Berliner Philharmoniker

Zum Spielplan 2013/2014

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Kammermusik

Ian Bostridge Tenor

Julius Drake Klavier

Julia Gartemann Viola

Jonathan Kelly Oboe

Stefan Dohr Horn

Duncan Ward Leitung

sowie weitere Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Konzert zum 100. Geburtstag von Benjamin Britten

Benjamin Britten

Canticle III: Stills Falls the Rain op. 55 für Tenor, Horn und Klavier

Benjamin Britten

Lachrymae, Reflections on a Song of John Dowland für Viola und Klavier op. 48

Benjamin Britten

Sechs Hölderlin-Fragmente op. 61 für Singstimme und Klavier

Benjamin Britten

Sinfonietta op. 1

Benjamin Britten

Sechs Metamorphosen nach Ovid für Solo-Oboe op. 49

Benjamin Britten

Serenade für Tenor, Horn und Streicher op. 31

Termine und Tickets

Fr, 22. Nov. 2013 19 Uhr

Kammermusiksaal

Programm

»Die reinen Fakten aus Brittens Leben sind einfach. Er wurde als ein Engländer aus dem Osten geboren, zog aus der Heimat fort, eignete sich vielfältige Erfahrungen an und kehrte zurück, um sein kreatives Leben in seiner natürlichen Umgebung wieder aufzunehmen.« Mit diesen lapidaren Worten leitete der Earl of Harewood (der sich als Musikkritiker betätigte) eine 1952 erschienene, über 400 Seiten starke Aufsatzsammlung ein, die ausschließlich dem Schaffen Benjamin Brittens gewidmet war – eine Ehrung, die wohl noch keinem lebenden Komponisten vor der Vollendung seines 40. Lebensjahr zuteil wurde.

Im Gedenken an den 100. Geburtstag Benjamin Brittens, der am 22. November 1913 geboren wurde, widmet sich der britische Tenor Ian Bostridge dem auf einem Gedicht von Edith Sitwell basierenden Canticle 3 sowie der Serenade für Tenor, Horn und Streicher: »Ich glaube«, so Bostridge, »ich habe eine große Affinität zu Brittens Musik. Und sie passt zu meiner Stimme und meinem Temperament, und damit meine ich auch, meinem dramatischen Temperament. Britten ist schöpferisch sehr subtil [...], weil seine Musiksprache immer sehr mehrdeutig, seine Harmonie ambivalent ist.«

Begleitet wird Bostridge von Julius Drake (Klavier) und Mitgliedern der Berliner Philharmoniker. Rein Instrumentales beinhaltet der Abend auch: Neben den Metamorphosen nach Ovid für Oboe solo steht auch Brittens Opus 48, Lachrymae für Viola und Klavier, auf dem Programm – Variationen über die erste Phrase von John Dowlands Lied »If my complaints could passions move«, in denen der Komponist das musikalische Material seiner Vorlage äußerst fantasiereich entwickelt.

Über die Musik

Tarantella, Dichtkunst und Grabgesang

Ein Abend für Benjamin Britten

Wir feiern Geburtstag im heutigen Konzert, einen runden sogar: den 100. des englischen Komponisten Benjamin Britten, der am 22. November 1913 in Lowestoft an der britischen Ostküste das Licht der Welt erblickte, als viertes und letztes Kind einer Zahnarztfamilie. Die Mutter Edith Britten, eine begeisterte Hobbypianistin, richtete von Anfang an ihren ganzen Ehrgeiz darauf, den Jüngsten zu einem musikalischen Genie heranzubilden. Und ihre hochfliegenden Pläne behielt sie keineswegs für sich, wie sich Brittens Jugendfreund Basil Reeve später erinnerte: »Wir sprachen häufig über die drei beziehungsweise vier Bs. Die drei Bs waren Bach, Beethoven und Brahms, und das vierte war Britten.« Manch ein anderes Kind wäre an solch geradezu maßlos anmutenden Ambitionen zerbrochen, nicht aber der kleine Beni, der tatsächlich schon im Alter von acht Jahren seine ersten Kompositionsversuche unternimmt, als 14-Jähriger dann Privatunterricht erhält bei Frank Bridge, einer Koryphäe unter den Tondichtern des Landes, und als 16-Jähriger sein reguläres Studium am Royal College of Music antritt.

Opus 1: Ein Komponist wird erwachsen

Aus Brittens Studienzeit in London stammt das älteste Werk, das bei unserer tönenden Geburtstagparty erklingt: die Sinfonietta op. 1, die zwischen dem 20. Juni und 9. Juli 1932 entstand und im folgenden Januar erstmals öffentlich zu Gehör gelangte. »Mr. Benjamin Britten […] kann so provokant sein wie sonst nur die ausländischen Vertreter des Catch-as-catch-can-Kompositionsstils«, urteilte der Daily Telegraph nach der Uraufführung, und selbst wenn heute niemand mehr dieses Frühwerk des 18-Jährigen als Provokation empfinden dürfte, so fällt doch auf, dass Britten damit eigene und andere Wege beschreitet als die damals tonangebende britische Komponistengeneration, die noch ganz von der Spätromantik inspiriert war – man denke an Edward Elgar, Ralph Vaughan Williams oder John Ireland (die beiden letzteren übrigens zählten zu seinen Lehrern am Royal College). Britten zielt vielmehr schon mit der Besetzung seiner Partitur, die er für fünf Bläser und Streichquintett eingerichtet hat, in einen neuen Bereich zwischen Symphonik und Kammermusik – und folgt damit Vorbildern wie Arnold Schönbergs Kammersymphonie Nr. 1 von 1906 oder auch Paul Hindemiths Kammermusiken aus den 1920er-Jahren. Frappierend aber ist nun, wie Britten mit diesem begrenzten Instrumentarium umgeht, wie raffiniert er die verschiedenen Klangfarben mischt und kontrastiert: Vor allem der mittlere Satz, eine Variationenfolge, bietet Paradebeispiele dieser Kunst, etwa wenn das Thema, das als Duett der beiden Geigen in hoher Lage vorgestellt wird, am Ende in Gestalt eines Duos von Horn und Fagott wiederkehrt … Wie sehr der junge Britten seine Lektionen verinnerlicht hatte, offenbart auch der souveräne Umgang mit den Formen und Verarbeitungstechniken: So kehren bestimmte motivische Floskeln in allen drei Sätzen wieder und sorgen für den architektonischen Zusammenhalt. Mit der finalen Tarantella aber, in der Britten die Instrumente bis zur Raserei tanzen lässt, beweist er sein untrügliches Gespür für eine zugkräftige Dramaturgie.

Der junge Komponist widmete die Sinfonietta seinem Mentor Frank Bridge, dem er nicht zuletzt die pazifistische Grundhaltung verdankte, wie sie fortan auch das eigene Leben bestimmen sollte. Fraglos zählte Bridge zu den prägenden Figuren seiner Jugendzeit, neben Mutter Edith natürlich, deren Tod im Januar 1937 ihn bis ins Mark trifft. Als er wenige Monate später alte Fotos betrachtet, notiert Britten in sein Tagebuch: »Mum, erscheinend als absolute Schönheit, an solch ein Mädchen könnte ich mein Herz für immer verlieren.« Doch genau zu diesem Zeitpunkt tritt ein anderer in sein Leben, dessen Stimme – Jugendfreund Reeve zufolge – stark an die der Mutter erinnert haben soll: der Tenor Peter Pears. Er wird Britten bis zu dessen Lebensende zur Seite stehen. Und sein Schaffen unermüdlich beflügeln, denn nicht nur die großen Tenorpartien in Brittens Opern, vom Peter Grimes bis zum Aschenbach in Death in Venice, sind auf Pears’ durchschlagkräftige, zugleich aber bewegliche und höhensichere Stimme zugeschnitten, sondern auch sein Lied-Œuvre ist unüberhörbar von der Deklamationskunst des Lebenspartners inspiriert.

English Ground: Sprache und Heimweh

Dies gilt schon für die Serenade für Tenor, Horn und Streicher op. 31, die Britten 1943 komponierte – nur ein Jahr, nachdem er mit Pears aus dem freiwilligen Exil in den USA zurückgekehrt war, wohin die beiden 1939 auch deshalb geflüchtet waren, weil sie sich als Pazifisten dem Kriegsdienst verweigerten. Doch das Heimweh und die wachsende Skepsis gegenüber dem amerikanischen way of life trieb sie zurück nach Hause, und diese sehnsuchtsvollen Empfindungen spiegeln sich in der Auswahl der sechs Dichter, die Britten vertonte. Denn nun wandte er sich ausschließlich englischer Lyrik zu: Von einem anonymen Grabgesang aus dem 15. Jahrhundert über eine Diana-Hymne des Renaissance-Dramatikers Ben Jonson, ein barockes Hirtenidyll von Charles Cotton und visionäre Verse von William Blake bis zu einem Sonett des Romantikers John Keats und einem Gedicht des viktorianischen »poet laureate« Alfred Tennyson spannt sich der Bogen der adaptierten Texte, die von einem solistischen Prolog und Epilog des Horns gerahmt werden. Diesen Part hatte Britten dem jungen Londoner Hornisten Dennis Brain zugedacht, einem überragenden Virtuosen auf seinem Instrument. Und gewiss war es der Klang des Horns mit seinen Assoziationen an Wald und Jagd, der den Komponisten auch klangsprachlich in romantischere Gefilde vordringen ließ, was im Übrigen mit den zentralen Metaphern der Gedichte, mit Schlaf und Tod, Dämmerung und Sehnsucht, bestens harmoniert. Im agilen rhythmischen Duktus der Versdeklamation indes, die zwischen Rezitativ und Arioso changiert, orientierte sich Britten an Henry Purcell, dessen Kunst er mehr und mehr bewunderte. Und als Hommage an Purcell darf man fraglos auch die Technik des English Ground verstehen, die im Grabgesang (Dirge) zum Einsatz kommt, wenn ein sechstaktiges, unermüdlich repetiertes Ostinato des Tenors in hoher Lage von einem trauermarschartig gefassten Fugato der Streicher kontrapunktiert wird.

Passionsgeschichten: Liturgie und Lamento

Die aparte Kombination von Tenor und Horn griff Britten gut zehn Jahre später in seinem Canticle III op. 55 abermals auf, hier allerdings mit Begleitung des Klaviers. Und wieder waren es Pears und Brain, für die diese Partitur entstand. Insgesamt fünf Vokalwerke hat Britten mit dem Begriff Canticle überschrieben, unter dem die anglikanische Kirche Hymnen, Psalmen und andere Loblieder zusammenfasst: Der liturgische, psalmodierende Vortragsstil, den er hier zur Anwendung bringt, stellt den musikalischen Bezug her. Er sei ein »bekennender Christ« hat Britten einmal in einem Interview der BBC eingeräumt und dabei als seine Vorbilder Dietrich Bonhoeffer und John A. T. Robinson, den berühmten Bishop of Woolwich, benannt, der die These entwickelt hatte, dass Gott in der Tiefe einer jeden menschlichen Existenz zu finden sei und sich in der Liebe offenbare. Das Gedicht »Still Falls the Rain«, das Britten im Canticle III vertonte, stammt von der exzentrischen englischen Poetin Dame Edith Sitwell (1887 – 1964), die sich gerne in Brokatgewändern, mit goldenen Turbanen und reich beringten Fingern präsentierte, zugleich aber eine der prägnantesten literarischen Stimmen der britischen Avantgarde darstellte. Sitwell nimmt in ihren Versen, die den Untertitel Die Luftangriffe, 1940. Nacht- und Morgengrauen tragen, auf die Bombardierung britischer Städte durch die deutsche Luftwaffe Bezug, die damals Zigtausende Menschen das Leben kostete. Dabei setzt sie die historischen Geschehnisse in ein überzeitliches Spannungsfeld mit der christlichen Passionsgeschichte. Britten, für den der Kampf gegen jede Art von Gewalt eine Herzenssache war, musste sich von Sitwells Worten angesprochen fühlen – und sollte bald darauf das Thema auch zum Gegenstand seines großangelegten War Requiem wählen.

Als Kriegsdienstverweigerer war Britten 1942, nach seiner Rückkehr aus den USA, vor ein Tribunal gestellt und zu einer Ersatzleistung »verurteilt« worden, die ihm eigentlich ganz zupass kam: Er sollte, zur moralischen Unterstützung der unter den Kriegsgeschehnissen leidenden Bevölkerung, zahlreiche Konzerte geben, die ihn in die entlegensten Landesteile führten: vor ein Publikum, das oftmals mit »klassischer« Musik noch nie in Berührung gekommen war. Aus dieser Zeit resultierte Brittens Interesse an der großen musikalischen Vergangenheit des Landes – und sein Bemühen um leichter fassliche Texturen. Beides spiegelt sich in Lachrymae op. 48, das der Komponist 1950 für den schottischen Bratschisten William Primrose schuf: Diesen gefeierten Virtuosen hatte er für sein zwei Jahre zuvor gegründetes Festival in Aldeburgh verpflichtet, und dort fand am 20. Juni 1950 auch die Uraufführung statt, mit Britten am Klavier. Das Werk verarbeitet das Lied »If my complaints could passions move« des Renaissancekomponisten John Dowland, das aus drei achttaktigen Phrasen besteht. Doch Britten unterzieht zunächst nur die erste dieser Phrasen einem Variationsverfahren – erst ganz zum Schluss, in der zehnten Veränderung, lernt der Hörer auch den »Rest« der Vorlage kennen. Zuvor jedoch zitiert er bereits den berühmtesten lute song, den Dowland hinterlassen hat, nämlich »Flow my tears« aus der Sammlung Lachrymae, deren Titel Britten dann auch für sein Violawerk übernahm.

Hälfte des Lebens: Fragmente und Metamorphosen

Benjamin Britten gehörte zu den großen Literaturliebhabern unter den Komponisten, vergleichbar wohl nur Robert Schumann und Gustav Mahler. Sein umfangreiches Liedschaffen basiert auf Werken von rund 60 verschiedenen Dichtern – aber nur ein einziges Mal nahm er sich deutsche Verse zur Vertonung vor. Den Anstoß dazu gab Prinz Ludwig von Hessen und bei Rhein, ein glühender Bewunderer und Förderer Brittens, der mit einer englischen Diplomatentochter verheiratet war und dem Komponisten auch öfter als Übersetzer zur Seite stand. Nun liebte Ludwig, ohnehin ein ausgesprochener Musenfreund, ganz besonders die Lyrik Friedrich Hölderlins, und so ergab es sich, dass Britten als Geburtstagsgabe zum 50. des Prinzen, der im November 1958 gefeiert wurde, seine Sechs Hölderlin-Fragmente op. 61 schuf. Mit der Auswahl der Texte spiegelte Britten die verschiedenen Lebensalter des Menschen, vom Überschwang der Jugend bis zur Gewissheit des nahenden Todes. Selbst dürfte er sich vermutlich mit dem fünften der Fragmente – Hälfte des Lebens – am stärksten identifiziert haben: im Wissen um das Erreichte, aber auch im Bangen darum, was die verbleibende Zeit ihm noch bescheren möge. Britten hielt diese sechs Lieder, die geschickt die spezifische Metrik Hölderlins adaptieren und zuweilen den Tonfall Hugo Wolfs anschlagen, »für mein bislang bestes Vokalwerk«.

Fast immer waren es bestimmte Künstler oder Freunde (und nicht etwa Auftraggeber), die Britten den Impuls zu einem neuen Werk spendeten: Dieses Phänomen ist so auffallend, dass man es fast als Vorbedingung seiner Kreativität ansehen möchte. Ob Peter Pears und Dennis Brain, Dietrich Fischer-Dieskau oder Janet Baker, Mstislaw Rostropowitsch oder Galina Wischnewskaja – Britten gelang es mannigfach, der Kunst dieser Musikerkollegen mit einem odere mehreren Teilen seines Œuvres ein Denkmal zu setzen. Auch die Oboistin Joy Boughton, die 1947 zu den Mitbegründern von Brittens English Opera Group zählte, kam in die Gunst eines Widmungswerks: Für sie schuf Britten 1951 die Sechs Metamorphosen nach Ovid op. 49. Ein Stück Weltliteratur stand also abermals Pate bei der Komposition dieser sechs unbegleiteten Miniaturen, die wie Charakterstudien antiker Götter und Zelebritäten anmuten. Das erste Portrait stellt uns den Hirtengott Pan vor, der sich wehmütig an die geliebte Nymphe Syrinx erinnert, das zweite dagegen folgt der kühnen Fahrt des Phaeton im Sonnenwagen, die nach einem Blitzschlag tödlich endet und einen Weltenbrand entfacht. Nummer 3 ist Niobe gewidmet, die mit ihrem Kinderreichtum prahlte, zur Strafe die Ermordung aller 14 Söhne und Töchter mitansehen muss und aus Gram zu einem Berg versteinert. Mit Bacchus, dem Gott des Rausches, und mit dem selbstverliebten Narziss spürt Britten dann zwei der exzentrischsten Gestalten des Altertums musikalisch nach, ehe die schöne Waldnymphe Arethusa auf der Flucht vor dem zudringlichen Flussgott Alpheus in eine plätschernde Quelle verwandelt wird. Buchstäblich ins Wasser gefallen wäre übrigens um Haaresbreite die Uraufführung der Sechs Metamorphosen am 14. Juni 1951, die im Rahmen des Aldeburgh Festivals unter freiem Himmel in Thorpeness auf einem See stattfand: Joy Boughton wurde dort in einem Kahn platziert, Britten stand neben ihr und hielt die Noten, doch entglitt ihm plötzlich eine der Seiten und drohte in den Fluten unterzugehen – nur durch beherzten Zugriff in letzter Sekunde konnte die Premiere noch gerettet werden …

Susanne Stähr

Biographie

Ian Bostridge war wissenschaftlicher Mitarbeiter für Geschichte am Corpus Christi College in Oxford, bevor er sich ausschließlich dem Gesang widmete. Seine Karriere als Lied-Sänger führte ihn u. a. nach Salzburg, München, Wien und an die Mailänder Scala. Nach seinem Operndebüt beim Edinburgh Festival als Lysander in Brittens A Midsummer Night’s Dream im Jahr 1994 übernahm der Tenor an der Royal Opera die Partie des Quint in Brittens The Turn of the Screw und war dort seitdem u. a. als Caliban in Ades’ The Tempest, als Don Ottavio in Don Giovanni und als Vasek in Die verkaufte Braut zu hören. Weitere Opernengagements führten den Sänger an die Bayerische und an die Wiener Staatsoper; sein Debüt als Aschenbach (Death in Venice) gab er an der English National Opera. Im Januar 2010 war Ian Bostridge an der Weltpremiere von Henzes Opfergang mit der Accademia di Santa Cecilia in Rom beteiligt (Dirigent: Antonio Pappano). Im Britten-Jahr 2013 gastiert bzw. gastierte er u. a. in Aix-en-Provence, Brighton und Aldeburgh sowie bei den Salzburger Festspielen, in der Carnegie Hall New York, im Londoner Barbican Centre und in der Birmingham Symphony Hall. Zu den Auszeichnungen des Künstlers zählen die Ehrenmitgliedschaft im Corpus Christi College und im St. John’s College in Oxford, die Ehrendoktorwürde an der University of St Andrews sowie die Ernennung zum »Commander of the British Empire«. Seit Dezember 2000 war Ian Bostridge wiederholt bei den Berliner Philharmonikern zu Gast, zuletzt gab er Anfang November 2006 gemeinsam mit dem Pianisten Julius Drake im Kammermusiksaal einen Liederabend mit Werken von Mahler und Henze.

Stefan Dohr stammt aus Münster. Nach dem Studium in Essen und Köln wurde er Solo-Hornist im Frankfurter Opernhaus- und Museumsorchester. Es folgten Engagements in gleicher Position beim Bayreuther Festspielorchester, im Orchestre Philharmonique de Nice und beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin. Seit 1993 ist er Solo-Hornist der Berliner Philharmoniker. Darüber hinaus tritt er international als Solist sowie als Kammermusiker auf, z. B. mit Maurizio Pollini, Lars Vogt, Kolja Blacher und Ian Bostridge. Neben dem klassischen und romantischen Hornrepertoire gilt sein Interesse auch zeitgenössischen Werken: So brachte er Anfang Februar 2011 in einem philharmonischen Konzert unter der Leitung von Sir Simon Rattle das Concerto for Horn and Orchestra – Moment of Blossomingvon Toshio Hosokawa zur Uraufführung. Stefan Dohr ist Mitglied des ensemble-wienberlin sowie der Hornisten der Berliner Philharmoniker. An der Musikhochschule »Hanns Eisler« war er als Dozent tätig, derzeit unterrichtet er an der philharmonischen Orchester-Akademie sowie weltweit im Rahmen von Meisterkursen. Seit 2009 ist Stefan Dohr Orchestervorstand und Mitglied des Vorstands der Stiftung Berliner Philharmoniker.

Julius Drake genießt als Spezialist für Kammermusik und als Liedbegleiter international höchste Wertschätzung. Konzertauftritte führten ihn in den vergangenen Spielzeiten regelmäßig nach Aldeburgh, Salzburg, zum Festival in Tanglewood, in die Carnegie Hall und das Lincoln Centre in New York, ins Amsterdamer Concertgebouw, an das Théâtre du Châtelet in Paris, in den Musikverein und das Konzerthaus in Wien sowie in die Wigmore Hall und zu den BBC Proms in London. Im Rahmen der Konzertreihe Julius Drake and Friends in der Londoner Middle Temple Hall arbeitete der britische Pianist mit Künstlern wie Ian Bostridge, Katarina Karnéus, Angelika Kirchschlager, Sergei Leiferkus, Dame Felicity Lott, Mark Padmore, Christoph Prégardien und Sir Willard White zusammen. Von 2000 bis 2003 war er Leiter des Perth International Chamber Music Festival in Australien sowie Musikdirektor bei Deborah Warners Inszenierung von Janáčeks Tagebuch eines Verschollenen in New York, London, Dublin, Amsterdam und München. Mehrere seiner CD-Aufnahmen erhielten Auszeichnungen wie die renommierten Gramophone bzw. Edison Awards. Julius Drake lehrt als Professor an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz sowie europaweit im Rahmen von Meisterkursen. In Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker war er zuletzt Anfang Dezember 2012 bei einem Liederabend von Mark Padmore mit Werken von Beethoven, Schubert und Britten zu erleben, bei dem er gemeinsam mit Stefan Dohr auch Beethovens Hornsonate F-Dur op. 17 musizierte.

Julia Gartemann wurde zunächst bei Nobuko Imai an der Hochschule für Musik in Detmold ausgebildet und studierte anschließend bei Michael Tree am Curtis Institute of Music in Philadelphia. An der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker und in diversen Meisterkursen (bei Thomas Riebl, Kim Kashkashian, Wolfram Christ, beim Tokyo und beim Vermeer String Quartet) vervollständigte sie ihre Ausbildung. Die junge Bratschistin wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien ausgezeichnet, u. a. von der Deutschen Stiftung Musikleben, der Jürgen Ponto-Stiftung und der Studienstiftung des deutschen Volkes. Im November 2000 wurde Julia Gartemann in die Bratschengruppe der Berliner Philharmoniker aufgenommen; seit 2005 gehört sie dem Personalrat des Orchesters an. Solistisch und als Kammermusikerin gastiert Julia Gartemann im In- und Ausland; im Jahr 2000 gründete sie mit ihrer Schwester Cornelia Gartemann (Violine) das Duo Vialto. Seit einigen Jahren auch pädagogisch tätig, unterrichtet sie seit Herbst 2012 als Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin.

Jonathan Kelly wurde in der englischen Grafschaft Hampshire geboren. Zunächst studierte er Geschichte an der Universität Cambridge, später Oboe an der Royal Academy of Music in London und am Pariser Conservatoire national supérieur de musique et de danse. 1993 wurde er Solo-Oboist im City of Birmingham Symphony Orchestra, dem er bis 2003 angehörte. Während dieser Zeit gastierte Jonathan Kelly wiederholt beim Chamber Orchestra of Europe und spielte als Konzert-Solist in Birmingham, Cardiff, Chicago, Helsinki und Wien. Er war auch Mitglied der Birmingham Contemporary Music Group, mit der er beispielsweise Thea Musgraves Oboenkonzert Helios gespielt und die Sonata da caccia von Thomas Adès uraufgeführt hat. Seit Herbst 2003 gehört Jonathan Kelly als Solo-Oboist den Berliner Philharmonikern an. Er engagiert sich als begeisterter Kammermusiker bei den Bläsern der Berliner Philharmoniker sowie in weiteren philharmonischen Kammerformationen; zudem ist er Mitglied im Bläserensemble Sabine Meyer. Mitte April dieses Jahres brachte er gemeinsam mit seiner Orchesterkollegin Marie-Pierre Langlamet an drei Abenden unter der Leitung von Sir Simon Rattle das Doppelkonzert für Oboe, Harfe und Kammerorchester von Witold Lutosławski zur Aufführung.

Duncan Ward studierte am Royal Northern College of Music Dirigieren, Klavier und Komposition; heute gehört er zu den besonders vielversprechenden Nachwuchsdirigenten weltweit. Auf Einladung von Sir Simon Rattle wurde er 2012 erster Dirigier-Stipendiat an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker, wo er im Rahmen seiner Ausbildung u. a. bei Einstudierungen von Mozarts Zauberflöte, Schönbergs Gurre-Liedern, Brittens War Requiem und Georg Friedrich Haas’ Orchesterstück in vain assistierte. Zu den bisherigen Höhepunkten in Duncan Wards Karriere zählen seine Debüts bei den Symphonieorchestern von Bamberg und Luzern sowie Auftritte beim Royal Scottish National Orchestra, bei der Manchester Camerata und beim Royal Liverpool Philharmonic Orchestra. Er dirigierte zudem die Streicher des London Symphony Orchestra bei der Serie UBS Soundscapes Eclectica und war im Rahmen einer Aufführung von Elgars Oratorium The Music Makers durch die Salford Choral Society und Mitglieder des BBC Philharmonic Orchestra zu erleben. Duncan Ward ist auch als Komponist erfolgreich. So wurde er 2005 von der BBC als »Young composer of the year« ausgezeichnet; von 2011 bis 2013 war er Glyndebourne’sYoungComposer in Residence. Mitte Juni dieses Jahres war er als Dirigent in einem Konzert der Stiftung Berliner Philharmoniker mit Stipendiaten der Orchester-Akademie zu erleben.

Ian Bostridge
Julius Drake
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