Berliner Philharmoniker

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Kammermusik

Roger Willemsen Moderation und Programmgestaltung

Sergey Starostin Verschiedene Instrumente und Gesang

Mariana Sadovska Gesang, Harmonium und Klavier

Vokalensemble Kurbasy

Mariia Oneshchak, Nataliia Rybka-Parkhomenko, Myroslava Kyshchun-Rachynska

Janne Saksala Kontrabass

Esko Laine Kontrabass

Peter Riegelbauer Kontrabass

Teil 4: Unterwegs - Beschwörungsrituale in Osteuropa

Termine

Mi, 23. Apr. 2014 20 Uhr

Kammermusiksaal

Programm

Am östlichen Rand Europas begegnen sich die Kräftepole Natur und Technik in ihren Extremen. In den unendlichen Weiten der Ukraine und Russlands befinden sich die letzten Urwälder Europas, große Flüsse wie Wolga, Ural oder Dnipro durchziehen das Land zwischen der Westgrenze Kasachstans und der Ostgrenze Polens. Es sind aber auch dies Gebiete der Transsibirischen Eisenbahn, der Grubenunglücke im Bergbaugebiet Donezk, des Sarkophags von Tschernobyl und des Friedhofs atomverseuchter U-Boote in Murmansk. Die großen, wilden Landschaften zwischen Beringsee, Kaspischem und Schwarzem Meer sind ein reicher Kulturraum für Millionen Menschen. In Metropolen wie im ukrainischen Odessa oder im russischen Jekaterinenburg und Perm entstehen bis heute immer wieder kraftvolle künstlerische Impulse, deren Wellen bis nach Paris und Berlin wirken.

In der vierten Ausgabe von Unterwegs in dieser Saison laden wir Sie ein zu einem musikalischen Beschwörungsfest – einer Kupala Nacht. Musiker wie der russische Multi-Instrumentalist Sergej Starostin auf traditionellen Blasinstrumenten und die ukrainische Sängerin Mariana Sadovska haben in den letzten 20 Jahren in zahlreichen Expeditionen Osteuropa durchstreift und neues und archaisches musikalisches Material gesammelt und geschaffen. Heute zelebrieren sie in einer Kupala Nacht ihren Blick auf das Verhältnis der Menschen zu Natur und Technik. Sie singen und spielen von geheimen Ritualen junger Liebender, die übers Feuer springen, und sie beschwören die Kräfte des Wassers und der Sonne, in der Hoffnung auf magische Selbstreinigung und Heilung der durch große Katastrophen beschädigten Menschen und der Umwelt.

Über die Musik

»Wer nicht singt, dem kann die Seele verbrennen«

Eine ukrainisch-russische Kupala-Nacht

Ende der 1980er-Jahre entstand in einem kleinen ukrainischen Dorf die poetische Dokumentation There is a tree in the field (Drevo). Der Regisseur Pavlo Farenyuk begleitete mit seiner Kamera den Alltag und die mehrstimmigen Gesänge einiger älterer Frauen von Kryachkivka in der Region Poltava. Dieses Dorf mag mittlerweile fast verstummt sein, in der Kupala-Nacht aber, der wir am heutigen Abend beiwohnen, können wir auch Lieder dieser Frauen hören, darunter Lieder aus dem Gedächtnis von Halyna Popko, die einmal zu Mariana Sadovska gesagt hat: »Ich habe dir mein ganzes Leben gesungen.«

Nun bringt Mariana Sadovska diese Volksweisen auf das Podium des Kammermusiksaals der Berliner Philharmonie. Doch führt das in enger Zusammenarbeit mit Sergey Starostin, der bekanntesten Stimme der russischen Weltmusikszene, dem Trio Kurbasy aus Lviv/Lemberg und den drei Kontrabassisten aus den Reihen der Philharmoniker konzipierte Konzert keine archaischen Rituale vor. Wir erleben keine ethnografische Reise, die sich an die Vorgaben musikwissenschaftlicher Forschung hält, sondern wir haben Teil an einen Abend der Erinnerung und Improvisation, verbunden mit dem tiefen Wissen um Traditionen und dem Mut mit diesem uralten Material zu arbeiten, dabei Brücken bauend ins postmoderne nach Wurzeln suchende Heute. Dabei begegnen sich die Musiker aus der Ukraine und aus Russland mit Respekt und Bewunderung. Sergey Starostin aus Moskau kann nichts davon abhalten mit Mariana Sadovska auf der Bühne zu stehen. Denn er findet viele Anknüpfungspunkte und mehr Verbindendes als Trennendes in der russischen und ukrainischen Kultur.

Beide Künstler gehören zu den wichtigsten und experimentierfreudigsten Stimmen der Ukraine und Russlands. Diese osteuropäischen Kulturen haben vieles gemeinsam und weisen doch originäre Züge auf. Lieder aus beiden Kulturen rund um den Lauf des Lebens und den Jahreszyklus bringt uns die Kupala-Nacht Strophe für Strophe näher. Es ist hohe Zeit für ein solches Konzert, denn für viele Mitteleuropäer sind Russland und die Ukraine trotz oder wegen der oft polarisierenden politischen Berichterstattung immer noch Terrae Incognitae – vor allem sind es kulturell unbekannte Landschaften. Dabei bergen sie einen Reichtum an Liedern, Bräuchen und Ritualen die es wert sind, entdeckt zu werden. »Nur wer einander besser kennt, der kann sich mit Respekt begegnen«, sagt Mariana Sadovska – auch das ist eine Botschaft dieses Abends mit russischen und ukrainischen Liedern.

Vor etwa zwei Jahren trafen sich Mariana Sadovska und Sergey Starostin zum ersten Mal auf einem Festival bei Moskau. Dabei kam es im Mikhail-Privshin-Museum im Dorf Dunino zu einem gemeinsamen Auftritt. (Unter dem Titel »Das Leben ist eine Reise« ehrte man dort den 1873 geborenen Schriftsteller, Philosophen und Fotografen Mikhail Privshin mit einer Ausstellung.) Beide Musiker zeichnet ein profundes Wissen um die Volkskulturen ihrer Länder aus. Wissen, das aus Büchern, Archiven, Tonkonserven, vor allem aber von Begegnungen mit Menschen stammt, deren Alltag von Liedern begleitet ist. Diesen Menschen aus vielen Teilen der Ukraine, Russlands und der Diaspora sind Mariana Sadovska und Sergey Starostin bis heute verbunden. Erst vor wenigen Jahren stand Mariana Sadovska beim Weltmusikfestival TFF in Rudolstadt mit den stimmgewaltigen Frauen aus dem Dorf Kryachkivka auf der Bühne. Wer diese Lieder gehört hat, versteht, warum Mariana Sadovska diese Kultur vor den Vergessen bewahren möchte.

Seit Jahren reist die ukrainische Sängerin und Schauspielerin durch entlegene Landstriche der Ukraine. Dort sammelt sie heidnische Frühlingsrituale, anrührende Hochzeitslieder und verwegene Gesänge aus den Waldkarpaten, Jahrhunderte altes Material, das in sowjetischen Zeiten selten auf ein Konzertpodium gelangte, aber lange durch lokale mündliche Überlieferung bewahrt werden konnte. Selbst unter Ukrainern sind diese Gesänge heute weitgehend unbekannt. Noch unbekannter sind sie in Russland.

Ganz ähnlich geht Sergey Starostin vor. Seine Mutter und seine Großeltern stammen aus der Region Tula, aus dem Dorf Ivanovka, sein Vater wuchs in Bogdanovo auf, einem Dorf in der südrussischen Region Tambov. So lag es nahe, dass der Moskauer Musiker zunächst in diesen Regionen begann, Lieder zu sammeln. Doch hat er seine Erkundungen längst auf ganz Russland ausgedehnt. So ist ein Kompendium an Liedern entstanden, gesammelt zwischen Tver, Smolensk, Kurks und Archangelsk hoch im Norden: Arbeitslieder, Hochzeitsweisen, Liebeslieder, rituelle Gesänge.

Aus diesem Fundus und ähnlichen exemplarischen Liedern aus der Ukraine und Russland wurde das Programm der heutigen Kupala-Nacht zusammengestellt. Dabei besteht ein starker Kontrast zwischen den fast minimalistischen Interpretationen durch Sergey Starostin und dem leidenschaftlichen, oft theatralisch überhöhten Gesang von Mariana Sadovska, die in ihrem russischen Künstlerkollegen einen »seelenverwandten Bruder« sieht, jemanden, der wie sie den Geist der Lieder bewahrt ohne sich sklavisch an die überlieferte Form zu halten. Dabei dringt Mariana Sadovska mit ihrer expressiven Stimme in Regionen vor, von denen man vor ihren Konzerten nur ahnen konnte, dass es sie gibt. Sergey Starostin setzt seine Stimme wie ein russischer Bobby McFerrin ein, ohne zu forcieren und ohne jede Künstlichkeit. Wenn er heute Abend bei manchen seiner Stücke wie ein Baum auf dem Feld ganz allein auf der Bühne steht und singt, meint man dennoch die Ahnen mitzuhören. Sergey Starostin, Mariana Sadovska wie auch das Trio Kurbasy steuern aber auch eigene Melodien zum gemeinsamen Programm bei, und es wird in diesem Konzert viele chorische Momente geben, wenn die fünf Sängerinnen und Sänger gemeinsam agieren.

Es war Mariana Sadovska dringender Wunsch, dieses Konzert, neben Sergey Starostin, mit dem Ensemble Kurbasy zu gestalten. Für sie verkörpern diese drei jungen Frauen nicht nur die nächste Generation in der ukrainischen Musik, sondern kommen, wie Mariana Sadovska selbst, aus der Welt des Theaters, eines Theaters der Forschung, des Experiments, des Suchens und Reinterpretierens von archaischen Zeichen. Das Trio hat in den letzten Jahren das Lied als Drama systematisch erkundet. Die Künstlerinnen tauchen dabei tief in die Atmosphäre, Geschichte und Bedeutung jedes Liedes ein und experimentieren mit dem Klangraum, mit Improvisation und ihren Musikinstrumenten. Die Ergebnisse dieser musikalischen Forschungen wurden 2009 auf einer ersten CD mit dem Titel raytse veröffentlicht. Seitdem treten Kurbasy regelmäßig in der Ukraine und in Osteuropa auf.

Doch Mariana Sadovska verbindet mit den drei Frauen nicht nur die Arbeit an experimentellen Theaterformen. Vor einem Jahr begleiteten Kurbasy die Hochzeit von Mariana Sadovskas Bruder in Lviv mit rituellen Liedern. Eine Hochzeit, bei der vom Ankleiden der Braut bis zum Abschied der Gäste in jedem Moment gesungen wurde. »Fragmente dieser Hochzeitslieder kommen auch in Berlin auf die Bühne«, berichtet Marina Sadovska. »Im ersten Teil des Konzertabends stellen wir rituelle Lieder vor, die eine sehr wichtige Funktion hatten, um die Natur in Balance zu halten, mit der Natur zu leben, auf sie zu antworten, zu bitten, zu zaubern, zu danken, zu verstehen und sich mit der Natur verbunden zu fühlen. Im Norden der Ukraine sagt man, dass man nicht über den Frühling singt, sondern dass der Frühling singt – oder der Sommer. Jedes Lied durfte früher nur zu dieser bestimmte Zeit gesungen werden.« Dabei hört man den kehlig-harten Klang ukrainischer Stimmen und immer wieder archaische Rufe, die beim Sommersonnenwendefest »Ivan Kupalo« ausgestoßen werden.

Die Themen der Lieder sind so vielfältig wie ihre Melodien. So wird der Frühling mit all seiner Kraft angerufen, werden Türen zu Zwischenwelten singend aufgestoßen und immer wieder erklingen archaische Instrumente der russischen Bauern, gespielt von Sergey Starostin. Wie das Holzhorn Rozhok, eine Art Naturtrompete. Im nordöstlich-zentralen Teil des europäischen Russlands nahe Wladimir und Jaroslavl wurde dieses Instrument häufig gespielt. Sergey Starostin beherrscht meisterhaft ein ganzes Instrumentenarsenal, zu dem die russische Zither Gusli gehört, aber auch die zwischen 30 und 40 Zentimeter lange, mundstücklose Holzflöte Svirel. Der Spieler lässt seinen Atem an der Rohrwand brechen, was einen flötenähnlichen eindringlichen Ton erzeugt. Mariana Sadovska wiederum begleitet ihren Gesang auf einem indischen Harmonium, das sie von einer Expedition nach Afghanistan mitgebracht hat.

Dabei ergeben sich Querverbindungen und erstaunliche Bezüge zwischen ukrainischen und russischen Liedern, wie etwa bei Tania, Taniusha im zweiten Konzertteil, wo wir Zuhörer es bedauern werden, zu sitzen und nicht auf dem Tanzboden herumzuwirbeln, wie in einem russischen Dorf in den 60er- oder 70er-Jahren: »Tania hat ein weißes Gesicht, Tania hat schwarze Augenbrauen, Tania hat rosige Wangen, Tania tanzt Türkisch und Deutsch. Sie ging zum Hofe des Bojaren, der Bojarensohn stand auf der Veranda und schaute nach Tania. Wunderschöne Tania. Ich liebe Tania. Ich werde sie heiraten. Tania bekam Angst und hörte auf zu Atmen«, lautet der Text …

Das gemeinsame, für Improvisationen offene Konzert, bei dem sicher auch gesungen wird, was nicht im Programm steht, bringt als letztes Lied eine Weise aus dem Dorf Kryachkivka, wo man immer mit einer besonderen Ornamentik (im Ukrainischen sagt man »mit viel Knie«) gesungen hat. Dort hat Mariana Sadovska Ende der 1980er-Jahre das eingangs erwähnte »Lied vom Baum des Lebens« – Drevo – zum ersten Mal gehört. Es wurde am Tisch gesungen, wenn Frauen und Männer beieinander saßen. Im Ofen prasselte Feuer, auf dem Herd köchelte ein Topf Kascha. Die Abende waren lang. Das fast schon hymnische Lied spiegelt die ganze Welt – auch in ihrer Tragik: Ein Mädchen weint um ihren Freund, den Kosaken, der weit fort ist. Sie fragt sich, wer ihm am Abend sein Bett bereitet. In der Fremde. – Eine weiche Lagerstatt aus ukrainischen und russischen Liedern bauen Mariana Sadovska, Sergey Starostin, das Trio Kurbasy und die drei philharmonischen Kontrabassisten in der Kupala-Nacht.

Grit Friedrich

Grit Friedrich hat Ost- und Südosteuropawissenschaften sowie Journalistik studiert. Sie ist als freie Autorin, Redakteurin und Moderatorin mit Schwerpunkt Musik, Kulturen, Alltag in Ost- und Südosteuropa tätig und arbeitet für verschiedene Rundfunksender, darunter MDR Figaro, RBB Kulturradio, Deutschlandradio Kultur und BR Klassik. Grit Friedrich ist Herausgeberin von CDs u. a. mit rumänischer Musik bei den Labels Oriente Trikont sowie Asphalt Tango Records. Zudem ist sie Mitarbeiterin beim Festival Off Europa in Leipzig und Dresden.

Biographie

Mariana Sadovska wurde in Lviv (Lemberg) in der Ukraine geboren, wo sie an der Ludkiewicz-Musikhochschule ein Klavier-, Kompositions- und Pädagogikstudium absolvierte. Nach ihrer sich anschließenden Schauspielausbildung am Akademischen Theater Les Kurbas in Lviv folgte eine 10-jährige Tätigkeit am Gardzienice Theater im polnischen Lublin, im Rahmen derer die Komponistin, Sängerin, Multi-Instrumentalistin und Schauspielerin auch bei zahlreichen internationalen Festivals auftrat. Ein Stipendium der Earth Foundation führte Mariana Sadovska 2001 nach New York, wo sie Konzerte experimenteller und improvisierter Musik mit Anthony Coleman, Michael Alpert, Frank London und Victoria Hanna gab. Weitere Stipendien in den USA ermöglichten musiktheoretische Studien und die Arbeit an dramatischen Kompositionen. Wesentliche Inspirationen findet Mariana Sadovska in der Volksmusik Osteuropas, des Kaukasus und Zentralasiens, die sie systematisch erforscht und in neuen Arrangements präsentiert. Zur Interpretation traditioneller Lieder und Gesänge aus der Ukraine gründete die seit 2002 in Köln lebende Künstlerin die Band Borderland, mit der sie u. a. im WDR-Sendesaal, beim Weltmusikfestival TFF Rudolstadt, in der Reihe »Klangkosmos – Weltmusik in NRW«, in der Brooklyn Academy of Music in New York sowie in der ukrainischen Hauptstadt Kiew zu erleben war. Als experimentierfreudige Solo-Performerin gastiert Mariana Sadovska regelmäßig in ganz Europa, im Nahen Osten sowie in den USA. Mariana Sadovska wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet, zuletzt 2013 mit dem Deutschen Weltmusikpreis RUTH. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gibt sie nun ihr Debüt.

Sergey Starostin, 1956 in Moskau geboren, studierte von 1976 bis 1981 am Konservatorium seiner Heimatstadt Klarinette. Zudem setzte er sich intensiv mit dem heimischen Volksliedgut auseinander, das er im Rahmen umfangreicher Folklore-Expeditionen sammelte. Seit 1982 gibt der russische Volks- und Jazzmusiker, Sänger und Multiinstrumentalist Seminare und tritt mit traditionellem Blasintrumentarium auf. 1987 erhielt er eine eigene Radio- und 1991 eine eigene Fernsehsendung, in der traditionelle russische Musik vorgestellt wird; als Autor und Produzent realisierte er zudem die Weltmusiksendung »World Village Show« für das russische Fernsehen. Als Musiker gelingt es Sergey Starostin, die traditionelle Aufführung russischer Folklore mit modernen, mitunter sogar avantgardistischen Musiktrends zu verbinden. Er ist Leiter zahlreicher Musikprojekte und wurde 2003 für die World Music Awards nominiert, eine jährliche Auszeichnung der BBC auf dem Gebiet der Ethnomusik. Sergey Starostin spielte u. a. in den Folklore-Ensembles Bylina und Slavici, experimentierte mit der Band Alliance, die Rockmusik mit traditionellen Rhythmen und Harmonien mischte, und trat mit der samischen Sängerin Mari Boine auf. Gemeinsam mit Misha Alperin und Arkady Shilkloper bildet er das Moskow Art Trio, mit dem er als Sänger und Instrumentalist in Europa, USA, Afrika und Japan aufgetreten ist. Außerdem arbeitet er gegenwärtig mit der Rocksängerin Inna Zelanaya, dem Eurasian Art Ensemble und einem neuen russischen Jazz-Folk Trio zusammen. In den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker ist er nun erstmals zu erleben.

Das Trio Kurbasy wurde 2009 von Mariia Oneshchak, Nataliia Rybka-Parkhomenko und Myroslava Kyshchun-Rachynska gegründet; die drei Schauspielerinnen und Sängerinnen sind Ensemblemitglieder des Akademischen Theaters Les Kurbas im ukrainischen Lviv (Lemberg). Auf der Basis der Philosophie jenes Theaters hat das Ensemble, das regelmäßig in der Ukraine und in Osteuropa auftritt, in den letzten Jahren das Liedgenre systematisch erkundet, ist tief in Atmosphäre, Geschichte und Bedeutung jedes einzelnen Liedes eingetaucht und hat dabei im Bereich der Stimmimprovisation sowie in dem der instrumentalen Begleitung experimentiert. Hauptziel war und ist es, das Lied als Organismus zu betrachten, der die Essenz des eigenen Lebens dramatisiert. Diese experimentellen musikalischen Forschungen, die stilistisch im Bereich Ethno-Ambient angesiedelt sind, wurden 2009 auf der Debüt-CD des Trios dokumentiert. Mariia Oneshchak studierte an der Nationalen Iwan-Franko-Universität in Lviv an der Fakultät für Kultur und Kunst sowie an der Philosophischen Fakultät und leitet neben ihrer Arbeit am Les Kurbas Theater das dortige Kindertheater-Studio. Myroslava Kyshchun-Rachynska absolvierte ihre Schauspielausbildung an der Nationalen Polytechnischen Universität in Lviv sowie am Schauspiel-Studio des Les Kurbas Theaters und wurde beim Nationalen Wettbewerb »Lesya Ukrainka« in Jalta mit dem Ersten Preis ausgezeichnet. Nataliia Rybka-Parkhomenko wurde an der Staatlichen Universität der Künste »Iwan Kotlyarevsksij« in Charkiw zur Schauspielerin ausgebildet, wo sie in den Jahren 2004 bis 2006 auch unterrichtete.

Esko Laine wurde in Helsinki geboren. Er studierte am Konservatorium von Hyvinkää, wurde bereits mit 18 Jahren Mitglied im Finnischen Nationalopernorchester und trat als Solist mit dem Finnischen Rundfunk-Symphonieorchester auf. Es folgten weitere Studien bei Günter Klaus an der Musikhochschule Frankfurt am Main sowie bei Franco Petracchi am Conservatoire de Genève und an der Menuhin Academie in Gstaad, bevor der Kontrabassist 1986 Mitglied der Berliner Philharmoniker wurde. In den Jahren 1999 bis 2001war er als Solo-Bassist des Orchesters tätig und übernahm diese Position 2008 erneut. Er hat mehrere Orchesterkonzerte und Kammermusikwerke für Kontrabass uraufgeführt, die auf seine Anregung hin komponiert wurden. Esko Laine spielt zudem seit 2002 im Philharmonischen Oktett und seit 2008 im Ensemble Bolero Berlin sowie im Ensemble Tango Finlandés. Der begehrte Dozent für Meisterkurse und bei renommierten Nachwuchsorchestern unterrichtet seit 2000 auch an der philharmonischen Orchester-Akademie sowie als Gastprofessor an der Musikhochschule »Hanns Eisler« Berlin.

Peter Riegelbauer stammt aus Georgensgmünd in Mittelfranken. Sein Studium absolvierte er bei Georg Hörtnagel in Nürnberg und bei Rainer Zepperitz in Berlin. Anschließend spielte er drei Jahre in der Jungen Deutschen Philharmonie und war in dieser Zeit Mitbegründer der Deutschen Kammerphilharmonie sowie des Ensembles Modern, bevor er als Stipendiat an die Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker kam. Als erster Absolvent der damals noch jungen Einrichtung wurde er 1981 Mitglied des Orchesters. Seit vielen Jahren trägt Peter Riegelbauer die Selbstbestimmung der Berliner Philharmoniker in deren Gremien an verantwortlicher Stelle mit, gegenwärtig als Stiftungs- und als Orchestervorstand. Bereits 1983 rief er mit philharmonischen Kollegen das Scharoun Ensemble Berlin ins Leben, das seither nicht zuletzt mit Werken des 20. Jahrhunderts und des aktuellen Musikschaffens auf den Konzertpodien der internationalen Musikmetropolen große Erfolge feiert.

Janne Saksala begann 1981 an der Musikschule seiner Heimatstadt Helsinki ein Kontrabass-Studium, das er von 1986 an bei Klaus Stoll an der Hochschule der Künste (heute Universität der Künste) in Berlin fortsetzte. Meisterkurse – unter anderem bei Duncan McTier – vervollkommneten seine Ausbildung. 1991 war der Kontrabassist Preisträger beim Internationalen ARD-Musikwettbewerb in München. Seit 1994 gehört Janne Saksala den Berliner Philharmonikern an, deren 1. Solo-Bassist er mit Beginn der Saison 2008/2009 wurde. Neben seiner solistischen Tätigkeit ist er auch ist ein gefragter Kammermusiker, u. a. als Mitglied der Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlin; außerdem war er bis 2006 Mitglied der 1999 gegründeten Berlin Philharmonic Jazz Group. Janne Saksala engagiert er sich überdies im Bereich der zeitgenössischen Musik und hat zahlreiche neue Werke uraufgeführt. Hinzu kommt eine intensive Dozententätigkeit, in deren Zentrum eine Gastprofessur an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin sowie Meisterklassen im In- und Ausland stehen.

Roger Willemsen studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie in seiner Heimatstadt Bonn sowie in Florenz, München und Wien. Nach seiner Promotion über die Dichtungstheorie Robert Musils arbeitete er als Dozent, Herausgeber, Übersetzer (u. a. von Thomas Moore und Umberto Eco) und für drei Jahre als Korrespondent in London. 1991 begann seine Fernsehlaufbahn als Moderator, später auch als Produzent von Kultursendungen (z. B. Willemsens Woche, Nachtkultur, Willemsens Zeitgenossen). Sein Debüt als Regisseur gab er 1996 mit einem Film über den Jazzpianisten Michel Petrucciani, der inzwischen in 13 Ländern gesendet wurde; es folgten Porträts von Personen der Zeitgeschichte wie Gerhard Schröder und Marcel Reich-Ranicki. Hauptberuflich war Willemsen jedoch stets Autor: Regelmäßig erschienen seine Essays und Kolumnen beispielsweise in der ZEIT, im Spiegel und in der Süddeutschen Zeitung. Seit 2002 widmet er sich verstärkt literarischen Arbeiten. Seine Bestseller Deutschlandreise, Gute Tage, Kleine Lichter, Afghanische Reise, Der Knacks, Die Enden der Welt und Momentum wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Erst kürzlich erschien sein Buch Das hohe Haus. Ein Jahr im Parlament, eine Dokumentation über die Sitzungen des Deutschen Bundestags im Jahr 2013. Willemsen ist Schirmherr mehrerer Literaturfestivals und lehrt seit 2010 als Honorarprofessor für Literaturwissenschaft an der Humboldt-Universität in Berlin. Er engagiert sich darüber hinaus bei verschiedenen Hilfsorganisationen (Terre des Femmes, Afghanischer Frauenverein e. V., CARE International) und war lange Jahre Botschafter von Amnesty International. Zu den zahlreichen Auszeichnungen Roger Willemsens zählen der Bayerische Fernsehpreis (1992), der Adolf-Grimme-Preis in Gold (1993), der Rinke-Preis für sein Buch Der Knacks (2009) und der Julius-Campe-Preis (2011). Für die Stiftung Berliner Philharmoniker gestaltet und moderiert er seit der Spielzeit 2011/2012 die Reihe Unterwegs – Weltmusik mit Roger Willemsen.

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Unterwegs – Weltmusik mit Roger Willemsen

Unterwegs – Weltmusik mit Roger Willemsen

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