erstmals im September 1992 unter der Leitung von Bernard Haitink, zuletzt in Berliner Konzerten des Orchesters war sie im Juni 2010 mit der Bratschenpartie in Béla Bartóks Violakonzert zu hören (Dirigent: Semyon Bychkov). Mit großer Leidenschaft der zeitgenössischen Musik zugewandt, hat Tabea Zimmermann u. a. die eigens für sie komponierte Sonate für Viola solo von György Ligeti (1994), das Bratschenkonzert Nr. 2 Über die Linie IV von Wolfgang Rihm (2002) und – gemeinsam mit Antoine Tamestit – das Bratschen-Doppelkonzert von Bruno Mantovani (2009) uraufgeführt. Eine tragende Säule im Bereich der Kammermusik ist ihre Arbeit mit dem Arcanto-Quartett, das sie 2004 mit Antje Weithaas und Daniel Sepec (Violine) sowie Jean-Guihen Queyras (Violoncello) gegründet hat. Nachdem Tabea Zimmermann in den vergangenen Spielzeiten Residencies in Weimar, Luxemburg, Hamburg und beim Bodenseefestival gestaltet hat, war sie in der Spielzeit 2012/2013 Artist in Residence bei den Bamberger Symphonikern. Für ihr künstlerisches Wirken ist die Musikern im In- und Ausland mehrfach ausgezeichnet worden, u. a. mit dem Frankfurter Musikpreis, dem Hessischen Kulturpreis, dem Rheingau Musikpreis, dem Internationalen Preis der Accademia Musicale Chigiana in Siena und dem Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau. Nach Lehrtätigkeiten als Professorin an den Musikhochschulen in Saarbrücken und Frankfurt am Main wurde Tabea Zimmermann im Oktober 2002 an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin berufen.

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