Berliner Philharmoniker

Aserbaidschan: die Berliner Philharmoniker als UNICEF-Botschafter in Baku

05/29/2013

Am 19. September reisten der Oboist Christoph Hartmann, der Geiger Philipp Bohnen und der Fagottist Mor Biron in ihrer Funktion als philharmonische UNICEF-Botschafter in besonderer Mission für drei Tage nach Baku: UNICEF veranstaltete gemeinsam mit der Heydar Aliev Foundation in der aserbaidschanischen Hauptstadt eine Internationale Konferenz für Kinder mit Behinderung.

Ziel der Konferenz war es, diesen Kindern in Aserbaidschan und anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion bessere Ausbildungschancen zu bieten und ihnen somit auch eine bessere Integration in die Gesellschaft zu ermöglichen. Nur wenige behinderte Kinder lebten bisher in ihren Familien. Sie wurden zu Zeiten des Sozialismus in Internaten und Waisenhäusern untergebracht, in denen eine optimale und individuelle Betreuung nicht gewährleistet war.

Aufbruch ins Ungewisse
Die Musiker brachen – wie Christoph Hartmann gesteht – mit gemischten Gefühlen auf. »Wir wussten alle nicht so recht, was uns erwartet und was man von uns als UNICEF-Botschafter erwartet. Schließlich war es das erste Mal, dass Musiker der Berliner Philharmoniker diese Rolle aktiv wahrnehmen und dann in einem Land wie Aserbaidschan, von dem wir hier in Europa noch recht wenig wissen.«

Hinzu kam die Überlegung, ob angesichts der verheerenden Hungersnöte und Kriege in Afrika ein Engagement in einem materiell relativ gesicherten Schwellenland wie Aserbaidschan vernünftig wäre. »Rückblickend kann ich sagen, dass diese Reise sehr sinnvoll war«, meint Christoph Hartmann. »Mir ist klar geworden, dass UNICEF flächendeckend und strukturell, nicht situativ arbeitet. Vor diesem Hintergrund erklärt sich mir auch die Internationale Konferenz und die Kampagne für Kinder mit Behinderung in deren Rahmen wir ein Konzert mit dem Staatlichen Aserbaidschanischen Symphonieorchester unter der Leitung von Fakhraddin Karimov gegeben haben.«

Musik begeistert
Das Konzert, das in einer kleinen, renovierten protestantischen Kirche stattfand, war ein großes mediales Ereignis. Die Philharmoniker, die zusammen mit den aserbaidschanischen Musikern Mozarts g-Moll-Symphonie und Haydns Sinfonia Concertante aufführten, wurden enthusiastisch gefeiert. Ebenso große Begeisterung lösten die Videobotschaften von Sir Simon Rattle und Medienvorstand Stanley Dodds aus, die die Musiker aus Berlin mitgebracht hatten und auf der Konferenz gezeigt wurden.

Das Konzert bildete den Auftakt zu einer Reihe von »field visits«, bei denen sich die Philharmoniker in verschiedenen Einrichtungen über die Situation behinderter Kinder in Aserbaidschan informieren konnten. Dem Besuch dieser Einrichtungen sahen die Philharmoniker mit einer gewissen Skepsis entgegen. Mor Biron fragte sich: »Wie kann man als Musiker Kindern helfen, die man kurz besucht, ein Konzert spielt, um dann wieder nach Berlin zu fliegen? Die Erfahrung hat mir jedoch jetzt gezeigt, wie viel Freude es in den Kindern auslöst, dass wir extra für sie in ihre Schule kommen und mit ihnen gemeinsam musizieren. Dafür mussten wir nicht die gleiche Sprache sprechen, um diese Freude zu verstehen.«

»Field visits« in verschiedenen Einrichtungen
Im Laufe ihres dreitägigen Aufenthalts besuchten die UNICEF-Botschafter ein Internat für sehbehinderte und blinde Kinder, ein Institut für psychisch-neurologisch erkrankte Kinder und das Day Care Center von Mushvig. Jede dieser Institutionen hinterließ andere Eindrücke. So genossen die Philharmoniker im Internat für sehbehinderte und blinde Kinder vor allem das gemeinsame Musizieren. »Zu spüren, wie sehr es die Kinder freut, wenn man ihnen nur einen Satz von Telemann vorspielt, mit ihnen ihre Musik spielt, ihnen überhaupt Aufmerksamkeit schenkt, ist für mich als Musiker und Mensch unglaublich beglückend«, freut sich Philipp Bohnen. Dagegen empfanden die Philharmoniker den Besuch des Instituts für psychisch-neurologisch erkrankte Kinder eher bedrückend, weil dort die Institutsleiterin nur über die Defizite, nicht aber über die Möglichkeiten ihrer Zöglinge sprach.

Beglückende Erfahrung
Ganz anders hingegen präsentierte sich das Day Care Center in Mushvig. »Meiner Meinung nach war das der Höhepunkt unserer Reise«, schwärmt Philipp Bohnen. »Im Day Care Center von Mushvig finden Kinder mit allen Arten von Behinderungen einen Ort, in dem sie gefördert werden und lernen können. Gleichzeitig verlieren sie aber ihre Eltern nicht, im Gegenteil, die Eltern werden dort in die Arbeit miteingebunden. Die Kinder behalten somit ihr zu Hause.«

Es waren anstrengende, intensive, gleichwohl erfüllende Tage für die Musiker. Und sie hoffen – so Mor Biron bei der Rückreise – , dass die Kampagne erfolgreich sei. »UNICEF setzt sich dafür ein, dass Kinder mit Behinderung in Aserbaidschan bessere Ausbildungschancen und mehr Anerkennung durch die Gesellschaft bekommen. Wir sind angereist, um diese Botschaft zu verbreiten und in der Gesellschaft das nötige Bewusstsein für ein Umdenken zu schaffen.«


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