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Titelgeschichte, 10.03.2010
Führende Kulturschaffende Berlins, darunter auch der Chefdirigent und die Intendantin der Berliner Philharmoniker, Sir Simon Rattle und Pamela Rosenberg, unterzeichneten einen Brief an den Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung Prof. Dr. Jürgen Zöller, in dem sie gegen den schleichenden Abbau von Schulmusik protestieren (siehe unten).
Um ihrem Protest Nachdruck zu verleihen, veranstalten Pamela Rosenberg und Dr. Hubert Kolland, Landesvorsitzender für Berlin vom Verband Deutscher Schulmusiker, am 16. März 2010 eine Kundgebung, in der sie über die Pläne des Senats informieren und dazu aufrufen, diese zu stoppen. Sie findet zu Beginn des Lunchkonzerts um 13 Uhr im Foyer der Berliner Philharmonie statt. Wir laden Sie herzlich ein, an dieser Kundgebung und dem Lunchkonzert teilzunehmen.
Außerdem soll die breite Öffentlichkeit auf das Thema aufmerksam gemacht werden – mit einem Banner, das ab 10. März 2010 an der Außenmauer des Kammermusiksaals der Berliner Philharmonie hängt und folgende Aufschrift trägt:
FÜR MUSIKUNTERRICHT!
GEGEN DIE SCHLEICHENDE VERDRÄNGUNG DER MUSIK AUS DEN SCHULEN
Protest gegen Abbau von Schulmusik
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Zöllner,
mit diesem Schreiben wollen wir gegen den geplanten Abbau des Musikunterrichts an den weiterführenden Schulen protestieren. Seit knapp zwei Jahrzehnten läuft nun schon der Abbau des Musikunterrichts in den Sekundarstufen I und II. Seit 1993 sind die für alle Schüler verbindlichen Musikstunden in der SEK I von 2 Wochenstunden auf 1,5 oder sogar nur 1 Stunde zusammengekürzt worden. Mit dem 1. Februar 2010 kommt nun noch erschwerend und erstmals die Austauschbarkeit von Musik und Bildender Kunst hinzu, so dass an einigen Schulen möglicherweise gar kein Musikunterricht stattfinden wird. In der ab 2010/11 vorgesehenen Stundentafel für die neue Sekundarschule ist diese Austauschbarkeit ebenfalls gegeben und nur noch eine einzige Musikstunde pro Woche ist verbindlich.
In der SEK II sieht es nicht besser aus: Am Gymnasium, das die Schüler ja inzwischen nach 12 Jahren mit dem Abitur verlassen sollen, fällt der Musikunterricht der 11. Klasse komplett weg. Dazu kommt, dass durch die geringe Berührung mit diesem Fach viele Schüler eine Wahl von Musik als Leistungs- oder Grundkurs scheuen, wodurch das Angebot noch weiter ausgedünnt wird.
Dies hat in unseren Augen eine fatale Wirkung auf die Musikkultur unserer Stadt.
Nicht nur wird von Ihnen damit der Verlust wichtiger kultureller Möglichkeiten und Traditionen billigend in Kauf genommen, sondern auch eine Nivellierung des Allgemeinwissens auf naturwissenschaftliche und ökonomische Inhalte. Es kann nicht sein, dass es Schüler gibt, die in den Klassen 7-9 (also drei Jahre lang!) überhaupt keinen Musikunterricht in der Schule haben. Wie wir so nachwachsendes Publikum heranziehen sollen und mit wem wir in Zukunft die Education-Programme an den Schulen zusammen erarbeiten sollen, ist uns ein Rätsel.
Wir bitten Sie, diese Pläne für die Sekundarschulen wieder rückgängig zu machen und so zumindest einen durchgehenden verbindlichen Musikunterricht auf dem bisherigen Niveau der Realschule mit jeweils 1,5 Stunden (bis Anfang 2009/2010) für alle Klassenstufen zu erhalten. Wir möchten Sie bitten, in einen konstruktiven Dialog mit dem Verband Deutscher Schulmusiker e. V. zu treten und fordern, dass eine Lösung gefunden wird, die die musikalische Allgemeinbildung nicht aus unserer Stadt verbannt.
Unterzeichnende:
Sir Simon Rattle
(Künstlerischer Leiter der Berliner Philharmoniker)
Pamela Rosenberg
(Intendantin der Berliner Philharmoniker)
Donald Runnicles
(Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin)
Kirsten Harms
(Intendantin der Deutschen Oper Berlin)
Daniel Barenboim
(Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden)
Ronald Adler
(Intendant der Staatsoper Unter den Linden)
Carl St. Clair
(Generalmusikdirektor der Komischen Oper)
Andreas Homoki
(Intendant der Komischen Oper)
Lothar Zagrosek
(Künstlerischer Leiter des Konzerthausorchester)
Prof. Sebastian Nordmann
(Intendant des Konzerthausorchester)
Ingo Metzmacher
(Künstlerischer Leiter des Deutschen Symphonie-Orchester Berlin)
Gernot Rehrl
(Intendant ROC GmbH Berlin)
Marek Janowski
(Künstlerischer Leiter des Rundfunk Sinfonieorchester Berlin)
