Saison 2013/2014

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Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker

Sir Simon Rattle Dirigent

Eva-Maria Westbroek Sopran (Manon Lescaut)

Lester Lynch Bariton (Lescaut)

Massimo Giordano Tenor (Renato Des Grieux)

Liang Li Bass (Geronte de Ravoir)

Bogdan Mihai Tenor (Edmondo)

Reinhard Dorn Bass (Wirt, Seekapitän)

Krešimir Špicer Tenor (Ballettmeister)

Magdalena Kožená Mezzosopran (Musiker)

Arthur Espiritu Tenor (Lampenanzünder)

Johannes Kammler Bass (Sergeant der Bogenschützen)

Philharmonia Chor Wien

Walter Zeh Einstudierung

Giacomo Puccini

Manon Lescaut konzertante Aufführung

Termine und Tickets Einführung eine Stunde vor Konzertbeginn

Sa, 26. Apr. 2014 20 Uhr

20:00 | Philharmonie

Sonderkonzert

72 bis 224 €

Programm

Von der naiven Unschuld zur Femme fatale und Geächteten – die Fallhöhe der Heldin aus Abbé Prévosts Roman L’Histoire du chevalier des Grieux et de Manon Lescaut ist hoch. Kein Wunder, dass die leichtlebige, zwischen wahrer Liebe und der Gier nach Luxus schwankenden Manon Lescaut die Fantasien der Opernkomponisten entzündete. Mit dem Dramma lirico Manon Lescaut gelang dem 35-jährigen Giacomo Puccini 1893 der künstlerische Durchbruch. Das Werk etablierte ihn als einen der führenden Opernkomponisten seiner Zeit. Und das, obwohl es schon die höchst erfolgreiche Manon des Franzosen Jules Massenet gab. Doch Puccini verstand es, eine ganz eigene Version zu schaffen, voll Leidenschaft und Dramatik, voll betörender Melodien und verführerischer instrumentaler Klangfarben.

Die Partie der Manon Lescaut singt Eva-Maria Westbroek. Die niederländische Sopranistin ist eine geschätzte Solistin der Berliner Philharmoniker. So wurde sie bereits mehrmals als Sieglinde in Richard Wagners Walküre verpflichtet: für die konzertanten Aufführungen 2005 und 2012 sowie für die Opernproduktionen 2007 und 2008 in Aix-en-Provence und Salzburg. Jedes Mal beeindruckte sie mit ihrer ausdrucksstarken Stimme, die sowohl in lyrischen als auch dramatischen Momenten berührte.

An ihrer Seite als Des Grieux, Manons großer Liebe, ist der gebürtige Neapolitaner Massimo Giordano, der zu den führenden Tenören des Belcanto-Fachs gehört. Am Pult der Berliner Philharmoniker steht in dieser konzertanten Aufführung der Oper in der Philharmonie Chefdirigent Sir Simon Rattle, der das Ensemble wenige Tage zuvor bei den Osterfestspielen in Baden-Baden bereits durch die Wogen der Partitur führte.

Über die Musik

»Mit verzweifelter Leidenschaft«

Puccini und Manon Lescaut

Mit seinen ersten beiden Opernversuchen hatte Giacomo Puccini wenig Glück. Der Einakter Le Villi (Die Geisterbräute) brachte ihm einen nur kurzlebigen Überraschungssieg, das Dramma lirico Edgar nach Alfred de Musset zwang ihn zu einem unverhältnismäßig langen, hindernisreichen Anlauf, und dann verfehlte er doch das Ziel einhelliger Anerkennung. Das dritte Vorhaben mündete dafür in einen durchschlagenden Erfolg. Auch diese Genesis war von eher unüblichen Komplikationen und Widerständen begleitet, Puccinis Hartnäckigkeit wurde diesmal aber belohnt. Am 1. Februar 1893 feierte er am Teatro Regio von Turin den vielleicht größten Premierentriumph seines Lebens. Der Kalender fügte es, dass im Mutterland des Melodramma binnen einer Woche der Karnevalszeit 1893 zwei Ereignisse des Musiktheaters Geschichte machten: In Turin gelang Puccini mit seiner herzbewegend traurigen Manon Lescaut der Start zu einer Weltkarriere. Und in Mailand sprach acht Tage später an der Scala der greise Giuseppe Verdi in Sachen Bühne sein burleskes Schlusswort: mit der Commedia lirica Falstaff und dem Fazit, diese ganze Welt sei nichts anderes als »burla« – Verwirrspiel und Maskerade. Im Zeichen von Traurigkeit und Tod indessen hat das Schaffen beider Maestri, des abschiedsbereiten wie des kommenden, fast immer gestanden.

Zur Zeit der Entstehung von Manon Lescaut und Falstaff waren die Hoffnungen und Euphorien, die das Risorgimento – die nationale Befreiung und Einigung Italiens – geweckt hatte, schon wieder verflogen. Die Probleme der sozial unterprivilegierten Bevölkerungsschichten waren nach wie vor ungelöst. Aus einem Hotelfenster in Genua hatte Verdi Tag für Tag die Einschiffung der »tausend Auswanderer« beobachtet, die sich vor dem Hungertod nach Übersee zu retten versuchten. Unter ihnen befand sich auch Puccinis Bruder Michele, der auszog, sein Glück in Rio de Janeiro zu suchen – und in der Fremde dem Gelbfieber erlag. Bevor Giacomo mit der Arbeit an Manon Lescaut anfing, hatte er allen Grund, an den eigenen Zukunftsaussichten zu verzweifeln. Für einen Durchbruch in seinem Métier war er als Mittdreißiger eigentlich schon zu alt, zu lange hatte er sich dem Laissez-faire des Bohemiens überlassen, und jetzt lief ihm die Zeit davon.

Mit einem etablierten Meister und vaterländischen Idol wie Verdi hatte das Mailänder Verlagshaus Ricordi meist glänzende Geschäfte gemacht. Bei Puccini eine neue Oper in Auftrag zu geben, war nicht ohne Risiko. Aber Giulio Ricordi verband wieder einmal Geschäftssinn mit prognostischem Künstlerinstinkt, er sparte nicht mit Zuspruch und Geld, um einem mutmaßlichen Genie auf die Sprünge zu helfen, und verordnete ihm, im Sommer 1889, fürs Erste einen Besuch bei den Bayreuther Festspielen. Mit gestärktem Selbstbewusstsein und um einige Erfahrungen mit Wagners Musik reicher, kehrte Puccini vom Grünen Hügel zurück und war schon mit einem neuen Opernprojekt beschäftigt. Was ihm am Herzen lag, entsprach allerdings gar nicht den Erwartungen seines Verlegers, nämlich: L’Histoire du chevalier Des Grieux et de Manon Lescaut, der einst vielgelesene Roman des Franzosen Antoine François Prévost d’Exiles, kurz: des Abbé Prévost. Es ist die paradigmatische Geschichte eines jungen Mädchens von unwiderstehlichem Liebreiz, das einen Bund mit der unheiligen Trinität von Gefallen, Verfallen und dem unaufhaltsamen Fall eingeht. Für überlebensgroße Götter und Helden, das wusste Puccini spätestens seit Bayreuth, war er nicht geboren. »Ich empfinde die kleinen Dinge, nur sie behandle ich mit Liebe«, sagte er schlicht. »So gefiel mir Manon, weil sie ein Mädchen mit Herz war und weiter nichts.«

Ein paar Jahre zuvor hatte Jules Massenet in Paris eine Manon herausgebracht und sich damit zügig die Bühnen Europas erobert. Ricordi hatte Bedenken, dass sein Schützling ausgerechnet gegen eine solche Konkurrenz antreten wollte. Aber Puccini ließ sich nicht beirren, er hatte »seinen« Stoff gefunden. »Warum sollte es nicht zwei Opern über Manon geben?«, widersprach er seinem Verleger, »eine Frau wie Manon verdient mehr als einen Liebhaber.« Tatsächlich waren es bisher schon mindestens zwei komponierende Liebhaber, auch Daniel-François-Esprit Auber hatte dem umschwärmten Objekt männlicher Obsessionen eine Oper gewidmet. »Massenet fühlt als Franzose, er arbeitet mit Puderquaste und Menuetten«, wehrte Puccini ab. »Ich fühle als Italiener, mit verzweifelter Leidenschaft.« Fatalistisch setzte er sich selbst ein Ultimatum: »Wenn diese Oper kein Erfolg wird, suche ich mir einen anderen Beruf.« Was er eher als Stachel im eigenen Fleisch empfand: Pietro Mascagni mit seiner Novität Cavalleria rusticana war der umjubelte Mann des Tages. Entschlossen, reizbar, ungeduldig begab Puccini sich auf die Suche nach Mitarbeitern, die bereit waren, den Roman des vielschichtig, perspektivenreich und mit psychologischem Scharfsinn operierenden Abbé Prévost aus dem Jahr 1731 zu einem operntauglichen Libretto zu verdichten. Massenets Librettisten Henri Meilhac und Philippe Gille hatten dafür ein Vorbild geliefert, dessen Schlüssigkeit auch Puccini beeindruckte. Der aber musste ja allzu vielen Ähnlichkeiten und erst recht dem Verdacht eines Plagiats aus dem Wege gehen.

Seine erste Wahl fiel auf Ruggero Leoncavallo, den rivalisierenden Freund, Kollegen und zeitweiligen Hausnachbarn im Schweizer Gebirgsdorf Vacallo, der aber den Ansprüchen des Auftraggebers nicht lange standhielt und dann mit dem Erfolg der eigenen Oper I Pagliacci (Der Bajazzo) seinem Konkurrenten noch zuvorkam. Weitere Co-Librettisten wurden die literarisch versierten Juristen Marco Praga und Domenico Oliva, dann das Autorengespann Giuseppe Giacosa und Luigi Illica, das sich damit für die spätere Mitarbeit bei La Bohème, Tosca und Madama Butterfly empfahl. Auch der Verleger Giulio Ricordi, den Puccini scherzhaft seinen »besten Librettisten« nannte, leistete einen Beitrag zum Text, ebenso der Komponist selber. Dieser bediente sich außerdem aus früheren Kompositionen eigener Produktion, einer Messa di Gloria, einem Lied, ein paar Stücken für Streicher, dem Streichquartett Crisantemi. »Das Libretto«, so stellte er abschließend fest, »stammt von allen und keinem.« Auf dem Titelblatt der Partitur, die bei Ricordi erschien, stand dann allein der Name des Spiritus rector Puccini. Die Arbeit hatte über zwei Jahre gedauert. Die fortwährende Schwierigkeit: Zug um Zug für nachgelieferte Texte neue Musik zu finden und einer bereits fertigen Musik neuen Text zu unterlegen. Zustande kam ein Patchwork, das hinterher wirkte, als sei es aus einem Guss.

Übereinstimmungen mit der Manon von Massenet wies dieses italienische Pedant nur noch wenige auf, was ganz im Interesse des Verlegers Ricordi lag. Allerdings auch nicht mit der literarischen Quelle, dem Meisterwerk des Abbé Prévost, eines zu Lebzeiten so produktiven wie populären Schriftstellers, der außer der Manon-Erzählung (die in Frankreich über zwei Jahrzehnte auf dem Index stand) noch mindestens 20 weitere Romane zu Papier brachte. Prévost war Jesuit, Benediktiner, Soldat, umtriebiger Abenteurer und soll je nach Aufenthaltsort dreimal die Konfession gewechselt haben. Dem Altar stand er so nah wie den weltlichen Freuden, gelegentlich auch der Kriminalität. In Den Haag unterhielt er zu der dort stadtbekannten Kurtisane Lenki Eckhardt eine lange, leidenschaftliche Beziehung, die zu seinem Leidwesen zwar nicht glücklich endete, aber der Dichtung zum Vorteil gereichte: Prévost hatte den lebensgefährlichen Konflikt zwischen Denken und Handeln, schwacher Vernunft und übermächtiger Leidenschaft, gezügelter Tugend und verlockendem Laster am eigenen Leibe erfahren. Prévost und sein Held Des Grieux (im Roman hat er keinen Vornamen) verhalten sich zueinander wie das Original zu seinem stilisierten Porträt, beide sind eines Sinnes mit der Philosophie des Jean-Jacques Rousseau: Die Gewalt der natürlichen Empfindungen setzt alle sittliche Disziplin außer Kraft.

An der Entfaltung subtiler Charakterschichten konnte Puccini aber nicht gelegen sein. Er hatte singende Operngestalten zu erschaffen, keine Probanden zu analysieren. Manon ist zunächst das schlicht gezeichnete Mädchen aus der Provinz, bei dem sich, zum Bedenken der Eltern, vorzeitig die Anzeichen des Reifens und der erotischen Neugier gezeigt haben. Die Einweisung in ein Kloster soll dieser Entwicklung den Riegel vorschieben. Die Natur ist stärker, und aus der designierten Heiligen wird die unschuldig-schuldige Sünderin, die Femme fatale, verführerisch und verhängnisvoll, liebenswert und gefährlich – und selber dem Tod geweiht. (Im Französischen hat »sacré« die ambivalente Bedeutung von »heilig« und »verflucht«.) Auf zwei Profile beschränkte Puccini sich auch bei der Zeichnung des Des Grieux (bei ihm heißt er Renato). Der aus dem niederen Landadel stammende Chevalier, 17-jährig und in Liebesdingen unerfahren, ist von den Eltern zum Kleriker bestimmt und studiert in Amiens Theologie. Als ironischer Spötter und Liebesverächter hat er sein Entree. Unversehens macht ihn die erste, rein zufällige Begegnung mit Manon zum Opfer einer ihm bisher unbekannten Passion, seinem Herzen entringt sich der erste lyrische Ausbruch, der erste Bekenntniston seines Lebens. Er verfällt einem Bann, der ihn bis an die Grenzen der Hysterie und der Selbstzerstörung treibt. (Im Roman taucht nach Manons Tod in der Wüste von Louisiana überraschend wie ein Deus ex machina der schon früher stets treue Freund Tiberge auf, der den fast verlorenen Helden rettet und in die Heimat zurückbringt.)

Der Reichtum des Erzählers ist ein anderer als der des Komponisten. Für alle Manon-Vertonungen gilt: Es ist unmöglich, die Komplexität der literarischen Vorlage im Netz einer Musikpartitur einzufangen. Umgekehrt hat die Musik mehr und anderes zum Thema zu sagen als der Erzähler. Massenet verzichtete – geografisch – auf die letzten Handlungsstationen, auf den Hafen von Le Havre und die (französische) Kolonie Louisiana. Zum Nutzen dramaturgischer Ökonomie ließ er die entkräftete Manon bereits in Frankreich am Straßenrand sterben, beim Fußmarsch der gefallenen Mädchen zum Ort der Einschiffung. Der Methode der Reduktion und Konzentration, die Puccini anwendete, könnte man vorwerfen, dass er und seine Mitarbeiter des Guten dabei zu viel taten. In ihrem Libretto kommt die obsessive Leidenschaft, die Manon bei allem Umgang mit der Pariser Demimonde immer wieder in die Arme des Chevaliers treibt, zu kurz. Puccini eliminierte aus seinem Konzept sogar eine (zunächst als zweiten Akt geplante) Handlungsetappe, die für den Erzählzusammenhang wichtig gewesen wäre: Nach der Entführung aus Amiens verbringt das Paar in Paris eine Zeit des trügerischen Glücks, bis Manon ihrem Hang zum Luxus erliegt, der Chevalier aus Geldnot zum Spieler und Hasardeur wird und beide auf die schiefe Bahn geraten. Auf welche Weise Manon im nunmehr endgültigen zweiten Akt in die Fänge des reichen Steuerpächters Geronte de Ravoir (alter Raffer) geraten konnte, bleibt dem unbefangenen Zuschauer unklar. Dem Co-Librettisten Illica fiel die Motivlücke erst ein halbes Jahr nach der Uraufführung der Puccini-Oper auf, als er in Paris die fünfaktige Massenet-Version kennenlernte, und schnell flocht er dem Schluss des eigenen ersten Akts noch einen erklärenden (wenig hilfreichen) Wortwechsel zwischen Manons Bruder und Geronte ein. Was im Schlussakt die nach Louisiana deportierten Liebenden nach verheißungsvoller Rehabilitation erneut zur Flucht veranlasst hat, wird in einer Reminiszenz der sterbenden Manon nur vage angedeutet (Puccini leistet sich hier das Zitat des wagnerschen Tristan-Akkords): Wieder ließ sich ein (diesmal junger) Verehrer von Manons Reizen fesseln, was den notorisch eifersüchtigen Des Grieux zu einer unbedachten Tat hinriss, die er fälschlich für einen Mord hielt. Die zerstörerische Macht des Eros wirkt sich auch dort aus, wo sie auf irrigen Voraussetzungen beruht.

Puccini hätte bei Wagner in Bayreuth lernen können, wie man bei einer lückenlosen, quasi forensischen Beweisführung vorzugehen hat, die ein Handlungsmotiv kausal mit dem anderen verknüpft. Aber, so muss er sich gesagt haben, ein italienischer Komponist, der sich auf die Gattung des Melodramma einlässt, hat so etwas nicht nötig. Oper überwältigt, darin der unerklärlichen Omnipotenz des Eros gleich, durch die Unmittelbarkeit des musikalischen Hier und Jetzt, sie muss auf die Attacke der Gefühle setzen. Der Musiker Wagner hätte ihm beigepflichtet. Über dessen beweiswütige Rhetorik verfügte Puccini aber nicht und legte auch kaum Wert darauf. So wählerisch er bei der Auswahl seiner Stoffe war und so emsig er an der Wortwahl feilte, verstand er den Text als begriffliche Stütze für die Handlungsführung, die ihre Schubkraft aber erst aus der Musik bezieht, vor allem aus dem Gesang.

Puccini hat Opern für Stimmen geschrieben, nicht für musikbegleitete Erklärungen. Paradox genug: Höhepunkt dieser eher suggestiv erhellenden als kasuistisch erklärenden Dramaturgie ist dann das Orchesterstück, das er Die Reise nach Le Havre genannt hat und das die Brücke vom zweiten zum dritten Akt schlägt. In der Mitte der Handlungsfolge steht es zwischen dem »helleren« und dem »dunkleren« Bereich – hier Amiens/Paris, dort Le Havre/Louisiana –, es hält Rückblick auf vergangenes Geschehen und antizipert künftiges. Die zwölf Anfangstakte in solistischer Besetzung sind ein Reflex auf Manons Aufenthalt im Gefängnis, dann folgen Motive, die sowohl auf die Klage des Des Grieux im vierte Akt (»Vedi, son io che piango«) vorausweisen als auch das Flehen der Manon im zweiten Akt (»Io voglio il tuo perdono«) in Erinnerung rufen. Ein Intermezzo sinfonico, ein Kurzdrama ohne Worte, das sich nicht von ungefähr als aussagefähiges Orchesterstück von Eigenwert verselbständigt hat.

Dabei haben die vier Akte der Manon in ihren Kontraststellungen durchaus Methode. Einerseits entsteht die Hintergrundfolie einer uneigentlichen, distanzierten Kunstwelt: mit den leichtfertigen Studentenliedchen des Anfangs, mit dem wächsernen Biotop des Geronte und seinen gespreizten Madrigalen, Menuetten und Schäferspielen. Im Vordergrund der Handlung ereignen sich dagegen in aller Bedrohlichkeit die Einbrüche der unregulierbaren Leidenschaften, erheben eruptiv die Passionen ihren Anspruch auf Dominanz. Den Protagonisten Des Grieux des zweiten Akts hat die Qual der Trennung gezeichnet, er redet mit Manon in feierlichem Ernst und zunehmend in mahnendem Moll. Ihr Liebesduett ist so etwas wie die mediterrane Spiegelung des Dialogs aus Wagners zweiten Tristan-Akt. Die Liebesgeschichte auf der Bühne darf stillschweigend ihre dramaturgischen Brüche in Kauf nehmen, der beschwörende Gestus der Musik sichert die Kontinuität und Konsequenz aller Aktionen ab, und die logisch »unvollkommene« Vollkommenheit von Manon Lescaut übt ihren schillernden Reiz am wirksamsten aus, wenn sich der Glanz des Gesangs darüberlegt.

Karl Dietrich Gräwe

Biographie

Eva-Maria Westbroek wurde in den Niederlanden geboren und am Konservatorium von Den Haag ausgebildet, außerdem besuchte sie Meisterkurse bei James McCray. Die Preisträgerin renommierter Internationaler Wettbewerbe gab ihr Operndebüt beim Aldeburgh Festival als Mutter Maria in Francis Poulencs Dialogues des Carmélites. Es folgten Gast-Engagements an verschiedenen europäischen Bühnen (Novi Sad, Skopje, Riga, Teatro Manzoni in Rom) und an der Komischen Oper Berlin, wo im Jahr 2001 ihre Gestaltung der Chrysothemis in Elektra besondere Aufmerksamkeit erregte. Vom selben Jahr an bis 2006 gehörte Eva-Maria Westbroek zum Ensemble der Staatsoper Stuttgart, wo sie als Tosca debütierte und Partien wie Carlotta (Die Gezeichneten), Herzogin (Doktor Faust), Giulietta (Les Contes d’Hoffmann) und Desdemona (Otello) sang; im August 2006 wurde die Sopranistin zur Kammersängerin der Staatsoper Stuttgart ernannt. Eva-Maria Westbroek ist an den international renommiertesten Opernhäusern regelmäßiger Gast (Opéra National de Paris, Metropolitan Opera New York, Wiener Staatsoper, Deutsche Oper Berlin, Teatro alla Scala, De Nederlandse Opera). Ihr Debüt bei den Salzburger Festspielen gab sie 2003 als Agave in einer konzertanten Aufführung der Oper Die Bacchantinnen von Egon Wellesz, bei den Bayreuther Festspielen war sie erstmals 2008 als Sieglinde zu hören. Für ihre Interpretation der Jenůfa an der Bayerischen Staatsoper wurde Eva-Maria Westbroek 2010 mit dem Deutschen Theaterpreis Der Faust ausgezeichnet. Am Royal Opera House, Covent Garden, übernahm sie im Februar 2011 die Partie der Anna Nicole Smith in der Weltpremiere von Mark-Anthony Turnages Oper Anna Nicole. Bei den Berliner Philharmonikern gastierte Eva-Maria Westbroek erstmals Ende Oktober 2005; zuletzt war sie in einer von Sir Simon Rattle dirigierten konzertanten Aufführung von Wagners DieWalküre im Mai 2012 in den philharmonischen Konzerten zu erleben.

Lester Lynch, Absolvent der Juillard Opera School, hat sich mit seiner nuancenreichen Stimme international einen Namen gemacht. Zu den bisherigen Karrierehöhepunkten des Baritons gehören Auftritte als Porgy (Porgy and Bess) an der Dallas Opera, der Washington National Opera und der Lyric Opera of Chicago, als Germont (La Traviata) an der Houston Grand Opera, als Scarpia (Tosca) an der Glimmerglass Opera in Cooperstown (New York), als Sharpless (Madama Butterfly) am Opera Theatre of Saint Louis und als Marcello (La Bohème) an der New York City Opera. Außerdem war er an der Santa Fe Opera, der Deutschen Oper am Rhein, der Seattle Opera und in Produktionen der Canadian Opera Company in diversen Hauptrollen zu hören, darüber hinaus übernahm er die Titelrolle in Verdis Rigoletto in Toronto sowie die Partie des Carlo Gérard in Giordanos André Chénier bei den Bregenzer Festspielen. Unter der Schirmherrschaft der Marilyn Horne Foundation gibt Lester Lynch regelmäßig Liederabende, in deren Rahmen er auch die für ihn in Auftrag gegebenen Six Songs on Poems by Raymond Carver von Lowell Lieberman uraufgeführt hat. Als Konzertsolist arbeitete er mit Orchestern wie dem New York Philharmonic, dem National Symphony Orchestra in Washington, dem St. Paul Chamber Orchestra, dem Philadelphia und dem Cleveland Orchestra, dem Cincinnati Symphony Orchestra und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zusammen; bei den Berliner Philharmonikern debütierte Lester Lynch im September 2012 im Rahmen dreier konzertanter Aufführung von Gershwins Porgy and Bess, die Sir Simon Rattle dirigierte. Zuletzt war er in zwei philharmonischen Konzerten Ende Oktober 2013 zu erleben: Sir Simon Rattle dirigierte Schönbergs Gurre-Lieder.

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Massimo Giordano absolvierte am Conservatorio Tartini in Triest ein Flöten- und Gesangsstudium. 1997 gewann der Tenor den Gesangswettbewerb Adriano Belli in Spoleto, woraufhin er in der Titelpartie von Mozarts La clemenza di Titoam Teatro Caio Melissozu erleben war; aufgrund eines Erdbebens, welches das Teatro Nuovo »Gian Carlo Menotti« in Spoleto stark beschädigte, sang er im selben Jahr Alfredo (La Traviata) lediglich bei der Generalprobe; am Teatro Verdi in Triest hatte der ehemalige Chorsänger in der Partie des Ernesto (Don Pasquale) dann den endgültigen Durchbruch. Nach seinem Debüt bei den Berliner Philharmonikern im Dezember 2000 in einer von Claudio Abbado dirigierten Verdi-Gala, setzte Massimo Giordano die Zusammenarbeit mit dem Orchester im Folgejahr in einer ebenfalls von Claudio Abbado dirigierten Aufführung von Verdis Falstaff bei den Osterfestspielen Salzburg fort. Anschließend führten Gastengagements den Sänger, dessen Repertoire die Titelpartien von Verdis Don Carlo und Massenets Werther beinhaltet sowie Cavaradossi (Tosca), Rodolfo (La Bohème), Fenton (Falstaff), Don José (Carmen) und Chevalier Des Grieux (Manon Lescaut), an die weltweit bedeutendsten Opernhäuser (Metropolitan Opera in New York, Mailänder Scala, Wiener Staatsoper, Deutsche Oper Berlin, Bayerische Staatsoper, Opéra National de Paris, Royal Opera House, Covent Garden). Hierbei hat Massimo Giordano mit Anna Netrebko, Angela Gheorghiu, Elīna Garanča, Susan Graham und Natalie Dessay zusammengearbeitet, unter der Leitung von Dirigenten wie Riccardo Chailly, James Levine, Lorin Maazel, Antonio Pappano, Michel Plasson, Juri Temirkanow, Wladimir Fedossejew, Gianluigi Gelmetti, Fabio Luisi und Wladimir Jurowski.

Liang Li studierte Gesang an den Konservatorien von Tianjin und Beijing. Er ist Preisträger internationaler Wettbewerbe wie des Musikwettbewerbs der ARD in München, des Gesangswettbewerbs Neue Stimmen der Bertelsmann Stiftung und des Internationalen Opernwettbewerbs im japanischen Shizuoka. Seit seinem Debüt am Teatro di San Carlo in Neapel im Jahr 1998 als Fasolt (Das Rheingold) ist Liang Li ein international gefragter Opern- und Konzertsänger. Seit der Spielzeit 2006/2007 ist der chinesische Bass Ensemblemitglied der Staatsoper Stuttgart, wo er die großen Partien seines Fachs singt: Daland (Der Fliegende Holländer), Ramfis (Aida), Gremin (Eugen Onegin), Raimondo (Lucia di Lammermoor), Timur (Turandot), Sarastro (Die Zauberflöte), Commendatore (Don Giovanni), Fasolt und Fafner (Das Rheingold) und Rodolfo (La Sonnambula). Unter der Leitung von Zubin Mehta gab Liang Li 2012 sein Debüt am Palau de les Arts in Valencia als Ferrando (Il Trovatore) sowie als König Marke (Tristan und Isolde). In der Spielzeit 2012/2013 gastierte er u. a. als Gurnemanz (Parsifal) an der Deutschen Oper Berlin und als Kardinal de Brogni (La Juive) an der Dresdener Semperoper. An der Seite von Placido Domingo hatte der Künstler in derselben Saison einen sensationellen Erfolg als Zaccharia in einer Neuproduktion von Verdis Oper Nabucco beim Opera Festival Beijing des National Centre for the Performing Arts. Als Konzertsänger gastiert Liang Li regelmäßig bei den großen Orchestern und bei den bekannten Festivals in Europa und Asien. Sein weitreichendes Konzertrepertoire beinhaltet u. a. die Requiems von Mozarts und Verdi, Beethovens Neunte Symphonie und Missa Solemnis, Haydns Oratorium Die Schöpfung sowie Rossinis und Dvořáks Stabat Mater. In den Konzerten der Berliner Philharmoniker ist Liang Li nun erstmals zu erleben.

Bogdan Mihai studierte Geige und Gesang (Bariton) an der Musikhochschule in Bukarest, bevor er sich im Rahmen einer Meisterklasse mit Mirella Freni dem Tenor-Fach zuwandte und seine Studien an der Universitatea Transilvania im rumänischen Braşov 2006 abschloss. 2008 sang der bei internationalen Wettbewerben mehrfach ausgezeichnete Künstler an der Opera Naţională Bucureşti u. a. Graf Almaviva in Il barbiere di Siviglia, Ramiro in La Cenerentola sowie Ernesto in Don Pasquale. 2009 folgen seine Debüts als Sänger (Der Rosenkavalier) und Graf Almaviva an der Oper Stuttgart. Die letztere Rolle entwickelte sich zu einer seiner Bravourpartien, die er u. a. an der Semperoper Dresden, an der Deutschen Oper Berlin und am Théâtre du Châtelet in Paris erfolgreich verkörperte. 2011 debütierte Bogdan Mihai als Ernesto (Don Pasquale) an der Oper Zürich und als Nemorino (L’elisir d’amore) am Michailowski-Theater in St. Petersburg. Im gleichen Jahr gastierte er als Adelberto (Adelaide di Borgogna) beim Rossini Opera Festival in Pesaro und übernahm in Rossinis Oper Aureliano in Palmira die Titelpartie beim Festival della Valle d’Itria in Martina Franca. Auf Konzertpodien sang Bogdan Mihai die Tenorpartien in Mozarts Requiem KV 626 und Großer Messe in c-Moll KV 427, in Händels Messiah sowie in Haydns Missa in angustiis, Theresienmesse und Großer Orgelsolomesse. In jüngerer Vergangenheit gastierte er am Münchner Cuvilliés-Theater als Ramiro (La Cenerentola), debütierte im Amsterdamer Concertgebouw als Dorvil in einer konzertanten Produktion von Rossinis La scala di seta und gab an der Opéra National du Rhin sein Rollendebüt als Edmondo (Manon Lescaut); zudem trat er auf Einladung von Angela Gheorghiu in der Konzertserie der Suntory Hall in Japan auf und war, wiederum an der Seite von Angela Gheorghiu, in einem Galakonzert im Moskauer Kreml zu erleben. In den Konzerten der Berliner Philharmoniker gibt Bogdan Mihai nun sein Debüt.

Reinhard Dorn absolvierte nach einem Lehramtsstudium an der Kölner Universität eine Gesangsausbildung an der dortigen Musikhochschule. 1983 führte ihn sein erstes Engagement an die Vereinigten Städtischen Bühnen Krefeld-Mönchengladbach, bald darauf folgte ein Engagement an das Badische Staatstheater in Karlsruhe. Von 1987 bis 1994 war der Bass Mitglied im Ensemble der Kölner Oper, wo er u. a. die Titelpartie von Donizettis Don Pasquale sowie Dulcamara (L’elisir d’amore), Leporello (Don Giovanni), Bartolo (Le Nozze di Figaro), Don Alfonso (Così fan tutte) und viele andere Rollen seines Fachs sang. Seit 1994 ist Reinhard Dorn freischaffend tätig und gastiert regelmäßig an Häusern wie der Wiener Staatsoper, der Staatsoper Berlin, der Bayerischen Staatsoper München, der Semperoper Dresden, der Pariser Opéra Bastille, dem Teatro Nacional de São Carlos in Lissabon sowie an den Opern in Hamburg, Köln, Bonn, Bologna, Amsterdam, Brüssel und San Diego. Zu seinem vielfältigen Repertoire gehören Basspartien wie Sarastro (Die Zauberflöte), Osmin (Die Entführung aus dem Serail), Mustafa (L’Italiana in Algeri), Rocco (Fidelio),Daland (Der fliegende Holländer), Landgraf von Thüringen (Tannhäuser) und Pogner (Die Meistersinger). 2010 sang Reinhard Dorn erstmals am Teatro Colón in Buenos Aires, wo er sein Rollendebüt als Dikoj in Janáčeks Katja Kabanowa gab. 2013 übernahm er dann die Partie des Brighella in Richard Wagners Oper Das Liebesverbot bei den Bayreuther Festspielen, an der Oper Leipzig sowie am Teatro Giuseppe Verdi in Triest. In den Konzerten der Berliner Philharmoniker ist der Sänger nun zum ersten Mal zu erleben.

Krešimir Špicer, im kroatischen Slavonski Brod geboren, studierte am Sweelinck Conservatorium in Amsterdam bei Cora Canne Meijer. 1997 gewann er den Ersten Preis beim Niederländischen Wettbewerb für junge Sänger, 1999 ging er bei dem vom Amsterdamer Concertgebouw veranstalteten Vriendenkrans-Wettbewerb ebenfalls als Sieger hervor. Seinen internationalen Durchbruch erlebte der Tenor im Jahr 2000 beim Festival in Aix-en-Provence als Ulisse (Il ritorno d’Ulisse in patria) in einer von William Christie geleiteten Produktion, die auch in Lausanne, Caen, Bordeaux, bei den Wiener Festwochen, in London und in New York zu sehen war und auch auf DVD dokumentiert ist. Zudem war Krešimir Špicer im Festspielhaus Baden-Baden als Aeneas in Purcells Oper Dido and Aeneas zu erleben, gastierte bei den Salzburger Festspielen als Alessandro (Il re pastore) sowie als Da-Ud (Die ägyptische Helena) und übernahm beim Festival in Aix-en-Provence sowie in Baden-Baden, Luxemburg und Amsterdam die Partie des Tito (La clemenza di Tito). Weitere Engagements führten den Künstler an die Berliner Staatsoper Unter den Linden, an die Opéra National du Rhin, ans Moskauer Bolschoi-Theater, an das Opera Atelier Toronto, an die Zürcher Oper, an die Los Angeles Opera und ans Théâtre du Châtelet in Paris, wo er u.a. die Titelpartien von Mozarts Idomeneo, Monteverdis L’Orfeo undvon Strawinskys Oedipus Rex sang und als Pylade in Glucks Iphigénie en Tauride, als Max in Webers Freischütz und als Arturo in Donizettis Lucia di Lammermoor zu hören war. Als Konzertsänger hat Krešimir Špicer mit Dirigenten wie Herbert Blomstedt, Myung-Whun Chung, Philippe Herreweghe und Kent Nagano zusammengearbeitet. In den Konzerten der Berliner Philharmoniker gibt er nun sein Debüt.

Magdalena Kožená, in Brno (Brünn) geboren, studierte am dortigen Konservatorium sowie bei Eva Blahová in Bratislava. Die Preisträgerin mehrerer Wettbewerbe (z. B. des Internationalen Mozartwettbewerbs in Salzburg 1995) erhielt erste Engagements an der Janáček-Oper Brno und beim Musikfestival Prager Frühling. Seither sang sie u. a. in Paris am Châtelet-Theater die weibliche Titelrolle in Glucks Orphée et Eurydice, an der Opéra Comique und am Théâtre des Champs-Élysées (Mélisande), an der Metropolitan Opera in New York (Varvara in KatjaKabanowa) sowie an der Berliner Staatsoper Unter den Linden in Inszenierungen von Der Rosenkavalier (Strauss) und L’Étoile (Chabrier). Nicht zuletzt als begehrte Mozart-Interpretin gastierte Magdalena Kožená bei renommierten Festivals, etwa in Edinburgh, Salzburg, Aldeburgh sowie an der Bayerischen Staatsoper München. Auch als Konzertsängerin und mit Liederabenden – begleitet von Pianisten wie Daniel Barenboim und Mitsuko Uchida sowie von führenden Orchestern und Dirigenten – feiert sie weltweit Erfolge. Von der französischen Regierung wurde die Mezzosopranistin im Jahr 2003 mit dem Titel »Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres« geehrt, Gramophone wählte sie 2004 zur »Künstlerin des Jahres«. In Symphonie- und Kammerkonzerten der Berliner Philharmoniker ist Magdalena Kožená seit September 2003 wiederholt aufgetreten, so auch im April 2010 und Oktober 2013 in Bachs Matthäus-Passion. Zuletzt war sie hier mit den Berliner Philharmonikern Ende Februar/Anfang März 2014 in der von Peter Sellars inszenierten Johannes-Passion zu erleben; Dirigent war Sir Simon Rattle.

Arthur Espiritu studierte an der University of New Orleans und am Oberlin College in Ohio und absolvierte Förderprogramme führender amerikanischer Opernhäuser wie der in Santa Fe, St. Louis und Pittsburgh. Der Gewinner des George London Award 2009 und der Metropolitan Opera National Council Audition war als Ferrando (Così fan tutte) an der an der Scala und am Piccolo Teatro Strehler in Mailand zu hören sowie als Don Ottavio (Don Giovanni) in Connecticut und an der Opéra Toulon Provence Méditerranée, als Tebaldo (I Capuleti e i Montecchi) in Pittsburgh, als Tamino (Die Zauberflöte) in Tel Aviv und Austin (USA) und als Foresto (Attila) in Washington. Weitere Engagements führten den Tenor, der beim Internationalen Hans-Gabor-Belvedere-Gesangswettbewerb in Wien mit dem La Scala-Preis ausgezeichnet wurde, ans Teatro Comunale Luciano Pavarotti di Modena, an die Opera North in Leeds, an die Oper Leipzig und ans Théâtre des Champs-Elysées in Paris. Am Theater St. Gallen gastierte Arthur Espiritu als Herzog von Mantua in Verdis Rigoletto sowie als Fernando (La Favorita), Elvino (La sonnambula), Ferrando (Così fan tutte), Egeo (Medea in Corinto), Cadmo (Il diluvio universale) und Oronte (Alcina). Im Konzertbereich trat der Sänger mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra, dem Louisiana Philharmonic Orchestra, der Oulu Sinfonia und dem Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi in Erscheinung, u. a. als Solist in Beethovens Neunter Symphonie, Mozarts Krönungsmesse und Rossinis Messa di Gloria. In den Konzerten der Berliner Philharmoniker gibt Arthur Espiritu nun sein Debüt.

Johannes Kammler, 1988 in Augsburg geboren, erhielt seine erste musikalische Ausbildung bei den Augsburger Domsingknaben, in deren Oratorienaufführungen er heute häufig als Solist zu erleben ist. Herausragend dabei war das offizielle Konzert des Bundespräsidenten für Papst Benedikt XVI. in dessen Anwesenheit im Jahr 2009 mit Bachs Weihnachtsoratorium anlässlich der Feiern »60 Jahre Bundesrepublik, 20 Jahre Mauerfall« in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan, das weltweit übertragen wurde und als CD- und DVD-Mitschnitt erschienen ist. Johannes Kammler absolviert nach seinem Bachelorstudium bei Markus Goritzki in Freiburg und John Patrick Raftery in Toronto nun den Master im Hauptfach Gesang an der Guildhall School of Music and Drama in London bei Rudolf Piernay. Der junge Bariton ist als Konzert- und Opernsänger regelmäßig in Deutschland und im europäischen Ausland zu hören. Als gefragter Liedsänger war er erst kürzlich beim Oxford Lieder Festival in Großbritannien zu Gast. In den Konzerten der Berliner Philharmoniker gibt Johannes Kammler nun sein Debüt.

Der Philharmonia Chor Wien wurde 2002 auf Initiative des ehemaligen Intendanten der Salzburger Festspiele, Gerard Mortier, gegründet und nannte sich zunächst je nach Projekt Chor der RuhrTriennale bzw. Festspielchor Baden-Baden. Seit 2006 tritt das von Walter Zeh geleitete Ensemble als eigenständiger Verein unter seinem heutigen Namen in Erscheinung. Der Philharmonia Chor Wien war unter Dirigenten wie Claudio Abbado, Marc Minkowski und Kent Nagano in Opernproduktionen zu Gast beim Musikfest Bremen (L’Arlésienne), in Reggio Emilia und Ferrara (Die Zauberflöte), in Baden-Baden (Parsifal, Die Zauberflöte, Tannhäuser) sowie bei der RuhrTriennale (Don Giovanni, Die Zauberflöte). Im April 2008 trat der Chor beim Gastspiel der Salzburger Festspiele im Rahmen einer Produktion von Le nozze di Figaro in Nagoya, Osaka und Tokio auf. In den folgenden Jahren war das Ensemble in diversen Opernproduktionen im Baden-Badener Festspielhaus zu erleben (Der Rosenkavalier, Der Freischütz, Elektra) sowie bei den Salzburger Pfingstfestspielen, wo der Chor 2010 unter der Leitung von Riccardo Muti Mozarts La Betulia liberata szenisch und Jommellis Betulia liberata konzertant aufführte; anschließend wurden beide Werke auch beim Ravenna Festival dargeboten. Auch 2011 gastierte der Philharmonia Chor Wien bei den Pfingstfestspielen in Salzburg und erarbeitete unter der Leitung von Riccardo Muti Mercadantes Oper I due Figaro, die auch beim Ravenna Festival aufgeführt wurde; im Folgejahr war diese Produktion sowohl im Teatro Real in Madrid als auch im Teatro Colon in Buenos Aires zu erleben. Der Philharmonia Chor Wien ist auch als Konzertchor tätig und war u. a. in der Felsenreitschule, beim Grafenegger Musiksommer, bei der »54. Editione Festival di Musica Sacra« im Dom zu Monreale (Sizilien) sowie im Rahmen der RuhrTriennale zu Gast. In den Konzerten der Berliner Philharmoniker gibt das Ensemble nun sein Debüt.

Eva-Maria Westbroek

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