Berliner Philharmoniker

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Kammermusik

Philippe Jaroussky Countertenor

Venice Baroque Orchestra

Andrea Marcon Leitung

Nicola Porpora

Ouvertüre zur Oper Germanico in Germania

Nicola Porpora

»Mira in cielo«, Arie aus der Oper Arianna in Naxo

Nicola Porpora

»Si pietoso il tuo labbro«, Arie aus der Oper Semiramide riconosciuta

Leonardo Leo

Ouvertüre zur Oper L'Olimpiade

Nicola Porpora

»Nel già bramoso petto«, Arie aus der Oper Ifigenia in Aulide

Nicola Porpora

»Come nave in ria tempesta« aus der Oper Semiramide regina dell´Assiria

Nicola Porpora

»Dall'amor più sventurato« aus dem Opernpasticcio Orfeo

Nicola Porpora

»Le limpid'onde«, Arie aus der Oper Ifigenia in Aulide

Giuseppe Sarti

La tempesta, in tempo di Ciaccona aus dem Dramma per musica Armida e Rinaldo

Nicola Porpora

»Alto Giove«, Arie aus der Oper Polifemo

Nicola Porpora

»Nell'attendere il mio bene«, Arie aus der Oper Polifemo

Termine und Tickets

Di, 08. Okt. 2013 20 Uhr

Philharmonie

Programm

Die Musik Nicola Porporas war in den 1720er- und 1730er-Jahren wegweisend für die Entwicklung des Dramma per musica – nicht umsonst galt das Schaffen des neapolitanischen Komponisten als das modernste in ganz Europa. In seinem Œuvre gelang es ihm, die unterschiedlichsten Stile miteinander zu verschmelzen, wobei die lebhafte Rhythmik, die Porpora dem melodischen Verlauf vieler seiner Arien verlieh, die Zeitgenossen besonders frappierte.

Als bis weit über seinen Tod hinaus gefeierter Gesangspädagoge – zu seinen Schülern gehörten u. a. Farinelli und Caffarelli – sorgte er für stimmliche Präzision und Geläufigkeit, was auch in seinen Kompositionen deutliche Spuren hinterlassen hat, wie die zahlreichen Verzierungen und virtuosen Triller zeigen. Vor diesem Hintergrund erweist sich Philippe Jaroussky, dessen Stimme mühelos in hohe Sopranlagen klettert und auch noch die schwierigsten Koloraturen nuancenreich und mit schwebender Leichtigkeit bewältigt, als Idealbesetzung für Porporas Musik.

Begleitet wird »der Strahlengott unter den Countertenören« (Süddeutsche Zeitung) vom Venice Baroque Orchestra, in dessen Spiel sich atemberaubende Virtuosität mit ungezügelter Energie und kreativer Phrasierungskunst vereint – eine packende Kombination, die zuweilen auch in wahrlich weltrekordverdächtigem Tempo präsentiert wird. Neben Ouvertüren und Arien aus der Feder Nicola Porporas und Leonardo Leos widmen sich die Musiker auch der Musik des Italieners Giuseppe Sarti, der nicht nur in seinem Heimatland, sondern auch in Kopenhagen und St. Petersburg höchst erfolgreich gewirkt hat.

Über die Musik

»Agréable!«

Nicola Porpora und der »galante Stil«

Nicola Porpora war der Neapolitaner unter den italienischen Opernmeistern des 18. Jahrhunderts. Während die übrigen Komponisten der neapolitanischen Schule entweder aus der süditalienischen Provinz stammten (wie Leonardo Leo und Leonardo Vinci) oder aus Mittelitalien (wie Giovanni Battista Pergolesi und Antonio Sacchini), wurde Porpora in Neapel geboren. Er war der Sohn eines Buchhändlers, ein echter napoletano, was für seinen Charakter nicht ohne Folgen blieb: Man sagte ihm nach, ein Querulant zu sein. Alles andere als erfreut war etwa Johann Georg Pisendel, der Konzertmeister der Dresdner Hofkapelle, als »Herr Porpora« am kursächsischen Hof auftauchte: »viel Geschrey, wenig Wolle, er ist und thut hier gar nichts und hat doch jährlich 1200 Taler Besoldung«, schimpfte Pisendel 1750 in einem Brief an seinen Freund Georg Philipp Telemann. Bis Sommer 1752 konnte sich Porpora in Dresden halten, dann war es vorbei mit der kurzen sächsischen Karriere. In einem weiteren Brief an Telemann vom 3. Juni 1752 schilderte Pisendel die Umtriebe des »alten Sänger-Meisters«, wie er Porpora nannte. Seit der Neapolitaner Kastraten wie Farinelli oder Caffarelli unterrichtet hatte, galt er als der berühmteste Gesangslehrer Italiens, ein Nimbus, von dem er immer noch zehrte: »Dieser wurde von einigen Ital. Sängern sehr postirt, [so] daß er anfänglich eine Opera, nachgehends auch etliche Messen aufgeführt, mehrere aber wurden weiter nicht verlanget; so ginge es auch mit seinem Informiren im Singen, da alle Vornehme ihn zum Meister haben wollten, gar bald aber wieder aufhörten, so gar daß er, weiln er gar nichts zu thun gehabt, sich auswärts aufgehalten und sein Geld etliche Jahr lang sich nachschicken ließ.«

Wenig schmeichelhaft ist auch der Bericht, den Joseph Haydn von seinem zeitweiligen Lehrer Porpora zu Protokoll gab. Als junger, mittelloser Musiker hatte er sich dem alten Italiener als Hausknecht und Schüler angedient. In den Gesprächen mit Haydn, die der Wiener Maler Albert Christoph Dies ein Jahr nach dessen Tod veröffentlichte, heißt es dazu: »Porpora war ein Mann, der Haydn scharf in der Zucht hielt, welcher sich auch alles gefallen ließ, und mit Unterwerfung Rippenstöße und den Titel ›Bestia!‹ ertrug; sogar die Schuhe putzte, wenn er den Porpora in den Sommermonathen auf das Land begleiten musste. Haydn duldete dieß alles gern, weil er von dem Manne auch Viel lernte.«

Was lernte der junge Haydn vom alten Porpora? Das Schreiben schöner, rührender Melodien und die effektsichere Führung der Singstimme, wie es uns die Arien des heutigen Konzerts erleben lassen. Philippe Jaroussky hat ausschließlich Arien von Porpora ausgewählt. Sie stammen aus den erfolgreichsten Opern, die der Neapolitaner in seiner Glanzzeit für Neapel, Rom, Venedig und London schrieb. Davor und dazwischen erklingen eine der Ouvertüren Porporas und eine Sinfonia seines Konkurrenten Leonardo Leo sowie Ballettmusik von Giuseppe Sarti.

Der Zauber Neapels

Man kann sich heute kaum noch vorstellen, welche Begeisterung die Zuhörer nördlich der Alpen erfasst haben muss, als aus dem tiefen Süden Italiens um 1730 eine völlig neue Musik an ihre Ohren drang. Statt des pathetischen Moll hörten sie plötzlich leuchtendes Dur, statt des barocken Hell-Dunkel im Orchester lichte Pastellfarben. Arbeitsame Barockbässe wichen dem simplen »Trommelbass«, alle Aufmerksamkeit richtete sich auf die Melodie in der Oberstimme, gespielt von Violinen und gesungen von Kastraten. Die »Manieren« dieser Melodien, ihre lombardischen Rhythmen, Triller, Läufe, Synkopen, »weiblichen« Endungen und rührenden Wendungen, waren auf einmal viel wichtiger als die Kunst des Kontrapunkts, die gelehrte Harmonie, die Wirkungsmacht der Dissonanzen. Eine ganze Generation, allen voran die jungen Herrscher um Friedrich den Großen und Maria Theresia, warfen sich dieser Musik in die Arme, die so »annehmlich« war – »agréable«, wie man im höfischen Jargon der Zeit sagte.

Nicola Porpora gehörte zu denen, die den neuen Stil erfanden, zusammen mit Johann Adolph Hasse und Leonardo Vinci. Sie etablierten jenen »melodischen Geschmack«, den man alsbald den »galanten Stil« nennen sollte. Durch ihre Opern gelangte er von den Bühnen Neapels über Rom und Venedig bis in die Musikzentren nördlich der Alpen. Dabei hatte Porpora – anders als Vinci und Hasse – ausgerechnet in seiner Heimatstadt zunächst einen schweren Stand. Schon mit 22 Jahren stellte er seinen Opernerstling im Palazzo Reale vor, seine Agrippina von 1708, die mit Händels Vertonung desselben Stoffs nichts zu tun hat. Schon zwei Monate später aber, im Januar 1709, trat der langjährige Hofkapellmeister Alessandro Scarlatti seine alte Stelle wieder an und verwies die jüngeren Konkurrenten auf ihre Plätze. Also suchte sich auch Porpora einen neuen Wirkungskreis. Er fand ihn in Rom, unterstützt vom dortigen portugiesischen Botschafter. Über mehrere erfolgreiche Opern für die Ewige Stadt gelang ihm schließlich auch der Durchbruch in Neapel, wenig später der Sprung auf die Bühnen Norditaliens, wo er von 1725 an mit seinen Opern reüssierte. Porporas Opernkarriere verlief also ungefähr parallel zu derjenigen Georg Friedrich Händels: eine Agrippina als erstes Erfolgsstück, mehrere wichtige Opern in den Jahren zwischen 1711 und 1721, Beginn des zentralen Schaffens Mitte der 1720er-Jahre. Zehn Jahre später wurden die beiden in London zu erbitterten Konkurrenten.

Germanicus in Rom

Als sich während des Karnevals 1732 im Teatro Capranica unweit des Pantheons der Vorhang für Porporas Oper Germanico in Germania hob, erlebte die Ewige Stadt einen der Höhepunkte ihrer Operngeschichte. Mit Caffarelli, Domenico Annibali und Angelo Maria Monticelli standen gleich drei der berühmtesten Kastraten des Jahrhunderts auf der Bühne und versetzten die Römer in Ekstase. »Con tale compagnia la musica andò alle stelle« (Mit dieser Operntruppe erhob sich die Musik bis zum Himmel), resümierte der anonyme Berichterstatter der Avvisi di Fuligno. Die Ouvertüre zum Germanico lässt den Glanz dieser Produktion heute noch erahnen. Zugleich führt sie wirkungsvoll ins militärische Sujet der Oper ein: Germanicus, der Sohn des Drusus und Vater des späteren Kaisers Caligula, ist in Germanien eingetroffen, um eine Strafexpedition gegen Arminius zu starten, den Sieger über Varus im Teutoburger Wald. Die Sinfonia scheint den Siegeszug der römischen Adler in Noten nachzuzeichnen: Hörner und Oboen marschieren mit Fanfaren auf, die Streicher verbreiten durch Sechzehntelnoten Aufregung im Feldlager. Im tänzerischen Finale wird dieser Duktus aufgegriffen, dazwischen aber bleibt Zeit für ein ruhiges Duett der beiden Hörner, das als langsamer Satz fungiert.

Ähnlich effektvoll hat Porporas Konkurrent Leonardo Leo seine Zuhörer ins antike Griechenland versetzt, als er 1737 in Neapel seine Olimpiade vorstellte. Auch hier dominieren in den schnellen Ecksätzen rauschende Sechzehntel und Unisono-Fanfaren, während der Mittelsatz in melancholisches Moll getaucht ist.

Überall auf den Bühnen Italiens und nicht nur in Neapel musste sich Porpora gegen Konkurrenten wie den aus Apulien stammenden Leo oder den Kalabresen Vinci behaupten. Als er 1729 in Venedig seine Semiramide riconosciuta vorstellte, kam ihm Vinci in Rom mit seiner Vertonung dieses bald berühmten Librettos von Metasasio zuvor, und zwar mit dem Segen des Librettisten. Metastasio hat aus seiner Abneigung gegen Porpora keinen Hehl gemacht, auch später nicht, als dieser mit Hasse konkurrierte. Wir hören Arien aus zwei verschiedenen Opern Porporas über die assyrische Königin Semiramis: die Aria cantabile »Sì pietoso il tuo labbro« aus der venezianischen Semiramide riconosciuta von 1729 und die Sturm-Arie »Come nave in ria tempesta« aus der Semiramide,reginadell’Assiria, die er fünf Jahre früher für Neapel geschrieben hat.

Zur furiosen Schilderung des Seesturms in dieser Arie korrespondiert das Orchesterstück in der Mitte des zweiten Programmteils. Es stammt von Giuseppe Sarti, der Opernfreunden mindestens durch eine seiner eingängigen Melodien bekannt ist: »Come un agnello« aus der komischen Oper I due litiganti hat Mozart im zweiten Finale des Don Giovanni zitiert (in der Harmoniemusik bei der Tafel des Don). Sarti war ein Zeitgenosse der Wiener Klassiker, bekannt vor allem für seine Opera seria Giulio Sabino. Katharina die Große holte ihn 1784 nach Sankt Petersburg, wo er die russische Kälte nicht länger aushielt als vor ihm Galuppi und Paisiello sowie nach ihm Cimarosa. Freilich hat er dort einige seiner besten Opern geschaffen, unter denen sich Armida e Rinaldo von 1786 durch ihre großen Ballettszenen auszeichnet. Dazu gehört La tempesta, die Darstellung eines Seesturms in Form einer Chaconne. Übrigens ist Sarti 1802 auf der Durchreise in Berlin gestorben und in der Hedwigskathedrale beigesetzt worden.

Farinelli in London

Sanft flackerten die Bühnenlampen des King’s Theatre am Londoner Haymarket an jenem 3. Mai 1735, als der berühmteste Kastrat des 18. Jahrhunderts im Kostüm des antiken Helden Achilles auf der Bühne stand und der Ifigenia in Aulide von Porpora zum sicheren Premierenerfolg verhalf. Farinelli alias Carlo Broschi war der Held der Stunde, angebetet von fast allen Londoner Opernfreunden außer jenen, die Händel die Treue hielten. Der Deutsche nämlich bot gegen Farinellis Arbeitgeber von der Opera of the Nobility eine eigene Opernsaison im damaligen Schauspielhaus an Covent Garden auf. Nur drei Wochen vor Porporas Ifigenia erlebte dort Händels Alcinaihre Uraufführung und eine durchaus achtbare Aufnahme. Mit den Hormonschüben, die Farinelli bei den Londonerinnen auslöste, konnte Händels erster Kastrat Carestini freilich nicht konkurrieren.

Porpora hatte an der Glanzstunde der Ifigenia keinen geringen Anteil, gab er seinem Schüler Farinelli doch jede Gelegenheit, das Publikum in Rauschzustände zu versetzen, und zwar nicht nur mit blendenden Koloraturen. Die Arie »Le limpide onde« schildert, wie der verliebte Gott Apoll in den klaren Wellen eines Flusses seine Herde tränkt – ein klassischer locus amoenus. Auf die Welt der Hirten spielt die pastorale Melodie im Siciliano-Rhythmus an, auf die Quelle im Tal die gleichsam taufrische Instrumentierung aus Oboen, Flöten, Streichern und Fagott. Eingebettet in dieses schimmernde Klanggewand entfaltet sich der Gesang so unangestrengt, dass man fast glauben könnte, selbst am Flussufer zu sitzen und ihm zu lauschen. Die Engländer, stets empfänglich für die Reize der Pastorale, mussten vor dieser zehnminütigen Arie die Waffen strecken.

Eine andere Facette des Farinelli-Zaubers offenbart die Arie »Alto Giove« aus dem Polifemo. Drei Monate vor der Ifigenia hatte die Londoner Adelsoper mit diesem Stück die erste Begeisterungswelle für Farinelli ausgelöst und damit auch den Erfolg des Ariodante zunichte gemacht, den Händel im Januar 1735 vorgestellt hatte. Gegen Schluss der Oper, die lose um die Gestalt des Zyklopen Polyphem kreist, bedankt sich Acis bei Jupiter für die Gnade, als Sternbild an den Himmel versetzt zu werden und so Unsterblichkeit zu erlangen. Bebende Streicherakkorde über absteigenden Bässen legen den feierlichen Klanggrund für den Einsatz der Singstimme, die dann zunächst mit einem messa di voce alleine bleibt. Nach diesem An- und Abschwellen auf dem lange ausgehaltenen Ton h und einem Triller auf »Giove« durfte Farinelli alle Manieren des Cantabile zeigen, wie er sie in Porporas Unterricht eingeübt hatte: pathetisch absteigendes Sostenuto, dann ein schneller Lauf in die Höhe, ein Sprung in die Tiefe, dann wieder ein sanfter Anstieg, ausdrucksvolle Vorhalte, Triller auf dem Höhepunkt der Melodie und schließlich eine improvisierte Kadenz. Wie das schwermütige e-Moll dieser Arie bewiest, hatte Porpora auf seiner Palette keineswegs nur die Pastelltöne des Dur parat, sondern eben auch das ernste, pathetische Moll, das er aber stets wohl dosiert einsetzte, ganz nach den Prinzipien des »galanten Stils«.

Während fast alle Arien des heutigen Programms Da-capo-Arien sind, steht zu Beginn des zweites Teils ein Rondò, eine jener zukunftweisenden Nummern, in denen sich schon Glucks »Che farò senza Euridice« von Ferne ankündigt. Händel hatte mit seiner Arie »Vaghe pupille« im Orlando von 1733 den Prototyp dieser Szenen geschaffen. 1736 griff Porpora den Typus in seinem Pasticcio Orfeo auf. Orpheus, der singende Halbgott aus Thrakien, freut sich auf das Wiedersehen mit Eurydike, seiner Gemahlin, die ihm der Tod geraubt hat. Im Rhythmus einer Polonaise stimmt er seine Arie an, mit allen modischen Abzeichen jenes polnischen Tanzes, den die Wirrungen des Polnischen Erbfolgekriegs eben damals in ganz Europa populär machten. Die fröhliche Melodie in A-Dur lässt die Leiden der Liebe hörbar hinter sich, wie es im Text beschrieben wird. Im ersten Couplet geht es schon ums Scherzen der Liebenden, im zweiten aber kehrt in stürmischem a-Moll der Unbill noch einmal zurück, bis ihn der Sänger in furiosen Koloraturen und Trillerketten auf dem Wort »penar« demonstrativ abschüttelt. »One God, one Farinelli!« riefen die Londoner verzückt nach dieser Glanzleistung.

Karl Böhmer

Biographie

Philippe Jaroussky studierte zunächst Violine, Klavier und Komposition an den renommierten französischen Musikakademien von Versailles und Boulogne. Seine Gesangsausbildung begann er 1996 bei Nicole Fallien; Studien in Alter Musik bei Michel Laplénie und Kenneth Weiss am Pariser Conservatoire National de Région (CNR) rundeten die Ausbildung ab. Als Philippe Jaroussky 1999 bei den Festivals von Royaumont und Ambronay mit dem Ensemble Il Seminario Musicale unter der Leitung von Gérard Lesne in dem Oratorium Sedecia von Alessandro Scarlatti auftrat, war der Start zu einer steilen internationalen Karriere gelegt. Heute ist der Sänger regelmäßig mit renommierten Barockorchestern zu erleben (Les Arts Florissants, Les Musiciens du Louvre, Le Concert d’Astrée, Le Cercle de l’Harmonie, Europa Galante); hierbei arbeitet er mit Dirigentinnen und Dirigenten wie Fabio Biondi, William Christie, Emmanuelle Haïm, Marc Minkowski und Christina Pluhar zusammen. In Deutschland war der Countertenor erstmals 2004 als Einspringer für den erkrankten Andreas Scholl mit italienischen Barock-Kantaten zu erleben; ein Jahr später sang er an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin unter der Leitung von René Jacobs den Telemach in einer Neuproduktion von Monteverdis Il ritorno d’Ulisse in patria. 2008 verlieh die Deutsche Phono-Akademie dem Künstler als »Sänger des Jahres« einen ECHO-Klassik-Preis – als erstem Countertenor in der Geschichte dieser Auszeichnung. 2010 erhielt er – abermals als »Sänger des Jahres« – seinen vierten Victoire de la Musique überreicht; eine weitere ECHO-Klassik-Ehrung folgte im Oktober 2012. In Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker gab Philippe Jaroussky sein Debüt Ende November 2010, als er gemeinsam mit Concerto Köln im Kammermusiksaal Arien von Antonio Caldara zur Aufführung brachte.

Der Organist, Cembalist und Dirigent Andrea Marcon hat sich einen Namen als Spezialist für Alte Musik gemacht. In Treviso geboren, studierte er an der Schola Cantorum Basiliensis, wo Jean-Claude Zehnder (Orgel und Cembalo), Hans Martin Linde (Dirigieren) und Jordi Savall (Kammermusik) seine Lehrer waren. Wichtige Impulse erhielt er zudem von Luigi Ferdinando Tagliavini, Hans van Nieuwkoop, Ton Koopman und Harald Vogel. Der Musiker gewann Erste Preise beim Orgelwettbewerb in Innsbruck (1986) und beim Cembalowettbewerb in Bologna (1991). Sechs Jahre später gründete Andrea Marcon das Venice Baroque Orchestra, das heute zu den führenden Barock-Ensembles zählt. Als Operndirigent leitete er Produktionen wie diejenigen von Francesco Cavallis L’Orione (1998) und Händels Siroe (2000) sowie der L’Olimpiade-Vertonungen von Domenico Cimarosa (2001) und Baldassare Galuppi (2006). Neben der Barockmusik enthält das Repertoire von Andrea Marcon auch Werke klassischer und frühromantischer Musik. Der Künstler ist regelmäßig an der Oper Frankfurt zu Gast und wurde auch von den Symphonieorchestern des Westdeutschen, des Hessischen, des Norddeutschen und des Dänischen Rundfunks, vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, vom Luzerner Sinfonieorchester, vom Mahler Chamber Orchestra und von der Camerata Salzburg zur Zusammenarbeit eingeladen. 2007 debütierte Andrea Marcon mit dem Venice Baroque Orchestra bei den Salzburger Festspielen. Im Oktober 2012 war er erstmals als Dirigent der Berliner Philharmoniker zu erleben; auf dem Programm der drei Abende standen Werke von Antonio Vivaldi. Seit dem Wintersemester 2010/2011 hat Andrea Marcon eine Professur für Orgel und Cembalo an der Schola Cantorum Basiliensis inne.

Das1997 von Andrea Marcon gegründete Venice Baroque Orchestra zählt zu einem der international führenden Ensembles, die sich auf die historisch informierte Aufführungspraxis spezialisiert haben. Das Orchester, das bei seinen Konzerten und Operaufführungen in den USA, Europa, Südamerika, Japan und Korea immer wieder für Begeisterung sorgt, hat sich der Wiederentdeckung von Meisterwerken des 17. und 18. Jahrhunderts verschrieben und beispielsweise Francesco Cavallis Oper L’Orione, Vivaldis Serenata Andromeda liberata, Benedetto Marcellos Oratorium Il trionfo della poesia e della musica und Boccherinis Zarzuela La Clementina erstmals wieder aufgeführt. Mit dem Teatro La Fenice in Venedig produzierte das Ensemble u. a. die Olimpiade-Vertonungen von Domenico Cimarosa und Baldassare Galuppi, mit der Brooklyn Academy of Music präsentierte es Händels Siroe zum ersten Mal in den USA. Das Venice Baroque Orchestra arbeitet mit renommierten Solisten wie Giuliano Carmignola, Gautier Capuçon, Magdalena Kožená, Patricia Petibon, Simone Kermes, Veronica Cangemi, Sara Mingardo und Andreas Scholl zusammen. Zahlreiche, häufig mit Preisen ausgezeichnete CD-Aufnahmen dokumentieren die künstlerische Tätigkeit des Ensembles, über welches die Fernsehanstalten BBC, ARTE, NTR (Niederlande) und NHK (Tokio) Dokumentationen produziert hat. In der Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker ist das Venice Baroque Orchestra nun erstmals zu erleben.

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»Originalklang« – Barocke Klangwelten

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