Berliner Philharmoniker

Zum Spielplan 2013/2014

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Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker

Krzysztof Urbański Dirigent

Sol Gabetta Violoncello

Bedřich Smetana

Vltava (Die Moldau), Nr. 2 aus Má vlast (Mein Vaterland)

Bedřich Smetana

Šárka, Nr. 3 aus Má vlast (Mein Vaterland)

Bohuslav Martinů

Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 D-Dur

Antonín Dvořák

Symphonie Nr. 7 d-Moll op. 70

Termine und Tickets

Fr, 23. Mai 2014 20 Uhr

Philharmonie

Sa, 24. Mai 2014 20 Uhr

Philharmonie

So, 25. Mai 2014 20 Uhr

Philharmonie

Live-Übertragung

Programm

Zwei junge Künstler geben in diesen Konzerten ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern: die argentinisch-französische Cellistin Sol Gabetta und der polnische Dirigent Krzysztof Urbański. Sol Gabetta startete 2004 als Preisträgerin des Crédit Suisse Young Artists-Award ihre internationale Karriere. Wo immer sie auftritt, begeistert sie ihre Zuhörer durch ihren energischen, passionierten und gleichzeitig innigen Musizierstil.

Feuer und Temperament besitzt auch Krzysztof Urbański, der von der Presse als der vielversprechendste polnische Nachwuchsdirigent gefeiert wird. Urbański, Chef des Indianapolis Symphony Orchestra und des Trondheim Symfoniorkester, setzt sich enthusiastisch für die Musik seines Landes ein. Für seinen philharmonischen Einstand wählte er allerdings ausschließlich Werke tschechischer Komponisten: Der 1824 geborene Bedřich Smetana gilt als Begründer des tschechischen Nationalstils. Ihm gelang eine einzigartige Synthese aus Kunstmusik und folkloristischen Elementen. Davon zeugt auch sein berühmter Orchesterzyklus Má vlast (Mein Vaterland), in dem er mitreißende-musikalische Stimmungsbilder für die landschaftlichen Schönheiten (Die Moldau) und die Sagenwelt (Šárka) seiner Heimat schuf.

Der 17 Jahre jüngere Antonín Dvořák setzte den von Smetana eingeschlagenen Weg fort. In seiner für England komponierten Siebten Symphonie finden sich jedoch nur wenig Reminiszenzen an das böhmische Idiom, vielmehr gibt sich das Werk düster und melancholisch. Bohuslav Martinůs Violoncellokonzert Nr. 1 wiederum ist ein gelungenes Beispiel für die Verknüpfung tschechischer Volksmusik mit der Musiksprache des 20. Jahrhunderts.

Über die Musik

Facetten tschechischer Musik

Werke von Bedřich Smetana, Bohuslav Martinů und Antonín Dvořák

Má vlast von Bedřich Smetana

Trotz seiner Bedeutung als Begründer einer nationalen Schule der tschechischen Musik ist Bedřich Smetana über seine Heimat hinaus eigentlich nur durch vergleichsweise wenige Werke bekannt: vor allem die Symphonische Dichtung Die Moldau, das Streichquartett Nr. 1 (Aus meinem Leben) und die Oper Die verkaufte Braut. Smetanas Leben war getrübt von einem herben persönlichen Schicksal und den politischen Auseinandersetzungen über die Zukunft seiner Heimat. Als Patriot hoffte er (vergeblich) auf eine größere Souveränität seines Landes; als Komponist war er vor allem nach seiner Rückkehr aus Schweden – wo er von 1856 bis 1861 als Dirigent in Göteborg gewirkt hatte – in den heftigen Streit um eine fortschrittliche Ausrichtung der tschechischen Musik und Kultur verwickelt. In der Politik standen sich die progressiven »Jungtschechen«, zu denen Smetana und seine Freunde gehörten, und die konservativen »Alttschechen« gegenüber. Die letzten zehn Jahre seines Lebens waren gekennzeichnet von schwerem Leiden. 1874 verlor der Komponist vollständig und unwiderruflich sein Hörvermögen, seine Schaffenskraft blieb ihm jedoch vorerst erhalten. Anfang der 1880er-Jahre verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zunehmend, sodass er schließlich in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen werden musst, wo er im Mai 1884 starb.

»Nie haben ein Land, sein Charakter, seine Natur, seine heroischen oder feierlichen geschichtlichen Erinnerungen eine reinere Verherrlichung erfahren als in diesem Zyklus«, so schrieb der Musikforscher Alfred Einstein über Smetanas wohl berühmtestes Werk Má vlast (Mein Vaterland). Ursprünglich hatte der Komponist nicht an eine verbundene Sammlung mehrerer Symphonischer Dichtungen gedacht. Die einzelnen Teile entstanden innerhalb von fünf Jahren: zuerst 1874 Vyšehrad und Vltava, dann 1875 Šárka und Z českých luhů a hájů (Aus Böhmens Hain und Flur), schließlich im Winter 1878/1879 Tábor und Blaník. Smetana befreite sich vom Einfluss Liszts und dessen programmatischen Konzeptionen, er suchte (und fand) ein eigenes Idiom. Der Novität und Besonderheit seiner sechs Kompositionen war er sich wohl bewusst: »In diesen Gedichten habe ich mir erlaubt, eine eigene Form festzusetzen, eine ganz neue; die hat eigentlich nur noch den Namen Symphonische Gedichte. Deswegen sind sie wohl auch Schrecken für diejenigen, die von einem Fortschritt in der Kunst nichts hören wollen und denen immer nur das gefällt, was nach dem alten Stiefel gemacht ist.«

In einer Zusammenfassung des Inhalts der Symphonischen Dichtungen schreibt Smetana über das zweite Stück des Zyklus Vltava: »Diese Komposition schildert den Lauf der Moldau. Sie belauscht ihre ersten zwei Quellen, die warme und die kalte Moldau, verfolgt dann die Vereinigung beider Bäche und den Lauf des Moldaustromes über die weiten Wiesen und Haine, durch Gegenden, wo die Bewohner gerade fröhliche Feste feiern. Im silbernen Mondlicht führen Wassernymphen ihre Reigen auf, stolze Burgen, Schlösser und ehrwürdige Ruinen, mit den wilden Felsen verwachsen, ziehen vorbei. Die Moldau schäumt und wirbelt in den Stromschnellen zu St. Johanni, strömt in breitem Flusse weiter Prag zu, die Burg Vyšehrad taucht an ihrem Ufer auf. Die Moldau strebt majestätisch weiter, entschwindet den Blicken und ergießt sich schließlich in die Elbe.«

Zum dritten Teil, Šárka, bemerkt der Komponist, hier sei nicht die Gegend, sondern die Handlung festgehalten: »die Sage von der Maid Šárka, die in leidenschaftlichem Zorn über die Untreue des Geliebten dem ganzen männlichen Geschlecht bittere Rache schwört. Aus der Ferne dringt Waffenlärm. Ctirad ist mit seinen Knappen im Anmarsch, um die streitbaren Mädchen zu bezwingen und zu bestrafen. Er vernimmt schon von weitem das (listig vorgeschützte) Klagen einer Maid, erblickt Šárka an einem Baum gebunden und ist von ihrer Schönheit bezaubert. Er entbrennt in heißer Leidenschaft zu ihr und befreit sie. Šárka versetzt mit einem bereit gehaltenen Trunke Ctirad und seine Knappen in Rausch und zuletzt in tiefen Schlaf. Auf ein gegebenes Hornsignal, das die Gefährtinnen Šárkas in der Ferne erwidern, stürzen diese aus dem Wald und richten ein Blutbad an. Ein schauerliches Gemetzel, blindes Wüten der ihre Rache stillenden Šárka beschließt die Dichtung.«

Die »Programme« zu den Kompositionen verfasste Smetana gemeinsam mit seinem Freund, dem Poeten Václav Zeleny. Doch lassen sich die Tondichtungen aber auch ganz unabhängig von einem Programm hören. Gleichwohl sind naturalistische Züge deutlich wahrzunehmen: In der Rondo-artigen Moldau wird der Weg des Schicksalsflusses plastisch gezeichnet. Die »warme« Flöte und die »kalte« Klarinette symbolisieren die beiden Quellen. Wo sie zusammenkommen, übernehmen die Streicher das Motiv, dann setzt das Hauptthema ein. In Šárka, der tschechischen Variante des Penthesilea-Stoffes, spiegeln sich die Verzweiflung und Ambivalenz der Titelheldin, vielleicht auch des Komponisten. Die Mittel sind drastisch: Es gibt viele wild dreinfahrende, ja wütende Passagen; eine Liebesszene hat nur episodischen Charakter, fungiert als verhängnisvolle Ruhe vor dem finalen Inferno.

Der vollständige Zyklus, dessen Teile wohl eigenständig sind, aber durch gemeinsame Motive und Themen zusammenhängen, wurde zum ersten Mal am 5. November 1882 in Prag unter Leitung von Adolf Čech aufgeführt. Smetanas Freund Václav Zeleny berichtete: »Die grandiosen Tonbilder […] sind seit sieben Jahren die größte Zierde unserer Konzertprogramme. Aber nun lernten wir sie erst als gewaltiges Ganzes, als ein einheitliches Werk verstehen, als die größte dichterische Schöpfung Smetanas, die stolzeste Huldigung, die je ein kunstschöpferischer Geist seinem Vaterlande dargebracht hat.[…] Nach der Moldau brach ein wahrer Orkan der Begeisterung aus. […] Und der gleiche Sturm tobte auch nach jedem weiteren Satz des sechsteiligen Riesenwerks. Bis zum letzten Akkord hielt die Spannung des Publikums an, steigerte sich die Begeisterung.«

Das Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 D-Dur von Bohuslav Martinů

Bohuslav Martinů war, wie sein Biograf Harry Halbreich betont, neben Smetana, Dvořák und Janáček nicht nur »der vierte Klassiker der tschechischen Musik«, sondern einer der bedeutendsten Komponisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In der Tschechoslowakei wurden seine Werke häufig aufgeführt. In der übrigen Welt scheint indes auch im 21. Jahrhundert noch zu gelten, was Halbreich in seinem 1968 erschienenen Martinů-Buch konstatierte: »Die Avantgardisten wenden sich achselzuckend ab, während andererseits der eigenwillige Formbau seiner Musik, ihre Beweglichkeit, ihr Mangel an festen Themengebilden und wohlvertrauten Anhaltspunkten die Interpreten vor Schwierigkeiten stellen, die sie bei dieser anscheinend so milden, tonalen Tonsprache nicht vermuten.«

Martinů, der zuerst in Prag studierte, einige Jahre Geiger in der Tschechischen Philharmonie war und später in Paris bei Albert Roussel ein Kompositionsstudium absolvierte, schrieb zahlreiche konzertante Werke für die unterschiedlichsten Instrumente – darunter vier für Solo-Cello: das Concertino für Violoncello, Bläser, Klavier und Schlagzeug in c-Moll (Ende 1924 in Paris vollendet, aber erst im März 1949 in Prag uraufgeführt), das Cellokonzert Nr. 1 (erste Fassung 1930), die Sonata da camera für Violoncello und Kammerorchester (1940 in Aix-en-Provence entstanden, im November 1943 in Genf uraufgeführt) sowie das 20 Jahre unveröffentlicht gebliebene Cellokonzert Nr. 2 (1944/1945 in New York entstanden, im Mai 1965 in Prag uraufgeführt). Hinzu kommen noch vier Kompositionen, in den das Cello in der »Concertante«-Solistengruppe beteiligt ist.

Die Entstehungsgeschichte des Ersten Cellokonzerts ist kompliziert und bisher nicht vollständig aufgeklärt. Seine erste Fassung entstand im August des Jahres 1930 in Martinůs Geburtsort Polička sowie in Paris und wurde am 13. Dezember 1931 von Gaspar Cassadó in Berlin uraufgeführt; Orchester und Dirigent sind nicht nachgewiesen. Das dreisätzige Werk war für Kammerorchester besetzt. Ende April 1938 – nachdem Pierre Fournier das Werk im Januar unter Charles Munchs Leitung in Paris gespielt hatte – tat der Komponist seine Absicht kund, es umzuarbeiten, erklärte aber zugleich, an der Musik solle nichts geändert werden. Freilich verfuhr er dann ganz anders. Denn die zweite, im Frühling und Sommer 1938 in Paris angefertigte Fassung, deren Manuskript verloren ging, »ist eine gründliche Überarbeitung, die einer Neukomposition nahekommt« (Harry Halbreich). Ihre Uraufführung fand 1939 mit Pierre Fournier und dem Orchestre de la Société Philharmonique de Paris unter Leitung von Charles Munch in Paris statt. Diese Version, in der Martinů statt des Kammerorchesters ein übliches Symphonieorchester verlangt, ist nur in einer Schallplattenaufnahme mit Michail Chomitzer und den Moskauer Philharmonikern unter Leitung von Wladimir Jurowski aus dem Jahre 1966 festgehalten. Die ihr zugrundeliegende Partitur und das Aufführungsmaterial sind verschollen, könnten sich aber noch in Russland befinden. Im Sommer 1955 entstand schließlich die dritte Fassung. Martinů hatte in Nizza eine Rundfunkübertragung des Konzerts gehört und war »entsetzt über die schlechte Instrumentierung«. Deshalb ging er an eine gründlichen Neubearbeitung: »Ich dünnte die Akkorde in den Posaunen und Hörnern aus und orchestrierte das Konzert neu, ohne die Noten allzusehr zu verändern; der Solo-Part ist praktisch unverändert und in der neuen Orchesterbearbeitung vielleicht etwas einfacher.« Der Sachverhalt bleibt widersprüchlich, ist die dritte Fassung doch eher »nur« eine Variante der zweiten. Zweifelsfrei sah Martinů diese aber als die allein gültige an. Pierre Fournier spielte das Konzert am 5. Dezember desselben Jahres in Lausanne mit dem Kammerorchester Lausanne unter Leitung von Victor Desarzens. Bei den Berliner Philharmonikern war es in seiner endgültigen Gestalt in drei Konzertprogrammen zu hören: am 26., 27. und 28. Oktober 1957 mit Eberhard Finke (Dirigent: Herbert von Karajan), am 8. und 9. März 1961 mit Pierre Fournier (Dirigent: Rafael Kubelik) und zuletzt vor 40 Jahren am 13./14./15. März 1974 mit Ottomar Borwitzky unter Leitung von Vaclav Neumann.

Das Cellokonzert und seine Meriten erschließen sich dem Hörer unmittelbar: Der Solo-Partie ist virtuos und kantabel, die Orchestrierung ökonomisch. Im ersten Satz, der trotz seiner Bezeichnung »Allegro moderato«energische und sogar schroffe Züge hat, formuliert die Trompete das Hauptthema. Mittelstück ist ein ausdrucksvolles Andante moderatomit dem von der Klarinette vorgestellten und dann von anderen Holzbläsern und der Solo-Trompete weitergeführten breiten Thema. Der Solist wird meist nur pianissimo begleitet, es gibt aber dramatische Steigerungen und eine umfangreiche Solo-Kadenz. Im bewegten Allegro-Finale spielt der Komponist mit dem Wechsel von geraden und ungeraden Taktarten. Harry Halbreich bezeichnet das Werk Martinůs als sein »erstes ›großes‹ Konzert« und einen »Meilenstein in seinem schöpferischen Werdegang: Keine andere Arbeit aus dieser Zeit weist so deutlich auf seine künftige Entwicklung hin, wenn auch die spätere Orchestrierung diesen Eindruck verstärkt: Sie wandelte ein Kammerkonzert mit Anspielungen auf die Concerto-grosso-Gattung in ein regelrechtes Solistenstück symphonischen Ausmaßes. Rhythmisch und formal ist das Werk freier konzipiert als die meisten Kompositionen der frühen dreißiger Jahre.«

Die Symphonie Nr. 7 d-Moll op. 70 von Antonín Dvořák

Als Antonín Dvořák seine Siebte Symphonie schrieb, konnte er bereits beachtliche Erfolge als Opernkomponist und Schöpfer gewichtiger Orchesterwerke vorweisen. In der ersten Hälfte der 1880er-Jahrewaren Arbeiten entstanden wie das Scherzo capriccioso, die Hussiten-Ouvertüre und eines seiner bedeutendsten Kammermusikwerke, das Klaviertrio f-Mollop. 65. Dvořák fand weit über seine Heimat hinaus Anerkennung und besonders in England ein aufgeschlossenes Publikum. Bei seinem ersten Besuch auf Einladung der London Philharmonic Society 1884 dirigierte er seine Sechste Symphonie, die Hussiten-Ouvertüre, die Zweite Slawische Rhapsodiesowie sein Stabat Mater. Der Erfolg war so groß, dass die Philharmonische Gesellschaft ihn kurz darauf zum Ehrenmitglied ernannte und um die Komposition einer Symphonie bat. So entstand in der Zeit von Ende 1884 bis Mitte März 1885 Dvořáks Siebte. Die Uraufführung fand am 22. Oktober 1885 unter Leitung des Komponisten während seines dritten England-Aufenthalts in der Londoner St. James Hall mit dem Orchester der Philharmonic Society statt. Danach kürzte Dvořák den zweiten Satz um etwa 40 Takte und in ihrer endgültigen Fassung kam das Werk am 29. November 1885 in Prag Premiere.

Vor allem in Deutschland fand die Symphonie starke Fürsprecher: Hans von Bülow, der erste Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, sorgte für die ersten philharmonischen Aufführungen am 27. und 28. Oktober 1889 in Berlin. Der Komponist drückte seine Wertschätzung für Bülows Interpretation des Werks unter anderem dadurch aus, dass er auf das Titelblatt der autografen Partitur ein Foto des Dirigenten klebte und darunter schrieb: »Hoch [sollst Du leben]! Du hast dieses Werk zum Leben erweckt.« Bülows Nachfolger Arthur Nikisch setzte Dvořáks Siebte beim von ihm einige Jahre geleiteten Boston Symphony Orchestra im Frühjahr 1891 für eine Tournee durch verschiedene amerikanische Städte aufs Programm.

Die Siebte Symphonie ist in zweierlei Hinsicht ungewöhnlich. Zum einen ist sie am wenigsten geprägt von böhmischer Folklore, einer wichtigen Inspirationsquelle für den Komponisten. Zum anderen eignet ihr nicht der für Dvořáks Schaffen typische freundliche, lebensfrohe Simmung, sondern ein grüblerischer, ja melancholischer Ton. In dieser Symphonie schlugen sich seine seelische Verfassung sowie die Auseinandersetzungen, ja Kämpfe um seine kompositorische Arbeit nieder. Ein heftiger Briefwechsel dokumentiert, dass sein Verleger Fritz Simrock lieber populäre Stücke wie die erfolgreichen Slawischen Tänze op. 46 veröffentlichen wollte. Die Wiener Hofoper wünschte ein dramatisches Werk, aber nur auf einen deutschen Text. Dem konnte und wollte Dvořák nicht entsprechen, hätte er doch seine Herkunft und Bindung an die Heimat verraten. So antwortete er mit Kompositionen auf ausgeprägt tschechische Sujets: z. B. der dramatischen Ouvertüre Die Hussiten, dem Klavierzyklus Aus dem Böhmerwald und der Kantate Die Geisterbraut.

Formal ist die d-Moll-Symphonie klassisch angelegt wie ihre Vorgänger und Nachfolger. Ein Großteil der Melodik des in Sonatenform gestalteten Eingangs-Allegros entwickelt sich aus dem energischen Hauptthema, vor allem aus dessen Nachsatz. Den Kontrast bildet ein gleichsam beschwichtigendes Seitenthema. Durchführung und Reprise sind nur kurz. Der zweite Satz (Poco Allegro) in dreiteiliger Liedform mit seinem sehr innigen Hauptthema und dem ausdrucksvollen Gesang des Horns im Mittelteil erinnert in Stil und Ton stark an Johannes Brahms und dürfte von dessen Dritter Symphonie inspiriert zu sein. Das Scherzo lockert den Charakter des ernsten Werks ein wenig auf. Der Satz mit zwei charakteristischen Themen ist voller (gelegentlich nervös wirkender) Energie, hat kräftige Rhythmen und starke tänzerische Impulse. Wieder schwer, stellenweise sogar schroff, ist das Allegro-Finale, das sich vom tragischen Auftakt zum triumphalen Schluss »durchkämpft« (Karl Schumann). Durch die thematische und gestische Anknüpfung an den Kopfsatz erreicht Dvořák eine starke Geschlossenheit der Komposition.

Man kann die Siebte Symphonie mit Karl Schumann als »Dvořáks Pathétique« bezeichnen, in der »das Pathos der romantischen Bekenntnis-Symphonie« waltet. »Die dramatische Steigerung des Ausdrucks wird intensiviert durch straffe, übersichtliche Form und durch sparsame, das Blech streckenweise nur als Füllstimmen verwendende Instrumentierung.« George Bernard Shaw schrieb nach der Londoner Premiere: »Die raschen Übergänge von Lebendigkeit zu Klage, die abwechslungsreichen Rhythmen und Figurationen, der energische Schwung, gelegentlich abrupte, melancholische Pausen und die charakteristische Harmonik der böhmischen Musik sind von Herrn Dvořák mit ungewöhnlichem Erfolg in der Sonatenform vereint.« Die Werte der Siebten Symphonie wurden zwar schon bald nach der Uraufführung anerkannt, doch sie fand insgesamt nie die große Aufmerksamkeit oder gar Beliebtheit beim Publikum und ist bis heute seltener im Konzertsaal zu hören als ihre populär gewordenen Nachfolgerinnen, die Symphonien Nr. 8 G-Dur und Nr. 9 e-Moll.

Helge Grünewald

Biographie

Krzysztof Urbański schloss 2007 sein Studium an der Fryderyk-Chopin-Musikuniversität in Warschau ab und wurde im selben Jahr beim Dirigentenwettbewerb des internationalen Musikfestivals »Prager Frühling« von der Jury einstimmig mit dem Ersten Preis ausgezeichnet.Von 2007 bis 2009 war er Assistent von Antoni Wit, dem Musikalischen Direktor der Warschauer Philharmonie.Im Sommer 2013 begann für Krzysztof Urbański die vierte Spielzeit als Chefdirigent und Künstlerischer Leiter beim Trondheim Symfoniorkester; zudem ist er bereits die dritte Saison als Musikalischer Direktor beim Indianapolis Symphony Orchestra tätig. Weiterhin ist er Erster Gastdirigent beim Tokyo Symphony Orchestra und wird zudem ab der Spielzeit 2015/2016 die Nachfolge von Alan Gilbert als Erster Gastdirigent des NDR Sinfonieorchesters antreten. Krzysztof Urbański dirigierte auf großen Europatourneen sowohl die Tschechische Philharmonie als auch das European Union Youth Orchestra; darüber hinaus leitete er die Orchesterakademie des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Zum 80. Geburtstag Krzysztof Pendereckis gastierte er neben Charles Dutoit und Valery Gergiev in einem im Fernsehen übertragenen Konzert der Sinfonia Varsovia in Warschau. Zu den Höhepunkten der laufenden Spielzeit zählen Krzysztof Urbańskis Debüt bei den Berliner Philharmonikern in diesen Konzerten sowie sein Einstand beim Ravinia Festival mit dem Chicago Symphony Orchestra, gefolgt von Engagements beim Pittsburgh Symphony Orchestra, Rotterdam Philharmonic Orchestra, Tonkünstler-Orchester Niederösterreich und bei den Münchner Philharmonikern. Wiedereinladungen führen den Dirigenten zudem u. a. zum Philharmonia Orchestra London, zum NDR Sinfonieorchester, zum Oslo Philharmonic Orchestra sowie zum National Symphony Orchestra Washington. Krzysztof Urbański lehrt als außerordentlicher Professor für Orchesterdirigieren an der Indiana University Jacobs School of Music.

Sol Gabetta wurde von Ivan Monighetti in Madrid und Basel ausgebildet und beendete ihr Cellostudium 2006 bei David Geringas an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin. Bereits zuvor erregte die argentinisch-französische Cellistin mit russischen Wurzeln internationales Aufsehen, als sie den Crédit Suisse Young Artist Award 2004 gewann und die Preisträgerkonzerte mit den Wiener Philharmonikern eröffnete, die Valery Gergiev dirigierte. Heute gastiert Sol Gabetta weltweit bei den renommiertesten Orchestern; allein in der vergangenen Spielzeit debütierte sie u. a. beim Orchestre National de France, beim Tonhalle-Orchester Zürich, beim Philharmonia Orchestra, beim London Philharmonic Orchestra, beim Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam, beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und beim Israel Philharmonic Orchestra. Sol Gabetta, im Sommer 2014 Artist in Residence des Schleswig-Holstein Musik Festivals, ist zudem bei den Festwochen in Verbier, Gstaad, Schwetzingen, Schwarzenberg und Bonn ein gerngesehener Gast. Eine intensive künstlerische Zusammenarbeit verbindet sie mit den Dirigenten Giovanni Antonini, Mario Venzago, Pablo Heras Casado und Thomas Hengelbrock. Auftritte mit Musikerinnen und Musikern wie Patricia Kopatchinskaja, Baiba Skride und Bertrand Chamayou führten die Cellistin in die Londoner Wigmore Hall, ans Palau de la Música Catalana in Barcelona und an das Théâtre des Champs-Élysées, wobei sie auch im Rahmen des von ihr ins Leben gerufenen Solsberg-Festivals (Schweiz) ihrer kammermusikalischen Leidenschaft nachgeht. Dank eines privaten Stipendiums des Rahn Kulturfonds spielt Sol Gabetta ein Guadagnini-Violoncello aus dem Jahr 1759. Seit 2005 unterrichtet sie an der Musik-Akademie Basel. Nach ihrem ersten Auftritt in den Konzerten der Stiftung Berliner Philharmoniker im Rahmen eines Konzerts der Violoncello-Klasse von David Geringas Ende Oktober 2004 im Kammermusiksaal gibt Sol Gabetta nun ihr offizielles philharmonisches Debüt.

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