Berliner Philharmoniker

Zum Spielplan 2013/2014

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Kammermusik

Die 14 Berliner Flötisten

Klaus Wallendorf Moderation

Antonín Dvořák

Serenade für Bläser d-Moll op. 44 (Bearbeitung von Christiane Hupka)

Antonio Vivaldi

Der Winter aus Die vier Jahreszeiten (Bearbeitung von Werner Tast)

Emil Nikolaus von Reznicek

Ouvertüre zur Oper Donna Diana (Bearbeitung von Christiane Hupka)

Gotthard Odermatt

Sternbilder-Suite op. 21 Auftragswerk der Stiftung Berliner Philharmoniker Uraufführung

Gotthard Odermatt

Engelbert Humperdinck

Abendsegen aus der Oper Hänsel und Gretel (Bearbeitung von Christiane Hupka)

Johann Sebastian Bach

Sinfonia aus dem 2. Teil des Weihnachtsoratoriums BWV 248 (Bearbeitung von Christiane Hupka)

Hugh Martin/Ralph Blane

»Have Yourself a Merry Little Christmas« (Bearbeitung von Wolfgang Köhler)

Peter Tschaikowsky

Aus Der Nussknacker op. 71: Nr. 13 Blumenwalzer (Bearbeitung von Christiane Hupka) und Nr. 12d Trepak (Bearbeitung von Joachim Schmeißer)

Termine und Tickets

So, 22. Dez. 2013 16 Uhr

Kammermusiksaal

Einführung: 15:00 Uhr

Programm

Es ist erstaunlich, wie nuancenreich Flöten klingen und welch eigenwillige und zugleich sinnliche Klangfarbenmischungen sie offenbaren: Die 14 Berliner Flötisten, die 1996 vom Solo-Flötisten der Berliner Philharmoniker, Andreas Blau, gegründet wurden, warten in ihren Konzerten mit dem gesamten Spektrum der Flötenfamilie auf – angefangen von der kleinen Piccolo- über große Alt- und Bassflöten bis hin zur Subkontrabassflöte mit einer Gesamtlänge von 5,12 Metern!

Dabei reicht das Repertoire dieses einzigartigen Ensembles, in dem Flötistinnen und Flötisten aus den zahlreichen Berliner Orchestern gemeinsam musizieren, von Werken des Frühbarock bis hin zu zeitgenössischer Musik: Zahlreiche Arrangements und Originalkompositionen wurden eigens für die 14 Berliner Flötisten geschrieben. So steht auf dem Programm dieses vorweihnachtlichen Konzerts am 4. Advent auch die Uraufführung der Sternbilder-Suite des Schweizer Oboisten, Dirigenten und Komponisten Gotthard Odermatt. Eingeleitet wird der stimmungsvolle Abend mit einem Bläser-Arrangement der beschwingten Donna-Diana-Ouvertüre von Emil Nikolaus von Reznicek, der zu seinen Lebzeiten ein allseits bekannter Komponist war und mit Richard Strauss in einem Atemzug genannt wurde.

Es folgt eine Bearbeitung von Antonín Dvořáks melodienreicher Bläserserenade op. 44. Nach dem anrührenden »Abendsegen« aus Engelbert Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel präsentieren die 14 Berliner Flötisten neben weiteren Werken – u. a. dem Winter aus Vivaldis Vier Jahreszeiten – auch die Sinfonia aus dem 2. Teil von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium, eine pastorale Musik in wiegendem Siciliano-Rhythmus, die dem Dialog zwischen Hirten und Engelschören gewidmet ist.

Über die Musik

Flötistischer Farbenreichtum

Die 14 Berliner Flötisten spielen Werke aus vier Jahrhunderten

Perpetuum mobile mit Anlauf

Über eine ansteigende Tonleiter bewegt sich die Musik auf ihren Startpunkt zu, und dann herrscht Mobilität ohne Ende. So nahm Haydn Anlauf auf die Finalsätze seiner Symphonien, so brachte Beethoven den Schluss-Satz seiner Ersten in Fahrt, so legte Emil Nikolaus von Reznicek den Countdown zum Dauersprint der Donna Dianazumindest der Ouvertüre, die ein Konzertstück für sich ist und keinen Bezug auf die Handlung der nachfolgenden Oper nimmt (einer in Barcelona angesiedelten Geschichte um Liebe, Eifersucht und Partnerstrategie). Am 16. Dezember 1894 war Premiere im Deutschen Theater in Prag. Die Ouvertüre sollte dann, lange danach, dem ZDF und seiner Quiz-Sendung Erkennen Sie die Melodie? über 15 Jahre lang im buchstäblichen Sinn die Erkennungsmelodie liefern, und spätestens dann war es unmöglich, diese Musik nicht zu kennen und von ihr nicht gefesselt zu sein. Bereits für ein reich besetztes Orchester ist diese Pièce eine Herausforderung an Esprit und Virtuosität, für ein Ensemble von 14 Flötisten geradezu eine tour de force der Atemtechnik und der Beweglichkeit. Mag sein, dass Geschwindigkeit keine Hexerei ist – wo eine Lunge so viel Luft herholt, bleibt dem, der nicht Flöte spielt, dennoch ein Rätsel.

Abendsegen

Natürlich hat Mozart die Flöte (die zu seiner Zeit aus edlem Holz, auch aus Elfenbein, später aus Silber gefertigte Querflöte) geliebt, sonst hätte er sie am Ende seines (leider nur kurzen) Lebens nicht auch noch mit magischen Kräften ausgestattet und zur titelgebenden Hauptdarstellerin einer großen Oper erwählt und obendrein der feinen Aristokratin noch eine naturnahe Partnerin zugesellt, eine fünftönige Panflöte. Statt der wundertätigen zwei Holzblasinstrumente aus der Zauberflöte bieten die 14 Berliner Flötisten gleich ein Vielfaches auf, »Berliner Luft« sozusagen, aus einem Kontingent, dessen Größenordnungen vom winzigen Röhrchen bis zur überdimensionalen gekrümmten und geknickten Pipeline reichen, von der Piccolo- über die Sopran-, Große, Alt-, Bass-, Kontrabass- bis zur Subkontrabass-flöte. Die 14 Berliner zaubern seit 1996 nicht nur am Heimatort ihres Ensembles, sondern in der ganzen Welt – und heute, zwei Tage vor Heiligabend, wieder im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie. Das trifft sich gut, denn das ist der Vorabend zum 120. Jahrestag der Uraufführung von Hänsel und Gretel, Engelbert Humperdincks »Kinderstuben-Weihfestspiel« (ironische Anspielung auf Wagners Parsifal, bei dessen Vorbereitung zur Bayreuther Premiere derselbe Humperdinck assistiert hatte). Premieren-Dirigent von Hänsel und Gretel am 23. Dezember 1893 im Weimarer Hoftheater war Richard Strauss. Der Abendsegen aus dem bühnenwerk ist das, was man lässig einen »Ohrwurm« nennt, er hat Bleiberecht in jedem Ohr. Und ein Gradmesser für Verweildauer ist, neben der Aufführungsdichte der originalen Komposition, die (Un-)Zahl der Arrangements für andere Instrumente. Der Grad öffentlicher Akzeptanz einer Musik lässt sich an der Zahl der mit ihr angestellten Metamorphosen ablesen. Der Abendsegen kann sich auch in dieser Hinsicht hören lassen. Hänsel und Gretel spielt zwar in einer Jahreszeit, zu der im Wald die Beeren wachsen und der Kuckuck schreit, aber zur Adventswochen und Weihnachtstage ist die Märchenoper nicht nur den Theatern unentbehrlich. Die rettungslos im Wald verirrten Kinder sprechen (singen), bevor sie erschöpft, aber beruhigt einschlafen, ihr Abendgebet, im Vertrauen, dass »vierzehn Engel um mich stehn«. Ausgerechnet 14 – es hätte nicht anders sein können.

Ohne Pauken und Trompeten

Das klassische Symphonieorchester entfaltet ein breites Panorama spieltechnischer Mittel zur Klangerzeugung; es verfügt, etwa seit der Mitte des 18. Jahrhunderts, über einen Grundbestand von Holz- und Blechbläsern, Schlaginstrumenten, Zupfinstrumenten (Harfe) und fünf Gattungen Streichinstrumente. Demografisch überwiegt bei weitem der Chor der Streicher. Die Bläser sind familiärer, schließen sich zu kleineren Gruppen zusammen und neigen zum Einzelgängertum. Für die luftbewegten Bläsertöne ist der Atem der Spieler zuständig, das Blech vertritt dabei eher den glänzenden, schmetternden oder virilen, das Holz tendenziell den sanften, schwebenden, den äolischen Flügel des Klangspektrums. Welche Reichweite das menschliche Pneuma zu erzielen vermag, wussten die Wiener Klassiker selbst am besten, wenn sie Freiluftmusiken für Bläser komponierten und ihnen ein achtköpfiges Ensemble genügte, um sogar die Essenz einer ganzen Opernpartitur kleinformatig in die Adelshäuser und unter die Leute zu tragen. Wenn Mozart seine Opern »auf Harmonie setzte« (oder setzen ließ), hatte er bei der Transkription in mobilere Formate nicht nur die künstlerische Ausbreitung im Sinn, sondern auch eine marktgerechte Distribution: »Harmoniemusik« war die authentische Frühform der modernen Cover-Version.

Eine Krone der Kammermusik für Bläser (allerdings ohne Flöten) ist Mozarts berühmte Gran Partita B-Dur KV 361. Diese hatte Antonín Dvořák noch unzweifelhaft im Ohr, als er 1878 binnen zwei Wochen seine viersätzige Serenade für Bläser d-Moll op. 44 schrieb, die er, gleichfalls unter Flötenverzicht, mit je zwei Oboen, Klarinetten, Fagotten, einem Kontrafagott und drei Hörnern besetzte (später fügte er zugunsten einer dunkleren Klangfarbe noch Cello und Kontrabass hinzu). Der dritte Satz (Andante con moto) bekennt sich geradezu zur Verwandtschaft mit dem an gleicher Position stehenden Adagio, aus Mozarts Serenade, mit diesem synkopisch pulsierenden Wunderwerk einer atmenden Musik. Dvořák komponierte die Bläserserenade, kurz bevor er mit seiner ersten Serie von acht Slawischen Tänzen op. 46 zum Sprung in die Weltgeltung ansetzte. Noch einmal hält er liebevoll Rückschau auf einen älteren Serenadentyp. Mit einem markanten Marsch erobern die Musiker die Szene, mit demselben Marsch verabschieden sie sich im Finale. Dazwischen erweist Dvořák seine Reverenz einem böhmischen Ländler aus der Rokokozeit, dem Furiant mit den treibenden Synkopen, der melancholischen Anmut der Bläserkantilenen.

Nicht, dass eine Flötenfassung mehr als nur ein gerechter Ausgleich wäre. Was kann einen Musiker anregen, eine vorhandene Komposition ihrer angestammten Partitur zu entfremden und anderen Instrumentarien anzuvertrauen? Transkription bedeutet Ablösung der mit dem Original verbundenen Wahrnehmungsschicht und ihre Verselbständigung zu einem eigenen Organismus. In die Analogie der Malkunst übertragen, entspräche das einem Befund, den Kasimir Malewitsch angesichts der Bildserien von Claude Monet traf: Emanzipation des Malerischen, der peinture, vom gemalten Gegenstand. In einer Folge von 28 Bildern hat Monet die immer identische Westfassade der Kathedrale von Rouen festgehalten – vielmehr: nicht die Fassade als Dokument einer Architektur, sondern die Atmosphäre und den Eindruck, den die Fassade bei den unterschiedlichsten Lichteinfällen im Auge des Betrachters erweckt. Gleiche Absichten verfolgte er mit anderen Bildsequenzen, die identische Objekte einer wechselnden Beleuchtung aussetzten, etwa die Londoner Parlamentsgebäude, die Waterloo Bridge, der Seerosenteich im eigenen Garten. Andy Warhol hat ein Kinostandbild von Marilyn Monroe jahrelang einer Reihe immer neuer Farbvariationen unterworfen und damit der Pop Art die berühmtesten Ikonen geliefert. Handelt es sich in solchen Fällen um visuelle Versuchsreihen, so bietet die Übertragung von Dvořáks Bläserserenade für ein reines Flötenensemble ein Beleuchtungswechsel für hellhörige Ohren auf.

Harmonia mundi

»Die ungewöhnliche Besetzung der 14 Berliner Flötisten ermöglicht einem Komponisten das Spiel mit neuen und unbekannteren Klangfeldern und Strukturen. Eine besondere Klangfarbe steuern insbesondere die vielen tiefen Flöten bei, die insgesamt sehr selten in der Orchesterliteratur anzutreffen sind«, konstatiert der Schweizer Komponist, Dirigent und Oboist Gotthard Odermatt. Für seine heute erstmals erklingende Komposition hat er sich auf die Spuren von Johannes Kepler, Gustav Holst und Paul Hindemith begeben, um seine Vorstellung einer astrologischen und astronomischen Zuordnung von Himmelskörpern auf musikalische Verhältnisse zu bringen. Seine Ausdeutung hat er den 14 Berliner Flötisten zur Uraufführung anvertraut. Bevor ein Flötenton erklingt, ist ein Wort des Komponisten zu seiner Sternbilder-Suite op. 21 angebracht: »Diese Suite widmet sich fünf Sternbildern, die jeweils nach einer Figur der griechischen Mythologie benannt sind. Die Vertonung bezieht sich einerseits auf die Charaktere dieser Figuren, andererseits dienen die geometrischen Formen der Sternbilder bei der konkreten musikalischen Themenbildung als Orientierung, wie beispielsweise beim Beginn des Kassiopeia-Themas.«

In Odermatts Vorbemerkung für den Flötisten und Künstlerischen Leiter des Ensembles, Andreas Blau heißt es: »Kassiopeia: Fasziniert vom wunderschönen Sternbild am Himmel und davon, dass Frau Kassiopeia bei aller Eitelkeit auch selber recht schön sein muss, ist meine Musik doch recht ›schön‹ herausgekommen, allerdings mit einigen ›versteckten‹ Anspielungen, wie erster Ton g, letzter Ton Des (= Tritonusfall), viel wechselnder Harmonik, Hauptmotiv, das rhythmisch oft neben dem Schlag ist (= ›daneben‹), Einsatz des Themas mit tiefen Flöten. – Ketos: Musikalisch habe ich die Bedrohung von Andromeda durch das Monster vertont. – Andromeda: Ruhig, intim, großes Flötensolo (Flöte in C), aber auch mit rauschenden, impressionistischen Klangflächen. – Kepheus: Über ihn weiß man ja wirklich nicht so viel. [...] Ich werde vermutlich eine Art höfischen Tanz schreiben. – Perseus: Eine sanfte Einleitung, dann ein rhythmisches Hauptmotiv und virtuose Doppelzungen-Passagen.«

Wetterkunde und Wagnis

Der in der Theaterpraxis wie im Violinspiel gleichermaßen erfahrene Antonio Vivaldi stellte über eine Sammlung von Violinkonzerten den Gesamttitel Il Cimento dell’armonia e dell’invenzione. Dazu gehört der Zyklus Die vier Jahreszeiten. Cimento bedeutet »Wagnis«, »Risiko«. In ihrer Systematik der Musikinstrumente von 1914 wiesen die Musikethnologen Hornbostel und Sachs die Flöte der Familie der Aerophone zu, der Instrumente also, die den Klang mit Luft erzeugen. Das italienische Wort aria ist doppeldeutig und meint, durchaus sinnvoll, sowohl »Luft« als auch »Arie«. Im Figaro machen Mozart und Da Ponte in einer Canzonetta sull’aria hintersinnig von diesem Homonym Gebrauch: Sie lassen offen, ob in dem improvisierten Liedchen von der Luft oder einer Melodie die Rede ist. Für Meteorologen ist die Aerologie wiederum ein Zweig der Wetterkunde, und damit ist der Zusammenhang zwischen Flöte, Luft, Musik, Winter, Witterung und Vivaldi erwiesen.

In den vier Violinkonzerten, die 1725 unter dem Titel Le quattro stagioni erschienen und höchste Berühmtheit erlangen sollten, bringt Vivaldi das Kunststück fertig, alle formalen Ansprüche der Musik modellhaft zu erfüllen, dazu auf anschaulichste Weise etwas abzubilden, was mit Musik überhaupt nichts zu tun hat: das Wetter. Alle Normen eines virtuosen Konzerts mit Solo-Instrument sind erfüllt, aber auch die meteorologischen Wechselfälle in Szene gesetzt, die der Zyklus eines Jahres mit sich bringt. Globaler Klimawandel hin oder her, der Invernohat zu vermelden, dass im italienischen Winter von 1725 das Erwartungsgemäße eintrat: Draußen herrscht zumeist grimmige Kälte, die die Luft zum Zittern bringt und deren sich der Mensch nur durch energisches Füßestampfen erwehren kann. Dann klopft der Regen an die Fensterscheiben und macht zwar die Hoffnung auf Weiße Weihnachten zunichte, nicht aber die Behaglichkeit der warmen Stube. Schnee und Eis geben dem Schlittschuhläufer wieder Gelegenheit, seine Pirouetten zu drehen. Doch den Winterfreuden stehen Rutschgefahr und der Bruch der Eisfläche entgegen, und am Ende lässt Vivaldi, der Realist, effektvoll die Winterstürme pfeifen.

Winternachtsträume

Was geht in der Fantasie eines jungen Mädchens vor, das im Begriff steht, nicht länger mit Puppen zu spielen, sondern sich für die Welt und das andere Geschlecht zu interessieren? In Tschaikowskys Ballett Der Nussknacker verliebt sich Klara in ein Weihnachtsgeschenk ihres Patenonkels Drosselmeyer, eben in jenen Nussknacker. Sie träumt, wie sie ihn vor den Attacken des bösen Mausekönigs rettet, und ihr Schützling verwandelt sich in einen Prinzen. Beide wandern gemeinsam durch einen verschneiten Märchenwald dem Zauberschloss Konfitürenburg entgegen. Dort werden sie von der Zuckerfee und ihrem Hofstaat bereits erwartet, die für die mutige Klara und den Prinzen ein Fest ausrichten. Eine Folge national getönter folkloristischer Tänze gibt Zeugnis »von fremden Ländern und Menschen«, wobei ein Trepak für einen ukrainischen Kosakentanz steht. Höhepunkt des Divertissements ist der Blumenwalzer, der sich unabhängig von der feinen Psychologie der Handlung längst die Autonomie des populären Einzelstücks erworben hat und Arrangements für andere Instrumente geradezu herausfordert.

Merry Christmas

Den amerikanischer Musical-Film Meet me in St. Louis, dessen Handlung sich über alle vier Jahreszeiten verteilt, hat Vincente Minelli 1944 in Farbe gedreht. Der wenig erfolgreiche Anwalt Mr. Smith ist auf einen aussichtsreichen Posten in New York berufen worden, aber die übrigen Mitglieder seiner Familie sind alles andere als begeistert: Nicht nur die Weihnachtsfreude ist verdorben, denn der neue Job würde einen Umzug gleich nach den Feiertagen bedeuten, Verzicht auf den Besuch der Weltausstellung von St. Louis im Jahr 1904 und für die beiden ältesten Töchter Abbruch der sich hoffnungsvoll anbahnenden jeweiligen Liebesbeziehungen. Der Film traf ins Zentrum aller nostalgischen Bedürfnisse des Publikums, das bei der Szene, in der Judy Garland als Esther ihre fünfjährige Schwester Tootie tröstet, Tränen vergoss. Ihr Song Have yourself a merry little Christmas mit der Musik von Hugh Martin und zu den Lyrics von Ralph Blane stieg sofort zu den Standards englischsprachiger Weihnachtslieder auf und öffnete Judy Garland die Karriere auch als Sängerin. Und das Happy End für Familie Smith findet eben doch auf der Weltausstellung von St. Louis statt.

Engel und Hirten

Das Weihnachtsoratorium von Johann SebastianBach ist eine der populärsten geistlichen Kompositionen und nebenbei ein ergiebiger Fundus für bearbeitungswillige Musiker. Das Oratorium hat es komplett auch schon zu einem Jazz-Arrangement gebracht. Den Zweite Teil leitet – anders als die übrigen Kantaten, an deren Anfang ein Chorsatz steht – ein Instrumentalstück ein, eine Sinfonia in G-Dur. Die friedvolle Pastorale im 12/8-Takt, eine Hirtenmusik im punktierten Siciliano-Rhythmus, bereitet auf die Verkündigung vor, die der Engel des Herrn den Hirten auf dem Felde zu machen hat: Ganz in der Nähe wurde ihnen heute der Heiland geboren. Für die originale Orchesterbesetzung hat Bach zwei Traversflöten vorgeschrieben, deren Klangfarbe die Helligkeit einer Engelsmusik andeutet. Über welchen Farbenreichtum himmlische Heerscharen und irdische Hirten sonst noch verfügen, darüber geben die 14 Berliner Flötisten Auskunft.

Karl Dietrich Gräwe

Biographie

Ihr erstes Konzert gaben die 14 Berliner Flötisten im November 1996 im Kammermusiksaal der Philharmonie, in dem sie seither wiederholt aufgetreten sind. Andreas Blau hatte Kollegen aus verschiedenen Berliner Orchestern, Flötisten aus Ost und West, eingeladen, gemeinsam zu musizieren. Inzwischen hat sich das Ensemble längst weit über Berlin hinaus Anerkennung erworben und eine begeisterte Fangemeinde gefunden für ihre ungewöhnliche Besetzung, in der von der Piccolo- bis zur Subkontrabassflöte alle Stimmlagen dieses Instruments zum Einsatz kommen. Die 14 Musiker gastierten u. a. bei den Ludwigsburger Festspielen, beim Kissinger Sommer, im Rheingau und beim Schleswig-Holstein Musik Festival, bei den Festspielen Mecklenburg -Vorpommern und den Brandenburgischen Sommerkonzerten sowie in der Kölner Philharmonie. Ein Konzert in der Potsdamer Friedenskirche wurde vom Fernsehen aufgezeichnet wie auch ein Auftritt bei der ZDF-Serie Achtung! Klassik!. Mangels Originalliteratur für diese Besetzung spielen die 14 Flötisten hauptsächlich Bearbeitungen von Werken aus allen Epochen. Dabei betätigen sich auch Mitglieder des Ensembles – aktive und ehemalige (wie Werner Tast) –als Arrangeure. Inzwischen liegen aber auch zeitgenössische Kompositionen vor, die speziell für das Ensemble entstanden. Mehrere CDs – die fünfte erscheint dieser Tage – belegen die breite Palette an Ausdrucksmöglichkeiten und die Virtuosität des in dieser Art weltweit einmaligen Flötenensembles.

Die Mitwirkenden im heutigen Konzert:

Andreas Blau

Solo-Flötist der Berliner Philharmoniker

Thomas Beyer

Solo-Flötist der Staatskapelle Berlin

Kornelia Brandkamp

Solo-Flötistin des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin

Wolfgang Dasbach

Solo-Piccoloflötist des Orchesters der Deutschen Oper Berlin

Rudolf Döbler

Stellvertretender Solo-Flötist im Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Egor Egorkin

Piccoloflötist der Berliner Philharmoniker

Jochen Hoffmann

Stellvertretender Solo-Flötist im Orchester der Deutschen Oper Berlin

Christiane Hupka

Flötistin der Staatskapelle Berlin, Geschäftsführerin der 14 Berliner Flötisten.

Hiko Iizuka

Freischaffender Kammermusiker; betreibt in Berlin eine Werkstatt für Flötenbau und –reparatur in Berlin

Frauke Leopold

Flötistin im Deutschen Symphonie-Orchester Berlin

Robert Lerch

Solo-Flötist im Orchester der Deutschen Oper Berlin und Mitglied des Orchesters der Bayreuther Festspiele

Ulf-Dieter Schaaff

Solo-Flötist im Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin; Professor für Flöte an der Hochschule für Musik in Weimar

Beate-Gabriela Schmitt

Freischaffende Flötistin und Musiksoziologin; ehemalige Flötendozentin an der Universität der Künste in Berlin.

Linda Zanetti

Stellvertretende Soloflötistin der Staatskapelle Berlin (Zeitvertrag)

Gotthard Odermatt wurde 1974 in Luzern geboren und wuchs in Zürich auf. Als Kind erhielt er Klavier- und Blockflötenunterricht und war Mitglied der Zürcher Sängerknaben, mit denen er u. a. auch bei den Salzburger Festspielen auftrat. Mit 12 Jahren wechselte er zur Oboe. Nach Abschluss seines Studiums an der Musikhochschule Zürich bei Louise Pellerin, spielte er als Aushilfe beim Orchester der Oper Zürich, beim Musikkollegium Winterthur sowie beim Sinfonieorchester St. Gallen und trat als Solist beispielsweise mit dem Zürcher Kammerorchester auf. Darüber hinaus musiziert er in verschiedenen Kammermusikformationen. 2004 trat Odermatt mit seinem Bläseroktett D-Dur auch als Komponist an die Öffentlichkeit. Albrecht Mayer, Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker, hat bereits mehrere seiner Werke aufgeführt und eingespielt. Als Dirigent eines seiner Werke tritt er in diesem Konzert erstmals bei der Stiftung Berliner Philharmoniker auf.

Klaus Wallendorf ist seit 1980 Hornist der Berliner Philharmoniker. Zuvor spielte er u. a. im Orchester der Deutschen Oper, war Solo-Hornist des Orchestre de la Suisse Romande und des Bayerischen Staatsorchesters. Außerdem musizierte Klaus Wallendorf mehrere Jahrzehnte im Consortium Classicum. Seit 1985 Ensemblemitglied von German Brass, bestimmt er dessen Konzertauftritte als Hornist und Conférencier wesentlich mit. Außerdem betreut er die Berliner Philharmoniker und einige ihrer Kammermusikensembles als »Gelegenheitsliterat, Gebrauchslyriker, Moderator und halboffizieller Entertainer«. In dieser Funktion kann man ihn auch ohne Rückendeckung durch seine Kollegen erleben, z. B. als Kabarettist in der Berliner Bar jeder Vernunft, als Mitglied des Ensembles »Lachmusik« oder im Gasthof Kandler im bayerischen Oberbiberg.

14 Berliner Flötisten
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