Berliner Philharmoniker

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Bundesjugendorchester

Alexander Shelley Dirigent

Bundesjugendballett

John Neumeier Choreografie (Haydn)

Wubkje Kuindersma Choreografie (Dukas)

Sasha Riva & Marc Jubete Choreografie (MacMillan)

Auf Einladung der Berliner Philharmoniker

Bernd Alois Zimmermann

Alagoana (Caprichos Brasileiros), Ballettsuite

Paul Dukas

Der Zauberlehrling

James MacMillan

Exsultet (Fassung für symphonisches Blechbläser-Ensemble)

Joseph Haydn

Symphonie Nr. 30 C-Dur »Alleluja«

Termine und Tickets

So, 04. Mai 2014 20 Uhr

Philharmonie

Sonderkonzert

Live-Übertragung

Programm

In seinem 1897 entstandenen Zauberlehrling nach der gleichnamigen Ballade Johann Wolfgang von Goethes übertrug Paul Dukas den Charakter der poetischen Vorlage vollständig in seine Musik – nicht umsonst gelang Walt Disney 1940 in dem Trickfilm Fantasia eine kongeniale bildliche Umsetzung jenes Orchesterscherzos. Dabei bleibt das einsätzige Werk, in dem mit geradezu szenischer Präzision das literarische Geschehen klanglich sowohl nachgezeichnet als auch kommentiert wird, selbst nach rein musikalischen Kriterien stets tragfähig.

Das von dem jungen britischen Dirigenten Alexander Shelley geleitete Bundesjugendorchester, in dem Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren aus ganz Deutschland eine außergewöhnliche musikalische Förderung erhalten, wird Dukas’ Meisterwerk in der Berliner Philharmonie aufführen. Anschließend steht Joseph Haydns Symphonie C-Dur Hob. I:30 auf dem Programm, deren Beiname Alleluja auf das Hauptthema des ersten Satzes zurückgeht, in dem der Komponist auf den Beginn einer Alleluja-Antifon für den Karsamstag zurückgriff. Mit diesem Werk stellt das Bundesjugendballett, das auch noch weitere Choreografien von Wubkje Kuindersma, Sasha Riva und Marc Jubete präsentiert, die Premiere einer Tanzschöpfung ihres Intendanten John Neumeier vor

James MacMillans Fanfare Exsultet bezieht sich auf die Verkündigung von Christi Auferstehung – ein Stück, das mit tiefen Bläserklängen beginnt, einen emphatischen Höhepunkt ansteuert, um dann in massive E- und B-Dur-Akkordblöcke einzumünden, die zwischen Pianissimo und Fortissimo alternieren. Für einen stimmungsvollen Einstieg sorgt die Ballettmusik Alagoana, ein Frühwerk Bernd Alois Zimmermanns, in dem der Komponist u. a. mit Maracas, Bongos und Rumbaholz »brasilianische oder amazonische Folklore« verarbeitete.

Über die Musik

Ein Traum von Schwerelosigkeit und stillstehender Zeit

Werke von Bernd Alois Zimmermann, Paul Dukas, James MacMillan und Joseph Haydn

Tänzer und Musiker als Seelenverwandte – Bernd Alois Zimmermanns Balletsuite Alagoana

Innerhalb des Œuvres von Bernd Alois Zimmermann, das zwischen dem ersten Klavierstück 1938 und seinem Freitod 1970 gut 30 Jahre umspannt, kommt der Ballettsuite Alagoana eine herausgehobene Stellung zu. Sie ist Zimmermanns erstes größeres Orchesterwerk, zugleich sein erstes Ballett in einer Reihe weiterer (darunter Présence, Musique pour les soupers du Roi Ubu) und kann symptomatisch für seine späteren Instrumentalkompositionen einstehen, die immer auch im Hinblick auf eine bereits mitgedachte mögliche szenische Realisierung angelegt sind. Zimmermann war ein Mann des Theaters – das beweist nicht nur seine Oper Die Soldaten(ein zentraler Gattungsbeitrag des 20. Jahrhunderts), sondern auch beinahe jedes seiner instrumentalen Stücke.

Inwiefern absolute Musik zugleich für die Ballettbühne nutzbar gemacht werden kann – und zwar lange, bevor Choreografen dies mit nahezu jeglicher Musik selbst taten – zeigt sich vor allem in Zimmermanns sogenannten imaginären Balletten, darunter etwa der von John Cranko 1967 in DieBefragung vertanzten Cello-Sonate. Hinter den zugleich für Tanz- und Konzertsaal konzipierten Werken steht sein Credo einer Musik und Ballett gemeinsamen Ästhetik, die nach dem »Ideal der Schwerelosigkeit« strebt, wie es die Balletwissenschaftlerin Gabriele Brandstetter beschreibt: das »Paradox eines Augenblicks der gleichsam gedehnten Sekunde, in der die Bindung an die Schwerkraft aufgehoben ist und der Schein der Ewigkeit dieser (körperlichen) Freiheit für einen Moment aufleuchtet«. Die bei der gemeinsamen Tournee von Bundesjugendorchester und Bundesjugendballett konzertant aufgeführte Ballettsuite vermag wegen der bewusst vorenthaltenen Choreografie die zimmermannsche Idee eines imaginären Balletts vor dem inneren Auge in idealer Weise zu vergegenwärtigen.

Dem 1955 fertiggestellten Ballett Alagoana geht eine Konzertouvertüre gleichen Namens voraus, die Zimmermann im Sommer 1951 komponiert hatte. Anregen ließ er sich für seine »Brasilianische Ouvertüre« von einer Expedition seines Bruders Joseph, der den Amazonas und die Region Alagoas bereiste. Noch weiter zurück geht die Entstehungszeit im Fall von zwei verwendeten Tänzen, die der 22-Jährige als Soldat in Frankreich 1940 »während des Krieges, gewissermaßen in seinen ›Pausen‹« entworfen hatte. In einem Brief an den Freund Jan Natermann schreibt der unter den Front-Erfahrungen leidende Zimmermann von seinen Versuchen, dennoch komponieren zu können: »Den Einfall als solchen empfange ich nicht ohne weiteres beziehungslos zum Instrument. Es ist nicht so, als ob der Einfall urplötzlich da wäre. Dies trifft meistens nur auf sein rhythmisches Gerippe zu.« Zwei dieser rhythmischen Skizzen für einen Boléro und ein Siciliano sollten 1943 dann Eingang finden in die fünf Klavierstücke Extemporale und zehn Jahre später in orchestrierter Fassung auch in die ersten beiden Sätze von Alagoana.

Der mythische indianische Stoff wird in fünf Sätzen erzählt. Die Ouvertüre sollte anfangs noch den Titel Mariuana tragen, schrieb Zimmermann 1954 an seinen Verleger Ludwig Strecker, um den »Gesamtaspekt der Imagination eines Träumers bzw. Rauchers« zu unterstreichen. Aus der Sicht eines in die mythische Amazonas-Welt eintauchenden Fremden wird ein »grüner Traum« geschildert, in dem sich aus pflanzenhaften Erscheinungen Gestalten wie die wandelbare Alagoana formen, die mal als verführerisches Indio-Märchenwesen, dann als Priesterin bzw. Todesgöttin erscheint. Nicht nur der heidnisch-rituelle Stoff des Balletts erinnern an Igor Strawinskys Sacre du printemps, sondern gerade in der Ouvertüre auch die charakteristische Rhythmik und Klangfarbe. Zimmermann knüpft hier ein dem Amazonas-Urwald nachempfundenes flirrendes Klanggeflecht, aus dem sich im Mittelteil der Boléro und damit der Auftritt von Alagoana in einer nun kleineren exquisiten Orchesterbesetzung zuerst in der Flöte – begleitet von Cembalo, Harfe, Klavier, Celesta und Streichern – herauslöst. Das exotische Kolorit setzt sich im zweiten Satz Sertanejo fort, in dem neben der Wiederkehr des Boléros als neuer Tanz der Siciliano und mit seinem wiegenden Rhythmus auch die neue Figur des Sertanejo erscheint, in Zimmermanns Vorstellung der »stolze, leidenschaftliche und zugleich melancholische Bewohner des Inneren Brasiliens«. Aus einem lyrisch-kantablen Tanzlied in den Holzbläsern (Flöte, Oboe und Englischhorn) entwickelt sich durch Hinzunahme der Blechbläser ein stampfender ritueller Beschwörungstanz des gesamten Orchesters.

Im langsamen Mittelsatz Saudade (Wehmut) verlässt der Komponist die gewohnten Pfade einer impressionistischen Klanglichkeit und schreibt seine bis dato avancierteste Musik. Das zuvor lebhafte Geschehen scheint nun in einem abstrakten Tableau eingefroren. Die enorme Bildlichkeit von Zimmermanns Ballettsuite, die den Untertitel Caprichos Brasileiros trägt, kommt hier in besonderer Weise zum Ausdruck. Geradezu surrealistisch mutet die Beschreibung der Szenerie im Libretto an und ließe auch an ein Wald-Gemälde von Max Ernst denken: »Wie aus der Vergessenheit langsam emporsteigend erblühen Erscheinungen. Rinnendes Leben, sinkt die Zeit pflanzenhaft auf den tiefen Grund.« Stufenweise fügen sich delikate Klangfarbenmischungen über- und nebeneinander, formen Cluster aus schließlich zwölf gleichzeitig erklingenden Tönen. Durch verschiedene parallel gespielte Rhythmen wird der musikalische Takt außer Kraft gesetzt – die Zeit scheint stillzustehen.

Das Collage-Prinzip eines gleichzeitigen Nebeneinanders bestimmt auch den vierten Satz Caboclo, der Wortbedeutung seines Titels nach eigentlich ein Mischling aus Indio und Europäer.Hier soll der »Grotesktänzer« laut Libretto einen Naturburschen darstellen, der »halb Tiergott, halb Dämon […] Alagoana vor Liebesverstrickung mit dem Fremden« warnt. Die Figur des Caboclo findet sich musikalisch mit einem Perkussions-Ensemble charakterisiert, das nach Aussage des Komponisten gleichzeitig einen »Rumba-Boogie-Woogie« und einen Marsch spielt. Die Klänge und Rhythmen dieser afro-kubanischen Jazzcombo changieren zwischen einer lasziven erotischen bis ekstatisch ausgelassenen Stimmung. In der »liebenden Vereinigung erkennt der Fremde in Alagoana die Todesgöttin«, Eros und Thanatos, Liebe und Tod fallen im Finale zusammen. An den mit voller Wucht des Orchestertutti geschilderten Untergang der mythischen Welt schließt sich in kreisenden viertönigen Bassfiguren und mit einer Trompetenfanfare ein Misterioso an, das vom Komponisten als Jenseitsvision intendiert ist. Dem »himmlischen« Instrument, der Celesta, gehört der letzte Ton.

Entfesselte Kräfte – Der Zauberlehrling von Paul Dukas

Von den drei im heutigen Konzert als Ballette realisierten Orchesterwerken gibt Paul Dukas’ Der Zauberlehrling schon durch die Programmatik eines personifizierten Besens mit zwei Beinen einen tänzerischen Bewegungsablauf vor. Dabei steht die Leichtigkeit, mit der sich der hüpfend marschierende Besen fortbewegt und für den Zauberlehrling die Putzarbeiten erledigt, auch mit dem Faszinosum der Elevation des Körpers von der Erde in unmittelbarer Verbindung. 1897, genau 100 Jahre nach der Entstehung von Goethes gleichnamiger Ballade, komponierte Dukas sein Scherzo für Orchester, das im selben Jahr seine triumphale Uraufführung in Paris erlebte und ihn berühmt machen sollte. Bis heute hat die mitreißende und witzige Musik wegen ihrer dramatisch-gestischen Motive nichts von ihrer großen Wirkung eingebüßt, – und es braucht auch keinen zaubernden Konkurrenten Harry Potter, um weiterhin aktuell zu sein. Einem jugendlichen Publikum ist das Werk durch die Umsetzung als Zeichentrickfilm in Walt Disneys Fantasia wohlbekannt, der Dukas’ Musik fast ungekürzt mit Mickey Mouse als Zauberlehrling bebildert.

Die Leitmotive stellen in ihrer Klanglichkeit und Motorik nun auch außerordentlich plastisch die geschilderten Abläufe im Haus des alten Hexenmeisters dar: Mit einem schwebenden Zauber-Motiv beginnt die langsame Einleitung, es folgt – aufgeregt– dasjenige des Lehrlings in den hohen Holzbläsern, bis der – anfangs noch stotternd – zum Leben erweckte Besen im Fagott sein Hexenwerk mit kreisenden Bewegungen beginnt. Die dramatische Zunahme von immer neuen, vom Besen herbeigeschafften Wasserfluten im Mittelteil des Scherzos vermag auch die Zweiteilung des Besens nicht zu stoppen, im Gegenteil: Nach dem Axthieb muss der Lehrling mitansehen, wie der Besen in nun doppelter Gestalt zu Werke geht und sich aus dem Fagott-Thema eine zweite Stimme und schließlich ein ganzer Höllenreigen innerhalb eines Fugato entwickelt, dem nur der Zauberspruch des herannahenden Hexenmeisters mit vier Fortissimo-Akkorden über den Klängen der anfänglichen Zauberformel ein Ende setzen kann.

Erlösung – Exsultet von James MacMillan

Die letzten beiden vertanzten Stücke – Exsultet (1998) des schottischen Komponisten James MacMillan und Joseph Haydns Alleluja-Symphonie – thematisieren gleichsam den Gegenpol zu den vorigen Werken, die um menschliche Selbstüberschätzung, heidnische Lust oder archaische Laster kreisen, und stellen nun die Erlösung des Menschen in den Vordergrund. Mit dem Wort »Exsultet« (Jauchzet) hebt das Lob des Auferstandenen in der christlichen Osternachtfeier an, nachdem die zuvor dunkle Kirche sich mit den an der Osterkerze entzündeten Kerzen der Gläubigen erhellt hat. In MacMillans sakralem Werk für symphonisches Blasorchester wird die Verkündigung von Christi Auferstehung und die Freude darüber in Anlehnung an die Lichtzeremonie des Osterritus nachvollzogen: In größte Dunkelheit hüllt sich der Beginn des Stücks mit zuerst nur als Geräusche wahrnehmbaren extrem tiefen Tönen. Aufgeregte Fanfaren und Signale lösen sich heraus, bis die Überwindung des Todes in einem dramatischen Höhepunkt gipfelt, der den Lichteinfall mit zwei nebeneinander gestellten Akkordblöcken zwischen Pianissimo und Fortissimo klanglich erfahrbar macht.

Auferstehung – Joseph Haydns Symphonie Nr. 30 C-Dur

Joseph Haydns dreisätzige Alleluja-Symphonie in C-Dur wurde vermutlich am Ostersonntag des Jahres 1765 zur Aufführung in der Kirche verwendet. Gewissheit darüber besteht nicht, würde aber erklären, weshalb sich Haydn an die mittlerweile viersätzige symphonische Norm nicht gehalten hat und dem langsamenAndante-Mittelsatz nur noch ein Tempo di Menuet folgen lässt. Jedenfalls war es gängige zeitgenössische Praxis, dass auch einzelne Symphoniesätze in sakralem Rahmen gespielt wurden. Ob Haydn, der seit 1761 beim Fürsten Paul Anton Esterházy als »Vize-Capel-Meister« angestellt und eigentlich nur für die Hof- und Kammermusik zuständig war, dafür um Erlaubnis beim vorgesetzten Kapellmeister und Leiter der Kirchenmusik Gregor Joseph Werner fragen musste, ist daher ebenfalls nicht bekannt. Am Beginn des Kopfsatzes der Symphonie wäre das Zitat des gregorianischen Alleluja der Osterwoche noch nicht aufgefallen, wo es nur als Mittelstimme in den Bläsern verborgen ist. Die an ihren drei stufenweise aufsteigenden Tönen erkennbare Choralmelodie klingt aber schon im Seitenthema der Violinen an, um in Horn und Oboe in der Reprise nun in die Oberstimme zu wechseln und helltönend den Osterjubel zu verkünden. Gemessene Schrittfolgen in gezierter Rokoko-Manier bestimmen sowohl den langsamen, konzertierenden Satz für Flöte und Streicher als auch das Menuett mit seinen dominanten Hörnern und den beiden Trios unter Führung der Flöte bzw. der Violinen. Nicht nur in ihrer aufwärts strebenden Alleluja-Melodie, sondern vor allem in der Schwerelosigkeit von Haydns Musik tritt die Idee der österlichen Auferstehung zutage. Und im Moment des der Erde enthobenen Körpers versinnbildlicht sich das Wunder der Erlösung von irdischer Last.

Klaus Oehl

Biographie

Das Bundesjugendorchester vereint die besten jungen Nachwuchsmusiker aus ganz Deutschland, die unter der Leitung von namhaften Dirigenten wie Kurt Masur, Gerd Albrecht, Kirill Petrenko und Sebastian Weigle ihr Können auf nationalen und internationalen Konzerttourneen beweisen. Die jungen Musiker zwischen 14 und 19 Jahren qualifizieren sich mit einem Probespiel vor einer fachkundigen Jury für die Mitgliedschaft im Bundesjugendorchester. Während der dreimal jährlich für drei Wochen stattfindenden, intensiven Arbeitsphasen mit einem Team von Dozenten (darunter auch einige Mitglieder der Berliner Philharmoniker) und wechselnden Dirigenten erarbeitet das Orchester anspruchsvolle Werke aus allen Epochen. Nicht zuletzt bilden auch Kompositionen des 20. und 21. Jahrhunderts von Karl Amadeus Hartmann, Hans Werner Henze oder Magnus Lindberg sowie Uraufführungen (u. a. von Peter Ruzicka und Bernd Franke) feste Bestandteile der Arbeit.

Das Bundesjugendorchester ist im Rahmen zahlreicher zeitgeschichtlich bedeutender Projekte aufgetreten. Dazu gehören die »Thank You America!«-Tournee in die USA unter der Leitung von Kurt Masur anlässlich des 50. Jahrestages der Berliner Luftbrücke sowie eine Tournee durch Polen im Sommer 2000 mit dem Dirigenten Gerd Albrecht. 2007 gastierte das Orchester anlässlich der deutschen EU-Ratspräsidentschaft als musikalischer Botschafter in Großbritannien sowie in Mittel- und Südosteuropa. Besondere Höhepunkte in den letzten Jahren waren die Zusammenarbeit mit John Neumeier und dem Hamburg Ballett 2008 sowie zwei Konzerte mit dem Rockmusiker Sting und ein Auftritt im kulturellen Vorprogramm der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika 2010. Auf Einladung der Berliner Philharmoniker gastierte das Bundesjugendorchester bereits mehrfach in der Philharmonie, zuletzt im April 2013 unter der Leitung von Howard Griffiths. Nach einem gemeinsamen Konzert unter der Leitung von Sir Simon Rattle bei den Osterfestspielen 2013 in Baden-Baden übernahmen die Berliner Philharmoniker die Patenschaft für das Bundesjugendorchester, die im Juni 2013 durch eine Urkunde besiegelt wurde.

Seit der Gründung im Jahr 1969 liegt die Trägerschaft des Bundesjugendorchesters beim Deutschen Musikrat; von Beginn an hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Grundfinanzierung des Orchesters übernommen. Weitere Unterstützung erfährt es durch die Daimler AG, den Westdeutschen Rundfunk, die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL), die Deutsche Orchestervereinigung und die Stadt Bonn. Viele der ehemaligen Mitglieder spielen heute in Berufsorchestern oder sind bekannte Solisten geworden.

Deutscher Musikrat gemeinnützige Projektgesellschaft mbH
Bundesjugendorchester
Weberstraße 59, 53113 Bonn
Tel: 0228/2091-195, Fax: 0228/2091-290
bjo@musikrat.de
www.bundesjugendorchester.de

1) Deutscher Musikrat

2) Bundesjungendorchester (Datei »PH_64_0910_Logo_1.tif« in MS-Ordner »Bilder«)

3) Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

4) Daimler

5) WDR3

6) GVL Gesellschaft für die Verwertung von Leistungsschutzrechten ]

7) Stadt Bonn

8) DOV Deutsche Orchester-Vereinigung

Das Bundesjugendballett wurde 2011 mit dem Ziel gegründet, junge Tanztalente mit abgeschlossener Berufsausbildung zu fördern. Darüber hinaus will es den Tanz auch an Orte und zu Menschen bringen, die mit Ballett selten in Berührung kommen. Die acht jungen Tänzerinnen und Tänzer zwischen 18 und 23 Jahren mit einem Engagement von maximal zwei Jahren sind an John Neumeiers Ballettzentrum Hamburg angesiedelt. Das Pilotprojekt wird von der Bundesregierung für zunächst vier Jahre gefördert. Das Repertoire des Bundesjugendballetts besteht aus Klassikern der Ballett-Tradition, eigenen Choreografien der Mitglieder sowie Arbeiten zeitgenössischer Choreografen. Technische Basis der Compagnie ist das klassisch-akademische Ballett. Das Ensemble tanzt an den unterschiedlichsten Spielstätten bundesweit: Die Tänzer treten in Schulen, Altenheimen, Krankenhäusern und Gefängnissen ebenso auf wie in Theatern, Konzerthäusern und bei Festivals. In der Berliner Philharmonie sind sie heute erstmals zu sehen.

Das Bundesjugendballett wird gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und

Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

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Alexander Shelley, 1979 in London geboren, studierte zunächst Cello am Royal College of Music sowie an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf, bevor er dort ein Dirigierstudium bei Thomas Gabrisch anschloss. 2005 gewann der den Dirigentenwettbewerb in Leeds. Seit Beginn der Spielzeit 2009/2010 ist er Chefdirigent der Nürnberger Symphoniker. Als Gastdirigent leitete er bisher u. a. das Royal Philharmonic Orchestra, das Philharmonia Orchestra, das Philharmonische Orchester Rotterdam, die Niederländische Radio-Philharmonie, verschiedene deutsche Rundfunkorchester, das Orchester der Komischen Oper Berlin und das Deutsche Symphonie-Orchester, sowie Orchester in Schweden, Kanada und Asien. Sein professionelles Operndebüt gab er 2008 mit der Lustigen Witwe an der Königlichen Oper Dänemark; 2011 kehrte er für eine Produktion von Gounods Roméo et Juliette dorthin zurück. Im folgenden Jahr dirigierte er La Bohème am National Arts Centre in Ottawa. Alexander Shelley ist Gründer und musikalischer Leiter der Schumann Camerata, mit der er die Konzertreihe 440Hz ins Leben rief, die auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten ist. Eine regelmäßige Zusammenarbeit verbindet ihn auch mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.

John Neumeier wurde 1942 in Milwaukee, Wisconsin, USA, geboren. Den ersten Ballettunterricht erhielt er in seiner Heimatstadt, später in Kopenhagen und an der Royal Ballet School in London. Darüber hinaus studierte er Englische Literatur und Theaterwissenschaften. 1963 engagierte ihn John Cranko für das Stuttgarter Ballett, wo er zum Solisten avancierte und zu choreografieren begann. 1969 wurde er Ballettdirektor in Frankfurt am Main und ging von dort 1973 als Ballettdirektor und Chefchoreograf nach Hamburg. Dort hat John Neumeier eine weltweit anerkannte Compagnie aufgebaut, ein Ausbildungszentrum für den Nachwuchs eingerichtet und seine eigene, unverwechselbare Tanzsprache entwickelt. Sein Hauptinteresse gilt der Pflege der Ballett-Tradition in Verbindung mit neuen, zeitgenössischen Formen, sowohl in Neufassungen der historischen Handlungsballette als auch in Choreografien zu Werken, die bis dahin als nicht »vertanzbar« galten: etwa die Symphonien von Gustav Mahler oder Bachs Matthäus-Passion. Als Gastchoreograf hat John Neumeier mit fast allen großen Compagnien der Welt gearbeitet. Zu den vielen Auszeichnungen des Künstlers zählen das Bundesverdienstkreuz (zweifach), die Ernennung zum Ritter der französischen Ehrenlegion und der Prix Nijinsky.

Wubkje Kuindersma wurde in Kamerun geboren und erhielt ihre Ausbildung an der Rotterdam Dance Academy, die sie 1998 abschloss. Als Tänzerin trat sie u. a. mit dem Ballet Gulbenkian, dem Dansk Danse Theater, Random Dance, dem Ballett des Staatstheaters Nürnberg sowie in diversen freien Projekten auf. Seit 2009 erarbeitet sie eigene Choreografien. beispielsweise für die Compagnien My Lovely White Dog und 3rd Addiction. Ihre erste Produktion, das Solo Aquasomnia, wurde beim U30-Choreografen-Wettbewerb in Köln mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Seit 2012 arbeitet sie mit dem Kollektiv Random Collision. 2013 choreografierte sie im Rahmen der »Jungen Choreografen« der Noverre Gesellschaft das Ballett Hiraeth für Tänzer des Stuttgarter Balletts. Wubkje Kuindersma lehrt klassisches Ballett und modernen Tanz als Gast bei Ballett-Compagnien und Ballettschulen und ist ausgebildete Achtsamkeitstrainerin.

Der Italiener Sasha Riva, 1991 in Virginia (USA) geboren, erhielt seine Ausbildung in Mailand und an der Ballettschule des Hamburg Ballett, wo Kevin Haigen sein wichtigster Lehrer wurde. Seit der Saison 2011/2012 ist Gruppentänzer im Ensemble des Hamburg Ballett. Bereits an der Ballettschule begann er auch zu choreografieren. Seine Arbeiten wurden u. a. am Ernst Deutsch Theater (Hamburg) sowie in der Reihe »Junge Choreografen« am Festspielhaus Baden-Baden und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg gezeigt. 2010 choreografierte und tanzte Sasha Riva die Rolle des Narziss für die Welturaufführung der Tanzpantomime Die zerbrochenen Spiegel, einem Libretto von Klaus Mann, an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste. Für das Bundesjugendballett kreierte Sasha Riva bereits das 30-minütige Ballett Mutedzum Klavierquartett von Pēteris Vasks, das 2012 in Esslingen uraufgeführt wurde.

Marc Jubete, 1989 im spanischen Reus geboren, wurde in Zaragoza am Estudio de Danza María de Avila und an der Ballettschule des Hamburg Ballett ausgebildet. Zu seinen wichtigsten Lehrern gehören María Pilar Sanz, Lola de Avila und Kevin Haigen. Seit der Saison 2011/2012 ist er Gruppentänzer in der Compagnie des Hamburg Ballett. 2010, noch als Ballettschüler, schuf er die Choreografie Hide and Seek zur gleichnamigen Musik von Imogen Heap, die das Bundesjugendballett zur Spielzeit 2012/2013 ins Repertoire aufnahm. Die 15-minütige Choreografie Dictionary Page Todayzu Musik von Hughes de Courson, die im November 2013 im Ernst Deutsch Theater uraufgeführt wurde,hat Marc Jubete eigens für das Bundesjugendballett kreiert.

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