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Herr Harvey, Sie haben Ihrem neuen Werk für Chor und Orchester den Titel Messages gegeben. Der Text der 25-minütigen Komposition besteht dabei aus einer Folge von über hundert Engelsnamen. Können Sie uns diese ungewöhnliche Titel- und Textwahl etwas näher erläutern?
Sie haben Messages für ein groß besetztes Orchester geschrieben, das neben zahlreichen Schlaginstrumenten auch zwei Harfen, ein Klavier, eine Celesta und ein Cimbalom umfasst. In der Gruppe der Streichinstrumente fehlen allerdings die Violinen. Warum?
Bei der Aufführung Ihres Werkes waren nicht alle Instrumente auf der Bühne platziert. So haben Sie zum Beispiel zwei Posaunen im Foyer aufgestellt. Welche Ideen stehen hinter dieser räumlichen Aufstellung?
Sie haben sich als Komponist intensiv mit elektro-akustischer Musik und Live-Elektronik befasst. Welche Rolle spielen diese Erfahrungen, wenn Sie ein Werk wie Messages komponieren, in dem keinerlei Elektronik verwendet wird?
Sie begannen Ihre musikalische Karriere im Kindesalter als Chorknabe. Wie sah der Alltag eines Chorknaben damals in England aus und inwiefern haben diese Erfahrungen Ihr späteres Komponieren geprägt?
Beim Hören Ihres Werkes bekommt man den Eindruck, dass der Vorgang des Ein- und Ausatmens und der Rhythmus und die Dynamik dieser Atemprozesse eine wichtige musikalische Rolle spielen. Stimmt dieser Eindruck?
Zum Schluss eine sehr persönliche Frage: Glauben Sie an Gott und die Existenz von Engeln oder war das Thema von Messages für Sie nur unter künstlerischen Gesichtspunkten interessant?
Am Ende von Messages verwenden Sie als musikalisches Material eine Folge von fallenden Sekunden. Verbinden Sie mit diesem Material, das sie auch schon in früheren Werken verwendet haben, eine bestimmte Bedeutung?
Beim Hören Ihres Werkes entsteht der Eindruck, dass das Orchester nicht das Fundament des Chores bildet, sondern ihn eher mit einem Klangraum umgibt. In welchem Verhältnis stehen beide Klangkörper und was repräsentieren sie?
Der Engländer Jonathan Harvey komponierte Messages für die Berliner Philharmoniker und den Rundfunkchor Berlin. Die Uraufführung fand am 29. September 2008 in Berlin unter der Leitung von Reinbert de Leeuw statt.
Im Gespräch mit dem Komponisten Jonathan Harvey erfahren Sie, wie er den Klang von Chor und Orchester (mit Celesta, Cimbalom und zwei Harfen) in Messages ausdifferenzierte, welche Bedeutung Religion für diese Komposition spielte und wieso dieses Werk ohne elektro-akustische Musik und Live-Elektronik komponiert wurde, die in seinen früheren Werken eine große Rolle gespielt hat.

