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Familienkonzert – Die Heidehasen kommen wieder

Thomas Leyendecker

Mitglieder der Berliner Philharmoniker

Der Sängerkrieg der Heidehasen nach James Krüss

Termine und Tickets

Sa, 05. Mär. 2011 16 Uhr

Philharmonie

Live-Übertragung

Über die Musik

Der Sängerkrieg der Heidehasen

Eine kleine Hasenoper – Die Handlung

Man stelle sich vor: ein Heidehasenreich mit Wiesen, Büschen, Bäumen und Hasenwohnungen unter dem Wurzelwerk. Und was darf nicht fehlen im Reich der Heidehasen? Richtig, ein König. Und was gehört zum König? Genau, eine Prinzessin. Und wenn es das Heidehasenreich im Märchen gibt, was wird dann für die Prinzessin gesucht? Na klar, ein Mann! Und so ließ denn eines schönen Tages König Lamprecht VII. seinen Hasen und Karnickeln verkünden, dass am Sonntag beim Sängerkrieg der Heidehasen in Obereidorf der Sänger mit dem schönsten Lied seine Tochter, die Prinzessin, zur Frau bekäme. Fast überflüssig danach zu fragen, wer den Sieger bestimmte. Das durfte nur einer: der König selbst.

Erstes Bild

In einem Musizierzimmer sitzt Direktor Wackelohr vom Hasenmusikverein am Flügel und trällert Tonleitern. Der Minister für Hasengesang steht daneben und hört andächtig zu. Als der Direktor sein Einsingen beendet hat, schmeichelt der Minister dem Gesang des Direktors und verspricht ihm sogar, dass er der Sieger des morgigen Sängerkrieges werden würde. Und eins für das andere stellt der Direktor ihm 100.000 Hasentaler in Aussicht. Ja, so ist das: selbst im Heidehasenreich wird gemauschelt. Doch da tritt der junge Hase Lodengrün auf um seine Stimme prüfen lassen, denn auch er möchte am Sängerkrieg teilnehmen. Er singt eine kleine Hasenarie vor, und zwar so schön, dass dem Minister nichts anderes übrig bleibt, als ihn zu loben und ihm das Mitsingen am morgigen Tag zu erlauben. Nachdem Lodengrün wieder abgehoppelt ist, äußert sich der Direktor bekümmert über die soeben vernommene Stimme. Zu Recht, denn der König liebt solche jungen Hasenstimmen. So ersinnt der Minister eine Gemeinheit sondergleichen: man würde einfach die Sonnenuhr vor Lodengrüns Bau um eine Stunde zurückstellen. Denn wer zu spät zum Sängerkrieg erscheint, darf nicht mitsingen. Direktor Wackelohr übernimmt es, den nächtlichen Betrug in die Tat umzusetzen. Ja, so ist das: selbst im Heidehasenreich gibt es Neid, Missgunst und Boshaftigkeiten.

Zweites Bild

Auf der Küchenbank seiner Mutter hält Lodengrün ein wohliges Schläfchen. Die Mutter versucht ihren Sohnemann zu wecken und ihn daran zu erinnern, dass er sein Lied für den Sängerkrieg noch nicht komponiert habe. Doch Lodengrün schnarcht gelassen weiter. Da klopft es an die Tür. Nachbarin Karline schaut herein und erzählt, dass ein dicker Hase vor der Tür sitzt, der dem Direktor Wackelohr verdächtig ähnlich sähe. Mutter Lodengrün schaut skeptisch. Was mag der Direktor wohl bei ihr gewollt haben?

Drittes Bild

Die Festwiese ist für den Sängerkrieg geschmückt. Auf der Tribüne sitzt Hasenkönig Lamprecht VII. mit seiner Tochter, die Sänger ziehen mit Musik ein, inmitten der bunten Schar sind auch der Minister und Direktor Wackelohr. Die beiden Bösewichte tuscheln über ihre betrügerische Hinterlist: von der verstellten Uhr und den 100.000 Hasentalern; derweil seufzt die Prinzessin, dass unter den Sängern nur Fettwänste zu sehen sind. Zum Glück hat Otto Lampe, der Neffe von Karline, dank seiner Ohren, die ein geflüstertes Wort auf zehn Meter Entfernung hören können, die beiden Gauner belauscht. Er rennt zu seiner Tante und berichtet ihr von dem üblen Streich. Und als der König seine Eröffnungsrede hält, wetzt Karline auf ihren Hasenbeinen so schnell sie kann zu Lodengrün. Während das Wettsingen bereits in vollem Gange ist – angefangen von Hyazinth Löffelstein mit seinem dünnen Stimmchen, über der Rumba von Otto Lampe, der die klimpernden Wimpern der Prinzessin besingt, zieht sich Lodengrün flink an, nicht ahnend, dass er schon viel zu spät ist.

Viertes Bild

Schnell schluckt er noch ein Ei, um seinen Hals zu schmieren und hoppelt davon. Sein Lied will er sich auf dem Weg ausdenken, nur ihm will so recht nichts einfallen. Da begegnet ihm Karline und berichtet von der Betrügerei des Direktors Wackelohr und des Ministers. Lodengrün nimmt seine Hasenbeine in die Hand und rennt los. Ob er sich in der Eile noch ein Lied ausdenken kann?

Fünftes Bild

Auf der Festwiese wird nun Direktor Wackelohr als letzter Sänger angekündigt. Von Lodengrün noch keine Spur. Wackelohr beginnt zu knödeln, die Prinzessin befürchtet schon das Schlimmste. Da erscheint Lodengrün, und der Herr Direktor verstummt, er ahnt die Enthüllung der Betrügerei schon voraus. Lodengrün darf – trotz seines späten Erscheinens – sein Lied vortragen, und was er singt, kann dem Minister und Wackelohr nicht gefallen. So schleichen sich die beiden unauffällig von dannen. Unter dem Hasenpublikum macht sich große Empörung über die beiden Halunken breit. Als der König seinen Minister bittet für Ruhe zu sorgen, stellt er fest, dass dieser mit dem Direktor über die Landesgrenze geflohen ist. Und so werden die beiden auf der Stelle von Lamprecht VII. verbannt und Lodengrün wird zum Sieger ernannt. Wie gut, dass es im Märchen gerecht zugeht: am Ende feiern Lodengrün und die Prinzessin glücklich ihre Hochzeit.

Der Dichter der Hasenoper: James Krüss

James Jacob Hinrich Krüss hat sich dieses wunderbare Märchen vom Heidehasenreich ausgedacht. Er wurde am 31. Mai 1926 auf der Nordseeinsel Helgoland geboren und starb am 2. August 1997 auf der spanischen Insel Gran Canaria. Der Leuchtturm auf den Hummerklippen, Mein Urgroßvater und ich, James Tierleben oder Timm Thaler sind eine kleine Auswahl weiterer Werke dieses Geschichtenerzählers, Reimkünstlers und großen Freundes von ABC-Gedichten. Am besten lassen wir ihn selbst zu Wort kommen, wenn es um die Beschreibung seines Lebens geht:

Mein Lebens-ABC

Auf der Insel Helgoland
Bei viel Wasser, Wind und Sand
Zentimeterkurz (kein Held)
Drang ich ein ins Licht der Welt.
Erste Verse reimte ich
Früh schon friesisch – meist für mich.
Gern fuhr ich auch kreuz und quer,
Hummer fangend mit aufs Meer,
Insulaner war ich hier,
Jedenfalls mit viel Pläsier,
Kam jedoch aufs Festland dann,
Lernte fleißig Lehrersmann,
Musste aber mit Gewehr
Noch ein Jahr ins Kriegesheer,
Ohne Pass – der Krieg war aus –
Pilgerte ich dann nach Haus,
Querte Deutschland wochenlang,
Radelnd auch und mit Gesang.
Später, statt als Lehrersmann,
Trat ich dann als Dichter an.
Und was ich so schreib, gefällt
Vielen Kindern auf der Welt.
Wie erfreulich und wie nett!
X, Ypsilon,
Zett.

Wissenswertes über den Sängerkrieg für die großen Kinder

James Krüss schrieb den Sängerkrieg der Heidehasen 1952. Im gleichen Jahr wurde dieses Stück als Hörspiel für den Bayerischen Rundfunk produziert – und berühmt. Die Musik dazu komponierte der 1927 in München geborene Film- und Hörspielkomponist Rolf Wilhelm, der später unter anderem auch für Loriot arbeitete. Man kann Krüss’ ngerkrieg der Heidehasen durchaus als eine gelungene Parodie auf den deutschtümelnden Stoff von Richard Wagners Bühnenwerken Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg und Die Meistersinger von Nürnberg verstehen. Auch die Nähe der Namensschöpfung »Lodengrün« zu Wagners romantischer Oper Lohengrin deutet darauf hin. Somit verspricht der märchenhafte Stoff nicht nur erheiterndes Vergnügen für Klein und Groß zu sein, sondern bietet sich wunderbar als lehrstückhaftes Denkmaterial über den Musikbetrieb an.

Eine späte, aber wichtige Entdeckung

Ein Gespräch mit Thomas Leyendecker, der heute in Personalunion als Moderator, philharmonischer Posaunist und Direktor Wackelohr auf die Bühne tritt.

Bevor Sie die Idee zum Sängerkrieg der Heidehasen hatten, bei dessen heutiger Aufführung Sie nicht nur moderieren, sondern auch gleich noch den Direktor Wackelohr spielen werden, haben sie die Posaune kennengelernt. Wie kam es zu dieser erfolgreichen Beziehung?

Wie sind Sie zu der Auswahl des Sängerkriegs der Heidehasen gekommen?

Was hat Sie an der Hörspielfassung des Sängerkriegs der Heidehasen so begeistert?

Ist das Stück denn noch zeitgemäß?

Werden wir die Berliner Philharmoniker beim Familienkonzert singen hören?

Wie darf man sich dann Ihr Heidehasenreich musikalisch vorstellen?

Sie treten als Direktor Wackelohr auf, Sie haben alles musikalisch bearbeitet, haben sich Bühnenbild und Requisiten ausgedacht – und nun moderieren Sie auch noch die Aufführung.

Ihre Mitstreiter und Sie spielen nun im Salonorchester und haben die Rollen der einzelnen Figuren übernommen. Wie wird das praktisch umgesetzt?

Wie haben Sie für die einzelnen Figuren die Instrumente gefunden?

Und was passiert musikalisch in den einzelnen Moritaten?

Welche ist denn Ihre Lieblingsheidehasenfigur?

Wie sieht es denn im Heidehasenreich aus?

Text und Interview: Christine Mellich

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