Berliner Philharmoniker

Zum Spielplan 2013/2014

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Kammermusik

Ulrich Matthes Sprecher

Zoltán Almási Violine

Walter Küssner Viola

Stephan Koncz Violoncello

Martin Heinze Kontrabass

Michael Hasel Flöte, Klavier und Dirigent

Andreas Wittmann Oboe

Walter Seyfarth Klarinette

Stefan Schweigert Fagott

Andrej Žust Horn

Cordelia Höfer Klavier

Götz Teutsch Programmgestaltung

Philharmonisches Diner: Die Konzertdirektion Hermann und Louise Wolff, Berlin 1880-1935, Teil I: Die Bülow-Jahre

Musik von Joachim Andersen, Ludwig van Beethoven, Benjamin Bilse, Johannes Brahms, Max Bruch, Joseph Joachim, Moritz Moszkowski, Wolfgang Amadeus Mozart, Xaver Scharwenka und Robert Fuchs – Texte von Wilhelm Altmann, Theodor Fontane, Heinrich Grünfeld, Frithjof Haas, Alfred Kerr, Alexander Moszkowski, Siegfried Ochs, Edith Stargardt-Wolff und Volker Tarnow

Termine und Tickets

So, 25. Mai 2014 16 Uhr

Kammermusiksaal

Einführung: 15:00 Uhr

So, 01. Jun. 2014 16 Uhr

Kammermusiksaal

Einführung: 15:00 Uhr

Programm

Hermann Wolff hatte Unternehmergeist, kaufmännisches Geschick und war ein geübter Klavierspieler. Außerdem verfügte er über exzellente Kontakte und kannte viele Künstler – kurz: Er besaß alle Voraussetzungen, einer der einflussreichsten Konzertagenten seiner Zeit zu werden. 1880 öffnete er in Berlin sein eigenes »Konzertbureau«, das bald den damaligen Musikmarkt beherrschte.

Zudem war Wolff an der Gründung der Berliner Philharmoniker maßgeblich beteiligt und vermittelte dem Orchester für die von ihm veranstalteten philharmonischen Abonnementskonzerte nicht nur die berühmtesten Solisten und besten Dirigenten seiner Zeit. Ihm gelang es auch, Hans von Bülow als ersten Chefdirigenten des Orchesters zu gewinnen; dieser hatte die Meininger Hofkapelle zu einem erstklassigen Ensemble geformt und legte in nur fünf Jahren die Grundlagen für jene außergewöhnliche Spielkultur, die man fortan mit dem Namen der Berliner Philharmoniker verband.

Legendär waren die »philharmonischen Diners«, jene Sonntagsessen, bei denen Hermann Wolff und seine Frau Louise (die nach Wolffs überraschendem Tod 1902 die Agentur bis zu deren Auflösung 1935 weiterführte) die wichtigsten Musikerpersönlichkeiten zu sich nach Hause luden. Im letzten philharmonischen Salon dieser Saison steht die Konzertdirektion Hermann und Louise Wolff im Mittelpunkt – in jener Zeit, in der Hans von Bülow Chefdirigent der Berliner Philharmoniker war. In zwei weiteren Salons wird Götz Teutsch in den folgenden Spielzeiten auch Hermann und Louise Wolffs Arbeit in der Ära Arthur Nikisch und Wilhelm Furtwängler beleuchten.

Über die Musik

»Wenn große Geister ihre Göttlichkeit abstreifen …«

Die philharmonischen Diners, 1. Teil: Hans von Bülow und Hermann Wolff

Berlin leuchtete noch nicht so richtig. Um 1880 herrschte in der Reichshauptstadt, was die Lichtverhältnisse betraf, eher Clair-obscure vor. Zwar zog Berlin mit jedem Jahr mehr Künstler an, aber die Kunstszene dümpelte in den Regionen akademischer Wohlgefälligkeit vor sich hin; Berlin beherbergte auch mehr Autoren als andere deutsche Städte, aber bleibende Literatur brachte es – mit Ausnahme Fontanes – nicht hervor. Genauso verhielt es sich mit der Musik: Man konnte jeden Abend zwischen mehreren Symphoniekonzerten und Opernvorstellungen wählen, doch meistens wurde nur solides Mittelmaß geboten.

Irgendwann musste natürlich die Masse eine gewisse Klasse hervorbringen, musste das marxsche Entwicklungsgesetz, demzufolge Quantität sprunghaft in Qualität umschlägt, selbst im Kultursektor Berlins seine Gültigkeit erweisen. Man hätte nur lange genug warten müssen. Aber der Konzertagent Hermann Wolff, ein Mann mit Visionen, war nicht fürs Warten geboren. Er pflegte zu handeln. Die Berliner Philharmoniker sind zu großen Teilen seine Schöpfung. Ebenso der dazu gehörige Salon; weniger bekannt als die Teegesellschaft beim Klavierfabrikanten Carl Bechstein, dafür umso schriller, traf sich diese Musikerrunde jeden Sonntag nach der öffentlichen Hauptprobe der Philharmoniker. Die Jahre 1887 bis 1893 dürfen als ihre Glanzzeit gelten – damals leitete Hans von Bülow die Abonnementskonzerte des Orchesters. Die Zusammenkünfte fanden bei Hermann Wolff in der Winterfeldtstraße statt, dessen Ehefrau Louise eine ausgezeichnete Gastgeberin war. Gelegentlich empfing Bülow auch einige Auserwählte in seinem Berliner Stammhotel, dem Askanischen Hof in der Königgrätzer Straße (heute Stresemannstraße), nur einen Katzensprung entfernt von der Alten Philharmonie.

Die Mitglieder des Wolff-Bülow-Kreises pflegten einen zwischen Ironie, Sarkasmus und Berliner Witz angesiedelten Tonfall, alle Formen von Médisance waren Mode, geistvolle Aperçus begehrt. Wer darüber nicht verfügte, wurde als Opfer geduldet, vorausgesetzt, er bot genügend Angriffsfläche. Wie üblich in Berlin, stammte auch kein einziger Teilnehmer dieser »philharmonischen Diners« aus der Hauptstadt. Hans von Bülow war Dresdner, definierte sich aber als Bürger der Freien und Hansestadt Hamburg; Hermann Wolff hatte es aus Köln an die Spree verschlagen, Moritz Moszkowski kam aus Breslau, Eugen d’Albert aus Glasgow, der »Witze-Kanzler« Heinrich Grünfeld, den sich Bülow gern als »Tischdame« erbat, aus Wien. Louise Wolff war ebenfalls Wienerin, ihre Teig- und Backwaren eine kulinarische Sensation. Man trank dazu vorzugsweise Schaumwein, an besonders heißen Tagen wurde Berliner Weißbier eingeschenkt, jener »wilde Champagner«, dem Max Kretzer, Berlins Zola, in einer feuilletonistischen Milieustudie huldigt. Kretzer hat auch einen oft zitierten Text über die Bilse’schen Kapelle verfasst, der Vorgängerformation des Philharmonischen Orchesters. Benjamin Bilse, aus Liegnitz gebürtig, prägte mit seinen Musikern über Jahre das Berliner Musikleben. Er repräsentierte einen im 19. Jahrhundert häufig anzutreffenden, heute ausgestorbenen Dirigententypus, stellte gern Schweres und Leichtes nebeneinander, Majestätisches und Miniaturhaftes. Sein kompositorischer Ehrgeiz ging nicht über Walzer, Märsche und Polkas hinaus. Selbst Bilses Bomben und Granaten, 1880 abgefeuert, schlagen mit einer gewissen Beschaulichkeit ins Gelände. Man konnte zu ihren Klängen die Linden hoch und runterlatschen, aber zum Heldentod animierte dieser Armeemarsch niemanden. Wie auch – war Bilse doch kein echter Preuße, sondern Schlesier, wovon die Klänge aus Schlesien angenehme Kunde geben.

Der Däne Joachim Andersen spielte seit 1881 Flöte in der Bilse’schen Kapelle und gehörte 1882 zu den Gründern des Berliner Philharmonischen Orchesters, das er auch häufig dirigierte. Für Wolffs Salon war er offenbar nicht unterhaltsam genug, aber Andersens Flötenkompositionen unterhielten ganze Generationen von Musikliebhabern; heutzutage sind sie mehr auf Lehrplänen als auf Spielplänen zu finden. Die harmonisch reiche und anspruchsvolle Legende aus den Acht Vortragsstücken op. 55 erschien 1894, nachdem Andersen aufgrund einer Zungenlähmung gezwungen war, seinen Posten in Berlin und seine Solokarriere aufzugeben.

Ebenfalls kein wolffscher Salonlöwe, dafür umso präsenter bei den Philharmonikern war Xaver Scharwenka, aus Posen zugezogen, als Pianist und Konservatoriumsgründer seit Jahrzehnten zum festen Berliner Musikinventar zählend. Seine Kammermusik stand im Schatten seiner einst oft gespielten vier Klavierkonzerte. Mit Émile Sauret und Heinrich Grünfeld bildete er eine gefragte Trio-Formation; dem Cellisten Heinrich Grünfeld ist auch Scharwenkas gelungenstes Kammerstück gewidmet, die Sonate für Cello und Klavier e-Moll, ein typisches Beispiel Berliner Spätromantik.

Moritz Moszkowski kam, wie Bilse, aus Schlesien, hatte aber polnisch-jüdische Wurzeln. Er studierte ab 1869 in Berlin, etablierte sich schnell als Pianist und Pädagoge. In Preußen gab es zu seiner Zeit, ja in den 100 Jahren zwischen Felix Mendelssohn Bartholdy und Kurt Weill keinen zweiten Komponisten dieses Kalibers, und auch in Moskau, Wien und Paris sucht man vergebens nach einer Gestalt, die musikalische Bonmots à la Moritz Moszkowski erfinden konnte. Seine Beherrschung des eleganten, geistvollen Salonstils grenzte ans Geniale – und sein ironischer Konversationsstil auch. In Berlin verbrachte er überaus erfolgreiche Jahre, veröffentlichte einen Kassenschlager nach dem anderen und gehörte selbstverständlich zu den Stammgästen im Hause Wolff. Hans von Bülow dirigierte ihn wiederholt, angeblich nur, um sich Moszkowskis Gesellschaft zu sichern. Tatsächlich besaßen Moszkowskis Orchesterwerke jener Jahre nicht den Zauber der Serenata aus op. 15 oder der Jongleuse aus op. 52. Sein Klavierkonzert E-Dur op. 39 erschien erst nach Bülows Tod.

Moszkowskis hatte einen nicht minder berüchtigten Bruder: Alexander glänzte in der Rolle des Spottvogels und legte 1875 mit dem Gedicht Anton Notenquetscher einen Klassiker humoristischer Musikliteratur vor. Die Illustrationen zu diesem Werkchen steuerte Xavers Bruder Philipp Scharwenka bei, seines Zeichens Klavierlehrer und Komponist in Berlin. Kurz nach dem Erscheinen dieser Satire veröffentlichte Moritz eine Notenquetscher-Polka, später folgten, ebenfalls nach einer Idee Alexanders, die Variationen im Stile moderner Komponisten von Czerny bis Liszt – variiert wurde hier der Gassenhauer Im Grunewald ist Holzauktion. Der Berliner Witz wanderte also über den Salon in die Hochkultur ein. Moritz Moszkowskis zwei- und vierhändige Klavierwerke stellen den Höhepunkt einer Epoche dar, von der im Konzertsaal kaum etwas überlebte. Einige Virtuosen allerdings, unter ihnen Rachmaninow und Horowitz, sind Moszkowski bis ans Ende ihrer Tage treu geblieben.

Moszkowski hatte 1879 unter dem Titel Aus aller Herren Länder eine Klaviersuite herausgegeben, die zu seinen größten Erfolgen gehörte, sowohl in der vierhändigen Urfassung wie in der eigenhändigen Orchesterfassung. Die Berliner Philharmoniker hatten einige Sätze daraus gespielt, er selbst hatte seine beiden ersten Orchestersuiten opp. 39 und 47 dirigiert. Es war die große Zeit der kleinen Stücke, der Capricen und Capriccios, für die sich selbst die bedeutendsten Interpreten nicht zu schade waren. Auch Hans von Bülow nicht; in einem Brief an Wolff bekannte er sich ausdrücklich zur leichten Muse: »Honny, wer mir dergleichen Bagatellen unterschätzt! Wie selten kommt unser (Erzblasirten) Einer in die Lage, ›charmant‹ zu exclamiren!« In den Konzerten umkreisten solche Federgewichte noch häufig die ganz schweren Brocken, ja manchmal erschienen wahre Titanen leicht geschürzt, nicht einmal Ludwig van Beethovens Egmont-Ouvertüre war gegen kammermusikalische Einkleidung gefeit. Der Salon hatte noch ein Wörtchen mitzureden beim Repertoire, verkehrten doch viele Koryphäen regelmäßig in aristokratischen Palais und bürgerlichen Häusern. Schon Beethoven war häufig bei seinen adligen Gönnern aufgetreten. Während seiner ersten Wiener Jahre nutzte er Stücke wie das Quintett für Bläser und Klavier op. 16, um sich in kleinem Rahmen der Öffentlichkeit zu präsentieren. Er griff dabei gelegentlich auf Werke seiner Jugendzeit zurück, so in der Ersten Klaviersonate f-Moll aus op. 2, die Material aus dem Adagio des frühen Dritten Klavierquartetts C-Dur (Werk ohne Opuszahl 36 Nr. 3) enthält, das 1785 in Bonn entstanden war.

Auch Johannes Brahms war ein häufiger, weger seiner sarkastischen Ader freilich auch gefürchteter Salonbesucher. Sein schwerfälliges Auftreten und sein bärbeißiger Humor wurden nur dort nicht als Widerspruch zu Stücken wie den Ungarischen Tänzen empfunden, wo die Mehrzahl der Gäste selbst aus Künstlerkreisen kam – zum Beispiel bei Wolff & Compagnon. Die Gattin des Konzertagenten jedenfalls bekam sich vor Genugtuung gar nicht in den Griff, wenn der große Meister ihrem Haus die Ehre gab. Im September 1891 vertraut sie dem Tagebuch an: »Brahms, der Held des Tages – in zwei Tagen zum zweiten Mal bei mir, vorgestern mit Bülow, heute mit Joachim! Ich bin glücklich über die Art, in der er bei uns verkehrt. Ich glaube, er fühlt sich wohl – so fern allem Parteigetriebe und lästigen Lobhudeleien –, er weiß, dass wir ihn verehren und lieben und – dass ich keine schlechte Küche führe. Quelle attraction! – Wenn große Geister ihre Göttlichkeit abstreifen und liebenswürdige Menschen werden, gewährt es einen eigentümlichen, mit nichts zu vergleichenden Reiz. Brahms ist als Mensch ebenso bedeutend wie als Künstler.«

Ein aufschlussreicher Zeitplan übrigens: »vorgestern mit Bülow, heute mit Joachim …« – die Herren gingen sich konsequent aus dem Weg. Joseph Joachim hatte die Berliner Philharmoniker in der Gründungsphase mehrmals gerettet, beste gesellschaftliche Kontakte bis hoch ins Kaiserhaus und beträchtliche private Geldzuwendungen ermöglichten der jungen Truppe das Überleben. Daraus leitete Joachim gewisse Rechte ab, die ihm Hermann Wolff nicht zugestehen wollte. Das Engagement auswärtiger Dirigenten kränkte Joachim tief. Er blieb dem Orchester zwar bis zu seinem Tod 1907 eng verbunden, stand aber immer im Schatten von Bülow und dessen Nachfolger Arthur Nikisch. Hinzu kamen persönliche Animositäten, die mit Bülows Antisemitismus zu tun hatten sowie mit unterschiedlichen ästhetischen Standpunkten. Joachim pflegte in jungen Jahren noch eine besondere Nähe zu seinen ungarischen und jüdischen Wurzeln; das Violinkonzert in ungarischer Weise und die Hebräischen Melodien belegen es eindringlich genug. Mit seiner Übersiedlung nach Berlin verstummte er mehr und mehr. Die von ihm gegründete Königliche Hochschule für Musik (die »Hochmutsschule«, laut Bülow) und das Wirken als international gefragter Geiger ließen seine schöpferische Ader versiegen. Längst zum Protestantismus konvertiert, längst einer der wichtigsten Vermittler deutscher Musikkultur im Ausland, sah sich Joachim immer wieder antisemitischen Angriffen ausgesetzt, nicht selten von engsten Mitarbeitern und Freunden. Glücklicherweise gab es Ausnahmen. Johannes Brahms gehörte zu ihnen ebenso wie Max Bruch. Der seine letzten Jahrzehnte überwiegend in Berlin lebende Bruch hatte 1881 Kol nidrei herausgegeben, ein Adagio über hebräische Themen. 1910 veröffentliche er Acht Stücke für Klarinette, Viola und Klavier. Es fällt schwer, sie nicht als Requiem auf den 1907 verstorbenen Joachim zu begreifen. Drei Wochen nach dem Tod des befreundeten Geigers hatte Bruch in einem Brief geschrieben: » […] wir, die ihm nahe gestanden und so sehr geliebt hatten, wir fragten uns: ›Wie soll man ohne Joachim weiterleben?‹ Das künstlerisch-sittliche Gebilde, welches wir auf Erden Joseph Joachim nannten, war einzigartig, es kann sich nicht wiederholen, und es war auch vorher in dieser Weise nie da. Was Joachims Tod für die Welt und mich bedeutet! Dieser Mann ragte so gewaltig über alle empor wie der Kölner Dom über Maulwurfshügel.«

Völlig ungesehen im Wolff-Bülow-Kreis blieb Robert Fuchs, obwohl er ein prächtiges Opfer abgegeben hätte – der bedauernswerte Fuchs gab den Anlass für eine der populärsten Musikeranekdoten, nämlich für den Plagiat-Vorwurf »Fuchs, das hast du ganz gestohlen!«. Der Satz soll von Brahms sein, was jedoch unwahrscheinlich ist, denn der schätzte seinen Wiener Kollegen außerordentlich. Der aus der Stiermark stammende, sehr menschenscheue Fuchs tat nie etwas zur Propagierung seines Werks; überlebt hat er eigentlich nur dank seiner Schüler Mahler, Sibelius, Wolf, Strauss und Schreker. Und als »Serenaden-Fuchs« – der Name wurde zum Inbegriff dieser um 1900 nicht gerade selten frequentierten Gattung. Selbstverständlich spielten damals auch die Berliner Philharmoniker seinen Welthit, die Serenade D-Dur op. 9. In der Kammermusik gelangen ihm mitunter hinreißende Mixturen leichter und schwerer Muse. Fuchs’ Drei Stücke für Kontrabass und Klavier erschienen 1913 beim k. u. k. Hofmusikalienhändler Robitschek. So klingen sie auch. Die aparte Kombination von Klavier und Kontrabass trägt viel zu dem Eindruck bei, wir hätten es hier mit einem Werk aus dem Wiener Biedermeier zu tun. Dass Fuchs angibt, der Kopfsatz Allegro moderato sei »frei nach Mozart« gestaltet, ist kein Widerspruch – niemals war Mozart populärer als im Biedermeier. Das Thema entnahm Fuchs dem Menuett des A-Dur-Streichquartetts KV 464. Der etwas kauzige Charme des Allegro moderato ergibt sich aber nicht nur aus der Besetzung, sondern auch aus der melancholischen Tonart g-Moll, die im Trio nach D-Dur wechselt und einige Grüße von Schubert ausrichtet.

Als Hans von Bülow, der die eigene kompositorische Tätigkeit längst eingestellt hatte, 1892 seinen letzten pianistischen Auftritt in Berlins Alter Philharmonie mit der Zauberflöten-Paraphrase Lebet wohl ausklingen ließ, konnte er darauf rechnen, allgemein verstanden zu werden. Klassische Gesangsnummern gehörten zum Bildungskanon. Sogar das Präkariat in Erdmann Graesers humoristischem Roman Lemkes sel. Witwe bringt bei einer Hochzeitsfeier spontan Webers »Wir winden dir den Jungfernkranz« zustande. Dergleichen würde man heute genauso vergeblich suchen wie einen Berliner Salon auf dem Niveau anno 1890.

Volker Tarnow

Biographie

Zoltán Almási erhielt seine musikalische Ausbildung an der Franz-Liszt-Hochschule seiner Heimatstadt Budapest. 1988 war er Konzertmeister des Weltjugendorchesters. In den Jahren 1989 bis 1991 vervollkommnete der Geiger sein Spiel als Stipendiat der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker bei Toru Yasunaga und wurde danach Mitglied des Orchesters in der Gruppe der Ersten Violinen. 1993 gründete Zoltán Almási mit Kollegen das Apos Quartett. Er ist außerdem Mitglied der Philharmonischen Stradivari-Solisten Berlin sowie der Berliner Barock Solisten.

Michael Hasel begann seine musikalische Laufbahn mit Klavier- und Orgelspiel sowie einer Ausbildung zum Kirchenmusiker. Ersten Flötenunterricht erhielt er von Herbert Grimm (Mainz) und Willi Schmidt (Frankfurt). Nach dem Abitur studierte er in der Meisterklasse von Aurèle Nicolet sowie Klavier und Dirigieren bei Francis Travis an der Musikhochschule Freiburg. Weitere dirigentische Ausbildung erhielt er bei Michael Gielen und in diversen Meisterkursen. Nach zwei Jahren als Solo-Piccolist beim Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt wurde er Flötist bei den Berliner Philharmonikern. Von 1994 bis 1998 war er außerdem Professor für Ensemble-Leitung und Kammermusik an der Staatlichen Hochschule für Musik in Mannheim. Michael Hasel gehörte für viele Jahre dem Festspielorchester Bayreuth als Solo-Flötist an und ist Gründungsmitglied des Philharmonischen Bläserquintetts Berlin; hinzu kommen vielfältige weitere solistische und kammermusikalische Aktivitäten. Er ist im In- und Ausland als Lehrer tätig und unterrichtet auch an der philharmonischen Orchester-Akademie. Als Dirigent hat Michael Hasel mit renommierten Ensembles und Orchestern in Europa, Südamerika und Japan gearbeitet.

Martin Heinze, ein gebürtiger Wuppertaler, erhielt im Alter von 16 Jahren Kontrabassunterricht bei Hans-Günther Hilgers an der Kreismusikschule Viersen. Zwei Jahre später qualifizierte er sich für ein Studium bei Rolf Heister an der Folkwang Hochschule Essen, das er später bei Klaus Stoll an der Hochschule der Künste (heute: Universität der Künste) Berlin fortsetzte. 1987 wurde Martin Heinze jüngstes Mitglied des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, 1993 wechselte er zu den Berliner Philharmonikern. Er gastiert regelmäßig bei Ensembles wie dem Freiburger Barockorchester oder Anima Eterna Brügge. Als Solist und Kammermusiker ist Martin Heinze in vielfältiger Weise tätig, wobei das Ensemble KlangArt Berlin (mit der Pianistin Heike Gneiting und seinem Kollegen Jan Schlichte) einen Schwerpunkt bildet, das sich als einziges philharmonisches Ensemble ausschließlich der zeitgenössischen Musik widmet.

Stephan Koncz begann als Achtjähriger ein Studium an der Hochschule für Musik in seiner Heimatstadt Wien. Im Jahr 2000 wechselte er zu Róbert Nagy ans Wiener Konservatorium. Meisterkurse bei Daniel Barenboim, Steven Isserlis, Heinrich Schiff und Tamás Varga sowie Kompositions- und Dirigierstudien vermittelten weitere Impulse. 2006 wurde Stephan Koncz Stipendiat der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker. Der Preisträger mehrerer renommierter Wettbewerbe ist als Solist und Kammermusiker beispielsweise im Wiener Musikverein und in der Berliner Philharmonie aufgetreten. Kammermusikalisch arbeitete er mit Julian Rachlin, Dmitry Sitkovetsky, Maxim Vengerov u. a. zusammen. 2008 wurde Stephan Koncz Mitglied im Wiener Staatsoperorchester. Mit Beginn der Spielzeit 2010/2011 wurde er in die Cellogruppe der Berliner Philharmoniker aufgenommen.

Walter Küssner erhielt seine Ausbildung bei Jürgen Kussmaul in Düsseldorf, Kim Kashkashian in New York und Michael Tree in St. Louis. In der Saison 1986/1987 war er Stipendiat der philharmonischen Orchester-Akademie. Der Preisträger mehrerer Wettbewerbe wurde 1987 Mitglied des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks in München. Zwei Jahre später wechselte er zu den Berliner Philharmonikern, bei denen er auch in zahlreichen Kammermusikformationen mitwirkt, z. B. bei den Berliner Barock Solisten, im Concerto Melante, im Philharmonischen Streichsextett und im Athenäum Quartett. Außerdem kümmert Walter Küssner sich archivarisch um die Geschichte des Orchesters. Als Gastprofessor für Viola unterrichtet er an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« Berlin, 2005 wurde er auf eine Ehrenprofessur an der Musikhochschule in Schanghai berufen. Im Rahmen von Meisterkursen lehrt Walter Küssner in Europa, Asien, Süd- und Nordamerika.

Stefan Schweigert war zunächst Schüler von Alfred Rinderspacher in Kaiserslautern und studierte später bei Klaus Thunemann an der Musikhochschule Hannover. 1985 wurde er Solo-Fagottist der Berliner Philharmoniker. Mit seinem Orchester, aber auch mit anderen Ensembles wie beispielsweise der Camerata Bern hat er als Solist konzertiert. Er war zwölf Jahre lang Mitglied des Scharoun Ensembles Berlin und wirkte mehrfach beim Chamber Orchestra of Europe und bei Gidon Kremers Kammermusikfestival in Lockenhaus mit; außerdem musiziert er im Bläserensemble Sabine Meyer sowie mit den Berliner Barock Solisten. Bereits seit 1987 lehrt Stefan Schweigert an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker. Darüber hinaus gibt er Meisterkurse an verschiedenen deutschen Hochschulen, in Japan und den USA.

Walter Seyfarth war mit 16 Jahren Erster Preisträger beim Wettbewerb des Deutschen Tonkünstlerverbandes und studierte zunächst an der Musikhochschule Freiburg bei Peter Rieckhoff, später bei Karl Leister an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker. Nach einem ersten Engagement im Sinfonieorchester des Saarländischen Rundfunks wurde Walter Seyfarth 1985 Mitglied der Berliner Philharmoniker. Drei Jahre später gründete er mit seinen Kollegen Michael Hasel, Andreas Wittmann, Fergus McWilliam und Henning Trog das Philharmonische Bläserquintett. Der Klarinettist musiziert auch im Ensemble Bläser der Berliner Philharmoniker und tritt zudem solistisch im Rahmen des 2012 gegründeten Festivals in Trancoso (Brasilien) auf. Als Dozent ist Walter Seyfarth an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker, bei internationalen Jugendorchestern sowie im Rahmen von Meisterkursen tätig.

Andreas Wittmann begann sein Oboenstudium 1976 an der Münchner Musikhochschule bei Manfred Clement, wurde 1977 Erster Preisträger beim Bundeswettbewerb »Jugend musiziert« und setzte von 1982 an die Ausbildung bei Hansjörg Schellenberger an der Hochschule der Künste in Berlin fort. 1985 zunächst Stipendiat an der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker, wurde er ein Jahr später ins Orchester aufgenommen. 1988 gründete Andreas Wittmann mit vier Kollegen das Philharmonische Bläserquintett Berlin. Neben seiner Orchestertätigkeit war er von 1996 bis 2000 Mitglied des Fünferrats und anschließend bis 2005 Orchestervorstand. 2008 wurde er erneut zum Orchestervorstand gewählt und damit auch Vorstandsmitglied der Stiftung Berliner Philharmoniker, eine Position, die er bis 2012 innehatte. Andreas Wittmann war mehrere Jahre Solo-Oboist bei den Bayreuther Festspielen; als Solist und Kammermusiker konzertiert er im In- und Ausland. Er lehrt außerdem seit 1998 an der philharmonischen Orchester-Akademie und gibt regelmäßig Meisterkurse in Europa, Amerika und Japan.

Andrej Žust wurde in Logatec, Slowenien, geboren, wo er seinen ersten Hornunterricht erhielt. Später wechselte er zu Boštjan Lipovšek an die Akademie für Musik und Ballett Ljubljana. Künstlerische Impulse erhielt der junge Hornist von renommierten Musikern wie Hermann Baumann, Frøydis Ree Wekre, Viktor Malisch und Radovan Vlatkovič. Schon während seiner Ausbildung errang er als Solist und Kammermusiker bei zahlreichen nationalen und internationalen Wettbewerben Erste Preise. Im Mai 2004 wurde er als Solo-Hornist in das Orchester der Slowenischen Philharmonie in Ljubljana aufgenommen. Darüber hinaus war Andrej Žust Mitglied des Gustav Mahler Jugendorchesters und des Pacific Music Festival Orchestra. Als aktiver Kammermusiker gehört er dem Ariart Bläserquintett, den Solisten des Kammerorchesters Ljubljana und dem Trio Triumvirat an. Von Februar 2009 bis Januar 2011 war er Stipendiat der Orchester-Akademie der Berliner Philharmoniker; seit Beginn der Saison 2011/2012 gehört Andrej Žust zur Horngruppe des Orchesters.

Cordelia Höfer wurde in München geboren. Ihr Klavierstudium absolvierte sie mit höchsten Auszeichnungen an den Hochschulen in Salzburg (bei Hans Leygraf) und in München (bei Klaus Schilde). In Salzburg studierte sie auch die Fächer Dirigieren und Kammermusik. Wichtige Lehrer waren Wilhelm Kempff, Tatjana Nikolajewa und Elisabeth Leonskaja. Eine umfangreiche Konzerttätigkeit führt Cordelia Höfer seit dem 15. Lebensjahr als Solistin und Kammermusikerin durch viele europäische Länder, die USA, Japan und Korea. Hierbei hat sie mit Sängerinnen wie Christine Schäfer, Juliane Banse und Anna Prohaska zusammengearbeitet. Im Rahmen ihrer langjährigen Unterrichtstätigkeit an der Universität »Mozarteum« Salzburg war bzw. ist sie Künstlerkollegen wie Sándor Végh, Heinrich Schiff und Nikolaus Harnoncourt in intensiver Zusammenarbeit verbunden. 2002 wurde sie am »Mozarteum« auf eine Professur für Klavier und Kammermusik berufen. Cordelia Höfer tritt seit vielen Jahren regelmäßig in den Kammerkonzerten der Berliner Philharmoniker, insbesondere in den Philharmonischen Salons, auf.

Ulrich Matthes, in Berlin geboren, studierte zunächst Germanistik und Anglistik, bevor er bei der renommierten Lehrerin Else Bongers Schauspielunterricht nahm. Es folgten Verpflichtungen nach Krefeld, Düsseldorf und München (Bayerisches Staatsschauspiel, Kammerspiele); mit einem Engagement an die Schaubühne am Lehniner Platz kehrte Ulrich Matthes 1992 nach Berlin zurück. Nach einigen Jahren freischaffender Tätigkeit gehört Ulrich Matthes seit 2004 zum Ensemble des Deutschen Theaters, wo er u. a. als George in Edward Albees Wer hat Angst vor Virginia Woolf? zu sehen war, für dessen Gestaltung er als bester Schauspieler mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring 2005 geehrt wurde; die Titelpartie in Tschechows Onkel Wanja brachte ihm 2008 die Auszeichnung »Schauspieler des Jahres« der Zeitschrift Theater heute ein. Zurzeit steht er am Deutschen Theater in Friedrich Dürrenmatts Besuch der alten Dame sowie Lot Vekemans Gift auf der Bühne. Seit 2012 ist Matthes Direktor der Sektion Darstellende Kunst der Akademie der Künste, Berlin. Als Beispiele seiner Arbeit für Kino und Fernsehen seien die Rollen des Joseph Goebbels in Oliver Hirschbiegels Der Untergang, Abbé Henri Kremer in Volker Schlöndorffs Der neunte Tag und Literaturprofessor Robert in Novemberkind genannt. Zahlreiche Hörspiel- und Hörbuchproduktionen dokumentieren ebenfalls die Vielseitigkeit des Schauspielers, der bereits im Oktober 2005 als Sprecher in einem Philharmonischen Salon auftrat. In Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gestaltete er zuletzt im Februar 2009 gemeinsam mit Matthias Goerne und Andreas Haeflinger einen Brahms-Abend im Kammermusiksaal.

Götz Teutsch stammt aus Hermannstadt (Sibiu) in Siebenbürgen, Rumänien. Er wurde zunächst in Bukarest von Radu Aldulescu ausgebildet und setzte sein Violoncello-Studium nach der Ausreise aus Rumänien 1968 bei Enrico Mainardi und Karl Richter fort. Zudem hat er sich eingehend mit der Aufführungspraxis Alter Musik befasst sowie Viola da gamba studiert. Den Berliner Philharmonikern gehörte Götz Teutsch von 1970 bis 2006 an, davon zwei Jahrzehnte als Solo-Cellist unter den Chefdirigenten Herbert von Karajan und Claudio Abbado; als Konzertsolist des Orchesters war er u. a. mit Cellokonzerten von Monn/Schönberg und Schostakowitsch zu erleben. Götz Teutsch, der als Kammermusiker und Solist weltweit auftritt, zählt zu den Gründungsmitgliedern der 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker. Im November 2000 gestaltete der Literaturliebhaber den ersten Philharmonischen Salon. Diese Idee entwickelte sich schnell zu einer höchst erfolgreichen Reihe, deren letzte Veranstaltungen Anfang März 2014 dem Salon von Pauline Viardot in Baden-Baden gewidmet waren.

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