Berliner Philharmoniker

Zum Spielplan 2012/2013

In meinen Kalender übernehmen merken gemerkt drucken

Kammermusik

Jazz at Berlin Philharmonic

Yaron Herman Klavier

Joachim Kühn Klavier

Michel Portal Bassklarinette

Adam Baldych Violine

Yaron Herman

Zemer ahava layam (Komponist: Sacha Argov) Traditional Fun Groys Dasad

Yaron Herman & Michel Portal

La Confusion sexuelle des papillons (Komponist: Yaron Herman) Domimonk (Komponist: Michel Portal)

Yaron Herman & Adam Baldych

Letter to Esbjörn (Komponist: Adam Baldych)

Joachim Kühn

Forgotten Melody (Komponist: Joachim Kühn) Chaise-Longue (Komponist: Joachim Kühn)

Joachim Kühn & Adam Baldych

The Room of Imagination (Komponist: Adam Baldych) Simultan (Komponist: Joachim Kühn)

Joachim Kühn & Michel Portal

Cuba Si, Cuba No (Komponist: Michel Portal)

Joachim Kühn, Yaron Herman, Michel Portal & Adam Baldych

Allotrops, Elements Different Forms Or Same (Komponist: Ornette Coleman)

Eine Kooperation der Stiftung Berliner Philharmoniker mit ACT Music + Vision

Termine

Mo, 25. Mär. 2013 20 Uhr

20:00 | Kammermusiksaal

Programm

Die Konzertreihe Jazz at Berlin Philharmonic bringt Jazzmusiker zusammen, die bislang noch niemals miteinander aufgetreten sind. Diesmal treffen zwei Altmeister der Jazzszene auf zwei der jungen Generation: Der 1944 geborene Pianist Joachim Kühn ist international »einer der großen Jazzmusiker unserer Zeit« (Bert Noglik). Nun musiziert er erstmals mit dem polnischen Geiger Adam Baldych – einem seiner Wunsch-Duopartner. Der Kritiker der FAZ bezeichnete den 22-Jährigen nach seinem Konzert auf dem Jazzfest Berlin 2011 als »den wohl größten lebenden Geigentechniker des Jazz«. Baldych gilt als Nachfolger von Zbigniew Seifert, dem berühmten polnischen Jazzgeiger, mit dem Joachim Kühn wiederum eine lange musikalische Partnerschaft verband. Adam Baldych tritt durch die Zusammenarbeit mit Kühn einmal mehr in Seiferts Fußstapfen. Eine enge Verbindung und Freundschaft besteht auch zwischen Joachim Kühn und dem 77-jährigen französischen Klarinettisten Michel Portal. Gleichermaßen geprägt von Klassik, Neuer Musik und Jazz, zählt Portal zu den wichtigen Jazzmusikern Frankreichs, »ein Solitär des experimentellen Jazz« (Die Welt). Auch Portal liebt das intime Zusammenspiel im Duo, in jüngster Zeit besonders mit dem Pianisten Yaron Herman, einem Jazzmusiker aus Israel. Portal und Herman sind Seelenverwandte, wagen immer wieder gemeinsam das Abenteuer der freien Improvisation, des musikalischen Dialogs ohne Netz und doppelten Boden.

Über die Musik

Die Stunde der Universalisten

Das zweite Konzert der Jazz-Reihe in der Philharmonie

Als die Pianisten Michael Wollny, Iiro Rantala und Leszek Możdżer am 11. Dezember des vergangenen Jahres zum ersten Jazz at Berlin Philharmonic luden, war der Kammermusiksaal der Philharmonie erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte bei einem Jazz-Konzert bereits zwei Wochen vorher ausverkauft. Es ging um die Einlösung des Versprechens von Siggi Loch, Chef des Jazzlabels ACT und Mitglied der Freunde der Philharmoniker, der ein halbes Jahr zuvor den »Brendel-Flügel« zugunsten von UNICEF ersteigert und dabei zugleich ein Benefizkonzert versprochen hatte. Es ging damit also auch um die Heimkehr jenes Steinway D, den Alfred Brendel persönlich ausgesucht und stets bei seinen Berliner Konzerten gespielt hatte; vor allem ging es aber natürlich um drei herausragende Pianisten, die zur nachdrängenden Generation derer gehören, die dem Jazz neue Wege eröffnen.

Das Echo war enorm. »Großartig, um nicht zu sagen: Weltklasse«, befand das ZDF. Von einem »fulminanten Start« mit »Seltenheitswert für Berlin«, bei dem »Brendel, der verschmitzte Klassikdenker, begeistert von seinen jungen Kollegen gewesen wäre«, sprach der Tagesspiegel. Was alle erhofft hatten, stand dank des überwältigenden Erfolges fest: Aus Jazz at Berlin Philharmonic wird eine Reihe mit vorerst drei Konzerten in der Spielzeit 2013 / 2014. Siggi Loch präsentiert weitere exklusive und einmalig für diesen Anlass inszenierte musikalische Begegnungen. Zugleich werden die Auftritte dokumentiert. Mit dem Album Jazz at Berlin Philharmonic I ist vor wenigen Tagen ein Mitschnitt mit den Höhepunkten des Auftaktkonzerts auf ACT erschienen.

Der Anspruch der Reihe ist auch, was der Tagesspiegel schon bei der Premiere als Besonderheit erkannte: Dass sich »Jazz und Klassik auf Augenhöhe begegnen«. Lange genug hat der Kulturbruch des Zweiten Weltkriegs, die zugleich rigide wie fiktive Trennung von komponierter und improvisierter Musik wie auch die anmaßende Aufteilung in E- und U-Musik lähmend gewirkt. Eine neue Musikergeneration macht damit Schluss: Wenn es einen aktuellen Stil im Jazz gibt, dann den, sich auf keinen Stil mehr festlegen zu lassen. Die Zeit der Klassik-Gralshüter und Jazz-Polizisten ist vorbei, die Stunde der Universalisten gekommen. So begeben sich nun beim zweiten Streich von Jazz at Berlin Philharmonic gleich vier Musiker auf die unvoreingenommene Suche nach den Geheimnissen des Klangs, zelebrieren in den verschiedensten Konstellationen das Wunder der musikalischen Begegnung. Stand beim ja auch dem »Brendel-Flügel« gewidmeten Auftakt noch ausschließlich Klaviermusik auf dem Programm, stimmen nun Geige und Bassklarinette mit ein. Außerdem treffen zwei junge Wilde auf zwei Veteranen, die wie wenige andere für die Offenheit des Jazz stehen: Yaron Herman, Michel Portal, Adam Bałdych und Joachim Kühn.

Der Michael Jordan des Jazzpianos – Yaron Herman

»Wer an den Jazz glaubt, kommt an Yaron Herman nicht vorbei«, schrieb die Frankfurter Rundschau unlängst in einer Besprechung von Hermans aktueller CD Alter Ego. Der in Frankreich lebende Israeli ist eindeutig auf dem Sprung zum internationalen Star. In seiner Wahlheimat Paris, in die er vor 13 Jahren übersiedelte, ist er es bereits, spätestens seit er 2008 beim französischen Jazz-Preis Les Victoires du Jazz zum »besten neuen Instrumentalisten« und sein Trio-Debüt von den Jazzmagazinen zum Album des Jahres ausgerufen wurde. Was schon deshalb außergewöhnlich ist, weil der 32-Jährige erst mit sage und schreibe 16 Jahren das Klavier entdeckte. Bis dahin hatte er eine Karriere als Profi-Basketballer angestrebt. Eine schwere Knieverletzung erzwang die Umorientierung – ein Jammer für den israelischen Sport, aber ein Segen für die Musikwelt.

Der ganzheitliche Pädagoge Opher Brayer aus Tel Aviv – zu dessen Schülern auch der Bassist Avishai Cohen oder die Pianistin Anat Fort ebenso wie Manager und Kampfsportler gehören – war die Schlüsselfigur, die Herman zur Musik brachte und in atemberaubendem Tempo reüssieren ließ. Heute gehört Herman zur Riege der jungen Virtuosen, die die lange unerreichten großen Alten von Art Tatum bis Oscar Peterson wieder in den Fingern haben. Die aber, und das ist das Entscheidende, diese technischen Fähigkeiten für eigene Ideen nutzen. »Stile werden überschätzt«, erklärt Herman, »ob als Dixieland-Schrammler, Free Jazzer oder DJ, in der Musik geht es darum, seine Zuhörer zu berühren.«

Die herausragende Eigenschaft, mit der Herman das schafft, ist sein improvisatorischer Einfallsreichtum. Kaum ein anderer vermag die gesamte Musikgeschichte so geballt und in so rasendem Wechsel als »real time composing« – wie er seine Improvisationen nennt – in seine Soli einzuverleiben. Und so ist bei Herman für jeden etwas dabei: Mal hört man französische Impressionisten heraus, mal die russische Schule, Andeutungen der frühen Jazzstile von Ragtime über Stride bis zum Swing. Von der Bach-Invention geht es bis zu frechen Pop-Aneignungen – dass er zum Beispiel The Police oder Britney Spears verarbeitet, ist wohl ein weiterer Grund für seinen Erfolg. Zuletzt hat sich Herman auch seiner Wurzeln erinnert und sich mit traditioneller jüdischer Musik beschäftigt. Davon zeugen auch die Stücke Zemer ahava layam (von Sacha Argov, einem der bekanntesten Pop-Komponisten aus der Gründungszeit des Staates Israel) und Fun Groys Dasad, mit denen Herman das zweite Jazz at Berlin Philharmonic solo eröffnen wird.

Seit 2009 spielt er unter anderem regelmäßig im Duo mit Michel Portal – auf den er nun auch im Berliner Kammermusiksaal der Philharmonie trifft, um unter anderem über sein wunderbar schwebendes La confusion sexuelle des Papillons zu improvisieren.

Vater der französischen Avantgarde – Michel Portal

Michel Portal ist unbestritten die Vaterfigur des modernen französischen Jazz. Als Allroundmusiker steht er seit Jahrzehnten in den Lexika, und auf wenige trifft das so zu wie auf ihn. 1935 in Bayonne geboren, wuchs Portal mit der Volksmusik des französischen Baskenlandes auf, wie sie die Blaskapelle seines Großvaters spielte. Mit sechs fing er an Klarinette zu spielen, dem Privatunterricht ließ er nach der Schule eine klassische Ausbildung am Pariser Konservatorium folgen, die er 1959 mit einem Ersten Preis abschloss. Seine – bis heute nicht beendete – Karriere als Klassiker stand am Anfang im Zentrum seines Schaffens. In den 1960er-Jahren gewann er bedeutende Wettbewerbe, unter anderem in Genf und Budapest, und wurde als Mitglied des Musique Vivante Ensembleeiner der führenden Interpreten von zeitgenössischen Komponisten wie Pierre Boulez, Luciano Berio, Mauricio Kagel oder Karlheinz Stockhausen. Kammermusik spielte er unter anderem mit Pianisten wie Georges Pludermacher, Maria João Pires oder Michel Dalberto, mit Cellisten wie Frédéric Lodéon, Boris Pergamenschikow, mit den Bratschern Gérard Caussé und Yuri Bashmet sowie mit Streichquartetten wie dem Melos- oder dem Orlando Quartett.

Doch schon immer war Portal von allen musikalischen Möglichkeiten fasziniert. So begleitete er früh Chansonniers, unter anderem die große Edith Piaf. Von 1975 an schrieb er regelmäßig Filmmusiken – unter anderem für Die Wiederkehr des Martin Guerre, Les Cavaliers de l’Orage und Champ d’Honneur, für die er jeweils einen César bekam, den französischen Oscar. Und parallel zu allem anderen widmete er sich immer mehr dem Jazz, der ihn schon als Kind, vor dem Radio sitzend, fasziniert hatte. Dafür wandte er sich auch dem Altsaxofon, zuletzt sogar dem Bandoneon, vor allem aber der Bassklarinette zu, die bald sein eigentliches Markenzeichen wurde. Bis heute ist es unnachahmlich, wie er das gewaltige Instrument von seiner Erdenschwere befreit und in allen Lagen zum Jubeln bringt. Alle französischen Jazz-Trends vom Free Jazz über die Folklore imaginaire bis zur modernen Avantgarde hat er entscheidend mitgeprägt, an der Seite von allen heimischen Größen wie Jean-Luc Ponty, André Hodeir, Daniel Humair, Martial Solal, Richard Galliano oder auch Joachim Kühn, der ja eine Zeit lang in Paris lebte. Sein Repertoire wie sein Blick auf die Musik erweiterte sich aber auch durch die Zusammenarbeit mit Musikern aus aller Welt, nicht zuletzt amerikanischen Stars wie Anthony Braxton, Jack DeJohnette oder Dave Liebman.

All das prägte auch den Komponisten Michel Portal. Bei Jazz at Berlin Philharmonic wird man erleben, dass seine Stücke vor allem der Idee vom freien, gemeinsamen Musizieren verpflichtet sind. Bei den feinsinnigen, vielschichtigen Klangassoziationen ahnt man die Bezüge mehr, als dass man sie hört. Wechselweise sind Spurenelemente von Minimal Music, europäischer Klassik, Klezmer oder von Jazzstandards auszumachen, doch alles ist überwölbt von Portals kreativer Ideenwelt, die überdies stets von Esprit und Humor durchdrungen ist. Was hier bei einer Hommage an Thelonious Monk (Domimonk) im Duo mit Yaron Herman durchdekliniert wird, ebenso wie mit einem Latin-Exkurs (Cuba Si, Cuba No) im Duo mit dem alten Weggefährten Joachim Kühn.

Leipziger Allerlei – Joachim Kühn

Ein Musiker aus Leipzig kommt schwer an Johann Sebastian Bach vorbei. So ist auch der 1944 dort geborene Joachim Kühn mit dem Werk des Thomaskantors aufgewachsen. Und zwar ganz klassisch: Kühn ging aufs Konservatorium und wurde Konzertpianist. Bald freilich gab er seiner ausgeprägten Neugier und seinem Freiheitsdrang nach und schloss sich den wichtigsten Jazzern der DDR an, Werner Pfüller und Klaus Lenz zum Beispiel. Sein älterer Bruder Rolf, der Klarinettist, hatte ihn zum Jazz gebracht. Joachim folgte ihm mit einigen Jahren Abstand 1966 in den Westen. Kaum angekommen, landete er auf Vermittlung des Bruders beim legendären Newport Festival und beim Berliner Jazzfest, an der Seite der amerikanischen wie der europäischen Topstars. Kühn nutzte die gewonnene Freiheit, tauchte in die Jazzszenen von Los Angeles, New York, Hamburg und Paris ein, er bewegte sich im Free Jazz ebenso wie im Jazzrock oder in der Weltmusik. Und die Liste derer, mit denen er seither zusammen spielte, liest sich wie ein Who-is-who des Jazz – von Michel Portal über Billy Cobham, Michael Brecker oder Eartha Kitt bis zu Rabih-Abou Khalil oder unlängst dem in mancherlei Hinsicht auf seinen Spuren wandelnden jungen Kollegen Michael Wollny. Mit Daniel Humair und Jean-François Jenny-Clark bildete er über Jahrzehnte hinweg eines der maßgeblichen Trios des europäischen Jazz.

Als entscheidende Begegnung, kurz nach dem Fall der Berliner Mauer in seiner Geburtsstadt Leipzig, erwies sich die mit Ornette Coleman, mit dem ihn seither eine enge musikalische Freundschaft verbindet. Der legendäre amerikanische Free-Jazz-Saxofonist brachte Kühn nicht nur dazu, sich wieder mit Bach zu beschäftigen. Durch die »Harmolodics« Colemans angeregt, entwickelte auch Kühn ebenfalls ein eigenes harmonisches System, das er selbst »Diminished Augmented System« nennt: Eine Skala, die von aus jeweils sechs Haupt- und Nebentönen definierten Klängen statt von Akkorden definiert wird. Was auch bei seiner jüngsten musikalischen Häutung eine große Rolle spielt. Seit er 2003 beim European Jazztival auf Schloss Elmau den marokkanischen Guembri-Spieler Majid Bekkas kennenlernte, hat er auch die nordafrikanische Musik, den archaischen Blues der Berber als Inspirationsquelle entdeckt. Das Trio mit Bekkas und dem französischen Schlagzeuger Ramon Lopez ist seither sein bevorzugtes, mit vier Alben für ACT dokumentiertes Projekt.

Das zwischen Freiheit und Form, zwischen individuellem Ausdruck und druckvollem Interplay vermittelnde, stets geheimnisvolle, ins Transzendente lappende Spiel des unlängst (gemeinsam mit seinem Bruder Rolf) mit dem Echo Jazz für sein Lebenswerk ausgezeichneten Joachim Kühn wird die zweite Hälfte des Konzerts im Kammermusiksaal prägen – mit zwei Soloimprovisationen, einem Duett mit Michel Portal und dem großen gemeinsamen Finale, bei dem nicht zufällig Allotropes, Elements Different Forms Or Same aus der Feder seines Freundes Ornette Coleman die Vorlage abgibt. Aber auch mit zwei Duo-Stücken, bei denen Kühn erstmals mit dem Geiger Adam Bałdych spielt.

Der Erneuerer der Jazz-Geige – Adam Bałdych

Die Geige war im Jazz stets eine Exotin, gleichwohl eine mit Tradition: In den USA führt die Linie von Joe Venuti und Stuff Smith bis zu Mark Feldman und Regina Carter, in Frankreich von Stéphane Grappelli zu Didier Lockwood, im Violin-Land Polen schließlich darf man an Michał Urbaniak, Krzesimir Dębski und natürlich an Zbigniew Seifert denken. Sie alle jedoch entstammen den Generationen der klassischen, von einem dominierenden Stil geprägten Jazzgeschichte. Im globalisierten, sich stilistisch in alle Richtungen auffächerndem Jazz der vergangenen zwei Jahrzehnte sucht man einen herausragenden Geiger vergeblich. Bis jetzt. »Zweifellos der größte lebende Geigentechniker des Jazz. Von ihm kann man alles erwarten«, schrieb Ulrich Olshausen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nach dem umjubelten Auftritt von Adam Bałdych beim Jazzfest Berlin 2011.

In seiner Heimat war Bałdych früh der Ruf eines »Wunderkindes« vorausgegangen. Er hatte mit Klavier begonnen, bis er mit elf zur Geige wechselte und rasch so große Fortschritte machte, dass er sich an große Vorbilder wagte: »Ich war sehr von Rachmaninow, Chopin und Tschaikowsky beeinflusst.« Schon als 13-Jähriger aber entdeckte Bałdych den Jazz; mit 16 begann seine internationale Karriere, er spielte bald in ganz Europa und Asien. Nachdem er sein Jazzstudium an der Musikhochschule Kattowitz mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, bekam er ein Stipendium für das Berklee College of Music in Boston, immer noch die führende Jazz-Kaderschmiede der Welt. Seither ist New York die Basis seiner musikalischen Reisen durch alle Welt. Er tourte mit dem Pianisten und Grammy-Gewinner Jim Beard, arbeitete für Theater- und Filmproduktionen und nahm an der Seite der berühmten Violin-Kollegen Didier Lockwood, Pierre Blanchard, Jerry Goodman, Krzesimir Dębski und Christian Howes am einmaligen Tribute to Seifert teil.

Den Kontakt zur Heimat ließ er ohnehin nie abreißen, seine Band Damage Control ist ausschließlich mit Landsleuten besetzt. Während der Expo 2008 in Spanien lernte er den polnischen Pianisten und heutigen ACT-Kollegen Leszek Możdżer kennen, ein Jahr später schrieben sie gemeinsam den Soundtrack für den Film Herrn Arnes Schatz des schwedischen Regisseurs Mauritz Stiller. Mit seinem im vergangenen Mai erschienenen ACT-Debüt Imaginary Room zog Bałdych unwiderruflich das Rampenlicht auf sich, mit einem Geigenspiel, das man so noch nicht gehört hat. Hier klagt und schluchzt nichts, eher erinnern Bałdychs technisch atemberaubende Linien an die eines Bläsers, und mehrstimmige Passagen an das Akkordspiel eines Pianisten, immer unterlegt von einem leicht rauen, bluesigen Unterton.

Klassisches, Traditionelles und Avantgardistisches gehen bei Bałdych Hand in Hand – was ihn zum erklärten Wunschpartner von Joachim Kühn macht, der ja auf eine lange musikalische Partnerschaft mit Zbigniew Seifert – unter anderem traten sie 1975 zusammen beim Berliner Jazzfest auf – zurückblicken kann. Solche Querverbindungen bestehen zwischen allen vier Musikern des zweiten Jazz at Berlin Philharmonics, von deren erstem gemeinsamen Auftritt man sich deshalb musikalisch nicht weniger als alles erwarten darf.

Oliver Hochkeppel

2013-03-25 AdamBaldych(Maz_Bartosz).jpg

Newsletter-Service Regelmäßig informiert über das aktuelle Programm und Highlights aus der Welt der Philharmoniker.

Alle Veranstaltungen in der Philharmonie finden Sie auch auf:

Berliner Bühnenzu berlin-buehnen.de