Tastenzauberer: Klavierabende mit Marc-André Hamelin, Igor Levit, Leif Ove Andsnes und Maurizio Pollini

Egal, ob philharmonischer Newcomer oder langjähriger Gastkünstler – die Pianisten der Konzertreihe Klavier eint eines: Trotz ihres überragenden technischen Könnens setzen sie nie auf vordergründige Virtuosität und Brillanz. Sie verstehen es vielmehr, der Musik neue, ungewohnte Sichtweisen abzugewinnen und ihr Publikum mit ihrem Spiel innerlich zu berühren. Bestes Beispiel dafür ist der aus Montreal stammende Marc-André Hamelin. Er gilt zwar als großer Virtuose mit Vorliebe für schwere, selten gespielte Werke, aber gleichzeitig steht er im Ruf, Romantiker durch und durch zu sein. Und so vereint er bei seinem Klavierabend Franz Liszts Klaviersonate h-Moll, eines der technisch herausforderndsten Werke des 19. Jahrhunderts, mit verträumten Stücken aus dem Klavierzyklus Auf verwachsenem Pfad von Leoš Janáček und Maurice Ravels mysteriösem Gaspard de la nuit. Und nicht nur das. Mit seinem neuesten Werk Barcarolle offenbart sich Hamelin auch als Komponist.

Bezwingende Virtuosität, mitreißender Ausdruck

Anders als der kanadische Pianist, der bereits dreimal von den Berliner Philharmonikern eigeladen wurde – zuletzt im Oktober 2011 als Solist in Karol Szymanowskis Symphonie concertante –, ist Igor Levit ein philharmonischer Debütant. Erste Aufmerksamkeit erregte der junge Deutschrusse, der 1987 in Nowgorod geboren wurde und seit seinem achten Lebensjahr in Deutschland lebt, als er 2005 gleich vier Preise beim Internationalen Arthur-Rubinstein-Wettbewerb in Tel Aviv abräumte, außerdem den zweiten Preis beim Internationalen Maria Callas Grand Prix in Athen und den Hamamatsu International Piano Competition in Japan gewann. Auch wenn Levit erst vor kurzem sein Klavierstudium in Hannover beendete – mit der höchsten Punktzahl, die die Hochschule je vergeben hat –, kann er bereits auf eine bemerkenswerte Karriere zurückblicken. Sein Markenzeichen: Eine Programmzusammenstellung, die ein ungeheures Repertoirespektrum erkennen lässt. Bei seinem Debüt-Recital in Berlin reicht die Spannbreite von Werken des Barockkomponisten Georg Muffat über Ludwig van Beethoven, Wagner-Bearbeitungen von Franz Liszt und Liszt-Bearbeitungen von Ferruccio Busoni bis hin zum Zeitgenossen Frederic Rzewski.

Langjährige Weggefährten der Berliner Philharmoniker

Leif Ove Andsnes hingegen setzt bei seinem Klavierabend nur auf einen einzigen Komponisten: Ludwig van Beethoven. Unter anderem interpretiert er dessen expressive f-Moll-Sonate, genannt Appassionata. Der gebürtige Norweger musizierte erstmals 1992 als gerade 22-Jähriger gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern in einer Aufführung von Edvard Griegs Klavierkonzert. Die Zusammenarbeit mit dem Orchester, das ihn in den folgenden Jahren immer wieder als Interpret für Konzerte von Britten, Bartók, Schumann, Rachmaninow und Brahms einlud, gipfelte in der Saison 2010/2011, in der Leif Ove Andsnes als Pianist in Residence sein Können nicht nur als Solist, sondern auch als sensibler Kammermusiker bewies. Der Doyen unter den Künstlern der Reihe Klavier ist jedoch Maurizio Pollini. 1970 begann mit einer Aufführung von Beethovens Fünftem Klavierkonzert die intensive musikalische Freundschaft zwischen Orchester und Pianist. Pollini, ein künstlerischer Weggefährte Claudio Abbados, ist ein beständiger Gast der philharmonischen Konzerte. Als Achtzehnjähriger gewann er 1960 den Chopin-Wettbewerb in Warschau, seither gilt er als Spezialist für das Werk des polnischen Komponisten, er erwies sich aber auch als exzellenter Beethoven-Interpret und als leidenschaftlicher Befürworter moderner und zeitgenössischer Klaviermusik.

Pollini
Maurizio Pollini (Foto: Philippe Gontier/DG)
Andsnes
Leif Ove Andsnes (EMI Classics/Lorenzo Agius)
Levit
Igor Levit (Foto: Felix Broede)
Hamelin
Marc-André Hamelin (Foto: Sim Canetty Clarke)

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