Berliner Philharmoniker
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»Rettet den Kammermusiksaal«

Von Gottfried Eberle

Die »Gesellschaft der Freunde der Berliner Philharmonie« wurde im Oktober 1949 gegründet, um finanzielle Mittel für den Aufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Berliner Philharmonie zu sammeln. Dank ihres unermüdlichen Engagements kam im Laufe der Jahre die Summe von 1,5 Millionen DM zusammen. Nachdem die Berliner Philharmonie, die nach den Plänen des Architekten Hans Scharoun am Kemperplatz entstand, am 15. Oktober 1963 eröffnet worden war, scheint vielen Mitgliedern die Aufgabe der Gesellschaft erfüllt. Die Zahl der Mitglieder geht auf 280 zurück. Selbst im Vorstand werden Stimmen laut, die eine Auflösung der Gesellschaft vorschlagen. Doch setzen sich die Argumente für eine Fortführung durch. Man formuliert eine neue Satzung mit neuen Zielen: 1. Unterstützung und Förderung des Berliner Philharmonischen Orchesters und des Bewusstseins, dass es eine Kultureinrichtung von internationaler Tradition und Bedeutung ist. 2. Erforschung der Geschichte der Philharmoniker. 3. Bau des Kammermusiksaals. Letzteres allerdings sollte sich noch ein knappes Vierteljahrhundert hinziehen. Der Berliner Senat stellte den immer wieder zurück, auf lange Zeit.

Das Engagement des Freundeskreises

Scharouns Modell der Philharmonie; am rechten Ende der bereits mit konzipierte Kammermusiksaal (Foto:Archiv Akademie der Künste, Berlin)

»Ein Kammermusiksaal erzeugt Kammermusik, nicht umgekehrt«

Die Gesellschaft der Freunde der Berliner Philharmonie mag sich damit nicht zufrieden geben. Am 9. Mai 1966 ist Hauptthema der Vorstandssitzung die Beförderung des Baus eines Kammermusiksaals. Scharoun wird gebeten, einen Entwurf vorzulegen. Die Kosten werden auf 8 Millionen DM veranschlagt. 1969/1970 drängt die Gesellschaft Scharoun zu weiteren Plänen. Doch ihre Verwirklichung steht in den Sternen. Am 6. Februar 1972 veranstaltet die Gesellschaft eine Matinee, in der Edgar Wisniewski, der engste Mitarbeiter Scharouns, dessen Entwürfe zum Kammermusiksaal erläutert. Der Präsident der Stiftung Preussischer Kulturbesitz, Hans-Georg Wormit, befürwortet den Bau des Kammermusiksaals nachdrücklich. Der Doyen der Berliner Musikkritik, Hans Heinz Stuckenschmidt, betont, »dass ein Kammermusiksaal Kammermusik erzeugt, nicht umgekehrt«.

Das Engagement des Freundeskreises

Philharmoniker-Intendant Wolfgang Stresemann (Foto: Archiv Berliner Philharmoniker)

Im gleichen Jahr noch stirbt Scharoun, und Wisniewski führt sein Werk fort, legt in den folgenden Jahren noch zahlreiche Pläne vor. Aber erst 1976 erhält Intendant Wolfgang Stresemann vom Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz die Zusage, dass zum 100-jährigen Jubiläum des Orchesters im Jahre 1982 das Haus fertiggestellt werden könne. Doch die veranschlagten Kosten klettern im Lauf der Entwicklungen ins Astronomische, so dass der Finanzsenator im August 1979 den Kammermusiksaal aufgrund der wirtschaftlichen Lage Berlins aus der Investitionsplanung nimmt. Der Wiederaufbau der Kongresshalle erhält Priorität. Da tritt die Gesellschaft der Freunde mit der Aktion »Rettet den Kammermusiksaal« erneut auf den Plan. Es wird zu Spenden und Unterschriften aufgerufen. Es können symbolische Bausteine erworben werden. Die Mitgliederzahl der Gesellschaft steigt auf 720. Im Aufruf heisst es: »Der Bau des Kammermusiksaales ist vom Senat auf 1985 verschoben, im Haushalt für 1982 soll er gestrichen werden. […] Niemand leugnet: Es muss gespart werden. Im Augenblick ist kein Geld vorhanden, um sofort mit dem Bau zu beginnen. Aber der Kammermusiksaal darf nicht aus dem Haushalt und damit aus dem Gedächtnis verschwinden. Unsere Stadt braucht einen Kammermusiksaal, den letzten grossen Scharoun-Bau, ohne den die Philharmonie ein Torso bleibt. […] Darum ruft die ›Gesellschaft der Freunde‹ zu einer Unterschrifts- und Spendenaktion auf. Unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift oder Ihrer Spende die vom Abgeordnetenhaus und Senat gleichermassen angestrebte Förderung der kulturellen Ausstrahlungskraft unserer Stadt. Die ›Gesellschaft der Freunde der Berliner Philharmonie‹ macht mit einer Spende von DM 250.000,- den Anfang. Tragen auch Sie zum Bau des Kammermusiksaales bei.«

Symbolische Bausteine und Benefizkonzerte

Schon im Frühjahr 1982 kann die Gesellschaft eine Million DM für den Bau des Kammermusiksaals zur Verfügung stellen. Am 31. Januar 1983 dirigiert Herbert von Karajan ein Benefizkonzert mit zwei Beethoven-Symphonien zu Gunsten des Kammermusiksaals. Im Programmheft wirbt Wolfgang Stresemann erneut um Hilfe. Im Winter 1983/1984, 20 Jahre nach Fertigstellung der Philharmonie, beschliesst der Senat endlich definitiv den Bau des Kammermusiksaals, der anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin im Herbst 1987 eingeweiht werden soll. Bei der Grundsteinlegung am 2. Mai 1984 werden in den Grundstein 25.000 Unterschriften derer eingelagert, die mit dem Erwerb eines symbolischen Bausteins zur Errichtung des Gebäudes beigetragen haben. Im September 1987 spendet die Gesellschaft zusätzliche 144 Stühle für den Saal. Am 28. Oktober wird der Kammermusiksaal dann festlich eröffnet. Ausschliesslich für die Mitglieder der Gesellschaft gibt es am 8. November zwei Konzerte. Diese bleiben weiterhin aktiv für den Kammermusiksaal, spenden 1988/1989 drei Flügel und ein Cembalo. Das Engagement der nunmehrigen »Freunde der Berliner Philharmoniker« setzt sich bis in die Gegenwart fort und wird weiter dauern.

Das Engagement des Freundeskreises

Mitwirkende Künstler der Philharmonischen Revue am 8. und 9. Mai 1982 votieren mit ihrer Unterschrift für den Bau des Kammermusiksaals (Foto: Archiv Edgar Wisniewski)

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