Zum Spielplan 2013/2014

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Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker

Sir Simon Rattle Dirigent

Soile Isokoski Sopran (Tove)

Karen Cargill Mezzosopran (Waldtaube)

Burkhard Ulrich Tenor (Klaus-Narr)

Stephen Gould Tenor (Waldemar)

Lester Lynch Bariton (Bauer)

Thomas Quasthoff Sprecher

Rundfunkchor Berlin

MDR Rundfunkchor Leipzig

WDR Rundfunkchor Köln

Kor Vest Bergen

Nicolas Fink Einstudierung und Leitung der Chöre

Arnold Schönberg

Gurre-Lieder

Termine

Sa, 26. Okt. 2013 20 Uhr

Philharmonie

So, 27. Okt. 2013 20 Uhr

Philharmonie

Live-Übertragung

Programm

Was für eine schauerlich-schöne Geschichte, die der dänische Dichter Jens Peter Jacobsen 1871 da erdachte: Ein sagenhafter König des 12. Jahrhunderts verliebt sich in ein Mädchen, das er auf sein Schloss Gurre einlädt, wo es von der eifersüchtigen Königin ermordet wird. Vom Schmerz über den Verlust der Geliebten an den Rande des Wahnsinns getrieben, verflucht der König schließlich Gott. Als Strafe für diesen Frevel wird er dazu verdammt, mit seinen Gefolgsmännern bis in alle Ewigkeit als ruheloser Geist durch die Nacht zu jagen – stets auf der Suche nach der toten Geliebten, deren Stimme er im Gesang der Waldtaube zu vernehmen glaubt.

Ein Stoff für eine große romantische Oper, möchte man denken. Doch war es kein anderer als Arnold Schönberg, der sich 1899 dieser Geschichte annahm, und zwar zunächst in Form eines Liedzyklus. Ein Jahr später erfolgte dann Schönbergs Entschluss, die sich zu einem Geisterdrama entwickelnde tragische Liebesgeschichte zur Grundlage eines abendfüllenden Werks zu machen. Schönbergs Zeit als Revolutionär der Musik war damals noch nicht gekommen. Und so stellen die Gurre-Lieder einen prachtvollen Abgesang auf die Epoche der musikalischen Spätromantik dar.

Unterstützt werden Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker bei ihrer Interpretation dieses exzeptionellen, alle Beteiligten aufs Höchste fordernden Werks durch den Rundfunkchor Berlin, die Rundfunkchöre des WDR und des MDR, den Vest Bergen Chor sowie ein hochkarätig besetztes, von Soile Isokoski und Stephen Gould angeführtes Solistenensemble, dem auch Thomas Quasthoff als Sprecher angehört. Die beiden Abende bilden den Abschluss der Festwoche zum 50. Geburtstag der Philharmonie.

Über die Musik

Die Kaktusblüte

Anmerkungen zu Schönbergs Gurre-Liedern

Der dänische Dichter, Darwin-Übersetzer und Naturforscher Jens Peter Jacobsen (1847 – 1885) gehört zu jenen heute kaum mehr gelesenen Schriftstellerpersönlichkeiten, die das Fin de Siècle nachhaltig beeinflusst haben. Seine psychologisch tiefgründigen, zwischen Naturalismus und Symbolismus changierenden Romane Fru Marie Grubbe (1876) und Niels Lyhne (1880) haben in Thomas Manns Tonio Kröger ebenso ihre Spuren hinterlassen wie in D. H. Lawrences Lady Chatterley’s Lover, und Sigmund Freud schwärmte in einem Brief an Wilhelm Fließ (Aus den Anfängen der Psychoanalyse), dass ihn seit Jahren kein Buch so tief bewegt habe wie Niels Lyhne. In Meyers Großem Konversations-Lexikon heißt es 1908: »Noch niemals hatte ein Dichter das Menschenschicksal, wie es von der eignen psychologischen Veranlagung, von Umgebung und Zeitgeist bedingt ist, so fein zergliedert, so objektiv überzeugend und aus innerster Erfahrung heraus dargestellt.« Niels Lyhne lieferte übrigens auch die Vorlage für das Musikdrama Fennimore und Gerda von Frederick Delius (1909/1910), der danach auch noch Jacobsens EnArabeskals Kantate vertonte.

Jacobsens Gedichte (die von Stefan George ebenso bewundert wurden wie von Rainer Maria Rilke) fanden gleichfalls ein breites Echo, auch in der Musik. Schon in den 1880er-Jahren entstanden die ersten Jacobsen-Vertonungen in Dänemark und Schweden – von Paul August von Klenau, Peter Erasmus Lange-Müller, Carl Nielsen, Christian Sinding oder Johan Gustaf Sjögren. 1893 veröffentlichte Stefan George in seinen Blättern für die Kunst einige Gedichte von Jacobsen auf Deutsch; vier davon wurden 1898 von Clemens von Franckenstein in Musik gesetzt, der sich damals auch an George mit der Bitte wandte, ihm für eine geplante Vertonung der Gurre-Lieder eine passende Übersetzung zu verfertigen; George sagte zwar zu, aber das Projekt kam nicht zustande. Ein Jahr später (1899) erschien dann eine deutsche Übersetzung der Gedichte Jacobsens von dem Wiener Literaturhistoriker Robert Franz Arnold, die Komponisten wie Carl Frühling, Max Kowalski oder Max von Schillings zu Liedern inspirierte. Auch Alexander Zemlinsky begeisterte sich für Jacobsens Verse und setzte einige von ihnen in Musik; er wird es wohl auch gewesen sein, der seinen Freund und Schüler Arnold Schönberg auf den dänischen Dichter hinwies. Schönbergs Hochzeitslied, das später als viertes der Sechs Lieder op. 3 erschien, dürfte wohl gleichzeitig mit den ersten Skizzen der Gurre-Lieder entstanden sein.

In seinen Arnold Schönberg zum 60. Geburtstag am 13. September 1934 geschriebenen Jugend-Erinnerungen berichtete Zemlinsky später, ein vom Wiener Tonkünstlerverein im Jahre 1899 ausgeschriebener Preis für einen Liederzyklus mit Klavier habe Schönberg damals zu seiner Vertonung angeregt. »Schönberg, der sich um den Preis bewerben wollte, komponierte einige wenige Lieder nach Gedichten von Jacobsen. Ich spielte sie ihm vor. (Schönberg spielte bekanntlich nicht Klavier.) Die Lieder waren wunderschön und wirklich neuartig, aber beide hatten wir den Eindruck, daß sie gerade deshalb wenig Aussicht für eine Preisbewerbung hätten. Schönberg komponierte trotzdem den ganzen großen Zyklus von Jacobsen. Aber nicht mehr für eine Singstimme allein; große Chöre, ein Melodram, Vor- und Zwischenspiele kamen dazu und das Ganze für ein Riesenorchester gesetzt. Ein ganz großes Werk, die Gurrelieder waren entstanden, ein Werk, das seinen Welterfolg begründete.«

Liebesglück und schmerzlicher Verlust

Die Gurre-Lieder (dänisch Gurresange) bilden das sechste Kapitel von Jacobsens Novelle Ein Kaktus erblüht (En cactus springer ud, 1886), in der eine Gruppe junger Literaten sich die Zeit mit Gedicht-Vorträgen vertreibt, während sie auf das Erblühen eines geheimnisvollen Kaktus warten, »der jetzt endlich nach neunjähriger, sorgfältiger Pflege eine Blüte bekommen hatte, die sich nach Sitte dieses Kaktus einmal im Laufe der Nacht mit einem großen Knall erschließen würde«.

Schauplatz der Gurre-Lieder ist das alte, im 12. Jahrhundert erbaute Königsschloss Gurre in der dänischen Provinz Nord-Seeland, etwa fünf Kilometer westlich von Helsingør am Gurre-See gelegen. Die Geschichte geht auf die historische Gestalt des dänischen Königs Waldemar I. (1131 – 1182) zurück, dessen tragische Liebe zu der schönen Tove (»Taube«, bzw. Tovelille, »kleine Taube«) in mehreren mittelalterlichen Legenden überliefert ist. In den neun Liedern des ersten Teils besingen Waldemar und Tove abwechselnd das Glück ihrer Liebe, bis das Lied der Waldtaube vom Tod Toves und dem verzweifelten Schmerz des Königs berichtet. Der Legende nach hatte Waldemars Ehefrau die Nebenbuhlerin in einem Badehaus eingeschlossen, wo Tove im heißen Dampf erstickte –J acobsen bringt hier allerdings einen zweiten dänischen König ins Spiel bringt: Waldemar IV. Atterdag (ca. 1321 – 1375); der nämlich war hatte jene Königin Helwig (von Schleswig) zur Frau, die in den Gurre-Liedern als Mörderin Toves genannt wird, während Waldemar I. mit Sophia von Minsk verheiratet war. Im kurzen, aus nur einem Lied bestehenden zweiten Teil klagt Waldemar Gott an, ihm die Liebste genommen zu haben. Der dritte Teil schließlich beginnt mit der Wilden Jagd, in der Waldemar und seine Mannen aus ihren Gräbern aufsteigen, um als unerlöste Tote durch die Nacht zu reiten; noch immer sucht der König nach seiner geliebten Tove. (Auch diese Legende gehört eigentlich zu Waldemar IV.; Jacobsen hat die Sagenkreise um beide Könige miteinander verknüpft.) Die Lieder des abergläubischen Bauern und des Klaus-Narr sorgen für eine ironische Brechung des finsteren Szenarios, bevor der Hahnenschrei dem Spuk ein Ende setzt und Des Sommerwindes wilde Jagd beginnt, mit dem die Gurre-Lieder ausklingen: Ein Melodram, das den ewigen Kreislauf der Natur verherrlicht.

»... denn ich bin ja immer am Komponieren verhindert worden«

Wann und warum genau Arnold Schönberg den Entschluss fasste, den ursprünglichen Plan eines Klavierliederzyklus nach Jacobsens Gurre-Liedern zugunsten einer großen »Kantate« für Soli, Chor und Orchester aufzugeben, wissen wir nicht. Nach Ablauf der Frist des Tonkünstlerverein-Wettbewerbs am 1. Januar 1900 scheint er jedenfalls bald schon die überdimensionale Besetzung im Kopf gehabt zu haben, die den sechs Solisten drei vierstimmige Männerchöre, einen achtstimmigen gemischten Chor und ein Orchester aus rund 140 – 150 Musikern zur Seite stellt. Das auf drei Systemen notierte und mit Hinweisen zur Instrumentation versehene Particell des ersten Teils trägt Datierungen vom März und April 1900; kurz zuvor – am 12. Februar 1900 – hatte Schönberg mit der Arbeit an einer Symphonie in g-Moll begonnen, die er dann wohl (nach knapp 80 Takten) für die Gurre-Lieder beiseitelegte. Über den weiteren Verlauf der Komposition hat Schönberg selbst in einem Brief an Alban Berg berichtet, den dieser in seinem mehr als 100 Seiten dicken Führer zu dem Monumentalwerk seines Lehrers abgedruckt hat: »Im März 1900 [in Wien] habe ich den I. und II. Teil und vieles aus dem III. Teil komponiert. Darauf lange Pause, ausgefüllt mit Operetteninstrumentation. März (also anfangs) 1901 Rest vollendet! Dann Instrumentation im August 1901 begonnen (wieder durch andere Arbeiten verhindert, denn ich bin ja immer am Komponieren verhindert worden). In Berlin Mitte 1902 fortgesetzt. Dann große Unterbrechung wegen Operetteninstrumentationen. 1903 zuletzt daran gearbeitet und fertiggestellt bis zirka Seite 118. Daraufhin liegen gelassen und ganz aufgegeben!«

So entstand der erste Entwurf der Gurre-Lieder zwischen dem Streichsextett Verklärte Nacht op. 4, das Schönberg am 1. Dezember 1899 beendet hatte, und der Symphonischen Dichtung Pelleas und Melisande op. 5 (nach Maurice Maeterlinck), deren erste Skizzen aus dem Juli 1902 datieren – und tatsächlich sind die drei Werke in ihrer üppigen, hyper-chromatischen und sinnlichen Tonsprache eng miteinander verwandt. Dass Schönberg im Sommer 1903 – nach seiner Rückkehr aus Berlin, wo er an Ernst von Wolzogens Kabarett Überbrettl engagiert gewesen war – die Arbeit an den Gurre-Liedern »ganz aufgegeben!« hat, mag vor allem auf pragmatische Gründe zurückzuführen sein: Eine Aufführung des Werks in der geplanten Besetzung wäre kaum zu finanzieren gewesen.

Am 14. Januar 1910 jedoch erfolgte die Premiere des ersten Teils der Gurre-Lieder in einem Wiener Konzert des Vereins für Kunst und Kultur zur Aufführung, in dem auch die Uraufführungen der drei Klavierstücke op. 11 und der 15 Gedichte aus dem Buch der Hängenden Gärten op. 15 stattfanden; die Fassung für Sopran, Tenor und zwei Klaviere zu acht Händen war erfolgreich genug, um Schönberg zur Fortsetzung der Arbeit zu ermutigen, die er schließlich am 7. November 1911 im Berliner Vorort Zehlendorf vollendete. »Instrumentationsanmerkungen waren in der ursprünglichen Komposition nur ganz wenige notiert«, erklärt er in seinem Brief an Alban Berg. »Ich notierte damals derartiges nicht, weil man sich ja den Klang merkt. Aber auch abgesehen davon: man muß es ja sehen, daß der 1910 und 1911 instrumentierte Teil im Instrumentationsstil ganz anders ist als der I. und II. Teil. Ich hatte nicht die Absicht das zu verbergen. Im Gegenteil, es ist selbstverständlich, daß ich zehn Jahre später anders instrumentiere.«

Natürlich hatte sich Schönbergs Stil verändert, seit er die Gurre-Lieder 1903 von ihm zur Seite gelegt worden waren. Spätestens seit der ersten Kammersymphonieop. 9 für 15 Soloinstrumente wandte er sich von dem satten, opulenten Orchesterklang ab, und Werke, die etwa zeitgleich zur Instrumentation des dritten Teils entstanden – Die glückliche Hand op. 18 und die sechs kleinen Klavierstücke op. 19 –, gehen in ihrer Gestik und Harmonik weit über die noch zutiefst spätromantische Tonsprache der Gurre-Lieder hinaus, in denen die Dur/Moll-Tonalität nirgends gefährdet scheint. Andererseits bekannte der Komponist noch 1913 in einem Brief an Wassili Kandinsky, dass er diese scheinbar konservative Seite seiner Gurre-Lieder »gar nicht verachte, wie die Journalisten immer meinen. Denn ich habe mich seit dieser Zeit wohl entwickelt, aber ich habe mich nicht gebessert, sondern nur mein Stil ist besser worden, so daß ich mehr in die Tiefe desjenigen dringen kann, das ich damals schon zu sagen hatte, und imstande bin, es trotzdem sowohl knapper, als auch ausführlicher zu sagen.« Auch wenn der dritte Teil der Gurre-Lieder streckenweise deutlich transparenter orchestriert ist als die ersten beiden Teile, erweckt das ganze Werk doch den Eindruck großer Geschlossenheit und Einheitlichkeit.

»Ein Publikum harrt dieser Schöpfung ...«

Am 23. Februar 1913 dirigierte Franz Schreker im Großen Saal des Wiener Musikvereins die Uraufführung der Gurre-Lieder, mit Franz Nachod als Waldemar, Marya Freund als Tove und Anna Bahr-Mildenburg als Waldtaube. Der Haß gegen Schönberg – so die Überschrift eines Artikels, den Richard Specht am 20. September 1913 in der Berliner Zeitschrift März veröffentlichte – war mit Händen zu greifen. »Ein Publikum harrt dieser Schöpfung, in dem sich nicht nur alle Musiker, alle Snobs und alle Kunstsehnsüchtigen zusammengefunden haben, sondern auch jene gewissen angenehmen Menschen, die nicht die Sache, nur die Sensation oder auch den Skandal suchen und denen insonders die Aufführung eines Schönberg’schen Werks immer im Zeichen einer ›Hetz‹ zu stehen scheint, die sie sich beileibe nicht entgehen lassen dürfen. […] In hundert Augen lauert schon die Schadenfreude, – heute wird man’s ihm wieder einmal ›zeigen‹, ob er sich’s wirklich erlauben darf, zu komponieren wie er will und nicht wie die Anderen es ihm vorgemacht haben. Aber schon die ersten Takte bringen eine Enttäuschung: dieses Glitzern und Schweben, diese duftvoll zarte Dämmerstimmung in Tönen, in denen müde Meereswellen träumend an das von letzter Sonne beschienene Ufer zu schlagen scheinen […] – schon dieser Beginn schlägt alle in den Bann einer Selbstvergessenheit, die immer befreiender und immer beglückender alles Schwere und alles Unreine fortschwemmt. […] Aber die Enttäuschung der ›Hetzsucher‹ dauerte weiter: das jubelnde Rufen, das schon nach dem ersten Teil losbrach, stieg zum Tumult nach dem dritten […]; mit tränennassen Gesichtern wurde dem Tondichter ein Dank entgegengerufen, der wärmer und eindringlicher klang als es sonst bei einem ›Erfolg‹ zu sein pflegt: er klang wie eine Abbitte. Ein paar junge Leute, die ich nicht kannte, kamen mit schamglühenden Wangen und gestanden mir: sie hätten Hausschlüssel mitgebracht, um zu Schönbergs Musik die ihnen angemessen dünkende hinzuzufügen – und nun seien sie so ganz zu ihm gezwungen worden, daß sie nun nichts mehr von ihm abbringen könne. Ihre Beschämung und ihr Bedauern war der schönste Triumph, den der leidensvoll ringende, unverzagt alle Schmerzen des Eroberers auf sich nehmende Künstler sich wünschen mochte.«

Der Kaktus war »mit einem großen Knall« aufgesprungen, und wider alle Erwartung war seine Blüte betörend schön: Die Uraufführung der Gurre-Lieder war der vielleicht größte Triumph, den Arnold Schönberg je erleben durfte – und der ebenso schnell verblühte wie jener seltene Kaktus in Jacobsens Novelle: Bereits einen Tag später kam es in Prag bei einer Aufführung des Pierrot lunaire op. 21 zu einem regelrechten Tumult, und am 31. März fand in demselben Wiener Musikvereinssaal, in dem die Gurre-Lieder das Publikum fünf Wochen zuvor zu Tränen gerührt hatten, jenes berühmt-berüchtigte sogenannte Watschenkonzert (mit Schönbergs Erster Kammersymphonie und Werken von Zemlinsky, Webern und Berg) statt, bei dem es zu solchen Ausschreitungen kam, dass das Konzert abgebrochen werden musste.

Michael Stegemann

Biographie

Karen Cargill studierte an der Royal Scottish Academy of Music and Drama in Glasgow, an der University of Toronto sowie an dem National Opera Studio in London und war 2002 Gewinnerin des Kathleen Ferrier Awards. 2013 wurde die schottische Mezzosopranistin vom Scottish Chamber Orchestra zur festen Gastkünstlerin ernannt; zu den gemeinsamen Projekten mit dem Orchester gehören Aufführungen von Berlioz’ La mort de Cléopâtre, L’enfance du Christ und Les nuits d’été sowie Konzerte, in denen Mahlers Lied von der Erde und Wagners Wesendonck-Liedern auf dem Programm standen. In Großbritannien tritt Karen Cargill regelmäßig mit allen führenden Orchestern des Landes auf; bei den BBC Proms war sie u. a. in Mahlers Dritter Symphonie zu erleben sowie in Mendelssohns Oratorium Elias und in Constant Lamberts Kantate The Rio Grande. Zudem gastierte die Künstlerin als Waltraute (Götterdämmerung) und Anna (Les Troyens) an der Metropolitan Opera sowie als 2. Norn am Royal Opera House, Covent Garden. Zu den Dirigenten, mit denen Karen Cargill zusammenarbeitet, zählen Marc Albrecht, Myung-Whun Chung, Sir Colin Davis, Bernard Haitink, James Levine, Donald Runnicles, Yannick Nézet-Séguin und Michael Tilson Thomas. Unter der Leitung von Sir Simon Rattle gab sie Ende Mai 2009 ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern als Waltraute in Auszügen von Wagners tterdämmerung.

Stephen Gould studierte am New England Conservatory of Music und vervollständigte seine Gesangsausbildung am Lyric Opera of Chicago Center for American Artists. Nach einer Reihe von Opernengagements sowie etwa 300 Aufführungen von Andrew Lloyd Webbers Musical The Phantom of the Opera innerhalb von sieben Jahren in ganz Amerika vollzog er den Fachwechsel zum Heldentenor. Mit seinem erfolgreichen Debüt als Florestan in Beethovens Fidelio am Linzer Landestheater legte er den Grundstein zu einer internationalen Karriere, die ihn mit den großen Helden-Partien u. a. an die Opernhäuser in Wien, Berlin, Dresden, Florenz, Madrid und Tokio führte. 2004 debütierte er in der Titelrolle von Wagners Tannhäuser unter der Leitung von Christian Thielemann bei den Bayreuther Festspielen, 2010 war er als Erik in Der fliegende Holländer an der Metropolitan Opera in New York zu hören, wohin er 2012 als Siegfried zurückkehrte. Weiterhin trat der amerikanische Heldentenor bei den Festspielen in Salzburg, Luzern und Bergen auf und gastierte in den renommiertesten Konzertsälen der USA, Israels und Europas. Hierbei arbeitete der aus Virginia stammende Künstler mit Dirigenten wie Pierre Boulez, Riccardo Chailly, Myung-Whun Chung, Valery Gergiev, Marek Janowski, Zubin Mehta, Kent Nagano, Esa-Pekka Salonen und David Zinman zusammen. In den Konzerten der Berliner Philharmoniker gibt Stephen Gould nun sein Debüt.

Soile Isokoski wurde in Finnland geboren, studierte in Helsinki und gab dort 1986 ihr erstes Konzert. 1987 war sie Zweite Preisträgerin beim BBC Singer of the World Contest, gewann den Elly-Ameling-Wettbewerb und den Internationalen Gesangswettbewerb in Tokio. Nach ihrem Operndebüt als Mimi (La Bohème) an der Nationaloper in Helsinki eroberte die Sopranistin innerhalb weniger Jahre die führenden internationalen Opernbühnen und Konzertpodien (z. B. in Paris, London, New York, Berlin, München, Hamburg, Wien, Mailand) sowie Festspielorte wie Salzburg, Edinburgh, Savonlinna und Orange. Ihr Bühnenrepertoire setzt einen deutlichen Akzent auf die Opern Mozarts, verzeichnet aber auch Werke von Weber, Offenbach, Tschaikowsky, Wagner, Gounod, Verdi, Puccini, Strauss, Poulenc und Britten. 2002 erhielt die Künstlerin für ihre Verdienste um die Musik ihres Heimatlandes mit der Pro-Finlandia-Medaille eine der bedeutendsten Ehrungen Finnlands; 2007 folgte die Auszeichnung mit der Sibelius-Medaille und 2008 die Ernennung zur Österreichischen Kammersängerin. Im Mai 2011 empfing sie die Ehrendoktorwürde der Universität Helsinki. Bei den Berliner Philharmonikern gastierte Soile Isokoski seit 1997 bereits mehrfach; zuletzt war sie auf Einladung des Orchesters im September 2008 mit einem Liederabend im Kammermusiksaal zu hören, bei dem sie und ihre langjährige Klavierbegleiterin Marita Viitasalo Kompositionen von Grieg, Schubert, Sibelius, Britten und Strauss zur Aufführung brachten.

Lester Lynch, Absolvent der Juillard Opera School, hat sich mit seiner nuancenreichen Stimme international einen Namen gemacht. Zu den bisherigen Karrierehöhepunkten des Baritons gehören Auftritte als Porgy (Porgy and Bess) an der Dallas Opera, Washington National Opera und Lyric Opera of Chicago, als Germont (La Traviata) an der Houston Grand Opera, als Sharpless (Madama Butterfly) am Opera Theatre of Saint Louis und als Marcello (La Bohème) an der New York City Opera. Außerdem war er an der Santa Fe Opera, der Deutschen Oper am Rhein, der Seattle Opera und in Produktionen der Canadian Opera Company in diversen Hauptrollen zu hören. Während der Spielzeit 2010/2011 gastierte der Sänger als Carbon (Cyrano de Bergerac) an der San Francisco Opera, als Heerrufer (Lohengrin) an der Lyric Opera of Chicago sowie als Alfio (Cavalleria rusticana) und als Tonio (I Pagliacci) an der Kentucky Opera. 2011/2012 übernahm er die Titelrolle in Verdis Rigoletto in Toronto sowie die Partie des Carlo Gérard in Giordanos André Chénier bei den Bregenzer Festspielen. Unter der Schirmherrschaft der Marilyn Horne Foundation gibt Lester Lynch regelmäßig Liederabende, in deren Rahmen er auch die für ihn in Auftrag gegebenen Six Songs on Poems by Raymond Carver von Lowell Lieberman uraufgeführt hat. Als Konzertsolist arbeitete er mit Orchestern wie dem New York Philharmonic, dem National Symphony Orchestra in Washington, dem St. Paul Chamber Orchestra, dem Philadelphia und dem Cleveland Orchestra, dem Cincinnati Symphony Orchestra und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zusammen; bei den Berliner Philharmonikern debütierte Lester Lynch September 2012 im Rahmen dreier konzertanter Aufführung von Gershwins Porgy and Bess, die Sir Simon Rattle dirigierte.

Thomas Quasthoff, der fast vier Jahrzehnte lang auf internationalen Bühnen Maßstäbe gesetzt hat, beendete im Januar 2012 seine Sängerkarriere. Der Gesangskunst bleibt er jedoch auch weiterhin eng verbunden – als Dozent an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« in Berlin bzw. bei internationalen Meisterkursen sowie als Rezitator im Rahmen von Konzerten und Lesungen. Als einer der führenden Lied- und Konzertsänger unserer Zeit gastierte Thomas Quasthoff seit 1997 regelmäßig bei den Berliner Philharmonikern sowie bei vielen anderen internationalen Spitzenorchestern. Eine enge Zusammenarbeitet verband ihn mit Dirigenten wie Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Christoph Eschenbach, James Levine und Sir Simon Rattle. Thomas Quasthoff erhielt zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, u. a. den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, den Europäischen Kulturpreis und die Gold Medal der Royal Philharmonic Society in London. Im Herbst 2012 gab er am Berliner Ensemble sein Debüt als Schauspieler, in der Rolle des Narren in Shakespeares Was ihr wollt. Anfang März dieses Jahres trat er mit dem Belcea Quartet erstmals in einem Kammerkonzert der Stiftung Berliner Philharmoniker als Sprecher auf; im April wirkte er beim Jubiläumskonzert »10 Jahre Education-Programm« in Noey’s Fludde von Benjamin Britten mit.

Burkhard Ulrich stammt aus Aachen. Er studierte Klavier, Orgel, Gesang und Instrumentalpädagogik an der Musikhochschule Köln sowie am Salzburger Mozarteum. Der Preisträger mehrerer Wettbewerbe gehört nach Engagements an den Theatern in Koblenz und Kiel seit 2001 zum Ensemble der Deutschen Oper Berlin. Sein Repertoire umfasst Partien wie Basilio (Le nozze di Figaro) und Monostatos (Die Zauberflöte), Schuiskij (Boris Godunow) und Valzacchi (Der Rosenkavalier). In den letzten Spielzeiten war er an der Deutschen Oper Berlin u. a. als Arturo (Lucia di Lammermoor), Aegisth (Elektra), Knusperhexe (Hänsel und Gretel), Pollux (Die Liebe der Danae), Goro (Madama Butterfly), Pang (Turandot), Gaston (La Traviata) und Incroyable (Andrea Chénier) zu erleben. Der Tenor hat mit Dirigenten wie Christian Thielemann, Lothar Zagrosek, Riccardo Muti und Marc Minkowski zusammengearbeitet. Gastspiele führten ihn u. a. zu den Salzburger Festspielen, zum Festival Aix-en-Provence, an die Opéra National de Paris, zu den Bregenzer Festspielen, zur RuhrTriennale, ans Arts-Center Seoul und an die Opernhäuser von Leipzig, Düsseldorf und Basel; bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen war der Sänger als Mime in Das Rheingold und Siegfried zu erleben. Seit Ende 2005 bereits mehrfach Gast der Berliner Philharmoniker, wirkte Burkhard Ulrich hier zuletzt im März 2011 in konzertanten Aufführung von Richard Strauss’ Oper Salome mit; Dirigent war Sir Simon Rattle.

Kor VestBergen wurde 2002 als projektbasierter Kammerchor gegründet. Das norwegische Vokalensemblehat sich frühzeitig als geschätzter Partner von Den Nye Opera Bergen etabliert; zudem tritt es regelmäßig mit dem Philharmonischen Orchester Bergen in Erscheinung. Hierbei, sowie im Rahmen eigener Chorprojekte, hat Kor Vest Bergen mit renommierten Gastdirigenten zusammengearbeitet. Im Januar 2012 übernahm Nicolas Fink, der seit 2008 als Assistent von Simon Halsey beim Rundfunkchor Berlin tätig ist, die künstlerische Leitung des Chors. Mit seiner Berufung stieg das ambitionierte Ensemble vom Projektchor zum kontinuierlich arbeitenden Profichor auf, wobei im Mittelpunkt der künstlerischen Arbeit der seitdem festangestellten Sängerinnen und Sänger anspruchsvolle A-cappella-Literatur steht. In den Konzerten der Berliner Philharmoniker ist Kor Vest Bergen nun erstmals zu erleben.

Der MDR Rundfunkchor ist der größte und traditionsreichste Chor des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Geprägt durch seinen ersten Chefdirigenten der Nachkriegszeit, Herbert Kegel, entwickelte das Ensemble eine Klangkultur, die es in die Reihe europäischer Spitzenchöre aufrücken ließ, wo es sich bis heute behauptet. Hierzu trugen auch die Chorleiter Dietrich Knothe, Horst Neumann, der Chordirektor Gert Frischmuth sowie die Chefdirigenten Wolf-Dieter Hauschild und Jörg-Peter Weigle bei. Von 1998 bis 2013 leitete Howard Arman die künstlerischen Geschicke des Chors, dessen Repertoire A-cappella-Literatur und vokalsymphonische Werke aus nahezu einem Jahrtausend Musikgeschichte umspannt. Zahlreiche Ur- und Erstaufführungen weisen den Chor auch als Spezialensemble für die zeitgenössische Musik aus. So brachte der MDR Rundfunkchor erst kürzlich, am 18. Semptember 2013, gemeinsam mit der Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz unter der Leitung von Frank Beermann das 1946 entstandene, vor wenigen Jahren wiederentdeckte Requiem von Bruno Maderna in Chemnitz zur Deutschen Erstaufführung. Dirigenten wie Herbert von Karajan, Kurt Masur, Colin Davis, Claudio Abbado, Sir Simon Rattle, Neville Marriner, Seiji Ozawa, Lorin Maazel, Bernard Haitink, Riccardo Muti, Georges Prêtre und Roger Norrington haben mit dem Ensemble gearbeitet. Zudem konzertieren die 73 Choristen regelmäßig mit dem MDR Sinfonieorchester unter der Leitung seines Chefdirigenten Kristjan Järvi. Nahezu 200 Produktionen auf Schallplatte und CD – viele davon preisgekrönt – dokumentieren das Wirken des 2013 mit dem Europäischen Kulturpreis ausgezeichneten MDR Rundfunkchors, der über die Europäische Rundfunkunion sowie auf Tourneen und Gastspielen weltweit zu hören ist. Bereits Mitte September 1990 gastierte der MDR Rundfunkchor mit Werken von Gubaidulina und Janáceck in zwei Konzerten der Berliner Philharmoniker; zuletzt wirkte er bei ihnen im September 2011 in drei Aufführungen von Gustav Mahlers Achter Symphonie mit (Dirigent: Sir Simon Rattle).

Der Rundfunkchor Berlin ist ein gefragter Partner führender Orchester und Dirigenten in aller Welt; langjährige Kooperationen bestehen in Berlin mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, dem Deutschen Symphonie-Orchester und den Berliner Philharmonikern. In rund 50 Konzerten jährlich sowie mit Gastauftritten bei Festivals stellt der Chor sein breites Repertoire und reich nuanciertes Klangbild unter Beweis. Gemeinsam mit Künstlern unterschiedlicher Disziplinen erschließt das Ensemble jedes Jahr mit einer spartenübergreifenden Produktion neue Erlebnisweisen von Chormusik: So stieß z. B. die szenische Umsetzung von Brahms’ Deutschem Requiem durch Jochen Sandig 2012 auf große Resonanz. 1925 in Berlin gegründet und von Dirigenten wie Helmut Koch, Dietrich Knothe und Robin Gritton geprägt, wird der Rundfunkchor Berlin seit 2001 von Simon Halsey geleitet. Eine rege Aufnahmetätigkeit und viele Auszeichnungen, darunter drei »Grammy Awards«, dokumentieren den großen Erfolg dieser Arbeit. Simon Halsey, der im Januar 2011 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt wurde, initiierte außerdem zahlreiche Aktivitäten des Chors im Bildungs- und Erziehungsbereich, so das jährliche Mitsingkonzert in der Philharmonie oder die Liederbörse für Kinder und Jugendliche. 2011 startete der Rundfunkchor Berlin das Projekt SING!, welches das Ziel verfolgt, in Berliner Grundschulen das Singen als selbstverständlichen Teil des Schulalltags zu etablieren. Mit den Berliner Philharmonikern war der Rundfunkchor Berlin erst vor wenigen Tagen im Rahmen einer szenischen Aufführung von Bachs Matthäus-Passion zu hören (Inszenierung: Peter Sellars); Dirigent war Sir Simon Rattle.

Der WDR Rundfunkchor Köln wurde 1948 gegründet und ist ein Berufschor mit 48 Sängerinnen und Sängern. In der Nachfolge von Bernhard Zimmermann, Herbert Schernus, Helmuth Froschauer und Anton Marik übernahm Rupert Huber 2004 das Amt des Chefdirigenten, das er bis 2011 inne hatte. Seitdem arbeitet der WDR Rundfunkchor mit verschiedenen Gastdirigenten sowie mit Nicholas Kok, dem Ersten Gastdirigenten und mit seinem festen Chorleiter David Marlow zusammen. Das musikalische Spektrum des WDR Rundfunkchors Köln reicht von mittelalterlichen bis zu zeitgenössischen Kompositionen. A-cappella-Konzerte, groß besetzte Oratorien mit Orchester und solistisch besetzte Vokalmusik gründen ebenso das Profil des Ensembles wie das symphonische Repertoire, Filmmusik oder Opern. Besonders hervorzuheben ist die Beschäftigung des Chors mit dem zeitgenössischen Œuvre; seine Repertoireliste verzeichnet mehr als 150 Ur- und Erstaufführungen, u. a. Schönbergs Moses und Aron, Henzes Novae de infinito laudes, Stockhausens Momente, Nonos Il canto sospeso, Zimmermanns Requiem für einen jungen Dichter, Pendereckis Lukas-Passion und Eötvös’ IMA. Als ein in aller Welt geschätztes Ensemble gastierte der WDR Rundfunkchor Köln u. a. bei den Berliner und Wiener Festwochen, den Salzburger Festspielen und bei der Biennale in Venedig sowie in Mailand, Paris, London, Athen, Rom, Brüssel, Jerusalem, Tel Aviv, Boston, Cleveland, New York, Tokio und Osaka. In Konzerten, im Studio für Radio und Fernsehen und bei CD-Produktionen ist der WDR Rundfunkchor Köln auch regelmäßig als vokaler Partner des WDR Sinfonieorchesters Köln und des WDR Rundfunkorchesters Köln tätig. In den Konzerten der Berliner Philharmoniker debütierte der Chor im April 2009 in Bernd Alois Zimmermanns Requiem für einen jungen Dichter; Dirigent war Peter Eötvös.

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