Berliner Philharmoniker

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Kammermusik

Jazz at Berlin Philharmonic

Leszek Możdżer Klavier

Michael Wollny Klavier

Iiro Rantala Klavier

Die drei Pianisten spielen Solo, im Duo und Trio (u. a. auf dem »Alfred-Brendel-Flügel«) Werke von Iiro Rantala, Johann Sebastian Bach, Pulp, Michael Wollny, Leszek Możdżer, Walter Norris, Krzysztof Komeda, Lars Danielsson und Chick Corea. Benefizkonzert für UNICEF - Eine Kooperation der Stiftung Berliner Philharmoniker mit ACT Music

Termine

Di, 11. Dez. 2012 20 Uhr

Kammermusiksaal

Programm

Schon immer war die Philharmonie für Freunde des Jazz eine gute Adresse. Mit dem Konzert dieses Abends geht eine neue Reihe an den Start, die einen festen Platz im Angebot der Stiftung Berliner Philharmoniker haben wird: Jazz at Berlin Philharmonic. Zur Premiere sind drei Pianisten der Extraklasse teils solistisch, teils im Duo und sogar als Trio zu erleben: Da wäre zum einen Leszek Możdżer, der für seine überragende Anschlagkultur bekannt ist und nicht zuletzt aufgrund seiner innovativen Grenzgänge zwischen Klassik und Jazz zur Spitze der internationalen Szene gezählt wird: »Die Philosophie meines Spiels liegt nicht darin, die Tasten des Flügels zu drücken, sondern die Hämmer in die Luft zu werfen.« Als Zweiter im Bunde wird der deutsche Nachwuchsstar Michael Wollny am »Alfred-Brendel-Flügel« Platz nehmen. Laut FAZ ist er der »vollkommene Klaviermeister«, dem es immer wieder mühelos gelingt, sich neu zu erfinden – schließlich, so Wollny, sei die eigentliche Musik vor allem dort zu finden, wo sie die Konvention nicht vermuten würde. Mit dem finnischen Pianisten Iiro Rantala ist dann noch einer der virtuosesten Jazzer der Gegenwart zu Gast, ein Musiker, der in der Szene als »Naturereignis an den Tasten« gefeiert wird. Als Unicef-Benefizkonzert kommen die Einnahmen des Abends Kindern in Burundi und Sierra Leone zu Gute.

Über die Musik

Jazz at Berlin Philharmonic

Leszek Możdżer, Michael Wollny und Iiro Rantala am »Alfred-Brendel-Flügel«

Die Geschichte eines Flügels

Man muss wohl selbst ein Instrument spielen, um zu verstehen, wie sensibel und besonders das Verhältnis von Spitzenmusikern zu ihren Instrumenten ist; warum Kontrabassisten oft jahrzehntelang auf der Suche nach »ihrem« Bass sind; warum Geiger von einer Stradivari oder Amati träumen; oder warum Pianisten selbst noch Steinways oder Bechsteins handverlesen. Alfred Brendel, der große Meister der Klassik und Romantik, der laut Joachim Kaiser »bedeutendste Schubert-Interpret der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts« und einer der wenigen, die nahezu das gesamte Klavierwerk Beethovens einspielten, hat das eindrucksvoll in Worte gefasst: »[Mein] Verhältnis [zum Flügel] ist liebend – wenn das Instrument wirklich gut ist. Ich bin da allerdings sehr anspruchsvoll. […] Mit zunehmendem Alter spiele ich nur noch auf Flügeln, die ich gut kenne und die tadellos eingerichtet sind. Ich kann es physisch nicht mehr riskieren, auf zu vielen verschiedenen Flügeln zu spielen. […] Man ist sehr abhängig vom Instrument. Jüngere vielleicht weniger. Die Armen müssen noch auf allem spielen, was herumsteht. Solche Sachen vermeide ich. Man möchte im Alter nur noch die eigenen Fehler machen und nicht mehr nur die des Instruments.«

Und so suchte der in London lebende österreichische Virtuose 1992, als er eine enge Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern aufnahm, in der Steinway Zentrale in Hamburg persönlich den Konzertflügel, auf dem er fortan bei seinen Berliner Aufenthalten und Auftritten ausschließlich spielte. Zwar wurde Flügel Nr. D-524780, wie die neun anderen der Philharmonie, auch von anderen Stars wie Martha Argerich, Pierre-Laurent Aimard oder Daniel Barenboim geschätzt und bespielt, doch blieb er der »Brendel-Flügel«. Als sich der Meister nun vor drei Jahren vom Konzertbetrieb verabschiedete, zugleich auch drei neue Flügel ans Haus gekommen waren, entschloss sich die Philharmonie, das geschichtsträchtige Instrument zugunsten der Ostafrika-Hilfe des UNICEF Kinderhilfswerks – dessen Botschafter man seit einigen Jahren ist – zu versteigern. Am Pfingstmontag, dem 28. Mai dieses Jahres, schwang also Andreas Rumbler, Geschäftsführer von Christieʼs Deutschland, den Hammer und gab am Ende für 80.000 Euro Siggi Loch den Zuschlag.

Der 71-Jährige ist seit fast einem halben Jahrhundert einer der wichtigsten Musikproduzenten Deutschlands und ein großer Freund der Klaviermusik. Das kann man schon der Künstlerliste seines Jazzlabels ACT Music + Vision entnehmen, zu der zuletzt fast alle jungen Jazzpianisten gestoßen sind, die sich international Rang und Namen erspielt haben. Mit dem »Brendel-Flügel« hatte Loch nun genau das richtige Geburtstagsgeschenk für sein Label gefunden, ist doch auch ACT in diesem Jahr 20 Jahre alt geworden. Seit er vor ein paar Jahren von München nach Berlin zog, ist der Jazzer Siggi Loch aber auch Mitglied der Freunde der Berliner Philharmoniker e. V. Schon bei der Versteigerung hatte Loch ein Benefizkonzert versprochen, um den Flügel offiziell seiner neuen Bestimmung, dem Jazz, zu übergeben. Was nun mit Jazz at Berlin Philharmonic passiert und in unregelmäßiger Folge wiederholt werden soll.

Die neue Blüte des Jazz-Pianos

Es ist noch gar nicht so lange her, da schien das Jazz-Piano ausgereizt. Nach Bill Evans, Keith Jarrett oder Herbie Hancock, was sollte da noch kommen? Es kam Esbjörn Svensson, der mit einem völlig neuen, in sogartigen dynamischen Schleifen verlaufenden, allen Genres geöffneten Spiel den Weg bereitete für eine Flut junger, ganz individualistischer Pianisten. Für die ist der Jazz gewissermaßen Ausdruck der Urmusik, in der es kein Oben und Unten gibt, keine Unterscheidung in Unterhaltung und Kunst, nur Spielfreude und kreativ-intelligente Gestaltungskraft. Und alle machen mit: Deutsche wie Pablo Held, Carsten Daerr oder Florian Weber, Europäer wie Yaron Herman, Gwilym Simcock oder Bugge Wesseltoft, Amerikaner wie Jason Moran, Craig Taborn oder Vijay Iyer. Drei der besten bestreiten jetzt das erste Konzert unter dem Titel Jazz at Berlin Philharmonic: Der Deutsche Michael Wollny, der Finne Iiro Rantala und der Pole Leszek Możdżer. Und es ist kein Zufall, dass genau in der Mitte des Programms Rantala im Duett mit Wollny seine Komposition Tears For Esbjörn spielen wird.

Machte der viel zu früh verstorbene Svensson doch vor, dass man das Alte respektieren muss, aber ganz neu auffassen kann; dass man als Jazzer eben nicht nur auf das »Great American Songbook« angewiesen ist, sondern auch die Musiktradition Europas wie der ganzen Welt fruchtbar einbinden kann. Was die Solo-Passagen der drei Stars von Jazz at Berlin Philharmonic, mit denen der Abend beginnt, eindrucksvoll belegen: Iiro Rantala schlägt von der amerikanischen Jazztradition (Thinking Of Misty) den Bogen über Bachs Goldberg-Variationen zur ganz eigenen, programmatisch Uplift benannten Synthese. Michael Wollny stellt seinem eigenen Hexentanz eine Interpretation von This Is Hardcore der Britpop-Band Pulp voran. Und Leszek Możdżer spielt neben zwei eigenen stilübergreifenden Stücken From Another Star aus der Feder des im vergangenen Jahr verstorbenen amerikanischen Wahlberliners Walter Norris. Możdżer hatte den vom Publikum weitgehend unbeachteten, dafür als Didakt wie in Musikerkreisen legendären Romantiker zu seinem letzten Konzert im Berliner A-Trane überredet. Der Mitschnitt ist soeben bei ACT erschienen. Wer aber sind nun diese drei so vielseitigen, weltoffenen, ernsthaften jungen Wilden am Klavier, die zu neuen Ufern des Jazz streben?

Michael Wollny – die erfüllte deutsche Hoffnung

Traditionalisten sind schon aus den Konzerten von Michael Wollny gestürmt. Der aus Schweinfurt stammende, lange in Berlin, jetzt in Frankfurt am Main lebende 34-Jährige ist kein stoischer Tastenstreichler und schon gar kein Cocktail-Jazzer. Wenige bearbeiten den Flügel so körperlich wie er, geistig wie physisch ist er immer in Bewegung, die ohnehin unzähmbaren Haare fliegen meist wild herum, oft geht es dem Instrument an die Eingeweide. Seine Inspiration kann dabei von Schubert oder Mahler kommen, von Björk oder Kraftwerk wie von japanischen Gangsterfilmen oder Horrorstories. Der Ausdruckskraft aber, die sich aus dieser Energie, gepaart mit unerschöpflichem Einfallsreichtum und überragender Technik ergibt, kann sich ein Aufgeschlossener nicht entziehen. So wurde Wollny von den Kritikern sehr schnell von der Jazz-Hoffnung zur Gallionsfigur eines »Young German Jazz« (wie sinnigerweise auch die mit ihm gestartete ACT-Reihe heißt) erhoben: »Jung genug, um den Jazzgeschichtsballast nicht herumschleppen zu müssen und wach genug, um jeden Tag etwas Altes neu zu entdecken«, schrieb die ZEIT, einen »Retter des Jazz« nannte ihn die Süddeutsche Zeitung. Mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik, dem bayerischen Kunstförderpreis, dem SWR-Jazzpreis, dem Neuen Deutschen Jazzpreis, dem BMW Welt Jazz Award und dem ECHO Jazz, dazu dem »Choc de lʼannee« des französischen Jazzmagazins Jazzman und dem Ronnie Scottʼs Jazz Award als »Most Promising International Newcomer Of The Year« hat er inzwischen nahezu alle Auszeichnungen zu Hause stehen, die ein deutscher Jazzer erhalten kann.

Mit 5 Jahren erhielt Wollny ersten Unterricht an Klavier und Geige. Von Anfang an war für ihn »Klavier spielen immer beides – Improvisation und Bach spielen, Mozart spielen«, wie er erzählt. Als er mit 16 als Gasthörer ans Herrmann-Zilcher-Konservatorium in Würzburg geht, wird er vom Pianisten und Hochschullehrer Chris Beier entdeckt. Er hält Wollny für ein Jahrhunderttalent und nimmt ihn gegen alle Aufnahmeregeln unter seine Fittiche. Die nächsten Stationen heißen Bundesjazzorchester (BuJazzO), das erste eigene Trio und ein Duo mit dem Saxofonisten Hubert Winter. 2001 erhält er den vakanten Posten des Pianisten im HR-Jazzensemble. Hier kann er mit den Granden des deutschen Jazz arbeiten wie Albert und Emil Mangelsdorff, Christof Lauer und nicht zuletzt Heinz Sauer. Der Saxofonist ist begeistert von dem jungen Mann am Klavier und lädt ihn ein, mit seinem Sextett beim 32. Deutschen Jazzfestival in Frankfurt aufzutreten. Es ist der Startschuss für eine bis heute bestehende musikalische Partnerschaft über die Generationen hinweg, die soeben mit dem vierten gemeinsamen Album Don’t Explain gekrönt wurde.

Gemeinsamer musikalischer Austausch auf gleicher Augenhöhe – das ist auch das Prinzip des Trios Michael Wollnys [em], das er 2002 mit der Bassistin Eva Kruse und dem Schlagzeuger Eric Schaefer gründet, und das seinen Sonderstatus als nahezu einziger international beachteter junger deutscher Jazzer begründet. Dabei müssen die drei einige Zeit ein Label suchen. Als aber ACT 2005 das Debütalbum Call It [em] herausbringt, bebt die Jazzlandschaft: »Call It [em] klingt wie eine Inhaltsangabe dessen, was wache, junge Jazzmusik ausmachen soll. Frisch, voller umherfliegender Einflüsse, nicht populistisch. Etwas Eigenes. Weg vom Mainstream, Schräglage, Bewegung, Nervosität, Hektik, Meditation, Tempo, Slow Motion, Dada, Hip-Hop, Bebop«, überschlägt sich Jazzthing, die ZEIT erklärt [em] zum »aufregendsten Pianotrio der Welt«, und der britische Observer ist überzeugt: »This is the future sound of jazz.« Viele ähnliche Hymnen kommen mit den bis dato vier weiteren Alben dazu.

Verständlich, dass Wollny damit das Interesse berühmter Kollegen weckt. Er tritt an der Seite von Brad Mehldau, Marcin Wasilewski und Kenny Barron auf, Joachim Kühn – der große Alte des deutschen Jazzpianos, über den Wollny seine Diplomarbeit schrieb – spielt mit ihm ein Duo auf Schloss Elmau ein. Auch mit dem in den vergangenen Jahren so prägenden skandinavischen Jazz hat Wollny die Begegnung gesucht, er tourte mit Star-Posaunist Nils Landgren und dem Quartett des Bassisten Lars Danielsson. Was immer Wollny aber auch gemacht hat, stets hätte sich der Titel eines seiner schönsten, mit der Cembalistin Tamar Halperin eingespielten Alben angeboten: Wunderkammer.

Leszek Możdżer – der polnische Romantiker

Was Michael Wollny in Deutschland noch nicht gelang, sein Kollege Leszek Możdżer hat es in seiner Heimat Polen geschafft: als Jazzer die Pop-Bastion zu schleifen. Możdżers jüngstes Soloalbum Komeda erklomm dort kurz nach Veröffentlichung den ersten Platz der Pop-Charts und ließ Stars wie Sting und Beyoncé hinter sich. Ein nicht übertragbares Phänomen, gewiss: Krzysztof Komeda, der 1969 erst 38-jährig verstorbene Jazz-Pianist und Filmmusiker (alle Soundtracks der frühen Filme von Roman Polanski stammen von ihm), dem Możdżers Hommage galt, ist neben Chopin und Szymanowski ein weiterer Nationalheiliger der polnischen Musik. Hinzu kommt, und dass ist bezeichnend für Możdżers Selbstverständnis als Jazzmusiker wie auch für das vieler seiner international erfolgreichen Kollegen: Er kommt ursprünglich weder vom Jazz, noch vom Pop, sondern von der Klassik.

1971 in Danzig geboren, erhielt Możdżer am Konservatorium seiner Heimatstadt eine klassische Ausbildung, erst mit 18 Jahren kam er zum Jazz. Vielleicht ist Możdżer deswegen einer der großen Romantiker unter den europäischen Jazzpianisten. Mit Improvisationen über Themen von Frédéric Chopin begründete er seinen Ruf, stets klammert sich sein perlendes, anschlagstechnisch nahezu unerreichtes Spiel seither an Melodien voller Lyrik und Emotion. In seiner Heimat spielte er bald mit den wichtigsten Jazzern wie Tomasz Stanko oder Michał Urbaniak. Seit 1994 bis heute wird er vom polnischen Magazin Jazzforum fast durchgehend zum besten Pianisten des Landes gewählt. International machte er sich besonders an der Seite des ebenfalls einem melodiösem Wohlklang verpflichteten schwedischen Bassisten Lars Danielsson einen Namen. Aber auch amerikanische Jazzikonen wie Pat Metheny, Lester Bowie und Archie Shepp schätzen Możdżers Mitarbeit. Mit dem gemeinsam mit Walter Norris kurz vor dessen Tod eingespielten The Last Set – Live at the A-Trane hat er zuletzt das Dokument eines bemerkenswerten Dialogs zweier Gleichgesinnter und ein letztes Vermächtnis eines zu Unrecht nahezu Unbekannten vorgelegt.

Schon an diesen Namen sieht man, dass für den Polen der Austausch zwischen den wichtigsten Strömungen der Kunstmusik selbstverständlich ist. Er knüpft damit wie viele junge Europäer an eine Beziehung an, die erst der Kulturbruch des Zweiten Weltkriegs auseinander riss: Von Bartók über Stokowski bis Horowitz auf der einen Seite zu Art Tatum, George Gershwin oder selbst einem Benny Goodman auf der anderen: Lange Zeit gingen Jazz und Klassik einen gemeinsamen Weg gegenseitiger Befruchtung. Wenn heute der Jazz wieder als »Zweite Klassik« anerkannt wird, dann liegt das an Künstlern wie Leszek Możdżer.

Iiro Rantala – der finnische Alleskönner

Auf die Frage, wo Jazz anfängt, hat auch der finnische Pianist Iiro Rantala eine ganz persönliche, verblüffende Antwort: bei Bach. »Johann Sebastian Bach und seine Musik kamen schon in mein Leben, als ich sechs war.« Kein Wunder also, dass die Goldberg-Variationen für sein gerade erschienenes Album My History Of Jazz die Klammer abgeben. Rantala stellt sich damit an die Spitze derjenigen aus der neuen Pianisten-Generation, die sich vom überzogenen Kult ums »ganz Neue« frei macht und wieder an die alte Jazztradition anknüpft, die großen Erfinder des Fachs zu studieren, zu verehren und für die eigenen Klänge zu verwenden. »Das Tolle am Musikerdasein ist doch, dass man nicht alles selbst erfinden muss«, sagt Rantala und fügt hinzu: »Du kannst deine Vorgänger anhören und von ihnen lernen. Viele Leute fragen mich, was meine Einflüsse sind, wen ich mag und wen ich mir zurechtgelegt habe. Ich war da immer sehr offen.« Die Frage ist eben, was man aus der reichen Tradition macht. Ob man Nachahmer bleibt oder sie respektvoll bemüht, um seine eigene Musik zu finden. Wie es Rantala macht, seit ihn die Musik mit 13 in ihren Bann zog: »Seitdem wollte ich Improvisator, Komponist, Bühnenkünstler und Bandleader werden.«

Das wurde der 1970 in Helsinki geborene Rantala nach dem Studium – Jazzpiano an der heimischen Sibelius-Akademie, klassisches Klavier an der Manhattan School of Music – dann in seinem Trio Töykeät, einem der wildesten, witzigsten und visionärsten Klaviertrios der internationalen Jazzszene: Da lotete Rantala alle Möglichkeiten dieser klassischen Besetzung aus, mal als energiegeladener Tastenlöwe, mal als feinfühliger Romantiker, dann wieder als burlesker Spaßvogel. Sein Spiel sprengte zwar alle Stile und war ebenso kompromisslos wie zugleich unterhaltsam, doch wurde es stets von einem magischen Dreieck zusammengehalten: stupende Technik, Sinn für Humor und untrüglicher Geschmack. Qualitäten, die sich Rantala bewahrt hat, nachdem er 2006 das Trio Töykeät nach 18 Jahren aufgelöste, um sich auf seine Solokarriere zu konzentrieren.

Die kam im vergangenen Jahr mit seinem ACT-Debüt Lost Heroes richtig in Schwung, auf dem er seinen schon verstorbenen musikalischen Helden von Jean Sibelius und Pekka Pohjola über Art Tatum, Erroll Garner oder Michel Petrucciani bis hin zu Luciano Pavarotti Tribut zollt. Er vermeidet dabei jegliche Sentimentalitäten zugunsten einer großen, ehrlichen Geste der Verehrung, bei der er ganz er selbst bleibt. Die Süddeutsche Zeitung sprach von einem »Meisterstück«, die Deutsche Schallplattenkritik kürte Lost Heroes zum Jazzalbum des Jahres, Rantala selbst wurde im Juni 2012 mit dem ECHO Jazz als bester internationaler Pianist geehrt. Der Auftritt bei Jazz at Berlin Philharmonic bringt für ihn ein freudiges Wiedersehen. Den September Song seiner My History Of Jazz hat er bereits auf dem »Brendel-Flügel« eingespielt.

Oliver Hochkeppel

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